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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 218. 219. 220. 221. 222. 223. 224. 225. 226. 227. 228. 229. 230. 231. 232. 233. 234. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
226. Nacht"Herr, als der Prinz Kamaralsaman am folgenden Morgen erwachte, blickte er um sich, ob das Fräulein, die er in der Nacht an seiner Seite gesehen hatte, noch da wäre. Als er sie nicht mehr sah, sagte er bei sich selber: "Ich hatte es wohl gedacht, dass es eine Überraschung wäre, welche der König, mein Vater, mir machen wollte: Es ist mir sehr lieb, dass ich mich davor in Acht genommen habe." Er weckte den Sklaven, der noch schlief, und hieß in eilig kommen ihn anzukleiden, ohne ihm etwas davon zu sagen. Der Sklave brachte ihm das Waschbecken und Wasser: Er stand auf, und nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, nahm er ein Buch und las eine Zeit lang. Nach seinen gewöhnlichen Übungen rief Kamaralsaman den Sklaven und sprach zu ihm: "Komm her, und belüge mich nicht. Sage mir, wie ist das Fräulein herein gekommen, die diese Nacht bei mir geschlafen hat, und wer hat sie hergebracht?" "Prinz," antwortete der Sklave mit großen Erstaunen, "von welchem Fräulein redet ihr?" "Von der, sage ich dir," erwiderte der Prinz, "die diese Nacht hierher gekommen oder geführt ist, und bei mir geschlafen hat." "Prinz," versetzte der Sklave, "ich schwöre euch, dass ich nichts davon weiß. Wie sollte dies Fräulein herein gekommen sein, da ich an der Türe schlafe?" "Du lügst, Schurke," erwiderte der Prinz, "und du bist mit ihnen im Einverständnis, um mich noch mehr zu quälen und toll zu machen." Indem er dies sagte, gab er ihm eine Ohrfeige, dass er zu Boden stürzte, und nachdem er ihn genug mit Füßen getreten hatte, band er ihm das Brunnenseil unter die Arme, ließ ihn daran hinab, und tauchte ihn mehrmals mit dem Kopf unters Wasser. "Ich ersäufe dich," rief er ihm zu, "wenn du mir nicht schleunig sagst, wer das Fräulein ist, und wer sie hergebracht hat." Der Sklave in dieser grimmigen Not, halb im Wasser, halb draußen, sagte bei sich selber: "Ohne Zweifel hat der Prinz vor Leid den Verstand verloren, und ich kann nur durch eine Lüge mich retten." - "Prinz," sagte er hierauf mit bittendem Ton, "schenkt mir das Leben, ich beschwöre euch darum. Ich verspreche, euch den Zusammenhang der Sache zu sagen." Der Prinz zog nun den Sklaven wieder herauf, und drängte ihn zu reden. Sobald der Sklave aus dem Brunnen war, sagte er zitternd zu ihm: "Prinz, ihr seht wohl, dass ich in diesem Zustand euch nicht genug tun kann. Lasst mir so viel Zeit, zuvor mein Kleid zu wechseln." "Ich gewähre es dir," erwiderte der Prinz, "aber mach geschwind, und hüte dich wohl, mir die Wahrheit zu verbergen." Der Sklave ging hinaus, schloss aber den Prinzen ein, und lief, wie er war, in den Palast. Der König unterhielt sich eben mit dem Großwesir, und beklagte sich bei ihm über die üble Nacht, welche ihm der Ungehorsam und die sträfliche Widersetzlichkeit seines Sohnes zugezogen hätte. Der Minister bemühte sich, ihn zu trösten, und ihm begreiflich zu machen, dass der Prinz selber ihm Gelegenheit gegeben hätte, ihn zu seiner Pflicht zurück zu führen. "Herr," sagte er zu ihm, "Euer Majestät darf es nicht bereuen, ihn gefangen gesetzt zu haben. Sofern ihr nur die Geduld habt, ihn eine Weile in seinem Gefängnis zu lassen, so dürft ihr überzeugt sein, dass diese jugendliche Hitze verrauche, und er endlich sich allem unterwerfen wird, was ihr von ihm fordert." Der Großwesir endigte soeben diese Rede, als der Sklave vor den König Schachsaman trat: "Herr," sprach er zu ihm, "es tut mir sehr leid, Euer Majestät eine Neuigkeit bringen zu müssen, welche ihr nur mit großem Missvergnügen hören werdet. Was der Prinz von einem Fräulein erzählt, welche die Nacht bei ihm geschlafen habe, und der Zustand, in welchen er mich versetzt hat, wie Euer Majestät sehen kann, geben nur zu sehr zu erkennen, dass er nicht recht mehr bei Sinnen ist." Hierauf erzählte er alles, was der Prinz gesagt, und auf welche Weise er ihn misshandelt hatte, mit Ausdrücken, die seine Erzählung desto wahrscheinlicher machten. Der König, der sich dieses neuen Gegenstandes der Bekümmernis nicht versah, sagte zu seinem ersten Minister: "Da ist wieder ein höchst verdrießlicher Vorfall, sehr entfernt von der Hoffnung, welche du mir jetzt eben machtest. Geh und verliere keine Zeit, erforsche selber, was es ist, und bringe mir Bescheid." Der Großwesir gehorchte auf der Stelle, und beim Eintritt in das Zimmer des Prinzen fand er ihn sehr ruhig, mit einem Buch in der Hand, sitzend und lesend. Er begrüßte ihn, und nachdem er sich neben ihn gesetzt hatte, sagte er zu ihm: "Ich verwünsche euren Sklaven, dass er zu dem König, eurem Vater, gekommen ist, und ihn durch die überbrachte Neuigkeit erschreckt hat." "Welche Neuigkeit," erwiderte der Prinz, "kann ihn so erschreckt haben? Ich habe weit mehr Ursache, mich über meinen Sklaven zu beklagen." "Prinz," versetzte der Wesir, "verhüte Gott, dass dasjenige, was er von euch berichtet hat, wahr sei! Der gute Zustand, in welchem ich Gott bitte, euch zu erhalten, gibt mir zu erkennen, dass nichts daran ist." "Vielleicht," erwiderte der Prinz, "hat er sich nicht recht verständlich gemacht. Da ihr nun gekommen seid, so ist es mir lieb, einen Mann, wie euch, befragen zu können, der ihr doch etwas davon wissen müsst, wo das Fräulein ist, welches diese Nacht bei mir geschlafen hat." Bei dieser Frage fuhr der Großwesir zurück. "Prinz," antwortete er, "verwundert euch nicht über mein Erstaunen bei dieser eurer Frage. Wie wäre es möglich, dass ich sage nicht eine Frau, sondern überhaupt ein Mensch auf der Welt bei Nacht hier herein gedrungen sein sollte, wo man nur durch die Türe, und über den Leib eures Sklaven hinweg eintreten kann? Ich bitte euch, besinnt euch, und ihr werdet finden, dass ihr einen Traum gehabt, der euch diesen lebhaften Eindruck zurückgelassen hat." "Ich beruhigte mich nicht bei dieser Ausrede," fuhr der Prinz im höheren Ton fort: "Ich will durchaus wissen, was aus diesem Fräulein geworden ist. Ich bin hier an einem Ort, wo ich mir Gehorsam zu verschaffen weiß." Bei diesen nachdrücklichen Worten geriet der Großwesir in unbeschreibliche Verlegenheit, und er dachte auf Mittel, sich so gut als möglich daraus zu ziehen. Er versuchte es bei dem Prinzen mit Güte, und fragte ihn in den untertänigsten und behutsamsten Ausdrücken, ob er denn selber dieses Fräulein gesehen hätte. "Ja, ja," antwortete der Prinz, "ich habe sie gesehen, und habe sehr wohl gemerkt, dass ihr sie geschickt habt, mich zu versuchen. Sie hat die von euch ihr vorgeschriebene Rolle sehr gut gespielt, indem sie kein Wort gesprochen, sondern sich schlafend gestellt, und sich entfernt hat, sobald ich wieder eingeschlafen war. Ihr wisst das ohne Zweifel, und sie wird nicht verfehlt haben, euch Bericht davon abzustatten." "Prinz," versetzte der Großwesir, "ich schwöre euch, dass nichts an allem dem ist, was ich hier aus eurem Mund vernehme. Der König, euer Vater, und ich, wir haben das Fräulein, von welchem ihr redet, nicht abgeschickt, ja, wir haben nicht einmal den Gedanken daran gehabt. Erlaubt mir, euch noch einmal zu sagen, ihr habt dieses Fräulein nur im Traum gesehen." "Ihr kommt also nur auch, um mich zu verspotten," erwiderte zornig der Prinz, "und um mir ins Gesicht zu sagen, dass dasjenige, was ich euch erzähle, ein Traum ist." Und alsbald ergriff er ihn beim Bart, und bearbeitete ihn so lange mit Schlägen, als er die Hand rühren konnte. Der arme Großwesir ertrug geduldig den ganzen Zorn des Prinzen Kamaralsaman. "Da bin ich nun," sagte er bei sich, "in demselben Falle, wie der Sklave. Ich habe von Glück zu sagen, wenn ich so, wie er, einer so großen Gefahr entgehe." Und mitten unter den Schlägen, womit der Prinz ihn noch immer belud, rief er aus: "O Prinz, ich flehe euch, mir nur einen Augenblick Gehör zu schenken." Der Prinz, endlich ermüdet vom Schlagen, ließ ihn reden. "Ich bekenne euch, Prinz," sagte nun der Großwesir mit Verstellung, "dass etwas an eurer Vermutung ist. Aber euch ist nicht unbekannt, dass ein Minister gezwungen ist, die Befehle des Königs, seines Herrn, zu vollziehen. Wenn ihr die Güte habt, es mir zu erlauben, so will ich sogleich hingehen und ihm alles sagen, was ihr mir befehlt." "Ich erlaube es," sagte darauf der Prinz, "geht und sagt ihm, dass ich das Fräulein heiraten will, die er mir geschickt oder gebracht hat. Macht geschwind und bringt mir Antwort." Der Großwesir machte ihm beim Weggehen eine tiefe Verbeugung, und glaubte sich nicht eher in Sicherheit, als bis er aus dem Turm war und die Tür hinter dem Prinzen verschlossen hatte. Der Großwesir erschien vor dem König Schachsaman mit einer Niedergeschlagenheit, die diesen im voraus bekümmerte. "Wohlan," fragte ihn der Fürst, "in welchem Zustande hast du meinen Sohn gefunden?" "Herr," antwortete der Minister, "was der Sklave Euer Majestät berichtet hat, ist nur zu wahr." Hierauf erzählte er ihm seine Unterhaltung mit dem Prinzen, wie derselbe sich entrüstet, sobald er es gewagt, ihm vorzustellen, es wäre unmöglich, dass jenes Fräulein, von welchem er spräche, bei ihm geschlafen hätte. Welche Misshandlung er von ihm erlitte, und welcher List er sich bedient hatte, um seinen Händen zu entkommen. Schachsaman, um so bekümmerter, weil er den Prinzen stets mit Zärtlichkeit liebte, wollte sich selber von der Wahrheit überzeugen. Er ging also zu ihm in den Turm und nahm den Großwesir mit sich ... Aber Herr," sagte hier die Sultanin Scheherasade, indem sie sich unterbrach, "ich gewahre, dass der Tag schon anbricht." Damit schwieg sie. In der folgenden Nacht nahm sie ihre Erzählung wieder auf, und sprach zu dem Sultan von Indien: |
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