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204. NachtDie Vertraute Schemselnihars fuhr fort, Ebn Thaher alles zu erzählen, was mit ihrer Gebieterin seit ihrer ersten Ohnmacht vorgegangen war: "Wir, meine Genossen und ich, waren abermals lange beschäftigt, sie wieder zu sich zu bringen. Als sie sich endlich wieder erholte, sagte ich zu ihr: "Gebieterin, seid ihr denn entschlossen, euch zu töten, und uns alle mit euch sterben zu lassen? Ich flehe euch, im Namen des Prinzen von Persien, für welchen ihr zu leben wünschen müsst, ihr eure Erhaltung zu sorgen. Um Gotteswillen, lasst euch bewegen, und tut, was ihr euch selber, der Leibe des Prinzen und unserer Anhänglichkeit an euch schuldig seid." - "Ich bin euch sehr dankbar," erwiderte sie, "für eure Sorgfalt, euren Eifer und guten Rat. Aber ach! Kann er mir nützen? Wir dürfen uns mit keiner Hoffnung schmeicheln, und nur im Grabe müssen wir das Ende unserer Leiden erwarten." Eine meiner Gefährtinnen, mit Namen Fulkulmaghur, wollte sie von diesen traurigen Gedanken ablenken, indem sie zu ihrer Laute folgendes Lied sang: "Man sagte mir: 'Vielleicht verschafft die Geduld dir
Beruhigung.' Allein wie ist die Geduld möglich, wenn man von ihm getrennt
ist?" Aber Schemselnihar gebot ihr, zu schweigen, und samt allen übrigen hinausgehen. Mich allein behielt sie für die Nacht bei sich. Welche Nacht, o Himmel! Sie brachte sie in Tränen und Seufzern zu, und unaufhörlich nannte sie den Namen des Prinzen von Persien, und beklagte sich über ihr Schicksal, das sie dem Kalifen bestimmt hätte, den sie nicht lieben könne, und nicht dem, den sie bis in den Tod liebte. Am folgenden Morgen brachte ich sie aus dem Saal, wo sie nicht ihre Bequemlichkeit hatte, in ihr Gemach. Hier war sie kaum angelangt, als alle Ärzte des Hofes, auf Befehl des Kalifen, sie zu besuchen kamen, und dieser Fürst selber blieb nicht lange aus. Die Mittel, welche die Ärzte Schemselnihar verordneten, taten um so weniger Wirkung, als ihnen die Ursache ihrer Krankheit verborgen war; und der Zwang, welchen die Gegenwart des Kalifen ihr auflegte, vermehrte dieselbe nur. Sie hat gleichwohl diese Nacht ein wenig geruht, und sobald sie aufgewacht ist, hat sie mir aufgetragen, zu euch zu gehen, um mich nach dem Prinzen von Persien zu erkundigen." "Ich habe euch schon von dem Zustand unterrichtet, worin er sich befindet," sagte Ebn Thaher zu ihr, "drum kehrt zu eurer Gebieterin zurück, und versichert sie, dass der Prinz von Persien mit derselben Sehnsucht Nachricht von ihr erwartet, als sie von ihm. Ermahnt sie vor allem, sich zu mäßigen und sich zu überwinden, damit ihr in Gegenwart des Kalifen nicht ein Wort entschlüpft, welches uns mit ihr zu Grunde richten könnte." "Was mich betrifft," erwiderte die Vertraute, "so fürchte ich alles von ihrer Leidenschaft. Ich habe mir die Freiheit genommen, ihr zu sagen, wie ich darüber denke. Ich bin überzeugt, sie wird es nicht übel nehmen, dass ich nochmals von euretwegen mit ihr davon rede." Ebn Thaher, der eben erst von dem Prinzen von Persien gekommen, war es nicht gelegen, sogleich wieder dahin zurückzukehren, weil er wichtigere Geschäfte zu besorgen hatte, welche ihn bei seiner Heimkehr erwarteten, erst gegen Abend ging er hin. Der Prinz war allein, und befand sich nicht besser, als am Morgen. "Ebn Thaher," rief er ihm entgegen, als er ihn kommen sah, "ihr habt ohne Zweifel viele Freunde, aber sie kennen gewiss nicht euren Wert, so wie ihr ihn mir zu erkennen gebt, durch euren Eifer, eure Sorgfalt, und die Mühe, die ihr anwendet, wenn es darauf ankommt, einen Dienst zu leisten. Ich bin beschämt über alles, was ihr mit so vieler Hingebung für mich tut und ich weiß nicht, wie ich es euch vergelten kann." "Prinz," antwortete ihm Ebn Thaher, "ich bitte euch, reden wir nicht weiter davon: Ich bin bereit, nicht nur allein eines meiner Augen hinzugeben, um euch eins der eurigen zu erhalten, sondern selbst mein Leben für das eurige aufzuopfern. Davon ist aber jetzt nicht die Rede. Ich komme, euch zu sagen, dass Schemselnihar ihre Vertraute zu mir geschickt hat, um Nachricht von euch zu holen, und zugleich von ihr zu bringen. Ihr könnt wohl denken, dass ich ihr nichts gesagt habe, als was das Übermaß eurer Liebe zu ihrer Gebieterin und die Standhaftigkeit, mit welcher ihr sie liebt, bestätigt." Ebn Thaher machte ihm hierauf einen genauen und umständlichen Bericht von allem, was die vertraute Sklavin ihm gesagt hatte. Der Prinz hörte ihn an, mit allen den abwechselnden Bewegungen der Furcht, der Eifersucht, der Zärtlichkeit und des Mitleidens, welche seine Erzählung ihm einflößte, indem er über jeden Umstand, den er vernahm, alle die betrübenden oder tröstenden Betrachtungen anstellte, deren ein so leidenschaftlich Liebender, wie er, nur fähig ist. Ihr Gespräch verzog sich bis tief in die Nacht, so dass der Prinz von Persien Ebn Thaher nötigte, bei ihm zu bleiben. Am folgenden Morgen, als dieser treue Freund nach Hause ging, sah er eine Frau auf sich zukommen, welche er für die Vertraute Schemselnihars erkannte. Als sie ihn erreicht hatte, sagte sie zu ihm: "Meine Gebieterin grüßt euch, und lässt euch bitten, dem Prinzen von Persien diesen Brief zuzustellen." Der treue Ebn Thaher nahm den Brief, und kehrte zu dem Prinzen zurück, in Begleitung der vertrauten Sklavin ..." Scheherasade hörte bei dieser Stelle auf zu reden, weil sie den Tag anbrechen sah. In der folgenden Nacht nahm sie ihre Erzählung wieder auf, und sprach zu dem Sultan von Indien: |
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