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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 192. 193. 194. 195. 196. 197. 198. 199. 200. 201. 202. 203. 204. 205. 206. 207. 208. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
200. Nacht"Nachdem Schemselnihar den Prinzen von Persien und Ebn Thaher beruhigt hatte, trug sie ihrer vertrauten Sklavin auf, hinzugehen, und Mesrur und die beiden anderen Hofbedienten des Kalifen so lange zu unterhalten, bis sie selber sich in den Stand gesetzt hätte sie zu empfangen, und ihr sagen ließe, sie herein zu führen." Sogleich befahl sie, alle Fenster des Saales zu schließen, und die gemalten Vorhänge auf der Gartenseite niederzulassen. Und nachdem sie den Prinzen und Ebn Thaher versichert hatte, dass sie ohne Furcht dort bleiben könnten, ging sie aus der Türe, die nach dem Garten führte, und schloss sie hinter sich zu. Aber wie sehr sie ihnen auch ihre Sicherheit verbürgte, so empfanden beide gleichwohl die lebhafteste Unruhe, während der ganzen Zeit, dass sie allein waren. Sobald Schemselnihar mit ihrem Gefolge im Garten war, ließ sie die Stühle, auf welchen die Frauen nahe am Fenster vor dem Prinzen von Persien und Ebn Thaher gesessen und gespielt hatten, wieder wegtragen; und als sie alles angeordnet sah, wie sie verlangte, setzte sie sich auf ihren silbernen Thron. Hierauf ließ sie der vertrauten Sklavin befehlen, das Oberhaupt der Verschnittenen und die beiden Unterbeamten hereinzuführen. Diese erschienen in Begleitung von zwanzig schwarzen Verschnittenen, alle reich gekleidet, den Säbel an der Seite, mit einem vier Finger breiten goldenen Gürtel. Sobald sie in der Ferne die Favoritin erblickten, machten sie ihr eine tiefe Ehrenbezeigung, welche sie auf ihrem Throne erwiderte. Als sie näher kamen, stand sie auf, und ging Mesrur, der an der Spitze war, entgegen. Sie fragte ihn, was er Neues brächte. Er antwortete ihr: "Gebieterin, der Beherrscher der Gläubigen, der mich zu euch sendet, hat mir aufgetragen, euch zu bezeugen, dass er nicht länger ohne euren Anblick leben kann. Er hat die Absicht, euch diese Nacht zu besuchen. Ich komme, euch davon zu benachrichtigen, damit ihr euch auf seinen Empfang vorbereitet. Er hofft, Herrin, dass ihr ihn mit ebenso viel Vergnügen seht, als er voll Ungeduld ist, bei euch zu sein." Auf diese Anrede Mesrurs warf Schemselnihar sich zur Erde, um ihre Ergebung in den Befehl des Kalifen zu bezeigen. Als sie wieder aufgestanden war, sagte sie zu ihm: "Ich bitte euch, dem Beherrscher der Gläubigen zu sagen, dass ich mir immer eine Ehre daraus machen werde, die Befehle Seiner Majestät zu vollziehen, und dass seine Sklavin sich bestreben wird, ihn mit aller ihm gebührenden Ehrfurcht zu empfangen." Zu gleicher Zeit befahl sie ihrer vertrauten Sklavin, den Palast durch die zu solchem Dienste bestellten schwarzen Sklavinnen zum Empfang des Kalifen in den Stand setzen zu lassen. Hierauf entließ sie das Oberhaupt der Verschnittenen mit folgenden Worten: "Ihr seht, dass einige Zeit erfordert wird, um alles vorzubereiten. Macht also, ich bitte euch recht sehr, dass er sich ein wenig gedulde, damit er bei seiner Ankunft uns nicht in der Unordnung finde." Als das Oberhaupt der Verschnittenen und sein Gefolge sich entfernt hatten, kehrte Schemselnihar in den Saal zurück, äußerst betrübt, dass sie sich genötigt sah, den Prinzen von Persien früher zu entlassen, als sie erwartet hatte. Sie nahte sich ihm wieder, mit Tränen in den Augen, was noch den Schreck Ebn Thahers vermehrte, der daraus eine üble Vorbedeutung zog. "Herrin," sagte der Prinz zu ihr, "ich sehe wohl, ihr kommt, mir anzukündigen, dass wir uns trennen müssen. Wenn ich nur nichts Schlimmeres zu befürchten habe, so hoffe ich, dass der Himmel mir die Geduld verleihen wird, deren ich bedarf, um eure Abwesenheit zu ertragen." "Ach, mein liebes Herz, meine liebe Seele," unterbrach ihn die überzärtliche Schemselnihar, "wie glücklich seid ihr, und wie unglücklich fühle ich mich, wenn ich euer Los mit meinem traurigen Schicksal vergleiche! Ihr werdet ohne Zweifel leiden, wenn ihr mich nicht seht, aber das wird all eure Pein sein, und ihr könnt euch mit der Hoffnung trösten, mich wieder zu sehen. Ich dagegen, gerechter Himmel, auf welche harte Probe werde ich gestellt! Ich werde nicht nur des Anblicks dessen, das ich einzig liebe, beraubt, sondern muss auch noch den eines Gegenstandes ertragen, den ihr mir verhasst gemacht habt! Wird die Ankunft des Kalifen mir nicht eure Entfernung ins Gedächtnis zurückrufen? Und wie könnte ich, mit eurem Bild beschäftigt, diesem Fürsten die Freude zeigen, welche er bisher in meinen Augen bemerkte, so oft er mich zu besuchen kam? Mein Geist wird zerstreut sein, indem ich mit ihm spreche, und die geringsten Gefälligkeiten, die ich seiner Liebe gewähre, werden ebenso viel Dolchstiche sein, die mir das Herz durchbohren. Wie können seine Schmeicheleien und Liebkosungen mir noch gefallen? Seht, Prinz, welchen Qualen ich ausgesetzt bin, sobald ich euch nicht mehr sehe!" Die Tränen, welche ihr hierauf entflossen, und die Seufzer verhinderten sie, noch mehr zu sagen. Der Prinz von Persien wollte ihr antworten, aber er hatte nicht die Kraft dazu: Sein eigener Schmerz, und der, welchen seine Geliebte ihm sehen ließ, hatten ihm die Sprache benommen. Ebn Thaher, der nur darauf bedacht war, aus dem Palast zu kommen, war genötigt, beide zu trösten, indem er sie zur Geduld ermahnte. Aber die vertraute Sklavin trat herein, und unterbrach ihn: "Gebieterin," sagte sie zu Schemselnihar, "es ist keine Zeit zu verlieren: Die Verschnittenen kommen schon an, und ihr wisst, der Kalif erscheint bald danach." "O Himmel, wie grausam ist diese Trennung!", rief die Favoritin aus. "Eile," sagte sie dann zu ihrer Vertrauten, "und führe diese beiden in die Galerie, die auf der einen Seite nach dem Garten, und auf der anderen nach dem Tigris sieht, und wenn die Nacht ihre tiefste Dunkelheit über die Erde verbreitet, so entlasse sie aus der Hintertüre, damit sie sicher heimkommen." Mit diesen Worten umarmte sie zärtlich den Prinzen und Persien, ohne ihm ein einziges Wort sagen zu können, und ging dem Kalifen entgegen, in einer Verwirrung, die man sich leicht denken kann. Unterdessen führte die vertraute Sklavin den Prinzen und Ebn Thaher in die Galerie, die Schemselnihar ihr bezeichnet hatte. Hier ließ sie beide allein, schloss die Türe hinter ihnen zu, und entfernte sich, nachdem sie sie nochmals versichert hatte, dass sie nichts zu fürchten hätten, und dass sie kommen und sie herauslassen würde, wenn es Zeit wäre ..." "Aber, Herr," sagte Scheherasade bei dieser Stelle, "der Tag, den ich anbrechen sehe, legt mir Stillschweigen auf." Damit schwieg sie, und in der folgenden Nacht nahm sie ihre Erzählung wieder auf und fuhr fort: |
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