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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 144. 145. 146. 147. 148. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 155. 156. 157. 158. 159. 160. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
152. NachtAlle die Frauen, welche zugesehen hatten, wie ich tausend Streiche mit dem Ochsenziemer bekam, hatten Mitleid mit mir, als sie davon hörten, dass mir die Hand abgehauen werden sollte. "Unsere liebe Schwester und gute Dame," sagten sie zu der Günstlingin, "ihr treibt eure Rache zu weit. Es ist freilich ein Mensch ohne Lebensart, der euren Stand und die Rücksichten misskennt, welche ihr verdient. Wir bitten euch jedoch, den von ihm begangenen Fehler nicht zu beachten, sondern zu verzeihen." - "Noch habe ich nicht hinlänglich Genugtuung," sagte sie. "Ich will, dass er Lebensart lerne und so fühlbare Zeichen seiner Unreinlichkeit an sich trage, dass es ihm in seinem Leben nicht wieder einfällt, eine Mengspeise mit Knoblauch zu essen, ohne des Händewaschens zu gedenken." Sie ließen sich durch ihre abschlägige Antwort nicht abschrecken, warfen sich zu ihren Füßen und sagten zu ihr, indem sie ihr die Hand küssten: "Unsere gute Dame, im Namen Gottes, mäßigt eueren Zorn und gewährt uns die Begnadigung, um welche wir euch bitten." Sie antwortete ihnen nichts, aber sie stand auf und verließ, nachdem sie tausend Schimpfreden gegen mich ausgestoßen hatte, das Zimmer. Alle Frauen folgten ihr, und ließen mich in unbeschreiblicher Betrübnis allein. Zehn Tage lang bekam ich niemand zu sehen, als eine alte Sklavin, die mir zu essen brachte. Ich erkundigte mich bei ihr nach der Günstlingin. "Sie ist krank," sagte die alte Sklavin zu mir, "von dem vergifteten Geruch, den ihr sie habt einatmen lassen. Warum habt ihr euch aber auch die Hände nicht gewaschen, nachdem ihr von dieser verdammten Knoblauchspeise gegessen hattet?" - "Ist es möglich," sagte ich hier zu mir selbst, "dass der Zartsinn dieser Frauen so groß ist, und dass sie, wegen eines so leichten Fehlers, so rachsüchtig sind?" Ich liebte jedoch meine Frau, ungeachtet ihrer Grausamkeit, und unterließ nicht, sie zu beklagen. Eines Tages sagte die Sklavin zu mir: "Euere Gattin ist genesen, sie ist ins Bad gegangen, und hat mir gesagt, dass sie euch morgen besuchen werde. Habt also noch Geduld und sucht euch in ihre Launen zu fügen. Sie ist übrigens eine sehr verständige, sehr vernünftige, und von allen Frauen, die unsere verehrungswürdige Gebieterin Sobeïde umgeben, sehr geliebte Person." Wirklich kam meine Frau am folgenden Tag, und sagte mir: "Ich muss sehr gut sein, da ich, nach der mir von euch angetanen Beleidigung, doch wieder zu euch komme. Aber ich kann mich nicht entschließen, mich mit euch zu versöhnen, ehe ich euch nicht nach Verdienst bestraft habe, weil ihr euch die Hände nicht gewaschen habt, nachdem ihr von einer Mengspeise mit Knoblauch gegessen hattet." Nach diesen Worten rief sie die Damen, welche mich, ihrem Befehl gemäß, auf die Erde legten, und nachdem sie mich gebunden hatten, nahm sie ein Scheermesser und hatte die Unmenschlichkeit, mir die beiden Daumen und die beiden großen Zehen abzuschneiden. Eine der Frauen legte noch eine gewisse Wurzel auf, um das Blut zu stillen, was jedoch nicht verhinderte, dass das schon in Menge vergossene Blut und der erlittene Schmerz mich ohnmächtig machten. Ich kam wieder zu mir, und man gab mir Wein zu trinken, um mich wieder zu Kräften zu bringen. "Ach," sagte ich damals zu meiner Gattin, "wenn es mir jemals wieder begegnen sollte, eine Mengspeise mit Knoblauch zu essen, so schwöre ich euch, dass ich, statt eines Mahles, mir die Hände hundertundzwanzig mal mit Kali, mit Asche von derselben Pflanze und mit Seife waschen werde!" - "Nun wohl," sagte meine Frau, "unter dieser Bedingung will ich das Vergangene wohl vergessen und mit euch, wie mit meinem Ehemanne, leben." "Das, ihr Herren," fügte der Kaufmann von Bagdad, sich zu der Gesellschaft wendend, hinzu, das ist die Ursache, weshalb ich, wie ihr gesehen habt, es verweigerte, von der Mengspeise mit Knoblauch zu essen, welche vor mir stand." |
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