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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 143. 144. 145. 146. 147. 148. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 155. 156. 157. 158. 159. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
151. NachtIch blieb also zehn Tage in der Frauenwohnung des Kalifen. Während dieser ganzen Zeit war ich des Vergnügens beraubt, die Günstlingin zu sehen. Aber ich wurde auf ihren Befehl so gut behandelt, dass ich übrigens alle Ursache hatte, sehr zufrieden zu sein. Sobeïde sprach mit dem Kalifen von dem Entschluss, den sie gefasst hatte, ihre Günstlingin zu verheiraten. Dieser Fürst, der ihr hierbei völlige Freiheit ließ, nach Belieben zu schalten, bewilligte der Günstlingin eine beträchtliche Summe, um auch zu ihrer Einrichtung beizutragen. Als die zehn Tage verflossen waren, ließ Sobeïde einen Heiratsvertrag aufsetzen, der ihr, gehörig abgefasst, gebracht wurde. Die Vorbereitungen zur Hochzeit wurden gemacht. Man rief die Spielleute, die Tänzer und Tänzerinnen herbei, und es gab, neun Tage hindurch, große Vergnügungen im Palast. Da der zehnte Tag zu der letzten Hochzeitsfeierlichkeit bestimmt war, so wurde die Günstlingin auf der einen Seite und ich auf der anderen ins Bad geführt. Abends setzte ich mich zu Tisch. Man trug mir alle Arten von Gerichten auf, unter anderen eine Mengspeise mit Knoblauch, ganz derjenigen gleich, von welcher man mich hier zu essen zwingen wollte. Sie schmeckte mir so gut, dass ich die anderen Speisen fast nicht berührte. Aber zu meinem Unglück begnügte ich mich, als ich vom Tisch aufstand, damit, mir die Hände nur abzuwischen, statt sie mir ordentlich zu waschen, und das war eine Nachlässigkeit, die mir bis dahin noch niemals begegnet war. Da es Nacht war, so suchte man die Tageshelle durch eine sehr glänzende Beleuchtung der Frauenwohnung zu ersetzen. Die Instrumente ließen sich hören, man tanzte, man spielte tausend Spiele, und der ganze Palast hallte vom Freudengeschrei wieder. Man führte meine Braut und mich in einen großen Saal, wo man uns auf zwei Throne niedersetzen ließ. Die Frauen, welche meine Braut bedienten, ließen sie mehrmals die Kleider wechseln, und kämmten ihr, wie es am Hochzeitstage gebräuchlich ist, die Haare auf verschiedene Weise, und so oft ihr eine andere Kleidung angezogen war, ließ man mich sie sehen. Als nun endlich alle diese Feierlichkeiten vorbei waren, führte man uns in die Hochzeitkammer. Sobald man uns dort alleingelassen hatte, näherte ich mich meiner Gattin: Aber statt meine Entzückungen zu erwidern, stieß sie mich heftig zurück und erhub ein schreckliches Geschrei, welches alsbald alle Frauen der Wohnung herbeizog, die dessen Veranlassung wissen wollten. Was mich betraf, so war ich, von einem tiefen Erstauen ergriffen, unbeweglich geblieben, ohne nur die Kraft zu haben, meine Frau um die Ursache zu fragen. "Liebe Schwester," sagten sie zu ihr, "was ist euch denn, seit der kurzen Zeit, dass wir euch verlassen haben, begegnet? Erzählt es uns, damit wir euch beistehen." - "Schafft mir," rief sie aus, "schafft mir diesen nichtswürdigen Menschen hier aus den Augen." - "Aber, meine Teuerste," sagte ich zu ihr, "wodurch kann ich so unglücklich gewesen sein, eueren Zorn zu verdienen?" - "Ihr seid ein Nichtswürdiger," antwortete sie mir voll Wut, "ihr habt Knoblauch gegessen und euch nachher nicht die Hände gewaschen! Glaubt ihr, dass ich es leiden mag, dass ein so unreinlicher Mensch sich mir nähert, um mich zu verpesten? Legt ihn auf die Erde, " fügte sie, sich zu den Frauen wendend, hinzu, "und holt mir einen Ochsenziemer." Sie warfen mich sogleich nieder, und während die einen mich bei den Armen und die anderen bei den Beinen hielten, schlug meine Frau, die sehr schnell bedient worden war, mich unbarmherzig, bis die Kräfte sie verließen. Hierauf sagte sie zu den Frauen: "Nehmt ihn mit und schickt ihn zum Polizeimeister, damit ihm dieser die Hand abhauen lasse, mit welcher er das Knoblauchgericht gegessen hat!" Bei diesen Worten rief ich aus: "Großer Gott! Ich bin von Schlägen gleichsam zermalmt, und zur Vermehrung meiner Trübsal werde ich noch dazu verdammt, das mir die Hand soll abgehauen werden! Und warum? Weil ich eine Mengspeise mit Knoblauch gegessen, und mir nachher die Hände nicht gewaschen habe! Welch ein Zorn um solche eine Kleinigkeit! Hol' die Pest das Knoblauchgericht! Verdammt sei der Koch, der es zubereitet, und der, welcher es aufgetragen hat!" |
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