Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info
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140. Nacht

Der christliche Kaufmann fuhr auf folgende Weise fort dem Sultan von Kaschghar zu erzählen:

"Ich brauchte nicht lange," sagte der junge Mann zu mir, "in dem Saal zu warten. Die Dame, welche ich liebte, trat bald, mit Perlen und Diamanten geschmückt, herein; aber sie glänzte noch mehr durch den Glanz ihrer Augen, als durch den ihrer Edelsteine. Ihr Wuchs, welcher nun nicht mehr durch ihre Stadtkleidung verborgen war, schien mir der feinste und schönste von der Welt.

Ich erzählte euch nichts von der Freude, die wir empfanden, uns wieder zu sehen, denn ich würde sie nur schwer zu schildern vermögen. Ich sage euch deshalb nur, dass wir uns, nach dem ersten Begrüßungen, beide auf ein Sofa setzten, wo wir uns höchst angenehm unterhielten. Man trug uns hierauf die köstlichsten und ausgesuchtesten Speisen auf. wir setzten uns zu Tische, und nach der Mahlzeit begannen wir, uns, bis es Nacht wurde, zu unterhalten. Man brachte uns hierauf trefflichen Wein und Früchte, welche zum Trinken reizten, und wir tranken beim Klang der Instrumente, welche die Sklaven mit ihren Stimmen begleiteten. Die Dame vom Hause sang selbst und machte mich durch ihre zu Herzen dringenden Lieder vollends zum leidenschaftlichsten aller Liebhaber. Ich brachte hierauf die Nacht im Genuss aller Arten von Vergnügungen zu.

Nachdem ich am anderen Morgen den mitgebrachten Beutel mit den fünfzig Geldstücken geschickt unter das Kopfkissen gesteckt hatte, sagte ich der Dame Lebewohl, die mich fragte, wann ich sie wieder besuchen würde. "Teuerste Frau," erwiderte ich ihr, "ich verspreche euch, diesen Abend wiederzukommen." Sie schien höchst über meine Antwort erfreut, geleitete mich an die Türe, und beschwur mich, als wir uns trennten, mein Versprechen zu halten.

Derselbe Mann, der mich hingebracht hatte, erwartete mich mit seinem Esel. Ich bestieg ihn, und kehrte in den Khan des Mesrur zurück. Als ich den Mann fortschickte, sagte ich ihm, dass ich ihn nicht bezahlte, damit er mich Nachmittags zu der Stunde, die ich ihm bestimmte, abholen sollte.

Sobald ich nun wieder in meiner Wohnung war, war meine erste Sorge, ein gutes Lamm und mehrere Gattungen von Kuchen einkaufen zu lassen, die ich der Dame durch einen Träger schickte. Ich beschäftigte mich hierauf mit ernsten Angelegenheiten, bis der Herr des Esels angelangt war. Ich machte mich mit ihm auf den Weg, und begab mich zu der Dame, die mich mit eben so vieler Freude, als an dem vergangenen Tag, aufnahm und mich mit einem ebenso köstlichen Mahl, als das erste war, bewirtete.

Als ich am folgenden Tag von ihr ging, hinterließ ich ihr wieder einen Beutel mit fünfzig Goldstücken, und kehrte in den Khan des Mesrur zurück."

Ü   Þ

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