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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 128. 129. 130. 131. 132. 133. 134. 135. 136. 137. 138. 139. 140. 141. 142. 143. 144. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
136. NachtDer christliche Kaufmann fuhr, sich fortwährend an den Sultan von Kaschghar wendend, folgendermaßen fort: "Da mir die Makler und die Ausrufer," erzählte der junge Mann, "versprochen hatten, mir ein Mittel zu sagen, durch dessen Anwendung ich nichts an meinen Waren verlieren würde, so fragte ich sie, was ich denn tun sollte?" - "Sie an verschiedene Kaufleute verteilen," versetzten sie, "sie werden sie im einzelnen verkaufen, und zweimal in der Woche, Montags und Donnerstags, werdet ihr das dafür gelöste Geld erhalten. Dadurch werdet ihr gewinnen, anstatt zu verlieren, und auch den Kaufleuten wird ein kleiner Gewinn zu Teil werden. Unterdessen habt ihr die Freiheit, euch zu ergötzen, und in der Stadt und am Nil spazieren zu gehen." Ich folgte ihrem Rat, führte sie in mein Vorratshaus, aus welchem ich alle meine Waren nahm, und in den Besasthan zurückkehrend, verteilte ich sie unter verschiedene Kaufleute, welche mir einen von Zeugen unterschriebenen Empfangschein gaben, unter der Bedingung, dass ich ihnen den ersten Monat nichts abfordere. Als nun meine Geschäfte auf solche Weise geordnet waren, hatte ich nichts im Kopf, als Ergötzlichkeiten. Ich befreundete mich mit verschiedenen Personen meines Alters, die für meinen Zeitvertreib sorgten. Nach Verlauf des ersten Monats begann ich, meine Kaufleute wöchentlich zweimal zu besuchen, und zwar in Begleitung eines öffentlichen Beamten, um ihr Verkaufsbuch zu prüfen, und eines Wechslers, um die Güte und den Wert der Geldsorten, die sie mir auszahlten, zu untersuchen. So brachte ich an den Zahlungstagen immer eine starke Summe in den Khan des Mesrur, in welchem ich wohnte. Das hinderte mich jedoch nicht, an den anderen Tagen der Woche, bald zu dem, bald zu jenem Kaufmann zu gehen, mich durch Unterhaltung mit ihnen zu ergötzen und zu sehen, was in dem Besasthan vorging. Eines Montags, als ich eben in dem Laden eines Kaufmanns, Namens Bedreddin, saß, trat eine Frau herein, die von Stande war, wie man es leicht an ihrem Wesen, ihrer Kleidung und einer sehr wohl gekleideten, sie begleitenden Sklavin sehen konnte. Sie setzte sich neben mich. Ihr Äußeres, mit einer natürlichen, aus allen ihren Tun hervorleuchtenden Anmut verbunden, nahm mich sehr für sie ein und erregte eine große Neigung in mir, sie näher kennen zu lernen. Ich weiß nicht, ob sie es bemerkte, dass ich sie mit Vergnügen betrachtete, und ob meine Aufmerksamkeit ihr nicht missfiel, aber sie erhub den Kreppschleier, welcher es verbarg, herabhing, und ließ mich große schwarze Augen sehen, von denen ich bezaubert wurde. Was aber vollends dazu beitrug, mich verliebt in sie zu machen, war der Ton ihrer Stimme und das feine und anmutige Wesen, womit sie den Kaufmann grüßte und ihn fragte, wie er sich, seit sie ihn nicht gesehen, befunden hätte. Nachdem sie sich eine Zeit lang mit ihm unterhalten hatte, sagte sie ihm, dass sie einen gewissen Stoff mit Goldgrund suchte, dass sie in seinen Laden, als in den am besten versehenen des ganzen Besasthans käme, und dass er ihr den gewünschten Stoff, wenn er ihn vorrätig hätte, zeigen möchte. Bedreddin zeigte ihr mehrere Stücke, sie blieb bei dem einen und als sie nach dem Preis fragte, ließ er es ihr für elfhundert Silberdrachmen. "Ich willige darin ein euch diese Summe zu geben," sagte sie zu ihm. "Ich habe zwar kein Geld bei mir, aber ich hoffe, dass ihr mir bis morgen trauen und mir erlauben werdet, den Stoff mit mir zu nehmen. Ich werde nicht unterlassen, euch morgen dafür elfhundert Drachmen zu schicken." - "Edle Frau," erwiderte Bedreddin, "ich würde euch mit Vergnügen trauen und euch den Stoff mitgeben, wenn er mir gehörte, aber er gehört diesem wackeren, jungen Mann hier, und ich muss ihm heute das Geld dafür bezahlen." - "Woher kommt es denn," versetzte die Frau, sehr erstaunt, "dass ihr mich auf solche Weise behandelt? Komme ich nicht gewöhnlich in euren Laden? Und so oft ich Stoffe gekauft habe und ihr mir erlaubt habt, sie ohne augenblickliche Bezahlung mitzunehmen, habe ich jemals unterlassen, euch gleich am folgenden Tag das Geld zu senden?" Der Kaufmann gab das zu. "Es ist wahr, edle Frau," versetzte er, "aber ich muss heute Geld haben." - "Nun denn, da habt ihr euren Stoff," sagte sie, indem sie ihm denselben hinwarf. "Gott verderbe euch, und alles, was Kaufmann heißt! Ihr seid alle einer wie der andere, ihr habt für niemand Rücksichten." Nach diesen Worten stand sie schnell auf und entfernte sich, sehr erzürnt auf Bedreddin." |
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