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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 81. 82. 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. 91. 92. 93. 94. 95. 96. 97. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
89. Nacht"Die Kaufleute, mit welchen ich im Wald war," fuhr Sindbad fort, "rafften Steine auf und warfen sie aus Leibeskräften nach den auf den Gipfeln der Bäume befindlichen Affen. Ich folgte ihrem Beispiel, und sah, dass die Affen, von unserer Absicht unterrichtet, eifrig Kokosnüsse pflückten und sie uns mit zornigen und erbitterten Gebärden zuwarfen. Wir sammelten die Nüsse, und warfen von Zeit zu Zeit Steine, um die Affen zu reizen. Durch diese List füllten wir unsere Säcke mit jener Frucht, zu der wir auf andere Weise unmöglich gelangen konnten. Wir kehrten nun mit vollen Säcken in die Stadt zurück, wo der Kaufmann, der mich in den Wald geschickt hatte, mir den Wert der in meinem Sack mitgebrachten Kokosnüsse bezahlte. "Fahrt fort," sagte er zu mir, "täglich dasselbe zu tun, bis ihr genug habt, um heimkehren zu können." Ich dankte ihm für seinen guten Rat, und brachte unmerklich einen solchen Haufen von Kokosnüssen zusammen, dass die dafür erhaltene Summe sehr beträchtlich war. Das Schiff, welches mich mitgebracht hatte, war mit den Kaufleuten und den von diesen erkauften Kokosnüssen abgesegelt. Ich wartete, bis ein anderes, zu gleicher Ladung bestimmtes, in dem Hafen der Stadt landete. Ich ließ alle mir gehörigen Kokosnüsse darauf einschiffen, und als alles zur Abreise bereit war, nahm ich Abschied von dem Kaufmann, dem ich so viele Verpflichtungen schuldig war. Er konnte nicht mitreisen, weil er seine Geschäfte noch nicht beendigt hatte. Wir gingen unter Segel, und nahmen unsern Weg nach der Insel, auf welcher der Pfeffer im größten Überfluss wächst. Von dort schifften wir nach der Halbinsel Komari1), welche die beste Art von Aloeholz trägt und deren Einwohner sich das unverletzliche Gesetz auferlegt haben, keinen Wein zu trinken, noch irgend eine Art von Ausschweifungen zu dulden. Ich vertauschte auf beiden Inseln meine Kokosnüsse gegen Pfeffer und Aloeholz, und begab mich mit andern Kaufleuten auf die Perlenfischerei, wozu ich auf meine Kosten Taucher in Gold nahm. Sie fischten eine Menge sehr großer und schöner Perlen. Freudig ging ich wieder in See mit einem Schiff, welches glücklich in Balsora anlangte. Von dort kehrte ich nach Bagdad zurück, wo ich aus den mitgebrachten Waren, dem Aloeholz, dem Pfeffer und den Perlen, sehr große Summen löste. Ich verteilte, wie nach der Heimkehr von meinen anderen Reisen, den zehnten Teil meines Gewinnes als Almosen, und suchte mich in allen Arten von Ergötzlichkeiten von meinen Beschwerden zu erholen." Nach diesen Worten ließ Sindbad dem Hindbad hundert Zeckinen geben, und dieser entfernte sich mit den anderen Gästen. Am folgenden Tage fand sich dieselbe Gesellschaft wieder bei dem reichen Sindbad ein, der nachdem er sie, wie an den vorhergegangenen Tagen, bewirtet hatte, ihnen seine sechste Reise erzählte. Sechste Reise Sindbads des Seefahrers, nach Ceylon"Meine Herren," sagte er, "ihr seid ohne Zweifel begierig, zu wissen, wie ich mich, nach fünf erlittenen Schiffbrüchen und so vielen anderen ausgestandenen Gefahren, nochmals entschließen konnte, das Glück zu versuchen und mich neuen Unfällen auszusetzen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, erstaune ich selbst, und es musste unstreitig mein Gestirn sein, das mich antrieb. Wie dem auch sei, nach Verlauf eines in Ruhe verlebten Jahres bereitete ich mich zu einer sechsten Reise, ungeachtet der Bitten meiner Verwandten und Freunde, die ihr Möglichstes taten, um mich zurückzuhalten. Statt meinen Weg durch den persischen Meerbusen zu nehmen, durchstreifte ich nochmals mehrere Provinzen Persiens und Indiens, und gelangte an einen Seehafen, in welchem ich mich auf einem guten Fahrzeug einschiffte, dessen Hauptmann entschlossen war, eine lange Seereise zu machen. Sie war in der Tat sehr lang, aber zugleich so unglücklich, dass der Hauptmann und der Steuermann den Weg ganz und gar verloren, und nicht mehr wussten, wo wir waren. Endlich fanden sie sich wieder zurecht, aber wir Reisende hatten gar keine Ursache, uns darüber zu freuen, und waren nicht wenig erstaunt, als wir eines Tages den Hauptmann mit großem Geschrei seinen Posten verlassen sahen. Er warf seinen Turban auf die Erde, riss sich den Bart aus und schlug sich vor den Kopf, wie ein Mensch, dem die Verzweiflung den Verstand verwirrt hat. Wir fragten ihn, worüber er sich so betrübe? "Ich verkünde euch," erwiderte er, "dass wir uns an der gefährlichsten Stelle des Meeres befinden. Eine sehr schnelle Strömung reißt das Schiff mit sich fort, und in weniger als einer Viertelstunde werden wir alle umkommen. Bittet Gott, dass er uns aus dieser Gefahr befreie. Wenn er sich unser nicht erbarmt, können wir ihr nicht entrinnen." Nach diesen Worten befahl er, die Segel einzuziehen, aber das Tauwerk zerriss bei dieser Arbeit, und das Fahrzeug wurde, ohne dass es möglich war, dem abzuhelfen, von der Strömung an den Fuß eines unersteigbaren Berges getrieben, wo es scheiterte, jedoch so, dass wir nicht nur unsere Personen, sondern auch unsere kostbarsten Waren retteten. Als dies geschehen war, sagte der Hauptmann: "Gott hat getan, was ihm gefiel. Wir können uns hier ein jeder sein Grab graben, und uns das letzte Lebewohl sagen, denn wir sind an einem so Unheil bringenden Ort, dass niemand von den früher hierher verschlagenen bis jetzt davon gekommen ist." Diese Worte versetzten uns alle in eine tödliche Betrübnis, wir umarmten unser unglückliches Geschick. Der Berg, an dessen Fuß wir uns befanden, machte die Küste einer sehr langen und sehr ausgedehnten Insel aus. Diese Küste war ganz mit den Trümmern gescheiteter Schiffe und mit einer unzähligen Menge von Gebeinen bedeckt, die man von Raum zu Raum erblickte, die uns Schaudern erregten und uns bezeugten, dass hier viele Menschen umgekommen wären. Ganz unglaublich war auch die Menge von Waren und Reichtümern, die sich auf allen Seiten unsern Augen darboten. Alle diese Dinge dienten nur dazu, unsere Betrübnis zu vermehren. Statt das anderswo überall die Flüsse aus ihrem Bett ins Meer fließen, strömt hier im Gegenteil ein großer Fluss aus süßem Wasser2) von der Küste landeinwärts durch eine dunkle Grotte, deren Öffnung sehr hoch und breit ist. Es ist sehr bemerkenswert, dass hier alles Gestein des Berges aus Kristall, Rubinen oder anderen Edelsteinen besteht3). Man sieht daselbst auch die Quelle einer Art von Pech oder Erdharz, welches ins Meer fließt4) und von den Fischen verschlungen wird, die es dann als grauen Ambra wieder von sich geben, den die Wellen an das flache und sandige Ufer werfen, das ganz damit bedeckt ist. Es wachsen auch Bäume dort, größtenteils Aloe, die denen von Komari nichts nachgeben. Um die Beschreibung dieses Ortes zu beenden, den man einen Abgrund nennen kann, weil keine Rückkehr aus ihm statt finden kann, so sollt ihr wissen, dass es den Schiffen nicht möglich ist, sich von ihm zu entfernen, sobald sie sich ihm auf ein gewissen Grad genähert haben. Werden sie durch einen Seewind hingetrieben, so bringt der Wind und die Strömung ihnen Verderben: und wenn sie sich beim Wehen eines Landwindes dort befinden, was ihre Entfernung begünstigen könnte, so hält ihn die Höhe des Berges ab und verursacht eine Windstille, welche der Strömung ihre Gewalt lässt, die sie dann gegen die Küste treibt, wo sie gleich dem unsrigen scheitern. Zur Vermehrung des Missgeschicks ist es nicht möglich, den Gipfel des Berges zu ersteigen und sich irgend wohin zu retten. Wir blieben am Ufer, wie Leute, die den Verstand verloren haben, und erwarteten den Tod von Tage zu Tage. Unsere Lebensmittel hatten wir zu gleichen teilen verteilt, und so lebte jeder, nach Maßgabe seiner körperlichen Beschaffenheit und des Gebrauches, den er von seinem Vorrat machte, längere oder kürzere Zeit, als die anderen. 1)
Komari, mit dem Vorgebirge Komorin, ist die Spitze der Halbinsel diesseits des
Ganges. - Die Pfefferinsel liegt in der sondischen Meerenge. - Seit undenklichen
Zeiten, wie heute auch noch, fischt man Perlen in diesen Gegenden,
zwischen dem Vorgebirge Komorin und der Nordküste von Ceylon.
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