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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 67. 68. 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79. 80. 81. 82. 83. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
75. Nacht"Herr," sagte sie, "Sindbad fuhr folgendermaßen in seiner Erzählung fort: "Man bemerkte die Erschütterung der Insel auf dem Schiff, von welchem man uns zurief, dass wir uns schnell wieder einschiffen möchten, dass wir sonst alle umkommen würden, weil das, was wir für eine Insel gehalten hatten, der Rücken eines Walfisches sei. Die Gewandtesten retteten sich in das Boot, andere warfen sich ins Meer, um zu schwimmen. Was mich betraf, so war ich noch auf der Insel, oder vielmehr auf dem Walfisch, als dieser Fisch in das Meer tauchte, und mir blieb nur so viel Zeit, als ich bedurfte, um mich an ein Stück Holz zu halten, welches, um Feuer zu machen, aus dem Schiff mitgenommen worden war. Dazwischen wollte der Schiffshauptmann, nachdem er die Leute im Boot an Bord genommen und einige der Schwimmenden aufgefischt hatte, einen frischen Wind benutzen, der sich eben erhob, ließ die Segel aufziehen und nahm mir dadurch die Hoffnung, das Schiff zu erreichen. Ich blieb also den Wellen preisgegeben, und hin und her geworfen kämpfte ich mit ihnen den ganzen übrigen Tag und die folgende Nacht. Am andern Morgen hatte ich keine Kräfte mehr, und ich verzweifelte daran, dem Tod zu entgehen, als eine Woge mich glücklicherweise an eine Insel warf. Das Ufer war hoch und steil, und ich würde viele Mühe gehabt haben, es zu erklimmen, hätten mir nicht einige Baumwurzeln geholfen, welche das Schicksal zu meinem Heil dort aufbewahrt hatte. Ich streckte mich auf die Erde, wo ich halbtot liegen blieb, bis es heller Tag wurde und die Sonne aufging. Obgleich ich nun durch die Meeresarbeit sehr geschwächt war, weil ich seit dem vorigen Tage keine Nahrung zu mir genommen hatte, so schleppte ich mich doch fort, um einige essbare Kräuter zu suchen. Ich fand welche und war so glücklich, auch eine Quelle trefflichen Wassers zu finden, die zu meiner Erfrischung nicht wenig beitrug. Als ich nun wieder zu Kräften gekommen war, ging ich weiter landeinwärts, ohne jedoch einen bestimmten Weg zu verfolgen. Ich kam auf eine schöne Ebene, auf welcher ich ein weidendes Pferd erblickte. Zwischen Furcht und Hoffnung schwankend, wendete ich meine Schritte nach dieser Seite, denn ich wusste nicht, ob ich nicht viel eher meinem Verderben, als einer Gelegenheit, mein Leben zu sichern, entgegen ging. Als ich näher kam, sah ich, dass das Pferd eine an einen Pfahl gebundene Stute war. Ihre Schönheit zog meine Aufmerksamkeit auf sich, aber während ich sie betrachtete, hörte ich die Stimme eines unter der Erde sprechenden Mannes. Einen Augenblick nachher kam dieser Mann zum Vorschein und auf mich zu, und fragte mich, wer ich wäre. Ich erzählte ihm mein Abenteuer, worauf er mich bei der Hand nahm und mich in eine Höhle führte, in welcher sich mehrere Personen befanden, die nicht weniger erstaunt waren, mich zu sehen, als ich es war, sie dort zu finden. Ich aß von einigen Speisen, die sie mir vorsetzten, und als ich sie hierauf gefragt hatte, was sie an einem Orte machten, der mir so wüst vorkam, erwiderten sie, dass sie Stallleute des Königs Maha-radjah1), des Beherrschers dieser Insel, wären, dass sie jedes Jahr, zu jeder Jahreszeit des Königs Stuten dorthin zu führen pflegten, um sie von einem aus dem Meere kommenden Seepferde bespringen zu lassen, dass das Seepferd, nachdem es die Stuten besprungen hätte, sich anschickte, sie zu verschlingen, dass sie es aber durch ihr Geschrei verhinderten und ins Meer zurückzukehren nötigten, dass, wenn die Stuten trächtig wären, sie dieselben zurückführten, dass die dann von ihnen geworfenen Pferde für den König bestimmt wären und Seepferde genannt würden. Sie fügten hinzu, dass der folgende Tag zu ihrer Abreise bestimmt wäre, und dass ich, einen Tag später angekommen, unfehlbar hätte umkommen müssen, weil ich zu den sehr entfernten Wohnungen ohne Führer nicht hätte gelangen können. Während sie mich so unterhielten, stieg das Seepferd aus dem Meere, wie sie es mir erzählt hatten, warf sich auf die Stute, belegte sie und wollte sie nachher verschlingen, aber bei dem großen Lärm, den die Stallleute machten, ließ es seine Beute fahren und tauchte sich wieder ins Meer. Am anderen Tage machten sie sich mit den Stuten auf den Weg zur Hauptstadt und ich begleitete sie. Bei unserer Ankunft fragte mich der König Maha-radjah, dem ich vorgestellt wurde, wer ich wäre und welches Abenteuer mich in seine Staaten gebracht hätte. Als ich seine Neugier vollständig befriedigt hatte, versicherte er mich, dass er sehr viel Teil an meinem Unglück nähme. Zugleich befahl er, dass man Sorge für mich tragen und mich mit allen Nötigen versehen sollte. Seine Befehle wurden auf solche Weise befolgt, dass ich alle Ursache hatte, mit seiner Großmut und der Pünktlichkeit seiner Beamten zufrieden zu sein. Da ich Kaufmann war, so besuchte ich meine Standesgenossen. Vorzüglich suchte ich die Fremden auf, um von ihnen Nachrichten aus Bagdad zu erhalten und einen zu finden, mit dem ich dorthin zurückreisen könnte. Die Hauptstadt des Königs Maha-radjah liegt am Meeresufer und hat einen schönen Hafen, in welchem täglich Schiffe aus verschiedenen Weltgegenden landen. Ich suchte auch die Gesellschaft der indischen Weisen und erfreute mich daran, sie reden zu hören, doch verhinderte mich das nicht, dem König regelmäßig meine Aufwartung zu machen, noch mich mit den Befehlshabern und den kleinen ihm tributpflichtigen Königen zu unterhalten, die um seine Person waren. Sie legten mir tausend Fragen über mein Vaterland vor, und da ich mich meinerseits von den Sitten und Gesetzen ihrer Staaten unterrichten wollte, so befragte ich sie um Alles, was mir meiner Neugier wert schien. Es befindet sich unter der Herrschaft des Königs Maha-radjah eine Insel, Namens Cassel. Man hatte mich versichert, dass man daselbst allnächtlich einen Paukenton höre, was bei den Matrosen die Meinung veranlasst hat, Degal2) habe dort seinen Aufenthalt. Ich bekam Lust, Zeuge dieses Wunders zu sein, und auf meiner Reise sah ich Fische von 100 bis 200 Ellen Länge, die mehr Furcht einjagen, als Gefahr bringen. Sie sind so schüchtern, dass sie die Flucht ergreifen, wenn man auf Stücke Holz schlägt. Ich sah auch noch andere, nur eine Elle lange Fische, deren Kopf dem der Nachteulen glich. Als ich nach meiner Rückkehr eines Tages im Hafen war, landete eben ein Schiff. Sobald es geankert hatte, fing man an, die Waren auszuladen, und die Kaufleute, denen sie gehörten, ließen sie in die Vorratshäuser bringen. Indem ich meine Augen auf einige Ballen und die darauf befindliche, den Namen des Eigentümers bezeichnende Schrift warf, sah ich den meinigen darauf. Nachdem ich sie aufmerksam betrachtet hatte, zweifelte ich nicht mehr, dass es dieselben wären, die ich auf das Schiff hatte laden lassen, auf welchem ich von Balsora abgefahren war. Ich erkannte auch den Schiffshauptmann. Da ich aber überzeugt war, dass er mich für tot hielt, so fragte ich ihn, wem die Ballen gehörten, die ich sähe. "Ich hatte auf meinem Schiff," erwiderte er mir, "einen Kaufmann aus Bagdad, der sich Sindbad nannte. Eines Tages, als wir, wie es uns vorkam, in der Nähe einer Insel waren, landete er mit mehreren Reisenden auf dieser vermeintlichen Insel, die nichts anders, als ein auf der Oberfläche des Wassers schlafender Walfisch von ungeheurer Größe war. Kaum fühlte dieser sich von dem auf seinem Rücken angezündeten Feuer erwärmt, als er anfing, sich zu bewegen und sich ins Meer zu tauchen. Der größte Teil der auf ihm befindlichen Personen ertrank, und der unglückliche Sindbad war unter dieser Zahl. Diese Ballen gehörten ihm, und ich habe beschlossen, sie zu verhandeln und sobald ich jemanden von seiner Familie treffe, diesem den aus dem Kapital gezogenen Gewinn auszuhändigen." "Hauptmann," sagte ich hierauf zu ihm, "ich bin dieser Sindbad, den ihr für tot haltet und der es nicht ist. Diese Ballen sind mein Gut und meine Ware." Scheherasade erzählte in dieser Nacht nicht weiter, aber sie fuhr in der nächsten, wie folgt, fort: 1)
Dieses ursprüngliche sanskritische Wort bedeutet großer König. Ein Fürst
dieses Namens hat wirklich über den östlichen Teil Sumatras geherrscht.
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