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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 59. 60. 61. 62. 63. 64. 65. 66. 67. 68. 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
67. Nacht"Meine liebe Schwester," rief Dinarsade gegen Ende der Nacht, "erzähle uns, ich bitte dich, die Geschichte Sobeïdes, denn diese Frau erzähle sie ohne Zweifel dem Kalifen." - "Das tat sie," erwiderte Scheherasade. "Als sie der Fürst durch seine mitgeteilte Rede beruhigt hatte, genügte sie seinem Verlangen auf folgende Weise: Geschichte Sobeïdes"Beherrscher der Gläubigen," sagte sie, "die Geschichte, welche ich euch zu erzählen habe, ist eine der erstaunlichsten, die jemals erzählt worden sind. Die beiden schwarzen Hündinnen und ich, wir sind drei von demselben Vater und von derselben Mutter gezeugte und geborene Schwestern und ihr sollt erfahren, durch welchen seltsamen Zufall sie in Hündinnen verwandelt worden sind. Die beiden bei mir wohnenden und gegenwärtigen Frauen sind auch meine Schwestern, von demselben Vater, aber von einer anderen Mutter. Die, deren Busen mit Narben bedeckt ist, heißt Amine, die andere Safie und ich Sobeïde. Nach unseres Vaters Tode wurde das Vermögen, welches er uns hinterlassen hatte, zu gleichen Teilen unter uns geteilt, und als meine beiden Schwestern im Besitz ihres Erbteils waren, trennten sie sich und bezogen mit ihrer Mutter eine besondere Wohnung. Meine anderen Schwestern und ich, wir blieben bei unserer Mutter, die noch lebte und die bei ihrem Sterben jeder von uns tausend Zeckinen hinterließ. Als wir unser Eigentum in Empfang genommen hatten, verheirateten sich meine beiden älteren Schwestern, denn ich bin die jüngste, folgten ihren Männern und ließen mich allein. Einige Zeit nach ihrer Verheiratung verkaufte der Mann der ältesten alles, was er an Gütern und beweglichen Eigentum besaß, und mit dem daraus gelösten Geld und dem meiner Schwester reisten sie beide nach Afrika. Dort verschwendete der Mann in Schwelgereien sein eigenes und das von meiner Schwester ihm zugebrachte Vermögen, und als er sich nun in das größte Elend versetzt sah, fand er einen Vorwand sie zu verstoßen und tat es. Sie kehrte nach Bagdad zurück, nicht ohne auf einer so langen Reise unglaubliche Unfälle erlitten zu haben, und nahm ihre Zuflucht bei mir, in einem Zustand, der des Mitleids so wert war, dass er es dem härtesten Herzen eingeflößt hätte. Ich nahm sie mit aller der Liebe auf, die sie von mir erwarten konnte; ich fragte sie um die Ursache ihrer unglücklichen Lage und sie erzählte mir weinend von der schlechten Aufführung und der üblen Behandlung ihres Mannes. Ich war von ihrem Unglück gerührt und weinte mir ihr. Hierauf führte ich sie ins Bad, gab ihr von meinen Kleidern und sagte zu ihr: "Du bist meine älteste Schwester und ich betrachtete dich wie meine Mutter. Während deiner Abwesenheit hat Gott das wenige mir zugefallene Vermögen und die davon gemachte Anwendung, Seidenwürmer zu füttern und aufzuziehen, gesegnet. Du kannst darauf rechnen, dass ich nichts besitze, was nicht auch dir gehört und womit du nicht gleich mir schalten könntest." Mehrere Monate lang blieben und lebten mir zusammen in gutem Verständnis. Während wir uns oft von unserer dritten Schwester unterhielten und verwundert waren, keine Nachrichten von ihr zu erhalten, kam sie in eben so schlechtem Zustande an, wie die älteste. Ihr Mann hatte sie auf gleiche Weise behandelt und ich nahm sie mit gleicher Freundschaft auf. Einige Zeit nachher sagten mir meine beiden Schwestern, unter dem Vorwand, dass sie mir zu Last wären, sie hätten beide die Absicht sich wieder zu verheiraten. Ich erwiderte ihnen, dass, wenn sie keine anderen, als die angegebenen Ursachen hätten, sie ganz ruhig bei mir bleiben könnten und dass mein Vermögen hinreiche, uns alle drei standesgemäß zu erhalten. "Aber," fügte ich hinzu, "ich fürchte vielmehr, dass ihr wirklich eine Neigung habt, euch wieder zu verheiraten. Wenn das der Fall wäre; so würd' es mich, das gesteh' ich euch, sehr in Erstaunen setzen. Wie könnt ihr nach euren Erfahrungen über die wenige Genugtuung, welche der Ehestand gewährt, ein zweites Mal daran denken? Ihr wisst, wie selten es ist, einen vollkommen wackeren Ehemann zu finden. Glaubt mir, und lasst uns unser Leben so angenehm als möglich fortsetzen." Alles, was ich ihnen sagte, war unnütz. Sie hatten einmal den Entschluss zu einer zweiten Heirat gefasst und führten ihn aus. Aber nach einigen Monaten kamen sie wieder zu mir und machten mir tausend Entschuldigungen, dass sie nicht meinem Rat gefolgt wären. "Du bist unsere jüngste Schwester; aber du bist verständiger als wir. Wenn du uns noch in deinem Hause aufnehmen und wie deine Sklavinnen betrachten willst; so werden wir keinen so großen Fehltritt wieder begehen." - "Meine lieben Schwestern," antwortete ich ihnen, "ich habe mich seit unserer letzten Trennung in Hinsicht auf euch nicht verändert, kommt und genießt mit mir, was ich habe." Ich umarmte sie und wir bleiben, wie sonst, beisammen. Nachdem wir ein Jahr in vollkommener Eintracht verlebt hatten und ich sah, wie mein kleines Vermögen durch Gott gesegnet worden war, fasste ich den Entschluss, eine Seereise zu machen, um im Handel etwas zu wagen. Zu diesem Zweck begab ich mich mit meinen beiden Schwestern nach Balsora, woselbst ich ein ganz ausgerüstetes Schiff kaufte und es mit Waren belud, die ich von Bagdad hatte kommen lassen. Wir gingen bei günstigem Wind unter Segel und kamen bald aus dem persischen Meerbusen. Als wir auf offenem Meer waren, nahmen wir den Weg nach Indien und nach zwanzigtägiger Fahrt sahen wir Land. Es war ein hoher Berg, an dessen Fuß wir eine sehr ansehnlich aussehende Stadt erblickten, Da wir frischen Wind hatten, gelangten wir bei guter Zeit in den Hafen, woselbst wir ankerten. Ich hatte nicht die Geduld, abzuwarten, bis meine Schwestern im Stande waren mich zu begleiten; ich stieg allein ans Land und ging geradezu nach dem Stadttor. Ich sah dort eine zahlreiche Wache von sitzenden und stehenden Leuten mit einem Stock in der Hand. Sie sahen aber so scheußlich aus, dass ich darüber erschrak. Da ich jedoch bemerkte, dass sie sich nicht rührten und nicht einmal die Augen bewegten; so beruhigte ich mich und als ich ihnen näher kam, sah ich, dass sie versteinert waren. Ich ging in die Stadt und durch mehrere Straßen, wo ich hier und da Menschen in allen Arten und Stellungen fand, die alle bewegungslos und versteinert waren. Im Viertel der Kaufleute fand ich den größten Teil der Läden verschlossen und in den offenen sah ich ebenfalls versteinerte Personen. Ich sah nach den Schornsteinen und da kein Rauch herauskam, schloss ich, dass in, wie außer den Häusern alles in Stein verwandelt wäre. Als ich auf einen großen Platz in der Mitte der Stadt gekommen war, bemerkte ich eine große, mit Goldplatten bedeckte Türe, deren beide Flügel offen waren. Ein Vorhang von seidenem Stoff schien vorgezogen und eine Lampe hing über der Türe. Nachdem ich das Gebäude betrachtet hatte, zweifelte ich nicht, dass es der Palast des Fürsten wäre, der in diesem Lande herrschte. Ich hob den Vorhang auf und was mein Erstaunen vermehrte, ich sah im Vorhof nur einige versteinerte Türhüter oder Wachsoldaten, teils stehend, teils sitzend, teils liegend. Ich ging durch einen großen Hof, in welchem viele Leute waren, einige schienen zu gehen, andere zu kommen und doch rührten sie sich nicht von der Stelle, weil sie eben so versteinert waren wie die, welche ich schon gesehen hatte. Ich kam in einen zweiten und dritten Hof; aber überall war nur eine Einöde und es herrschte ein furchtbares Stillschweigen. Als ich in einen vierten Hof gelangt war, sah ich vor mir ein sehr schönes Gebäude, dessen Fenster mit Gittern von massivem Gold verschlossen waren. Ich hielt es für die Wohnung der Königin und ging hinein. In einem großen Saal fand ich mehrere versteinerte schwarze Verschnittene. Ich ging hierauf in ein sehr prächtig eingerichtetes Zimmer und sah eine ebenfalls in Stein verwandelte Frau. An einer Krone auf ihrem Haupt, und an einem Halsband von sehr runden Perlen, die größer als Haselnüsse waren, erkannte ich, dass es die Königin wäre. Ich betrachtete die Perlen näher und es schien mir, dass man nichts schöneres sehen könnte. Ich bewunderte eine Zeitlang die Reichtümer und die Pracht dieses Zimmers und vorzüglich den Fußteppich, die Kissen und das Sofa, welches mit einem indischen Stoff überzogen war, in welchem Goldgrund silberne Gestalten von Menschen und Tieren mit bewunderungswürdiger Arbeit gewebt waren." Scheherasade würde weiter erzählt haben; aber die Tageshelle nötigte sie, inne zu halten. Der Sultan war durch diese Erzählung sehr ergötzt. "Ich muss wissen," sagte er beim Aufstehen, "was diese erstaunliche Menschenversteinerung bezweckt." |
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