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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57. 58. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
50. NachtAls die Nacht beinahe vorüber war, rief Dinarsade der Sultanin zu: "Schwester, wenn du nicht schläfst, so bitte ich dich zu erzählen, was der Prinz tat." "Du sollst es hören," antwortete Scheherasade: "der zweite Kalender fuhr in seiner Geschichte also fort: "Glaubt nicht, gnädige rau, dass ich mich der schönen Prinzessin von der Ebenholz-Insel nahte, um der Scherge des grausamen Geistes zu sein. Ich tat es bloß, um ihr, so viel es mir möglich war, durch Gebärden zu verstehen zu geben, dass, so wie sie die Standhaftigkeit hatte, ihr Leben der Liebe zu mir aufzuopfern, ich nicht zaudern würde, auch das meine aus Liebe zu ihr hinzugeben. Die Prinzessin verstand meine Absicht, und ungeachtet ihrer Schmerzen und ihrer Betrübnis bezeigte sie es mir durch einen dankenden Blick, und gab mir zu verstehen, dass sie willig stürbe, und sich freute zu sehen, dass auch ich für sie sterben wollte. Ein Dichter drückt sich hierüber also aus: "Mein Blick gibt zu verstehen, was meine Zunge sagen will; er offenbart die Liebe, die ich sorgfältig verberge. Nun, da Tränen fließen, tut's Not zu schweigen; jetzt müssen Blicke sprechen. Sie macht ein Zeichen, und ich vernehme, was ihr Blick ausdrückt, so wie sie auch meinen Blick versteht. Unsere Augenlieder stehen in Verkehr mit einander; und schweigend spricht die Liebe." Und folgende Verse stellen ganz unsere Lage dar: "Wie oft schon war mein Geliebter genötigt, mit
seinen Augenliedern zu sprechen, und der Geliebten sein inneres zu offenbaren. Ich trat nun zurück, warf den Säbel auf den Boden, und sagte zu dem Geiste: "Ich würde auf ewig bei allen Menschen bescholten Sein, wenn ich die Niederträchtigkeit hätte, eine Frau zu morden, welche ich nicht nur nicht kenne, sondern die auch schon, wie ich sehe, im Begriff ist, den Geist aufzugeben. Tue mit mir, was dir beliebt, da ich in deiner Gewalt bin; aber ich kann deinem grausamen Befehle nicht gehorchen." "Ich sehe wohl," sagte nun der Geist, "dass ihr, einer wie der andere, mir trotzet, und meine Eifersucht verhöhnt: aber aus der Art, wie ich euch behandeln werde, sollt ihr beide erkennen, wozu ich im Stande bin." Mit diesen Worten ergriff der Geist wieder den Säbel, und hieb der Prinzessin die eine Hand ab, so dass sie kaum noch so viel Zeit hatte, mir mit der andern ein ewiges Lebewohl zuzuwinken; denn das Blut, das sie schon verloren hatte, und das sie jetzo wieder verlor, ließ sie nur noch einen Augenblick diese letzte Grausamkeit überleben, bei deren Anblick ich ihn Ohnmacht sank. Als ich wieder zu mir selber gekommen war, beklagte ich mich gegen den Geist, dass er mich so lange in der Erwartung des Todes schmachten ließ. "Haue zu," sagte ich zu ihm, "ich bin bereit, den Todesstreich zu empfangen; ich erwarte ihn von dir, als die größte Gnade, die du mir antun kannst." Aber anstatt sie mir zu gewähren, sagte er zu mir: "Du siehst hier, auf welche Weise die Geister die Frauen, die sie im Verdacht der Untreue haben, behandeln. sie hatte dich hier aufgenommen; und wenn ich versichert wäre, dass sie mir einen noch größeren Schimpf angetan hätte, so würde ich dich in diesem Augenblicke umbringen; aber so begnüge ich mich, dich in einen Hund, oder Esel, oder Löwen, oder Vogel zu verwandeln. Wähle eine von diesen Verwandlungen; ich will dir die Wahl frei stellen." Diese Worte gaben mir einige Hoffnung, ihn zu erweichen: "O Geist," sagte ich zu ihm, "mäßige deinen Zorn; und weil du mir nicht das Leben rauben willst, so lass es mir auf eine großmütige Weise. Ich werde mich immerdar deiner Gnade erinnern, wenn du mir eben so verzeihest, wie der beste Mensch von der Welt einem seiner Nachbarn auch verzieh, der einen tödlichen Hass gegen ihn trug." Der Geist fragte mich, was denn zwischen den beiden Nachbarn vorgegangen wäre, und äußerte, dass er wohl die Geduld haben wollte, diese Geschichte zu hören. - Ich glaube, gnädige Frau, dass es euch nicht unangenehm sein wird, wenn ich euch diese Geschichte auch erzähle. Geschichte des Neiders und des Beneideten"In einer ganz ansehnlichen Stadt wohnten zwei Männer Tür an Tür. In dem einen regte sich gegen den andern ein heftiger Neid, dass der, welcher der Gegenstand dieses Neides war, seinen Wohnort zu verändern und sich zu entfernen beschloss, überzeugt, dass der, welcher der Gegenstand dieses Neides war, seinen Wohnort zu verändern und sich zu entfernen beschloss, überzeugt, dass die Erbitterung seines Nachbars nur durch die Nachbarschaft erregt worden wäre; denn es war ihm nicht entgangen, dass, obgleich er jenem gute Dienste geleistet hatte, er ihn darum doch nicht minder hasste. Er verkaufte deshalb sein haus und seine übrige geringe Habe, begab sich in die nicht ferne Hauptstadt des Landes und kaufte sich ein kleines Landgut, welches ungefähr eine halbe Meile von der Stadt entfernt war. Er hatte dort ein recht bequemes Haus, einen schönen Garten, und einen großen Hof, in welchem sich ein tiefer Wasserbehälter befand, dessen man sich nicht mehr bediente. Als nun der Ehrenmann diesen Ankauf gemacht hatte, wählte er die Tracht eines Derwisches1), um ein zurück gezogeneres Leben führen zu können, und ließ in dem Hause mehrere Zellen bauen, in welchen er in kurzer Zeit eine zahlreiche Gemeinde von Derwischen zusammenbrachte. Seine Tugend machte ihn bald bekannt und führte ihm eine sehr große Menge von Leuten, sowohl aus dem Volke, als von den Angesehensten der Stadt zu. Kurz, Jedermann liebte ihn auf ausgezeichnete Weise. Es kamen auch welche aus weiter Ferne, um sich seinen Gebeten zu empfehlen und alle, die sich zu ihm begaben, erzählten von den Gnaden, welche sie durch seine Vermittlung vom Himmel erhalten zu haben glaubten. Da sich der große Ruf des Mannes bis in die Stadt verbreitet hatte, aus welcher er hergekommen war, so empfand der Neider darüber einen so lebhaften Verdruss, dass er sein Haus und seine Geschäfte verließ, mit dem Entschlusse, jenen ins Verderben zu stürzen. Zu diesem Zwecke begab er sich in das neue Kloster der Derwische, deren Oberhaupt, sein vormaliger Nachbar, ihn mit allen erdenklichen Freundschaftsbezeugungen aufnahm. Der Neider sagte, er wäre ausdrücklich gekommen, um ihn eine wichtige Angelegenheit, jedoch nur unter vier Augen mitzuteilen. "Damit," fügte er hinzu, "niemand uns behorchen könne, wollen wir, wenn's euch gefällig ist, in eurem Hofe auf- und abgehen; und da die Nacht herannaht, so befehlt euren Derwischen, sich in ihre Zellen zu begeben." Das Oberhaupt der Derwische erfüllte diesen Wunsch. Als sich nun der Neider mit unserm Ehrenmann allein sah, begann er ihm zu erzählen, was ihm eben einfiel, wobei sie beide im Hofe umhergingen, und als sie sich am Rande des Wasserbehälters befanden, stieß er ihn hinein, ohne dass irgend jemand Zeuge dieser nichtswürdigen Handlung war. Nachdem er dies getan, machte er sich schnell davon, erreichte die Türe des Klosters, durch welche er sich ungesehen entfernte, und gelangte in seine Heimat, sehr zufrieden mit seiner Reise und überzeugt, dass der Gegenstand seines Neides nicht mehr auf der Welt wäre; aber er betrog sich sehr." Scheherasade konnte nicht weiter erzählen; denn der Tag brach an. Der Sultan war über die Bosheit des Neiders aufgebracht. "Ich wünsche sehr," sagte er zu sich selbst, "dass dem guten Derwisch nichts Böses widerfährt, und ich hoffe, morgen zu erfahren, dass ihn der Himmel bei dieser Gelegenheit nicht verlassen hat." 1) Derwis oder Derwisch. Dieser Name, welcher arm bedeutet, entspricht bei den Mohammedanern dem eines Mönches bei den Christen. Die Derwische legen die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Mewelewa, ihr Stifter, hat ihnen jedoch erlaubt, in die Welt zurückzukehren, und sich sogar, wenn ihre Schwäche es verlangt, zu verheiraten. Sie tragen grobe Hemden von Rasch und haben nur einen Mantel aus groben Tuch, in welchen sie sich hüllen. Sie gehen barfuss und mit entblößter Brust, ihr Gürtel ist ein lederner Riemen mit Schnallen aus Elfenbein, Porphyr usw. Außer den im Alkoran vorgeschriebenen Fasten, beobachten sie noch alle Donnerstage welche. Es ist ihnen dann nicht erlaubt, vor Sonnenuntergang zu essen. |
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