| Max Habicht @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
37. NachtEine Stunde vor Tage, erzählte Scheherasade folgendermaßen weiter, was sich zwischen den Frauen und Kalendern begab. "Nachdem die Kalender zur Genüge gegessen und getrunken hatten, bezeugten sie den Frauen, dass sie sich ein großes Vergnügen daraus machen würden, ihnen ein kleines Konzert zu geben, wenn sie Instrumente bei der Hand hätten und sie ihnen wollten bringen lassen. Jene nahmen dieses Erbieten mit Freuden an. Die schöne Safie stand auf, um die Instrumente zu holen; und sie kam bald darauf wieder, und brachte ein Flöte des Landes, eine Persische Flöte und ein Tamburin. Jeder der drei Kalender empfing aus ihrer Hand das Instrument, das er wählte; und sie fingen alle drei an, eine Weise zu spielen. Die Frauen wussten die Worte zu dieser Weise, welche eine der fröhlichsten war, und begleiteten sie mit ihren Stimmen; aber sie unterbrachen sich von Zeit zu Zeit durch lautes Lachen, welches ihnen die Worte erregten. In der höchsten Lust dieser Unterhaltung klopfe es an die Türe. Safie hörte auf zu singen, und ging hin, zu sehen, was es wäre. "Aber, Herr," sagte Scheherasade bei dieser Stelle zum Sultan, "es ist nötig, dass euer Majestät wisse, warum man so spät noch an die Türe der Frauen klopfte; hört die Ursache davon: Der Kalif Harun Arreschyd hatte die Gewohnheit, oft des Nachts verkleidet umher zu wandern, um sich selber zu überzeugen, ob alles in der Stadt ruhig wäre und keine Unordnung vorging. Diese Nacht nun war der Kalif zeitig ausgegangen, begleitet von Giafar1), seinem Großwesir, und von Mesrur, dem Oberhaupt der Verschnittenen seines Palastes, alle drei als Kaufleute verkleidet. Indem sie durch die Straße der drei Frauen kamen und dieser Fürst den Ton der Instrumente und Stimmen und dazwischen die Ausbrüche des Lachens hörte, sagte er zu dem Wesir: "Geh und klopf' an die Türe dieses Hauses, wo man so viel Lärm macht; ich will hineingehen und die Ursache davon wissen." Der Wesir stellte ihm zwar vor, dass es Frauen wären, die sich diesen Abend lustig machten; dass der Wein vermutlich ihre Köpfe erhitzt hätte, und er sich nicht aussetzen sollte, von ihnen beschimpft zu werden; dass es noch nicht zur ungebührlichen Stunde wäre, und man ihre Lustbarkeit nicht stören dürfte; der Kalif aber erwiderte: "Es tut nichts; klopfe, ich befehle es dir." Es war also der Großwesir Giafar, der an die Tür der Frauen klopfte, auf den Befehl des Kalifen, der unbekannt bleiben wollte. Safie öffnete; und der Wesir bemerkte bei dem Schein einer Kerze, welche sie trug, dass es eine Frau von großer Schönheit wäre, und spielte seine Rolle vollkommen gut. Er machte ihr eine tiefe Verbeugung, und sagte auf ehrerbietige Weise zu ihr: "Gnädige Frau, wir sind drei Kaufleute aus Mussul2), vor etwas zehn Tagen mit reichen Waren hier angekommen sind, welche wir in einen Han3) niedergelegt, wo wir unsere Herberge haben. Wir waren heute bei einem Kaufmann in dieser Stadt, der uns zu einem Besuch eingeladen hatte. Er bewirtete uns mit einem Mahl, und als der Wein uns in gute Laune versetzt hatte, ließ er eine Truppe von Tänzerinnen kommen. Es war schon Nacht; und während auf allerlei Instrumenten gespielt und getanzt wurde, und die Gesellschaft großen Lärm machte, kam die Wache vorbei und ließ sich öffnen. Einige von der Gesellschaft sind in Verhaft genommen; was uns betrifft, wir sind glücklich genug gewesen, über eine Mauer zu entfliehen: aber," fügte der Wesir hinzu, "weil wir Fremde sind, und ein wenig vom Wein übernommen, so fürchten wir einer andern Schar der Wache oder nochmals derselben, zu begegnen, bevor wir unsern Han erreichen; deshalb, gnädige Frau, als wir im Vorbeigehen hier Instrumente und Stimmen hörten, und daraus schlossen, dass man bei euch noch nicht zur Ruhe gegangen wäre, so haben wir uns die Freiheit genommen, anzuklopfen, um euch zu bitten, uns bis zum Tag eine Zuflucht zu gewähren. Wenn wir euch würdig scheinen, an eurer Unterhaltung Teil zu nehmen, so werden wir uns bemühen, soviel uns möglich dazu beizutragen, um die Unterbrechung derselben, die wir verursacht haben, wieder gut zu machen; wo nicht, so erzeigt uns wenigstens die Gnade, dass wir die Nacht unter Obdach in eurer Vorhalle zubringen." Während dieser Anrede Giafars, hatte die schöne Safie Zeit, den Wesir und seine beiden Gefährten, die sich mit ihm für Kaufleute ausgaben, genauer zu betrachten; und als sie an ihrem Aussehen erkannte, dass sie nicht gemeine Leute wären, sagte sie zu ihnen, dass sie nicht die Herrin des Hauses wäre, wenn sie sich aber einen Augenblick gedulden wollten, sie ihnen Antwort bringen würde. Safie ging hin, und berichtete es ihren Schwestern, welche einige Zeit schwankten, wozu sie sich entschließen sollten; sie waren aber von Natur wohltätig, und hatten dieselbe Gnade schon den drei Kalendern erwiesen: also beschlossen sie, auch die Kaufleute eintreten zu lassen ..." Scheherasade war im Begriff, ihre Erzählung fortzusetzen, aber indem bemerkte sie, dass es schon Tag war, und brach ab. Der Rang der neuen Personen, welche die Sultanin auftreten ließ, reizte die Neugier des Sultans, und ließ ihn in der Erwartung irgend eines sonderbaren Ereignisses, so dass er mit Ungeduld die folgende Nacht erwartete. 1)
Giafar, vom Geschlecht der Barmekyden. Harun gab ihm seine Schwester Abassa zur
Gemahlin, unter der Bedingung, nicht die Freuden der Liebe zu genießen. Dieser
Befehl wurde bald vergessen, und beide hatten einen Sohn, den sie heimlich nach
Mekka sandten und dort erziehen ließen. Als der Kalif dies erfuhr, verlor
Giafar die Gunst seines Herrn, und bald darauf das Leben, und Abassa wurde aus
dem Palast gejagt und geriet ins tiefste Elend. - Mesrur bedeutet: der Erfreute:
von Sarra. |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|