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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
25. NachtDinarsade säumte nicht, die Sultanin am Ende dieser Nacht aufzuwecken: "Meine liebe Schwester," sagte sie zu ihr, "ich bitte dich, uns zu erzählen, was sich in dem schönen Schlosse zutrug, in welchem du uns gestern ließest." Scheherasade nahm sogleich das gestrige Märchen wieder auf, wandte sich zu Schachriar und sprach: "Herr, als der Sultan in dem Hofe, worin er sich befand, niemand erblickte, so trat er in große Säle, deren Fußteppiche von Seide waren, der Estrich und die Sofas bedeckt mit Stoffen von Mekka, und die Türvorhänge von den reichsten Indischen Stoffen, reich mit Gold und Silber gestickt. Er kam weiter in einen wundervollen Saal, in dessen Mitte ein großes Becken stand mit einem Löwen aus gediegenem Golde auf jeder Ecke. Die vier Löwen spieen Wasser aus ihrem Rachen, welches in Diamanten und Perlen niederfiel, und harmonisch ein Wasserstrahl begleitete, welcher, aus der Mitte des Beckens empor springend, fast die Decke der Kuppel berührte, deren Wände bemalt waren. Das Schloss war auf drei Seiten von einem Garten umgeben, welchen Blumenstücke, Teiche, Luftwäldchen und tausend andere Annehmlichkeiten um die Wette verzierten, und was diesen Ort vollends wonnevoll machte, war eine zahllose Menge von Vögeln, welche die Luft mit ihrem wohllautenden Gesange erfüllten, und stets dort bleiben, weil die über Bäume und den Palast gespannten Netze sie verhinderten, wegzufliegen. Der Sultan wandelte lange von Zimmer zu Zimmer, wo alles groß und prächtig erschien. Als er müde war weiter zu gehen, setzte er sich in einem offenen Gemache, welches die Aussicht über den Garten hatte; und hier, erfüllt von allem, was er schon gesehen hatte, und noch sah, stellte er allerlei Betrachtungen an über alle diese verschiedenen Gegenstände, als auf einmal eine klagende Stimme sein Ohr traf und er vernehmlich diese traurigen Worte hörte. "O Schicksal, lass nicht länger mich leben, und schone mein nicht mehr! Denn mein Dasein schwebt zwischen Unglück und Gefahr. Hast du nicht Mitleid, o Gattin, mit einem Manne von hoher Abkunft, der unter die Herrschaft der Liebe erniedrigt wurde? Nicht mit einem der Reichsten, der verarmte? Ja, ich gestehe es; ich beneide die Luft, die dich umwehte: aber ich bedachte nicht, dass, beim Willen des Schicksals, auch der hellste Blick nichts sieht. Welche Kunst könnte auch den Bogenschützen noch retten, wenn ihm, im Begriff loszudrücken, die Senne zerreißt? Wenn feindliche Haufen sich dann auf ihn stürzen, wohin kann er da fliehen vor dem Geschick! Wohin kann er da fliehen!" Der Sultan, gerührt von diesen Klagen, stand auf und ging nach der Seite, woher sie ertönten. Er kam an die Tür eines großen Saales, öffnete den Vorhang, und erblickte einen wohl gebildeten und sehr reich gekleideten Mann, welcher auf einem etwas über den Boden erhabenen Throne saß. Die Traurigkeit malte sich in seinem Antlitze, welches übrigens von einer vollkommenen Schönheit, und durch ein kleines schwarzes Mal auf der Wange bezeichnet war. Der Dichter beschreibt auf folgende Weise die Schönheit eines solchen jungen Mannes: Sein Wuchs war schlank; sein schwarzes Haar, wenn man es anblickte, versetzte alles um ihn her in Dunkelheit, so wie die blendende Weiße seiner Stirne alles wieder in das Licht setzte. Aber das schwarze Mal auf der Wange, dieses tadelt nur ja nicht! Ist euch nicht bekannt, dass das Blatt der schönen Anemone auch mit einem schwarzen Punkte geschmückt ist? - Der Sultan näherte sich ihm, und grüßte ihn. Der junge Mann erwiderte seinen Gruß, indem er ihm mit dem Kopfe eine sehr tiefe Verbeugung machte, ohne jedoch aufzustehen. Deshalb sagte er zu dem Sultan: "Mein Herr, ich erkenne wohl, dass ihr es verdient, dass ich aufstehe, um euch zu empfangen und alle mögliche Ehre zu erzeigen; aber eine so schwere Ursache verhindert mich daran, dass ihr es mir nicht übel deuten müsst." - "Mein Herr," antwortete der Sultan, "ich bin euch sehr verbunden für die gute Meinung, welche ihr von mir heget. In Betreff der Ursache, welche euch verhindert aufzustehen, nehme ich von Herzen gern jede beliebige Entschuldigung von euch an. Angezogen von euren Klagen, durchdrungen von eurem Leiden, komme ich, euch meine Hülfe darzubieten. Wollte Gott, dass es von mir abhinge euren Leiden Erleichterung zu verschaffen, ich würde all mein Vermögen dazu anwenden. Ich schmeichle mir, dass ihr mir wohl die Geschichte eurer Unfälle erzählen wollte: aber, ich bitte euch, belehrt mich zuvor: was dieser Teich hier in der Nähe bedeutet, in welchem man Fische von vier verschiedenen Farben sieht; was dieses für ein Schloss ist; weshalb ihr euch darin befindet, und woher er kömmt, dass ihr so allein darin seid?" Anstatt auf diese Fragen zu antworten, fing der junge Mann bitterlich an zu weinen: "Wie unbeständig ist das Glück!" rief er aus: " es gefällt sich darin, diejenigen zu stürzen, welche es erhoben hat. Wo sind diejenigen, welche ruhig der von ihm gewährten Glückseligkeit genießen, und deren Tage immer hell und heiter sind?" Der Sultan, von Mitleid bewegt, hat ihn sehr inständig, ihm die Ursache eines so großen Schmerzes zu sagen. "Ach! Mein Herr," antwortete ihm der junge Mann, "wie sollte ich nicht betrübt sein; und warum sollten meine Augen nicht zwei unversiegliche Tränenquellen sein?" Bei diesen Worten hub er sein Kleid auf, und ließ den Sultan sehen, dass er nur vom Kopf bis zum Gürtel ein Mensch war, die andere Hälfte seines Leibes aber von schwarzem Marmor war." An dieser Stelle unterbrach Scheherasade ihre Rede, und machte dem Sultan bemerkbar, dass der Tag anbräche. Schachriar war dermaßen von dem bezaubert, was er so eben gehört hatte, und fühlte sich so sehr zu Gunsten der Sultanin erweicht, dass er beschloss, sie einen ganzen Monat lang leben zu lassen. Er stand jedoch wie gewöhnlich auf, ohne ihr von seinem Entschlusse etwas zu sagen. |
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