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Homepage Literatur Max Habicht 1001 Nacht Vorgeschichte Der Esel, der Ochs und der Bauer Nächte ... 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. ... Inhalt nach Titel Inhalt nach Nummer |
19. Nacht"Herr," sagte Scheherasade, "der griechische König, welcher seinem Wesir die Geschichte des Königs Sindbad erzählte, fuhr folgendermaßen fort: "Als der Kaiser am Abend in den Palast zurückkam, hielt die Sultanin ihm eine Schale voll Gift vor, und sprach zu ihm: "Herr, wenn ihr mir nicht Gerechtigkeit verschafft, so erkläre ich euch, dass ich dieses Gift hier trinken will, und ihr werdet dieses Verbrechen vor Gott zu verantworten haben. Eure Wesire, ich weiß es, suchen euch einzuschüchtern, indem sie euch von der Arglist meines Geschlechts erzählen; aber das eurige ist nicht minder gefährlich; ich berufe mich zum Beweise davon nur auf die Geschichte des Malers von Ispahan." Auf Verlangen des Kaisers erzählte Chansade diese Geschichte folgendermaßen: Geschichte MahmudsEin Maler sah eines Tages bei einem seiner Freunde das Bildnis einer Frau, in welche er sich leidenschaftlich verliebt; er hatte keine Ruhe, als bis er vernahm, wo diejenige sich befände, welche als Urbild desselben gedient hatte. Man sagte ihm, es wäre das Bildnis einer berühmten Sängerin des Großwesirs am Hofe von Persien. Sogleich machte Mahmud sich auf den Weg nach Ispahan. Nachdem er Tag und Nacht gereist war, kam er in dieser Stadt an, und nahm seine Wohnung bei einem Apotheker. Er säumte nicht, von seinem Wirt Erkundigungen einzuziehen, und vernahm von ihm, dass das Reich in großer Unruhe wäre, wegen der Verfolgungen, welche der Sultan gegen die Zauberer anstellte. In gleicher Zeit entdeckte Mahmud, dass der Gegenstand seiner Liebe eine der Sklavinnen des Wesirs war: und hierauf berechnete er seinen Anschlag. Nachdem er sich mit allen, einem Räuber nötigen Werkzeugen versehen hatte, begab er sich in einer Nacht zu dem Palast des Wesirs, in welchen er vermittelst eines Seiles leicht Eingang fand. Über das flache Dach gelangte er mitten auf einen Hof, von wo er ein hell erleuchtetes Gemach erblickte. Er wandte sich nach dieser Seite, und trat in das Zimmer: Hier sah er ein Frauenbild, schön wie die Sonne am heitern Sommertag, im Schlaf liegen, auf einem elfenbeinern mit Gold ausgelegten Ruhebett, umgeben von Lampen, welche nach allen Seiten das glänzendste Licht verbreiteten. Indem er sich ihr näherte, erkannte er sogleich, dass es die Schöne war, die er suchte. Darauf zog er einen Dolch aus seinem Gürtel und machte ihr an der Hand eine leichte Wunde, so dass sie erwachte. Die Schöne wurde von Furcht ergriffen, als sie ihn mit dem Dolch in der Hand erblickte. Sie hielt ihn für einen Räuber, bat ihn, ihr das Leben zu lassen, und bot ihm einen prächtigen Schleier, der mit Perlen und köstlichen Steinen besät war. Mahmud nahm den Schleier, und verließ den Palast des Wesirs. Am folgenden Morgen verkleidete er sich, wie ein Sofi1), nahm den gestickten Schleier unter seinen Rock, und trat vor den Kaiser von Persien. "Herr," sprach er zu ihm, "ich bin ein Geistlicher aus Chorasan2). Der Ruhm von euren Tugenden ist zu mir gedrungen, und um unter einem so gerechten Fürsten zu leben, habe ich mich auf den Weg nach eurer Hauptstadt gemacht. Angelangt an den Toren derselben, fand ich sie verschlossen, und sah mich genötigt, die Nacht vor der Stadt zuzubringen. Ich legte mich nieder, aber bald erblickte ich vier Weiber: die eine ritt auf einer Hyäne, die zweite auf einem Widder, die dritte auf einer schwarzen Hündin, und die vierte auf einem Leopard. Ich erkannte bald, dass es Zauberinnen waren; die eine nahte sich mir, und begann mich mit Füßen zu treten und mit einer Geißel zu peitschen, welche in ihren Händen mir wie Feuer erschien. Ich sprach sogleich mehrmals den Namen Gottes aus, und mit einem Messer verwundete ich sie an der Hand, worauf sie mich losließ: aber im Entfliehen ließ sie in meinen Händen diesen mit Edelsteinen übersäten Schleier, welcher keinen Wert für mich hat, weil ich mich von der Welt zurückgezogen habe." Nach dieser Rede übergab Mahmud den Schleier den Händen des Sultans, und ging hinweg. Der Kaiser erkannte den Schleier: er hatte vor kurzem seinem Großwesir ein Geschenk damit gemacht. Er befragte diesen deshalb, und vernahm bald, dass er ihn seiner Lieblingssklavin gegeben hatte. Diese wurde nach dem Palast geholt, und als man ihre Hand untersuchte, erkannte man die Wunde, von welcher Mahmud gesprochen hatte, und man zweifelte nicht mehr, dass er die Wahrheit gesagt hätte. Hierauf wurde sie als Zauberin verurteilt, in einer Grube zu verschmachten, deren steile Wände jede Flucht verhinderten. Als Mahmud den glücklichen Erfolg seiner List vernommen hatte, eilte er nach der Grube, in welche man die schöne Sklavin hinab gelassen hatte; und durch Überredung der Wächter, denen er sein Abenteuer erzählte, gelang es ihm, sie zu befreien. Zufolge des Versprechens, welches er den Wächtern getan hatte, entfloh er in sein Land, reiste Tag und Nacht, und gelangte so in den Besitz des Gegenstandes seiner Wünsche. "Da habt ihr, Herr," fügte die Königin hinzu, "eine von den zahlreichen Listen der Männer ..." Der Kaiser, aufgeregt dadurch, gab sogleich den Befehl zur Hinrichtung seines Sohnes. Auf solche Weise bemächtigten sich vierzig Tage hindurch, die Königin und die Wesire wechselweise des Gemüts des Kaisers. Am einundvierzigsten Tag, mit Sonnenaufgang, bestieg der Kaiser seinen Thron, gab dem Scharfrichter seine Befehle, und ließ seinen Sohn vorführen. Er ließ desgleichen die vierzig Wesire festnehmen und sie gebunden, je zehn und zehn, vor sich führen. Der Scharfrichter verband dem Prinzen Nurgehan die Augen, zog sein Schwert, und fragte den Kaiser zweimal, ob er zuhauen sollte. Nachdem es ihm gestattet worden, sagte er: "Herr, ich fordere diesen Befehl noch zum dritten Mal von euch; bedenkt wohl, dass eine zu späte Reue nicht wieder gut machen kann, was ihr jetzt befehlt." Der Kaiser war im Begriff, seinen Befehl zu wiederholen, da erschien Abumaschar, der Lehrer Nurgehans. Sogleich ergriff ihn die Wache, und führte ihn vor den Thron, mit solcher Eilfertigkeit, dass seine Füße nicht die Erde berührten. "Elender," sprach Sindbad zu ihm, "dein Kopf soll deine Freveltat bezahlen. Sind es nicht deine treulosen Ratschläge, welche meinem Sohn dieses Stillschweigen auflegten?" "Ja, Herr," antwortete Abumaschar, "euer Sohn musste vierzig Tage lang dieses Stillschweigen beobachten, um die Unfälle zu vermeiden, welche die Gestirne ihm verkündigten: aber die verhängnisvolle Frist ist abgelaufen, und er kann jetzt wieder reden." Sogleich nahm man dem Prinzen die Binde von den Augen, und er erzählte unbefangen alles, was zwischen ihm und seiner Stiefmutter vorgegangen war. Er berief sich auf das Zeugnis der Frauen der Königin, welche bekannten, dass sie hinter einer dünnen Wand alles gehört hätten. Auf diese Bericht bereute Sindbad herzlich, was er bisher getan hatte, und alle Herren des Hofes stimmten der Rede ihres Fürsten bei. Der Kaiser ließ seinen Sohn an seiner Seite sitzen, küsste ihm die Augen, und erlaubte den vierzig Wesiren, seine Hände und seine Knie zu küssen. Sie legten die Trauerkleider ab, welche sie während der vierzig Tage getragen hatten, und zogen prächtige Kleider an, welche der Kaiser unter sie verteilen ließ. Die Königin aber wurde ohne Gnade hingerichtet. "Als der griechische König," sagte der Fischer zu dem Geist, "die Geschichte des Königs Sindbad beendigt hatte, fügte er hinzu: "Und du, Wesir, voll Neid gegen den Arzt Duban, welcher dir kein Leid getan hat, willst, dass ich ihn töten lasse; aber ich werde mich wohl davor hüten, aus Furcht, ungerecht zu sein, wie es dieser König gegen seinen Sohn war." Dem verräterischen Wesir war der Tod des Arztes zu wichtig, um hierbei stehen zu bleiben. "Herr," erwiderte er, "wie kann die Furcht, einen Unschuldigen zu bestrafen, euch hindern, den Arzt hinrichten zu lassen. Ist es nicht hinreichend, dass man ihn eines Anschlags auf euer Leben anklagt, um euch zu berechtigen, ihm das seine zu nehmen? Wenn es darauf ankommt, das Leben eines Königs zu sichern, so muss schon ein bloßer Verdacht für Gewissheit gelten; und es ist besser, einen Unschuldigen aufzuopfern, als einen Schuldigen unbestraft zu lassen ... Aber, Herr, dieses ist keineswegs einen noch ungewisse Sache; der Arzt Duban will euch ermorden. Es ist nicht der Neid, welcher mich gegen ihn gewaffnet, es ist allein die Teilnahme für die Erhaltung Euer Majestät, es ist mein Eifer, welcher mich antreibt, euch eine anzeige von so großer Wichtigkeit zu machen. Ist sie falsch, so verdiene ich auf dieselbe Weise bestraft zu werden, wie einstmals ein Wesir bestraft wurde." "Was hatte dieser Wesir getan," fragte der griechische König, "wodurch er eine solche Strafe verdiente?" "Ich will es Euer Majestät erzählen," antwortete der Wesir; "mögen sie die Güte haben, mich anzuhören." Geschichte des bestraften WesirsEs war einmal ein König, der hatte einen Sohn, der leidenschaftlich die Jagd liebte. Er erlaubte ihm oft dieses Vergnügen; aber er hatte seinem Großwesir den Befehl erteilt, ihn stets zu begleiten, und ihn nie aus den Augen zu verlieren. Eines Tages hatten auf einer solchen Jagd die Jäger einen Hirsch angeschossen, und der Prinz, im Wahne, dass der Wesir ihm folgte, sprengte dem Tier nach. Er ritt so lange, und seine Hitze führte ihn so weit weg, dass er sich endlich allein sah. Er hielt an, und als er bemerkte, dass er den Weg verloren hatte, wollte er auf seiner Spur zurückkehren, um wieder zu dem Wesir zu kommen, der nicht schnell genug war, ihm so nahe zu folgen; aber er verirrte sich. Indem er so, ohne eine bestimmte Richtung zu halten, hin- und herlief, traf er neben einem Wege eine ziemlich wohl gebildete Frau, die bitterlich weinte. Er hielt den Zügel seines Pferdes an, und fragte diese Frau, wer sie wäre, was sie so allein an diesem Orte täte, und ob sie seiner Hilfe bedürfte. "Ich bin," antwortete sie, "die Tochter eines Königs von Indien. Indem ich auf dem Feld spazieren ritt, bin ich eingeschlafen, und vom Pferd gefallen. Mein Pferd ist entlaufen, und ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist." Der junge Prinz hatte Mitleid mit ihr, und bot ihr an, sich hinter ihm auf sein Pferd zu setzen; was sie auch annahm. Als sie zu einer Hütte kamen, und die Prinzessin zu erkennen gab, dass sie eins gewissen Bedürfnisses wegen gern absteigen möchte, hielt der Prinz an, und ließ sie hinunter. Er stieg auch ab, und näherte sich der Hütte, sein Pferd am Zügel haltend. Denkt euch seine Überraschung, als er die Frau drinnen folgende Worte aussprechen hörte: "Freut euch, meine Kinder, ich bringe euch einen wohl gebildeten und recht fetten Knaben." Und andere Stimmen antworteten ihr alsbald: "Mama, wo ist er? Damit wir ihn sogleich essen, denn wir haben großen Hunger." Der Prinz brauchte nicht mehr zu hören, um die Gefahr zu erkennen, in welcher er schwebte. Er sah wohl, dass die Frau, welche sich für die Tochter eines Königs von Indien ausgegeben hatte, eine Ogerin war, d.h. das Weib eines dieser wilden Geister, welche Oger genannt werden, und sich tausend Listen bedienen, um die Vorübergehenden zu fangen und zu fressen. Er ward von Furcht ergriffen, und warf sich schleunigst auf sein Pferd. Die vorgebliche Prinzessin trat in diesem Augenblick wieder heraus, und als sie sah, dass ihr der Fang fehlgeschlagen war, rief sie dem Prinzen zu: "Fürchtet nichts. Wer seid ihr? Und was sucht ihr?" - "Ich habe mich verirrt," antwortete er, "und ich suche meinen Weg." - "Wenn ihr euch verirrt habt," sagte sie, "so befehlt euch Gott, er wird euch aus der Verlegenheit ziehen, in welcher ihr euch befindet." Hierauf hub der Prinz die Augen gen Himmel ... "Aber, Herr," sagte Scheherasade bei dieser Stelle, "der anbrechende Tag legt mir Stillschweigen auf ..." Schachriar, neugierig, die Entwicklung dieser Geschichte zu hören, verlängerte abermals das Leben der Scheherasade. 1)
Szôfi, heißt eine Art von Geistlichen, die wollene Kleidung tragen. Von szâfâ, rein sein.
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