Goethe

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Falstaff

Bruchstücke aus dem Nachlass

I.

P[oins].
Der arme Sir John.

B[ardolf].
Jawohl, der arme Sir John! Und ich möchte sagen: Der arme Poins! Der arme Bardolf!

P[oins].
Jawohl! Arm sind wir. Aber er ist noch ärmer, und wir sind ärmer, als wir wären, wenn er ns nicht ärmer machte, als wir sind.

B[ardolf].
Es ist eine verdrießliche Lage.

P[oins].
Ich wüsste nicht, was uns fehlte, oder vielmehr, was uns fehlen könnte, wenn uns nicht dieser ungeheure Überfluss zur Last wäre; ich wüsste nichts, was uns, wie wir sind, hinderte, in der Welt fort zu kommen. Wir haben kein schweres Gepäck durchzuschleppen, wenn wir nicht diesen alten Mantelsack mit uns führten, der um desto schwerer geworden ist, je leichter ihn seine Hoffnungen gelassen haben.

B[ardolf].
Lieber Poins, es ist eine hübsche Sache, die Gewohnheit. Du sprichst wahrhaftig noch immer in ebendem Stil als damals, da wir keine Zeit zu verlieren hatten und sie alsdann nur zu gewinnen glaubten, wenn wir sie verloren. Lass uns vernünftig überlegen, was zu tun ist. Der König mag nicht mehr daran denken, wie er als Prinz gelebt hat, und am wenigsten mag er sich erinnern, was er denen versprochen hat, ohne die er als Prinz nicht leben konnte.

P[oins].
Ich vermute, er will sich nur erst ein Ansehen geben; er hat uns verbannt, um uns wieder zurückzurufen.

B[ardolf].
Und indessen darben und hungern wir.

P[oins].
Nicht eben.

B[ardolf].
Aber wir fasten doch?

P[oins].
Ich habe unsern Zustand überlegt, ich weiß noch nicht, wozu ich mich entschließen soll.

B[ardolf].
Es kam gar zu unerwartet.

P[oins].
Mir doch nicht. Ich habe dem Prinzen Harry doch niemals recht getraut, oder ich hatte ihm vielmehr zugetraut, dass er König sein würde, sobald er König wäre. Wie konnten wir Dankbarkeit von ihm erwarten, da wir ihm bloß zum Spiele halfen und zum Spiele dienten? – Stille! Faunen-Silen erwacht.


II.

Fa[lstaff].
Denn es scheint, der Mensch besteht, wie bekannt, aus zwei Teilen. – Ich sage, wie bekannt; denn es weiß jedermann, dass wir aus Leib und Seele bestehen. Ich sage aber, wie es scheint, weil ein Edelmann nicht behaupten muss, wofür er nicht mit Leib und Ehre, Gut und Blut stehen möchte, und dass ich das nicht gerad’ an Leib und Seele, nämlich meinen Leib an meine Seele und meine Seele an meinen Leib wagen möchte, das kann mir niemand verargen.

B[ardolf].
Vollkom[men], voll[kommen!].

Fa[lstaff].
Nun also sage ich, der Mensch besteht aus zwei Teilen, einem vernünftigen Leib und einer unvernünftigen Seele, sag’ ich und bitte, dass man mich wohl verstehe. Der Leib ist vernünftig; denn er verlangt Speise, Trunk, Ruhe usw., und solang ich Sir John, Sir Fa[lstaff] heiße, wollt’ ich sagen, habe ich nicht gefundne, dass mein Leib irgendeine unvernünftige Anforderung gemacht hat. Z.B. ein Glas Sekt usw. Was aber die Seele betraf –

B[ardolf].
Fahrt fort, guter Sir Fal, fahrt fort! Was die Seele betrifft, so – –
   Fahrt fort!

Fa[lstaff].
Was die Seele betrifft! Lieber Bardolf, wenn du etwas mehr davon zu sagen weißt als ich, so fahre fort, diese werten Freunde zu unterhalten; denn ich gestehe –
   Und hoffe, dass man deshalb nicht übler von mir denken wird. Denn ich gestehe, dass ich wenig, sehr wenig, nichts, ja gar nichts weiß. Ebendeswegen aber hoff’ ich, dass man –

Ü   Þ

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