Nausikaa
Erster Aufzug
Erster Auftritt
(Jungfrauen der Nausikaa,
eine schnell nach der andern.)
Erste (suchend).
Nach dieser Seite flog der Ball! – Er liegt
Hier an der Erde. Schnell fass’ ich ihn auf
Und stecke mich in das Gebüsche! Still! (Sie verbirgt
sich.)
Zweite.
Du hast ihn fallen sehn?
Dritte.
Gewiss, er fiel
Gleich hinter dies Gesträuch im Bogen nieder.
Zweite.
Ich seh’ ihn nicht!
Dritte.
Noch ich.
Zweite.
Mir schien, es lief
Uns Tyche schon, die schnelle, leicht voraus.
Erste (aus dem Gebüsch
zugleich rufend und werfend).
Er kommt! Er trifft!
Zweite.
Ai!
Dritte.
Ai!
Erste (hervortretend).
Erschreckt ihr so
Vor einer Freundin? Nehmt vor Amors Pfielen
Euch nur in acht! Sie treffen unversehener
Als dieser Ball.
Zweite (den Ball aufraffend).
Er soll! Er soll zur Strafe
Dir um die Schultern fliegen.
Erste (laufend).
Werft! Ich bin schon weit!
Dritte.
Nach ihr! Nach ihr!
Zweite (wirft).
Er reicht sie kaum, er springt
Ihr von der Erde nur vergebens nach.
Kommt mit! Geschwind! Dass wir des Spiels so lang,
Als möglich ist, genießen, frei für uns
Nach allem Willen scherzen. Denn ich fürchte,
Bald eilt die Fürstin nach der Stadt zurück.
Sie ist seit diesem heitern Frühlingsabend
Nachdenklicher als sonst und freut sich nicht,
Mit uns zu lachen und zu spielen, wie
Sie stets gewohnt war. Komm! Sie rufen schon.
Zweiter Auftritt
Ulysses (aus der Höhle
tretend).
Was rufen mich für Stimmen aus dem Schlaf?
Wie ein Geschrei, ein laut Gespräch der Frauen
Erklang mir durch die Dämmrung des Erwachens.
Hier seh’ ich niemand! Scherzen durchs Gebüsch
Die Nymphen? Oder ahmt der frische Wind,
Durchs hohe Rohr des Flusses sich bewegend,
Zu meiner Qual die Menschenstimmen nach?
Wo bin ich hingekommen? Welchem Lande
Trug mich der Zorn des Wellengottes zu?
Ist’s leer von Menschen, wehe mir Verlassnen!
Wo will ich Speise finden, Kleid und Waffe?
Ist es bewohnt von Rohen, Ungezähmten,
Dann wehe doppelt mir! Dann übt aufs neue
Gefahr und Sorge dringend Geist und Hände.
O Not! Bedürfnis o! Ihr strengen Schwestern,
Ihr haltet, eng begleitend, mich gefangen!
So kehr’ ich von der zehnjähr’gen Mühe
Des wohl vollbrachten Krieges wieder heim,
Der Städtebändiger, der Sinnbezwinger!
Der Bettgenoss unsterblich schöner Frauen!
Ins Meer versanken die erworbnen Schätze,
Und ach, die besten Schätze, die Gefährten,
Erprobte Männer, in Gefahr und Mühe
An meiner Seite lebenslang gebildet,
Verschlungen hat der tausendfache Rachen
Des Meeres die geliebten, und allein,
Nackt und bedürftig jeder kleinen Hilfe,
Erheb’ ich mich auf unbekanntem Boden
Von ungemessnem Schlaf. Ich irrte nicht!
Ich höre das Geschwätz vergnügter Mädchen.
O dass sie freundlich mir und zarten Herzens,
Dem viel Geplagten, doch begegnen möchten,
Wie sie mich einst den Glücklichen empfingen!
Ich sehe recht! Die schönste Heldentochter
Kommt hier, begleitet von bejahrtem Weibe,
Den Sand des Ufers meidend, nach dem Haine.
Verberg’ ich mich so lange, bis die Zeit,
Die schickliche, dem klugen Sinn erscheint.
Dritter Auftritt
(Nausikaa.
Eurymedusa.)
Nausikaa.
Lass sie nur immer scherzen! Denn sie haben
Schnell ihr Geschäft verrichtet. Unter Schwätzen
Und lachen spülte frisch und leicht die Welle
Die schönen Kleider rein. Die hohe Sonne,
Die allen hilft, vollendete gar leicht
Das Tagewerk. Gefalten sind die Schleier,
Die langen Röcke, deren Weib und Mann
Sich immer, reinlich wechselnd, gern erfreut.
Die Körbe sind geschlossen; licht und sanft
Bringt der bepackte Wagen uns zur Stadt.
Eurymedusa.
Ich gönne gern den Kindern ihre Lust,
Und was du willst, geschieht. Ich sah dich still
Beiseit am Flusse gehen, keinen Teil
Am Spiele nehmen, nur gefällig …
Zu dulden mehr als dich zu freuen. Dies
Schien mir ein Wunder…
Nausikaa.
Gesteh’ ich dir, geleibte Herzensfreundin,
Warum ich heut so früh in deine Kammer
Getreten bin, warum ich diesen Tag
So schön gefunden, unser weibliches
Geschäft so sehr beschleunigt, Ross und Wagen
Von meinem Vater … mir erbeten.
Wenn ich jetzt … still und … bin,
So wirst du lächeln, denn mich hat ein Traum,
Ein Traum verführt, der einem Wunsche gleicht.
Eurymedusa.
Erzähle mir, denn alle sind nicht leer
Und ohne Sinn die flüchtigen Gefährten
Der Nacht. Bedeutend fand ich stets
Die sanften Träume, die der Morgen uns
Ums Haupt bewegt.
Nausikaa.
So war der meine. Spät
Noch wacht’ ich, denn mich hielt das Sausen
Des ungeheuren Sturms nach Mitternacht
Noch munter …
Dann schweigen sie und sehn einander an.
Geliebte, schilt die stille Träne nicht,
Die mir vom Auge fließt.
Und wie der arme letzte Brand
Von großer Herdesglut mit Asche
Des Abends überdeckt wird, dass er morgens
Dem Hause Feuer gebe, lag
In Blätter eingescharrt …
In meines Vaters Garten soll die Erde
Dich umgetriebnen, viel geplagten Mann
Zum freundlichsten empfangen …
Das schönste Feld hat er sein ganzes Leben
Bepflanzt, gepflügt und erntet nun im Alter
Des Fleißes Lohn, ein tägliches Vergnügen.
Dort dringen neben Früchten wieder Blüten,
Und Frucht auf Früchte wechseln durch das Jahr.
Die Pomeranze, die Zitrone steht
Im dunklen Laube, und die Feige folgt
Der Feige … beschützt ist ringsumher
Mit Aloe und Stachelfeigen …,
Dass die verwegne Ziege nicht genäschig
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Dort wirst du in den schönen Lauben wandeln,
An weiten Teppichen von Blumen dich erfreun.
Es rieselt neben dir der Bach, geleitet
Von Stamm zu Stamm. Der Gärtner tränket sie
Nach seinem Willen …
Du bist nicht einer von den Trüglichen,
Wie viele Fremde kommen, die sich rühmen
Und glatte Worte sprechen, wo der Hörer
Nichts Falsches ahnet und zuletzt, betrogen,
Sie unvermutet wieder scheiden sieht.
Du bist ein Mann, ein zuverlässiger Mann,
Sinn und Zusammenhang hat deine Rede. Schön
Wie eines Dichters Lied tönt sie dem Ohr
Und füllt das Herz und reißt es mit sich fort.
Ein weißer Glanz ruht über Land und Meer,
Und duftend schwebt der Äther ohne Wolken.
Und nur die höchsten Nymphen des Gebirgs
Erfreuen sich des leicht gefallnen Schnees
Auf kurze Zeit.
Er ist wohl jung genug, denn ich bin alt.
Und immer ist der Mann ein junger Mann,
Der einem jungen Weibe wohl gefällt.
Du gäbst ihm gern den Besten, merk’ ich wohl.
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Du hältst ihn doch für jung? Sprich, Tyche, sprich!
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Der Mann, der einen ihm vertrauten Schatz
Vergraben ………… hatte der
Die Lust, die jener hat, der ihn dem Meer
Mit Klugheit anvertraut, mit günst’gem Gott
Zehnfach beglückt nach seinem Hause kehrt?
O teurer Mann, welch einen Schmerz erregt
Das edle Wort in meinem Busen, so
Soll jener Tag denn kommen, der mich einst
Von meiner Tochter trennen wird. Vor dem Tag
Des Todes. Lassen soll ich sie
Und senden in ein fernes Land,
Sie, die zu Haus so wohl gepflegt.
Alkinoos.
So werde jener Tag, der wieder dich
Mit deinem edlen Sohn zum Feste bringt,
Der feierlichste Tag des Lebens mir.
Ein Gott gesendet Übel sieht der Mensch,
Der klügste, nicht voraus und wendets nicht.
Ü
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