Goethe

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Der Hausball
           
Söhne Megaprazons

Elpenor

Ein Trauerspiel.


Personen

Antiope.
Lykus.
Elpenor.
Evadne.
Polymetis.
Jünglinge.
Jungfrauen.


Erster Aufzug

Erster Auftritt

(Evadne. Jungfrauen.)

Evadne.
Verdoppelt eure Schritte, kommt herab!
Verweilet nicht zu lange, gute Mädchen,
Kommt herein!
Gewand und Haaren gebt nicht zu viel Sorgfalt.
Ist das Geschäft vollbracht, kommt Zeit zum Schmuck.
Zur Arbeit heißt der Morgen rege sein.

Jungfrau.
Hier sind wir, und die andern folgen gleich.
Wir haben selbst uns diesem Fest geweckt;
Du siehest uns bereit, was du befiehlst, zu tun.

Evadne.
Wohlan, beeifert euch mit mir!
Zwar halb nur freudig, halb mit Widerwillen
Ruf’ ich euch auf zum Dienste dieses Tags;
Denn er bringt unsrer hoch geliebten Frauen,
In Fröhlichkeit gekleidet, stillen Schmerz.

Jungfrau.
Ja, und uns allen; denn es scheidet heute
Der werte Knabe, den so lange schon
Die glücklichste Gewohnheit uns verbindet.
Sag’, wie erträgt’s die Königin? Gibt sie gelassen
Den teuern Pflegling seinem Vater wieder?

Evadne.
Schon wird mir bange für die künft’gen Tage.
Noch ruht der alte Schmerz in ihrer Seele:
Der doppelte Verlust des Sohns und des Gemahls
Ist noch nicht ausgeheilt. Und wenn des Knaben
Erheiternde Gesellschaft sie verlässt,
Wird sie dem alten Kummer widerstehn?
Wie Larven aus der Unterwelt vor andern
Dem Einsamen erscheinen, rührt Verlassne
Ängstlich der Trauer kalte Schattenhand.
Und wem gibt sie den lieben Zögling wieder!

Jungfrau.
Ich hab’ es auch bedacht.
Nie war der Bruder des Gemahls ihr lieb;
Sein rau Betragen hielt sie weit entfernt.
Nie hätten wir geglaubt, dass sie in seinem Sohn
Der süßen Liebe Gegenstand umarmte.

Evadne.
Wär’ es ihr eigner, wie belohnte sie
Der heut’ge Tag für alle Muttersorgen!
Der schöne Knabe schreitet feierlich,
Vor alles Volkes sehnsuchtsvollen Augen,
Aus der beschränkten Kindheit niedrem Kreis
Auf der beglückten Jugend erste Stufe;
Doch sie erfreut es kaum. Ein ganzes Reich
Dankt ihr die edle Sorg’, und ach! In ihrem Busen
Gewinnt der Gram nur neue Luft und Nahrung.
Denn für das schwerste edelste Bemühn
Wird so viel Freude nicht dem Menschen, als Natur
Mit einem einzigen Geschenke leicht gewährt.

Jungfrau.
Ach, welche schönen Tage lebte sie,
Eh’ noch das Glück von ihrer Schwelle wich,
Ihr den Gemahl, den Sohn entführend floh
Und unerwartet sie verwaist zurücke ließ!

Evadne.
Lass uns das Angedenken jener Zeiten
So heftig klagend nicht erneuen,
Das Gute schätzen, das ihr übrig blieb:
Im nahverwandten Knaben großen Reichtum.

Jungfrau.
Den nennst du reich, der fremde Kinder nährt?

Evadne.
Wenn sie geraten, ist auch das vergnüglich.
Ja wohl! Ihr ward ein herrlicher Ersatz
In Lykus’ Sohne. Hier am einsamen Gestad’,
An ihrer Seite wuchs er schnell hervor,
Und er gehört nun ihr durch Lieb’ und Bildung.
Dem Vielverwandten gönnt sie herzlich nun
Den Teil des Reichs, der ihrem Sohn
Vom Vater her gebührte;
Ja, gönnt ihm einst, was sie an Land und Schätzen
Von ihren Eltern sich ererbt.
Sie stattet ihn mit allem Segen aus,
Und sucht sich still den Trost im Guten.
Dem Volk ist’s besser, wenn nur einer herrscht,
Hört’ ich sie sagen, und noch manches Wort,
Womit sie lindernd gern das Übel priese,
Das sie befiel.

Jungfrau.
Mich dünkt, ich sah sie heute froh, das Auge hell.

Evadne.
Mir schien es auch. O mögen ihr die Götter
Ein frisches Herz erhalten!
Denn leichter dient sich einem Glücklichen.

Jungfrau.
Der edel ist, nicht hart im Übermut.

Evadne.
Wie wir sie billig preisen, unsre Frau.

Jungfrau.
Ich sah sie fröhlich, fröhlicher den Knaben,
Der Morgensonne Gold auf ihrem Antlitz.
Da schwang sich eine Freude mir durchs Herz,
Die Nacht der alten Tage zu erhellen.

Evadne.
Lass uns nicht weiblich vieles reden,
Wo viel zu tun ist.
Die Freude soll dem Dienst nicht schaden, der
Heut mehr gefordert wird als andern Tages.
Lasst eure Lust in eurem Eifer sehen,
Mit dem ein jedes eilt, sein Werk zu tun.

Jungfrau.
Verordne du! Wir andern säumen nicht.

Evadne.
Dass unsrer Fürstin Herz geöffnet ist,
Hab’ ich gesehn. Sie will, dass ihre Schätze,
Die still verwahrt dem künftigen Geschlecht
Entgegenruhten, heut sich zeigen
Und diesem Tag gewidmet glänzen;
Dass diese Feier sich auf Reinlichkeit
Und Ordnung, wie auf zwei Gefährten, würdig lehne.
Was mir vertraut ist, hab’ ich aufgeschlossen;
Nun sorget für den Schmuck der Säle selbst,
Entfaltet die gestickten Teppiche und deckt
Damit den Boden, Sitze, Tafeln,
Gering und Köstliches verteilt mit kluger Wahl!
Bereitet Platz genug für viele Gäste
Und setzt die kunstgetriebenen Geschirre
Zur Augenlust auf ihre rechten Stellen!
An Speis’ und Trank soll’s auch nicht fehlen, denn
So will’s die Fürstin, und ich sorgte so.
Und was den Fremden dargeboten wird,
Soll Anmut und Gefälligkeit begleiten.
Die Männer, eh’ ich, haben auch Befehl;
Denn Pferde, Waffen, Wagen
Sind, diese Feier zu verherrlichen, bewegt.

Jungfrau.
Wir gehen!

Evadne.
Wohl! Ich folge gleich,
Nur hält mich noch der Anblick meines Prinzen.
Dem Morgenstern vergleichbar naht er, funkelnd, schnell.
Lasst mich ihn segnen, ihn, der Tausenden
Ein neues Licht des Glücks aufgehend scheint.


Zweiter Auftritt

(Elpenor und Evadne)

Elpenor.
Du, meine Gute, Treue, bist du hier,
Die immer teil an meiner Freude nimmt?
Sieh, was der Aufgang dieses Tags mir brachte!
Die ich so gerne Mutter nenne, will mich heut
Mit vielen Zeichen ihrer Lieb’ entlassen.
Den Bogen und den reich beladnen Köcher
Gab sie mir; von Barbaren
Gewann ihr Vater ihn. Seit meiner ersten Jugend
Gefiel er mir vor allen Waffen wohl,
Die an den hohen Pfeilern hangen.
Ich forderte ihn oft; mit Worten nicht,
Ich nahm ihn von den Pfosten
Und klirrte an der starken Senne;
Dann blickt’ ich die Geleibte freundlich an,
Und ging um sie herum, und zauderte
Den Bogen wieder aufzuhängen.
Heut wurde mir der alte Wunsch gewährt.
Er ist nun mein, ich führ’ ihn mit mir fort,
Wenn ich den Vater nach der Stadt begleite.

Evadne.
Ein würdiges Geschenk! Es sagt dir viel.

Elpenor.
Was denn?

Evadne.
Groß ist der Bogen, schwer zu beugen;
Wenn ich nicht irre, du vermagst es nicht.

Elpenor.
Das werd’ ich schon.

Evadne.
So denkt die teure Pflegemutter auch.
Vertraut sie dir, dass du mit Manneskraft
Dereinst die straffe Senne spannen wirst,
So winkt sie dir zugleich und hofft, dass du
Nach würd’gem Ziel die Pfeile senden wirst.

Elpenor.
O lass mich nur! Noch hab’ ich auf der Jagd
Das leichte Reh,
Geringe Vögel nur der niedern Luft erlegt;
Doch wenn ich dich einst bändige,
– Ihr Götter, gebt es bald! –
Dann hol’ ich ihn aus seinen hohen Wolken,
Den sichern Adler herunter.

Evadne.
Wirst du, entfernt von deinen Bergen, deinen Wäldern,
In denen du bisher mit uns gelebt,
Auch deiner ersten Jugendfreuden
Und unser auch gedenken?

Elpenor.
Und du bist unerbittlich? Willst nicht mit mir ziehn?
Willst deine Sorgfalt mir nicht ferner gönnen?

Evadne.
Du gehst, wohin ich dir nicht folgen kann,
Und deine nächsten Jahre schon
Vertragen eines Weibes Sorge kaum.
Der Frauen Liebe nährt das Kind;
Den Knaben ziehn am besten Männer.

Elpenor.
Sag’ mir, wann kommt mein Vater, der mich heut
Nach seiner Stadt zurückführt?

Evadne.
Eher nicht
Als bis die Sonne hoch am Himmel wandelt.
Dich hat der frühste Morgen aufgeweckt.

Elpenor.
Geschlafen hab’ ich nicht, geschlummert nur.
In der bewegten Seele ging mir auf und ab,
Was alles ich heut zu erwarten habe.

Evadne.
Wie du verlangst, so wirst auch du verlangt;
Denn aller Bürger Augen warten dein.

Elpenor.
Wie du verlangst, so wirst auch du verlangt;
Denn aller Bürger Augen warten dein.

Elpenor.
Sag’ an, ich weiß, Geschenke sind bereitet,
Die heute noch von meinem Vater kommen;
Ist dir’s bekannt, was bringen wohl die Boten?

Evadne.
Zuvörderst reiche Kleider, das vermut’ ich wohl,
Wie einer haben soll,
Auf den die Augen vieler sind gerichtet,
Damit ihr Blick, der nicht ins Innre dringt,
Sich an dem Äußern weide.

Elpenor.
Auf etwas anders hoff’ ich, meine Liebe!

Evadne.
Mit Schmuck und reicher Zierde
Wird auch dein Vater heut nicht karg sein.

Elpenor.
Das will ich nicht verachten, wenn es kommt;
Doch rätest du, als wär’ ich eine Tochter.
Ein Pferd wird kommen, groß, mutig und schnell;
Was ich so lang entbehrt, das werd’ ich haben,
Und eigen haben. Denn was half es mir?
Bald ritt ich dies, bald das, es war nicht mein,
Und nebenher voll Angst ein alter Diener.
Ich wollte reiten, und er wollte mich gesund
Nach Hause haben.
Am liebsten war ich auf der Jagd
Der Königin zur Seite; doch ich merkt’ es wohl:
Wär’ sie allein gewesen,
Sie hätte schärfer geritten,
Und ich wohl auch, wär’ ich allein gewesen,
Nein, dieses Pferd, es wird mein eigen bleiben,
Und ich will reiten, es soll eine Lust sein.
Ich hoffe, das Tier ist jung und wild und roh;
Es selber zuzureiten wär’ mir größte Freude.

Evadne.
Auf dein Vergnügen, hoff’ ich, und zugleich
Auf deine Sicherheit ist man bedacht.

Elpenor.
Vergnügen sucht der Mann sich in Gefahren,
Und ich will bald ein Mann sein.
Auch wird mir noch gebracht, errat’ es schnell, ein Schwert,
Ein größres, als ich auf der Jagd geführt,
Ein Schlachtschwert.
Es biegt sich wie ein Rohr und spaltet
Auf einen Hieb den starken Ast;
Ja, Eisen haut es durch, und keine Spur
Bleibt auf der Schärfe schartig sitzen.
Sein Griff mit goldnem Drachenhals geziert,
Und Ketten hängen um den Rachen,
Als hätt’ ein Held in finstrer Höhle
Ihn überwältiget, gebunden,
Dienstbar ans Tageslicht gerissen.
Im nahen Wald versuch’ ich schnell die Klinge;
Dort will ich Bäume spaltend niederhauen.

Evadne.
Mit diesem Mut wirst du den Feind besiegen.
Für Freunde Freund zu sein, verleihe dir
Die Grazie des Feuers einen Funken
In deine Brust, das auf dem himmlischen Altar,
Durch ihre Ewig reine Hand genährt,
Zu Jovis Füßen brennt.

Elpenor.
Ich will ein treuer Freund sein,
Will teilen, was mir von den Göttern wird;
Und wenn ich alles habe, was mich freut,
Will ich gern allen andern alles geben.

Evadne.
Nun fahre wohl! Sehr schnell sind diese Tage
Mir hingeflohn; wie eine Flamme, die
Nun erst den Holzstoß recht ergriffen,
Verzehrt die Zeit das Alter schneller als die Jugend.

Elpenor.
So will ich eilen, Rühmliches zu tun.

Evadne.
Die Götter geben dir Gelegenheit
Und hohen Sinn, das Rühmliche
Von dem Gerühmten rein zu unterscheiden!

Elpenor.
Was sagst du mir? Ich kann es nicht verstehen.

Evadne.
Mit Worten, wären’s ihrer noch so viel,
Wird dieser Segen nicht erklärt:
Denn es ist Wunsch und Segen mehr als Lehre.
Die geb’ ich dir an diesem Tage zum Geleit.
Die ersten Pfade liest du spielend durch,
Und nun beschreitest du den breitern Weg;
Da folge stets Erfahrenen.
Nicht nützen würd’ es, würde nur verwirren,
Beschrieb’ ich dir beim Austritt zu genau
Die fernen Gegenden, durch die du wandern wirst.
Der beste Rat ist: Folge gutem Rat,
Und lass das Alter dir ehrwürdig sein.

Elpenor.
Das will ich tun.

Evadne.
Erbitte von den Göttern dir Verständige
Und Wohlgesinnte zu Gefährten.
Beleidige nicht das Glück durch Torheit, Übermut;
Der Jugend Fehler wohl begünstigt es,
Doch mit den Jahren fordert’s mehr.

Elpenor.
Ja, viel vertrau’ ich dir, und deine Frau,
So klug sie ist, weiß ich, vertraut dir viel.
Sie fragte dich gar oft um dies und jenes,
Wenn du auch nicht bereit antwortetest.

Evadne.
Wer alt mit Fürsten wird, lernt vieles, lernt
Zu vielem schweigen.

Elpenor.
Wie gern blieb’ ich bei dir, bis ich so weise
Als nötig ist, um nicht zu fehlen.

Evadne.
Wenn du dich so bedingtest, wäre mehr Gefahr.
Ein Fürst soll einzeln nicht erzogen werden.
Einsam lernt niemand je sich selbst,
Noch wen’ger anderen gebieten.

Elpenor.
Entziehe künftig mir nicht deinen Rat!

Evadne.
Du sollst ihn haben, wenn du ihn verlangst;
Auch unverlangt, wenn du ihn hören kannst.

Elpenor.
Wenn ich vor dir am Feuer saß und du erzähltest
Von Taten alter Zeit, du einen Guten rühmtest,
Des Edlen Wert erhobst, da glüht’ es mir
Durch Mark und Adern.
Ich rief in meinem Innersten:
O wär’ ich der, von dem sie spricht!

Evadne.
O möchtest du mit immer gleichem Triebe
Zur Höhe wachsen, die erreichbar ist!
Lass es den besten Wunsch sein,
Den ich mit diesem Abschiedskuss dir weihe!
Teures Kind, leb’ wohl!
Ich seh’ die Königin sich nahn.


Dritter Auftritt

(Antiope. Elpenor. Evadne.)

Antiope.
Ich find’ euch hier in freundlichem Gespräch.

Evadne.
Die Trennung heißt der Liebe Bund erneuen.

Elpenor.
Sie ist mir wert, mir wird das Scheiden schwer.

Antiope.
Dem schönsten Willkomm gehst du heut entgegen.
Erfährest erst, was du bisher entbehrst.

Evadne.
Hast du noch irgendeinen Auftrag, Königin?
Ich geh’ hinein, wo vieles zu besorgen ist.

Antiope.
Ich sage nichts, Evadne, heute nicht;
Denn du tust immer, was ich loben muss.


Vierter Auftritt

(Antiope. Elpenor.)

Antiope.
Und du, mein Sohn, leb’ in das Leben wohl!
So sehr, als ich dich liebe, scheid’ ich doch
Von dir gesetzt und freudig.
Ich war bereit, auch so den eignen zu entbehren,
Mit zarten Mutterhänden ihn
Der strengen Pflicht zu überliefern.
Du hast bisher der Liebenden gefolgt;
Geh, lerne nun gehorchen, dass du herrschen lernst.

Elpenor.
Dank! Tausend Dank, o meine beste Mutter!

Antiope.
Vergelt’ es deinem Vater, dass er, mir geneigt,
Mir deiner ersten Jahre schönen Anblick,
Der holden Jugend süßen Mitgenuss gegönnt,
Den einz’gen Trost, als mich das Glück so hart verletzte.

Elpenor.
Oft hab’ ich dich bedauert, dir den Sohn
Und mir den Vetter heiß zurückgewünscht.
Welch ein Gespiele wäre das geworden!

Antiope.
Um wenig älter nur als du. Wir beiden Mütter
Versprachen zugleich den Brüdern einen Erben.
Ihr sprosstet auf; ein neuer Glanz der Hoffnung
Durchleuchtete der Väter altes Haus
Und überschien das weite gemeinsame Reich.
In beiden Königen entbrannte neue Lust,
Zu leben, mit Verstand zu herrschen und mit Macht
Zu kriegen.

Elpenor.
Sonst zogen sie so oft ins Feld,
Warum denn jetzt nicht mehr?
Die Waffen meines Vaters ruhen lange.

Antiope.
Der Jüngling kämpft, damit der Greis genieße.
Damals traf meinen Gemahl das Los,
Den Feind jenseit des Meers zu bändigen.
Er trug gewaltsames Verderben
In ihre Städte. Tückisch lauerte ihm
Und allen Schätzen meines Lebens
Ein feindseliger Gott auf.
Er zog mit froher Kraft vor seinem Herr,
Den teuern Sohn verließ er an der Mutter Brust;
Wo schien der Knabe sicherer als da,
Wo ihn die Götter selber hingelegt?
Da ließ er scheidend ihn und sagte: Wachse wohl!
Und richte deiner ersten Worte Stammeln,
Das Straucheln deiner ersten Tritte
Entgegen auf der Schwelle deinem Vater,
Der glücklich, siegreich, balde wiederkehrt.
Es war ein eitler Segen!

Elpenor.
Dein Kummer greift mich an, wie mich der Mut
Aus deinen Augen glänzend kann entzünden.

Antiope.
Er fiel, von einem tück’schen Hinterhalte
Im Laufe seines Sieges überwältigt.
Da war von Tränen meine Brust des Tags,
Zu Nacht mein einsam Lager heiß.
Den Sohn an mich zu drücken, über ihm
Zu weinen, war des Jammers Labsal.
O den, auch den vom Herzen zu verlieren,
Ertrug ich nicht, und noch ertrag’ ich’s nicht!

Elpenor.
Ergib dich nicht dem Schmerz und lass auch mich
Dir etwas sein.

Antiope.
O unvorsichtig Weib, die du dich selbst
Und alle deine Hoffnung so zerstört!

Elpenor.
Klagst du dich an, die du nicht schuldig bist?

Antiope.
Zu schwer bezahlt man oft ein leicht Versehn.
Von meiner Mutter kamen Boten über Boten;
Sie riefen mich und hießen meinen Schmerz
An ihrer Seite mich erleichtern.
Sie wollte meinen Knaben sehen,
Auch ihres Alters Trost.
Erzählung und Gespräch und Wiederholung,
Erinnrung alter Zeiten sollte dann
Den tiefen Eindruck meiner Qualen lindern.
Ich ließ mich überreden, und ich ging.

Elpenor.
Nenn’ mir den Ort! Sag’, wo geschah die Tat?

Antiope.
Du kennest das Gebirg’, das von der See hinein
Das Land zur rechten Seite schließt;
Dorthin nahm ich den Weg. Von allen Feinden schien
Die Gegend und von Räubern sicher.
Nur wenig Knechte waren zum Geleit des Wagens,
Und eine Frau war bei mir.
Dort ragt ein Fels beim Eintritt ins Gebirg’ hervor,
Ein alter Eichbaum fasst ihn mit den starken Ästen,
Und aus der Seite fließt ein klarer Quell.
Dort hielten sie im Schatten, tränkten
Die abgespannten Rosse, wie man pflegt,
Und es zerstreuten sich die Knechte.
Der eine suchte Honig, der im Walde träust,
Uns zu erquicken;
Der andre heilt die Pferde bei dem Brunnen;
Der dritte hieb der Zweige kühlenden Wedel.
Auf einmal hören sie den Fernsten schreien,
Der Nahe eilt hinzu, und es entsteht
Ein Kampf der Unbewaffneten
Mit kühnen wohl bewehrten Männern,
Die sich hervor aus dem Gebüsche drängen.
Sich heftig wehrend fallen die Getreuen,
Der Fuhrmann auch, der im Entsetzen
Die Pferde fahren lässt und sich mit Steinen
Hartnäckig der Gewalt entgegensetzt.
Wir fliehn und stehn. Die Räuber glauben, leicht
Sich meines Knabens zu bemächtigen;
Doch nun erneuert sich der Streit.
Wir ringen voller Wut, den Schatz verteidigend.
Mit unauflösbarn Banden mütterlicher Arme
Umschling’ ich meinen Sohn. Die andre hält,
Entsetzlich schreiend, mit geschwinden Händen
Die eindringende Gewalt ab,
Bis ich zuletzt, vom Schwert getroffen,
Durch Vorsatz oder Zufall weiß ich nicht,
Ohnmächtig niedersinke,
Den Knaben mit dem Leben zugleich
Von meinem Busen lasse
Und die Gefährtin schwer geschlagen fällt.

Elpenor.
O warum ist man Kind! Warum entfernt
Zur Zeit, wo solche Hilfe nötig ist!
Es ballt die Faust sich mir vor der Erzählung,
Ich hör’ die Frauen rufen: Rette! Räche!
Nicht wahr, o Mutter, wen die Götter lieben,
Den führen sie zur Stelle, wo man sein bedarf?

Antiope.
So leiteten sie Herkules und Theseus,
So Jason und der alten Helden Chor.
Wer edel ist, den suchet die Gefahr,
Und er sucht sie: So müssen sie sich treffen.
Ach, sie erschleicht auch Schwache, denen nichts
Als knirschende Verzweiflung übrig bleibt:
So fanden uns die Hirten des Gebirgs,
Verbanden meine Wunden, führten sorgsam
Die sterbende zurück; ich kam und lebte.
Mit welchem Graun betrat ich meine Wohnung,
Wo Schmerz und Sorge sich am Herd gelagert.
Wie verbrannt, vom Feinde zerstört
Schien mir das wohl bestellte königliche Haus;
Und noch verstummt mein Jammer.

Elpenor.
Erfuhrst du nie, ob ein Verräter,
Ein Feind, wer diese Tat verübt?

Antiope.
Nach allen Seiten sandte schnell dein Vater Boten,
Ließ von Gewappneten die Küsten
Scharf untersuchen samt den Bergen; doch umsonst.
Und nach und nach, wie ich genas,
Kam grimmiger der Schmerz zurück,
Und die unbänd’ge Wut ergriff mein Haupt.
Mit Waffen der Ohnmächtigen
Verfolgt’ ich den Verräter.
Ich rief den Donner, rief die Flut,
Rief die Gefahren an, die leis,
Um schwer zu schaden, auf der Erde schleichen.
Ihr Götter, rief ich aus, ergreift die Not,
Die über Erd’ und Meer blind und gesetzlos schweift!
Ergreift sie mit gerechten Händen
Und stoßt sie ihm entgegen, wo er kommt!
Wenn er bekränzt mit Fröhlichen
Von einem Fest zurückekehrt,
Wenn er mit Beute schwer beladen seine Schwelle tritt,
Verwünschung war die Stimme meiner Seele,
Die Sprache meiner Lippe Fluch.

Elpenor.
O glücklich wäre der, dem die Unsterblichen
Die heißen Wünsche deines Grimmes
Zu vollführen gäben!

Antiope.
Wohl, mein Sohn!
Vernimm mit wenig Worten noch mein Schicksal:
Denn es wird das deine.
Dein Vater begegnete mir gut, doch fühlt’ ich bald,
Dass ich nun in dem Seinen lebte, seiner Gnade,
Was er mir gönnen wollte, danken musste.
Bald wandt’ ich mich hieher zu meiner Mutter
Und lebte still bei ihr, bis sie die Götter riefen.
Da ward ich Meisterin von allem, was mein Vater,
Was sie mir hinterließ. Vergebens forscht’ ich
Um Nachricht von meinem Verlornen.
Wie mancher Fremde kam und täuschte mich mit Hoffnung!
Ich war geneigt, dem letzten stets zu glauben;
Er ward gekleidet und genährt und endlich doch,
So wie die ersten, lügenhaft erfunden.
Mein Reichtum lockte Freier; viele kamen
Von nah und fern, sich um mich her zu lagern.
Die Neigung hieß mich einsam leben,
Um dem Verlangen nach den Schatten
Der Unterwelt voll Sehnsucht nachzuhängen;
Allein die Not befahl, den Mächtigsten
Zu wählen: Denn ein Weib vermag allein nicht viel.
Mit deinem Vater mich zu beraten,
Kam ich in seine Stadt.
Denn ich gesteh’ es dir, geliebt hab’ ich ihn nie;
Doch seiner Klugheit konnt’ ich stets vertrauen.
Da fand ich dich, und mit dem ersten Blicke
War meine Seele ganz dir zugewandt.

Elpenor.
Ich kann ich noch erinnern, wie du kamst.
Ich warf den Ballen weg, womit ich spielte,
Und lief, den Gürtel deines Kleids zu schaun,
Und wollte nicht von dir, als du die Tiere,
Die um ihn her sich schlingend jagen,
Mir wiederholend zeigtest und benanntest.
Es war ein schönes Stück, ich lieb’ es noch zu sehn.

Antiope.
Da sprach ich zu mir selbst, als ich betrachtend
Dich zwischen meinen Knien hielt:
So war das Bild, das mir die Wünsche vorbedeutend
Durch meine Wohnungen geführt.
Solch einen Knaben sah ich oft im Geist
Auf meiner Väter altem Stuhl am Herd sich lagern.
So hofft’ ich ihn zu führen, ihn zu leiten,
Den lebhaft Fragenden zu unterrichten.

Elpenor.
Das hast du mir gegönnt und mir getan.

Antiope.
Hier ist er! Sagte mir mein Geist, als ich dein Haupt
In meinen Händen spielend wandte
Und eifrig dir die lieben Augen küsste,
Hier ist er! Nicht dein eigen, doch deines Stammes.
Und hätt’ ein Gott ihn, dein Gebet erhörend,
Aus den zerstreuten Steinen des Gebirgs gebildet,
So wär’ er dein und deines Herzens Kind;
Er ist der Sohn nach deinem Herzen.

Elpenor.
Von jener Zeit an blieb ich fest an dir.

Antiope.
Du kanntest bald und liebtest bald die Liebende.
Die Wärt’rin kam, dich zur gewohnten Zeit
Dem Schlaf zu widmen.
Unwillig, ihr zu folgen, fasstest du
Mit beiden Armen meinen Hals
Und wurzeltest dich tief in meine Brust.

Elpenor.
Noch wohl erinnr’ ich mich der Freude,
Als du mich scheidend mit dir führtest.

Antiope.
Schwer war dein Vater zu bereden. Viel
Versucht’ ich lange, ich versprach ihm, dein
Als meines Eigensten zu wahren.
Lass mir den Knaben! Sprach ich, bis die Jugend ihn
Zum ernstern Leben ruft.
Er sei das Ziel von allen meinen Wünschen.
Dem Fremden, wer es sei, versag’ ich meine Hand,
Als Witwe will ich leben, will ich sterben.
Ihm sei das Meinige ein schöner Teil
Zu dem, was er besitzt.
Da schwieg dein Vater, sann dem Vorteil nach.
Ich rief: Nimm gleich die Inseln! Nimm sie hin zum Pfand!
Befestige deine Reich, beschütze meins,
Erhalt es deinem Sohne! Dies bewegt’ ihn endlich;
Denn Ehrgeiz hat ihn stets beherrscht
Und die Begierde, zu befehlen.

Elpenor.
O tadl’ ihn nicht!
Denn, Göttern gleich zu sein, ist Edler Wunsch.

Antiope.
Du warst nun mein. Oft hab’ ich mich gescholten,
Dass ich in dir, durch dich
Des schrecklichen Verlustes Lindrung fühlen konnte.
Ich nährte dich, fest hat die Liebe mich
An dich, doch auch die Hoffnung festgebunden.

Elpenor.
O möcht’ ich dir doch alles leisten!

Antiope.
Nicht jene Hoffnung, die im strengen Winter
Mit Frühlingsblumen uns das Haupt umwindet,
Vom Blütenbaum aus reichen Früchten lächelt;
Nein! Umgewendet hatte mir
Das Unglück in der Brust die Wünsche
Und des Verderbens ungemessene Begier
In mir entzündet.

Elpenor.
Verhehle nichts! Sprich, lass mich alles wissen!

Antiope.
Es ist nun Zeit, du kannst vernehmen; höre!
Ich sah dich wachsen und erspähte still
Der offnen Neigung Trieb und schöne Kraft.
Da rief ich aus: Ja, er ward mir geboren!
In ihm der Rächer jener Missetat,
Die mir das Leben zerstückte.

Elpenor.
Gewiss! Gewiss!
Ich will nicht ruhen, bis ich ihn entdeckt,
Und grimmig soll die Rache, ungezähmt,
Auf sein verschuldet Haupt nachsinnend wüten.

Antiope.
Versprich und schwöre mir! Ich führe dich
An den Altar der Götter dieses Hauses.
Ein freudig Wachstum gönnten dir die Traurigen;
Sie ruhn gebeugt an dem verwaisten Herde
Und hören uns.

Elpenor.
Ich ehre sie und brächte gern
Der Dankbarkeit bereite Gaben.

Antiope.
Ein Jammer bringt durch der Unsterblichen
Wohltätig Wesen,
Wenn ihres lang bewahrten Herdes
Letzte Glut verlischt.
Von keinem neuen Geschlechte leuchtet
Frisch genährte Flamme durchs Haus.
Vergebens fachen sie den glimmenden Rest
Mit himmlischem Odem von neuem empor.
Die Asche zerstiebt in Luft,
Die Kohle versinkt.
Teilnehmend an der Irdischen Schmerzen
Blicken sie dich
Mit halbgesenkten Häuptern an
Und widerstreben nicht missbilligend,
Wenn ich dir zurufe:
Hier am friedlichen, unblutigen Altar
Gelobe, schwöre Rache!

Elpenor.
Hier bin ich! Was du forderst, leist’ ich gern.

Antiope.
Rastlos streicht die Rache hin und wider,
Sie zerstreuet ihr Gefolge
An die Enden der bewohnten Erde
Über der Verbrecher schweres Haupt.
Auch in Wüsten treibt sie sich, zu suchen,
O bricht da und dort in letzten Hohlen
Ein Verruchter sich verberge,
Schweift sie hin und her und schwebt vorüber,
Eh’ sie trifft.
Leise sinken Schauer von ihr nieder,
Und der Böse wechselt ängstlich
Aus Palästen in die Tempel,
Aus den Tempeln unter freien Himmel,
Wie ein Kranker bang sein Lager wechselt.
Süßer Morgenlüfte Kinderstammeln
In den Zweigen scheint ihm drohend;
Oft in schweren Wolken
Senkt sie nahe sich aufs Haupt ihm, schlägt nicht,
Wendet ihren Rücken
Oft dem wohl bewussten, schüchternen Verbrecher.
Ungewiss im Fluge kehrt sie wieder
Und begegnet seinen starren Blicken.
Vor dem Herrschen ihres großen Auges
Ziehet sich, von bösem Krampfe zuckend,
In der Brust das feige Herz zusammen,
Und das warme Blut kehrt aus den Gliedern
Nach dem Busen, dort zu Eis gerinnend.
So begegne du, wenn einst die Götter
Mich erhören,
Mit dem scharfen Finger die ihn zeigen,
Finster deine Stirn gefaltet, jenem Frevler.
Zähl’ ihm langsam meiner Jahre Schmerzen
Auf den kahlen Scheitel.
Das Erbarmen, die Verschonung
Und das Mitgefühl der Menschenqualen,
Guter Könige Begleiterinnen,
Mögen weit zurücketretend
Sich verbergen,
Dass du ihre Hand auch wollend
Nicht ergreifen könnest.
Fasse den geweihten Stein und schwöre,
Aller meiner Wünsche Umfang zu erfüllen!

Elpenor.
Gern! Ich schwöre!

Antiope.
Doch nicht er allein sei zum Verderben
Dir empfohlen; auch die Seinen,
Die um ihn und nach ihm seines
Erdenglückes Kraft befest’gen,
Zehre du zu Schatten auf.
Wär’ er lang ins Grab gestiegen,
Führe du die Enkel und die Kinder
Zu dem aufgeworfnen durft’gen Hügel,
Gieße dort ihr Blut aus,
Dass es fließend seinen Geist umwittre,
Er im Dunklen dran sich labe,
Bis die Schar unwillig Abgeschiedner
Ihn im Sturme weckt.
Grausen komm’ auf Erden über alle,
Die sich im Verborgnen sicher dünken,
Heimliche Verräter!
Keiner blicke mehr aus Angst und Sorgen
Nach dem Friedensdach der stillen Wohnung,
Keiner schaue mehr zur Grabespforte
Hoffend, die sich einmal willig
Jedem auftut und dann unbeweglich,
Strenger als gegossnes Erz und Riegel,
Freud’ und Schmerzen ewig von ihm scheidet.
Wenn er seine Kinder sterbend segnet,
Starr’ ihm in der Hand das letzte Leben,
Und er schaudre, die beweglichen Locken
Der geliebten Häupter zu berühren.
Bei dem kalten, festen, heil’gen Stein
– Berühr’ ihn! – schwöre,
Aller meiner wünsche Umfang zu erfüllen!

Elpenor.
Frei war noch mein Herz von Rach’ und Grimme:
Denn mir ist kein Unrecht widerfahren.
Wenn wir uns im Spiele leicht entzweiten,
Folgte leichter Friede noch vor Abend.
Du entzündest mich mit einem Feuer,
Das ich nie empfunden; meinem Busen
Hast du einen schweren Schatz vertraut,
Hast zu einer hohen Heldenwürde
Mich erhoben, dass ich nun gewisser
Mit bewusstem Schritt ins Leben eile.
Ja, den ersten schärfsten Grimm des Herzens
Mit dem ersten treusten Schwur der Lippe
Schwör’ ich dir an dieser heil’gen Stätte
Ewig dir und deinem Dienst zu eigen!

Antiope.
Lass mich mit diesem Herzenskuss, mein Eigenster,
Dir aller Wünsche Siegel auf die Stirne drücken.
Und nun tret’ ich vor die hohe Pforte
Zu der heil’gen Quelle,
Die, aus dem geheimen Felsen sprudelnd,
Meiner Mauern alten Fuß benetzet,
Und nach wenig Augenblicken kehr’ ich wieder.


Fünfter Auftritt

(Elpenor allein.)

Ich bin begierig, zu sehen, was sie vorhat.
In sich gekehrt bleibt sie vorm hellen Strahl
Des Wassers stehn und scheint zu sinnen.
Sorgfältig wäscht sie nun die Hände, dann die Arme,
Besprengt die Stirn, den Busen.
Sie schaut gen Himmel,
Empfängt mit hohler Hand das frische Nass
Und gießt es feierlich zur Erde, drei Mal.
Welch eine Weihung mag sie da begehn?
Sie richtet ihren Tritt der Schwelle zu. Sie kommt.


Sechster Auftritt

(Antiope. Elpenor.)

Antiope.
Lass mich mit frohem, freud’gem Mute dir
Noch einmal danken.

Elpenor.
Und wofür?

Antiope.
Dass du des Lebens Last von mir genommen.

Elpenor.
Ich dir?

Antiope.
Der Hass ist eine läst’ge Bürde.
Er senkt das Herz tief in die Brust hinab
Und legt sich wie ein Grabstein schwer auf alle Freuden.
Nicht im Elend allein ist fröhlicher Liebe
Reiner willkommner Strahl die einzige Tröstung.
Hüllt er in Wolken sich ein,
Ach! Dann leuchtet des Glückes,
Der Freude flatternd Gewand
Nicht mit erquickenden Farben.
Wie in die Hände der Götter
Hab’ ich in deine meinen Schmerz gelegt
Und steh’, wie vom Gebete, ruhig auf.
Weggewaschen hab’ ich von mir
Der Rachegöttinnen
Flecken hinterlassende Berührung.
Weithin führt sie
Allreinigend nun die Welle,
Und ein stiller Keim friedlicher Hoffnung
Hebt, wie durch aufgelockerte Erde, sich empor
Und blickt bescheiden nach dem grün färbenden Lichte.

Elpenor.
Vertraue mir! Du darfst mir nichts verhehlen.

Antiope.
Ob er noch wandelt unter den Lebendigen,
Den ich als abgeschieden lang betraure?

Elpenor.
Dreifach willkommen, wenn er uns erschiene.

Antiope.
Sag’ an, gesteh! Kannst du versprechen,
Lebt er und zeigt er kommend sein Antlitz,
Gibst du die Hälfte gern, die ihm gebührt, zurück?

Elpenor.
Von allem gern.

Antiope.
Auch hat dein Vater mir’s geschworen.

Elpenor.
Und ich versprech’ es, schwör’s zu deinen
Geweihten heil’gen Händen.

Antiope.
Und ich empfange
Für den Entferntesten dein Versprechen, deinen Schwur.

Elpenor.
Doch zeige mir nun an, wie soll ich ihn erkennen?

Antiope.
Wie ihn die Götter führen werden,
Welch Zeugnis sie ihm geben, weiß ich nicht.
Doch merke dir: In jener Stunde,
Als ihn die Räuber mir entrissen, hing
An seinem Hals ein goldnes Kettchen,
Dreifach schön gewunden;
Und an der Kette hing ein Bild der Sonne,
Wohlgegraben.

Elpenor.
Ich verwahre das Gedächtnis.

Antiope.
Ein andres Zeichen noch kann ich dir geben,
Das schwerer nachzuahmen, der Verwandtschaft
Ganz unumstößlich Zeugnis.

Elpenor.
Sage mir’s vernehmlich.

Antiope.
Am Nacken trägt er einen braunen Flecken,
Wie ich ihn auch an dir
Mit freudiger Verwundrung schaute.
Von eurem Ahnherrn pflanzte sich dies Mal
Auf beide Enkel fort,
In beiden Vätern unsichtbar verborgen.
Darauf gib Acht und prüfe scharfen Sinnes
Der angebornen Tugend sichres Zeichen.

Elpenor.
Es soll sich keiner unterschieben, mich betrügen.

Antiope.
Schöner als das Ziel der Rache
Sei dir dieser Blick in alle Fernen
Deines Wandels. Lebe, lebe wohl!
Ich wiederhole hundert Mal,
Was ungern ich zum letzten Male sage,
Und doch muss ich dich lassen, teures Kind!
Die stille hohe Betrachtung
Deines künftigen Geschickes
Schwebt, wie eine Gottheit,
Zwischen Freud’ und Schmerzen.
Niemand tritt auf diese Welt,
Dem nicht von beiden mancherlei bereitet wäre,
Und den Großen mit großem Maße;
Doch überwiegt das Leben alles,
Wenn die Leibe in seiner Schale liegt.
So lang ich weiß, du wandelst auf der Erde,
Dein Auge schaut der Sonne teures Licht
Und deine Stimme schallt dem Freunde zu,
Bist du mir gleich entfernt, so fehlt mir nichts zum Glück.
Bleib mir, dass ich, zu meinen lieben Schatten einst
Gesellt, mich deiner lang erwartend freue.
Und geben dir die Götter jemand
Zu lieben, so wie ich dich liebe!
Komm! Viele Worte frommen nicht den Scheidenden.
Lass uns der Zukunft Schmerzen künftig leiden,
Und fröhlich sie dir eines neuen Lebens Tag.
Die Boten, die der König sendet, säumen nicht;
Sie nahen bald, und ihn erwart’ ich auch.
Komm! Lass uns gehen, sie zu empfangen,
Den Gaben und dem Sinn gleich, die sie bringen.


Zweiter Aufzug

Erster Auftritt

Polymetis (allein).
Aus einer Stadt voll sehnlicher Erwartung
Komm’ ich, der Diener eines Glücklichen,
Nicht glücklich.
Es sendet mich mein Herr mit viel Geschenken
An seinen Sohn voraus
Und folgt in wenig Stunden meinem schritt.
Bald werd’ ich eines frohen Knaben Angesicht
Erblicken, doch zur allgemeinen Freude
Verstellt nur meine Stimm’ erheben,
Geheimnisvolle Schmerzen
Mit frohen Zügen überkleiden.
Denn hier, hier stockt von altem Hochverrat
Ein ungeheilt Geschwür,
Das sich vom blühnden Leben,
Von jeder Kraft in meinem Busen nährt.
Ein König sollte seiner kühnen Taten
Mitschuldig niemand machen.
Was er, um Kron’ und Reich sich zu gewinnen
Und zu befestigen, tut,
Was sich um Kron’ und Reich zu tun wohl ziemen mag,
Ist in dem Werkzeug niedriger Verrat.
Doch ja, den lieben sie und hassen den Verräter.
Weh ihm!
In einen Taumel treibt uns ihre Gunst
Und wir gewöhnen uns leicht zu vergessen,
Was wir der eignen Würde schuldig sind.
Die Gnade scheinet ein so hoher Preis,
Dass wir den ganzen Wert von unsrem Selbst
Zur Gegengabe viel zu wenig achten.
Wir fühlen uns Gesellen einer Tat,
Die unsrer Seele fremd war;
Wir dünken uns Gesellen und sind Knechte.
Von unsrem Rücken schwingt er sich aufs Ross,
Und rasch hinweg ist der Reiter
Zu seinem Ziel,
Eh’ wir das sorgenvolle Angesicht
Vom Boden heben.
Nach meinem Lippen dringt das schreckliche Geheimnis.
Entdeck’ ich es, bin ich ein doppelter Verräter;
Entdeck’ ich’s nicht, so siegt der schändlichste Verrat.
Gesellin meines ganzen Lebens,
Verschwiegene Verstellung,
Willst du den sanften, den gewalt’gen Finger
Im Augenblicke mir vom Munde heben?
Soll ein Geheimnis, das ich nun so lange,
Wie Philoktet den alten Schaden,
Als einen Schmerz beladnen Freund ernähre,
Soll es ein Fremdling meinem herzen werden?
Und wie ein anderes gleichgültigs Wort
In Luft zerfließen?
Du bist mir schwer und lieb, du schwarzes Bewusstsein,
Du stärkst mich quälend;
Doch deine Reifezeit erscheinet bald.
Noch zweifl’ ich, und wie bang ist da der Zweifel,
Wenn unser Schicksal am Entschlusse hängt!
O gebt ein Zeichen mir, ihr Götter!
Löst meinen Mund, verschließt ihn – wie ihr wollt.


Zweiter Auftritt

(Elpenor. Polymetis.)

Elpenor.
Willkommen, Polymetis, der du mir von alters her
Durch Freundlichkeit und guten Willen schon
Genug bekannt bist, hochwillkommen heute!
O sage mir, was bringst du? Kommt es bald?
Wo sind die Deinen? Wo des Königs Diener?
Darfst du entdecken, was mir dieser Tag bereitet?

Polymetis.
Mein teurer Prinz!
Wie? Du erkennst den alten Freund sogleich!
Und ich nach eines kurzen Jahrs Entfernung
Muss fragen: Ist er’s? Ist er’s wirklich?
Das Alter stockt wie ein bejahrter Baum,
Und wenn er nicht verdorrt, scheint er derselbe.
Aus deiner lieblichen Gestalt, du süßer Knabe,
Entwickelt jeder Frühling neue Reize.
Man möchte dich stets halten, wie du bist,
Und immer, was du werden sollst, genießen.
Die Boten kommen bald, die du mit Recht erwartest;
Sie bringen dir Geschenke deines Vaters,
Und die sind deiner und des Tages wert.

Elpenor.
Verzeih der Ungeduld! Schon viele Nächte
Kann ich nicht schlafen. Manchen Morgen schon
Lauf’ ich den Fels hervor und seh’ mich um,
Und schaue nach der Ebene,
Als wollt’ ich sie, die Kommenden, erblicken,
Und weiß: Sie kommen nicht.
Jetzt, da sie nah sind, halt’ ich es nicht aus
Und komme, ihnen zu begegnen.
Hörst du der Rosse Stampfen? Hörst du ein Geschrei?

Polymetis.
Noch nicht, mein Prinz; ich ließ sie weit zurück.

Elpenor.
Sag’, ist’s ein schönes Pferd, das heut mich tragen soll?

Polymetis.
Ein Schimmel, sagst du mir! Soll ich mich dir vertraun?
Soll ich’s gestehn? Ein Rappe wär’ mir lieber.

Polymetis.
Du kannst sie haben, wie du sie begehrst.

Elpenor.
Ein Pferd von dunkler Farbe greift viel feuriger
Den Boden an. Denn, soll es je mir wert sein,
Muss es mit Not nur hinter andern
Gehalten werden, keinen Vormann leiden,
Muss setzen, klettern, vor rauschenden Fahnen,
Vor gefällten Speeren sich nicht scheuen
Und der Trompete rasch entgegenwiehern.

Polymetis.
Ich sehe wohl, mein Prinz, ich hatte recht
Und kannte dich genau.
Unschlüssig war dein Vater, was er senden sollte.
Sei nicht besorgt, o Herr, so sagt’ ich ihm,
Der Feierkleider und des Schmuckes ist genug;
Nur Waffen send’ ihm viel und alte Schwerter.
Kann er sie jetzt nicht führen,
So wird die Hoffnung ihm die Seele heben
Und künft’ge Kraft ihm in der jungen Faust
Vorahnend zucken.

Elpenor.
O schönes Glück! O lang erwarteter,
O Freudentag! Und du, mein alter Freund,
Wie dank’ ich dir, wie soll ich dir’s vergelten,
Dass du für mich nach meinem Wunsch gesorgt!

Polymetis.
Mir wohl zutun und vielen, liegt in deiner Hand.

Elpenor.
Sag’, ist’s gewiss? Das alles soll ich haben?
Und bringen sie das alles?

Polymetis.
Ja, und mehr!

Elpenor.
Und mehr?

Polymetis.
Und vieles mehr!
Sie bringen dir, was Gold nicht kaufen kann,
Und was das stärkste Schwert dir nicht erwirbt,
Was niemand gern entbehrt, an dessen Schatten
Der Stolze, der Tyrann sich weiden mag.

Elpenor.
O nenne mir den Schatz und lass mich nicht
Vor diesem Rätsel stutzen.

Polymetis.
Die edlen Jünglinge,
Die Knaben, die dir heut entgegengehen,
Sie tragen in der Brust ein dir ergebnes Herz,
Voll Hoffnung und voll Zutraun.
Und ihre fröhlichen Gesichter sind
Ein Vorbild vieler Tausende,
Die dich erwarten.

Elpenor.
Drängt sich das Volk schon auf den Straßen früh?

Polymetis.
Ein jeglicher vergisst der Not, der Arbeit,
Und der Bequemste rafft sich auf.
Sein dringend Bedürfnis ist nur, dich zu sehn,
Und harrend fühlt ein jeder
Zum zweiten Mal die Freude des Tages,
Der dich gebar.

Elpenor.
Wie fröhlich will ich Fröhlichen begegnen!

Polymetis.
O dass ihr Blick dir tief die Seele durchdringe!
Denn solch ein Blick
Begegnet keinem, selbst dem König nicht.
Was gern der Greis von guter alter Zeit erzählt,
Was von der Zukunft sich der Jüngling träumt,
Knüpft Hoffnung in den schönsten Kranz zusammen
Und hält versprechend ihn ob jenem Ziel,
Das deinen Tagen aufgesteckt ist.

Elpenor.
Wie meinen Vater sollen sie mich lieben
Und ehren.

Polymetis.
Gern versprechen sie dir mehr.
Ein alter König drängt die Hoffnungen der Menschen
In ihre Herzen tief zurück
Und fesselt dort sie ein.
Der Anblick aber eines neuen Fürsten
Befreit die lang gebundnen Wünsche.
Im Taumel dringen sie hervor,
Genießen übermäßig, töricht oder klug
Des schwer entbehrten Atems.

Elpenor.
Ich will den Vater bitten, dass er Wein und Brot
Und von den Herden, was er leicht entbehrt,
Dem Volk verteilt.

Polymetis.
Er wird es gern. Den Tag,
Den uns die Götter einmal nur im Leben
Gewähren können, feire jeder hoch.
Wie selten öffnet sich der Menschen Herz zusammen!
Ein jeder ist für sich besorgt. Unsinn und Wut
Durchflammt ein Volk weit eh’r als Lieb’ und Freude.
Du wirst die Väter sehn, die Hände
Auf ihrer Söhne Haupt gelegt,
Mit Eifer deuten: Sieh, dort kommt er!
Der Hohe blickt den Niedern an wie seinesgleichen.
Zu seinem Herrn erhebt der Knecht
Ein offnes, frohes Aug’, und der Beleidigte
Begegnet sanft des Widersachers Blick
Und lädt ihn ein zur milden Reue,
Zum offnen, weichen Mitgenuss des Glücks.
So mischt der Freud’ unschuld’ge Kinderhand
Die will’gen Herzen, schafft ein Fest,
Ein ungekünsteltes, den goldnen Tagen gleich,
Da noch Saturn der jungen Erde
Gelind als ein geliebter Vater vorstand.

Elpenor.
Wie viel Gespielen hat man mir bestimmt?
Hier hatt’ ich drei; wir waren gute Freunde,
Oft uneins und bald wieder eins.
Wenn ich erst eine Menge haben werde,
Dann wollen wir in Freund und Feind uns teilen
Und wachen, Lager, Überfall und Schlachten
Recht ernstlich spielen. Kennst du sie?
Sind’s will’ge, gute Knaben?

Polymetis.
Du hättest sollen das Gedränge sehn,
Wie jeder seinen Sohn, und wie die Jünglinge
Sich selbst mit Eifer boten! Von den Edelsten,
Den Besten sind dir zwölfe zugewählt,
Die immer dienstlich deiner warten sollen.

Elpenor.
Doch kann ich wohl noch mehr zum Spiele fordern?

Polymetis.
Du hast sie alle gleich auf einen Wink.

Elpenor.
Ich will sie sondern, und die Besten sollen
Auf meiner Seite sein.
Ich will sie führen ungebahnte Wege;
Sie werden kletternd schnell den sichern Feind
In seiner Felsenburg zugrunde richten.

Polymetis.
Mit diesem Geiste wirst du, teurer Prinz,
Zum Jugendspiel die Knaben, bald das ganze Volk
Zum ernsten Spiele führen.
Ein jeder fühlt sich hinter dir,
Ein jeder von dir nachgezogen.
Der Jüngling hält die rasche Glut zurück
Und wartet auf dein Auge,
Wohin es Leben oder Tod gebietet.
Gern irrt auch der erfahrne Mann mit dir,
Und selbst der Greis entsagt der schwer erworbnen Weisheit
Und kehrt noch einmal in das Leben
Zu dir teilnehmend rasch zurück.
Ja, dieses graue Haupt wirst du an deiner Seite
Dem Sturm entgegen sehn, und diese Brust
Vergießt ihr letztes Blut, vielleicht weil du dich irrtest.

Elpenor.
Wie meinst du? O es soll euch nicht gereuen.
Ich will gewiss der erste sein, wo’s Not hat,
Und euer aller Zutraun muss mir werden.

Polymetis.
Das flößten reichlich schon die Götter
Dem Volke für den jungen Fürsten ein.
Es ist ihm leicht und schwer, es zu erhalten.

Elpenor.
Es soll mir keiner es entziehen;
Wer brav ist, soll es mit mir sein.

Polymetis.
Du wirst nicht Glückliche allein beherrschen.
In stillen Winkeln liegt der Druck des Elends,
Der Schmerzen auf so vielen Menschen.
Verworfen scheinen sie, weil sie das Glück verwarf;
Doch folgen sie dem Mutigen auf seinen Wegen
Unsichtbar nach, und ihre Bitte dringt
Bis zu der Götter Ohr. Geheimnisvolle Hilfe
Kommt von dem schwachen oft dem Stärkeren zugute.

Elpenor.
Ich hör’, ich hör’ den Freudenruf
Und der Trompete Klang vom Tal herauf.
O lass mich schnell! Ich will den stielen Pfad
Hinab den Kommenden entgegen;
Du folge, lieber Freund, den großen Weg,
Und willst du, bleibe hier!


Dritter Auftritt

Polymetis (allein).
Wie Schmeichelei dem Knaben schon so lieblich klingt!
Und doch unschuldig ist der Hoffnung Schmeichelei.
Wenn wir dereinst zu dem, was wir missbilligen,
Dich loben müssen, härter fühlen wir’s.
Der preise glücklich sich, der von
Den Göttern dieser Welt entfernt lebt;
Verehr’ und fürcht’ er sie und danke still,
Wenn ihre Hand gelind das Volk regiert.
Ihr Schmerz berührt ihn kau, und ihre Freude
Kann er unmäßig teilen.
O weh mir! Doppelt weh mir heute!
Du schöner muntrer Knabe, sollst du leben?
Soll ich das Ungeheur, das dich zerreißen kann,
In seinen Klüften angeschlossen halten?
Die Königin, soll sie erfahren,
Welch schwarze Tat dein Vater gegen sie verübt?
Wirst du mir’s lohnen, wenn ich schweige?
Wird eine Treue, die nicht rauscht, empfunden?
Was hab’ ich Alter noch von dir zu hoffen?
Ich werde dir zur Last sein.
Du wirst vorübergehend mit einem Händedruck
Mich sehr befriedigt halten.
Vom Strome Gleichgesinnter wirst du fortgerissen,
Indes dein Vater uns mit schwerem Szepter beherrscht.
Nein! Soll mir je noch eine Sonne scheinen,
So muss ein ungeheurer Zwist das Haus zerrütten,
Und wann die Not mit tausend Armen eingreift,
Dann wird man wieder unsern Wert,
Wie in den ersten, den verworrnen Zeiten fühlen;
Dann wird man uns wie ein veraltet Schwert
Vom Pfeiler eifrig nehmen,
Den Rost von seiner Klinge tilgen.
Hervor aus euren Grüften,
Ihr alten Larven verborgner schwarzer Taten,
Wo ihr gefangen lebt! Die schwere Schuld erstirbt nicht!
Auf! Umgebt mit dumpfem Nebel
Den Thron, der über Gräbern aufgebaut ist,
Dass das Entsetzen wie ein Donnerschlag
Durch alle Busen fahre!
Freude verwandelt in Knirschen!
Und vor den ausgestreckten Armen
Scheiter die Hoffnung!

Ü   Þ

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