Goethe

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Der Hausball
           
Söhne Megaprazons

Mahomet

(Feld. Gestirnter Himmel.)

Mahomet (allein).
Teilen kann ich euch nicht dieser Seele Gefühl.
Fühlen kann ich euch nicht allen ganzes Gefühl.
   Wer, wer wendet dem Flehn sein Ohr?
      Dem bittenden Auge den Blick?

Sieh, er blinket herauf, Gad, der freundliche Stern.
Sei mein Herr du, mein Gott! Gnädig winkt er mir zu!
   Bleib! Bleib’ Wendst du dein Auge weg?
      Wie? Liebt’ ich ihn, der sich verbirgt?

Sei gesegnet, o Mond! Führer du des Gestirns,
Sei mein Herr du, mein Gott! Du beleuchtest den Weg.
   Lass! Lass nicht in der Finsternis
      Mich! Irren mit irrendem Volk.

Sonn’, dir glühenden, weiht sich das glühende Herz.
Sei mein Herr du, mein Gott! Leit’, allsehende, mich.
   Steigst auch du hinab, herrliche?
      Tief hüllet mich Finsternis ein.

Hebe, liebendes Herz, dem Erschaffenden dich!
Sei mein Herr du, mein Gott! Du allliebender, du,
   Der die Sonne, den Mond und die Stern’
      Schuf, Erde und Himmel und mich.

(Halima, seine Pflegemutter, zu ihm.)

Halima.
Mahomet.

Mahomet.
Halima! O das sie mich in diesen glückseligen
Empfindungen stören muss. Was willst du mit mir, Halima?

Halima.
Ängstige mich nicht, lieber Sohn, ich suche dich
von Sonnen Untergang. Setze deine zarte Jugend nicht den
Gefahren der Nacht aus.

Mahomet.
Der Tag ist über dem Gottlosen verflucht wie
die Nacht. Das Laster zieht das Unglück an sich, wie die Kröte
den Gift, wenn Tugend unter ebendem Himmel gleich einem
heilsamen Amulett die gesundeste Atmosphäre um uns erhält.

Halima.
So allein auf dem Felde, das keine Nacht für
Räubern sicher ist?

Mahomet.
Ich war nicht allein. Der Herr, mein Gott,
hat sich freundlichst zu mir genaht.

Halima.
Sahst du ihn?

Mahomet.
Siehst du ihn nicht? An jeder stillen Quelle,
unter jedem blühenden Baum begegnet er mir in der Wärme
seiner Liebe. Wie dank’ ich ihm! Er hat meine Brust geöffnet,
die harte Hülle meines Herzens weggenommen, dass ich sein
Nahen empfinden kann.

Halima.
Du träumst! Könnte deine Brust eröffnet worden
Sein, und du leben?

Mahomet.
Ich will für dich zu meinem Herrn flehen, dass
du mich verstehen lernst.

Halima.
Wer ist dein Gott, Hobal oder Al Fatas?

Mahomet.
Armes unglückliches Volk, das zum Steine ruft:
Ich liebe dich! Und zum Ton: Sei du mein Beschützer! Haben
sie ein Ohr fürs Gebet, haben sie einen Arm zur Hilfe?

Halima.
Der in dem Stein wohnt, der um den Ton schwebt,
vernimmt mich, seine Macht ist groß.

Mahomet.
Wie groß kann sie sein? Es stehn dreihundert
neben ihm, jedem raucht ein flehender Altar. Wenn ihr wider
eure Nachbarn betet, und eure Nachbarn wider euch, müssen nicht
eure Götter, wie kleine Fürsten, deren Grenzen verwirrt sind,
mit unauflöslicher Zwietracht sich wechselsweise die Wege ver-
sperren?

Halima.
Hat dein Gott den keine Gesellen?

Mahomet.
Wenn er sie hätte, könnt’ er Gott sein?

Halima.
Wo ist seine Wohnung?

Mahomet.
Überall.

Halima.
Das ist nirgends. Hast du Arme, den ausgebrei-
teten zu fassen?

Mahomet.
Stärkere, brennendere als diese, die für deine
Liebe dir danken. Noch nicht lange, dass mir ihr Gebrauch ver-
stattet ist. Halima, mir war’s wie dem Kinde, das ihr in enge
Windlen schränkt, ich fühlte in dunkler Einwicklung Arme und
Füße; doch es lag nicht an mir, mich zu befreien. Erlöse
du, mein Herr, das Menschengeschlecht von seinen Banden, ihre
innerste Empfindung sehnt sich nach dir.

Halima (vor sich).
Er ist sehr verändert. Seine Natur ist
umgekehrt, sein Verstand hat gelitten. Es ist besser, ich bring’
ihn seinen Verwandten jetzo zurück, als dass ich die Verantwortung
schlimmer Folgen auf mich lade.

Ü   Þ

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