Johann Wolfgang von Goethe

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Zur Farbenlehre
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               Vorwort
               Inhalt
               Didaktischer Theil
               Polemischer Theil
                  Einleitung
                  Zwischenrede
                  Optik 1. B. 1. T.
                     1. P. 1. T.
                     Beweis
                     2. P. 2. T.
                     3. P. 3. T.
                     4. P. 1. P.
                     5. P. 4. T.
                     6. P. 5. T.
                     7. P. 6. T.
                     8. P. 2. P.
                  Optik 1. B. 2. T.
                     1. P. 1. T.
                     2. P. 2. T.
                     3. P. 1. P.
                     4. P. 3. T.
                     5. P. 4. T.
                     6. P. 2. P.
                     7. P. 5. T.
                     8. P. 3. P.
                     9. P. 4. P.
                     10. P. 5. P.
                     11. P. 6. P.
                  Abschluß
                  Tafeln
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Zur Farbenlehre
            Zueignung
            Vorwort
            Inhalt
            Didaktischer Theil
            Polemischer Theil
               Einleitung
               Zwischenrede
               New. Optik 1. Buch. 1. Theil
                  1. Proposition. 1. Theorem
                  Beweis durch Experimente
                  2. Proposition. 2. Theorem
                  3. Proposition. 3. Theorem
                  4. Proposition. 1. Problem
                  5. Proposition. 4. Theorem
                  6. Proposition. 5. Theorem
                  7. Proposition. 6. Theorem
                  8. Proposition. 2. Problem
               New. Optik 1. Buch. 2. Theil
                  1. Proposition. 1. Theorem
                  2. Proposition. 2. Theorem
                  3. Proposition. 1. Problem
                  4. Proposition. 3. Theorem
                  5. Proposition. 4. Theorem
                  6. Proposition. 2. Problem
                  7. Proposition. 5. Theorem
                  8. Proposition. 3. Problem
                  9. Proposition. 4. Problem
                  10. Proposition. 5. Problem
                  11. Proposition. 6. Problem
               Abschluß
               Tafeln

Zwischenrede.

15.

Vorstehendes war geschrieben und das Nachstehende zum größten Theil, als die Frage entstand, ob es nicht räthlich sei, mit wenigem gleich hier anzugeben, worin sich denn die Meinung, welcher wir zugethan sind, von derjenigen unterscheidet, die von Newton herstammend sich über die gelehrte und ungelehrte Welt verbreitet hat.

16.

Wir bemerken zuerst, daß diejenige Denkweise, welche wir billigen, uns nicht etwa eigenthümlich angehört, oder als eine neue nie vernommene Lehre vorgetragen wird. Es finden sich vielmehr von derselben in den frühern Zeiten deutliche Spuren, ja sie hat sich immer, durch alle schwankenden Meinungen hindurch, so mache Jahrhunderte her lebendig erhalten, und ist von Zeit zu Zeit wieder ausgesprochen worden, wovon uns die Geschichte weiter unterrichten wird.

17.

Newton hat behauptet, in dem weißen farblosen Lichte überall, besonders aber in dem Sonnenlicht, seien mehrere farbige (die Empfindung der Farbe erregende), verschiedene Lichter wirklich enthalten, deren Zusammensetzung das weiße Licht (die Empfindung des weißen Lichts) hervorbringe.

18.

Damit aber diese Lichter zum Vorschein kommen, setzt er dem weißen Licht gar mancherlei Bedingungen entgegen, durchsichtige Körper, welche das Licht von seiner Bahn ablenken, undurchsichtige, die es zurückwerfen, andre, an denen es hergeht; aber diese Bedingungen sind ihm nicht einmal genug. Er gibt den brechenden Mitteln allerlei Formen, den Raum, in dem er operirt, richtet er auf mannichfaltige Weise ein, er beschränkt das Licht durch kleine Öffnungen, durch winzige Spalten, und bringt es auf hunderterlei Art in die Enge. Dabei behauptet er nun, daß alle diese Bedingungen keinen andern Einfluß haben, als die Eigenschaften, die Fertigkeiten (fits) des Lichtes rege zu machen, so daß dadurch sein Innres aufgeschlossen werde, und was in ihm liegt, an den Tag komme.

19.

Jene farbigen Lichter sind die integrirenden Theile seines weißen Lichtes. Es kommt durch alle obgemeldeten Operationen nichts zu dem Licht hinzu, es wird ihm nichts genommen, sondern es werden nur seine Fähigkeiten, sein Inhalt geoffenbart. Zeigt es nun bei der Refraction verschiedene Farben, so ist es divers refrangibel; auch bei der Reflexion zeigt es Farben, deßwegen ist es divers reflexibel, u. s. w. Jede neue Erscheinung deutet auf eine neue Fähigkeit des Lichtes, sich aufzuschließen, seinen Inhalt herzugeben.

20.

Die Lehre dagegen, von der wir überzeugt sind, und von der wir dießmal nur insofern sprechen, als sie der Newtonsichen entgegensteht, beschäftigt sich auch mit dem weißen Lichte. Sie bedient sich auch äußerer Bedingungen, um farbige Erscheinungen hervorzubringen. Sie gesteht aber diesen Bedingungen Werth und Würde zu, sie bildet sich nicht ein, Farben aus dem Licht zu entwickeln, sie sucht uns vielmehr zu überzeugen, daß die Farbe zugleich von dem Lichte und von dem, was sich ihm entgegenstellt, hervorgebracht werde.

21.

Also, um nur des Refractionsfalles, mit dem sich Newton in der Optik vorzüglich beschäftigt, hier zu gedenken, so ist es keinesweges die Brechung, welche die Farben aus dem Licht hervorlockt, vielmehr bleibt eine zweite Bedingung unerläßlich, daß die Brechung auf ein Bild wirke, und solches von der Stelle wegrücke. Ein Bild entsteht nur durch Gränzen, diese Gränzen übersieht Newton ganz, ja er läugnet ihren Einfluß. Wir aber schreiben dem Bilde sowohl als seiner Umgebung, der hellen Mitte sowohl als der dunkeln Gränze, der Thätigkeit sowohl als der Schranke, in diesem Falle vollkommen gleiche Wirkung zu. Alle Versuche stimmen uns bei, und je mehr wir sie vermannichfaltigen, desto mehr wird ausgesprochen, was wir behaupten, desto planer, desto klarer wird die Sache. Wir gehen vom Einfachen aus, indem wir einen sich wechselseitig entsprechenden Gegensatz zugestehen, und durch Verbindung desselben die farbige Welt hervorbringen.

22.

Newton scheint vom Einfacheren auszugehen, indem er sich bloß an’s Licht halten will; allein er setzt ihm auch Bedingungen entgegen so gut wie wir, nur daß er denselben ihren integrirenden Antheil an dem Hervorgebrachten abläugnet. Seine Lehre hat nur den Schein, daß sie monadisch oder unitarisch sei. Er legt in seine Einheit schon die Mannichfaltigkeit, die er heraus bringen will, welche wir aber viel besser aus der eingestandenen Dualität zu entwickeln und zu construiren glauben.

23.

Wie er nun zu Werke geht, um das Unwahre wahr, das Wahre unwahr zu machen, das ist jetzt unser Geschäft zu zeigen und der eigentliche Zweck des gegenwärtigen polemischen Theils.

Ü   Þ

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