Fünfter Aufzug
Erster Auftritt
(Nacht. Ein
Lustgarten. Rechter Hand der Schauspieler eine Laube.)
Der Graf.
La Fleur.
La Fleur.
Ich höre noch niemand. Es rührt sich nichts im ganzen Garten. Ich bin
recht verlegen. Ich habe doch gewiss recht gehört.
Der Graf (mit anmaßlicher
Bedeutung).
Du hast recht gehört.
La Fleur.
Nun, wenn Sie es selbst wissen, so ist es desto besser; denn Sie können
versichert sein, dass ich immer die Wahrheit sage. Um diese Stunde wollte
meiner Herrschaft hier in diesem Garten sein. Ich weiß nicht, was sie
vorhaben. Mit vier Pferden sind sie vor uns weggefahren, und ihr Wagen
wird an der kleinen Tür stillhalten. Ich habe Sie deswegen an der andern
Seite aussteigen lassen. Ich vermute, der Domherr ist auch hierher
bestellt.
Graf (wie oben).
Warte! (Er hält seinen kleinen Finger ans Ohr.)
Dieser Ring sagt mir, dass du gewissermaßen wahr redest.
La Fleur.
Gewissermaßen?
Graf.
Ja. Das heißt: Insofern du es selbst wissen kannst. Ich bin nicht
allwissend; aber dieser Ring sagt mir immer, ob die Menschen lügen, oder
ob sie sich irren.
La Fleur.
Wenn ich Ihnen raten sollte – doch Sie wissen schon, was das Beste ist.
Graf.
Sprich nur! Ich will schon sehn, ob du mir das Beste rätst.
La Fleur.
Ich dächte, wir gingen sachte diese dunkle Allee hinauf und horchten immer
im Gehen, ob wir nicht irgendetwas kommen oder lispeln hören.
Graf.
Ganz recht. Geh nur voraus und horche, ob der Weg sicher ist.
Zweiter Auftritt
Der Graf
allein.
Ich begreif’ es nicht – und nach allen Umständen,
die dieser Mensch angibt, ist es höchst wahrscheinlich. Die Marquise
bestellt den Domherrn hier heraus; wär’ es möglich, dass es ihr gelungen
wäre, die Prinzessin zu gewinnen? Was ich immer für ein albernes
Unternehmen, was ich für Lüge und Trug hielt. – Wenn ihr das gelingt, was
soll dann dem Menschen nicht gelingen! (Er geht von der
linken Seite im Grunde ab.)
Dritter Auftritt
Der Ritter.
Der Oberst der Schweizergarde. Sechs Schweizer kommen
von der linken Seite aus den vordern Kulissen.
Oberst (der zuletzt
herauskommt, nach der Szene).
Hier bleibt versteckt und rührt euch nicht eher, es mag sich zutragen, was
will, bis ihr Waldhörner hört. In dem Augenblick, da sie stillschweigen,
fallt zu und nehmt gefangen, wen ihr im Garten findet. (Zu
den Schweizern, die auf dem Theater stehn.) Ihr gebt auf das
nämliche Signal acht. Viere verbergen sich bei der großen Pforte; lasst
herein: Es komme, wer will, aber niemanden hinaus.
Ein Schweizer.
Herein mögen sie kommen, hinaus soll keiner.
Der Oberst.
Und wer hinaus will, den haltet fest.
Schweizer.
Wir wollen schon wacker anfassen.
Oberst.
Und wenn die Waldhörner schweigen, so bringt hierher, wen ihr etwa
angehalten habt. Zwei aber halten die Pforte besetzt.
Schweizer.
Ja, Herr Oberst. Ich und mein Kamerad bringen Euch die Gefangenen, und der
Michel und der Dusle bleiben bei der Pforte, dass nicht etwa ein anderer
hinausschlupfet.
Oberst.
Geht nur, Kinder, geht, so ist’s recht! (Die vier Schweizer
gehen ab.) Ihr beiden tretet etwa zehn Schritte von hier ins
Gebüsch; das übrige wisst ihr.
Schweizer.
Gut.
Oberst.
So, Ritter, wären unsre Posten alle besetzt. Ich zweifle, dass uns einer
entgeht. Wenn ich sagen soll, so glaub’ ich, wir werden hier auf diesem
Platze den besten Fang tun.
Ritter.
Wieso, Herr Oberst?
Oberst.
Da von Liebeshändeln die Rede ist, so werden sie dieses Plätzchen gewiss
aussuchen. In dem übrigen Garten sind die Alleen zu gerade, die Plätze zu
licht; dieses Buschwerk, diese Lauben sind für die Schalkheiten der Liebe
dicht genug zusammengewachsen.
Ritter.
Ich bin recht in Sorgen, bis alles vorüber ist.
Oberst.
Unter solchen Umständen sollt’ es einem Soldaten erst recht wohl werden.
Ritter.
Ich wollte als Soldat lieber an einem gefährlichen Posten stehn. Sie
werden mir es nicht verdenken, dass es mir bang um das Schicksal dieser
Menschen ist, wenn sie gleich nichtswürdig genug sind, und meine Absicht
ganz löblich war.
Oberst.
Sei’n Sie ruhig! Ich habe Befehl vom Fürsten und vom Minister, die Sache
in der Kürze abzutun; man verlässt sich auf mich. Und der Fürst hat sehr
recht. Denn wenn es Händel gibt, wenn die Geschichte Aussehn macht, so
denken doch die Menschen von der Sache, was sie wollen, und es ist also
immer besser, man tut sie im stillen ab. Desto größer wird auch Ihr
Verdienst, lieber junger Mann, das gewiss nicht unbelohnt bleiben wird.
Mich dünkt, ich höre was; lassen Sie uns beiseite treten.
Vierter Auftritt
Die Marquise.
Der Marquis. Die Nichte.
Die Marquise (zum
Marquis, der nur eben heraustritt).
Bleiben Sie nur immer in diesem Gebüsch und halten Sie sich still. Ich
trete gleich wieder zu Ihnen. (Der Marquis tritt zurück.)
Hier! Liebes Kind, ist die Laube, hier ist die Rose; das übrige wissen
Sie.
Nichte.
O liebste Tante, verlassen Sei mich nicht! Handeln Sie menschlich mit mir;
bedenken Sie, was ich Ihnen zuliebe tue, was ich Ihnen zu Gefallen wage!
Marquise.
Wir sind bei Ihnen, mein Kind; nur Mut! Es ist keine Gefahr, in fünf
Minuten ist alles vorüber. (Die Marquise tritt ab.)
Nichte (allein).
O Gott, was hilft es, dass eine tiefe Nacht die Schuld bedeckt? Der Tag
bewillkommt eine jede gute Tat, die im stillen geschah, und zeigt ein
ernstes fürchterliches Gesicht dem Verbrecher.
Fünfter Auftritt
Die Nichte.
Der Domherr.
Die Nichte (setzt sich
in de Laube und hält die Rose in der Hand).
Der Domherr (der von
der entgegen gesetzten Seite aus dem Grunde des Theaters hervorkommt).
Eine tiefe Stille weissagt mir meine nahe Glückseligkeit. Ich vernehme
keinen Laut in diesen Gärten, die sonst durch die Gunst des Fürsten allen
Spaziergängern offen stehn und bei schönen Abenden oft von einem einsamen
unglücklich Liebenden, öfter von einem glücklichen frohen Paar besucht
werden. O, ich danke dir, himmlisches Licht, dass du dich heute in einen
stillen Schleier hülltest! Du erfreuest mich, rauer Wind, du drohende
trübe Regenwolke, dass ihr die leichtsinnigen Gesellschaften verscheuchet,
die in diesen Gängen oft umsonst hin und wider schwärmen, die Lauben mit
Gelächter füllen und ohne eigenen Genuss andere an den süßesten
Vergnügungen stören. O, ihr schönen Bäume, wie scheint ihr mir seit den
wenigen Sommern gewachsen, seit mich der traurige Bann von euch entfernte!
Ich seh’ euch nun wieder, seh’ euch mit den schönsten Hoffnungen wieder,
und meine Träume, die mich einst in euern jungen Schatten beschäftigten,
werden nunmehr erfüllt. Ich bin der Glückseligste von allen Sterblichen.
Marquise (die leise zu ihm
tritt).
Sind Sie es, Domherr? Nähern Sie sich, nähern Sie sich Ihrem Glück! Sehn
Sie dort in der Laube?
Domherr.
O, ich bin auf dem Gipfel der Seligkeit! (Die Marquise
tritt zurück. Der Domherr tritt an die Laube und wirft sich der Nichte zu
Füßen.) Anbetungswürdige Sterbliche,erste der Frauen! Lassen Sie
mich zu Ihren Füßen verstummen, lassen Sie mich auf dieser Hand meinen
Dank, mein Leben aushauchen.
Nichte.
Mein Herr –
Domherr.
Öffnen Sie mir nicht Ihre Lippen, Göttliche! Es ist an Ihrer Gegenwart
genug. Verschwinden Sie mir wieder, ich habe jahrelang an diesem
glücklichen Augenblicke zu genießen. Die Welt ist voll von Ihrer
Vortrefflichkeit; Ihre Schönheit, Ihr Verstand, Ihre Tugend entzückt alle
Menschen. Sie sind wie eine Gottheit: Niemand naht sich ihr, als um sie
anzubeten, als um das Unmögliche von ihr zu bitten. Und so bin ich auch
hier, meine Fürstin –
Nichte.
O, stehn Sie auf, mein Herr –
Domherr.
Unterbrechen Sie mich nicht. So bin ich auch hier, aber nicht um zu
bitten, sondern um zu danken, für das göttliche Wunder zu danken, womit
Sie mein Leben retteten.
Nichte (indem sie aufsteht).
Es ist genug!
Domherr (kniend und sie
zurückhaltend).
Jawohl, der Worte genug, der Worte schon zuviel! Vergeben Sie! Die Götter
selbst verzeihen,w enn wir mit Worten umständlich bitten, ob sie gleich
unsre Bedürfnisse, unsre Wünsche lange schon kennen. Vergeben Sie meinen
Worten! Was hat der arme Mensch Bessers als Worte, wenn er das hingeben
möchte, was ihm ganz zugehört. Sie geben den Menschen viel, erhabene
Fürstin: Kein Tag, der nicht durch Wohltaten ausgezeichnet wäre; aber ich
darf mir in diesem glücklichen Augenblicke sagen, dass ich der einzige
bin, der Ihre Huld in diesem Grade erfährt, der sich sagen kann: „Sie
bezeigt dir Vergebung auf eine Weise, die dich höher erhebt, als du jemals
tief fallen konntest; sie kündigt dir ihre Gnade an, auf eine Art, die dir
ein ewiges Pfand dieser Gesinnungen ist; sie macht dein Glück, sie
befestigt’s, sie verewigt’s, alles in einem Augenblick.“
Die Nichte (macht eine
Bewegung vorwärts, die den Domherrn nötigt, aufzustehn).
Entfernen Sie sich, man kommt! Wir sehn uns wieder. (Sie
hat ihm, indem er aufstand, die Hand gereicht und lässt ihm, da sie sich
zurückzieht, die Rose in den Händen.)
Domherr.
Ja, nun will ich eilen, ich will scheiden, will dem brennenden Verlangen
widerstehn, das mich zur größten Verwegenheit treibt. (Er
naht sich ihr mit Heftigkeit und tritt gleich wieder zurück.) Nein,
befürchten Sie nichts! Ich gehe, aber lassen Sie mich es aussprechen; denn
es hängt doch nur mein künftiges Leben von Ihrem Winken ab. Ich darf alles
bekennen, weil ich Macht genug über mich selbst habe, diesem glücklichen
Augenblick hier gleichsam zu trotzen. Verbannen Sie mich auf ewig von
Ihrem Angesicht, wenn Sie mir die Hoffnung nehmen, jemals in diesen Armen
von allen verdienten und unverdienten Qualen auszuruhn. Sagen Sie ein
Wort. (Sie bei der Hand fassend.)
Nichte (ihm die Hände
drückend).
Alles, alles, nur jetzt verlassen Sie mich.
Domherr (auf ihren Händen
ruhend).
Sie machen mich zum glücklichsten Menschen, gebieten Sie unumschränkt über
mich.
(Es lassen sich in der
Ferne zwei Waldhörner hören, die eine höchst angenehme Kadenz miteinander
ausführen. Der Domherr ruht indessen auf den Händen der Nichte.)
Sechster Auftritt
Die Vorigen.
Die Marquise. Der Marquis, hernach der
Oberst der Schweizergarde. Schweizer.
Marquise (zwischen die beiden
herein tretend).
Eilen Sie, mein Freund, entfernen Sie sich; ich habe ein Geräusch gehört,
Sie sind keinen Augenblick sicher. Man könnte die Prinzessin im Schlosse
vermissen; eilen Sie, wir müssen weg.
Domherr (sich losreißend).
Ich muss, ich will hinweg. Leben Sie wohl, lassen Sie mich keine Ewigkeit
schmachten. (Er geht sachte nach der linken Seite des
Grundes.)
Marquise.
Nun folgen Sie mir, Nichte. Leben Sie wohl, Marquis, machen Sie Ihre
Sachen gut, Sie sollen Ihre Frau – Ihre Freundin bald wieder sehn. Umarmen
Sie ihn zum Abschied, Nichte.
Der Marquis (umarmt die
Nichte und zeiht sie auf seine Seite herüber).
Hierher, schönes Kind, kommen Sie mit mir, vor jener Türe steht mein
Wagen.
Die Nichte (zaudernd).
O Gott, was will das werden!
Marquise (nach der Nichte
greifend).
Was heißt das, Marquis? Sind Sie toll?
Marquis.
Machen Sie keinen Lärm; das Mädchen ist mein. Lassen Sie mir dieses
Geschöpf, in das ich rasend verliebt bin, und ich verspreche Ihnen
dagegen, alles treulich auszurichten, was Sie mir aufgetragen haben. Ich
gehe nach England, besorge Ihre Geschäfte, wir erwartenSie dort und wollen
Sie wohl und redlich empfangen; aber lassen Sie mir das Mädchen.
Marquise.
Es ist nicht möglich! Folgen Sie mir, Nichte. Was sagen Sie zu der
Verwegenheit meines Mannes? Reden Sie! Sind Sie mit ihm einverstanden?
Nichte (zaudernd).
Meine Tante –
Marquis (sie fortziehend).
Gestehn Sie es ihr, keine Verstellung! Es ist abgeredet! Kommen Sie!
Keinen Widerspruch, oder ich mache Lärm und bin in diesem Augenblicke
meiner Verzweiflung fähig, uns alle zu verraten.
Marquise.
Entsetzlich! Entsetzlich! Ich bin zugrunde gerichtet.
(Die Waldhörner
schweigen auf einmal, nachdem sie ein lebhaftes Stück geblasen.)
Der Oberst (der den
Domherrn zurückbringt, und dem zwei Schweizer folgen).
Hierher, mein Herr, hierher!
Domherr.
Was unterstehen Sie sich? Dieser Spaziergang ist einem jeden freigegeben.
Oberst.
Jedem Spaziergänger, nicht dem Verbrecher! Sie entkommen nicht; geben Sie
sich gutwillig.
Domherr.
Glauben Sie, dass ich unbewaffnet bin?
(Er greift in die
Tasche und zieht ein Terzerol hervor.)
Oberst.
Stecken Sie Ihr Terzerol ein. Sie können nach mir schießen; aus dem Garten
kommen Sie nicht. Alle Zugänge sind besetzt. Es kommt niemand hinaus.
Ergeben Sie sich in das Schicksal, dem Sie mutwillig entgegen rannten.
Marquise (die indessen
aufmerksam geworden ist und gehorcht hat).
Welch ein neuer, unerwarteter Auftritt! Kommt auf diese Seite. Wenn wir
nicht einig sind, gehen wir miteinander zugrunde.
(Die Marquise, der
Marquis, die Nichte wollen sich auf die Seite zurückziehn, wo sie
hereingekommen sind; es treten ihnen zwei Schweizer in den Weg.)
Marquise.
Wir sind zugrunde gerichtet!
Marquis.
Wir sind verraten!
Nichte.
Ich bin verloren!
Domherr (der in diesem
Augenblick neben die Nichte zu stehen kommt).
O Gott!
Oberst.
Niemand gehe von der Stelle! Sie sind alle meine Gefangenen.
Domherr (auf die Nichte
deutend).
Auch diese?
Oberst.
Gewiss!
Domherr.
Mein Unglück ist so groß, dass ich es in diesem Augenblick nicht
überdenken kann.
Oberst.
Nicht so groß als Ihre Unbesonnenheit.
Domherr.
Ich will jeden Vorwurf ertragen, alles, was mir eine beleidigte
Gerechtigkeit von Strafen auferlegen kann; ich folge Ihnen, schleppen Sie
mich in einen Kerker, wenn es Ihnen befohlen ist: Nur verehren Sie dies
überirdische Wesen! Verbergen Sie, was Sie gesehen haben, leugnen Sie,
erfinden Sie. Sie tun dem Fürsten einen größeren Dienst als mit der
traurigen, schrecklichen Wahrheit, dass seine Tochter, seine einzig
geliebte Tochter –
Oberst.
Ich kenne meine Pflicht. Ich sehe hier nur meine Gefangenen; ich kenne nur
meine Ordre und werde sie vollziehn.
Marquise.
Wohin?
Marquis.
O warum musst’ ich mit hieher kommen!
Nichte.
Meine Furcht war gegründet!
Domherr.
So bin ich denn der unglücklichste aller Menschen! Was hat man im Sinn?
Ist’s möglich! Was kannd er Fürst gegen das Liebste beginnen, das er auf
der Welt hat? Meine Gebieterin – meine Freunde – ich bin’s, der euch
unglücklich macht! O warum musst’ ich leben? Warum so lieben? Warum
verfolgt’ ich nicht den Gedanken, der mir mehr als einmal einkam, in einem
fremden Lande meine Zärtlichkeit, meine Ehrbegier an anderen Gegenständen
abzustumpfen? Warum floh ich nicht? Ach, warum ward ich immer wieder
zurückgezogen? Ich möchte auch Vorwürfe machen, ich möchte mich schelten,
mich hassen; und doch, wenn ich mich in diesem Augenblicke ansehe, so kann
ich nicht wünschen, dass es anders sein möchte. Ich bin immer noch der
Glücklichste mitten im Unglück!
Oberst.
Endigen Sie, mein Herr; denn es ist Zeit, und hören Sie mich an!
Domherr.
Ja, ich will; aber zuerst entlassen Sie unsre Gebieterin. Wie? Sie sollte
hier in Nacht und Tau stehen und das Urteil eines Unglücklichen anhören,
an dem sie teilnimmt? Nein, sieh kehre zurück in ihre Zimmer, sie bleibe
nicht länger den Augen dieser Knechte ausgesetzt, die sich über ihre
Beschämung freuen! Eilen Sie, eilen Sie, meine Fürstin! Wer kann sich
Ihnen widersetzen? Und dieser Mann, der mich gefangen halten darf, diese
Kolossen, die mir ihre Hellebarden entgegensetzen, sind Ihre Diener. Gehen
Sie, leben Sie wohl. Wer will Sie aufhalten? Aber vergessen Sie nicht
eines Mannes, der endlich zu Ihren Füßen liegen konnte, der endlich Ihnen
beteuern durfte, dass Sie ihm alles in der Welt sind. Sehn Sie noch einen
Augenblick auf seine Qual, auf seine Wehmut, und dann überlassen Sie ihn
dem grausamen Schicksal, das sich gegen ihn verschworen hat.
(Er wirft sich der Nichte zu Füßen, die sich auf die
Marquise lehnt. Der Marquis steht dabei in einer verlegenen Stellung, und
sie machen auf der rechten Seite des Theaters eine schöne Gruppe, in
welcher die zwei Schweizer nicht zu vergessen sind. Der Oberst und zwei
Schweizer stehn an der linken Seite.)
Siebenter Auftritt
Die Vorigen. Der
Graf.
Der Graf (den zwei Schweizer
mit den umgekehrten Hellebarden vor sich hertreiben).
Ich sag’ euch, dass ihre eure Grobheiten zeitlebens zu büßen haben werdet!
Mir so zu begegnen! Dem Größten aller Sterblichen! Wisst, ich bin Conte
die Rostro, die Rostro impudente, ein ehrsamer, überall verehrter Fremder,
ein Meister aller geheimen Wissenschaften, ein Herr über die Geister –
Schweizer.
Bring’ Er das unserm Obersten vor, der versteht das Welsche, sieht Er; und
wenn Er nicht geradezu geht, so werden wir Ihn rechts und links in die
Rippen stoßen und Ihm den Weg weisen, wie’s uns befohlen ist.
Graf.
Habt Ihr Leute denn gar keine Vernunft?
Schweizer.
Die hat der, der uns kommandiert. Ich sag’ Ihm, geh Er geradezu, ganz
gerade dahin, da steht unser Oberster.
Graf (gebieterisch).
Wagt es nicht, mich anzurühren!
Domherr (der auf die Stimme
des Grafen zu sich kommt und auffährt).
Ja, da erwartete ich dich, großer Cophta, würdigster Meister, erhabenster
unter allen Sterblichen! So ließest du deinen Sohn fallen, um ihn durch
ein Wunder wieder zu erheben. Wir sind dir alle auf ewig verpflichtet. Ich
brauche dir nicht zu gestehen, dass ich dieses Abenteuer hinter deinem
Rücken unternahm. Du weißt, was geschehen ist; du weißt, wie unglücklich
es ablief; sonst wärst du nicht gekommen. In dieser einzigen Erscheinung,
großer Cophta, verbindest du mehr edle Seelen, als du vielleicht auf einer
langen Wallfahrt auf Erden beisammen gesehen hast. Hier steht ein Freund
vor dir, vor wenig Augenblicken der glücklichste, jetzt der unglücklichste
aller Menschen. Hier eine Dame, des schönsten Glücks wert. Hier Freunde,
die das Mögliche und Unmögliche zu wirken mit der lebhaftesten Teilnahme
versuchten. Es ist was Unglaubliches geschehen. Wir sind hier beisammen,
und wir leiden nur aus Misstrauen gegen dich. Hättest du die Zusammenkunft
geführt, hätte deine Weisheit, diene Macht die Umstände gefügt –
(einen Augenblick nachdenkend und mit Entschlossenheit
fortfahrend) nein, ich will nichts sagen, nichts wünschen – dann
wäre alles gegangen, wie es abgeredet war; du hättest nicht Gelegenheit
gehabt, dich in deinem Glanze sehen zu lassen, gleichsam als ein Gott aus
einer Maschine herunterzusteigen und unsre Verlegenheit zu endigen.
(Er naht sich ihm vertraulich und lächelnd.) Was
beschließen Sie, mein Freund? Sehn Sie, schon stehn unsre Wächter wie
betäubt: Nur ein Wort von Ihnen, so fallen sie in einen Schlummer, in dem
sie alles vergessen, was geschah, und wir begeben uns inzwischen glücklich
hinweg. Geschwind, mein Freund, drücken Sie mich an Ihre Brust, verzeihen
Sie mir, und retten Sie mich!
Graf (gravitätisch ihn
umarmend).
Ich verzeihe dir! (Zu dem Obersten.) Wir werden
zusammen sogleich von hier wegfahren.
Oberst (lächelnd).
O ja! Recht gern!
Domherr.
Welch ein Wunder!
Marquise (zum Marquis).
Was soll das heißen? Wenn der uns noch rettete!
Marquis.
Ich fange an, zu glauben, dass er ein Hexenmeister ist.
Oberst.
Ich brauche diese Reden nicht weiter anzuhören; ich weiß nur schon zu
klar, mit wem und was ich zu tun habe. (Gegen die Szene
gekehrt.) Treten Sie nur auch herein, junger Mann, Sie haben mich
lange genug allein gelassen.
Achter Auftritt
Die Vorigen. Der
Ritter.
Ritter.
Ja, hier bin ich, die Abscheulichen zu beschämen und die Toren zu
bedauern!
Die übrigen (außer dem
Obersten).
Was soll das heißen? Der Ritter! Entsetzlich! Es ist nicht möglich!
Ritter.
Ja, ich bin hier, um gegen auch alle zu zeugen.
Nichte.
Daran bin ich allein schuld!
Domherr.
Was soll das heißen? Ich werde wahnsinnig!
Oberst.
Sie kennen also diesen Mann? Hier geht alles natürlich zu, außer dass
dieser in solcher Gesellschaft ehrlich geblieben ist. Er hat eure
Schelmereien beobachtet, er hat sie dem Fürsten entdeckt, und ich habe den
Auftrag, zu untersuchen und zu strafen. (Zum Domherrn.)
Zuvörderst also, damit Sie einsehen, auf welchem Wege man Sie bisher
geführt, von wem Sie geführt worden, wie sehr Sie betrogen sind, so
erkennen Sie doch endlich das Phantom, womit man diesen Abend unsre
Fürstin gelästert hat.
(Er hebt der Nichte
den Schleier vom Gesicht.)
Domherr (erkennt sie und
drückt pantomimisch sein Entsetzen aus).
Ritter.
Wie die Fürstin, so die Geister! – Solchen Menschen vertrauten Sie!
Domherr.
Auch Ihnen vertraut’ ich, und Sie, merk’ ich, haben mich zugrunde
gerichtet.
Oberst.
Diese Nichtswürdigen haben sich Ihrer Schwäche bedient und Sie zu den
strafwürdigsten Unternehmungen angefeuert. Was können Sie erwarten?
Domherr.
Herr Oberst –
Oberst.
Beruhigen Sie sich! Und erfahren Sie zuvörderst, dass der Fürst edel genug
denkt, um auch diesmal Ihren Leichtsinn, Ihren Frevel mit Gelindigkeit zu
bestrafen. Was sag’ ich, bestrafen? Er will vielmehr den zweiten Versuch
machen, ob es möglich sei, Sie zu bessern, Sie der großen Ahnherrn würdig
zu machen, von denen Sie abstammen. Ihre Entfernung vom Hofe, die nun zwei
Jahre dauert, hat Ihnen wenig genutzt. Ich kündige Ihnen an, dass Sie frei
sind, aber nur mit der Bedingung, dass Sie binnen acht Tagen das Land
verlassen, unter dem Vorwande, als wenn Sie eine große Reise zu tun
willens wären. Mit Ihrem Oheim, den der Fürst besonders schätzt, dem er
vertraut, wird alles abgeredet und eingerichtet werden. Sie können frei in
Ihrem Wagen zurückkehren, wenn Sie nur erst unterrichtet sind, wie es mit
dem gefährlichen Juwelenhandel aussieht, in den Sie sich eingelassen
haben.
Domherr.
Was muss sich erfahren! Was muss ich erleben!
Oberst (zu dem Marquis).
Geben Sie zuvörderst die Juwelen heraus, die Sie in der Tasche haben.
Marquis.
Die Juwelen? Ich weiß von keinen!
Ein Schweizer.
Er hat da was erst in den Busch geworfen. Es muss nicht weit liegen.
(Man sucht und bringt
das Kästchen hervor, das man dem Obersten überreicht.)
Oberst.
Leugnet nicht weiter! Es ist alles am Tage. (Zur Marquise.)
Wo sind die übrigen Steine? Gestehn Sie nur! Sie kommen nicht wieder nach
Hause, und zu Hause bei Ihnen ist in diesem Augenblicke alles versiegelt.
Verdienen Sie die Gelindigkeit, mit der man Sie zu behandeln gedenkt.
Marquise.
Hier sind sie. (Das Schmuckkästchen hervorbringend.)
So dacht’ ich sie nicht los zu werden.
Oberst (zum Domherrn).
Man wird diese Juwelen den Hofjuwelieren wieder zustellen und Ihre
Verbindlichkeit dagegen einlösen. Die falsche Unterschrift der Prinzessin
werden Sie dagegen zurücklassen. Ich halte Sie nicht weiter auf, Sie
können gehen.
Domherr.
Ja, ich gehe. Sie haben mich beschämt gesehn; aber glauben Sie nicht, dass
ich erniedrigt bin. Meine Geburt gibt mir ein Recht auf die ersten
Bedienungen im Staate; diese Vorzüge kann mir niemand nehmen, und noch
weniger wird man mir die Leidenschaft aus dem Herzen reißen, die ich für
meine Fürstin empfinde. Sagen Sie es ihr, wie glücklich mich dieses
Phantom gemacht hat. Sagen Sie ihr, dass alle Demütigungen nichts gegen
den Schmerz sind, mich noch weiter von ihr entfernen zu müssen; in eine
Land zu gehen, wo ich sie nicht mehr auch nur im Vorüberfahren erblicken
werde: Aber ihr Bild und die Hoffnung werden nie aus meinem herzen kommen,
solange ich lebe. Sagen Sie ihr das. Euch übrige verachte ich. Ihr wart
geschäftig um meine Leidenschaft, wie Käfer um einen blühenden Baum; die
Blätter konntet ihr verzehren, dass ich mitten im Sommer wie ein dürres
Reis dastehe; aber die Äste, die Wurzeln musstet ihr unangetastet lassen.
Schwärmt hin, wo ihr wieder Nahrung findet! (Der Domherr
geht ab.)
Oberst.
Die übrigen werden unter guter Bedeckung ganz in der Stille auf eine
Grenzfestung gebracht, bis man hinlänglich untersucht hat, ob ihre
Schelmstreiche nicht vielleicht noch weiter um sich gegriffen haben.
Findet sich’s, dass sie in weiter keine Händel verwickelt sind, so wird
man sie in der Stille des Landes verweisen und so von diesem
betrügerischen Volke sich befreien. Es sind eben vier, ein Wagen voll.
Fort mit ihnen! Man begleite sie bis an das große Tor, wo ein Fuhrwerk
steht, und übergebe sie dort den Dragonern.
Nichte.
Wenn ein unglückliches Mädchen von einem strengen Urteilsspruch noch auf
Gnade sich berufen darf, so hören Sie mich an. Ich unterziehe mich jeder
Strafe, nur trennen Sie mich von diesen Menschen, die meine Verwandten
sind, sich meine Freunde nannten und mich in das tiefste Elend gestürzt
haben. Verwahren Sie mich, entfernen Sie mich; nur haben Sie
Barmherzigkeit, bringen Sie mich in ein Kloster.
Ritter.
Was höre ich?
Oberst.
Ist es Ihr Ernst?
Nichte.
O, hätte dieser Mann geglaubt, dass meine Gesinnungen aufrichtig seien, so
wären wir alle nicht, wo wir sind. Ritter, Sie haben nicht edel gehandelt!
Durch meine Unvorsichtigkeit, durch einen Zufall haben Sie das Geheimnis
erfahren. Wären Sie der Mann gewesen, für den ich Sie hielt, Sie hätten
diesen Gebrauch nicht davon gemacht, Sie hätten dem Domherrn unterrichten,
die Juwelen beischaffen und ein Mädchen retten können, das nun
unwiederbringlich verloren ist. Es ist wahr, man wird Sie für diesen
Dienst belohnen, unser Unglück wird ein Kapital sein, von dem Sie große
Renten ziehen. Ich verlange nicht, dass sie im Genuss der fürstlichen
Gunst, der einträglichen Stellen, in deren Besitz Sie sich bald befinden
werden, an die Tränen eines armen Mädchens denken sollen, deren
Zutraulichkeit Ihnen Gelegenheit gab, zu horchen. Aber brauchen Sie jetzt,
da Sie ein bedeutender Mann bei Hofe sind, Ihren Einfluss, das zu
bewirken, warum ich Sie bat, da Sie noch nichts hatten, wenigstens
zeigten, als Gesinnungen, die ich ehren musste. Erlangen Sie von diesem
ernsthaften würdigen Manne nur, dass ich nicht mit dieser Gesellschaft
weggebracht werde; dass meine Jugend in einem fremden Lande nicht größern
Erniedrigungen ausgesetzt werde, als ich in diesem leider schon dulden
musste. (Zum Obersten.) Ich bitte, ich beschwöre
Sie, mein Herr, wenn Sie eine Tochter haben, an der Sie Freude zu erleben
wünschen, so schicken Sie mich fort; aber allein. Verwahren Sie mich; aber
verbannen Sie mich nicht.
Oberst.
Sie rührt mich!
Ritter.
Ist es Ihr Ernst?
Nichte.
O, hätten Sie es früher geglaubt!
Oberst.
Ich kann Ihren Wunsch erfüllen; ich gehe in nichts von meiner Instruktion
ab.
Nichte.
Ja, Sie erfüllen ganz Ihre Instruktion, wenn die Absicht ist, wie es
scheint, diesen verwegenen Handel im stillen beizulegen. Verbannen Sie
mich nicht, schicken Sie mich in kein fremdes Land; denn die Neugierde
wird rege werden. Man wird die Geschichte erzählen, man wird sie
wiederholen. Man wird fragen: „Wie sieht das abenteuerliche Mädchen aus?
Sie soll, sie muss der Prinzessin gleichen, sonst hätte die Fabel nicht
können erfunden, nicht gespielt werden. Wo ist sie? Man muss sie sehen,
man muss sie kennen.“ O, Ritter, wenn ich ein Geschöpf war, wie Sie
dachten, so wäre der gegenwärtige Fall für mich erwünscht genug, und ich
brauchte keine Ausstattung weiter, um in der Welt mein Glück zu machen.
Oberst.
Hiermit sei es genug! Begleitet jene drei an den Wagen; der Offizier, dem
ihr sie übergebt, weiß schon das weitere.
Marquis (leise zur Marquise).
Es ist nur von Verbannung die Rede. Wir wollen demütig abziehn, um das
Übel nicht ärger zu machen.
Marquise.
Wut und Verdruss kochen mir im Herzen; nur die Furcht vor einem größeren
Übel hält mich ab, ihr Luft zu machen.
Oberst.
Nun fort!
Marquise.
Bedenken Sie, Herr Oberst, und lassen Sie den Fürsten bedenken, welches
Blut in meinen Adern fließt, dass ich ihm verwandt bin, und dass er seine
eigne Ehre verletzt, wenn er mich erniedrigt!
Oberst.
Das hätten Sie bedenken sollen! – Gehen Sie! Schon hat man diese noch
lange nicht erwiesene Verwandtschaft zu Ihrem Vorteil mit in Anschlag
gebracht.
Graf.
Mein Herr, Sie vermischen mit diesem Gesindel einen Mann, der gewohnt ist,
überall ehrenvoll behandelt zu werden.
Oberst.
Gehorchen Sie!
Graf.
Es ist mir unmöglich!
Oberst.
So wird man Sie’s lehren.
Graf.
Ein Reisender, der überall, wo er hinkommt, Wohltaten verbreitet.
Oberst.
Es wird sich zeigen.
Graf.
Dem man wie einem Schutzgeist Tempel bauen sollte.
Oberst.
Es wird sich finden.
Graf.
Der sich als Groß-Cophta legitimiert hat.
Oberst.
Wodurch?
Graf.
Durch Wunder.
Oberst.
Wiederholen Sie eins und das andre, rufen Sie Ihre Geister herbei, lassen
Sie sich befreien.
Graf.
Ich achte euch nicht genug, um meine Macht vor euch sehen zu lassen.
Oberst
Groß gedacht! So unterwerfen Sie sich dem Befehl!
Graf.
Ich tue es, meine Langmut zu zeigen; aber bald werde ich mich offenbaren.
Ich werde Ihrem Fürsten solche Geheimnisse melden, dass er mich im
Triumphe zurückholen soll, und Sie werden vor dem Wagen voran reiten, in
dem der Groß-Cophta verherrlicht zurückkehren wird.
Oberst.
Das wird sich alles finden; nur heute kann ich Sie unmöglich begleiten.
Fort mit Ihnen!
Schweizer.
„Fort,“ Sagte der Oberste, und wenn ihr nicht geht, so werdet ihr unsre
Hellebarden fühlen.
Graf.
Ihr Elenden, ihr werdet bald vor mir ins Gewehr treten.
Die Schweizer (schlagen auf
ihn los).
Will Er das letzte Wort haben?
(Die Schweizer mit den
drei Personen ab.)
Oberst (zur Nichte).
Und Sie sollen noch heute Nacht in das Frauenkloster, das keine
Viertelstunde von hier lieg.t Wenn es Ihr Ernst ist, sich von der Welt zu
scheiden, so sollen Sie Gelegenheit finden.
Nichte.
Es ist mein völliger Ernst. Ich habe keine Hoffnung mehr auf dieser Welt.
(Zum Ritter.) Aber das muss ich Ihnen noch sagen,
dass ich meine erste lebhafte Neigung mit in die Einsamkeit nehme – die
Neigung zu Ihnen.
Ritter.
Sagen Sie das nicht, strafen Sie mich nicht so hart. Jedes Ihrer Worte
verwundet mich tief. Ihr Zustand ist gegen den meinigen zu beneiden. Sie
können sagen: „Man hat mich unglücklich gemacht“; und welchen
unerträglichen Schmerz muss ich empfinden, wenn ich mir sage: „Auch dich
zählt sie unter die Menschen, die zu ihrem Verderben mitwirkten.“ O,
vergeben Sie mir! Vergeben Sie einer Leidenschaft, die, durch einen
unglücklichen Zufall mit sich selbst uneins, das verletzte, was ihr noch
vor wenig Augenblicken das Liebste, das Werteste auf der Welt war. Wir
sollen uns trennen? Unaussprechlich ist die Qual, die ich in diesem
Zustand empfinde. Erkennen Sie meine Liebe, und bedauern Sie mich. O, dass
ich nicht meiner Empfindung folgte und nach der zufälligen Entdeckung
gleich zum Domherrn eilte! Ich hätte mir einen Freund, eine Geliebte
erworben, und ich hätte mein Glück mit Freuden genießen können. Es ist
alles verloren.
Oberst.
Fassen Sie sich!
Nichte.
Leben Sie wohl! Diese letzten tröstlichen Worte werden mir immer
gegenwärtig bleiben. (Zum Oberst.) Ich sehe an Ihren
Augen, dass ich scheiden soll. Möge Ihre Menschlichkeit belohnt werden!
(Sei geht mit der Wache ab.)
Oberst.
Das arme Geschöpf dauert mich! Kommen Sie, alles ist gut gegangen. Ihre
Belohnung wird nicht ausbleiben.
Ritter.
Sie mag sein, welche sie will, so fürstlich, als ich sie erwarten darf:
Ich werde nichts genießen können; denn ich habe nicht recht gehandelt. Mir
bleibt nur ein Wunsch und eine Hoffnung, das gute Mädchen aufzurichten und
sie sich selbst und der Welt wiederzugeben.
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