Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Johann Wolfgang von Goethe
         Maximen und Reflektionen
            Allg., Ethisches, Lit.
            Naturwissenschaft
            Kunst
            Betrachtungen
            Entworfenes
               Allg., Ethisches, Lit.
               Naturwissenschaft
               Kunst
            Verzeichnis

Naturwissenschaft

1332. Dass die Natur, die uns zu schaffen macht, gar keine Natur mehr ist, sondern ein ganz anderes Wesen als dasjenige, womit sich die Griechen beschäftigten.

1333. Die Griechen nannten Entelecheia ein Wesen, das immer in Funktion ist.

1334. Die Griechen, wenn sie beschrieben oder erzählen, sprachen weder von Ursache noch von Resultat, sondern trugen die äußere Erscheinung vor.
   Auch in der Naturwissenschaft machten sie keine Versuche wie wir, sondern hielten sich an den einzelnen Erfahrungsfällen.

1335. Die Funktion ist das Dasein, in Tätigkeit gedacht.

1336. Alle Wirksamkeit ist stärker am Mittelpunkt als gegen die Peripherie zu. Raum zwischen Mars und Jupiter.

1337. Ersparnis der Erfahrung
      Sündflut der Erfahrung,
      Dinge, wovon man nicht reden würde, wenn man
      wüsste, wovon die Rede ist.

1338. Bei Naturforschung auf Anordnung, auf System auszugehen, hinderlich und förderlich.

1339. Mathematik, die auf Konviktion, Überführung ausgeht, weshalb gute Köpfe sich an ihr ärgern.

1340. Man hört, nur die Mathematik sei gewiss; sie ist es nicht mehr als jedes andere Wissen und Tun. Sie ist gewiss, wenn sie sich klüglich nur mit Dingen abgibt, über die man gewiss werden und insofern man darüber gewiss werden kann.

1341. Das ist eben das Hohe der Mathematik, dass ihre Methode gleich zeigt, wo ein Anstoß ist. Fanden sie doch dem Gang der himmlischen Körper nicht ihre Rechnungen gemäß und wendeten sich daher auf die Annahme [?] der Störungen und diese Störungen noch immer zu viel oder zu wenig.

1342. In diesem Sinne kann man die Mathematik als die höchste und sicherste der Wissenschaft ansprechen.
   Aber wahr kann sie nichts machen, als was wahr ist.

1343. Was hat denn der Mathematiker für ein Verhältnis zum Gewissen, was doch das höchste, das würdigste Erbteil der Menschen ist, eine inkommensurable, bis ins Feinste wirkende, sich selber spaltende und wieder verbindende Tätigkeit? Und Gewissen ist’s vom Höchsten bis ins Geringste. Gewissen ist’s, was das kleinste Gedicht gut und vortrefflich macht.

1344. Wenn diese Hoffnungen sich verwirklichen, dass die Menschen sich mit allen ihren Kräften, mit Herz und Geist, mit Verstand und Liebe vereinigen und voneinander Kenntnis nehmen, so wird sich ereignen, woran jetzt noch kein Mensch denken kann. Die Mathematiker werden sich gefallen lassen, in diesen allgemeinen sittlichen Weltbund als Bürger eines bedeutenden Staates aufgenommen zu werden, und nach und nach sich des Dünkels entäußern, als Universalmonarchen über alles zu herrschen; sie werden sich nicht mehr beigehen lassen, alles für nichtig, für inexakt, für unzulänglich zu erklären, was sich nicht dem Kalkül unterwerfen lässt.

1345. Alle Kristallisationen sind ein realisiertes Kaleidoskop.

1346. … Es ist daher das Beste, wenn wir bei Beobachtungen soviel als möglich uns der Gegenstände und beim Denken darüber soviel als möglich uns unsrer selbst bewusst sind.

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de