Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
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         Belagerung von Mainz
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            25.7.
            ...

Der 16. Juli              

war mir ein bänglicher Tag, und zwar bedrängte mich die Aussicht auf die nächste, meinen Freunden gefährliche Nacht; damit verhielt es sich aber folgendermaßen. Eine der vorgeschobenen kleinen feindlichen Schanzen, vor der so genannten Welschen Schanze, leistete völlig ihre Pflicht; sie war das größte Hindernis unserer vordern Parallele und musste, was es auch kosten möchte, weggenommen werden. Dagegen war nun nichts zu sagen, allein es zeigte sich ein bedenklicher Umstand. Auf Nachricht oder Vermutung, die Franzosen ließen hinter dieser Schanze und unter dem Schutz der Festung Kavallerie kampieren, wollte man zu diesem Aus- und Überfall auch Kavallerie mitnehmen. Was das heiße, aus der Tranchee heraus, unmittelbar vor den Kanonen der Schanze und der Festung, Kavallerie zu entwickeln und sich, in düsterer Nacht, damit auf dem feindlich besetzten Glacis herumzutummeln, wird jedermann begreiflich finden; mir aber war es höchst bänglich, Herrn von Oppen, als den Freund, der mir vom Regiment zunächst anlag, dazu kommandiert zu wissen. Gegen Einbruch der Nacht musste jedoch geschieden sein, und ich eilte zur Schanze Nr. 4, wo man jene Gegend ziemlich im Auge hatte. Dass es losbrach und hitzig zuging, ließ sich wohl aus der Ferne bemerken, und dass mancher wackere Mann nicht zurückkehren würde, war vorauszusehen.

   Indessen verkündigte der Morgen, die Sache sei gelungen, man habe die Schanze erobert, geschleift und sich ihr gegenüber gleich so fest gesetzt, dass ihre Wiederherstellung dem Feind wohl unmöglich bleiben sollte. Freund Oppen kehrte glücklich zurück; die Vermissten gingen mich so nah nicht an, nur bedauerten wir den Prinzen Ludwig, der als kühner Anführer eine, wo nicht gefährliche, doch beschwerliche Wunde davon trug und in einem solchen Augenblick den Kriegsschauplatz sehr ungern verließ.

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