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Neapel

Velletri, den 22. Februar 1787.              

   Bei guter Zeit sind wir hier angelangt. – Schon vorgestern verfinsterte sich das Wetter, die schönen Tage hatten uns trübe gebracht, doch deuteten einige Luftzeichen, dass es sich wieder zum Guten bequemen werde, wie es denn auch eintraf. Die Wolken trennen sich nach und nach, hier und da erschien der blaue Himmel, und endlich beleuchtete die Sonne unsere Bahn. Wir kamen durch Albano, nachdem wir vor Genzano an dem Eingang eines Parks gehalten hatten, den Prinz Chigi, der Besitzer, auf eine wunderliche Weise hält, nicht unterhält; deshalb auch nicht will, dass sich jemand darin umsehe. Hier bildet sich eine wahre Wildnis: Bäume und Gesträuche, Kräuter und Ranken wachsen, wie sie wollen, verdorren, stürzen um, verfaulen. Das ist alles recht und nur desto besser. Der Platz vor dem Eingang ist unsäglich schön. Eine hohe Mauer schließt das Tal, eine vergitterte Pforte lässt hineinblicken, dann steigt der Hügel aufwärts, wo dann oben das Schloss liegt. Es gäbe das größte Bild, wenn es ein rechter Künstler unternähme.

   Nun darf ich nicht weiter schreiben, und sage nur: Dass, als wir von der Höhe die Gebirge von Sezza, die Pontinischen Sümpfe, das Meer und die Inseln erblickten, dass in dem Moment ein starker Streifregen über die Sümpfe nach dem Meer zog, Licht und Schatten, abwechselnd und bewegt, die öde Fläche gar mannigfaltig belebten. Sehr schön wirkten hierzu mehrere von der Sonne erleuchtete Rauchsäulen, die aus zerstreuten, kaum sichtbaren Hütten emporstiegen.

   Velletri liegt sehr angenehm auf einem vulkanischen Hügel, der nur gegen Norden mit andern zusammenhängt, über drei Himmelsgegenden aber den freisten Anblick gewährt.

   Nun besahen wir das Kabinett des Cavaliere Borgia, welcher, begünstigt durch die Verwandtschaft mit dem Kardinal und der Propaganda, treffliche Altertümer und sonstige Merkwürdigkeiten hier zusammenstellen konnte: Ägyptische Götzen, aus dem härtesten Stein gebildet, kleine Metallfiguren früherer und späterer Zeit; in der Gegend ausgegrabene, aus Ton gebrannte, flach erhobene Bildwerke, durch welche veranlasst man den alten Volskern einen eignen Stil zuschreiben will.

   Von allerlei andern Raritäten besitzt das Museum mancherlei. Ich merkte mir zwei chinesische Tuschkästchen, wo auf den Stücken des einen die ganze Zucht der Seidenwürmer, auf dem andern der Reisbau vorgestellt ist, beides höchst naiv genommen und ausführlich gearbeitet. Das Kästchen sowie die Einwicklung desselben sind ausnehmend schön und dürfen sich neben dem von mir schon gelobten Buch auf der Bibliothek der Propaganda wohl sehen lassen.

   Es ist freilich unverantwortlich, dass man diesen Schatz so nahe bei Rom hat und denselben nicht öfter besucht. Doch mag die Unbequemlichkeit einer jeden Ausflucht in diesen Gegenden und die Gewalt des römischen Zauberkreises zur Entschuldigung dienen. Als wir nach der Herberge gingen, riefen uns einige vor ihren Haustüren sitzende Weiber an, ob wir nicht auch Altertümer zu kaufen Lust hätten, und als wir uns darnach sehr begierig erwiesen, holten sie alte Kessel, Feuerzangen nebst anderem schlechten Hausgerät und wollten sich zu Tod lachen, uns angeführt zu haben. Als wir uns deshalb entrüsteten, brachte unser Führer die Sache wieder ins gleiche: Denn er versicherte, dass dieser Spaß hergebracht sei und dass alle Fremden denselben Tribut entrichten müssten.

   Dies schreib’ ich in einer sehr übeln Herberge und fühle in mir weder Kraft noch Behagen, weiter fort zu fahren. Also die freundlichste gute Nacht!

Ü   Þ

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