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5. Akt

(Bauernkrieg.)
Tumult in einem Dorf und Plünderung.
Weiber und Alte mit Kindern und Gepäck. Flucht.

Alter.
Fort! Fort! Dass wir den Mordhunden entgehen.

Weib.
Heiliger Gott, wie blutrot der Himmel ist, die untergehende Sonne blutrot!

Mutter.
Das bedeutet Feuer.

Weib.
Mein Mann! Mein Mann!

Alter.
Fort! Fort! In Wald! (Ziehen vorbei.)

Link (Anführer)

Link.
Was sich widersetzt, niedergestochen! Das Dorf ist unser. Dass von Früchten nichts umkommt, nichts zurückbleibt. Plündert rein aus und schnell. Wir zünden gleich an.

Metzler vom Hügel herunter gelaufen.

Metzler.
Wie geht’s Euch, Link?

Link.
Drunter und drüber, siehst Du, Du kommst zum Kehraus. Woher?

Metzler.
Von Weinsberg. Da war ein Fest.

Link.
Wie?

Metzler.
Wir haben sie zusammen gestochen, dass eine Lust war.

Link.
Wen alles?

Metzler.
Dietrich von Weiler tanzte vor. Der Fratz! Wir waren mit hellem, wütigem Hauf herum, und er oben aufm Kirchturm wollt’ gütlich mit uns handeln. Paff! Schoss ihn einer vorn Kopf. Wir hinauf wie Wetter, und zum Fenster herunter mit dem Kerl.

Link.
Ah!

Metzler (zu den Bauern).
Ihr Hund’, soll ich Euch Bein’ machen! Wie sie haudern und trenteln, die Esel.

Link.
Brennt an! Sie mögen drin braten! Fort! Fahrt zu, ihr Schlingel.

Metzler.
Darnach führten wir heraus den Helfenstein, den Eltershofen, an die dreizehn von Adel, zusammen auf achtzig. Herausgeführt auf die Ebne gegen Heilbronn. Das war ein Jubilieren und ein Tumultuieren von den Unsrigen, wie die lange Reih’ arme reiche Sünder daher zog, einander anstarrten, und Erd’ und Himmel! Umringt waren sie, ehe sie sich’s versahen, und alle mit Spießen niedergestochen.

Link.
Dass ich nicht dabei war!

Metzler.
Hab mein Tag so kein Gaudium gehabt.

Link.
Fahrt zu! Heraus!

Bauer.
Alles ist leer.

Link.
So brennt an allen Ecken.

Metzler.
Wird ein hübsch Feuerchen geben. Siehst Du, wie die Kerls übereinander purzelten und quiekten wie die Frösche! Es lief mir so warm übers Herz wie ein Glas Branntwein. Da war ein Rixinger, wenn der Kerl sonst auf die Jagd ritt, mit dem Federbusch und weiten Naslöchern, und uns vor sich hertrieb mit den Hunden und wie die Hunde. Ich hatt’ ihn die Zeit nicht gesehen, sein Fratzengesicht fiel mir recht auf. Hasch! Den Spieß ihm zwischen die Rippen, da lag er, streckt’ alle vier über seine Gesellen. Wie die Hasen beim Treibjagen zuckten die Kerls übereinander.

Link.
Raucht schon brav.

Metzler.
Dort hinten brennt’s. Lass uns mit der Beute gelassen zu dem großen Haufen ziehen.

Link.
Wo hält er?

Metzler.
Von Heilbronn hierher zu. Sie sind um einen Hauptmann verlegen, vor dem alles Volk Respekt hätt’. Denn wir sind doch nur ihresgleichen, das fühlen sie und werden schwierig.

Link.
Wen meinen sie?

Metzler.
Max Stumpf oder Götz von Berlichingen.

Link.
Das wär’ gut, gäb’ auch der Sache einen Schein, wenn’s der Götz tät’. Er hat immer für einen rechtschaffnen Ritter gegolten. Auf! Auf! Wir ziehen nach Heilbronn zu! Ruft’s herum.

Metzler.
Das Feuer leucht uns noch eine gute Strecke. Hast Du den großen Kometen gesehen?

Link.
Ja. Das ist ein grausam erschrecklich Zeichen! Wenn wir die Nacht durch ziehen, können wir ihn recht sehn. Er geht gegen eins auf.

Metzler.
Und bleibt nur fünf Viertelstunden. Wie ein gebogner Arm mit einem Schwert sieht er aus, so blutgelbrot.

Link.
Hast Du die drei Stern gesehen an des Schwerts Spitze und Seite?

Metzler.
Und der breite, wolkenfärbige Streif, mit tausend und tausend Striemen wie Spieß’, und dazwischen wie kleine Schwerter.

Link.
Mir hat’s gegraust. Wie das alles so bleichrot, und darunter viel feurige, helle Flammen, und dazwischen die grausamen Gesichter mit rauchen Häuptern und Bärten!

Metzler.
Hast Du die auch gesehen? Und das zwitzert alles so durcheinander, als läg’s in einem blutigen Meere, und arbeitet durcheinander, dass einem die Sinne vergehn!

Link.
Auf! Auf! (Ab.)


(Feld.)
Man sieht in der Ferne zwei Dörfer brennen und ein Kloster.
Kohl. Wild. Max Stumpf. Haufen.

Max Stumpf.
Ihr könnt nicht verlangen, dass ich euer Hauptmann sein soll. Für mich und Euch wär’s nichts nütze. Ich bin Pfalzgräfischer Diener. Wie sollt’ ich gegen meinen Herrn führen? Ihr würdet immer wähnen, ich tät nicht von Herzen.

Kohl.
Wussten wohl, Du würdest Entschuldigung finden.

Götz, Lerse, Georg kommen.

Götz.
Was wollt ihr mit mir?

Kohl.
Ihr sollt unser Hauptmann sein.

Götz.
Soll ich mein ritterlich Wort dem Kaiser brechen und aus meinem Bann gehen?

Wild.
Das ist keine Entschuldigung.

Götz.
Und wenn ich ganz frei wäre, und ihr wollt handeln wie bei Weinsberg an den edeln und Herrn und so forthausen, wie ringsherum das Land brennt und blutet, und ich sollt’ Euch behilflich sein zu Euerm schändlichen, rasenden Wesen – eher sollt Ihr mich totschlagen wie einen wütigen Hund, als dass ich euer Haupt würde!

Kohl.
Wäre das nicht geschehen, es geschähe vielleicht nimmermehr.

Stumpf.
Das war eben das Unglück, dass sie keinen Führer hatten, den sie geehrt, und der ihrer Wut Einhalt tun können. Nimm die Hauptmannschaft an, ich bitte Dich, Götz. Die Fürsten werden dir Dank wissen, ganz Deutschland. Es wird zum besten und Frommen aller sein. Menschen und Länder werden geschont werden.

Götz.
Warum übernimmst Du’s nicht?

Stumpf.
Ich hab’ mich von ihnen losgesagt.

Kohl.
Wir haben nicht Sattelhenkens Zeit, und langer, unnötiger Diskurse. Kurz und gut. Götz, sei unser Hauptmann, oder sieh zu Deinem Schloss und Deiner Haut. Und hiermit zwei Stunden Bedenkzeit. Bewacht ihn.

Götz.
Was braucht’s das! Ich bin so gut entschlossen – jetzt als darnach. Warum seid ihr ausgezogen? Eure Rechte und Freiheiten wiederzuerlangen? Was wütet ihr und verderbt das Land! Wollt ihr abstehen von allen Übeltaten und handeln als wackere Leute, die wissen, was sie wollen, so will ich Euch behilflich sein zu Euern Forderungen und auf acht Tag’ Euer Hauptmann sein.

Wild.
Was geschehen ist, ist in der ersten Hitz geschehen, und bracht’s Deiner nicht, uns künftig zu hindern.

Kohl.
Auf ein Vierteljahr wenigstens musst Du uns zusagen.

Stumpf.
Macht vier Wochen, damit könnt ihr beide zufrieden sein.

Götz.
Meintwegen.

Kohl.
Eure Hand!

Götz.
Und gelobt mir, den Vertrag, den ihr mit mir gemacht, schriftlich an alle Haufen zu senden, ihm bei Strafe streng nachzukommen.

Wild.
Nun ja! Soll geschehen.

Götz.
So verbind’ ich mich Euch auf vier Wochen.

Stumpf.
Glück zu! Was Du tust, schon’ unsern gnädigen Herrn den Pfalzgrafen.

Kohl (leise).
Bewacht ihn. Dass niemand mit ihm rede außer Eurer Gegenwart.

Götz.
Lerse! Kehr zu meiner Frau. Steh ihr bei. Sie soll bald Nachricht von mir haben.

Götz, Stumpf, Georg, Lerse, einige Bauern ab.

Metzler.
Was hören wir von einem Vertrag? Was soll der Vertrag?

Link.
Es ist schändlich, so einen Vertrag einzugehen.

Kohl.
Wir wissen so gut, was wir wollen, als ihr, und haben zu tun und zu lassen.

Wild.
Das Rasen und Brennen und Morden musste doch einmal aufhören, heut oder morgen; so haben wir noch einen braven Hauptmann dazu gewonnen.

Metzler.
Was aufhören! Du Verräter! Warum sind wir da? Uns an unsern Feinden zu rächen, uns empor zu helfen! – Das hat Euch ein Fürstenknecht geraten.

Kohl.
Komm, Wild, er ist wie ein Vieh. (Ab.)

Metzler.
Geht nur! Wird Euch kein Haufen zustehen. Die Schurken! Link, wir wollen die andern aufhetzen, Miltenberg dort drüben anzünden, und wenn’s Händel setzt wegen des Vertrags, schlagen wir den Verträgern zusammen die Köpf’ ab.

Link.
Wir haben doch den großen Haufen auf unsrer Seite.


(Berg und Tal. Eine Mühle in der Tiefe.)
Ein Trupp Reiter. Weislingen kommt aus der Mühle mit Franzen und einem Boten.

Weislingen.
Mein Pferd! – Ihr habt’s den andern Herrn auch angesagt?

Bote.
Wenigstens sieben Fähnlein werden mit Euch eintreffen, im Wald hinter Miltenberg. Die Bauern zeihen unten herum. Überall sind Boten ausgeschickt, der ganze Bund wird in kurzem beisammen sein. Fehlen kann’s nicht; man sagt, es sei Zwist unter ihnen.

Weislingen.
Desto besser! – Franz!

Franz.
Gnädiger Herr.

Weislingen.
Richt’ es pünktlich aus. Ich bind’ es Dir auf Deine Seele. Gib ihr den Brief. Sie soll vom Hof auf mein Schloss! Sogleich! Du sollst sie abreisen sehn, und mir’s dann melden.

Franz.
Soll geschehen, wie Ihr befehlt.

Weislingen.
Sag’ ihr, sie soll wollen. (Zum Boten.) Führt uns nun den nächsten und besten Weg.

Bote.
Wir müssen umziehen. Die Wasser sind von den entsetzlichen Regen alle ausgetreten.


(Jagsthausen.)
Elisabeth. Lerse.

Lerse.
Tröstet Euch, gnädige Frau!

Elisabeth.
Ach Lerse, die Tränen stunden ihm in den Augen, wie er Abschied von mir nahm. Es ist grausam, grausam!

Lerse.
Er wird zurückkehren.

Elisabeth.
Es ist nicht das. Wenn er auszog, rühmlichen Sieg zu erwerben, da war mir’s nicht weh ums Herz. Ich freute mich auf seine Rückkunft, vor der mir jetzt bang ist.

Lerse.
Ein so edler Mann –

Elisabeth.
Nenn’ ihn nicht so, das macht neu Elend. Die Bösewichter! Sie drohten, ihn zu ermorden und sein Schloss anzuzünden. – Wenn er wiederkommen wird – ich seh’ ihn finster, finster. Seine Feinde werden lügenhafte Klagartikel schmieden, und er wird nicht sagen können: Nein!

Lerse.
Er wird und kann.

Elisabeth.
Er hat seinen Bann gebrochen. Sag Nein!

Lerse.
Nein! Er wurde gezwungen. Wo ist der Grund ihn zu verdammen?

Elisabeth.
Die Bosheit sucht keine Gründe, nur Ursachen. Er hat sich zu Rebellen, Missetätern, Mördern gesellt, ist an ihrer Spitze gezogen. Sage Nein!

Lerse.
Lasst ab, Euch zuquälen und mich. Haben sie ihm nicht feierlich zugesagt, keine Tathandlung mehr zu unternehmen, wie die bei Weinsberg? Hört’ ich sie nicht selbst halbreuig sagen: Wenn’s nicht geschehen wär’, geschäh’s vielleicht nie? Müssten nicht Fürsten und Herrn ihm Dank wissen, wenn er freiwillig Führer eines unbändigen Volks geworden wäre, um ihrer Raserei Einhalt zu tun und so viel Menschen und Besitztümer zu schonen?

Elisabeth.
Du bist ein liebevoller Advokat. – Wenn sie ihn gefangen nähmen, als Rebell behandelten, und sein graues Haupt – Lerse, ich möchte von Sinnen kommen.

Lerse.
Sende ihrem Körper Schlaf, lieber Vater der Menschen, wenn Du ihrer Seele keinen Trost geben willst!

Elisabeth.
Georg hat versprochen, Nachricht zu bringen. Er wird auch nicht dürfen, wie er will. Sie sind ärger als gefangen. Ich weiß, man bewacht sie wie Feinde. Der gute Georg! Er wollte nicht von seinem Herrn weichen.

Lerse.
Das Herz blutete mir, wie er mich von sich schickte. Wenn Ihr nicht meiner Hilfe bedürftet, alle Gefahren des schmählichsten Todes sollten mich nicht von ihm getrennt haben.

Elisabeth.
Ich weiß nicht, wo Sickingen ist. Wenn ich nur Marien einen Boten schicken könnte.

Lerse.
Schreibt nur, ich will dafür sorgen. (Ab.)


(Bei einem Dorf.)
Götz. Georg.

Götz.
Geschwind zu Pferde, Georg! Ich sehe Miltenberg brennen. Halten sie so den Vertrag! Reit’ hin, sag’ ihnen die Meinung. Die Mordbrenner! Ich sage mich von ihnen los. Sie sollen einen Zigeuner zum Hauptmann machen, nicht mich. Geschwind, Georg. (Georg ab.) Wollt’ ich wäre tausend Meilen davon und läg’ im tiefsten Turm, der in der Türkei steht. Könnt’ ich mit Ehren von ihnen kommen! Ich fahr’ ihnen alle Tag durch den sinn, sag’ ihnen die bittersten Wahrheiten, dass sie mein müde werden und mich erlassen sollen.

Ein Unbekannter.

Unbekannter.
Gott grüß’ Euch, sehr edler Herr.

Götz.
Gott dank’ Euch. Was bringt Ihr? Euern Namen?

Unbekannter.
Der tut nichts zur Sache. Ich komme, Euch zu sagen, dass Euer Kopf in Gefahr ist. Die Anführer sind müde sich von euch so harte Worte geben zu lassen, haben beschlossen, Euch aus dem Weg zu räumen. Mäßigt Euch oder seht zu entwischen, und Gott geleit’ Euch. (Ab.)

Götz.
Auf diese Art Dein Leben zu lassen, Götz, und so zu enden! Es sei drum! So ist mein Tod der Welt das sicherste Zeichen, dass ich nichts Gemeines mit den Hunden gehabt habe.

Einige Bauern.

Erster Bauer.
Herr, Herr! Sie sind geschlagen, sie sind gefangen.

Götz.
Wer?

Zweiter Bauer.
Die Miltenberg verbrannt haben. Es zog sich ein Bündischer Trupp hinter dem Berg hervor und überfiel sie auf einmal.

Götz.
Sie erwartet ihr Lohn. – O Georg! Georg! – Sie haben ihn mit den Bösewichtern gefangen – Mein Georg! Mein Georg! –

Anführer kommen.

Link.
Auf, Herr Hauptmann, auf! Es ist nicht Säumens Zeit. Der Feind ist in der Nähe und mächtig.

Götz.
Wer verbrannte Miltenberg?

Metzler.
Wenn Ihr Umstände machen wollt, so wird man Euch weisen, wie man keine macht.

Kohl.
Sorgt für unsere Haut und eure. Auf! Auf!

Götz (zu Metzler).
Drohst Du mir? Du Nichtswürdiger! Glaubst Du, dass Du mir fürchterlicher bist, weil des Grafen von Helfenstein Blut an Deinen Kleidern klebt?

Metzler.
Berlichingen!

Götz.
Du darfst meinen Namen nennen, und meine Kinder werden sich dessen nicht schämen.

Metzler.
Mit Dir feigem Kerl! Fürstendiener.

Götz haut ihn über den Kopf, dass er stürzt. Die andern treten dazwischen.

Kohl.
Ihr seid rasend. Der Feind bricht auf allen Seiten ’rein und ihr hadert!

Link.
Auf! Auf! (Tumult und Schlacht.)

Weislingen. Reiter.

Weislingen.
Nach! Nach! Sie fliehen. Lasst Euch Regen und Nacht nicht abhalten. Götz ist unter ihnen, hör’ ich. Wendet Fleiß an, dass ihr ihn erwischt. Er ist schwer verwundet, sagen die Unsrigen. (Die Reiter ab.) Und wenn ich Dich habe! – Es ist noch Gnade, wenn wir heimlich im Gefängnis Dein Todesurteil vollstrecken. – So verlischt er vor dem Andenken der Menschen, und Du kannst freier atmen, törichtes Herz. (Ab.)


(Nacht, im wilden Wald. Zigeunerlager.)
Zigeunermutter am Feuer.

Mutter.
Flick das Strohdach über der Grube, Tochter, gibt hint Nacht noch Regen genug.

Knab kommt.

Knab.
Ein Hamster, Mutter. Da! Zwei Feldmäus.

Mutter.
Will sie Dir abziehen und braten, und sollst eine Kapp haben von den Fellchen. – Du blutst?

Knab.
Hamster hat mich bissen.

Mutter.
Hol mir dürr Holz, dass das Feuer loh brennt, wenn Dein Vater kommt, wird nass sein durch und durch.

Andre Zigeunerin, ein Kind auf dem Rücken.

Erste Zigeunerin.
Hast Du brav geheischen?

Zweite Zigeunerin.
Wenig genug. Das Land ist voll Tumult herum, dass man seins Lebens nicht sicher ist. Brennen zwei Dörfer lichterloh.

Erste Zigeunerin.
Ist das dort drunten Brand, der Schein? Seh’ ihm schon lang’ zu. Man ist der Feuerzeichen am Himmel zeither so gewohnt worden.

Zigeunerhauptmann, drei Gesellen kommen.

Hauptmann.
Hört ihr den wilden Jäger?

Erster Zigeuner.
Er zieht grad über uns hin.

Hauptmann.
Wie die Hunde bellen! Wau! Wau!

Zweiter Zigeuner.
Die Peitschen knallen.

Dritter Zigeuner.
Die Jäger jauchzen holla ho!

Mutter.
Bringt ja des Teufels sein Gepäck.

Hauptmann.
Haben im Trüben gefischt. Die Bauern rauben selbst, ist’s uns wohl vergönnt.

Zweite Zigeunerin.
Was hast Du, Wolf?

Wolf.
Einen Hasen, da, und einen Hahn, ein’n Bratspieß, ein Bündel Leinwand, drei Kochlöffel und ein’n Pferdzaum.

Sticks.
Ein’ wullen Deck hab’ ich, ein Paar Stiefeln, und Zunder und Schwefel.

Mutter.
Ist alles pudelnass, wollen’s trocknen, gebt her.

Hauptmann.
Horch, ein Pferd! Geht! Seht was ist.

Götz zu Pferd.

Götz.
Gott sei Dank! Dort seh’ ich Feuer, sind Zigeuner. Meine Wunden verbluten, die Feinde hinterher. Heiliger Gott, Du endigst grässlich mit mir!

Hauptmann.
Ist’s Friede, dass Du kommst?

Götz.
Ich flehe Hilfe von Euch. Meine Wunden ermatten mich. Helft mir vom Pferd!

Hauptmann.
Helf’ ihm! Ein edler Mann, an Gestalt und Wort.

Wolf (leise).
Es ist Götz von Berlichingen.

Hauptmann.
Seid willkommen! Alles ist Euer, was wir haben.

Götz.
Dank’ Euch.

Hauptmann.
Kommt in mein Zelt.


(Hauptmanns Zelt.)
Hauptmann. Götz.

Hauptmann.
Ruft der Mutter, sie soll Blutwurzel bringen und Pflaster.

Götz legt den Harnisch ab.

Hauptmann.
Hier ist mein Feiertagswams.

Götz.
Gott lohn’s

Mutter verbindt ihn.

Hauptmann.
Ist mir herzlich leib Euch zu haben.

Götz.
Kennt Ihr mich?

Hauptmann.
Wer sollte Euch nicht kennen! Götz, unser Leben und Blut lassen wir vor Euch.

Schricks

Schricks.
Kommen durch den Wald Reiter. Sind Bündische.

Hauptmann.
Eure Verfolger! Sie sollen nit bis zu Euch kommen! Auf, Schricks! Biete den andern! Wir kennen die Schliche besser als sie, wir schießen sie nieder, eh sie uns gewahr werden. (Ab.)

Götz (allein).
O Kaiser! Kaiser! Räuber beschützen Deine Kinder. (Man hört scharf schießen.) Die wilden Kerls, starr und treu!

Zigeunerin.

Zigeunerin.
Rettet Euch! Die Feinde überwältigen.

Götz.
Wo ist mein Pferd?

Zigeunerin.
Hier bei.

Götz (gürtet sich, und sitzt auf ohne Harnisch).
Zum letzten Mal sollen sie meinen Arm fühlen. Ich bin so schwach noch nicht. (Ab.)

Zigeunerin.
Er sprengt zu den Unsrigen. (Flucht.)

Wolf.
Fort, fort! Alles verloren. Unser Hauptmann erschossen. Götz gefangen. (Geheul der Weiber und Flucht.)


(Adelheids Schlafzimmer.)
Adelheid mit einem Brief.

Adelheid.
Er, oder ich! Der Übermütige! Mir drohen! – Wir wollen Dir zuvorkommen. Was schleicht durch den Saal? (Es klopft.) Wer ist draußen?

Franz leise.

Franz.
Macht mir auf, gnädige Frau.

Adelheid.
Franz! Er verdient wohl, dass ich ihm aufmache. (Sie lässt ihn ein.)

Franz (fällt ihr um den Hals).
Liebe, gnädige Frau.

Adelheid.
Unverschämter! Wenn Dich jemand gehört hätte.

Franz.
O es schläft alles, alles!

Adelheid.
Was willst Du?

Franz.
Mich lässt’s nicht ruhen. Die Drohungen meines Herrn, Euer Schicksal, mein Herz.

Adelheid.
Er war sehr zornig, als Du Abschied nahmst?

Franz.
Als ich ihn nie gesehen. Auf ihre Güter soll sie, sagt’ er, sie soll wollen.

Adelheid.
Und wir folgen?

Franz.
Ich weiß nichts, gnädige Frau.

Adelheid.
Betrogener, törichter Junge, Du siehst nicht, wo das hinaus will. Hier weiß er mich in Sicherheit. Denn lange steht’s ihm schon nach meiner Freiheit. Er will mich auf seine Güter. Dort hat er Gewalt, mich zu behandeln, wie sein Hass ihm eingibt.

Franz.
Er soll nicht!

Adelheid.
Wirst Du ihn hindern?

Franz.
Er soll nicht!

Adelheid.
Ich seh mein ganzes Elend voraus. Von seinem Schloss wird er mich mit Gewalt reißen, wird mich in ein Kloster sperren.

Franz.
Hölle und Tod!

Adelheid.
Wirst Du mich retten?

Franz.
Eh alles! Alles!

Adelheid (die weinend ihn umhalst).
Franz, ach uns zu retten!

Franz.
Er soll nieder, ich will ihm den Fuß auf den Nacken setzen.

Adelheid.
Keine Wut. Du sollst einen Brief an ihn haben, voll Demut, dass ich gehorche. Und dieses Fläschchen gieß ihm unter das Getränk.

Franz.
Gebt. Ihr sollt frei sein!

Adelheid.
Frei! Wenn Du nicht mehr zitternd auf Deinen Zehen zu mir schleichen wirst – nicht mehr ich ängstlich zu Dir sage: Brich auf, Franz, der Morgen kommt.


(Heilbronn, vorm Turm.)
Elisabeth. Lerse.

Lerse.
Gott nehm das Elend von Euch, gnädige Frau. Marie ist hier.

Elisabeth.
Gott sei Dank! Lerse, wir sind in entsetzliches Elend versunken. Da ist’s nun, wie mir alles ahnte! Gefangen, als Meuter, Missetäter in den tiefsten Turm geworfen –

Lerse.
Ich weiß alles.

Elisabeth.
Weislingen?

Lerse.
Man hat mit unerhörten Exekutionen verfahren. Metzler ist lebendig verbrannt, zu Hunderten gerädert, gespießt, geköpft, geviertelt. Das Land umher gleicht einer Metzge, wo Menschenfleisch wohlfeil ist.

Elisabeth.
Weislingen Kommissar! O Gott! Ein Strahl von Hoffnung. Marie soll mir zu ihm, er kann ihr nichts abschlagen. Er hatte immer ein weiches Herz, und wenn er sie sehen wird, die er so leibte, die so elend durch ihn ist – Wo ist sie?

Lerse.
Noch im Wirtshaus.

Elisabeth.
Führe mich zu ihr. Sie muss gleich fort. Ich fürchte alles.


(Weislingens Schloss)
Weislingen

Weislingen.
Ich bin so krank, so schwach. Alle meine Gebeine sind hohl. Ein elendes Fieber hat das Mark ausgefressen. Keine Ruh und Rast, weder Tag noch Nacht. Im halben Schlummer giftige Träume. Die vorige Nacht begegnete ich Götzen im Wald. Er zog sein Schwert und forderte mich heraus. Ich fasste nach meinem, die Hand versagte mir. Da stieß er’s in die Scheide, sah mich verächtlich an und ging hinter mich. – Er ist gefangen und ich zittre vor ihm. Elender Mensch! Dein Wort hat ihn zum Tod verurteilt, und Du bebst vor seiner Traumgestalt wie ein Missetäter! – Und soll er sterben? – Götz! Götz! – Wir Menschen führen uns nicht selbst; bösen Geistern ist Macht über uns gelassen, dass sie ihren höllischen Mutwillen an unserm Verderben üben. (Er setzt sich.) – Matt! Matt! Wie sind meine Nägel so blau! – Ein kalter, kalter, verzehrender Schweiß lähmt mir jedes Glied. Es dreht mir alles vorm Gesicht. Könnt’ ich schlafen. Ach –

Maria tritt auf.

Weislingen.
Jesus Marie! – Lass mir Ruh! Lass mir Ruh! – Die Gestalt fehlte noch! Sie stirbt, Marie stirbt und zeigt sich mir an. – Verlass mich, seliger Geist, ich bin elend genug.

Maria.
Weislingen, ich bin kein Geist. Ich bin Marie.

Weislingen.
Das ist ihre Stimme.

Maria.
Ich komme meines Bruders Leben von Dir zu erflehen. Er ist unschuldig, so strafbar er scheint.

Weislingen.
Still, Marie! Du Engel des Himmels bringst die Qualen der Hölle mit Dir. Rede nicht fort.

Maria.
Und mein Bruder soll sterben? Weislingen, es ist entsetzlich, dass ich Dir zu sagen brauche: Er ist unschuldig; dass ich jammern muss, Dich von dem abscheulichsten Mord zurückzuhalten. Deine Seele ist bis in ihre innersten Tiefen von feindseligen Mächten besessen. Das ist Adelbert!

Weislingen.
Du siehst, der verzehrende Atem des Todes hat mich angehaucht, meine Kraft sinkt nach dem Grab. Ich stürbe als ein Elender, und Du kommst, mich in Verzweiflung zu stürzen. Wenn ich reden könnte, Dein höchster Hass würde in Mitleid und Jammer zerschmelzen. O! Marie! Marie!

Maria.
Weislingen, mein Bruder verkrankt im Gefängnis. Seinen schweren Wunden, sein Alter. Und wenn Du fähig wärst sein graues Haupt – Weislingen, wir würden verzweifeln.

Weislingen.
Genug. (Er zieht die Schelle.)

Franz in äußerster Bewegung.

Franz.
Gnädiger Herr.

Weislingen.
Die Papiere dort, Franz!

Franz bringt sie.

Weislingen (reißt ein Packet auf und zeigt Marie ein Papier).
Hier ist Deines Bruders Todesurteil unterschrieben.

Maria.
Gott im Himmel!

Weislingen.
Und so zerreiß’ ich’s! Er lebt. Aber kann ich wieder schaffen, was ich zerstört habe? Meine nicht so, Franz! Guter Junge, Dir geht mein Elend tief zu Herzen.

Franz wirft sich vor ihm nieder und fasst seine Knie.

Maria (vor sich).
Er ist sehr krank. Sein Anblick zerreißt mir das Herz. Wie liebt’ ich ihn! Und nun ich ihm nahe, fühl’ ich wie lebhaft.

Weislingen.
Franz, steh auf und lass das Weinen! Ich kann wieder aufkommen. Hoffnung ist bei den Lebenden.

Franz.
Ihr werdet nicht. Ihr müsst sterben.

Weislingen.
Ich muss?

Franz (außer sich).
Gift! Gift! Von Euerm Weib! – Ich! Ich! (Er rennt davon.)

Weislingen.
Marie, geh ihm nach. Er verzweifelt. (Maria ab.) Gift von meinem Weib! Weh! Weh! Ich fühl’s. Marter und Tod!

Maria (inwendig).
Hilfe! Hilfe!

Weislingen (will aufstehn).
Gott, vermag ich das nicht!

Maria (kommt).
Er ist hin. Zum Saalfenster hinaus stürzt’ er wütend in den Main hinunter.

Weislingen.
Ihm ist wohl. – Dein Bruder ist außer Gefahr. Die übrigen Kommissarien, Seckendorf besonders, sind seine Freunde. Ritterlich Gefängnis werden sie ihm auf sein Wort gleich gewähren. Leb wohl, Maria, und geh.

Maria.
Ich will bei Dir bleiben, armer Verlassner.

Weislingen.
Wohl verlassen und arm! Du bist ein furchtbarer Rächer, Gott! – Mein Weib –

Maria.
Entschlage Dich dieser Gedanken. Kehre Dein Herz zu dem Barmherzigen.

Weislingen.
Geh, liebe Seele, überlass mich meinem Elend. – Entsetzlich! Auch Deine Gegenwart, Marie, der letzte Trost, ist Qual.

Maria (vor sich).
Stärke mich, o Gott! Meine Seele erliegt mit der seinigen.

Weislingen.
Weh! Weh! Gift von meinem Weib! – Mein Franz verführt durch die Abscheuliche! Wie sie wartet, horcht auf den Boten, der ihr die Nachricht bringe: Er ist tot. Und Du, Marie! Marie, warum bist Du gekommen, dass Du jede schlafende Erinnerung meiner Sünden wecktest! Verlass mich! Verlass mich, dass ich sterbe.

Maria.
Lass mich bleiben. Du bist allein. Denk, ich sei Deine Wärterin. Vergiss alles. Vergesse Dir Gott so alles, wie ich Dir alles vergesse.

Weislingen.
Du Seele voll Liebe, bete für mich, bete für mich! Mein Herz ist verschlossen.

Maria.
Er wird sich Deiner erbarmen. – Du bist matt.

Weislingen.
Ich sterbe, sterbe und kann nicht ersterben. Und in dem fürchterlichen Streit des Lebens und Todes sind die Qualen der Hölle.

Maria.
Erbarmer, erbarme Dich seiner! Nur einen Blick Deiner Liebe an sein Herz, dass es sich zum Trost öffne, und sein Geist Hoffnung, Lebenshoffnung in den Tod hinüberbringe!


(In einem finstern engen Gewölbe.)
Die Richter des heimlichen Gerichts. Alle vermummt.

Ältester.
Richter des heimlichen Gerichts, schwurt auf Strang und Schwert unsträflich zu sein, zu richten im Verborgenen, zu strafen im Verborgenen Gott gleich! Sind Eure Herzen rein und Eure Hände, hebt die Arme empor, ruft über die Missetäter: Wehe! Wehe!

Alle.
Wehe! Wehe!

Ältester.
Rufer, beginne das Gericht!

Rufer.
Ich Rufer rufe die Klag’ gegen den Missetäter. Des Herz rein ist, dessen Händ’ rein sind, zu schwören auf Strang und Schwert, der Klage bei Strang und Schwert! Klage! Klage!

Kläger (tritt vor).
Mein Herz ist rein von Missetat, meine Hände von unschuldigem Blut. Verzeih mir Gott böse Gedanken und hemme den Weg zum Willen! Ich hebe meine Hand auf und klage! Klage! Klage!

Ältester.
Wen klagst Du an?

Kläger.
Klage an auf Strang und Schwert Adelheid von Weislingen. Sie hat Ehebruchs sich schuldig gemacht, ihren Mann vergiftet durch ihren Knaben. Der Knab hat sich selbst gerichtet, der Mann ist tot.

Ältester.
Schwörst Du zu dem Gott der Wahrheit, dass Du Wahrheit klagst?

Kläger.
Ich schwöre.

Ältester.
Würd’ es falsch befunden, deutst Du Deinen Hals der Strafe des Mords und des Ehebruchs?

Kläger.
Ich biete.

Ältester.
Eure Stimmen. (Sie reden heimlich zu ihm.)

Kläger.
Richter des heimlichen Gerichts, was ist Euer Urteil über Adelheid von Weislingen, bezüchtigt des Ehebruchs und Mords?

Ältester.
Sterben soll sie! Sterben des bittern, doppelten Todes. Mit Strang und Dolch büßen doppelt doppelte Missetat. Streckt Eure Hände empor, und ruft Weh über sie! Weh! Weh! In die Hände des Rächers.

Alle.
Weh! Weh! Weh!

Ältester.
Rächer! Rächer, tritt auf.

Rächer tritt vor.

Ältester.
Fass hier Strang und Schwert, sie zu tilgen von dem Angesicht des Himmels, binnen acht Tage Zeit. Wo Du sie findest, nieder mit ihr in Staub! – Richter, die ihr richtet im Verborgenen und straft im Verborgenen Gott gleich, bewahrt Euer Herz von Missetat und Eure Hände vor unschuldigem Blut.


(Hof einer Herberge.)
Maria. Lerse.

Maria.
Die Pferde haben genug gerastet. Wir wollen fort, Lerse.

Lerse.
Ruht doch bis an Morgen. Die Nacht ist gar zu unfreundlich.

Maria.
Lerse, ich habe keine Ruhe, bis ich meinen Bruder, gesehen habe. Lass uns fort. Das Wetter hellt sich aus, wir haben einen schönen Tag zu gewarten.

Lerse.
Wie Ihr befehlt.


(Heilbronn, im Turm.)
Götz, Elisabeth

Elisabeth.
Ich bitte Dich, lieber Mann, rede mit mir. Dein Stillschweigen ängstet mich. Du verglühst in Dir selbst. Komm, lass uns nach Deinen Wunden sehen. Sie bessern sich um vieles. In der mutlosen Finsternis erkenn’ ich Dich nicht mehr.

Götz.
Suchtest Du den Götz? Der ist lang’ hin. Sie haben mich nach und nach verstümmelt, meine Hand, meine Freiheit, Güter und guten Namen. Mein Kopf, was ist an dem? – Was hört Ihr von Georg? Ist Lerse nach Georg?

Elisabeth.
Ja, Lieber! Richtet Euch auf, es kann sich vieles wenden.

Götz.
Wen Gott niederschlägt, der richtet sich selbst nicht auf. Ich weiß am besten, was auf meinen Schultern liegt. Unglück bin ich gewohnt zu dulden. Und jetzt ist’s nicht Weislingen allein, nicht die Bauern allein, nicht der Tod des Kaisers und meine Wunden – Es ist alles zusammen. Meine Stunde ist kommen. Ich hoffte, sie sollte sein wie mein Leben. Sein Wille geschehe.

Elisabeth.
Willst Du nicht was essen?

Götz.
Nichts, meine Frau. Sieh, wie die Sonne draußen scheint.

Elisabeth.
Ein schöner Frühlingstag.

Götz.
Meine Liebe, wenn Du den Wächter bereden könntest, mich in sein klein Gärtchen zu lassen auf eine halbe Stunde, dass ich der lieben Sonne genösse, des heitern Himmels und der reinen Luft.

Elisabeth.
Gleich! Und er wird’s wohl tun.


(Gärtchen am Turm.)
Maria, Lerse.

Maria.
Geh hinein und sieh, wie’s  steht.

Lerse ab.
Elisabeth, Wächter.

Elisabeth.
Gott vergelt’ Euch die Lieb’ und Treu’ an meinem Herrn. (Wächter ab.) Maria, was bringst Du?

Maria.
Meines Bruders Sicherheit. Ach, aber mein Herz ist zerrissen. Weislingen ist tot, vergiftet von seinem Weib. Mein Mann ist in Gefahr. Die Fürsten werden ihm zu mächtig, man sagt, er sei eingeschlossen und belagert.

Elisabeth.
Glaubt dem Gerücht nicht. Und lasst Götz nichts merken.

Maria.
Wie steht’s um ihn?

Elisabeth.
Ich fürchtete, er würde Deine Rückkunft nicht erleben. Die Hand des Herrn liegt schwer auf ihm. Und Georg ist tot.

Maria.
Georg! Der goldne Junge!

Elisabeth.
Als die Nichtswürdigen Miltenberg verbrannten, sandte ihn sein Herr, ihnen Einhalt zu tun. Da fiel ein Trupp Bündischer auf sie los. – Georg! Hätten sie sich alle gehalten wie er, sie hätten alle das gute Gewissen haben müssen. Viel wurden erstochen, und Georg mit. Er starb einen Reiterstod.

Maria.
Weiß es Götz?

Elisabeth.
Wir verbergen’s vor ihm. Er fragt mich zehnmal des Tags und schickt mich zehnmal des Tags, zu forschen, was Georg macht. Ich fürchte, seinem Herzen diesen letzten Stoß zu geben.

Maria.
O Gott, was sind die Hoffnungen dieser Erden!

Götz. Lerse. Wächter.

Götz.
Allmächtiger Gott! Wie wohl ist’s einem unter Deinem Himmel! Wie frei! – Die Bäume treiben Knospen und alle Welt hofft. Lebt wohl, meine Lieben; meine Wurzeln sind abgehauen, meine Kraft sinkt nach dem Grab.

Elisabeth.
Darf ich Lersen nach Deinem Sohn ins Kloster schicken, dass Du ihn noch einmal sehst und segnest?

Götz.
Lass ihn, er ist heiliger als ich, er braucht meinen Segen nicht. – An unserm Hochzeitstag, Elisabeth, ahnte mir’s nicht, dass ich so sterben würde. – Mein alter Vater segnete uns, und eine Nachkommenschaft von edeln tapfern Söhnen quoll aus seinem Gebet. – Du hast ihn nicht erhört, und ich bin der Letzte. – Lerse, Dein Angesicht freut mich in der Stunde des Todes mehr als im mutigsten Gefecht. Damals führte mein Geist den eurigen. Jetzt hältst Du mich aufrecht. Ach, dass ich Georg noch einmal sähe, mich an seinem Blick wärmte! – Ihr seht zur Erden und weit – Er ist tot – Georg ist to – Stirb, Götz – Du hast Dich selbst überlebt, die Edeln überlebt. – Wie starb er? – Ach fingen sie ihn unter den Mordbrennern, und er ist hingerichtet?

Elisabeth.
Nein, er wurde bei Miltenberg erstochen. Er wehrte sich wie ein Löw’ um seine Freiheit.

Götz.
Gott sei Dank! – Er war der beste Junge unter der Sonne und tapfer. – Löse meine Seele nun. – Arme Frau! Ich lasse Dich in einer verderbten Welt. Lerse, verlass sie nicht. – Schließt Eure Herzen sorgfältiger als Eure Tore. Es kommen die Zeiten des Betrugs, es ist ihm Freiheit gegeben. Die Nichtswürdigen werden regieren mit List, und der Edle wird in ihre Netze fallen. Marie, gebe Dir Gott Deinen Mann wieder. Möge er nicht so tief fallen, als er hoch gestiegen ist! Selbitz starb, und der gute Kaiser, und mein Georg. – Gebt mir einen Trunk Wasser. – Himmlische Luft – Freiheit! Freiheit! (Er stirbt.)

Elisabeth.
Nur droben, droben bei Dir. Die Welt ist ein Gefängnis.

Maria.
Edler Mann! Edler Mann! Wehe dem Jahrhundert, das Dich von sich stieß!

Lerse.
Wehe der Nachkommenschaft, die Dich verkennt!

Ü

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