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738. An GoetheWeimar den 5. Mai 1800.1) Haben Sie Dank für Ihren lieben Brief, es war mir gar ungewohnt, so lange nichts von Ihnen zu sehen und zu hören. So sehr ich Sie aber auch hier vermisse, so freut mich doch um Ihretwillen die Zerstreuung die Sie sich nach dem langen Winter machen, und die Sie gewiß heiterer zurückführen wird. In Ihrer Abwesenheit habe ich mich, was das physische betrifft, recht gut gehalten, ich bin viel im Freien gewesen, und fange gerade an, mich wie einen Gefunden zu betrachten. Sonst habe ich mich2) in diesen Tagen damit beschäftigt, die vier ersten Acte der Maria3) für den Theaterzweck in Ordnung zu bringen, und bin auch damit fertig, so daß ich jetzt schon den fünften Akt zur Hand genommen. Von Macbeth sind mehrere4) Proben gewesen, und ich hoffe alles Gute davon, doch wird die erste Vorstellung erst am Mittwoch über acht Tage stattfinden können. Sie werden unterdessen Cotta schon gesprochen, und sich von seinen Schicksalen unterrichtet haben. Die Schützische Replik auf Schellings Angriff wird Ihnen gleichfalls bekannt geworden sein. Leider ist vorherzusehen, daß Schelling die Majorität nicht auf seiner Seite haben wird; es ist gar übel, wenn man angriffsweise verfährt, sich viele Blößen zu geben. Er ist jetzt nach Bamberg abgereist, 5)und wie ich höre, so ist Madame Schlegel nachgezogen, die in Franken ein Bad besuchen will6). Man sagte mir daß Kotzebue in einem neuen Stück, der Besuch, sich verschiedenes gegen die Propyläen herausgenommen habe. Wenn dem so ist, so hoffe ich, daß Sie den7) jämmerlichen Menschen seine entsetzliche Sottise werden fühlen lassen. Von Weimar weiß ich Ihnen nicht viel zu schreiben. Ich bin unterdessen einmal bei einem Thee und Souper im Palais gewesen, wo ich 3/4 Stunden lang französische Verse anhören mußte. Ob Sie sich in Leipzig gleich nicht sehr geistreich unterhalten können, so muß Ihnen doch die Klarheit, die sie über diese irdischen Dinge haben, auch in dieser Existenz viel Vergnügen und Nutzen finden lassen. Die Beschreibung, die Sie von dem dortigen Theater geben, zeigt eine Stadt an, und ein Publikum, das wenigstens auch keinen Anspruch auf Kunst und Kunstrichterei macht, und bloß amüsirt und gerührt sein will. Es ist aber traurig, daß die dramatische Kunst in so schlechten Umständen sich befindet. Ich habe Opitzen meinen Macbeth angeboten, aber noch nichts von ihm gehört. Noch habe ich vernommen, daß zwischen Friedrich Schlegel, der kürzlich hier war, und Jean Paul eine große Freundschaft sich angeknüpft, und daß auch Seckendorf mit Schlegeln sich viel eingelassen und ihm bei sich bewirthet und geehrt habe. Richter ist jetzt mit Herdern abgereist, um sich von diesem copuliren zu lassen. Meine Frau grüßt Sie aufs freundlichste. Leben Sie gesund und kehren Sie erheitert zu uns zurück. Sch. |
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