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630. An Goethe

Jena den 30. Juli 1799.              

   Ich habe Sie am Sonnabend mit fester Zuversicht erwartet, und deßwegen auch den Philosophenklubb absagen lassen, um den ersten Abend desto ungestörter mit Ihnen zuzubringen. Desto betrübter war ich als ich aus Ihrem Brief meine Hoffnung zerrinnen und ganz ins unbestimmte wieder sich1) verlieren sah.

   Mir bleibt nun nichts übrig, als mich, so lang es gehen will, in das Produciren zu werfen, weil die Mittheilung mangelt. Ich bin auch schon ganz ernstlich im zweiten Akte bei meiner königlichen Heuchlerin. Der erste ist abgeschrieben und erwartet Sie bei Ihrer Ankunft.

   Sie haben wohl recht, daß man sich der theoretischen Mittheilung gegen die Menschen lieber enthalten und hervorbringen muß. Das theoretische setzt das praktische voraus und ist also schon ein höheres Glied in der Kette. Es scheint auch, daß eine selbstständigere Imagination dazu gehört, als um die wirkliche Gegenwart eines Kunstwerks zu empfinden, bei welchem der Dichter und Künstler der trägern oder schwächern Einbildungskraft des Zuhörers und Betrachters zu Hülfe kommt, und den sinnlichen Stoff liefert.

   Auch ist nicht zu läugnen, daß die Empfindung der meisten Menschen richtiger ist als ihr Raisonnement. Erst mit der Reflexion fängt der Irrthum an. Ich erinnre mich auch recht gut mehrerer unserer Freunde, denen ich mich nicht schämte, durch eine Arbeit zu gefallen, und mich doch sehr hüten würde, ihnen Rechenschaft von ihrem Gefühl abzufordern.

   Wenn dieß auch nicht wäre, wer möchte ein Werk ausstellen mit dem er zufrieden ist? Und doch kann der Künstler und Dichter dieser Neigung nicht Herr werden.

   Die zwei Damen haben mich neulich wirklich besucht und für sie zu Hause gefunden. Die kleine Hat eine sehr angenehme Bildung, die selbst durch ihren Fehler am Aug nicht ganz verstellt werden konnte. Sie gaben mir den Trost, daß die Furcht vor der Schnecke die alte Großmutter wohl von der Herreise abschrecken würde. Von dem eleganten Diner bei Ihnen wußten sie viel zu erzählen. Der Relation, welche Meyer von diesen Erscheinungen machen wird, seh' ich mit Begierde entgegen.

   Die Frau grüßt Sie aus beste. Sie ist auch in einer Krisis, auf ihre Weise, und wird mir um einige Monate zuvorkommen. Leben Sie recht wohl und möge ein guter Geist und bald zusammen führen.

   Ich vergaß von den neulich überschickten Sachen zu schreiben. Das Jacobische Werk habe ich noch nicht recht betrachtet, aber das Gedicht ist lustig genug und hat scharmante Einfälle.

Sch.

Ü   Þ

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