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609. An Goethe

Jena den 20.1) Juni 1799.               

   Der Franzose, der neulich mit Mellisch bei uns2) war und sich heut wieder einstellte hat mir die Zeit und Stimmung genommen, um Ihnen heute so viel über das Propyläenstück zu sagen als ich willens war.

   es hat mir in der Gestalt worin es jetzt ist, noch viel reicher und belebter geschienen, als je vorher beim einzelnen Lesen, und es muß als das, heiter und kunstlos ausgegossene Resultat eines langen Erfahrens und Reflectirens auf jeden Irgend empfänglichen Menschen wundersam wirken. Der Gehalt ist nicht zu übersehen, eben weil so vieles wichtige nur zart, nur im Vorbeigehen angedeutet ist.

   Die Aufführung der Charaktere und Kunstrepräsentanten hat dadurch noch sehr gewonnen, daß unter den Besuchfratzen keine in das Fachwerk paßt, welches nachher aufgestellt wird. Nicht zu erwähnen, daß der kleine Roman dadurch - poetisch - an Reichthum und Wahrheit gewinnt, so wird auch dadurch philosophisch der ganze Kreis vollendet, welcher in den drei Klassen des Falschen, des Unvollkommenen und des Vollkommenen enthalten ist.

   Die letztern Ausführungen, die ich noch nicht kannte, sind sehr glücklich und unterhalten die geistreiche Heiterkeit bis ans Ende.

   Indeß zweifle ich nicht, daß dieß Propyläenstück tüchtigen Lärm machen und auch wieder an die Xenien erinnern wird.

   Meine Frau, die Sie herzlich grüßt, hat sich an dem fröhlichen Humor und Leben das darin herrscht sehr ergötzt und besonders hat ihr der Besuch der Fremden gefallen.

   Leben Sie recht wohl für heute und genießen die schöne3) Witterung, der auch ich eine gute und productive Stimmung verdanke.

Sch.

Ü   Þ

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