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604. An GoetheJena den 11. Juni 1799. Wir sind neulich zwar ganz gut nach Hause gekommen, aber ich machte doch die Erfahrung, daß eine achtstündige Erschütterung im Wagen und gesellschaftliche Unruhe, in den Zeitraum von einem Dreivierteltag gedrängt, eine zu gewaltsame Veränderung für mich ist, denn ich brauchte zwei Tage, um mich ganz davon zu erholen. Sonst genieße ich seit etlichen Tagen bei diesem schönen Wetter eine so gute freundliche Stimmung, in meinem kleinen Gartensälchen, daß ich sie herzlich gern mit Ihnen theilen möchte. Die Arbeit geht zwar sehr langsam, weil ich den Grund zum Ganzen zu legen habe, und beim Anfang alles darauf ankommt, sich nichts zu verderben; aber ich habe gute Hoffnung, daß ich auf dem rechten Wege bin. Wenn ich nicht zu viel Zeit verlöre, so hätte ich wohl eine Versuchung gehabt, das Stück welches morgen in Weimar gegeben wird zu sehen. Bei meinem jetzigen Geschäft könnte die Anschauung eines neuen historischen Stücks auf der Bühne, wie es auch sonst beschaffen sein möchte, nützlich auf mich wirken. Die Idee, aus diesem Stoff ein Drama zu machen, gefällt mir nicht übel. Er hat schon den wesentlichen Vortheil bei sich, daß die Handlung in einen thatvollen Moment concentrirt ist und zwischen Furcht und Hoffnung rasch zum Ende eilen muß. Auch sind vortreffliche dramatische Charaktere darin schon von der Geschichte hergegeben. Das Stück mag aber nicht viel besonders sein, da Sie mir nichts davon sagten. Mellisch hat sich auf morgen Mittag mit seiner Gesellschaft bei uns eingeladen, da wird auch Ihrer fleißig gedacht werden. Sehen Sie nur, daß Sie bald auf einen Tag herüber kommen. Leben sie recht wohl für heute, ich weiß nichts mehr zu schreiben, denn ich habe in diesen Tagen nichts erfahren und nur in meiner Arbeit gelebt. Die Frau grüßt Sie aufs beste. Sch. |
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