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601. An GoetheJena den 4. Juni 1799. Hier erfolgt Körners Aufsatz über den Wallenstein. Er ist aber, so wie er ist, nicht zu gebrauchen, weil er sich die Bequemlichkeit gemacht hat, lieber den Dichter, statt seiner, sprechen zu lassen, und auf diese Weise das Werk in Fetzen zerrissen vor das Publikum bringt. Wenn das Stück schon gedruckt wäre, möchte das hingehen, so aber finde ich meine Rechnung nicht dabei. es ist glücklicherweise nicht so pressant es abzuschicken, denn ich denke Sie werden mit mir einig sein, daß man, weil man doch so lang gewartet hat, die Anzeige nach der vierten Vorstellung des Wallenstein abschickt. Bis dahin will ich die Körnerische Arbeit noch vornehmen, und darin mehr den erzählenden als den dramatischen Ton herrschen lassen, auch noch einige Aufschlüsse über das Ganze einflechten. Ich habe mich nicht enthalten können, weil das Schema zu den ersten Akten der Maria in Ordnung, und in den letzten nur noch ein einziger Punkt unausgemacht ist, um die Zeit nicht zu verlieren, gleich zur Ausführung fortzugehen. Ehe ich an den zweiten Akt komme, muß mir in den letzten Akten alles klar sein. Und so habe ich denn heute, den 4. Juni dieses Opus mit Lust und Freude begonnen, und hoffe in diesem Monat schon einen ziemlichen Theil der Exposition zurück zu legen. Was Sie mir von den Schwestern zu1) Lesbos schrieben2) hat mir großen Trost gewährt. Auch meine Schwägerin schrieb mir von dieser Zusammenkunft und konnte mir nicht genug rühmen, wie viel sie dabei gelernt habe. Ich lese jetzt in den Stunden, wo wir sonst zusammen kamen, Lessings Dramaturgie die in der That eine sehr geistreiche und belebte Unterhaltung giebt. Es ist doch gar keine Frage, daß Lessing unter allen Deutschen seiner Zeit über das was die Kunst betrifft am klarsten gewesen, am schärfsten und zugleich am liberalsten darüber gedacht und das wesentliche worauf es ankommt am unverrücktesten ins Auge gefaßt hat. Liest man nur ihn, so möchte man wirklich glauben, daß die gute Zeit des deutschen Geschmacks schon vorbei sei: denn wie wenig Urtheile die jetzt über die Kunst gefällt werden, dürfen sich an die seinigen3) stellen? Ist es denn wahr daß die Königin von Preußen den Wallenstein in Berlin nicht hat wollen spielen sehen, um ihn in Weimar zuerst kennen zu lernen? Schreiben Sie uns4) doch, ob die la Roche in Osmanstädt angelangt ist? Auch meiner Frau liegt an dieser Nachricht. Auch bitte ich mir durch Vulpius das Verzeichniß der von mir einzusendenden Bücher zurückschicken zu lassen, nebst einem Katalog der Auction, wenn noch einer zu haben. Leben Sie recht wohl und genießen Sie die jetzigen angenehmen Tage. Sch. |
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