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            Goethe an Schiller
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144. An Goethe

Jena den 24. Jänner 1796.              

   Für einen Schriftsteller, der mit der Katastrophe eines Romans, mit tausend Epigrammen und zwei weitläuftigen Erzählungen aus Italien und China beschäftigt ist, haben Sie diese nächsten zehn Tage ganz leidliche Zerstreuungen. Aber was Ihnen die Zeit nimmt giebt sie Ihnen dafür wieder an Stoff, und am Ende sind Sie weiter gekommen als ich, der seine Gegenstände aus den Nägeln saugen muß. Heute indessen habe ich auch eine Zerstreuung, denn Charlotte Kalb1) wird hier sein.

   2)Es thut mir leid, daß meine Tapeten-Angelegenheit Ihnen3) mehr als ein paar Worte kosten soll. Da Sie indessen so gütig sein wollen, diese Verzierung an meinem Horizonte zu besorgen, so bitte ich Sie mir 4 Stücke von der grünen Tapete und 2 von Rosa-Bordüren4) (wenn diese auch 40 Ellen halten) aus Frankfurt kommen zu lassen. Ich ziehe die Rosa-Bordüren der Lebhaftigkeit wegen dem beiliegenden Muster vor5).

   Woltmann war gestern drei Stunden lang allein bei mir, und ich habe es glücklich durchgesetzt, daß von den zwei Theaterstücken keine Silbe gesprochen wurde. Er war übrigens sehr artig, und sehr6) freigebig an Lob über Ihre und meine Arbeiten - ohne doch ein Fünkchen Barmherzigkeit bei mir, seines Stücks wegen, zu erwecken.

   Leben Sie recht wohl. Hier wieder einige Xenien, daß die Observanz nicht verletzt wird.

Schiller

   Þ

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