Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info
Homepage
   Literatur
      Johann Wolfgang von Goethe
         Briefe
            Goethe an Schiller
               Inhaltsverzeichnis
               Vorwort
               An König von Bayern
               Briefe 1794
               Briefe 1795

                  ...
                  85. An Schiller
                  86. An Goethe
                  87. An Schiller
                  88. An Schiller
                  89. An Schiller
                  90. An Goethe
                  91. An Schiller
                  92. An Schiller
                  93. An Schiller
                  94. An Goethe
                 
95. An Goethe
                  96. An Schiller
                  97. An Schiller
                  98. An Goethe
                 
99. An Goethe
                  100. An Schiller
                  101. An Schiller
                  102. An Goethe
                  103. An Schiller
                  ...
               Briefe 1796
               Briefe 1797
               Briefe 1798
               Briefe 1799
               Briefe 1800
               Briefe 1801
               Briefe 1802
               Briefe 1803
               Briefe 1804
               Briefe 1805
               Anh. 1: Goethe an Ch. Schiller
               Anh. 2: Herzog K.-A. an Schiller
               Anh. 3: Schiller an Prof. Süvern
               Zusammenstellung Band 1
               Zusammenstellung Band 2
               Register Goethe
               Register Schiller
               Register Personen
               Sach-Register
               Orts-Register
              
              

94. An Goethe

Jena den 29. August 1795.              

   Das Mährchen ist bunt und lustig genug, und ich finde die Idee, deren Sie einmal erwähnten, "das gegenseitige Hülfleisten der Kräfte und das Zurückweisen auf einander," recht1) artig ausgeführt. Meiner Frau hat es viel Vergnügen gemacht; sie findet es im Voltairischen Geschmack, und ich muß ihr Recht geben. Übrigens haben Sie durch diese Behandlungsweise sich die Verbindlichkeit aufgelegt, daß alles Symbol sei. Man kann sich nicht enthalten, in allem eine Bedeutung zu suchen. Die vier Könige präsentiren sich gar prächtig, und die Schlange als Brücke ist eine charmante Figur. Sehr charakteristisch ist die schöne Lilie mit ihrem Mops. Das Ganze zeigt sich überhaupt als die Production einer sehr fröhlichen Stimmung. Doch hätte ich gewünscht, das Ende wäre nicht vom Anfang getrennt, weil doch beide Hälften einander zu sehr bedürfen, und der Leser nicht immer behält, was er gelesen. Liegt Ihnen also nichts daran, ob es getrennt oder ganz2) erscheint, so will ich das nächste Stück damit anfangen, ich weiß zum Glück für das neunte Rath, und kommt dann das Mährchen im zehnten Stück auf einmal ganz, so ist es um so willkommener.

   An dem Epigramm, das ich beilege, fehlt der Schuß. Seien Sie so gütig, es mir mit ehester Gelegenheit zurückzuschicken.

   Mit meiner Gesundheit geht es noch nicht viel besser. Ich fürchte, ich muß die lebhaften Bewegungen büßen, in die mein Poetisiren mich versetzte. Zum Philosophiren ist schon der halbe Mensch genug und die andere Hälfte kann ausruhen; aber die Musen saugen einen aus.

   Seien Sie herzlich gegrüßt zu Ihrem Geburtstag.

Sch.

N. S.
   An den Herzog habe ich noch kein Exemplar des achten Stücks gesendet. Sie sind wohl so gütig es zu besorgen.

   Wenn Sie Herrn v. Humboldt zu schreiben haben, so kann ich den Brief einschließen.

Ü   Þ

© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de