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Homepage Literatur Goethe Biografien Eckermann Inhalt Vorrede 1. Teil Einleitung 1823 1824 1825 1826 1827 2. Teil 1828 1829 1830 1831 1832 3. Teil Vorrede 1822 1823 1824 1825 1826 1827 1828 1830-32 Nachwort |
Nachwort des Herausgebers.Als die „Gespräche mit Goethe“ 1836 zum ersten Mal in Leipzig bei Brockhaus in zwei Bändchen erschienen, sah sich Eckermann am Ziel eines heißersehnten Wunsches. Ein langgehegter Plan, der ihm manche qualvolle Stunde bereitet und von dem er sich doch nicht hatte trennen können, war damit endlich zur Ausführung gelangt. Fast zwölf Jahre hatte er ihn mit sich herumgetragen, und nur seiner leidenschaftlichen Verehrung und Liebe zu Goethe, sowie seiner Hartnäckigkeit verdankte er nun das glückliche Gelingen. Gerade ein halbes Jahr nach seinem Eintreffen in Weimar, Anfang 1824. wurde der Gedanke, seine Erlebnisse mit Goethe aufzuzeichnen, bei ihm rege. Von Tag zu Tag kam ihm mehr zum Bewußtsein, wie durch diesen Verkehr sein Leben eine entscheidende Wendung nahm, wie es neuen Inhalt und neue Formen gewann. Er fühlte, daß er sich von dieser Entwicklung Rechenschaft geben müsse, daß die Erinnerung an diese Zeit bei ihm nie verlöschen dürfe. Wie wunderbar hatten sich seine Beziehungen zu Goethe entwickelt! Er dachte an seinen ersten schüchternen Anknüpfungsversuch, als er seine Gedichte 1821 durch Riemer an Goethe gelangen ließ. Wenn auch ganz versteckt, so hatte er es sich doch nicht versagen können, seinen Gefühlen dem Dichter gegenüber schon damals in einigen Versen Ausdruck zu geben:
Goethe hatte auf diese Huldigung hin nur eine kühle Erwiderung gehabt. In Form einer „Erklärung und Bitte“ ließ er für die Sendung danken: „Seit mehreren Jahren“, hieß es in dem Schreiben, „bin ich glücklich, des schönen Vertrauens meiner Landsleute zu genießen; ich erhalte daher öftere Sendungen und Anfragen von wohldenkenden, talentreichen, strebenden, jüngeren und älteren Personen. So wie es nur möglich war, habe ich darauf erwidert; nun aber vermehrt sich dieses Wohlwollen, indes die Kräfte sich vermindern und einzelnen zu antworten, ganz unmöglich wird. Weil aber diese Fragen und Sendungen meistens von schöner Bedeutung sind, so erregen sie Gedanken und Empfindungen, die ich wohl mitzuteilen wünschte. Ich werde daher in meinen Heften von Kunst und Altertum dergleichen niederlegen und ersuche meine unbefriedigten werten Korrespondenten, sich darin umzusehen.“ Dennoch war Eckermanns Freude groß, „daß er überhaupt eine Antwort erhalten“ hatte, und obwohl auch die angekündigte Besprechung nicht folgte, so verdroß dies den treuen Jünger wenig. Mit um so größerer Leidenschaft nur versenkte er sich in die Werke des Meisters, und als Ertrag dieser Studien erschienen 1824 seine „Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe“, womit er ein öffentliches Bekenntnis seines Glaubens ablegte, dem er als persönliche Huldigung folgende Verse in dem Widmungsexemplar an Goethe beifügte:
Aus diesen Worten sprach neben der aufrichtigen Dankbarkeit des Schülers dem Meister gegenüber auch ein Gefühl tiefer Verehrung für den Menschen Goethe, dessen Güte und Herzlichkeit Eckermann, als er diese Zeilen am 3. Oktober 1823 schrieb, schon verschiedentlich in Worten und durch die Tat erfahren hatte. Goethe selbst war ihm bei der Herausgabe seiner „Beyträge“ behilflich gewesen; auf seine Empfehlung hin war das Buch bei einem der ersten Verleger Deutschlands, bei Cotta erschienen, er hatte ihm bei seinen Jenenser Freunden Eingang verschafft, und ihn schließlich zur Mitarbeit bei der Herausgabe seiner Werke herangezogen. Täglich verkehrte er von da ab, wie nur wenige, in dem Haus am Frauenplan; er war bei Goethe mit zu Tisch, er begleitete ihn auf Spazierfahrten, zu später Stunde saß er in dem traulichen Arbeitszimmer bei Kerzenlicht mit ihm zusammen; sie redeten von diesem und jenem, von ernsten Problemen und Alltäglichem; so wurde er der Vertraute von vielem, was Goethe als Dichter und Mensch bewegte. Und mehr und mehr wuchs bei ihm die Liebe zu dem Menschen Goethe. Diesen darzustellen wurde für ihn ein Lieblingsgedanke; so entstanden seine ersten Aufzeichnungen, die als Tagebuchnotizen vom 10. Juni 1823 ab angelegt wurden. Daß er bei der späteren Bearbeitung diese Form beibehalten hat, daß er nicht eine systematisch zusammengefaßte Biographie aus ihnen gestaltete, ist ein besonderer Vorzug seiner Arbeit. Möglicherweise wurde er dazu durch die „Conversations of Lord Byron“, von Th. Medwin angeregt, die 1824 in London erschienen waren und einen großen Leserkreis hatten, vielleicht aber – und das wäre das näher liegende – wirkten Goethes Italienische Reise und Dichtung und Wahrheit bestimmend auf diese Fassung, die den Vorzug größerer Lebendigkeit durch Rede und Widerrede, Meinung und Gegenmeinung für sich hatte. Als Eckermann schon 1824 seinen Plan Goethe eröffnete, fand er diesen geneigt. Trotz seiner Zustimmung sollte sich die Veröffentlichung von Jahr zu Jahr hinausschieben, woran vielleicht weniger Eckermanns Saumseligkeit schuld war, als vielmehr die starke Beanspruchung durch Goethe. So blieb das Manuskript liegen, und erst vier Jahre nach Goethes Tode kam es zur Veröffentlichung. Die Beurteilung, die Eckermanns Werk in den verschiedensten Kreisen fand, war, abgesehen von einigen bissigen Bemerkungen Heines und Börnes, durchweg eine außerordentlich günstige. Die einstigen Freunde Goethes, wie der Kanzler von Müller, der zur gleichen Zeit die Absicht gehabt hatte, seien Unterhaltungen mit dem Dichter zu veröffentlichen (erst 1870 von c. A. H. Burkhardt herausgegeben) und der Geheime Legationsrat Soret, ehemaliger Erzieher des Erbgroßherzogs Carl Alexander, spendeten ihm volles Lob, die in- und ausländische Presse begrüßte es mit lebhaftem Beifall und widmete ihm eingehende Besprechungen, in Briefen und in Gesellschaften unterhielt man sich darüber. Der Verfasser hatte es verstanden, sich zum „durchsichtigen Spiegel“ zu machen, durch den man in die tiefsten Geheimnisse der Persönlichkeit des Dichters blickte und ein besonderer Wert der Gespräche lag darin begründet, daß sie „halb und halb als ein Werk Goethes und zwar als ein gesprochenes“ angesehen werden konnten. Der ideelle Erfolg des Buches schien gesichert, so daß sich Eckermann bald darauf zur Ausarbeitung eines dritten Teils ermutigt fühlte. Aber hierbei traten mancherlei unvorhergesehene Hindernisse in den Weg. Vor allem zeigte sich sehr bald, daß seine Aufzeichnungen nicht ausreichten, um ein ganzes Bändchen zu fühlen. Aus dieser Verlegenheit half ihm jedoch sein Freund Soret, der sich aus den Unterhaltungen mit Goethe während seiner Weimarer Zeit gleichfalls ein Manuskript angelegt hatte und dieses nun Eckermann zur Verfügung stellte . Mit Benutzung desselben kam der dritte Teil zustande, der 848 in Magdeburg bei Heinrichshofen erschien, da zwischen dem Verfasser und dem Verlag Brockhaus unliebsame Streitigkeiten vorgekommen waren. Ein vierter Teil, der nur Goethes Äußerungen über den zweiten Teil des Faust enthalten sollte, mußte indessen Fragment bleiben. Der unerwartete Tod Eckermanns am 3. Dezember 1854 durchkreuzte diesen Plan. Erst dreizehn Jahre später gelang es Brockhaus das Verlagensrecht für den dritten Teil von Heinrichshofen zu erwerben und dem Buch dadurch nach außen hin die erwünschte Geschlossenheit zu geben. Seit jener Zeit ist seine Bedeutung ständig gewachsen. Den Platz in der Weltliteratur, zu dem es von Anfang an berechtigt war, hat es sich mehr und mehr erobert, in alle Schichten des Volkes ist es gedrungen, und wie ein ewig sprudelnder Quell bietet es immer von neuem dem beschaulichen Leser reinste Freude und tiefste Erkenntnis dem suchenden Forscher. So faßte, um nur einen anzuführen, Friedrich Nietzsche sein Urteil über die Gespräche in folgende Worte zusammen: „Wenn man von Goethes Schriften absieht und namentlich von Goethes Unterhaltungen mit Eckermann, dem besten deutschen Buche, das es gibt: was bleibt eigentlich von der deutschen Prosaliteratur übrig, das verdiente, wieder und wieder gelesen zu werden?“ Literatur- und Kulturgeschichte haben aus dieser Quelle reichlich geschöpft und auch die Kunstgeschichte besinnt sich neuerdings auf den Wert, der hier verborgen ist. Ein Buch, das so sehr nach Anschauung drängt, wie die „Gespräche“, das soviel über Probleme der Kunst spricht und zumeist an der Hand ganz bestimmter Kunstwerke, fordert von selbst eine Illustrierung. Eine lückenlose Durchführung dieser Aufgabe bleibt noch der Zukunft vorbehalten: Die orientierenden Gesichtspunkte, nach denen dabei verfahren werden muß, zeigt das nachstehende Abbildungsverzeichnis. Der Weg geht durch die schlichten Räume des Hauses am Frauenplan hin zu Goethe, der uns hier als eifriger Kunstsammler erscheint; an seiner Zeit führt er vorbei bis zu den entlegensten Grenzen der Kunst und wieder zurück; Antike und Renaissance, Barock und Klassizismus, Plastik und Malerei, Kunstgewerbe und Graphik ziehen vorüber und wir durchwandern Italien und Frankreich, die Niederlande und Deutschland. Ein weites, kaum übersehbares Gesamtbild rollt sich vor uns auf, ein Bild, das trotz seiner Mannigfaltigkeit durch die gewaltige Persönlichkeit Goethes einen festen Zusammenhalt bekommt. Weimar, H. T. K. |
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Jürgen Kühnle
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