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Homepage Literatur Johann Wolfgang von Goethe Biografien Schaefer - Goethes Leben Inhalt Erster Band Vorrede Kindheit und Jugend 1749 - 1765 1765 - 1768 1768 - 1771 1771 - 1773 1744 1775 Weimarsche Lehrjahre 1776 1777, 1778 1779 1780, 1781 1782 1783 - 1786 Zweiter Band Widmung Ital. Reisejahre, Rev.-Epoche 1786 - 1788 1788 - 1791 1792, 1793 1794 - 1796 1797 - 1799 1799 - 1805 Goethe im Alter 1806 - 1813 1813 - 1819 1820 - 1825 1826 - 1832 Beilagen I. Charlotte von Stein II. Rede weißer Falkenordens III. Vermächtnis j. Nachwelt Schlusswort |
II.Rede bei der Feierlichkeit der Stiftung des weißen Falkenordens.(Am 30. Januar 1816.)
Durchlauchtigster Großherzog! Ew. Königl. Hoheit haben in diesen neusten Zeiten Ihre sämtlichen Angehörigen mit so viel Huld und Gnaden überrascht, dass es besser schien, stillschweigend das mannigfaltige Gute zu verehren, als die reinen heiligen Empfindungen des Dankes durch Wiederholung zu erschöpften oder abzustumpfen. Wie verlegen muss ich mich daher fühlen, wenn ich mich berufen sehe, in Ew. Königl. Hoheit Gegenwart die Empfindungen gleichfalls gegenwärtiger, aufs neue höchst begünstigter Männer anständig auszudrücken. Glücklicherweise kommt mir zustatten, dass ich nur dasjenige wiederholen darf, was seit mehr als vierzig Jahren ein jeder, dem beschieden war, in Ew. Kön. Hoheit Kreise zu wirken, sodann jeder Deutsche, jeder Weltbürger mit Überzeugung und Vergnügen ausspricht, dass Höchstdieselben mehr für andere als für sich selbst gelebt, für andere gewirkt, gestritten und keinen Genuss gekannt, als zu dessen Teilnahme zahlreiche Gäste geladen wurden, so dass, wenn die Geschichte für Höchstdieselben einen Beinamen zu wählen hat, der Ehrenname des Mitteilenden gleich zur Hand ist. Und auch gegenwärtig befinden wir uns in demselben Falle; denn kaum haben Ihro K. H. nach langem Dulden und Kämpfen sich neu belebten Ruhmes, erhöhter Würde, vermehrten Besitzes zu erfreuen, so ist Ihro erste Handlung, einem jeden der Ihrigen daran freigebig seinen Teil zu gönnen. Älteren und neueren Kriegsgefährten erlauben Sie, sich mit der hohen Purpurfarbe zu bezeichnen, und aus denen sorgsam und weislich erworbenen Schätzen sieht ein jeder sein häusliches Glück begünstigt. Nun aber machen Sie eine Anzahl der Ihrigen und Verbundenen Ihrer höchsten Würde teilhaftig, indem ein Zeichen verliehen wird, durch welches alles ich an Höchstdieselben herangehoben fühlen. Diese dreifach ausgespendeten Gaben sind mehr als hinreichend, um unvergesslich scheinende Übel auf einmal auszulöschen, allen in dem Winkel des Herzens noch allenfalls verborgenen Missmut aufzulösen und die ganze Kraft der Menschen, die sich bisher in Unglauben verzehrte, an neue lebendige Tätigkeit sogleich heranzuwenden. Jede Pause, die das Geschäft, jede Stockung, die das Leben noch aufhalten möchte, wird auf einmal zu Schritt und Gang, und alles bewegt sich in einer neuen fröhlichen Schöpfung. Betrachten wir nun wieder den gegenwärtigen Augenblick, so erfreut uns das hohe Zeichen der Gnade, welches, vom Ahnherrn geerbt, Ew. Hoheit in der Jugend schmückte. Gesinnungen, Ereignisse, Unbilden der Zeit hatten es dem Auge entrückt, damit es aufs Neue zur rechten Stunde glänzend hervorträte. Nun bei seiner Wiedererscheinung dürfen wir das darin enthaltene Symbol nicht unbeachtet lassen. Man nennt den Adler den König der Vögel, ein Naturforscher jedoch glaubt ihn zu ehren, wenn er ihm den Titel eines Falken erteilt. Die Glieder dieser großen Familie mögen sich mit noch so vielerlei Namen unterschieden: Der weiß gefiederte, der uns gegenwärtig als Muster aufgestellt ist, wird allein der Edle genannt. Und doch wohl deswegen, weil er nicht auf grenzenlosen Raub ausgeht, um sich und die Seinigen begierig zu nähren, sondern weil er zu bändigen ist, gelehrig dem kunstreichen Menschen gehorcht, der nach dem Ebenbild Gottes alles zu Zweck und Nutzen hinleitet. Und so steigt das schöne, edle Geschöpf von der Hand seines Meisters himmelauf, bekämpft und bezwingt die ihm angewiesene Beute und setzt durch wiederholt glücklichen Fang Herrn und Herrin in den Stand, das Haupt mit der schönsten Federzierde zu schmücken. Und so dürfen wir denn schließlich den hohen Sinn unseres Fürsten nicht verkennen, dass er zu dieser Feier den friedlichsten Tag gewählt, als einen, der uns schon so lange heilig ist und welchem seit so vielen Jahren die Künste ihren mannigfaltigsten Schmuck, soviel sie nur vermochten, anzueignen und zu widmen suchten. Heute wendet sich diese Zierde gegen uns, wir begehen diesen Tag mit ernsten Betrachtungen, die doch nur immer dorthin führen können, dass wir mehr als jemals auf Blick und Wink des Herrn zu achten haben, dessen Absichten ganz und gar auf unser Wohl gerichtet sind. Möge das Glück einem gemeinsamen Bestreben günstig bleiben und wir zunächst die Früchte eifriger Bemühungen dem höchsten Paare und dessen erlauchten Haus als bescheidenen aufrichtigen Dank getrost entgegen bringen und so den Wahlspruch kühn betätigen: Vigilando ascendimus!
Goethe begleitete die Mitteilung der Abschrift der obigen Rede an den Staatsminister von Voigt mit folgendem Schreiben: Ew. Exzellenz auch für meinen Teil für die gestrigen schönen und ehrenvollen Stunden höchlich dankbar, übersende die wenigen von mir gesprochenen Worte. Leider konnt’ ich sie, da mir die Veranlassung so spät gegeben wurde, vor der Feierlichkeit nicht vorlegen. Gegenwärtig geschieht es auf Veranlassung des Kanzlers Müller und Bertuchs, eine Relation der Feierlichkeit sowie des Gesprochenen soll, wie sie sagen, gedruckt werden. Ob sich meine Worte dazu qualifizieren, überlasse Ihrer Beurteilung. Darf ich mir dagegen das von Ew. Exzellenz Gesprochene und das Gedicht, von welchem wir nur den Schluss gehört, gehorsamst ausbitten. Weimar, den 31. Januar 1816. G. |
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