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Homepage Literatur Johann Wolfgang von Goethe Biografien Schaefer - Goethes Leben Inhalt Erster Band Vorrede Kindheit und Jugend 1749 - 1765 1765 - 1768 1768 - 1771 1771 - 1773 1744 1775 Weimarsche Lehrjahre 1776 1777, 1778 1779 1780, 1781 1782 1783 - 1786 Zweiter Band Widmung Ital. Reisejahre, Rev.-Epoche 1786 - 1788 1788 - 1791 1792, 1793 1794 - 1796 1797 - 1799 1799 - 1805 Goethe im Alter 1806 - 1813 1813 - 1819 1820 - 1825 1826 - 1832 Beilagen I. Charlotte von Stein II. Rede weißer Falkenordens III. Vermächtnis j. Nachwelt Schlusswort |
2. Kapitel: 1777, 1778Als Goethe in seinen alten Tagen in Momenten lebhafter Jugenderinnerung seiner Liebe zu Lili gedachte, äußerte er mit tiefer Bewegung, dass er nie wieder wie damals geliebt habe, und alle späteren Liebesverhältnisse in Vergleich mit jenem nur oberflächlich gewesen seien. Dies Wort wird durch sein Leben bestätigt. Wie oft auch sein Herz der Liebe sich wieder geöffnet hat, so reicht doch dieses Gefühl, mag es als unruhvolle Leidenschaft oder als schwärmerische Freundschaft sein Innerstes aufregen und beschäftigen, nicht an jene jugendliche Liebesglut, in der das ganze Dasein, geistiges und sinnliches, zu einer Flamme zusammenschlägt, welche, durch die Zukunft ahnungsvoll voranleuchtend, ein unendliches Lebensglück zu verkünden und zu verbürgen scheint. Daher hat auch Goethes Liebespoesie, wie oft auch das Feuer der Leidenschaft und das Glück des Liebesgenusses in seinen Gedichten wiederkehrt, doch die Zauberklänge der Jugendlieder, die nur einmal in unserer Literatur vorhanden sind, nicht wieder gefunden. Es war aber das Bedürfnis eines glücklichen häuslichen Verhältnisses, eines liebevollen Familienlebens in Goethes Natur tief begründet. Dass er dies Entbehren auf der Mittagshöhe seines Lebens schmerzlich empfunden hat, spricht sich in seinem Leben und Dichten deutlich genug aus; auch fehlte es, wie Riemer berichtet, nicht an Versuchen und ernsten Bewerbungen, die aus unbekannten Ursachen erfolglos blieben. Eine seltsame romantische Befangenheit ist es, die Sorge für Weib und Kind mit seinem dichterischen Beruf für unverträglich zu halten. Von seiner ersten Sturm- und Drangperiode mag das gelten. Nach seinem Eintritt in den weimarschen Staatsdienst, wo er mit Anstrengung nach Beruhigung und Resignation strebte, würden in einem reinen Familienleben sich die schönsten Seiten seines Gemüts und sittlichen Charakters entwickelt haben, und er wäre nicht dahin gebracht worden, in minder würdigen Verhältnissen, wie seine nachmalige Ehe war, für die entbehrten Gatten- und Vaterfreuden einen Ersatz zu suchen. Wie ihm Frauenliebe unentbehrlich war, ebenso mächtig war der Zug zu der Natur und Unschuld der Kinderwelt; was uns schon Werther erkennen lässt, wiederholt sich in Weimar, wo er oft die Spiele der Kinder teilt und gegen einen hypochondrischen Freund äußert, der Umgang mit Kindern erhalte ihn froh und jung. Diese Liebesinnigkeit und Liebebedürftigkeit ging aus der Tiefe seiner sittlichen Natur hervor. Es gehört zu seinen letzten Geständnissen, dass es das Ewig-Weibliche sei, was uns hinanziehe, womit die mündliche Äußerung zusammenstimmt, dass er das Ideale nie anders, als unter der Form des Weibes, habe begreifen können. Und wer hätte das Ideal reiner Weiblichkeit wärmer gefühlt, klarer dargestellt, als er? Es hatte aber seine lebendige Empfänglichkeit für die Reize weiblicher Anmut in der leidenschaftlichen Erregbarkeit seiner sinnlichen Natur eine gefährliche Begleiterin, die ihn leicht von der Bahn der Sitte fortriss und ihn verlockte, für das, was er entbehrte, im flüchtigen Rausch des Sinnengenusses Befriedigung zu suchen. Amors geheimnisvoller Schleier verhüllt die Siege des schönen jungen Mannes, welche durch das, was ihm die Natur verliehen, ihm leicht gemacht wurden. Vornehmlich mochte wohl im Beginn des Weimarer Lebens seine Lippe „gewohnt sein von der Liebe süßem Glück zu schwellen, und wie eine goldne Himmelspforte lallende Seligkeit aus und ein zu stammeln“, klagt er doch bald nach diesem, von den Küssen „ringsumfangender Liebe“ durchglühten, Gedichte („an den Geist des Johannes Secundus“) mit reuigem Rückblick, „dass er immer der ganz sinnliche Mensch bleibe.“ Dass die reizende Corona Schröter gegen seine Liebesbewerbung nicht unempfindlich bleib, leidet wohl keinen Zweifel, wenn auch nur leise Andeutungen uns in dies Verhältnis blicken lassen. Allerdings ließ sich Goethe manchmal von der Leidenschaft hinreißen, und, die ihre Macht nicht kennen und erfahren haben, haben es leicht, darüber abzuurteilen; aber man vergesse daneben nicht, die sittliche Stärke anzuerkennen, mit der er den überflutenden Strom in sein ruhiges Bett zurückdrängte und die Selbstbeherrschung zum Grundsatz seines Lebens machte. Nicht in dem Freisein von Fehlern, sondern in der Beherrschung derselben besteht die Tugend. Eine Fügung des gütigen Geschicks, das ihm in der Leitung seines Lebensganges stets so hilfreich entgegenkam, dass er es oft mit dankbaren Rückblicken segnen muss, müssen wir es nennen, dass gleich in dem ersten Jahr seines Weimarer Aufenthalts in Charlotte von Stein ein schützender Genius ihm begegnete1). Charlotte, die älteste Tochter des Hofmarschalls von Schardt, war schon als Hofdame der Herzogin Amalie eine der anmutigsten Gestalten im Kreis der Fürstin. Seit 1764 war sie mit dem herzoglichen Stallmeister, Baron Friedrich von Stein, Erbherrn auf Kochberg, einem Mann von sehr geschätztem Charakter, verheiratet. Mit dem Hof blieb sie in innigem Verkehr. Eine feine gesellschaftliche Bildung, frühzeitige Teilnahme an allen den geistigen Anregungen, welche das Lebenselement des weimarschen Hofzirkels geworden waren, gaben ihrem Wesen eine Eleganz und Sicherheit, welche, verbundne mit Schönheit und vielseitig ausgebildetem künstlerischen Talent, sie zu einer der vorzüglichsten Zierden der höheren Gesellschaftskreise machten. Aus der Tiefe ihres Gemüts floss das klare Bewusstsein über sich und die Welt, jene Ruhe und Milde, wodurch sie streitendes zu versöhnen und Exzentrisches in die Schranken der Sitte zurückzuleiten wusste. So erwarb sie sich die Achtung aller und das Vertrauen der Besten. Das redenste Zeugnis gibt ihr die innige, nur durch den Tod gelöste Freundschaft mit der zartfühlenden Herzogin Luise. Frau von Stein schloss ihr dreiunddreißigstes Jahr, als Goethe sie zum ersten Mal sah. Es ist bereits erwähnt, wie sehr ihr Bild durch Zimmermanns Schilderung schon im voraus in seiner Seele lebendig geworden war. Die Bekanntschaft wuchs bald zu inniger Verehrung und Anhänglichkeit, aus der blad die Flamme der Leidenschaft emporschlug. Diese Heftigkeit der Liebe wies sie von sich; sie sah das Gefahrvolle eines Verhältnisses voraus, in welchem die Pflicht mit der leidenschaftlichen Neigung den schweren Kampf zu bestehen haben würde. Und doch konnte sie auch nicht allzu streng von dem jungen Mann sich weg wenden, der Liebe flehend mit solcher Wärme sich ihr hingab, dass sie darin eine tiefere Empfindung erkannte, als die flüchtige, vom Reiz des Augenblicks erregte Neigung. In dem Maß, als seine Liebe sich zu diesem edleren und reineren Gefühl läuterte, fand sie bei ihr die entsprechende Erwiderung. Es musste ihr als ein schöner Beruf erscheinen, das stürmische, noch im verworrenen Treiben des Lebens hin- und herschwankende Gemüt des jungen Dichters zu besänftigen, mit sich und der Welt zu versöhnen und seiner höheren Bestimmung entgegenzuführen. Mit besonnener Selbstbeherrschung und weiblichem Zartgefühle wies sie die Liebe ihres schwärmerischen Verehrers in die sittlichen Schranken, in denen sie „ohne dass ihr Gewissen sie anklagte“ – man wird an bekannte Worte der Königin in Schillers Don Carlos erinnert – zwölf Jahre hindurch, die reichste, zu immer höherer Vollendung und Reife sich steigernde Entwicklungszeit unsers Dichters, fortbestand, als „das reinste, schönste, wahrste Verhältnis, das er außer seiner Schwester je zu einem Weib gehabt.“ Dies trübte nicht ihr häusliches Glück, störte nicht Goethes freundschaftliches Verhältnis zu ihrem Gatten, ja es blieb sogar verschont von dem Urteil der Welt, das sie anfangs fürchtete, weil diese bekanntlich solche Verbindungen mit Argusaugen bewacht. Daher konnte späterhin Schiller an seinen Freund Körner berichten, man sage in Weimar, dass ihr Umgang mit Goethe ganz rein und untadelhaft sei. Es ist anziehend, wie der jüngere Dichter in diesem Brief den Eindruck schildert, den die damals 45jährige Frau auf ihn machte: „… eine wahrhaftig eigene interessante Erscheinung, von der ich begreife, dass Goethe sich so ganz an sie attachiert hat. Schön kann sie nie gewesen sein (?), aber ihr Gesicht hat einen sanften Ernst und eine ganz eigene Offenheit. Ein gesunder Verstand, Gefühl und Wahrheit liegen in ihrem Wesen. Diese Frau besitzt über 1000 Briefe von Goethe, und aus Italien hat er ihr noch jede Woche geschrieben.“ Die ersten Jahrgänge dieser Briefsammlung, von der ein Teil in Goethes Reiseschilderungen verarbeitet worden ist, sind jetzt veröffentlicht und gestatten uns die Innigkeit dieses Verhältnisses in den lebendigsten Mitteilungen nachzuempfinden und seinen Einfluss auf Goethes Seelenleben, der in einzelnen Gedichten „an Lida“ und vornehmlich in seinem Torquato Tasso die poetische Verherrlichung gefunden hat, zu würdigen.
Wie Beatrice noch einem jeden, der von Dante durch die Räume des Paradieses geführt wird, im Strahlenkranze entgegentritt, so wird auch Charlotte von Stein unvergessen bleiben, so lange noch deutsche Herzen von Goethes Torquato Tasso erwärmt und erhoben werden. Schon mit dem Jahr 1777 geht der anfänglich stürmische Ton der Briefe in einen ruhigern über Goethe nennt sie häufig die Besänftigerin, die seinem brausenden Blut Linderung gibt. Geleitet von dieser Liebe, zeiht sich sein Gemüt mehr und mehr aus der genialen Brausezeit heraus und gewinnt eine besonnene Fassung und „einen täglich wachsenden Frieden“. Während er fühlt, dass nach andern Seiten hin „die Blüte des Vertrauens, der Offenheit, der hingebenden Liebe täglich mehr welkt“ und „sich eiserne Reifen um sein Herz legen“, ist ihm bei der Freundin eine Stätte zarten Verständnisses und reiner Teilnahme aufbehalten, und „eine Liebe und Vertrauen ohne Grenzen ist ihm zur Gewohnheit geworden“; sie ist sein zweites Selbst, an das er alles richtet“, so dass er sich auch in der Entfernung stets zu ausführlichen Mitteilungen an sie gedrungen fühlt. Der sittliche Einfluss dieser Freundschaft bewährt sich im Fortgang seines Lebens mehr und mehr. Je größer der Drang der Geschäfte wird, desto erhebender fühlt er die Stärkung, die von der Freundin in seine Seele fließt. Ihre Gegenwart macht das nichtige Getriebe, das ihn oft quält, erträglich, ein freundlich Gesicht von ihr macht ihm die Anstrengung leicht, und im Gespräch mit ihr erholt er sich von dem Zwang des Tages; so wird ihm „ihr Wesen und ihre Liebe einer süßen Musik vergleichbar, die uns in die Höhe hebt und unsern Sorgen und Schmerzen eine weiche Wolke unterbreitet.“ In dieser reinen Ätherhöhe erhielt sich ihre Seelengemeinschaft, nachdem Goethe sein dreißigstes Lebensjahr zurückgelegt hatte, viele Jahre hindurch ohne eine Schwankung, und es wird sich im Verlauf der Erzählung noch manche Gelegenheit darbieten, auf diesen seltenen Liebesbund zurückzukommen. Schon im zweiten Jahr des Weimarers Aufenthalts bemerkt man bei Goethe den Übergang in eine neue Lebens- und Dichterepoche, der den Mitlebenden rätselhaft bleiben musste; doch war dieser in seinem innersten Wesen schon früher vorbereitet. Seinem lebendigen Sinn für die äußere Welt, seinem kecken Humor, in welchem der Geist des Dichters ganz auf das bunte Treiben der Menge gerichtet schien, stand, dem Auge der Menge verborgen, die Neigung zu stiller Beschaulichkeit und Zurückgezogenheit von der Welt zur Seite. Manche frühere Vorgänge haben schon diese Doppelnatur unsers Dichters vor uns enthüllt, und eine richtige Auffassung derselben gibt uns das Verständnis seines Lebens an die Hand. Schmerzliche Erfahrungen, die ihm bei seiner offenen und geraden Hingebung an die Welt nicht erspart wurden, Übersättigung im lustigen Jagen nach Vergnügungen, bei denen sein Inneres unbefriedigt blieb, endlich das immer innigere Vertiefen in Natur und Gemüt, woran die gesteigerte Tätigkeit und die durch zarte weibliche Freundschaft befestigte sittliche Besonnenheit gleichen Anteil hatten, alles dies verlieh nach und nach seiner kontemplativen Richtung das Übergewicht. In seinem Leben und Dichten zeigte sich eine Veränderung, in die sich anfangs selbst seine nächste Umgebung nicht zu finden wusste, und die nur bei reich begabten Naturen von innen heraus und ohne Künste des Scheins herbeigeführt wird. Sie ging daher in Goethe nicht urplötzlich vor sich. Auch in seinem stilleren Lebensgang wird der muntere Humor noch manchmal entfesselt und entreißt dem sittlichen Ernst auf eine Weile die Zügel. Von den nächsten Folgen dieser Veränderung wurden die Freunde getroffen, die an seine offene und lebendige Mitteilung gewöhnt waren. Wieland stimmt schon im Februar 1777 diese Klage an und legt sich den Grund auf seine Weise aus. „Was für herrliche Stunden und halbe Tage lebt’ ich mit ihm im ersten Jahr! Nun ist’s, als ob in den fatalen Verhältnissen, worin er steckt, ihn sein Genius ganz verlassen hätte; seine Einbildungskraft scheint erloschen; statt der allbelebenden Wärme, die sonst von ihm ausging, ist politischer Frost um ihn her. Er ist immer gut und harmlos, aber – er teilt sich nicht mehr mit.“ Damit stimmt den Goethes gleichzeitige Äußerung an Lavater: „Ich bin stiller in mir als je, schreibe niemanden, höre von niemanden, mich kümmert außer meinem Kreis nun gar nichts.“ In dem glücklichen Gefühl dieser Zurückgezogenheit vergaß er, dass er gegen die den entfernten Freunden schuldigen Rücksichten verstieß, und es konnte sein Schwager Schlosser wohl mit Recht ungehalten sein, dass er ihm durch einen Bedienten einen Brief hatte schreiben lassen. Sicherlich entbehrte auch die Schwester, „abgeschnitten von allem, was gut und schön in der Welt ist“ (so klagen die letzten Zeilen ihres Briefes an Frau von Stein unterm 20. Oktober 1776), des gewohnten freundlichen Trostes seiner Briefe. Ihren Tod hatte er nicht so nahe geglaubt. Die Trauerbotschaft traf ihn am 16. Juni; in seinem Tagebuch bezeichnet er ihn mit den Worten: Dunkler, zerrissener Tag, und die folgenden Tage mit: Leiden und Träume. Seinen Schmerz sprechen die Verse aus, die ihm eine herrliche Sommer-Mondnacht eingab:
und mehr noch die beglückwünschenden Briefe bei Schlossers Verlobung mit Johanne Fahlmer im November desselben Jahres. „Gott segne Dich“, schreibt er an die Braut, „und lasse Dich lange leben auf Erden, wenn’s Dir wohl geht. Mir ist’s wunderlich auf Deinen Brief; mich freut’s, und ich kann’s noch nicht zu Recht legen. – Dass Du meine Schwester sein kannst, macht mir meinen unverschmerzbaren Verlust wieder neu; also verzeihe meine Tränen bei Deinem Glück. Das Schicksal habe seine Mutterhand über Dir, und halte Dich so warm, wie’s mich hält, und gebe, dass ich mit Dir Freuden genieße, die es meiner armen ersten versagt hat.“ Mit eben der tiefen Rührung äußert er in dem gleichzeitigen Brief an seine Mutter: „Mit meiner Schwester ist mir so eine starke Wurzel, die mich an der Erde heilt, abgehauen worden; dass die Äste von oben, die davon Nahrung hatten, auch absterben müssen“, eine Bestätigung seiner in dem ersten Trauerbrief nach Cornelias Tod ausgesprochenen Worte, dass wir heftigen Schmerz nur kurze Zeit, Trauer lange empfinden. Die Frühlings- und Sommermonate lebte Goethe meist, soweit es seine Amtsgeschäfte erlaubten, in seinem Garten an der Ilm, wo er mit dem Anbau eines Altans und der Anpflanzung von Bäumen und Hecken beschäftigt war, „die noch jetzt das hoch gewölbte schattige Laubdach bilden, unter dem er ein halb Jahrhundert lang nicht nur einsam sinnend und dichtend zu wandeln liebte, sondern auch gastlich Fremde wie Einheimische gern empfing und geistig und leiblich zu bewirten pflegte“2). In diesem Glück der Stille war ihm das Zeichnen wieder sehr lieb geworden und füllte auch bei dem Ilmenauer Aufenthalt (im August) die einsamen Stunden aus. Außer landschaftlichen Gegenständen zeichnete er besonders Portraits, sein eigenes und die seiner Freunde und Freundinnen, Wielands, der Frau von Stein, der Corona Schröter und anderer. Auch bildete sich unter den Rückblicken auf die hinter ihm liegende Bildungsperiode der Plan zu dem Roman ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre’ aus, dessen erstes Buch in dem Jahr 1777 verfasst ward. Die Fortsetzung und Überarbeitung dieser Dichtung, zu der die nächstfolgenden Jahre noch reichhaltigen Stoff von Lebenserfahrungen hinzutrugen, zieht sich durch eine lange Reihe von Jahren. An den schönen Zug, den er dem Helden dieses Romans leiht, für die Pflege der Verlassenen zu sorgen, werden wir, wie schon durch ein früheres Beispiel, gerade damals durch die väterliche Fürsorge erinnert, mit der sich Goethe eines Schweizer Hirtenknaben, Peter Imbaumgarten, annahm. Dieser hatte dem Baron von Lindau, einem jungen Hannoveraner, mit dem Goethe auf der Schweizerreise befreundet wurde, das Leben gerettet und war von ihm als Pflegling angenommen. Nach dem frühen Tod seines Beschützers, der ihm ein Vermächtnis aussetzte, nahm ihn Goethe zu sich. In den jetzt bekannt gewordenen Briefen Goethes haben wir den Beweis, „wie sehr ihm der Junge am Herzen lag“ und wie väterlich er für seine Ausbildung Sorge trug. In Ilmenau hielt er sich von den lustigen Gebirgsstreifereien mehr entfernt. In Stutzerbach jedoch war wieder der alte Humor erwacht; er tanzte im Freien mit den Bauernmädchen bis tief in die Nacht. Dafür ward er mit einer schmerzhaften Geschwulst der Backe bestraft, wodurch er in Eisenach, wohin sich im Beginn des Septembers der Herzog mit seinem Jagdgefolge begab, das Zimmer zu hüten gezwungen wurde. Während die Gefährten auf Jagden auszogen, ersinnt er „eine Tollheit, eine komische Oper, ‚die Empfindsamen’, so toll und grob als möglich“, und fängt gleich an, sie seinem Schreiber zu diktieren. Die Gestalt, in der wir das Stück unter dem Title ‚der Triumph der Empfindsamkeit’ besitzen, weicht von der ersten sehr ab. „Einmal war es kürzer, einfacher, man könnte sagen, ländlicher, idyllischer, dagegen wieder sarkastischer, durch eine humoristische Schilderung des bis auf den letzten Diener geldsüchtigen Personals am Tempel des Orakels“3). In die spätere Bearbeitung ward das Monodram „Proserpina“, wie Goethe selbst einräumt, „freventlich“ eingeschaltet und die ernste Tendenz dieser Dichtung zerstört, während das Stück selbst dadurch an Einheit und Plan verliert. Die Idee zu dieser Parodie der Sentimentalität wurde zunächst durch die Zuschriften mancher empfindsamen Jünglinge veranlasst, welche bei Goethe, als dem Dichter des Werther, Rat und Trost suchten. So sehr auch Teilnahme für fremde Seelenleiden in seinem Charakter lag – unsere Erzählung hat bald von schönen Beweisen derselben zu berichten – so entging ihm auch nicht die komische Seite der krankhaften Sentimentalität, welche grillenhafte Einbildungen und romanhafte Selbstquälereien an die Stelle wahrer Empfindung setzte. Goethes gesudne Natur hatte diesen Krankheitsstoff, der in der Zeit lag, stets wieder hinausgeworfen, indem er ihn dichterisch bearbeitete; aber weil er durch seine eigenen früheren Dichtungen ihm neue Nahrung gegeben hatte, so schonte seine Satire auf seinem jetzigen freien Standpunkt auch jene nicht, und Wieland konnte sich bei diesem Stück über die Verspottung seiner Alceste damit trösten, dass es dem Werther um nichts besser erging. Mit diesem Scherz war aber keine Verurteilung seiner Jugenddichtung ausgesprochen. Er war zwar über die Wertherperiode hinausgegangen, aber dass er mit seinen Jugendgefühlen nicht gebrochen hatte, kann eine Vergleichung der Briefe an Charlotte von Stein mit den Wertherbriefen am besten lehren. Es ist noch dieselbe Lyrik des Herzens, dasselbe zarte Einleben der Seele in die Romantik der Natur. Wie eine bekannte Melodie klingt es uns an, wenn er von der Wartburg herab an die Freundin schreibt (13. September, abends 9 Uhr): „Hier oben! Wenn ich Ihnen nur diesen Blick, der mich nur kostet aufzustehen vom Stuhl, hinübersegnen könnte. In dem grausen, linden Dämmer des Monds die tiefen Gründe, Wieschen, Büsche, Wälder und Waldblößen, die Felsenabgänge davor, und hinten die Wände, und wie der Schatten des Schlossbergs und Schlosses unten alles finster hält und drüben an den sachten Wänden sich noch anfasst; wie die nackten Felsspitzen im Mond roten, und die lieblichen Auen und Täler ferner hinunter, und das ferne Thüringen hinterwärts im Dämmer sich dem Himmel mischt. Liebste, ich hab’ eine rechte Fröhlichkeit dran, ob ich gleich sagen mag, dass der belebende Genuss mir heute mangelt. Wie der lang’ Gebundene reck’ ich erst meine Glieder; aber mit dem rechten Gefühl von Dank, wie der Durstige ein Glas Wasser nimmt, und die Heiligkeit des Brunnens und die Liebheit der Welt nur nebenweg schaut. Wenn’s möglich ist zu zeichnen, wähl’ ich mir ein beschränkt Eckchen; denn die Natur ist zu weit herrlich hier über jeden Blick hinaus! Aber auch was für Eckchen hier! O man sollte weder schreiben noch zeichnen!“ Acht Tage darauf, am 21. September, kam Merck zum Besuch nach Eisenach, wo er eine Woche mit Goethe und dem Herzog zusammen verlebte. Auch der Herzog fühlte sich von der Tüchtigkeit und Einsicht des erfahrenen Mannes angezogen, und vertrauliche Gespräche zwischen den drei Männern wurden oft bis tief in die Stunden der Nacht fortgesetzt. Die edle Natur des Fürsten, „den die Esel“, wie Merck sich in seiner derben Weise in einem Brief an Nicolai ausdrückt, „zu einem schwachen Menschen gebrandmarkt haben, und der ein eisenfester Charakter ist“, gewann seine vollste Verehrung. „Ich würde“, schreibt er in eben jenem Brief, „aus Liebe zu ihm eben das tun, was Goethe tut, … er ist einer der respektabelsten und gescheitesten Menschen, den ich je gesehen habe;“ und in einem andern Brief an eine Freundin: „Der Herzog ist, man mag sagen, was man will, ein trefflicher Mensch, und wird’s in Goethes Gesellschaft noch mehr werden; alles was man aussprengt, sind Lügen der Hofschranzen.“ Der Herzog stand seitdem mit Merck in lebhaftem Briefwechsel und bediente sich vornehmlich seines Rats bei Einkäufen von Kunstwerken. Erst im Frühling 1779 kam Merck auf anderthalb Monate zu Besuch nach Weimar und genoss am Hof Auszeichnung und Liebe. Dass sich in seinem freundschaftlichen Verhältnis zu Goethe nichts veränderte, geht zur Genüge aus den Bemerkungen hervor, die Goethe nach Abreise des Freundes in sein Tagebuch schrieb: „Gute Wirkung von Mercks Gegenwart. Sie hat mir nichts verschoben, nur wenige dürre Schalen abgestreift und im alten Guten mich befestigt … Da er der einzige Mensch ist, der ganz erkennt, was ich tue und wie ich’s tue, und es doch wieder anders sieht, wie ich, von anderem Standort, so gibt das schöne Gewissheit.“ Dass eben derselbe grade Mann nicht geäußert haben kann, was ihm von Falk in den Mund gelegt wird und so oft nachgeschrieben worden ist: „Was, Teufel, fällt dem Wolfgang ein, hier in Weimar am Hof herumzuschranzen und zu scherwenzen, andere zu hudeln oder, was mir alles eins ist, hudeln zu lassen? Gibt es denn nichts Besseres für ihn zu tun?“ – darüber ist wohl kein Wort zu verlieren. Am 10. Oktober kehrte Goethe in sein Gartenhaus zurück, nach welchem ein Gefühl von Heimweh ihn oft aus der Ferne hingezogen hatte – „kein lieberes, sich wärmer an einen anlegendes oder, wie die Schwaben sagen, einen mehr anheimelndes Plätzchen auf Gottes Boden“ nennt es selbst Wieland. Der reinste Friede wehte hier um die weich gestimmte Seele des Dichters, und das Gefühl des Glücks wird an manchen Stellen seines Tagebuchs und seiner Briefe ein Gebet des Dankes. Den Tag seines Eintritts in Weimar beging er mit gerührtem Rückblick auf die Bahn, die ihn bis hierher gebracht. „Mit einem Blick auf den Morgen, da ich vor zwei Jahren zuerst in Weimar aufwachte, und nun bis hierher, ist mir wunderbar fröhlich und rührend geworden: Was mir das Schicksal alles gegeben hat, und wie nach und nach, wie man Kindern Freuden macht, dass ich jedes Gut erst ganz ausgekostet, mir so ganz eigen gemacht habe, das sich in die von mir ehedem entferntesten Gefühle und Zustände lieblich bin hineingeleitet worden.“ – „Heiliges Schicksal!“ – so schreib er beim Erwachen am Morgen des 14. November. – „Du hast mir mein Haus gebaut und ausstaffiert über meine Bitten. Ich war vergnügt in meiner Armut unter meinem halbfaulen Dach, ich bat dich, mir’s zu lassen; aber du hast mir Dach und Beschränktheit vom Haupt gezogen, wie eine Nachtmütze. Lass mich nun auch frisch und zusammengenommen der Reinheit genießen! Amen, ja Amen winkt der erste Sonnenblick.“ Daher glaubt er auch, wenn er Komponist wäre, würde ihm die Melodie des Amens am herrlichsten geraten. Um jene Zeit entstand wahrscheinlich das Gedichtchen „Hoffnung“, dessen Jahreszahl 1775 jedenfalls irrig ist:
Doch mit Ende November rief es ihn aus diesem glücklich-häuslichen Zustand wieder hinaus auf Abenteuerfahrten. Die Eisenacher Bauern beklagten sich seit längerer Zeit über die Verheerungen, welche die wilden Schweine anrichteten. Der Herzog veranstaltete daher eine große Jagdpartie. Goethe konnte nicht umhin, dieser beizuwohnen, erbat sich jedoch die Erlaubnis, nach einem kleinen Umweg sich anschließen zu dürfen. Er entwarf sich den Plan zu einer Harzreise, den er vor den Vertrautesten, auch vor der Frau von Stein, verborgen hielt. In dieser Winterreise veranlassten ihn mehrere Gründe. Der nächste, den seine Erzählung4) uns verschweigt, war unstreitig die Unlust, sich wochenlang auf Schweinehatzen und Jagdstreifereien umher zu treiben. War ihm auch die Ruhe in Weimar nicht gegönnt, so konnte er dafür das Glück erhebender Einsamkeit in einer großartigen Gebirgslandschaft genießen, und „alles Winterwesen hatte überdies in jener Zeit für ihn große Reize.“ Dann aber war es auch, seit er sich der Wiederherstellung des Ilmenauer Bergwerkes mit Eifer angenommen hatte, ein lang gehegter Wunsch, das ganze Berg- und Hüttenwesen durch unmittelbares Anschauen kennen zu lernen, und „was die Bergwerke betraf, so war ja in ihren Tiefen weder Winter noch Sommer merkbar.“ Zugleich konnte er durch diese Reise sich noch eine andere Last vom Herzen wälzen. Victor Leberecht Plessing, der Sohn des Superintendenten zu Wernigerode, war einer von jenen Jünglingen, die durch sentimentale Überspanntheit und düstere Selbstqual sich aufrieben und ins Unglück stürzten. „Ein dunkles Gefühl“, so schildert Plessing in einem zwölf Jahre später geschriebenen Brief seinen damaligen Zustand, „spiegelte mir ein glänzendes Ideal vor, das ich mit blinder Leidenschaft, als eine Geliebte, immer verfolgte. Allein ich fand sie im gewöhnlichen Leben nicht, konnte sie also nicht genießen, und doch war meine Leidenschaft unbegrenzt gegen sie. Hierdurch wurde ich auch … zu den ausschweifendsten Begeisterungen und Bedürfnissen in der höheren Liebe, und hernach zu einem gänzlichen Überdruss des Lebens gebracht.“ Eine Schilderung solchen Inhalts übersandte er an Goethe in einem ausführlichen Schreiben, welches „fast das Wunderbarste war, was diesem in jener selbstquälerischen Art vor Augen gekommen.“ Da die Antwort ausblieb, so folgte ein zweiter, heftigerer Brief, worin Plessing auf Antwort und Erklärung drang und Goethe feierlichst beschwor, sie ihm nicht zu versagen. Da in solchen Zuständen mit einer schriftlichen Anmahnung nicht viel auszurichten ist, zumal bei einem Unbekannten, so war es Goethes Absicht, durch eine persönliche Begegnung den Versuch zu machen, ob dem Unglücklichen zu raten und zu helfen sei. Am 29. November ritt er, indem er sich vom Jagdgefolge trennte, dem Ettersberg zu und gelangte nach Sondershausen, wo er die Nacht blieb. Am folgenden Tag ergötzte er sich an der schönen Aussicht vom Kyffhäuser, deren er sich schon einmal erfreut hatte, als er am letzten Maitag 1776 auf dieser Höhe an der Seite des Herzogs die Sonne hatte aufgehen sehen5); diesmal war es ein schöner Wintertag „in unendlicher gleicher Reinheit.“ Er reiste in strengstem Inkognito und hatte eine herzige Freude daran, wie er dadurch sein Verhältnis zu den Menschen und den Sachen weit wahrer fühle: „Die Menschen streichen sich recht auf mir auf, wie auf einem Probierstein; ihre Gefälligkeit, Gleichgültigkeit, Hartleibigkeit und Grobheit, eines mit dem andern macht mir Spaß. – Ich heiße Weber, bin ein Maler, habe Jura studiert, oder ein Reisender überhaupt, betrage mich sehr höflich gegen jedermann, und bin überall wohl aufgenommen.“ Im Gasthof zu Ilfeld, wo er am zweiten Reisetag nach mancherlei Gefährlichkeiten erst sehr spät, durch einen Boten mit der Laterne geleitet, eintraf, hatte seine Aufnahme einige Schwierigkeit. Kommissarien der höchsten Höfe waren in dem Gasthof versammelt und beschmausten ein beendigtes Geschäft. Er erhielt Unterkunft in des Wirts Bett hinter einem Bretterverschlag in der Gaststube, durch dessen Astlücke er die lustige Gesellschaft mit humoristischem Ergötzen übersehen konnte. Am 1. Dezember begab er sich früh auf den Weg nach Elbingerode, entzückt über die Gebirgsnatur, in die er eintrat, so dass er beständig zeichnend die erhebenden Eindrücke fest zu halten suchte. Im düsteren Schneegewölk schwebte hoch ein Geier über ihm. Da begann er die herrliche Ode:
welche durch die Einzelheiten dieser Reise ihre Erläuterung erhält und zugleich auf die reine Gemütsstimmung des Dichters während dieser Gebirgsreise ein Licht wirft.
Am Nachmittag des 1. Dezembers und fast den ganzen folgenden Tag durchkletterte Goethe das Labyrinth der Baumannshöhle. „Freilich verschwanden vor dem ruhigen blick alle die Wunderbilder, die sich eine düster wirkende Einbildungskraft so gern aus formlosen Gestalten erschaffen mag; dafür bleib aber auch das eigene Wahre desto reiner zurück, und ich fühlte mich dadurch gar schön bereichert.“ Er wandte sich darauf nach Wernigerode, um Plessing zu besuchen. Wir erkennen dessen Selbstschilderung wieder in der Strophe der Ode:
Goethe führte sich im Plessingschen Haus als ein Maler aus Gotha ein. Das Gespräch kam bald auf Weimar und Goethe. Plessing teilte dem Fremden seine Beschwerde über dessen gleichgültiges Schweigen mit, und indem er sein Herz ihm auszuschütten begann, hatte Goethe eine Vorlesung der ihm wohlbekannten Blätter geduldig anzuhören. Er entschuldigte das Schweigen des viel beschäftigten Mannes und versuchte dann, auf den Gemütszustand des Jünglings eingehend, ihn auf Heilmittel seiner Krankheit, Anschließen an Natur und Wirklichkeit in irgendeinem tätigen Sinn hinzulenken; aber alle Versuche wurden mit der Versicherung, es könne und solle ihm nichts in dieser Welt genügen, entschieden abgewiesen. Goethe glaubte sich jetzt von jeder weiteren Pflicht entbunden und ritt des folgenden Tages in der Frühe fort, indem er die Ablehnung einer Einladung mit einem Billet, das er dem Kellner hinterließ, entschuldigte. Später erhielt Goethe von Plessing einen besuch in Weimar. Obwohl er sein heftiges Begehren nach leidenschaftlicher Freundschaft und innigster Verbindung nicht erwidern konnte, so unterhielt er mit ihm doch ein briefliches Verhältnis6) und besuchte ihn 1792 in Duisburg, wo er eine Professur an der Universität bekleidete. Plessing endete sein Leben, das nach der Versicherung eines seiner Freunde recht das eines Unglücklichen war, zu Duisburg 1806. In den nächsten acht Tagen beschäftigte sich Goethe mit den Bergwerken des Harzes. Er begab sich nach Goslar, stieg in den Rammelsberg hinab und besah die Hütten an der Ocker. Dann ging’s nach Klausthal, wo er in die Karoline und Dorothee hinein fuhr; ein sich loslösendes Stück Wacke von 5-6 Zentnern, das vor ihm nieder rutschte und einen Mann zu Boden schlug, hätte auch ihn beinahe zerschmettert. Die einfache, biedere Sitte des armen Gebirgsvolkes tat seinem Gemüt sehr wohl. „Wie sehr ich wieder“, schreibt er aus Goslar an Frau von Stein, „auf diesem dunkeln Zug Liebe zu der Klassen von Menschen gekriegt habe, die man die niedere nennt, die aber gewiss vor Gott die höchste ist! Da sind doch alle Tugenden beisammen, Beschränktheit, Genügsamkeit, grader Sinn, Treue, Freude über das leidlichste Gute, Harmlosigkeit, Dulden, Ausharren –.“ Und einige Tage später aus Klaustal: „Der Nutzen, den das auf meinen phantastischen Sinn hat, mit lauter Menschen umzugehen, die ein bestimmtes, einfaches, dauerndes, wichtiges Geschäft haben, ist unsäglich; es ist wie ein kaltes Bad, das einen aus einer bürgerlich-wollüstigen Abspannung wieder zu einem kräftigen Leben zusammenzieht.“ Der Gipfelpunkt der Reisefreude war das Besteigend es Brockens am 10. Dezember, dessen Schnee behangener Scheitel ihm der Altar des lieblichsten Dankes ward. Er gibt seiner Freundin eine anmutige Schilderung dieser erhöhenden Wanderstunden. „Wie ich zum Torfhaus kam, saß der Förster bei seinem Morgenschluck in Hemdsärmeln, und diskusive redete ich vom Brocken, und er versicherte die Unmöglichkeit hinaufzugehen, und wie oft er Sommers droben gewesen wäre, und wie leichtfertig es wäre, jetzt es zu versuchen. Die Berge waren im Nebel, man sah nichts, und so, sagt’ er, ist’s auch jetzt oben, nicht drei Schritte vorwärts können Sie sehen, und wer nicht alle Tritte weiß etc… Ich war still und bat die Götter, das Herz dieses Menschen zu wenden und das Wetter, und war still. So sagt er zu mir: Nun können Sie den Brocken sehen. Ich trat ans Fenster, und er lag vor mir klar, wie mein Gesicht im Spiegel. Da ging mir das Herz auf, und ich rief: Und ich sollte nicht hinaufkommen! Haben Sie keinen Knecht, niemanden – und er sagte: Ich will mit Ihnen gehen. – – Ich habe ein Zeichen ins Fenster geschnitten zum Zeugnis meiner Freudentränen, und wär’s nicht an sie, hielt’ ich’s für Sünde zu schreiben. Ich hab’s nicht geglaubt bis auf der obersten Klippe. Alle Nebel lagen unten, und oben war herrliche Klarheit, und heute Nacht bis früh war er im Mondschein sichtbar und finster auch in der Morgendämmerung, da ich aufbrach.“ In sein Tagebuch schrieb er die Worte: „Was ist der Mensch, dass Du sein gedenkest.“ In den nächsten Tagen besuchte er noch unter vielen Anstrengungen die Bergwerke von Andreasberg, Königshütte und andere und ritt über Duderstadt und Mühlhausen durch Nebel und Koth nach Eisenach, wo er am 15. Dezember gegen Mittag eintraf und „die Brüder der Jagd auf der Fährte des Wildes“ begleitete. Beim prasselnden Kaminfeuer ergötzte er sie abends durch die Erzählung seiner Abenteuer. Am 16. war er schon wieder in Weimar und beendigte in den nächsten ruhigen Wochen das erste Buch des Wilhelm Meister, so wie sein Lustspiel „Die Empfindsamen“, bis ihn das neue Jahr wieder in das bunteste Treiben hineinriss: Schweinhatzen, Schlittenfahrten, Redouten, extemporierte Komödien in Ettersburg, Theaterproben zur Aufführung des Westindiens von Einsiedel, worin Goethe, der Herzog, Prinz Konstantin etc. neben dem berühmten Schauspieler Eckhof, der von Gotha herüberkam, spielten (13. Januar). Mitten in diese rauschenden Januarfreuden traf der Tod des Fräulein von Laßberg, welche (angeblich, weil sie sich von ihrem Geleibten verlassen glaubte) in der Ilm unweit der Schlossbrücke ihrem Leben ein Ende machte. Die Leiche, welche am 17. gefunden wurde, hatte man zu Frau von Stein gebracht. Ein tiefes Mitgefühl, den Schlussworten des Werther zu vergleichen, zittert in den ergreifenden Zeilen, worin Goethe seiner Freundin mitteilt, wie er mit dem Gärtner die Uferstelle der unglücklichen Tat zu einem Plätzchen des Andenkens an die „arme Christel“ herrichtet. „Man übersieht von da in höchster Abgeschiedenheit ihre letzten Pfade und den Ort ihres Todes. Wir haben bis in die Nacht gearbeitet, zuletzt noch ich allein bis in ihre Todesstunde… Ich habe an Erinnerungen und Gedanken just genug… Diese einladende Trauer hat gefährlich Anziehendes, wie das Wasser selbst, und der Abglanz, der aus beiden leuchtet, lockt uns.“ In diesen letzten Worten ist das Gefühl ausgesprochen, aus dem sie geheimnisvoll lockende Ballade „der Fischer“ entsprungen ist, die um jene Zeit gedichtet ward. Jenem Ereignis schließt sich auch das wehmutvolle Lied „An den Mond“ an, aus welchem in der jetzigen Form die momentanen Beziehungen entfernt sind:
In dieser Stimmung fühlte er sich „zu theatralischem Leichtsinn nur gezwungen.“ Doch ward sein Lustspiel, dessen Spott über die Empfindsamen jetzt ihn selbst verletzten musste, unter dem Titel „die geflickte Braut“ am Geburtstag der Herzogin zur Aufführung gebracht. Seckendorf hatte die Musik zu den Gesängen und der Ballete, deren acht darin vorkamen, geliefert. Wie sehr das Mitgefühl mit den Leiden anderer Goethe auch zu tätigem Eingreifen und Helfen anzutreiben vermochte, erkennen wir aus einem im Jahr 1778 angeknüpften Verhältnis zu einem Unglücklichen, über welches erst seit kurzem die Urkunden7) vorliegen; sie reden seinem Charakter ein schönes Zeugnis. Er fühlte zu zart, als dass er außer einer kurzen Andeutung selbst davon hätte berichten mögen. Ein nicht ohne seine Schuld verarmter Mann wandte sich von Gera aus an ihn mit einer Bitte um Unterstützung. Er schien nach der Vorstellung, die sich Goethe aus den Briefen von ihm machte, derselben wert zu sein. Mit einem wohlwollenden Antwortschreiben, das mit den Worten beginnt: „Dem, der sich mit den Wellen herumarbeitet, ist’s wohl der schlimmste Herzensstoß, wenn der Willige nicht Kräfte genug hat, alle zu retten, die der Sturm an seine Küste treibt“ – schickt er ihm „eine kleine Beihilfe“. Er fuhr seitdem mit Zusendungen von Geld und Kleidungsstücken fort und suchte dem hypochondrischen Mann, der dem Selbstmord nahe zu sein schien, Mut einzusprechen und Rat zu erteilen. „Sie sind mir nicht zur Last“, schreibt er in dem köstlichen Brief vom 23. November 1778, „vielmehr lehrt mich’s wirtschaften; ich vertändele viel von meinem Einkommen, das ich für die Notleidenden sparen könnte. Und glauben Sie denn, dass Ihre Tränen und Ihr Segen nichts sind? Der, der hat, darf nicht segnen, er muss geben. Aber wenn die Großen und Reichen dieser Welt Güter und Rangzeichen austeilen, so hat das Schicksal dem Elenden zum Gleichgewicht den Segen gegeben, nach dem der Glückliche zu geizen nicht versteht… Hassen sie die armen Menschenfreunde mit Klauseln und Kautelen nicht; man muss recht fleißig beten, um bei so viel widrigen Erfahrungen den jugendlichen guten Willen, Mut und Leichtsinn (die Ingredienzien des Wohltuns) zu erhalten. Und es ist mehr eine Wohltat von Gott, wenn er uns, da man selten was tun kann, einmal einen wirklich Elenden erleichtern heißt.“ Mit dem nächsten Jahr setzte er seinem Schützling ein Jährliches von 100 Talern aus: „Kann ich mehr für Sie tun, will ich’s gerne.“ Da Goethe ihn nicht überreden konnte, in Jena sich einzuquartieren, was er ihm mit ausführlicher Darlegung der Gründe als rätlich darstellte, so ward ihm auf die Bürgschaft seines Beschützers ein Unterkommen in Ilmenau verschafft, wo er sich unter dem angenommen Namen Kraft aufhielt; dem Herzog und dem Hof wurde das ganze Verhältnis verborgen gehalten. Goethe nutzte die Kenntnisse des Mannes in dem Ilmenauer Bergwerksangelegenheiten und bei Steuerrechnungen, und ließ seinen Pflegling Peter, der nach Ilmenau geschickt wurde, um die Jägerei zu erlernen, von ihm unterrichten, wofür ihm eine Zulage der jährlichen Unterstützung gegeben wurde. 1781 setzte Goethe diese auf 200 Taler fest – „so viel kann ich entbehren“ – aber er „möchte ihn auch gerne mit dem Wenigen, was er für ihn tun kann, vergnügt und zufrieden wissen.“ Dies ist der letzte Wunsch, mit dem die Reihe der uns erhaltenen Briefe schließt (3. September 1783). Es ist möglich, dass er bei der Wiedereröffnung des Bergbaues ein kleines Amt erheilt; Goethe gedenkt seiner in den Tages- und Jahresheften erst bei dem Jahr 1792. Das Jahr 1778 brachte Goethe viel Unruhe und Arbeit; aber er hatte trotzdem „schönen Mut und freies Leben.“ Die Ansprüche Österreichs auf Niederbayern nach dem Tod des kinderlosen Kurfürsten Max Joseph III. stellten einen neuen Krieg zwischen den deutschen Großmächten in Aussicht, der die kleineren deutschen Fürsten zu einem engen Anschließen an Preußen drängte, indem Friedrich der Große für die Wahrung des Reichszustandes zu den Waffen griff. Auch Goethe war von dem „erwachten Kriegsgefühl“ des jungen Herzogs mitberührt und deutet darauf hin, dass sich dem Großneffen Friedrichs die schönste Gelegenheit biete, „alte Rechte“, nämlich die der älteren sächsischen Linie, unter Umständen geltend zu machen. Politische Beweggründe veranlassten daher im Mai eine Reise nach Dessau und Berlin, auf der Goethe dem Herzog zur Seite war. In Dessau sah er seinen alten Freund Behrisch wieder. Mit großem Entzücken verweilte er in den Wörlitzer Parkanlagen: „Es ist, wenn man so durchzieht, wie ein Märchen, das einem vorgetragen wird, und hat ganz den Charakter der elysischen Felder; in der sachtesten Mannigfaltigkeit fließt eins in das andere, keine Höhe zieht das Auge und das Verlangen auf einen einzigen Punkt, man streicht herum, ohne zu fragen, wo man ausgegangen ist und hinkommt.“ Der Aufenthalt in Berlin und Potsdam dauerte vom 15. bis 23. Mai. Goethe erfreute sich an den Prachtbauten, den großartigen Anlagen und Anstalten, die er hier kennen lernte, und schaute in „das Uhrwerk, das eine große Walze treibt,“ dem „großen Fritz“ und den Zelebritäten des preußischen Hofes trat er sehr nahe. Dennoch ward ihm die Jämmerlichkeit des Hoftreibens aufs Neue recht klar; „je größer die Welt, desto garstiger.“ Gegen diese Welt „befestigt er seine Seele, wie ein Schloss“ und hält an sich, wofür er denn „gelegentlich für stolz ausgeschrieen wird.“ – „Aber den Wert, den wieder dies Abenteuer für mich, für uns alle hat, nenne ich nicht mit Namen.“ Am 1. Juni trafen die Reisenden wieder in Weimar ein, „alle Lande“ – schreibt Wieland an Merck – „wo sie gewesen, sind ihres Ruhmes voll.“ Als er nach einigen Tagen den Fürsten wieder sah, äußerte er an denselben Freund: „Sein Anschauen war mir eine rechte Herzstärkung, so gesund und kräftig sah er aus, und so edel, gut, bieder und fürstlich zugleich fand ich ihn im Ganzen seines Wesens. Ich werde je länger je mehr überzeugt, dass ihn Goethe recht geführt, und dass er am Ende vor Gott und der Welt Ehre von seiner so genannten Favoritenschaft haben wird.“ Die Anschauung des Wörlitzers Parks hatte bei Goethe und dem Herzog den Wunsch rege gemacht, um Weimar etwas Ähnliches zu schaffen. Die einzige parkartige Anlage, die sich daselbst fand, war der Stern, ein mit hochstämmigen Bäumen und Büschen wohl ausgestatteter Platz mit uralten geradlinigen Gängen. Nach Goethes Plan und Zeichnung wurde die Umgestaltung dieser Anlagen begonnen, welche, nach und nach bis zur Belvedereschen Chaussee fortgeführt, noch jetzt der schönste Schmuck sind, womit Natur und Kunst vereint die kleine Residenz beschenkt haben. Der Anfang wurde damit gemacht, dass man die felsigen Abhänge am linken Ufer der Ilm durch Behauen und Anlage von Wegen verschönerte und mit den Spaziergängen des Sterns verband. Es war die Absicht, die Herzogin Luise an ihrem Namenstag, den 9. Juli8), in den waldigen Anlagen des Sterns durch ein heiteres Fest, welches an die älteren italienischen Wald- und Buschfabeln erinnern sollte, zu überraschen, und mancherlei Vorbereitungen wurden im Stillen dazu getroffen. Allein eine heftige Wasserflut, welche am 1. Juli den Stern überschwemmte, vereitelte dies; man musste dem Fest eine andere geistreiche Einkleidung geben. Goethe ersah sich dazu einen wüsten und wenig besuchten Platz an dem höher gelegenen Ufer der Ilm, ließ ihn in drei Tagen und Nächten zu einer Naturbühne herrichten und eine so genannte Einsiedelei bauen, ein Zimmerchen mäßiger Größe, welches man eilig mit Stroh überdeckte und mit Moos bekleidete. Wegen der Abgelegenheit des Platzes und der die Spaziergänge unterbrechenden Überschwemmung hatte man in der Stadt nichts davon vermutet, und der Herzogin wie ihrer Umgebung waren alle diese Anstalten verborgen geblieben. Auf die an sie ergangene Einladung erschien die Herzogin mit ihrem Gefolge zur festgesetzten Stunde in den bezeichneten Anlagen und ward am Eingang des Platzes von verkleideten Camaldulenser-Mönchen, unter denen sich auch Goethe und der Herzog befanden, mit einem von Seckendorf verfassten Dramolet empfangen und unter Musik erst in die Hütte, dann in den dahinter sich öffnenden Lustplatz zur Tafel geführt. „Ein über Felsen herabstürzender Wasserfall, welcher durch einen kräftigen Zubringer unablässig unterhalten wurde und malerisch genug angelegt war, erteilte dem Ganzen ein frisches romantisches Wesen. Das Ganze war künstlerisch abgeschlossen, alles Gemeine durchaus beseitigt; man fühlte sich so nah und fern vom Haus, dass es fast einem Märchen glich.“ Da die Herzogin Amalie diesem Fest fehlte und erst einige Wochen später von ihrer in Mercks Begleitung unternommenen Kunstreise aus den Rheingegenden zurückkehrte, so veranstaltete Goethe auch für sie eine Überraschung, die ganz im Geschmack der Verehrerin Rembrandscher Gemälde war. In der Einsiedelei bewirtete er sie am Abend das 22. Augusts mit Wieland, von Einsiedel, Frau von Stein und Fräulein von Göchhausen. „Wie wir nun aufgestanden waren“, erzählt Wieland in einem Brief an Merck, „und die Türe öffneten, siehe, da stellte sich uns durch geheime Anstalt des Archimagus ein Anblick dar, der mehr einer realisierten dichterischen Vision als einer Naturszene ähnlich sah: Das ganze Ufer der Ilm ganz in Rembrands Geschmack beleuchtet – ein wunderbares Zaubergemisch von Hell und Dunkel, das im Ganzen einen Effekt machte, der über allen Ausdruck geht. Die Herzogin war davon entzückt, wie wir alle. Als wir die kleine Treppe der Einsiedelei herabstiegen und zwischen Felsenstücken und Buschwerken längs der Ilm gegen die Brücke, die diesen Platz mit einer Ecke des Sterns verbindet, hingingen, zerfiel die ganze Vision nach und nach in eine Menge kleiner Rembrandscher Nachtstücke, die man ewig hätte vor sich sehen mögen, und die nun durch die dazwischen herumwandelnden Personen ein Leben und ein Wunderbares bekamen, das für meine poetische Wenigkeit gar as Herrliches war. Ich hätte Goethe vor Liebe fressen mögen.“ Es war eine idyllische Zeit, wo man das Leben mit den Reizen der Poesie zu schmücken nicht irre ward, wenn gleich an Schlesiens Grenzen zwei deutsche Armeen drohend gegen einander standen. Die glänzend in Szene gesetzte Aufführung des Jahrmarktsfestes von Plundersweilern, welche auf dem Ettersburger Theater zur Feier des Geburtstags der Herzogin Amalie stattfand, setze den Hof und halb Weimar wochenlang in Bewegung. Goethe ordnete das Ganze an, die Herzogin arbeitete mit an dem Gemälde des Bänkelsängers. „Drei Wochen vorher“, schreibt Fräulein von Göchhausen an Goethes Mutter, der eine Kopie des Bänkelsängergemäldes, „das von Kennern und Nichtkennern für ein rares und treffliches Stück Arbeit gehalten wird“, übersandt wurde, „war des Malens, des Lärmens und Hämmerns kein Ende, und unsere Fürstin, Dr. Wolf, Kraus etc. purzelten immer übereinander her ob der großen Arbeit und Fleißes.“ Ein großes Bankett und ein „mächtiger“ Ball, der bis an den hellen Morgen dauerte, schlossen sich daran. Am 6. November fand die zweite Vorstellung statt. Goethe machte den Marktschreier, den Haman und Mardochai. Unter andern Geschäften hatte Goethe auch für mehrere neue Bauten in Weimar zu sorgen; der Wiederaufbau des abgebrannten Fürstenschlosses wurde in Angriff genommen. Daher warf er sich in das Studium der Baukunst und übte sich in architektonischen Zeichnungen, besonders der verschiedenen Säulenordnungen, immer bemüht, was er auch unternahm, gründlich zu betreiben. Für größere poetische Arbeiten mangelte mehr die ruhige Sammlung und reine Stimmung, als die Zeit. Wilhelm Meister blieb fürs erste ohne Fortsetzung. Am Egmont wurden gegen Ende des Jahres einige Szenen geschrieben, vornehmlich die zwischen Alba und seinem Sohn und Albas Monolog. Das Tagebuch dieses Jahres schließt mit den Worten: „Viel Arbeit in mir selbst, zu viel Sinnens, dass abends mein ganzes Wesen zwischen den Augenknochen sich zusammenzudrängen scheint. Hoffnung auf Leichtigkeit durch Gewohnheit. Bevorstehende neue Ekelverhältnisse durch die Kriegskommission. Durch Ruhe und Gewandtheit geht doch alles durch.“ 1) Über dies Verhältnis belehren uns die Briefe Goethes an Frau von Stein, hgg. von A. Schöll, b. j. 2 Bände, 1848 – mit schätzbaren Einleitungen des Herausgebers. 2) Riemers Worte, II. S. 42. In ähnlicher Weise spricht sich Goethe als Greis aus:
4) Als Episode in Goethes „Kampagne in Frankreich“ eingeschaltet. 5) S. das Nähere über das Abenteuer dieses Besuchs in den Bl. Für lit. Unterh. 1850. Nro. 34. 6) In Plessings Nachlass fand sich ein Packet Briefe Goethes an Plessing. Sollten diese nicht noch der Öffentlichkeit übergeben werden? Vgl. über Plessing: F. A. Krummacher und seine Freunde, von Möller, 1849. 7) Goethes Briefe an seinen Schützling s. in Schölls Briefen und Aufsätzen etc. S. 165-189. 8) S. die Schilderung des Luisenfestes in Goethes Werken unter den biographischen Einzelheiten, wo es fälschlich dem 25. August zugeteilt ist, was Viehoff nicht hätte in Schutz nehmen sollen. Riemer hat das Richtige, was auch durch Wielands Brief an Merck vom 3. Juli, der die Überschwemmung erwähnt, dun Amalies Brief vom 29. August, der nur von dem Souper am 22. August und keinem andern Fest spricht, bestätigt wird. Auch hat Viehoff die Jahreszahlen verwechselt. |
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