| Johann Wolfgang von Goethe @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Johann Wolfgang von Goethe Biografien Schaefer - Goethes Leben Inhalt Erster Band Vorrede Kindheit und Jugend 1749 - 1765 1765 - 1768 1768 - 1771 1771 - 1773 1744 1775 Weimarsche Lehrjahre 1776 1777, 1778 1779 1780, 1781 1782 1783 - 1786 Zweiter Band Widmung Ital. Reisejahre, Rev.-Epoche 1786 - 1788 1788 - 1791 1792, 1793 1794 - 1796 1797 - 1799 1799 - 1805 Goethe im Alter 1806 - 1813 1813 - 1819 1820 - 1825 1826 - 1832 Beilagen I. Charlotte von Stein II. Rede weißer Falkenordens III. Vermächtnis j. Nachwelt Schlusswort |
2. Kapitel: 1765 - 1768Auf derselben Straße, auf der Goethe zehn Jahre später einer nicht gehofften glücklichen Existenz entgegen zog, reiste er jetzt, reich an Hoffnung, seinem Leipzig zu. Die Hinreise war nicht von den günstigsten Vorbedeutungen begleitet. Es war noch die Zeit, wo für Kaufleute, die zur Messe reisten, in der Kirche gebetet wurde. Die schlechten Wege Thüringens waren durch die nasse Jahreszeit fast unfahrbar geworden. In der Gegen von Auerstädt blieb der Wagen bei einbrechender Nacht stecken; man tat das Mögliche, sich loszuarbeiten; auch Goethe, in solchen Fällen nie der Letzte, wo es galt, Hand anzulegen, strengte sich mit Eifer und wohl übermäßig an; er empfand bald nachher einen Schmerz, der oftmals wiederkehrte und ihn erst nach vielen Jahren völlig verließ. Goethe sah Leipzig, wo er in den ersten Oktobertagen eintraf, zum ersten Mal zur Messzeit. Er freute sich hier die Szenen des vaterstädischen Lebens wieder zu finden, deren Reiz noch durch die seltsamen Gestalten der Polen, Russen und Griechen erhöht ward. Die Stadt mit ihren imposanten hohen Gebäuden machte auf ihn einen guten Eindruck; nur vermisste er das Altertümliche, wodurch seine Vaterstadt in ihm Phantasie und Wissbegier so bedeutend angeregt hatte. In der Feuerkugel am Neumarkt mietete er sich zwei hübsche Zimmer, die in den Hof sahen, und ward am 19. Oktober von dem damaligen Rektor, Hofrat Ludwig, als Student in der bayrischen Nation inskribiert. Der vorsorgende Vater hatte ihn mit Empfehlungsbriefen vornehmlich an den Hofrat Böhme dirigiert, der als Professor der Geschichte und des Staatsrechts, sowie als eleganter Jurist und geschmackvoller Kenner des römischen Altertums einen großen und verdienten Ruf genoss. Kaum war der Buchhändler Fleischer wieder abgereist, durch den er eine unangenehme Meldung fürchtete nach Hause gelangen zu lassen, als er seinem gelehrten Führer seine geheimen Pläne entdeckte, sich ganz dem Studium der alten Literatur zu widmen. Da in jener Zeit die Altertumswissenschaft noch zu keiner Selbstständigkeit gelangt war, sondern ihr Ansehen nur im Dienst der Theologie und Jurisprudenz behauptete, so schlug Böhme jene Projekte, hinter denen er nur eine unwissenschaftliche Schöngeisterei witterte, mit energischer Strafrede nieder. Er bewies ihm durch Argumente und Beispiele, dass er auf dem Weg des Rechtsstudiums sich am gründlichsten dem Altertum nähern könne, ja dass dieser Weg nicht einmal ein Umweg sei, wenn er sich späterhin entschließen sollte, nach reiferer Überlegung und mit Zustimmung seiner Eltern seinen Vorsatz auszuführen. Goethe ward auch zu der Frau Hofrätin Böhme eingeladen, einer kränklichen, unendlich sanften und zarten Frau, deren Wesen ihn an seine Freundin Klettenberg erinnern mochte. Auch sie brachte ihn auf das mit ihrem Mann geführte Gespräch und wusste mit liebevollen weiblichen Gründen den letzten Rest des Widerspruchs hinwegzuräumen und ihn ganz den didaktischen Plänen ihres Gatten fügsam zu machen. Dieser ordnete hierauf die Vorlesungen des angehenden Juristen: Philosophie, Rechtsgeschichte, Institutionen. Mit einigem Widerstreben gab er soweit den schönwissenschaftlichen Gelüsten Goethes nach, dass er auch Gellerts Literargeschichte und dessen praktische Übungen im deutschen Stil besuchen durfte. Bedenkt man, welch ein Geist tötender Mechanismus in manchen akademischen Hörsälen Platz gegriffen hatte, wie viel stabiler damals noch die traditionellen Lehrmethoden, mit denen man ein fertiges Wissen überlieferte, waren, als jetzt, so wird man einem geistvollen Jüngling nicht verargen, wenn er kein Gefallen daran fand und an anderer Quelle Nahrung für Geist und Herz suchte; Lessing war in gleichem Fall. Gellerts Verehrung gründete sich eben darauf, dass er, anstatt ein gelehrtes Formelwesen zu überliefern, dass Bewusstsein sittlicher Erhebung und die Wärme edler Empfindungen in dem erregbaren Busen der Jünglinge zu wecken verstand. In den gelehrten Kollegien machte Goethe bald die Erfahrungen, die er unter der Maske des Mephistopheles in seinem Faust geschildert hat. Er, der stets in lebendiger Anschauung zu leben gewohnt war, befand sich zwischen den Abstraktionen der Logik und Metaphysik wie zwischen Mumien, und als um Fastnacht die köstlichsten Kräpfel gerade zur Zeit der metaphysischen Lehrstunde heiß aus der Pfanne kamen, da war es um die Hefte geschehen; sie wurden immer lockerer und schmolzen mit der Frühlingssonne endlich ganz hin. Mit der Rechtswissenschaft ging es nicht viel Besser von Statten. Goethe hatte unter des Vaters Leitung den Inhalt der juristischen Anfangsvorlesungen schon zum großen Teil antizipiert; eine natürliche Folge war Überdruss und Langeweile, die mehr und mehr vor dem ganzen, von vornherein nicht geliebten, Studium zurückschreckten. Der eingeborene Trieb machte sich wieder geltend; er suchte näher das Geheimnis zu ergründen, wodurch die Kunst der Rede ein Gefäß des Schönsten wird, was der menschliche Geist erzeugt. Mit rührender Naivität versprach er sich von Ernestis Vorlesungen über Ciceros Orator, welche er schon im ersten Semester hörte, Aufschlüsse über die Grundsätze der schönen Rede. Dieser tüchtige Philologe, der auch den übersprudelnden Geist Lessings durch den Ernst seines wissenschaftlichen Verfahrens festzuhalten vermocht hatte, konnte den Scharfsinn beschäftigen, und auch Goethe mochte manches lernen; aber ästhetische Erörterungen lagen nicht auf seinem Weg. Gellerts Name hatte bei Goethe mehr Hoffnungen erweckt, als er befriedigte. Gellert hatte bei mäßigen Geistesgaben sich eine Verehrung bei seinen Zeitgenossen erworben, wie sie auch dem großen Genius nur selten zu Teil wird. Unsere literarische Bildung entwickelte sich damals aus ihrer Kindheit. Er hatte das Talent, den Kreis der geistigen Interessen, von denen damals die Welt bewegt ward, mit feinem Sinn in sich aufzunehmen und, ohne sich von ihr zu entfernen, auf höhere Probleme hinzudeuten. Dass er die höhere Dichternatur nicht begriff, lässt sich schon daraus schließen, dass er in seinen Vorträgen an den Namen der größten Dichter stillschweigend vorüberging. „In allen Vorlesungen über den Geschmack“, äußert Goethe an einer Stelle, wo er Gellert gegen rücksichtslose Kritik in Schutz nimmt, „habe ich ihn nie die Namen Klopstock, Kleist, Wieland, Geßner, Gleim, Lessing, Gerstenberg, weder im Guten noch im Bösen, nennen hören; bei der Ehrlichkeit seines Herzens lässt sich nicht anders schließen, als dass sein Verstand sie nie für Dichter erkannt hat.“ Der engere Kreis von Studierenden, der sich an ihn anschloss, bestand aus Jünglingen von regelrechter Sittlichkeit, deren Geistesprodukte die Grenzen, welche die Geschmackstheorie des Meisters gezogen hatte, nicht überschritten. Als bei zunehmender Kränklichkeit der letzte Rest jungendlicher Frische dahin schwand, begünstigte er die Übungen des poetischen Talents nicht mehr, und selbst in der Prosaform mussten sie ihm unbequem werden, wenn Goethe ein leidenschaftliches Thema als einen Roman in Briefen behandelte, in welchem schon die Keime eines Werther sich bemerkbar machten; in dieser Prosa gab es viel zu korrigieren, um sie in den gemessenen Schritt des meißnischen Hochdeutsch zu zwängen. Aus derselben Ursache hatte er die Sprachmeisterei der Hofrätin Böhme und ihrer hofmeisterlichen Freundin zu ertragen, welche ihm die Götzsche Geradheit, die Benutzung treuherziger Chroniken-Ausdrücke, die Anspielungen auf biblische Kraftstellen und sprichwörtliche Redensarten nicht ungerügt hingehen ließen. Diese Frauenerziehung scheint Goethe im Beginn seiner Universitätszeit hart zugesetzt zu haben. In dem eleganten Leipzig mussten sich auch die Studierenden, sobald sie mit aristokratischen Zirkeln in Verbindung standen, der Urbanität der Sitte und des Anstandes befleißen, und auch „der wilde Fremdling“ ließ es sich eine Zeitlang angelegen sein. Die Frauen lehrten ihn Piquet, l’Hombre und dergleichen Spiele mehr, deren Kenntnis und Ausübung in der Gesellschaft für unerlässlich galt. So leicht und geschwind er alle Spiele lernte, so konnte er doch nicht die gehörige Aufmerksamkeit zusammenhalten, so dass er später, verdrießlich, sich und andere verlieren zu machen, die Spielpartien vermied, darin auch des Vaters Rat folgend, der stets vom Kartenspiel abgemahnt hatte. Auch in seiner Kleidung bequemte er sich den Frauen zu Liebe der herrschenden Mode, der die von Frankfurt mitgebrachte Garderobe nicht entsprach. Der Vater nämlich hielt einen Bedienten, der zugleich das Schneiderhandwerk im Haus zu versehen hatte; für tüchtiges Zeug war durch des Vaters selbsteigene Einkäufe gesorgt; allein der Zuschnitt war nicht nach der neuesten Mode gelungen. Anfangs tat es dem jungen Studenten, der sich selbst geputzt genug vorkam, leid, den kostbaren Kleidervorrat, worunter sich auch ein Treffenkleid befand, daran zu geben. Als aber Herr von Masuren, der so beliebte poetische Dorfjunker, einst auf dem Theater in einer ähnlichen Kleidung auftrat, und mehr wegen seiner äußeren als innern Abgeschmacktheit herzlich belacht wurde, tauschte er seine sämtliche Garderobe auf einmal gegen eine neumodische um, wodurch sie freilich sehr zusammenschrumpfte. „Ein guter Mann wird durch ein Wort der Frauen weit geführt.“ Dies Werk hat für Goethes ganzes Leben seine Bedeutung; er war stets ihren Einwirkungen zugänglich, für ihre Erinnerung und zarte Leitung empfänglich. Auch in einem höheren Sinn gaben sie seiner Seele Flügel und führten ihn an der Hand der Liebe ins Heiligtum der Religion und Poesie. Einem solchen Einfluss begegnete er in Leipzig anfangs nicht. Im Böhmeschen Haus fand seine Hinneigung zu Gellert keine Nahrung, vielmehr ward durch misswollende Beurteilung seiner Wirksamkeit auch sein religiös-moralischer Einfluss verkümmert. Auch der übrige Umgang Goethes – am Mittagstisch beim Rat Ludwig fand er sich mit fast lauter Medizinern zusammen – war nicht geeignet, in ihm ein lebendiges religiöses Interesse zu wecken, das seinem weichen und schwankenden Gemüt den festeren Halt hätte geben können, dessen er so sehr bedurfte. Kirche und Altar ließ er hinter sich. Nur legten sich manchmal religiöse Fragen und Gewissenskrupel wie eine Wolke auf seine heitere Stirn; doch ist uns der Ernst, womit sie sich ihm aufgedrängt haben, ein Beweis, dass der Jüngling sich durch eine Entwicklungsphase hindurchzuarbeiten hatte, welche einem Gemüt, das sich aus bequemer Überlieferung den Besitz selbst erkannter Wahrheit erkämpfen will, nicht erspart wird. Überhaupt hatte der Leipziger Aufenthalt in Goethes Leben die Bestimmung, durch eine Reihe negativer Einwirkungen die bloß angelernte und überlieferte Kultur seines Geistes zu zerstören und ihn dadurch zu befähigen, aus seinem Innern eine neue geistige Welt aufzuerbauen. Eine Autorität verschwand nach der andern vor seinem Blick, als fiele ein Stern nach dem andern von dem Himmel seiner Kindheit. Was er im Vaterhaus verehren gelernt hatte, verlor allmählich seine Geltung. Auch die gepriesenen Dichternamen, an denen die ersten Jugendversuche empor gerankt waren, hatten den alten Glanz nicht mehr, und es wankte das Vertrauen auf das eigene Talent. Madame Böhme, eine fein gebildete und zu scharfer Kritik geneigte Frau, war über das Unbedeutende und Schwache, womit die Leipziger Poeten von Gottsched bis auf Weiße herab sich auf dem deutschen Parnass spreizten, hinaus und hielt, wenn Goethe aus diesen oder namhaften Dichtern ihres Ranges, was ihm gefallen hatte, rezitierte, ihre Kritik nicht zurück. Einige Male hatte er auch gewagt, von seinen eigenen Gedichten, jedoch anonym, vorzutragen; auch über diese erging ein strenges Gericht. „In kurzer Zeit waren die schönen bunten Wiesen des deutschen Parnasses, wo ich so gern lustwandelte, unbarmherzig niedergemäht, und ich sogar genötigt, das trocknende Heu selbst mit umzuwenden und dasjenige als tot zu verspotten, was mir kurz vorher eine so lebendige Freude gemacht hatte.“ Die Enttäuschung über seine eigenen poetischen Versuche schildert er mit anmutiger Bescheidenheit in einem Gedicht, das er einem Brief an seinen Jugendfreund und Landsmann Riese, der zu gleicher Zeit in Marburg studierte, einschaltete:
Madame Böhme, welche ungeachtet der nicht immer willkommenen Hofmeisterei den Jüngling durch Liebenswürdigkeit und Herzensgüte anzuziehen gewusst hatte, so dass er ihr in ihrer Kränklichkeit manche Stunde widmete, starb bald, und das Böhme’sche Haus verlor seien Anziehungskraft. Ihr Gemahl besaß nicht die Gabe, mit jungen Leuten umzugehen. Als Goethe im Kollegienbesuch nachließ, nahm er einen verdrießlichen Ton an, der diesen zuletzt ganz von ihm entfernte. Der Mangel eines gesellschaftlichen Lebens, wie es sein liebebedürftiges Gemüt verlangte, versetzte ihn in eine schwermütige Stimmung. „Bester Riese!“, heißt es in dem erwähnten Brief, „diese Einsamkeit hat so eine gewisse Traurigkeit meiner Seele eingeprägt:
Ich fühle allen Mangel des gesellschaftlichen Lebens; ich seufze nach meinen Freunden und meinen Mädchen, und wenn ich fühle, dass ich vergebens seufze,
Jedoch schon mit dem zweiten Semester folgten frohere Tage. Sein munterer Landsmann Horn, uns schon von den Frankfurter Lustpartien her bekannt, langte in Leipzig an und entriss ihn, wie er am 28. April 1766 an Riese schreibt, einem Teil seiner Schwermut: „Er wundert sich, dass ich so verändert bin,
Im Verkehr mit ihm und andern Freunden trat Goethe auch der Poesie wieder näher, und das Vertrauen auf das eigene Talent kehrte zurück. Vielseitig anregend ward der Besuch seines Landsmanns und nachmaligen Schwagers Johann Georg Schlosser, welcher eine Stelle als Geheimsekretär bei dem Herzog Ludwig von Württemberg, der sich in Treptow aufhielt, angenommen hatte und zugleich die Erziehung der Kinder des Fürsten zu leiten bestimmt war. Schlosser, an Alter Goethe um zehn Jahre voraus, war ein junger Mann von entschiedenem Charakter, begeistert für ein ideal-sittliches Wirken und durch Wissenschaft und schöne Literatur vielseitig für schriftstellerischen und praktischen Beruf vorgebildet. Die Unterhaltungen mit ihm, die Mitteilungen aus dem reichen Vorrat von poetischen und prosaischen Aufsätzen, welche er mit sich führte, wirkten höchst belebend auf Goethe, der verehrungsvoll an ihm hinaufblickte. Er konnte die Gedankenwelt, welche Schlosser in Bewegung gesetzt hatte, nicht anders als durch produktive Tätigkeit bewältigen und verarbeitete die Stoffe, die zu ihrer Unterhaltung gedient hatten, in deutschen, französischen, englischen und italienischen Gedichten. – In Schlossers Gesellschaft machte er Besuche bei den namhaftesten Gelehrten Leipzigs; mehrere derselben lernte er bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal kennen. Gottsched gehörte damals bereits zu Leipzigs Antiquitäten. Goethe schreibt bald nach seiner Ankunft auf der Akademie: „Ganz Leipzig verachtet ihn; niemand geht mit ihm um“, und entwirft seinem Riese eine verifizierte Schilderung von dem „sechs Schuh hohen“ Mann, dessen Kathedervortrag er aus Neugier angehört hatte. Ohne die Veranlassung durch Schlosser wäre Goethe wohl nie zu einem Besuch bei dem Altvater der Leipziger Belletristik gekommen, und wir würden jenes bekannte Genrebild entbehren, wie der riesenhafte Mann mit der linken Hand die Perücke vom Arm des Bedienten nimmt und auf das kahle Haupt schwingt, mit der rechten ihm für sein Versehen eine Ohrfeige gibt und sich dann gravitätisch den Fremden zu einem Diskurs gegenübersetzt. Schlosser logierte während seines Aufenthalts in Leipzig in dem kleinen Gasthaus des Weinhändlers Schönkopf im Brühl, welcher eine Frankfurterin zur Frau hatte, weshalb viele Frankfurter, zur Messzeit besonders, bei ihm einzukehren pflegten. Goethe speiste täglich in Schlossers Gesellschaft und lernte eine angenehme Tischgesellschaft kennen, die teils aus Studierenden, teils aus jungen Gelehrten und Hofmeistern bestand. Hier traf er eine belehrende und anregende Unterhaltung, die ihm mehr zusagte, als die im Kreis von Medizinern am Ludwigschen Mittagstisch. Er gab daher diesen auf und blieb auch nach Schlossers Abreise in dieser Gesellschaft. In dieser befand sich Hermann, nachheriger Bürgermeister von Leipzig, Zachariä, ein Bruder des bekannten Dichters, und Hofrat Pfiel, der Verfasser des „Grafen von P.“, eines Pendants zu Gellerts schwedischer Gräfin, ein feiner, gutmütiger Mann, der dem jungen Dichter eine ernste Zuneigung widmete. Einen noch stärkern Magnet, der ihn an dies Haus fesselte, werden wir hernach kennen lernen. Goethes Neigung, mit älteren Personen, die ihn durch eine originelle Natur anzogen, umzugehen, brachte ihn in ein näheres Verhältnis zu Behrisch, dem Hofmeister des jungen Grafen Lindenau. Dieser stand schon hoch in den dreißigen und glich in seinem zierlichen Äußern, seiner affektierten, zeremoniellen Haltung einem alten Franzosen. Er hatte eine besondere Gabe, seine Zeit mit Geschick zu vertun, dem Unbedeutenden durch seinen Humor Wichtigkeit zu leihen, Torheiten ernsthaft und das Ernsthafteste possenhaft zu betreiben und dabei sich und andere, ohne boshaft zu sein, zu ironisieren. „Gegen seine Landsleute hatte er eine fratzenhafte Abneigung und schilderte, was sie auch vornehmen mochten, mit lustigen Zügen. Besonders war er unerschöpflich, einzelne Menschen komisch darzustellen. So konnte er sich stundenlang beschäftigen, die Vorübergehenden zu rezensieren und wenn er genugsam an ihnen getadelt, genau und umständlich anzuzeigen, wie sie sich eigentlich hätten kleiden sollen, wie sie gehen, wie sie sich betragen müssten, um als ordentliche Leute zu erscheinen. Dergleichen Vorschläge liefen meistens auf etwas Ungehöriges und Abgeschmacktes hinaus. So dass man nicht sowohl lachte über das, wie der Mensch aussah, sondern darüber, wie er allenfalls hätte aussehen können, wenn er verrückt genug gewesen wäre, sich zu verbilden.“ Bei alle dem hatte er einen Widerwillen gegen alles Rohe, und seine Späße waren durchaus barock, ohne jemals ins Derbe oder Triviale zu fallen. Dies feine geistreiche Wesen, in dessen Hintergrund eine ausgebreitete literarische Bildung sichtbar ward, war es, was Goethe zu ihm hinzog. In Geschmacksfragen hatte er ein richtiges Urteil, welches das Mittelmäßige mit Witz und Laune verfolgte. Dagegen war er anregend für Goethes Produktivität, die er durch wohlwollende Aufnahme seiner poetischen Versuche förderte. Da er eine schöne Hand schrieb, so machte er sich einen lustigen Zeitvertreib daraus, die gelungensten in ein Heftchen in sauberster Fraktur und Vignettenverzierungen einzutragen, wogegen er aber die Bedingung stellte, dass sein Freund nichts solle drucken lassen. Hinter diese originelle Form versteckte sich indes eine Kritik, die am Ende doch das Urteil schärfen und dadurch fördernd auf ihn wirken konnte. Als eine Wohltat dieser Kritik haben wir’s anzuerkennen, dass er den mythologischen Aufputz und majestätischen Wortprunk, womit die Odenpoesie der Ramlerschen Periode sich schleppte, durch seinen schonungslosen Witz dem jungen Dichter verleidete. Es war diesem damals von Haus die Aufforderung zugegangen, auf die Hochzeit eines Oheims ein Gedicht zu liefern. Je weniger er innerlich sich zu einem solchen Gelegenheitsgedicht aufgelegt fühlte, umso mehr suchte er es durch äußerlichen Schmuck herauszustutzen. Der Olymp wird versammelt, um über die Hochzeit des Frankfurter Rechtsgelehrten zu ratschlagen. Venus und Themis streiten miteinander; aber ein schelmischer Streich, den Amor der letzteren spielt, lässt jene den Prozess gewinnen, und die Heirat wird von den Göttern beschlossen. Als Goethe diese Arbeit, die ihm keineswegs missfiel und für die er von Haus ein schönes Belobungsschreiben erhielt, Behrisch mitteilte, bewies ihm dieser den Aufwand an mythologischen Figuren als eine falsche, aus pedantischen Zeiten sich herschreibende Gewohnheit. Der Überzeugung von der Richtigkeit dieser Kritik konnte auch Goethe sich nicht entziehen; er gab den hohlen Scheingestalten, die noch lange in der deutschen Poesie ihr Wesen trieben, den Abschied; nur Amor durfte noch ferner sein neckisches Spiel treiben und Luna den Silberschleier über das Glück der Liebenden breiten. In einem solchen mehr und mehr erweiterten Freundeskreis, der durch Lebensgenuss und geistreiche Unterhaltung zusammengehalten ward, verlebte Goethe eine Reihe der glücklichsten Tage seiner Jugend. Man sah sich häufig an öffentlichen Orten in und außer der Stadt; von der mutwilligen Ausgelassenheit dieser Stunden ist die Faustszene in Auerbachs Keller als poetisches Zeugnis geblieben, dem mehr Wirkliches zugrunde liegt, als wir enträtseln können. Christian August Clodius, damals ein noch junger Mann, gewann als Professor der Philosophie an der Universität eine ähnliche Wirksamkeit, wie sein Beschützer Gellert. Auch er war von der Theologie zu den schönen Wissenschaften übergegangen und hatte sich durch Gelegenheitsgedichte bei öffentlichen Veranlassungen und durch seine akademische Tätigkeit einige Geltung erworben. Goethe nahm, als Gellert sein Praktikum aufgab, auf dessen eigenes Anraten an den von ihm geleiteten Übungen in Poesie und Prosa Anteil, ohne sich dadurch mehr als bei Gellert gefördert zu finden. Clodius war von Behrisch ganz besonders zur Zielscheibe seines Witzes ausersehen. Schon sein Äußeres stach unvorteilhaft von der eleganten Leipziger Sitte ab; aber mehr noch forderte der hohle Pomp seiner aus Ramlerschen Phrasen zusammengeleimten Poesien die Kritik und die Parodie heraus. In einer heitern Stunde, als die Freunde im Kuchengarten beisammen waren und sich den Kuchen trefflich schmecken ließen, schrieb Goethe in den stelzenhaften Kraftworten der Clodiusschen Poesie ein Lobgedicht auf den Kuchenbäcker Händel mit Bleistift an eine Wand des Hauses:
Eine geraume Zeit später trat Clodius mit seinem Schauspiel ‚Medon oder die Rache des Weisen’ hervor, dessen deklamatorische Großmutsszenen dem Leipziger Publikum ebenso sehr imponierten, als sie von dem Kreis, worin Goethe sich bewegte, lächerlich gefunden wurden. Dieser machte gleich abends, als die Freunde im Weinhaus zusammenkamen, einen Prolog in Knittelversen, wo Arlekin mit zwei großen Säcken auftritt und den Zuschauern mitteilt, dass darin moralisch ästhetischer Sand befindlich sei, den ihnen die Schauspieler sehr häufig in die Augen werfen würden; der eine nämlich sei mit Wohltaten gefüllt, die nichts kosteten, und der andere mit prächtig ausgedrückten Gesinnungen, die nichts hinter sich hätten. Dieser Prolog wurde von Horn, der zu Arlekinaden viel Geschick hatte, zu großer Belustigung der Gesellschaft vorgetragen. Das Papier verlor sich bald, und es ward nicht einmal eine Abschrift genommen. Horn trieb jedoch die Investive gegen Clodius weiter. Er schaltete in jenes parodistische Gedicht einige Verse ein, wodurch es eine Anwendung auf den Medon erhielt, und teilte es andern Freunden mit; es wurde in zahlreichen Abschriften bekannt und später sogar gedruckt1). Da es kein Geheimnis blieb, in welcher Gesellschaft dies Gedicht entsprungen sei, so hatten Clodius und seine Freunde nicht versäumt, davon nach Dresden zu berichten. Von den Folgen wurde zunächst Behrisch betroffen, dem der Graf Lindenau seine Hofmeisterstelle entzog. Manche andere Denunziationen über den lebensfrohen Freundeskreis, dessen schonungsloser Witz nach verschiedenen Seiten Anstoß und Ärgernis gegeben hatte, trafen damit zusammen. Auch das hatte zu übler Nachrede Anlass gegeben, dass Behrisch einen Hang zu einigen Mädchen hatte, die nich tim besten Ruf standen, mochten sie auch besser sein als ihr Ruf. Behrisch war mit seinen Freunden manchmal in ihrem Garten gesehen worden, auch der junge Graf war mitunter hinzugezogen worden. Für Behrisch schlug dieser Wechsel zum Glück aus. Er ward auf Gellerts Empfehlung, der ihn sehr schätzte, Erzieher des Erbprinzen von Dessau, später Pagenhofmeister. Goethe erneuerte später von Weimar aus die alte Bekanntschaft und fand ihn als feinen Hofmann allgemein geachtet und in unverändertem Humor. „Habe ich es dir nicht gesagt“ – damit empfing er ihn – „war es nicht gescheit, dass du damals die Verse nicht drucken ließest, und dass du gewartet hast, bis du etwas ganz Gutes machtest? Freilich schlecht waren damals die Sachen auch nicht, denn sonst hätte ich sie nicht geschrieben. Aber wären wir zusammengeblieben, so hättest du auch die andern nicht sollen drucken lassen; ich hätte sie dir auch geschrieben, und es wäre ebenso gut gewesen.“ Er starb 1809 in Dessau, unverheiratet. Diese Vorfälle, welche ihm einen Freund kosten sollten, dessen Nähe ihm fast unentbehrlich geworden war, verstimmten ihn gegen die ganze Leipziger Sozietät, und es spricht ein schmerzliches Entsagen und bitterer Unwille aus den Abschiedsoden, mit denen er ihn von sich ließ. „Des Frühlings Lächeln“, ruft er ihm zu, „erheitre deine Stirne nie! Nie trübt sie dann mit Verdruss des Winters stürmischer Ernst.“ Leipzig ist ihm das „gehasste Land“, „Gebärort schädlicher Insekten, Mörderhöhle ihrer Bosheit“, „Gebärort schädlicher Insekten, Mörderhöhle ihrer Bosheit“, und „der Gedanke an des Freundes Freiheit ist ihm Freiheit im Kerker.“ Behrisch hatte mit Feinheit und Humor Goethes unruhiges, heftiges Wesen zu dämpfen, sein Talent anzuregen, ihn zu heiterer Geselligkeit anzuleiten verstanden. Nach seiner Abreise verfiel er in ein melancholisches, störrisches Wesen, das manchen seiner Freunde von ihm entfernte und die muntere Laune des Kreises verscheuchte. In diese Zeit scheint der Besuch des Dichters Zachariä zu fallen, dessen Anwensenheit auf kurze Zeit den Zirkel wieder belebte. Aber als ihn „die Räder von dem unbeklagten Ort wegtragen, zeihen wieder Verdruss und Langeweile ein, die bei seiner Ankunft dahin flohen, wie Nebel vorm Glühen der Sonne fliehen, Wie die Stymphaliden, umschwärmen sie den Tisch und sprühen von ihren Fittigen Gift unserm Frieden auf alle Speisen hin“ (Ode an Zachariä, 1767). In den schwermutsvollen Tönen dieser Abschiedsoden malt sich ein düsterer Gemütszustand, auf dessen Grund wir näher einzugehen haben; bei Goethe sollte Leben und Dichten stets durch die Liebe bedingt sein. „Sie wissen, dass ich, so lange als ich sie kenne, nur als ein Teil von ihnen gelebt habe“ – das Mädchen, dem Goethe nach seiner Abreise von Leipzig dies Bekenntnis ablegte, war die Tochter des Schönkopfschen Hauses, wo die kleine geschlossene Tischgesellschaft sich versammelte und er mit seinen Freunden aus- und einging: Anna Katharina, im vertrauten Kreis und auch in den Briefen Goethes Kätchen genannt, in den biografischen Schilderungen als Ännchen und Annette eingeführt2). Sie war ein hübsches Mädchen von schlankem Wuchs, mit einem frischen vollen Gesicht und braunen Augen, muntern Geistes, einfachen warmen Gemüts. Goethe, drei Jahre jünger als sie, widmete sich ihr mit leidenschaftlicher Liebe, welche von ihrer Seite Erwiderung fand. Im Herbst des Jahres 1766 war dies innige Verhältnis zu vollster Blüte gediehen. Er brachte fast täglich mehrere Stunden bei ihr zu; sie teilte sein Interesse für Poesie und nahm Anteil an seinen eigenen Gedichten. Ein Kreis gebildeter Bekannten der Familie kam hier häufig zusammen. Die Buchhändler Reich und Junius, ein Kaufmann Obermann, der gegenüber wohnte, mit zwei Töchtern, von denen die älteste sich als Konzertsängerin auszeichnete, Häfer, der Vater der berühmten Sängerin, waren häufig in dem heitern Abendzirkel. Man sang und musizierte; Goethe blies die Flöte, und Peter, der jüngste Sohn, tat sich schon als Knabe durch sein Klavierspiel hervor. Es ward mitunter auch Komödie gespielt. Besondere Freude machte die Aufführung des Lustspiels Herzog Michel von Krüger, worin Goethe den Michel, Käthchen das Hannchen, dessen Geliebte, vorstellte; ein zusammen geknüpftes Schnupftuch musste die Stelle der Nachtigall vertreten, welche in diesem Lustspiel eine besondere Rolle spielt, indem Michel durch ihren Besitz ein Phantast und durch ihren Verlust wieder gescheit wird. In einem Zimmer des Schönkopfschen Hauses war die Hauptszene in einem großen Wandgemälde dargestellt, das sich noch lange Zeit erhalten hat. Auch Lessings Minna von Barnhelm fand begeisterte Aufnahme; auf die darin agierenden Personen spielt Goethe noch in späteren Briefen mit dem Namen ihrer Rollen an. Gegen Ende des Winters (1767) trübte sich dies glückliche Verhältnis. Je sicherer er sich im Besitz des Mädchens wähnte, das ihn von Herzen liebte und ihm, was sie nur konnte, zu Gefallen tat, desto ungescheuter ließ er gegen sie die böse Laune aus, zu der ihn Langeweile oder irgendeine andere Verdrießlichkeit veranlassen mochte, und quälte sie mit Eifersüchteleien, zu denen sie ihm keine gegründete Veranlassung gab. Eine Zeitlang ertrug sie dies mit unglaublicher Geduld, obgleich heftige Szenen zwischen ihnen vorfielen, und manchmal kehrte er reuig zu der Geleibten zurück, sein Unrecht abzubitten; denn er leibte sie leidenschaftlich. Das Jahr vorher hatte er ihre Namen übereinander in eine Linde geschnitten. Als er im Frühjahr an die Stelle kam, war aus den Einschnitten ihres Namens der Saft hervorgequollen und benetzte wie mit Tränen die darunter stehenden, schon hart gewordenen Züge seines Namens. Da gedachte er der Tränen, die sein liebloses Benehmen ihr entpressten; er eilte zu ihr, um alles Unrecht ihr doppelt und dreifach abzubitten. Wie alles Erlebte sich als Poesie von seinem Herzen ablöste, so verwandelte er auch dies Ereignis in eine Idylle, „die er nie ohne Neigung lesen und ohne Rührung andern vortragen konnte“. Es ist ein rührendes, wahres Bekenntnis, wenn er später von Frankfurt an sie schreibt: „Tausend Gelegenheiten werden kommen, bei denen Sie an einen Menschen gedenken müssen, der Ihnen wohl oft Gelegenheit zum Unwillen gab, aber doch immer ein guter Junge war.“ Allein er hatte ihre Ergebenheit auf zu harte Proben gestellt und ihr Herz zu tief verletzt. Er musste zu seiner Beschämung bemerken, dass er ihre Liebe verloren hatte; auch war der Verkehr mit Mädchen, „die besser waren als ihr Ruf“, nicht geeignet, ihn so vieler Treue und Liebe wert erscheinen zu lassen. Je mehr er jetzt in seiner Verlassenheit fühlte, wie unentbehrlich sie ihm geworden war, desto heftiger ward seine Leidenschaft. Endlich trat er in die bisherige Rolle Kätchens. Er suchte alles Mögliche hervor, um ihr gefällig zu sein und ihr Freude zu verschaffen; er konnte sich die Hoffnung nicht versagen, sie wiederzugewinnen, und hat diese noch von Leipzig mit sich genommen. Aber er hatte ihr Herz verloren; es wandte sich einem andern zu. Durch diese innern Erlebnisse und Kämpfe erhielt Goethes Poesie die Richtung, der sie auf ihrer ganzen großen Bahn treu geblieben ist. Auf den betretenen Wegen der poetischen Technik hatte er vergebens sein Heil gesucht; Kritik und eigene Einsicht hatte ihm das Hohle und Leere derselben aufgedeckt. Missmutig und ratlos blickte er oft auf seine Versuche und hielt verzweiflungsvoll ein Autodafe über sie. Er fühlte sich nicht viel gefördert, wenn man ihn aufforderte, nach Kleists Vorgang auf einsamen Spaziergängen zur Bilderjagd auszugehen, oder wenn Hofrat Pfiel ihm klar zu machen suchte, wie viel auf das Bedeutende des Stoffs und das Concise der Behandlung ankomme, während seinen beschränkten Verhältnissen große Stoff noch so fern lagen. Sein poetischer Drang, der ihn trieb die Welt in künstlerischer Form zu gestalten, nötigte ihn, in den eigenen Busen zu greifen, was ihn erfreute oder quälte, in ein Gedicht zu verwandeln und darüber mit sich selbst abzuschließen, so dass er daher selbst alle seine Dichtungen „Bruchstücke einer großen Konfession“ genannt hat. „Ich ermüdete nicht, über Flüchtigkeit der Neigungen, Wandelbarkeit des menschlichen Wesens, sittliche Sinnlichkeit und über all das Hohe und Tiefe nachzudenken, dessen Verknüpfung in unserer Natur als das Rätsel des Menschenlebens betrachtet werden kann.“ Unmittelbar aus dem Liebesverhältnis mit Käthchen entsprang die oben erwähnte Idylle, die leider verloren gegangen zu sein scheint. Die launenhafte, eifersüchtige Quälerei seines Käthchens, während neben ihnen ein anderes Paar der Gesellschaft in seiner Liebe glücklich und zufrieden lebte, veranlasste die reuige Selbstanklage in dem Schäferspiel die Laune des Verliebten, dem ältesten der vorhandenen dramatischen Produkte Goethes, das ungefähr gleichzeitig mit jener Idylle entstandne sein muss und am füglichsten ins Frühjahr 1767 zu setzen ist3), als das Verhältnis zu Kätchen nur unterbrochen, noch nicht zerstört war. Wir haben am dem kleinen Drama vor allem die psychologische Klarheit zu bewundern, womit der jugendliche Dichter seinen eigenen Gemütszustand auffasst, die Launen und Verkehrheiten, womit er sich und andern das Leben sauer machte, als ruhiger Beobachter persifliert und mit der Besonnenheit eines gereiften Mannes beurteilt. Mit solcher künstlerischen Objektivität vermochte er schon in den ersten Jugenddichtungen das Selbsterlebte als ein fremdes Dasein vor uns hinzustellen. Die Gewandtheit in der Form, die geschickte Behandlung des Alexandriners (Kleinigkeiten mögen bei der späteren Aufführung und dem ersten 1806 erfolgten Abdruck nachgebessert sein) würde bei dem kaum achtzehnjährigen Dichter noch mehr überraschen, wenn uns nicht bekannt wäre, welch eine Reihe von Vorübungen voranging. Der Bau des Alexandriners war ihm namentlich durch das fleißige Studium des französischen Dramas geläufig geworden; als Fragment solcher Übungen in der Form ist uns die Übersetzung eines Teils von Corneilles Lügner erhalten4). Bei der entschiedenen Richtung des jungen Dichters auf das Dramatische war es für die Entwicklung seiner Poesie ein günstiges Geschick, das ihn nach Leipzig führte. Hier hatte die unter der Direktion der Neuber aufblühende Bühne Lessings jugendliches Talent angeregt und dauernd für das Drama gewonnen. Hier traf Goethes Universitätszeit mit der letzten glänzenden Periode der Leipziger Bühne zusammen. Nach der Unterbrechung während der Kriegszeit war Koch auf ein neues Privilegium 1765 mit einer stehenden Gesellschaft nach Leipzig gekommen. Ein neu erwachtes Interesse erhob die Bühne aus ihrer Verachtung; von allen Kreisen, selbst denen der Universitätsgelehrten, ward es geteilt. Ein neues Haus wurde gebaut und am 6. Oktober 1766 mit Schlegels Hermann eröffnet. Koch fand bei den Leipziger Literaten eine eifrige Unterstützung. Weiße verfasste Lust- und Trauerspiele, Clodius seinen Medon, ein Magister Steinel schrieb Prologe. Die studierende Jugend strömte enthusiastisch zu den Vorstellungen herbei, auch Goethe ward ein fleißiger Theaterbesucher. Den Direktor Koch, der wegen seines hohen Alters schon von der Bühne dispensiert war, sah er zweimal im Hermann und einmal als Crispin in einem beleibten Lustspiele des Romanus, wo er noch eine gewisse künstlerische Gewandtheit zu zeigen wusste. Brinkner, als erster Liebhaber, hatte seinen ganzen Beifall. Den bleibendsten Eindruck machte auf ihn eine Demoiselle Schulz, welche durch schöne schwarze Augen und Haare, anmutige Gestalt und jugendliche Lebendigkeit des Spiels ihn lebhaft anzog. So oft sie spielte, trieb es ihn ins Theater. Besonders blieb sie ihm als Julie in Weißes Romeo und Julie gegenwärtig, vor allem in dem Momente, wo sie in dem weißen Atlaskleid aus dem Sarg stieg, und sich dann der Monolog zur Vision und zum Wahnsinn steigert. Sie hatte durch ihre tragischen Tugenden Goethes Interesse dergestalt für sich gewonnen, dass er sie in keiner geringeren Rolle, am wenigsten aber als Tänzerin sehen wollte, und sie in kleinen ausgestreuten Versen davon abzumahnen suchte. Unter den Alltagsstücken, welche man damals zur Aufführung brachte, war nicht viel, was in einem jungen Dichtergemüt hätte zünden können. Gegen Weißes Stücke, die derzeit auf der Leipziger Bühne herrschten, war er umso toleranter, als er dem liebenswürdigen Mann durch persönlichen Umgang näher getreten war; doch hatte er schon der Hofrätin Böhme Recht geben müssen, als sie Weißes beliebtes Lustspiel „die Poeten nach der Mode“ heruntermachte. Das Beste, was ein geistreicher Mann bei diesem Zustand unserer dramatischen Literatur tun konnte, war, was Lessing um diese Zeit in Hamburg tat, auf der deutschen Bühne Kehraus zu machen, um für den Einzug einer edleren Muse den Tempel rein zu halten. Auch Goethes richtiges Gefühl trat mit der Hohlheit und Unnatur der steifleinenen Trauerspiele und faden Lustspiele, die sich noch als Bleigewicht an die Fersen des vorwärts schreitenden Genius hängten, in Opposition. Schlegels Hermann schien ihm doch ungeachtet des Patriotismus und der altgermanischen Tierhäute sehr trocken abzulaufen. Er kam dadurch zu der Einsicht, dass solche Stücke in Zeit und Gesinnung zu weit von uns ablägen, und der dramatische Dichter nach bedeutenden Stoffen in der späteren Zeit zu suchen habe; das war ein Gedanke, der zu einem Götz von Berlichingen hinleitete. „Der erste wahre und höhere eigentliche Lebensgehalt kam durch Friedrich den Großen und die Taten des siebenjährigen Krieges in die deutsche Poesie“ – damit hat Goethe eine Wahrheit ausgesprochen, die jetzt von niemand mehr in Frage gestellt wird. Diesen nationalen Gehalt, wie er in dem protestantischen Norddeutschland lebendig hervortrat, zu ansprechender Darstellung zu gestalten, das war der glückliche Griff, den Lessing mit seiner Minna von Barnhelm tat. Der militärische Stolz, der die Brust des Preußen hob, und die in feiner Bildung des Geistes und Herzens wurzelnde Liebenswürdigkeit des sächsischen Charakter schlossen hier nach einigem Kampf, mehr des Scherzes als des Ernstes, einen beglückenden Frieden. In der durchsichtigen Form, in der scharfen Zeichnung der Charaktere war fortan dem dramatischen dichter eine Norm gegeben, welche ihn über die französischen Theorien erhob, ohne der Verworrenheit Vorschub zu leisten. Auch auf Goethes dramatische Tätigkeit äußerte sie ihre Belebende Wirkung; doch als Stoff traten ihm nur die eigenen Lebenserfahrungen nahe. Diesen war aber nach der Störung des Verhältnisses zum Schönkopfschen Haus, bei dem Missmut über Behrischens Verlust und die dabei auch ihn persönlich berührenden Denunziationen keine heitere Seite mehr abzugewinnen. Wie wir schon bei den Abschiedsoden zu bemerken Gelegenheiten hatten, wandte sich sein Unwille gegen die ganze Umgebung, gegen die bürgerliche Gesellschaft, die in Sittenrichterei gestreng war, während sie selbst an heimlichen Gebrechen krankte. Jetzt stieg das trübe Element der Frankfurter Erinnerungen wieder in aller Stärke herauf. Es war aber der entschiedene Trieb seines dichterischen Gemüts, sich durch die künstlerische Gestaltung von ängstlichen Empfindungen und quälenden Eindrücken zu befreien und das Verworrene zu beseitigen. Daher drängte es ihn über diese düstern Zustände hinauszukommen, er entnahm ihnen Idee und Stoff zu dramatischen Arbeiten. Er entwarf mehrere Schauspiele und schrieb die Expositionen zu den meisten. Weil aber fast alle diese Stücke eine tragische Wendung nahmen, ließ er eines nach dem andern fallen. Mehrere angefangene Stücke, deren einige bis zum dritten oder vierten Akt, andere nur zu vollendeter Exposition gelangt waren, wurden später nebst andern Gedichten der Leipziger Periode dem Feuer übergeben. Nur die Mitschuldigen, ein Lustspiel in drei Akten, wurden vollendet, und es ward später fleißig daran nachgefeilt; die Exposition wurde nochmals durchgearbeitet, um sie bewegter und klarer zu machen, und dadurch dem von Lessing aufgestellten Muster möglichst nahe zu kommen. Die Anlage des Stücks, die Durchführung der Charaktere, die lebendige Dialogisierung im leichten Fluss der Alexandriner lassen den jungen Dichter schon auf einer höheren Stufe der Ausbildung, als in dem vorhergehenden Stück, erscheinen. Der psychologische Scharfblick, mit dem das Schwanken zwischen Gutem und Bösem in den Charakteren, die auf die Irrgänge des Lasters geraten sind, aufgefasst ist, würde auf einen völlig gereiften Dichter, nicht auf einen Jüngling schließen lassen. Doch hat diese dichterische Kunst das Düstere und Herbe in den Verhältnissen, die sie uns vorführt, nicht zu verdecken vermocht; es verletzt umso mehr, wenn wir dabei die Jugend des Dichters uns vergegenwärtigen, welche schon die Studien zu einem so widerwärtigen Süjet hatte machen müssen. In Hinsicht auf die Ausbildung der lyrischen Seite in Goethes Poesie ist es keineswegs gering anzuschlagen, was Leipzig für seine musikalische Bildung getan hat. Die nachher so berühmt gewordenen Leipziger Konzerte erhielten damals ihre erste Einrichtung. In Oratorien glänzten ausgezeichnete Talente. Die als Madame Mara berühmt gewordene Demoiselle Schmähling befand sich in Leipzig und erregte allgemeine Bewunderung; noch als Greis erinnerte er sich des jugendlichen Enthusiasmus, womit ihr Gesang in der Hasseschen Sta Elena al Calvario ihn erfüllt hatte. Corona Schröter, obwohl ihr an Stimme und Talent nachstehend, zog durch Schönheit und Anmut an. Damals trat er ihr nicht näher, doch machten ihn viele ihrer Verehrer zum Vertrauten und erbaten sich seine Dienste, wenn sie ein Gedicht zu Ehren ihrer Angebeteten wollten drucken und ausstreuen lassen. Beide hörte er in Hasseschen Oratorien oft nebeneinander singen, und die Waagschalen des Beifalls standen für beide immer gleich, indem bei der einen die Kunstliebe, bei der andern das Gemüt mehr Befriedigung fand. Hiller, dessen komische Opern damals sehr beliebt waren, lernte er kennen und wurde freundlich von ihm aufgenommen. Auch unter Goethes Freunden waren viele musikalisch. Hermann spielte fertig das Klavier; Behrisch war ein leidenschaftlicher Liebhaber der Musik. Die musikalischen Unterhaltungen im Schönkopfschen Haus, bei denen auch Goethe durch Gesang und Flötenspiel mitwirkte, kennen wir schon. Der Verkehr mit der Familie des Buchhändlers Breitkopf, dessen Haus der Mittelpunkt eines zahlreichen Kreises war, in welchen das Interesse für Literatur und ganz besonders für Musik vorwaltete, verschaffte ihm ebenfalls eine vielseitig bildende Unterhaltung und musikalische Genüsse. Der ältere Sohn, Bernhard, der mit Goethe von gleichem Alter war, zeichnete sich schon damals als Musiker aus und spielte fertig den Flügel und die Violine; der zweite (geb. 1750), den Goethe einen guten Jungen, eine treue, gute Seele nennt, war gleichfalls musikalisch und belebte nicht weniger als der älteste die Konzerte, die öfters veranstaltet wurden. Beide, sowie auch ihre Eltern und Schwestern, waren Goethe sehr gewogen. Bernhard Breitkopf setzte einige Goethesche Lieder in Musik; sie wurden 1769 gedruckt5) und erschienen 1770 unter dem Titel: Neue Lieder, in Melodien gesetzt von Bernhard Theodor Breitkopf (Goethes Name ward nicht genannt). Dies älteste Liederbuch Goethes enthält 20 Lieder (eine Abschrift von 10 Liedern mit Melodien gab Goethe an Friederike Oeser), von denen er die meisten später mit einigen Veränderungen unter seine Gedichte einschaltete – unter den Überschriften: „Die schöne Nacht“, „Glück und Traum“, „Lebendiges Andenken“, „Glück der Entfernung“, „An Luna“, „Brautnacht“, „Schadenfreude“, „Unschuld“, „Scheintod“, „Die Freude“, „Wechsel“. (Nach Goethes Tod hat man auch die Lieder „Der Misanthrop“, „Verschiedene Drohung“, „Mädchen wünsche“, „Beweggrund“, „Liebe wider Willen“, Wahrer Genuss“ in die Sammlung aufgenommen.) Weggeblieben ist das schöne Schlussgedicht „Zuneigung“; die Anfangsstrophe lautet:
In diesen Liedern begegnen wir einem sanft erregten Gemüt, einem in den Schranken der Mäßigung sich gemächlich ergehenden Lebensgenuss. Ihr Inhalt ist vornehmlich der Wankelmut der Neigungen des Herzens, die Flüchtigkeit der Freude, der Widerstreit des Sittlichen und Sinnlichen. Gern verweilen sie bei dem lockenden Sinnenreiz, welchen Amor und die Grazien verfeinern. Hin und wieder klingt die Wielandsche Philosophie der Lebensfreuden durch. Wielands Dichtungen schätzte er damals sehr hoch. Das Lehrgedicht Musarion oder die Philosophie der Grazien, welches damals ans Licht trat, erfüllte ihn mit lebhaftem Entzücken und ward nicht minder, als Lessings Minna, sein Muster. Wieland nennt er (in einem Brief an Reich, 1770) neben Oeser und Shakespeare, der damals auch schon seine Wirkung auf ihn zu äußern begann, den einzigen, den er als seinen echten Lehrer anerkennen kann; „andere hatten mir gezeigt, dass ich fehlte; dieser zeigte mir, wie ich’s besser machen sollte.“ Adem Friedrich Oeser (geboren 1717) hatte sich schon als Jüngling einen Namen unter den Dresdener Malern erworben. Er war der Freund Winckelmanns, welcher den Einfluss, den die mit ihm gepflogenen Unterhaltungen auf die Ausbildung seines Kunstgeschmacks hatten, in seinen Schriften dankbar anerkannt hat. Im Jahr 1763 wurde Oeser zum Direktor der neu errichteten Leipziger Kunstakademie ernannt, während er zugleich Professor an der Dresdener Akademie und Hofmaler blieb, und stand in Leipzig als Künstler und als Mensch in hoher Achtung. Goethe, der sich stets in einer vielseitigen Ausbildung seiner Anlagen gefiel, griff auch die in Frankfurt mit Liebe getriebenen Übungen im Zeichnen wieder auf und nahm (im Jahr 1766) mit einigen Studierenden, unter denen der nachherige Staatskanzler von Hardenberg und im letzten Jahr Gröning von Bremen, nachmals Bürgermeister in seiner Vaterstadt, ihm inniger befreundet wurden, bei Oeser Privatunterricht. Als ein Mann von reicher bildung, lebhaftem Geist und entschiedener Eigentümlichkeit des Charakters, besaß er in hohem Grad die Gabe, anregend auf die Jugend zu wirken. Er gewann Goethes Vertrauen und Liebe, weil dieser bei ihm fand, wonach er vergebens nach allen Seiten blickte, bestimmte Prinzipien in der Erkenntnis des Schönen, Anerkennung und Aufmunterung. „Was bin ich Ihnen nicht schuldig“ – schreibt er bald nach seiner Rückkehr ins Vaterhaus – „dass Sie mir den Weg zum Wahren und Schönen gezeigt haben, dass Sie mein Herz gegen den Reiz fühlbar gemacht haben! Ich bin Ihnen mehr schuldig, als dass ich Ihnen danken könnte. Den Geschmack, den ich am Schönen habe, meine Kenntnisse, meine Einsichten, habe ich die nicht alle durch Sie? Wie gewiss, wie leuchtend wahr ist mir der seltsame, fast unbegreifliche Satz geworden, dass die Werkstatt des großen Künstlers mehr den keimenden Philosophen, den keimenden Dichter entwickelt, als der Hörsaal des Weltweisen und des Kritikers! Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles. Wer unter allen meinen Lehrern hat mich jemals würdig geachtet mich aufzumuntern, als Sie? Entweder ganz getadelt oder ganz gelobt, und nichts kann Fähigkeiten so sehr niederreißen. Aufmunterung nach dem Tadel ist Sonne nach dem Regen, fruchtbares Gedeihen. Ja, wenn Sie meiner Liebe zu den Musen nicht aufgeholfen hätten, ich wäre verzweifelt. Sie wissen, was ich war, da ich zu Ihnen kam, und was ich war, da ich von Ihnen ging; der Unterschied ist Ihr Werk.“ Von welcher Art diese Einwirkung des Oeserschen Unterrichts war, charakterisiert er noch bestimmter in einem Brief an Reich, den er bittet, ihn seinem „lieben Oeser“ zu empfehlen. „Fertigkeit oder Erfahrung vermag kein Meister seinem Schüler mitzuteilen, und eine Übung von wenigen Jahren tut in den bildenden Künsten nur was Mittelmäßiges; auch war unsre Hand nur sein Nebenaugenmerk; er drang in unsre Seelen, und man musste keine haben, um sie nicht zu nutzen. Sein Unterricht wird auf mein ganzes Leben Folgen haben. Er lehrte mich, das Ideal der Schönheit sei Einfalt und Stille, und daraus folgt, dass kein Jüngling Meister werden könne. Es ist ein Glück, wenn man sich von dieser Wahrheit nicht erst durch eine traurige Erfahrung zu überzeugen braucht.“ Es war überaus folgenreich für die Entwicklung der Goetheschen Poesie, dass sie auf ihrem ersten Gang mit der Plastik in die engste Verbindung trat, dass die Einsicht in die Kunst des Altertums eingeleitet war, welche späterhin mit still nachwirkender Gewalt den Genius auf seiner Bahn zum reinen Ideal poetischer Kunst hinleitete. Von seinem Lehrer empfing er die warme Verehrung für Winckelmann, aus dessen Schriften ihm zum ersten Mal die Hoheit hellenischer Kunstanschauung entgegentrat. Mit ihm freute er sich der Aussicht, den verehrten Mann auf seiner bevorstehenden Reise nach der Heimat kennen zu lernen, bis die plötzliche Todesbotschaft (1768) diese Hoffnung erschütternd vernichtete. Nur als dunkle Ahnungen der höheren Gebiete der Kunst kündigten sich noch diese neuen Ansichten im Geist des Jünglings an; selbst durch Winkelmann fühlte er sich mehr erhoben, als belehrt. Da erschien ‚Lessings Laokoon’, der mit der Klarheit des Gedankens die Nebel teilte, und die Grundbegriffe der bildenden und der redenden Kunst bestimmte, indem er die Grenzen nachwies, die einer jeden gezogen sind. „Man muss Jüngling sein“, sagt Goethe in seinen biographischen Nachrichten, von der Erinnerung an jene schönen Jungendstunden ergriffen, „um sich zu vergegenwärtigen, welche Wirkung Lessings Laokoon auf uns ausübte, indem dieses Werk uns aus der Region eines kümmerlichen Anschauens in die freien Gefilde des Gedankens hinriss. Das so lange missverstandene ‚ut pictura poesis’ war auf einmal beseitigt, der Unterschied der bildenden und Redekünste klar, die Gipfel beider erschienen nur getrennt, wie nah’ ihre Basen auch zusammenstoßen mochten. Der bildende Künstler sollte sich innerhalb der Grenze des Schönen halten, wenn dem redenden, der die Bedeutung jeder Art nicht entbehren kann, auch darüber hinauszuschweifen vergönnt wäre. Jener arbeitet für den äußern Sinn, der nur durch das Schöne befriedig wird, dieser für die Einbildungskraft, die sich wohl mit dem Hässlichen noch abfinden mag. Wie vor einem Blitz erleuchteten sich uns alle Folgen dieses herrlichen Gedankens, alle bisherige anleitende und urteilende Kritik ward, wie ein abgetragener Rock, weggeworfen.“ Besonders ward Goethe von der Schönheit des Gedankens entzückt, dass die Alten den Tod als den Bruder des Schlafs anerkannt; hierin feierte er den Triumph des Schönen, das alles Hässliche aus seinen höheren Kreisen verbannt. Ward es ihm vom Schicksal missgönnt, Winckelmann persönlich kennen zu lernen, so versagte er sich in Folge einer eigensinnigen Lauen, Lessing, der damals nach Leipzig zum Besuch kam, von Angesicht zu sehen. Es war ihm unerträglich, von fern ihn anzustaunen, ohne ihm näher treten zu dürfen, wozu eine passende Gelegenheit gemangelt zu haben scheint. Er vermied absichtlich die Orte, wo er seiner hätte ansichtig werden können, und entzog sich dadurch für immer die Freude, den verehrten Mann, den er in mehrfacher Hinsicht seinen Lehrer nennen konnte und gegen den er die wärmste Dankbarkeit im Herzen trug, sich gegenüber zu sehen. Durch Oeser erheilt Goethe Zutritt zu den im Privatbesitz reicher Leipziger befindlichen Kunstsammlungen, unter denen die Winklersche mit Recht einen großen Ruf hatte. Um ihn sammelte sich ein Kreis von Kunstfreunden und Kennern; unter diesen zeichnete sich Kreuchauff aus, welcher, früher Kaufmann, später nur seiner Kunstliebe lebte und sich auch als Schriftsteller im Gebiet der Kunst bekannt machte. Dieser Kreis pflegte sich in Oesers Wohnung in der Pleißenburg oder im Sommer auf seinem Landhaus in Dölitz zu versammeln. Hier herrschte eine jugendliche Heiterkeit. Ein Zeugnis dieser fröhlichen Stunden ist eine Predigt im Frankfurter Judendeutsch, mit der Goethe die Gesellschaft mehrmals belustigte. Zur Belebung munterer Geselligkeit trug vornehmlich Oesers älteste Tochter Friederike bei, damals ungefähr in ihrem zwanzigsten Jahr. Schon als Kind war sie durch ihre Lebendigkeit, ihren Mutwillen des Vaters Liebling und seine erheiternde Gesellschafterin bei seinen Arbeiten. Nachmals stand sie ihm durch Bildung und Anhänglichkeit zur Seite; er ließ fast seine ganze Korrespondenz durch sie führen. Auch Goethe fühlte sich von ihrem Witz und ihrer Munterkeit lebhaft angezogen, ohne dass ein leidenschaftliches Gefühl sich einmischte. Oft verscheuchte sie ihm die finstere Laune, wenn ihn „sein böses Mädchen plagte“. Oft setzte sie ihn mutwillig, wie er meinte, hart und unbarmherzig zu, wenn er sich unglücklich erschien und ihr sein Leiden klagte. Er schätzte ihr fein gebildetes Urteil und legte ihr viele seiner dichterischen Versuche vor; in ihren Händen ließ er die älteste handschriftliche Sammlung seiner Lieder mit Melodien zurück und schrieb an sie noch später im Ton freundschaftlicher Offenheit und reinen Vertrauens. Sie starb unverheiratet im Jahr 1829, 81 Jahre alt. Was Leipzig an Kunstsammlungen darbot, war unbedeutend in Vergleich zu den Schätzen Dresdens, und ein Schüler Oesers, der eine Reihe von Jahren unter ihnen gelebt hatte und dies Anschauungen in seinen Unterricht übertrug, musste bald das Bedürfnis fühlen, sich den Genuss dieser seltenen Kunstwerke zu verschaffen, den die Nähe der Residenz leicht erreichbar machte. Der Besuch der Dresdener Gemäldegalerie dürfte daher in die erste Hälfte seines Aufenthalts in Leipzig zu setzen sein. Um jedem Zwang von Besuchen und störenden Bekanntschaften aus dem Weg zu gehen, hielt er selbst vor den vertrautesten Freunden seine Reise verborgen; aus demselben Grund mied er den Gasthof und verschaffte sich durch einen Empfehlungsbrief seines Stubennachbars, eines fleißigen Theologen, Aufnahme in der Wohnung eines mit diesem verwandten Schusters. Da Goethe, auch in späteren Jahren, gern mit biedern und originellen Leuten aus den niedern Ständen verkehrte, so fühlte er sich unter dem gastlichen Dach des redlichen, heiter verständigen Handwerksmannes sehr wohl. Die Beschränktheit und Ärmlichkeit seiner Umgebung gefiel ihm so sehr, dass er Gemälde von Ostade und Schalken in Wirklichkeit vor sich zu sehen glaubte. Die Gemäldegalerie besuchte er zu allen Stunden, wo der Zutritt gestattet war. Der große in sich wiederkehrende Saal, an dessen Seitenwänden damals noch die Gemälde angebracht waren, öffnete sich vor ihm wie ein Heiligtum. Die Stille, die in dieser Kunsthalle waltete, erfüllte ihn mit einem Gefühl von Feierlichkeit, einer Andacht, mit der man ein Gotteshaus betritt. Am meisten zogen ihn die Gemälde in der äußern Galerie an, wo sich das Beste der niederländischen Schulen zusammenfand. Den Wert der italienischen Meister nahm er mehr auf Treu und Glauben an, als dass er sich eine Einsicht in denselben hätte anmaßen können. Für jene aber, deren Kunst mit der bekannten Natur wetteiferte, war sein Auge bereits geschärft, der Sinn ihm durch das Anschauen von ähnlichen Bildern und Kupferstichen aufgeschlossen, und es erregte besonders sein Entzücken, wo der Pinsel über die Natur den Sieg davontrug. Die lebhaften Äußerungen seiner Kunstbegeisterung vereitelten seinen Vorsatz, unbekannt und unbemerkt zu bleiben. Der Galerieinspektor, Rat Riedel, nahm sich seiner mit zuvorkommender Gefälligkeit an und belehrte ihn über manches, was seine Einsicht fördern konnte. Auch ward er dem durch sein Werk „Betrachtungen über die Malerei“ bekannten Herrn von Hagedorn, Generaldirektor der Kunstakademie, vorgestellt, der ihm seine Sammlung vorwies und an seinem Enthusiasmus innige Freude empfand. Die wenigen Tage seines Aufenthalts in Dresden widmete Goethe nur der Gemäldegalerie, welche so sehr seine Seele ausfüllte, dass er es ablehnte, die Antiken, welche damals noch in den Pavillons des großen Gartens aufgestellt waren, aufzusuchen. Auch von dem übrigen Dresden sah er nur wenig. Noch waren die Spuren des Bombardements von 1760 nicht verschwunden, die Mohrenstraße lag noch in Schutt; von der Kuppel der Frauenkirche blickte er auf die zwischen die Häuserreihen der Stadt hinein gesäten Trümmer herab. Je mehr seine Einbildungskraft von dem Herrlichen und Schönen der Kunstschätze ergriffen worden war, desto tiefer prägte sich ihm dies düstre Bild roher Zerstörung ein. Um im Gebiet der Kunst nach allen Seiten zu schreiten, begann er unter Anleitung des Kupferstechers Stock Landschaften zu radieren. Als Zeugnis dieser Übungen sind zwei radierte Bilder auf uns gekommen, von denen das eine seinem Vater, das andere seinem Freund Hermann gewidmet ist. Sie stellen Landschaften dar, kleine Wasserfälle, von Felsen und Baumpartien eingeschlossen. Kenner haben an diesen die künstlerische Zeichnung und eine nicht geringe artistische Technik gerühmt und die Behandlung der Form als meisterhaft anerkannt. Nebenbei ward auch in Holz geschnitten. Es wurden kleine Druckerstöcke nach französischen Mustern verfertigt, und manches davon ward brauchbar gefunden. Eine bedächtige Schonung der Lebenskräfte ist nicht die Sache des im Genuss der Gesundheitsfülle glücklichen Jünglings, den noch kein Unfall gemahnt hat, dass Leben und Wohlsein vergängliche Güter sind. Goethe hatte in fröhlichem Übermut, oft auch in melancholischem Trotz, in seine Gesundheit gestürmt; es waren solche Unregelmäßigkeiten in der Lebensweise nicht selten die Ursache des launischen Missbehagens, womit er sich und andere quälte. Abhärtungsversuche und Vernachlässigung der Diät, vielleicht auch das Einatmen giftiger Dünste beim Ätzen der Kupferplatten oder die Nachwirkungen der Verletzung bei dem Auerstädter Unfall, die sich von Zeit zu Zeit in einem Druck auf der Brust fühlbar machten, führten endlich eine Krise herbei, der sein kräftiger Organismus lange widerstanden hatte. Es war um den Anfang des Sommers 1768, als er nachts mit einem heftigen Blutsturz aufwachte. Er hatte noch so viel Kraft und Besinnung, um seinen Stubennachbar zu wecken. Durch schnelle ärztliche Hilfe ward, nachdem er mehrere Tage zwischen Leben und Tod geschwebt hatte, die nächste Gefahr beseitigt, wenn auch die Genesung nur langsam und kümmerlich vonstatten ging. Es blieb die Furcht vor einem langwierigen Leiden und die Sorge, dass daraus die Lungensucht entstehen könne. Die Natur hatte sich selbst geholfen. Es stellte sich später heraus, dass die Lungen gesund waren, und nur die damit in Verbindung stehenden Teile gelitten hatten. Zunächst blieb nur ein Geschwulst an der linken Seite des Halses zurück. Wenn uns gleich Goethe berichtet, dass er nach dieser Krise eine größere Heiterkeit des Geistes gewonnen habe, so lassen doch seine Briefe aus jener Krankheitsperiode deutlich erkennen, dass er sich in einer sehr gedrückten Stimmung befand, und der jugendliche Frohsinn gebrochen war. Nur in sofern mochte er mit Recht sagen, dass er sich ein anderer Mensch geworden zu sein schien, als die Sanftheit seines Wesens, die in letzter Zeit durch störrischen Eigensinn verhüllt worden war, wieder vorwaltete, und er wiederum die Liebe der Freunde, unter denen er besonders den Beistand und die Teilnahme Horns, Hermanns und Grönings dankbar anerkennt, und das Wohlwollen der befreundeten Familien, die ihn wie einen Anverwandten behandelten, nach ihrem ganzen Wert empfand und würdigte. Schlummernde Neigungen früherer Jahre wurden wieder lebendig; er begehrte nach dem Trost der Religion, der ihm viele Jahre hindurch entbehrlich gedünkt hatte. Nach manchem Sturm der Leidenschaft verlangte ihn nach einer ruhigen Welt, und die Klassiker des Altertums zogen ihn mit erneutem Reiz an. Höchst wohltuend ward ihm in solchen Stimmungen der Umgang mit Langer, der Behrischs Nachfolger in der Hofmeisterstelle geworden war, aber dem Verbot des Grafen Lindenau gemäß sich vom Umgang mit Goethe fern gehalten hatte. Erst jetzt traten sie einander näher und schlossen bald die Herzen einander auf. Religiöse Gegenstände bildeten vornehmlich den Inhalt ihrer Gespräche, und Langer fand an Goethe ein für seinen Bibelglauben empfängliches Gemüt. „Mit Enthusiasmus“ konnte er sich wieder mit dem neuen Testament beschäftigen. Gegen Ende des Augusts machte er sich zur Rückreise nach dem Vaterhaus fertig. Die letzten erheiternden Stunden bereitete ihm die Unterhaltung der immer munter scherzenden Friederike Oeser. Sie fand es lächerlich, wie ein Mensch die Karikaturidee haben könne, im zwanzigsten Jahr an der Lungensucht zu sterben; sie setzte ihm so lebhaft zu, dass auch ihm seine Besorgnis als Einbildung erschien; und dann erzählte sie ihm mit einschmeichelndem Ton, wie vergnügt sie auf dem Land gewesen wären, wie sie Blindekuh gespielt, nach dem Topf geschlagen, geangelt und gesungen hätten, und teilte ihm dadurch eine solche Freudigkeit der Seele mit, dass der Abschied aus Leipzig ihm leicht ward, und eine heitere Stimmung seine Reise begleitete.6) Am 26. August sah er Käthchen zum letzten Mal. „Dass ich nicht Abschied genommen habe“, schreibt er aus Frankfurt an sie, „werden Sie mir doch vergeben haben. In der Nachbarschaft war ich, ich war sch on unten an der Türe, ich sah die Laternen brennen und ging bis an die Treppe, aber ich hatte das Herz nicht hinaufzusteigen. Zum letzten Mal, wie wäre ich wieder heruntergekommen!“ Er nahm die Liebe zu ihr mit sich und die, wenn auch schon geschwächte, Hoffnung, sie künftig die Seine nennen zu können. Am 28. August 1768, seinem neunzehnten Geburtstag, fuhr er in dem bequemen Wagen eines Hauderers und in Gesellschaft einiger ihm bekannten Personen aus Leipzig ab. Nicht ahnten die, von denen er damals Abschied nahm, dass wenige Jahre später der Ruhm seines Namens Europa erfüllen werde. Und doch hat schon diese Leipziger Periode den ganzen Goethe vorgebildet. Seine Eigentümlichkeit, die Richtungen seiner geistigen Tätigkeit treten schon entscheiden hervor; seinem ganzen Wesen wird die Form gegeben, welche seine spätere Ausbildung bedingte. Zwar musste er reuig bekennen, die Zwecke des Vaters, der einen gründlichen Rechtsgelehrten aus ihm machen wollte, versäumt zu haben, und kein fleißiger Student weder in Gellerts noch Böhmes Sinne gewesen zu sein. In Anerkennung des Wertes folgerechter Studien mochte er manchmal seinen Freund Hermann um den ruhigen Gang seines erfolgreichen gelehrten Fleißes beneiden. Doch Goethe war ein anderes Ziel vorbehalten. Sein Geist verlangte sich auszubreiten nach allen Richtungen, um in der Universalität der Anschauungen und Begriffe sich eine höhere und umfassende Weltansicht zu erringen. Dazu bedurfte er, sich hineinziehen zu lassen in den mannigfaltigen Wechsel der Welterscheinungen, einzutauchen in den auf- und niedersteigenden Wellenschlag des Lebens, auch Stürme der Leidenschaft durchzukämpfen, um in dem eigenen Busen alles Menschliche durch zu empfinden und in der Herrschaft über den anschwellenden drang des Lebens die ewige Wahrheit der Poesie zu finden7). Der alte deutsche Dichtergarten, in welchem er sich früher schon so bequem eingerichtet hatte, ward ihm freilich zerstört; aber die versunkene Insel der Poesie stieg wieder empor, um sich mit Myrten und Lorbeer zu schmücken und in stillen Hainen ein glückliches Geschlecht zu empfangen. 1) Über dies Verhältnis wie überhaupt über Goethes Aufenthalt in Leipzig vgl. Goethes Briefe an seine Leipziger Freunde, herausgegeben von Otto Jahn, 1849. 2) Nach „Katakombe“ heißt es nach Horns Abänderung:
3) Hiermit stimmt auch, dass Goethe bei der ersten Aufführung des Stücks in Ettersburg (1779) äußerte, er habe es „in seinem achtzehnten Jahr“ gemacht. Wenn er bei Erwähnung der Bühnenaufführung 1805 bemerkt, diese kleine Produktion sei damals vierzig Jahre alt gewesen, so bedient er sich einer runden Zahl. 4) Abgedruckt in A. Schölls Briefen und Aufsätzen von Goethe aus den Jahren 1766 bis 1786, S. 11-19. 5) Goethes ältestes Liederbuch, hgg. von Tieck, 1844. Die Vermutung Viehoffs und Varnhagens, dass ein Druck von 1768 vorhanden sei, kann nicht gegründet sein, obwohl Varnhagen ihn meint gesehen zu haben. Goethe schreibt im Febr. 1769 an Friederike Oeser: „Meine Lieder, davon ein Teil das Unglück gehabt hat, Ihnen zu missfallen, werden auf Ostern gedruckt“, – und im Juni 1769 an Kätchen: „Meine Lieder sind noch immer nicht gedruckt; ich wollte Ihnen gerne, wenn sie fertig wären, ein Exemplar davon schicken.“
(In der Epistel an Fr. Oeser, 6. Nov. 1768). 7) Diese Ansicht von der Wahrheit der Poesie spricht sich in einem Brief an Friederike Oeser vom Jahr 1769 schon ebenso entschieden aus, wie später nach dem Verkehr mit Herder in den Frankfurter Rezensionen, indem er bei Gelegenheit der Kretschmannschen Bardenpoesie äußert: „Es ist ein Ding, das gar nicht interessiert, ein Gewäsch, das nichts taugt, als die Zeit zu verderben, forcierte Gemälde, weil der Hr. Verf. Die Natur nicht gesehen hat, einige egale Wendungen. – Und was geht mich der Sieg der Deutschen an, dass ich das Frohlocken mit anhören soll? Macht mich was empfinden, was ich nicht gefühlt, was denken, was ich nicht gedacht habe, und ich will Euch loben. Aber Lärm und Geschrei statt dem Pathos, das tut’s nicht. Flittergold, und das ist alles. – – Was an einem Gemälde am unerträglichsten ist, ist Unwahrheit, ein Märchen hat seine Wahrheit und muss sie haben, sonst wäre es kein Märchen. – –“ |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|