Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Der Prozesshans'l

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IV. Akt

Die Bühne stellt den Hofraum vor Lahndorfers Haus dar; rechts vom Zuschauerraum die stattlichen Ökonomiegebäude. Links das Bauernhaus selbst, das mit der vordern Wandecke tief in die Bühne vorspringt, gleichlaufend mit der Front des Hauses zieht sich ein Zaun gegen die Rampe, der einen kleinen Garten vom eigentlichen Hofraum scheidet. Im Garten selbst befindet sich eine kleine Laube, welche sich an die Giebelwand des Hauses anlehnt und von der aus sich wilder Wein und Jerichorosen an der Wand in die Höhe ranken. Die Straße, welche im Hintergrund vorüberzieht, ist vom Hof ebenfalls durch einen Zaun mit großem Gattertor geschieden. Auf der Straße, in der Mitte eines kleinen Wiesenfleckes, erhebt sich der mächtige, reich geschmückte Maibaum. Das ganze Bild muss einen freundlich sommerlichen Anblick gewähren.

Erste Szene

(Simerl, Gidi, Kathl, Urschl nebst einigen anderen Dienstboten, sitzen teils an den beiden Bänken zur Seite der Türe, oder stehen an den Gartenzaun gelehnt, die Burschen ihrer Pfeife rauchend, die Mädchen strickend oder unbeschäftigt.)

Simerl (die Pfeife in der Hand, lehnt am Gartenzaun und singt zur Zither).

Es g’freut mi nix auf der Welt,
Als mein lediger Stand,
Und dass d’ Wieg’n noch net pumpert,
Und ’s Kind noch net zahnt.

Gidi (der auf der Bank sitzt, die Zither auf den Knien, hört zu spielen auf).
Au weh’ Kathl, da werd’n d’ Aussicht’n all’weil schlechter.

Kathl.
Heb’ nur nochamal an, i werd’ ihm gleich a Antwort geb’n.

Es g’freut mi nix auf der Welt,
Als mein lediger Stand,
Bald mi einer will föppeln,
Gib i ei’m andern mein’ Hand.

Gidi.
Seid’s nur all’weil recht g’schmach mitanand’, das is d’ Hauptsach’.

Urschl.
B’sonder’s an so ei’m heilig’n Tag’, wie der Pfingstmontag is.

Gidi.
Ja, heilig und langweilig; da herin bei Euch rührt sich aber auch gar nix; habt’s alle d’ Füß’ über’s Kreuz.

Kathl.
No, Purz’lbäum’ schlag’n können wir ja doch net.

Gidi.
Stünd’ Dir auch kaum gut an. – Is der Wasservog’l1 schon dag’wes’n bei Euch?

Simerl.
No all’weil net. Früher hab’n’s ein’ am Vormittag schon ’plagt; weiß net, warum’s so lang ausbleib’n.

Gidi.
Was is denn, Kathl, darf der Lahndorfer noch net bald ’raus?

Kathl.
Für heut’ hat’s ihm der Dokt’r ’s erste Mal verlaubt, so bis um a zwei ’rum, wann’s recht windstill wird.

Urschl.
Dass der nochmal wird, hätt’ i auch net glaubt.

Kathl.
Da hat er der Lisl schon ’s meist z’verdanken; das hat ihm sein Schutzeng’l ein’geb’n, dass er damals, am Tag’ nach der G’schicht’, wie er noch so a biss’l beisamm’ war, g’sagt hat, dass Der Toni und d’Lisl im Haus bleib’n müss’n. Denn weißt, wie ihn die mitsamm’ die zwei Monat über g’wart’ und ’pflegt hab’n, das hast noch ni g’seh’n. Mit ei’m klein’ Kind kannst auch net anderst umgeh’n. Der Alt’ is aber auch wie umg’wend’t. So dasig und gut; net a unb’scholt’n’s Wört’l hast noch g’hört, so lang’ er auf is.

Urschl.
Ja, und der Toni führt Dir ’s Regiment im Haus, da musst g’rad so schau’n. Wann jetzt mein Gidi a biss’l wär’, wie sich’s g’hört, hätt’ er leicht amal ’reinrutsch’n können in unsern Dienst.

Gidi.
O Du Schlaucherl, Du!


Zweite Szene

Vorige, Schlaucherl.

Schlaucherl.
Was is mit’m Schlaucherl? Wer hat da mein’ Namen eit’l g’nannt?

Gidi.
I bin so dumm g’wes’n.

Schlaucherl.
Still! Heut’ bin i streng’ – aber i ärger’ min et! (Zieht ein Schreiben hervor.)

Simerl.
Was bringst denn wieder schön’s?

Schlaucherl.
An allgemeinen Aufruf. Sperrt’s die Aug’n auf und macht’s die Ohren zu! Hört’s! (Setzt die Brille auf und will anfangen zu lesen.) I sieh aber gar net ein, warum i Euch Bauern den Hanswurst’n mach’n und vorles’n soll. Einer hohen Obrigkeit Befehl könnt’s selber les’n. (Nimmt Oblaten aus der Tasche und klebt das Papier irgendwo an, alles drängt sich darum.)

Kathl.
Wer hat denn das g’schrieb’n?

Schlaucherl.
Wer anders als i!

Simerl.
Das kann ja kein Teuf’l les’n.

Schlaucherl.
Ihr seid’s halt z’dumm für mein’ Fraktur – aber i ärger’ mi net. – Da schaut’s her – das erste Wort heißt – – (Geht auf die Seite.)

Simerl.
No, wie heißt’s denn?

Schlaucherl.
Wie soll denn i das wiss’n.

Simerl.
Wenn Du’s selber g’schrieb’n hast!

Schlaucherl.
Das schon; aber das is schon drei Tag’ her, und so lang’ kann i mir’s net merk’n. Ich hab’ mehr z’tun, als auf solche Dummheit’n aufz’pass’n.

Simerl.
Aber gelt, Schlaucherl, mit unser’m Bauern hast jetzt nix mehr z’schaff’n?

Schlaucherl.
In Prozessangeleg’nheit’n freilich net; das hat der Toni alles ausg’lich’n und in Ordnung ’bracht. Aber weg’n der G’schicht’ mit der Lahn wird er g’straft, dass g’rad so schnallt. Den ganzen Geldwert vom g’schlagenen Holz muss er als Straf’ zahl’n.

Urschl.
Es ist doch merkwürdig; d’Lisl und der Toni hätt’n z’Grund geh’n können dabei.

Schlaucherl.
Glück muss der Mensch hab’n – nachher kommt er zu ei’m Glas’l Schnaps.

Kathl.
Aha, das is auf mi g’spitzt. (Geht in’s Haus.)

Urschl.
Geh’ zu, Simerl, und erzähl’; Du weißt ja, wie’s zu’gangen hat, dass d’Lisl so gut weg’kommen is.


Dritte Szene

Die Vorigen, Toni (tritt aus dem Haus).

Simerl.
Da, a kommt der Toni selber, der kann’s jed’nfalls besser erzähl’n als i.

Toni.
Was soll i Euch denn erzähl’n?

Schlaucherl.
Wie Du mit Deiner Mutter unter der Lahn g’wes’n bist.

Gidi.
Wir hab’n’s wohl schon oft g’hört, aber nie von Dir – und jed’smal anders.

Schlaucherl.
I möcht’ wiss’n, ob’s wahr is, dass Du mit Deine zwei Arm’ und mit Dei’m Buck’l ’s ganze Dach g’halt’n hast?

Toni.
Na, mein Lieber, wann auch ’was drin steckt in meine Arm’, das bring’ i doch net fertig. Vielleicht hätt’st es Du mit Dei’m Kopf derhalt’n können.

Schlaucherl.
Nur kein’ Anspielung auf mein’ schwächst’n Körperteil – denn heut’ ärger’ i mi net! – Lass die hohe Obrigkeit net so lang’ wart’n und erzähl’!

Toni.
I weiß fast nimmer recht, so oft hab’ i’s schon erzählt. Wie’s halt damals in der Höh’ drob’n ’s Krach’n und ’s Rump’ln ang’fangt hat, bin i g’rad heimzu ’gangen. Mit ei’m Blick hab’ i g’seh’n, dass alles kerz’ng’rad’ auf unser Häus’l zugeht, und mit einmal is mir’s siedig heiß aufg’stieg’n: Jesses! Dein’ Mutter liegt krank im Bett daheim.

Schlaucherl.
Krank?

Toni.
Das heißt, krank hat man g’rad net recht sag’n können – sie hat halt am Tag’ vorher ’was durch’zmach’n g’habt, das hat’s stark an’griff’n, und d’rum hat sie sich in der Fruh g’legt. – Mein Lieber, so g’schwind bin i meiner Lebtag’ noch net durch’s Dorf ’nunter ’kommen, als wie i da dran’denkt hab’. ’Nein durch d’ Haustür’ – durch d’ Stub’n durch und in der Mutter ihr Kammer, das war eins. – Vor’m Bett is das alte Leut g’stand’n, halb an’zog’n, käsweiß und zitternd am ganz’n Leib. – Mit ei’m Ruck hab’ i’s aufg’hob’n und hab’ der Tür zu woll’n – aber i muss damals an gut’n Schutzeng’l g’habt hab’n, der mir zug’rufen hat: Halt! Net da ’naus, sonst is gar. Im selb’n Aug’nblick bin i auch schon vor der Tür’ von der Milchkammer g’stand’n, die in Berg ’nein g’wölbt war und g’rad wie i’s Tür’l aufstoß und ’nein will, bricht die ganze Remasuri z’samm’ und von hint’n her krieg’ i an Schlag – dass i mi heut’ noch b’sinn’, wie i mitsamt meiner Mutter der ganz’n Läng’ nach in die finster’ Kammer ’nein g’fall’n bin.

Simerl.
’S größte Glück war halt, dass der Schnee net so weit ’runter is, sondern früher ein’bog’n hat, sonst hätt’s a etliche Tag’ drin lieg’n können, bis man Euch ’raus ’bracht hätt’.

Schlaucherl.
Da wär’ die hohe Obrigkeit schon Tag und Nacht net weg, dass fleißig ’grab’n word’n wär’. –


Vierte Szene

Vorige, Franz.

Franz (in halb militärischer Tracht; Soldatenhose, Mütze und Joppe; von der Straße her).
No, Ihr da bei’nand’, wie schlag’n Euch denn d’ Feiertag’ an?

Alle.
Jesses! Der Franz! (Er wird von allen auf’s herzlichste begrüßt.) Grüß’ Gott!

Simerl.
Ja, hab’n’s Di schon wieder aus’lass’n beim Militari?

Franz.
I war ja bloß auf sechs Woch’n einberuf’n, und bin jetzt als Vizefeldweb’l beurlaubt word’n.

Toni.
Jetzt macht’s Leut’ln, dass an Euer Arbeit kommt’s; es is Zeit für’s Vieh. (Die Dienstboten entfernen sich, gehen aber immer wieder ab und zu und beschäftigen sich teils am Brunnen, teils im Hof vor den Ställen, so dass die Bühne nie ganz leer bleibt.)

Schlaucherl.
Was! Zeit für’s Vieh ’is? Dann werd’ i auch mach’n, dass i weiter komm’. (Ab.)


Fünfte Szene

Franz, Toni.

Toni.
Aber jetzt sag’, wie is Dir denn all’weil ’gangen? Ausschau’n tust gut.

Franz.
Könnt’ mi auch über nix beklag’n g’rad; aber Du hast wohl recht schwere Tag g’habt?

Toni (seufzt auf).
I meinet schon. – Drin der Vater, der woch’nlang’ hart am Tod’ g’leg’n is – und herauß’n die Wirtschaft – Herr, Du mein Gott, i sag’ Dir’s, ’graust hat’s mir – i hab’ net g’wusst, wo i anfangen soll.

Franz.
Das glaub’ i Dir gern. – I hab’ aber schon g’hört, dass jetzt geg’n früher sein soll, g’rad wie Tag und Nacht.

Toni.
Was i aber nur Dir z’dank’n hab’; denn wann Du net Dein’ Hand’ aufg’macht hätt’st –

Franz.
Hör’ auf, es is ja net der Red’ wert.

Toni.
Na – na, mein Lieber – so is das Ding net. Wie i amal a gute Stund’ find’, wo i mit’m Vatern red’n kann, nachher ruh’ i net, bis Du net a sichere Hypothek hast.

Franz.
A was, lass die G’schicht’n amal sein. Sag’ mir lieber, wie Du mit’m Höchstheimer ausanander ’kommen bist.

Toni.
Das hab’ i kurz g’macht. – 4000 Mark hat mein Vater von ihm ’kriegt, und weißt – 18000 hätt’n seine Wechs’l g’macht – nach drei Jahr’ – da hab’ i dem Kerl 5000 Mark hing’legt am Tisch und hab’ g’sagt: Willst’s nehmen und z’fried’n sein, i’s gut – wann net, steck’ i’s wieder ein – und nachher kannst schau’n wo Du’s herkriegst, denn was da is, is der Burgl ihr Muttergut. Sollst g’hört hab’n, wie der so g’schwind ja g’sagt hat. – Wie nachher ’zahlt g’wes’n is, und d’ Wechs’l z’riss’n war’n – hab’n i Dir ’packt beim Krawatt’l und ’nausg’feuert zum Haus – – i sag’ Dir’s, der denkt sein Lebtag’ dran – und eing’richt’ hab’ i’s schon so, dass kein Mensch g’seh’n hat.

Franz (klopft ihm auf die Schulter).
Toni! Du bist halt a Mordskerl. I sag’s all’weil, noch einer wie i und Du – und wir stell’n d’ Welt am Kopf. – Und wie steht’s sonst?

Toni.
Wieso?

Franz.
No i mein’ halt! (Verschmitzt.) Wie i heut’ Vormittag in Urlaub heim’kommen bin – und meiner Resl Grüß’ Gott g’sagt hab’ –

Toni.
Deiner Resl?

Franz.
Ja, meiner Resl – da hab’ i halt gleich nach Dir g’fragt, und wie’s Dir ging’ – und weißt, was i für a Antwort ’kriegt hab’ –: „Was geht denn mi der Toni an!“ – G’sagt – um’dreht – und ’naus zur Tür’! – Habt’s denn ’was g’habt mitanand’?

Toni.
Wir – na! Aber das is ja g’rad ’s Dumme, dass wir nix g’habt hab’n mitanand’!

Franz.
Wieso?

Toni (vertraulich).
No mein – weil i halt gern’ ’was mit ihr hab’n möcht.’ – Verstehst?

Franz.
I meinet schon. Du machst ei’m’s Versteh’n net so b’sonders schwer. Aber es wird Di net viel helf’n; morg’n geht’s fort, zu ei’m Bas’l nach Reich’nhall.

Toni.
Ja, wär’ net aus!

Franz.
Sie hat g’rad vorhin B’hüt’ Gott g’sagt bei a paar Kameradinnen von ihr; wird wohl alle Aug’nblick daher kommen, denn das glaub’ i doch net, dass fort geht, ohne der Burgl ’was z’sag’n.

Toni.
Franz, Du musst mir helf’n!

Franz.
No freilich – aber wann’s kommt – net lang’ red’n – gleich ordentlich zugreif’n. Hast doch sonst so viel Schneid. – Sixt, da kommt’s schon – jetzt mach’ nur, dass in’s Haus ’neinkommst – schick’ d’ Burgl ’raus – sie soll d’ Resl aufhalt’n und in’s Gart’l führen – und nachher Di hol’n! (Toni springt eilig in’s Haus; Franz eilt nach dem Tor und tritt seiner Schwester entgegen, welche auf der Straße vorüber gehen will.)


Sechste Szene

Franz und Resl, später Toni und Burgl.

Franz.
No, no, pressiert’s Dir so? – Bist denn mit Deine B’such’ schon fertig?

Resl.
Das sixt doch, dass i am Heimweg bin.

Franz.
Gehst denn net zu der Burgl ’nein und sagst ihr a paar Wört’ln?

Resl.
Na, das überlass i Dir!

Franz (drängt sie immer mehr gegen das Tor).
No, i werd’ doch den Leut’n net B’hüt’ Gott sag’n, wann Du gehst.

Resl (ängstlich nach dem Hof blickend).
Geh’ weiter und halt mi net lang’ auf. – Meinst leicht, i hab’ mein’ Zeit g’stohl’n?

Franz.
Was hast? G’stohl’n hast? Nachher is schon recht – nachher geh’ nur her, denn die Leut’, die g’stohl’n hab’n, werd’n – – (Mit einer raschen Bewegung schiebt er Resl vollends in den Hof und drückt das Gatter zu.) – eing’sperrt!

Resl.
Franz, i sag’ Dir’s, mach’ keine Dummheit’n – sei g’scheidt – tu’ mir das net an – lass mi ’naus – i muss ja heim. (Sie rüttelt mit aller Kraft an dem Gatter, das Franz von Außen zuhält.)

Toni (führt Burgl unter die Haustür).
Jesses, da is d’ Resl schon! (Zu Burgl.) Mach’ fein Dein’ Sach’ gut! (Tritt zurück.)

Burgl.
Was machst denn, Resl? – Hast Dir vielleicht Dein’ Rock ein’zwickt? (Geht auf Resl zu.)

Resl.
A na – es is – i hab’ –

Franz.
B’hüt’ Gott sag’n will’s Dir, Engerl, g’rad so, wie i Dir jetzt Grüß’ Gott sag’. (Reicht ihr durch das Gitter die Hand.) Denn i bin heut’ ’kommen und d’ Resl geht morg’n fort.

Burgl.
Is das wahr?

Resl (hastig, mit ängstlichen Blicken, nach der Haustüre).
Ja, und d’rum hab’ i net lang Zeit; i hab’ noch alles z’viel z’samm’ z’richt’n.

Franz.
Da hast noch den ganz’n Abend dazu.

Resl (fast weinerlich).
Na, g’wiss net – i muss heim!

Burgl.
A geh’ – (Nimmt sie beim Arm und führt sie nach dem Vordergrund.) – jetzt setz’n wir uns in’s Gart’nhäus’l – und da erzählst mir nachher, wo D’ hingehst. (Sind an der Türe des Gartenzauns angelangt; Burgl öffnet dieselbe und lässt Resl eintreten.) Is daherin net schön? Weißt, das is mein Lieblingsplatz’l – b’sonders an die Feiertag’. – Aber wart’, a paar Schucks’n musst ess’n, i hol’ Dir a paar ’raus.

Resl.
Na, i bitt’ Di, bleib’ da – i hab’ schon so viel z’ Mittag ’gess’n, dass i wirklich nimmer kann.

Burgl.
No, eine wird Di auch nimmer druck’n. Wenigst’ns musst Du’s versuch’n; hab’s ja selber ’bach’n. (Eilt fort; unter der Haustüre wird sie von Toni schon erwartet.) Geh’ weiter, net da ’rum; sonst merkt sie’s ja. Geh’ durch die hintere Tür’ ’naus, und von der ander’n Seit’n in’ Gart’n ’rein. (Beide verschwinden in der Haustüre.)

Resl (ist aufgesprungen).
Wer red’t denn da! (Geht leise gegen den Zaun und blickt vorsichtig um die Hausecke.) Na, i hab’ mi doch wohl g’irrt. (Schaut wieder um die Ecke.)

Toni (tritt von der Gartenseite auf, schleicht sich an Resl heran und umschlingt sie von rückwärts mit beiden Armen).

Resl (stößt einen leisen Schrei aus und will sich loswinden).

Toni (drückt sie fest an sich und bedeckt ihren Mund mit Küssen, während Resl immer zu sprechen versucht).

Resl.
Ja – mit – welchem – Recht unterstehst Du Di denn? –

Toni.
Mit demselben, mit dem einer ’was nimmt, was sein g’hört mit Leib und Seel’. (Küsst sie von neuem.)

Resl.
Und Du meinst, dass i so zu Dir g’hör’ – das muss Dir schon der Herr Pfarrer auf’s Evangeli g’schwor’n hab’n, weil Du ’s gar so fest glaubst.

Toni.
Na, Deandl – Du selber hast mir’s g’schwor’n, damals, wo Du mi für tot g’halt’n hast und über mi hing’fall’n bist im größt’n Jammer. Und wann i jetzt Dein lieb’s Göscherl abbussl’ (Küsst sie.) – so gib i Dir g’rad all’ die Buss’ln z’ruck, die Du mir als ei’m Tot’n geb’n hast.

Resl.
Ja damals – (Sie reißt sich los) – damals mag’s so g’wes’n sein. Aber damals und heut’ sind zwei verschiedene Tag’!

Toni (erschrocken).
Deand’l – was hab’ i – – na, es kann net sein! Wo d’Lieb’ amal ein’zog’n is, da gibt’s kein Aufsag’n mehr. Mein g’hörst und als mein Eig’ntum will i Di auch halt’n. (Umfasst sie wieder.)

Resl.
Jetzt will i aber doch seh’n –

Toni.
Kein’ Widerred’ – oder noch a halb’s Dutzend Buss’ln als Straf’!

Resl.
So – gelt – jetzt wär’ i Dir gut g’nug, weil d’Burgl net hab’n kannst.

Toni.
Z’erst wird g’straft! (Küsst sie.) Und jetzt sag’ i Dir, dass mein’ Lieb’ zur Burgl nie a andere war, als wie d’Lieb’ zu einer Schwester sein soll; und wann i jemals von ihr begehrt hab’, sie soll mein Weib werd’n – so is das bloß desweg’n g’scheh’n, weil Du mir all’s z’tief im Herz’n g’steckt bist, und weil mir mein’ Lieb’ zu Dir nix anders ein’trag’n hat, als Ärger und Verdruss – denn wie Du mit mir umg’sprungen bist, da hab’ i kein gut’s End’ davon abseh’n können. Willst mir das glaub’n auf Treu’ und Wort, Deand’l – und willst mir auch a wahre Antwort geb’n, wann i Di jetzt frag’ – ob Du mein Weib werd’n willst?

Resl (hat mit steigender Befriedigung den Worten Toni’s gelauscht, und wendet stumm den Kopf, um ihr freudiges Lächeln zu verbergen).

Toni.
Deand’l – i bitt’ Di, red’ – oder i müsst’ Di wieder straf’n –

Resl.
Untersteh’ Di!

Toni.
Aber willst mir denn gar nix sag’n?

Resl.
Na!

Toni.
Und warum net?

Resl.
Dummer Bua! Weil – weil mir die Straf’ halt gar so viel g’fallt! (Sie wendet sich gegen Toni, lacht ihm in’s Gesicht und wirft sich an seine Brust.)


Siebte Szene

Kathl, Knechte etc., später Lahndorfer, Lisl und Burgl.

Kathl (welche gerade am Brunnen steht).
Jesses, da kommen’s ja – der Wasservog’l! Da schaut’s her, der Wasservog’l! (Die Knechte und Mägde laufen alle dem Tor zu.)

Urschl.
Is schon wahr, da kommt die ganze Remasuri daher!

(Der Wasservogl zieht unter den Klängen einer Ziehharmonika in den Hof und vor die Türe des Bauernhauses. Voraus geht ein Knabe, der ein ungefähr 2 ½ Meter hohes Birkenbäumchen in den Händen trägt, das aufgeputzt ist mit ausgeblasenen Eiern, farbigen Bändern, Flittergold und ganzen seidenen Taschentüchern. Ihm folgen zwei Knaben, von denen der eine einen alten Säbel, der andere einen zur Sparkassa umgeformten Hafen trägt. Diesen beiden folgen zwei andere von denen der erste einen am Strick angebundenen Hasen trägt zur Aufnahme des geschenkten Schmalzes, der andere einen Korb für die erbettelten Eier. Alle fünf sind faschingsmäßig aufgeputzt mit Papierhüten der primitivsten Art, die einen tragen ihre Röcke verkehrt, die andern tragen über dem Anzug gewöhnliche Hemden, welche um die Hüfte mit einem roten oder blauen Schlips gebunden und über und über mit bunten Tuchflecken benäht sind. Ihnen allen folgt ein sechster Knabe, welcher über und über mit Weiden und Birkenzweigen eingebunden ist und in dieser Weise den so genannten Wasservogel darstellt.)

Lahndorfer (geführt von Lisl und Burgl).
So is recht, Buab’n.

Hans.
Wir sind keine Buab’n, wir sind der Wasservog’l!

Lahndorfer.
No also, mein lieber Wasservog’l, das freut mi, dass ’kommen bist; ’s hätt’ mi arg verschmacht, wann’s beim Lahndorfer vorbei ’gangen wärt’s. Habt’s schon a recht gut’s G’schäft g’macht?

Hans.
Wir sind net ganz z’fried’n; Du musst Di halt jetzt recht gut einstell’n!

Lahndorfer.
No, sagt’s nur amal Euern Spruch her, nachher werd’n wir schon seh’n!

Die Wasservogelbuben (sagen mechanisch und unisono folgenden Spruch ab):

Da kommen wir Buab’n mit’m Wasservog’l;
Doch wiss’n wir net, wo er her is g’flog’n.
Weit über’s Meer – weit über’s Meer
Is der Wasservog’l g’flog’n daher.
Er machte den Fischen das Wasser so trüb’,
So trüb’, so trüb’ bis auf den Bod’n.
D’rum müss’n wir Buab’n die Rosse hab’n!

(Alle springen galoppierend in die Höhe, das Wiehern der Pferde nachahmend.)

Die Rosse hab’n is noch net gnua,
A Beut’l voll Geld g’hört auch dazua!
A Beut’l voll Geld is noch net gnua,
A Haf’n voll Schmalz g’hört auch dazua,
A Haf’n voll Schmalz is noch net gnua,
A Kirb’n voll Eier g’hört auch dazua!
Jetzt is gnua – jetzt is gnau –
Jetzt reit’n wir Buab’n dem Wasser zua!2

Lahndorfer.
Sauber habt’s Euer Sach’ g’macht. Geht’s her da besser an mi, i bin noch net so rührig, dass i ei’m jed’n nachlauf’n kann. Da habt’s a paar Mark’ln und d’Burgl soll Euch nur ’neintun in d’Häf’n, was noch Platz hat. (Währenddessen haben Burgl und Lisl Eier, Schmalz, Butter etc. herbeigebracht und unter die Buben verteilt.)

Wasservogel (nach der Beschenkung).

Wir danken Dir, Herr Jesu Christ,
Dass Du für uns gestorben bist.

(Ziehen unter Musik und Jubel wieder ab.)


Achte Szene

Lahndorfer, Lisl, Burgl, Toni, Resl, später Franz.

Resl.
No, Lahndorfer, jetzt sag’ i Dir halt auch Grüß’ Gott; hab’ ja noch net hinkommen können an Di, vor lauter Buab’n und Gaudi. Freut mi, dass wieder auf die Füß’ bist, und wann’s auch langsam geht im Anfang, mit der Zeit wirst schon wieder hupfet werd’n.

Lahndorfer (etwas scheu und zurückhaltend).
I dank’ Dir schön, Resl; i dank’ Dir schön! Glaub’ schon, dass Du’s gut meinst mit mir, aber hupfet werd’ i wohl nimmer werd’n.

Toni (der Lahndorfer unter den Arm genommen).
Geh’ zu, Resl, und halt’ uns net auf; der Baur muss sich jetzt in sei’m Hof amal wieder umschau’n.

Resl (zu Lahndorfer).
Wirst schon seh’n, dass an gut’n Verwalter g’habt hast. (Lahndorfer mit Toni in den Stall ab.)

Lisl (kommt aus der Haustüre, Tischtuch und Teller auf dem Arm).
Da Burgl! – I und d’Kathl trag’n nachher den Tisch ’raus; da is schön schattig und doch warm – kannst nachher deck’n, weil sich der Bauer positifi an Kaffee einbild’t. (Kopiert den Arzt.) „A leicht’s Kaffezerl darfst auch trink’n, das schad’t Dir gar net.“ Früher, wann a Doktor zu ei’m Bauernleut ’was g’sagt hätt’ von ei’m Kaffee, in’s G’sicht hätt’n’s ihm g’lacht.

Kathl (schleppt einen großen Lehnstuhl herbei).

Resl (lässt sich darin nieder).
Sapperlot – da sitzt man aber gut! – (Wendet sich ernsthaft zu Burgl.) Du – wo bist denn Du vorhin mit Deine Schucks’n ’blieb’n?

Burgl (in komischer Verwunderung).
Ja hat Dir’s der Toni denn net ’bracht?

Resl.
No wart’ – Du! Das vergiss i Dir sobald net! Was wett’st, dass i Dir auch an Streich spiel’, eher als Du’s denkst!

Burgl (traurig).
Wett’n! Auf was sollt’ i denn da wett’n? I wüsst’s wahrhaftiger Gott net.

Resl.
So, so? – No, ja – es is schon recht!

Lisl und Kathl (bringen den Tisch und stellen ihn zurecht).

Resl (fasst unterdessen Urschl ab und nimmt sie beiseite).
Du! Jetzt schaust, dass wegkommst – aber d’Burgl darf’s net merk’n – verstehst – und nachher gehst mein’ Franz such’n, und sagst ihm, an schön’ Gruß von mir und er soll gleich herkommen. Mach’ weiter. (Sie geht an den Tisch zurück, den Burgl eben zu decken anfängt und setzt sich in den Lehnstuhl.)

Burgl.
Jetzt musst mir aber nachher doch sag’n, warum denn so auf amal fort woll’n hast von z’Haus.

Resl.
Ja – das is ganz a b’sondere G’schicht’ – an der eigentlich mein Franz schuld is.

Burgl.
Der Franz?

Resl (geheimnisvoll).
Ja, der Franz – i sollt’ eigentlich net davon red’n – aber Dir kann is ja sag’n.

Burgl (treuherzig).
I erzähl’s g’wiss niemand –

Resl (wichtig).
Is aber auch g’wiss?

Burgl (legt die Hand auf die Burst).
Gleich sterb’n will i, wann’s net wahr is.

Resl.
So geh’ her. (Zieht Burgl zu sich.) Weißt, die Sach’ is nämlich so – – Na – es geht doch net –

Burgl.
Aber wann i doch amal sag’ –

Resl.
Ja weißt, das is net so leicht, wie Du glaubst – die G’schicht’ is gar verwickelt – wann i nur gleich wüsst’, wie i anfangen sollt’. – Ja – also das weißt schon, dass mein’ Mutter den Franz zum geistlich’n Stand verlobt g’habt hat.

Burgl (ängstlich).
Ja schon – aber – das g’hört doch net –

Resl.
’S erste Jahr im Seminar is all’s gut ’gangen – bs er in d’ Vakanz heim’kommen is – da war er aber schon nimmer zum kennen – hat fast gar nix g’red’t, is ganz stad und blass all’weil um den Vater ’rumgangen, bis ihn der amal g’fragt hat, was ihn denn eigentlich druckt. – „I hab’ ’was am Herz’n“, hat der Franz g’sagt. – „So, nachher geh’ ’naus Resl“, hat der Alte g’sagt. I bin ’gangen, aber net weiter, als dass i hab’ horchen können. Der Franz hat zwar noch lang’ umanand’ ’druckt – endlich is er los’platzt, und hat g’sagt: „Vater, i kann kein geistlicher Herr werd’n.“

Burgl.
Was net sagst?

Resl.
Und g’rad g’red’t hat er Dir, als ob er schon auf der Kanz’l stünd’. – „Und i lass’ mi net zwingen“, hat er all’weil g’sagt, „i lass mi net zwingen; denn seit meine frühest’n Jahr’ trag’ i’s Bild von ei’m Deand’l im Herz’n, und die Lieb’ dazu is mit mir g’wachs’n bis zum heutig’n Tag –

Burgl.
Hat er g’sagt?

Resl.
Hat er g’sagt! Jetzt war natürlich guter Rat teuer. Der Mutter hat man nix sag’n dürf’n, denn die hätt’s ja nie zugeb’n also hat’s g’heiß’n, jetzt muss der Herr Pfarrer sein’ Senf d’rein geb’n. Und denk’ Dir nur, der hat dem Franz völlig Recht ’geb’n, und hat ihm g’rat’n, er soll ’was anstell’n, ’was nix schlecht’s wär’, und was ihn doch aus’m Seminar ’rausbrächt’. Er – der Herr Pfarrer, sorget nachher schon, dass man’s im Ordinariat d’rin erfahret. (Sie hat sich während dieser Rede öfter nach Franz umgesehen; so wie sie ihn bemerkt, winkt sie ihm zu, sich näher zu schleichen, während sie Burgl selbst, ganz an sich zieht, damit ihr ein Umwenden nicht möglich wird.)

Burgl.
Möcht’ man’s fast net glaub’n.

Resl.
Ja, ganz g’wiss is wahr. – „Wann Dir gar nix einfallt“, hat der Pfarrer zum Franz g’sagt, „nachher gibst im Wirtshaus der Kellnerin a Buss’l.“ – Jetzt denk’ amal – Aber was is Dir denn, Du wirst ja mit amal ganz blass –

Burgl.
Es is nix – i glaub’, es zieht –

Resl.
Is ja ganz windstill da. – Aber weißt, das merkwürdige bei der ganz’n G’schicht’ is das: Wir hab’ns nie ’rauskrieg’n können, wer das Deand’l is, um der’ntweg’n er sein’ geistlich’n Stand auf’geb’n hat. Sag’ amal, is Dir nie so ’was aufg’fall’n? –

Burgl (hastig).
Wahrhaftiger Gott – na – niemals. – Aber was jetzt da erzählt hast, das hängt doch gar net mit dem z’samm’, dass Du fort hast woll’n –

Resl (hat Franz ganz herankommen lassen, so dass er dicht hinter Burgl steht).
So? – Meinst? – Nachher musst halt den da f’rag’n, (Dreht Burgl hastig um.) – vielleicht weiß der besser!

Burgl (ist im ersten Augenblick ganz starr, dann schlägt sie die Hände vor’s Gesicht und springt nach dem Haus).

Resl (zu Franz).
Bua – fang’s!

Franz (läuft Burgl nach).

Resl (geht nach und horcht an der Türe).
No – was is?

Franz (von innen).
I hab’s schon!

Resl (kichert vor sich hin).
So rächt sich a Freundin!

Lisl (kommt mit Kaffee und einer Schüssel mit Schucksen aus der Türe).
Ja, was habt’s denn jetzt ’tan in der Zeit, dass der Tisch net amal ’deckt is?

Resl (nimmt ihr die Sachen ab und führt sie dann an das offene Stubenfenster).

Lisl (schaut hinein).
Ah – das is aber net!

Franz (von innen).
Gelt, das g’fallt Dir!

Lisl.
Und ob’s mir g’fallt! Das wann i g’wusst hätt’, da hätt’ i vor lauter Freud’ gleich nochmal so viel Schucks’n bach’n lass’n. – Aber lasst’s Euch nur net irr mach’n – I sag’s Euch schon, wann’s Zeit is zum Kaffee!


Neunte Szene

Vorige, Lahndorfer und Toni (treten aus dem Stall).

Lahndorfer.
Ja, sag’ nur, Bua, wie das g’macht hast? – Das Vieh! Sixt, Toni, Du bist mein Stolz und mein’ Freud’, Die gebet i nimmer her, und wann i zehn Höf’ und a ganz’ Dorf dazu krieget. – Aber was alles g’scheh’n is – der Höchstheimer, wie mir d’ Lisl verrat’n hat, is auch ’naus’zahlt – Bua – so ’was kann man bloß mit viel Geld mach’n. Sag’ mir offen, wer hat Dir ausg’holf’n?

Toni.
Der Franz.

Lahndorfer (aufbrausend).
Was? Dem Stiglbauer sein Franz!

Toni (legt besänftigend seine Hand auf Lahndorfers Arm).
Ja, Vater, der Franz! An dem hab’ i amal kennen g’lernt, was a Freund’ heißt. Allein hätt’ i net alles so füreinander ’bracht, wann net er mir mit Rat und Tat so zur Seit’ g’stand’n wär’. Wie er schon drin war beim Militär, sogar da hat er mir noch all’weil g’schrieb’n und hat mir auf allerhand aufmerksam g’macht.

Lahndorfer.
Der Franz? – – So, so – der Franz! Schau! In dem hab i mi auch ’täuscht – (Er geht langsam nach dem gedeckten Tisch.) wie i mi mein ganz’ Leb’n über gar in manchem ’täuscht hab’. (Reicht Resl die Hand.) Resl, wann Dein’ Brudern siehst, so sag ihm, er möcht’ mir ’s net verüb’ln, dass mit meiner G’sundheit noch net so weit is; i wär’ sonst schon lang’ zu ihm ’kommen, um mein’ Dank fürz’bringen.

Lisl.
No, wann mit’m Franz ’was z’red’n hast, so brauchst ihn bloß ’rausz’ruf’n; er is drin in der Stub’n; kannst ihn nachher auch gleich zum Kaffee einlad’n.

Lahndorfer.
Was! Da is er! – Das trifft sich gut. Toni, da geh’ nur glich und hol’ ihn ’raus!

Toni (ab.)

Lisl.
Jetzt wird mein’ Kaffeeg’sellschaft all’weil größer; am End’ langt’s gar net mehr.

Toni, Franz und Burgl (treten aus dem Haus; franz geht auf Lahndorfer zu und streckt ihm die Hand entgegen. Lahndorfer fasst sie mit beiden Händen und blickt ihm mit stummer Rührung in’s Gesicht).

Lahndorfer.
Franz, Dir hab’ i viel abz’bitt’n; g’rad schamen muss i mi, weil i net weiß, wie i Dir alles danken soll.

Franz (herzlich).
Von Schamen kann da gar kein’ Red’ sein. Aber wann g’rad meinst, Du musst ’was tun, so kann i Dir schon aus der Verleg’nheit helf’n. Gibst mir halt Dein’ Burgl derweil als Abschlagszahlung.

Burgl.
Ja, Vater, das tust!

Lahndorfer.
Wie wär’ das? So steht’s mit Euch? – Ja von ganzem Her’n sag’ i – – Ja mein, wie soll i denn jetzt das füranand’ bringen. I hab’ jetzt zwei Kinder und kein’s soll z’ kurz kommen. Du weißt ja selber am best’n, wie’s mit’m Hof steht; von ei’m ’naus’zahlen für’s Deand’l kann vor der Hand kein’ Red’ sein.

Franz.
A was! I nimm’s Deand’l, wie ’s geht und steht; und damit ja sixt, dass i uneigennützig bin, schlag’ i Dir sogar noch ’was los dafür –

Lahndorfer.
Na, na! Auf so ’was kann i net eingeh’n.

Franz.
Aber so lass mi doch ausred’n! In mei’m Hof is für zwei Weibsleut’ kein Platz – und d’rum schlag’ i Dir vor, wann d’ Burgl als mein Weib bei mir einzieht, nachher nimmst Du d’ Resl in Dein Haus!

Lahndorfer.
Was! I? Was soll denn i mit der Resl anfangen?

Toni.
Wann Du’s net weißt, Vater, nachher fragst halt mi; i kann Dir’s ganz g’nau sag’n. (Zieht Resl an sich und küsst sie.) Spannst ’was?

Lahndorfer.
Jetzt leg’ i mi doch gleich hin und rühr’ mi nimmer. A solche Freud’ soll i noch erleb’n! Aber halt – in mein’ Hof kann bloß a Bua heirat’n, der mein’ Namen tragt. (Wendest sich zu Lisl.) Lisl, Dir bin i so viel schuldig – vielleicht noch mehr als die andern. (Gibt ihr die Hand.) Was meinst, wann wir unser’m Buab’n sein’ ehrlich’n Namen geb’n tät’n!

Lisl (verlegen).
Jesses na!

Lahndorfer.
Du meinst wohl d’ Leut’ könnt’n lach’n über so a Brautpaar, wie wir sind! Aber lass lach’n – lass lach’n! Wir zwei können doch am best’n lach’n!

Lisl (zwischen Weinen und Lachen).
Ja, lass’n wir’s lach’n!

Lahndorfer.
Jujeh! Brautleut’ umundum! Kathl! Simerl! Urschl! Alles ’raus! (Alle kommen von verschiedenen Seiten gelaufen.) Lauft’s, was lauf’n könnt’s – ’nauf zum Wirt! A Eimer Bier muss her – gleich auf der Stell’ – und einlad’n tut’s, wen’ auf der Straß’n trefft’s! ’S ganze Dorf soll herkommen – zu mir – zum Prozesshans’l! Denn der Namen soll bleib’n auf mei’m Hof – und wann wir von unserer Hochzeit heimzieh’n und einkehr’n in’s Haus, nachher müss’n d’ Musikant’n blas’n und i sing’ dazu:

Beim Prozesshans’l heißt man’s
Allhier in dem Haus –
Wer aber da streit’n will,
Den schmeißt man ’naus!

(Jodler.)

(Der Vorhang fällt.)

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1 Der Umzug des später geschilderten Wasservogels ist ein in vielen Ortschaften jeden Pfingstmontag wiederkehrender Gebrauch. ^
2 Die Verse sind fast wörtlich dem Volksmund entnommen.
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