Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Lebenslauf eines Optimisten

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   Literatur
      Ludwig Ganghofer
         Lebenslauf eines
         Optimisten
            Titel
            Buch der Kindheit
               Kapitel 1
               Kapitel 2
               Kapitel 3
               Kapitel 4
               Kapitel 5
               Kapitel 6
               Kapitel 7
            Buch der Jugend
               Kapitel 1
               Kapitel 2
               Kapitel 3
               Kapitel 4
               Kapitel 5
               Kapitel 6
               Kapitel 7
               Kapitel 8
               Kapitel 9
               Kapitel 10
               Kapitel 11
               Kapitel 12
            Buch der Freiheit
               Kapitel 1
               Kapitel 2
               Kapitel 3
               Kapitel 4
               Kapitel 5
               Kapitel 6
               Kapitel 7
               Kapitel 8
               Kapitel 9
            Buch der Berge
               Kapitel 1
               Kapitel 2
               Kapitel 3

Kapitel 3

Wieder daheim. – Auch in Welden drehte sich alles Leben um den Krieg, der mich heiß beschäftigte und mir Gedanken und Blut in stetem Wirbel und Aufruhr erhielt. Neben allem Ernst ist mir eine heitere Geschichte im Gedächtnis geblieben. Mama hatte sie vom Förster Stöger gehört, dessen Sohn als Leutnant in Frankreich war. Dort hatte der junge Offizier eines Tages seinen Burschen ausgeschickt, um Eier zu kaufen, und hatte ihm eingepaukt, wie er auf Französisch fragen müsste, was die Eier kosten. Der Bursch brachte eine Kappe voll Eier zum Lagerplatz, brachte aber auch alles mitbekommene Geld wieder heim. „Du Kerl! Ich habe dir doch streng befohlen, dass du die Eier bezahlen musst!“ Und der Bursch antwortete: „I ha(n)’s zahle wölle, aber wie i gfragt ha(n): Kombi kutt il?, hot die Bäuerin gsät: Gah zeu – (Quat’ sous) – und da bin i gange.“

Was war das ein fieberhaftes Zittern auf die Zeitung, Tag für Tag! Und was gab es da zu lesen! Von Wörth, von Mars la Tour, von Sedan, von den Scharen der Kriegsgefangenen, vom Schloss auf der Wilhelmshöhe und vom trauernden Napoleon, über den der schwäbische Volkswitz das drastische Liedchen dichtete:

„Da droben au’m Bergle,
Da hockt e Franzos,
Der hat e blaus Jäckle
Und voll die roat Hos!“

Dem siegreichen Volk wurde der im Sturm gewonnene Krieg zu einer lachenden Heiterkeit, bei der die Ströme des vergossenen Blutes, die verwüsteten Städte und die zerstampften Felder über dem Rhein da drüben nimmer zählten. Noch immer seh’ ich das, wie an schönen Septemberabenden auf dem Marktplatz in Welden die Burschen und Bauern aufgeregt beisammen standen, und wie sie schwatzten, lachten und den Inhalt der Zeitungen nachgockelten, während die Feuerfunken aus ihren Maserpfeifen in die Dämmerung wehten. Doch manchmal wurden diese Heiteren plötzlich stumm und ernst – wenn mit gesenktem Kopf eine Bäuerin vorüberging, die das schwarze Kleid tragen musste, ohne dass in ihrem Haus ein Toter gelegen hatte. War sie im Dunkel des Abends verschwunden, so wurde auf dem Marktplatz wieder gewispert, wieder gelacht und wieder gesungen:

„Älleweil, wann’s e Weil finschteret,
Älleweil geit’s wieder Sunne,
Älleweil hau’ mer e Kriegle gmacht,
Älleweil hau’ mer’s au gwunne!“

Wie viele von solchen Liederchen, die ein lachender Augenblick dem Volk gibt, wurden wohl damals lebendig und sanken wieder in Vergessenheit? Und so heiter, wie das Dorf den gewonnenen Krieg zu nehmen wusste, genau so heiter fand ich ihn auch von der Stadt genommen, als ich mit dem Herbste wieder in Augsburg einrückte. Die Worte Zuav und Turko waren gutmütige Injurien geworden, wie Flegel und Lümmel. Und auf der Maximiliansstraße, beim Abendbummel, sagte man nimmer „Grüß Gott!“ und „Adjes!“, sondern „Schlettstadt hält sich!“ und „Schlettstadt gefallen!“ Über die ganze Breite der Straße rief man sich das mit brüllendem Jubel zu: „Nichts Neues vor Paris!“ Und bot man einem Kameraden die heißen Vesperwürstchen zu einem Freundschaftsbissen hin, so sagte man komplimentierend: „Pariser Ratten gefällig?“

In diesem Übermut unserer Siegesfreude verfielen wir beim ersten Schneegestöber auf einen Streich, der übel für uns hätte enden können, wäre der ‚Feind’, den wir uns auserkoren, nicht ein gutmütiger bayerischer Soldat gewesen. Ein Dutzend verrückter Kerle, stürmten wir die Hauptwache vor dem Rathaus und bombardierten den Posten mit einer groben Schneeballsalve. Der Soldat, anstatt zu schießen oder Alarm zu schlagen, retirierte lachend in das Schilderhäuschen und drehte und geduldig seine Schattenseite zu. Und als die anderen Soldaten aus der Wachtstube herausraffelten und ihre Wedergewehre vom Zapfenbrett rissen, galoppierten wir schon im weißen Flockengewirbel um die Straßenecke hinter dem Augustusbrunnen.

Ein paar Tage später, inmitten dieser wirbelfröhlichen Zeit, fiel beklemmende Trauer in mein Herz, und ich erlebte dabei noch eine jener dunklen Wunderlichkeiten, die man psychische Rätsel zu nennen und als unerklärbar zu bezeichnen pflegt.

Ich fuhr in einer Nacht, schon gegen Morgen, aus dem Schlummer auf und hatte beim Erwachen die Empfindung, dass ein dröhnendes Glockenläuten mich geweckt hätte. Aber die Nacht war still. Mit heftig pochendem Herzen saß ich in meinem Bett und lauschte. Und vernahm von der schweigsamen Straße herauf einen hastigen Schritt, der über die Pflastersteine klapperte und eilig näher kam. Nun verstummte dieser Hall, dicht unter meinem Fenster, und im glichen Augenblick wurde heftig an unserer Haustürglocke gerissen. Etwas Wehes und Kaltes zuckte mir jäh durchs innerste Leben: „Jesus, Großpapa ist gestorben!“ Ob ich diese Worte laut in die Nacht geschrieen habe, oder ob ich sie nur dachte, das weiß ich nimmer. Aber sie waren in mir, als diese Glocke so schrecklich läutete.

Ich war vor Schreck wie gelähmt. Nebenan im Wohnzimmer meiner Hausleute wurde ein Fenster aufgerissen, eine Stimme rief etwas hinunter in die Nacht, eine andere Stimme, wie aus weiter Ferne, reif etwas herauf von der Straße – ich verstand meinen Namen, sprang aus dem Bett und hatte mich in der Finsternis schon halb angekleidet, als der Hausherr im Schlafrock und mit einem Kerzenlicht in mein Stüble trat und mir sagte: Eine Magd wäre vor dem Haustor, und ich sollte gleich zu meinem Onkel kommen.

Auf der Straße drunten erfuhr ich, was ich schon wusste – mein Großvater war gestorben.

Ich konnte nicht weinen. Es war in mir nur ein ratloser Schreck, ein kalter Schauer.

Am Nachmittag kam Papa und reiste gleich wieder fort, nach Ottobeuren.

Ganz verloren war ich. Immer, immer, immer sah ich den Großvater, nicht tot, sondern gesund und lebendig, mit dem guten freundlichen Gesicht, lachend – und immer stand er auf der Hausschwelle des Ottobeurer Forsthauses in der Sonne und klapperte mit den Kanzleischlüsseln in der Hosentasche. Immer wartete ich, dass er fragen würde: „Magst en Kreuzer?“ Doch er schwieg.

Papa kam von der Reise zurück, mit verhärmtem Gesicht, mit blauen Ringen unter den Augen. Er erzählte mir, wie der Großvater gestorben wäre: Ohne Krankheit, plötzlich, nach einem heiteren Abend, lachend, ohne Ahnung seines nahen Todes. Und dann sagte der Vater leise: „o möchte ich sterben … einmal.“

Ich klammerte mich an seinen Arm. „Sich es denn wahr? I kann’s nit glaube! Älleweil sich mir so, als tät er noch lebe!“

„Hast recht, Bub!“ Der Vater nickte. „Die Guten, die man lieb hat, werden nur begraben. Aber sie sterben nie.“

Da erzählte ich ihm das Dunkle, Wunderliche aus jener stillen Nacht. Doch Papa schüttelte ruhig den Kopf. „Nein, Kind! Solche Dinge gibt es nicht. Seelen sind unsterblich. Aber nicht so. Und mit den Menschen, die zu ihnen gehören, spielen sie nicht ‚Schneider leih mir die Scher’. Wir kommen zu ihnen, ja! Aber sie kommen nicht mehr zu uns! … Und Ahnungen? Das ist nur ein leeres Wort für Vorgänge im menschlichen Gehirn, die wir nicht ganz begreifen können.“

„Aber wenn’s doch wahr isch, Papa! So schau nur, ich hab’s doch erlebt.“

Er schüttelte wieder den Kopf. „Das ist nur eine Unsicherheit deines Erinnerungsvermögens. Bei dem heftigen Läuten empfandest du eine unbewusste Sorge, dann hörtest du die Nachricht. Im Schreck verlorst du das Gefühl für die zeit, in deiner Vorstellung rannten die Zeitmomente durcheinander, und fünf Minuten später glaubtest du voraus erlebt zu haben, was du in Wirklichkeit erst nachträglich erfahren haben kannst.“

So etwas Ähnliches sagte Papa – genau weiß ich es nimmer – und fügte bei, dass solche ‚Umdrehungen’ im menschlichen Gehirn nicht selten wären. Ich wollte dem Vater nicht widersprechen, ließ mir aber auch nicht ausreden, was ich sicher und wahrhaft erlebt zu haben glaubte.

Noch lange, durch viele Wochen beschäftigte mich das Gegrübel über dieses Rätselhafte. Dabei kamen mir oft sonderbare Gedanken. Ich begann an fest stehenden Begriffen zu zweifeln und geriet mit den herkömmlichsten Vorstellungen von Raum und Zeit in Fehde. Etwas Wundersames empfand ich in einer sinnenden Nacht, die meinen wachen Augen ein Traumbild zeigte: Das Leben als einen ewigen Storm, in dem mir die Schicksale der einzelnen Geschöpfe nur als winzige, zueinander gehörende Teilchen erschienen, wie die gemeinsam flutenden Tropfen in einer großen Woge. Meer und Bach und Nebel, Wolke, Regen und wieder Quelle, Bach und Meer – ist das nicht auch ein Einziges? Und die verwandten Menschen, alle, die das gleiche Blut erfüllt? Die sind doch ein Einheitliches, ein Ganzes, ein unlösbar Aneinandergewachsenes! So fest gehören sie im Leben zueinander, dass ein Schauer das Blut des Großvaters erkaltet. In meiner Trauer jubelte ich über die ‚Erklärung’, die ich da für jene unbegreifliche Rätselnacht gefunden hatte. Und sind denn nicht schließlich alle Menschen Ahnen und Enkel, Brüder und Schwestern? Und ist der Aufruhr und die Begeisterung eines Volkes nicht ganz das gleiche wie Schmerz und Freude einer Familie, wie Jauchzen und Weh eines Einzelgeschöpfes, das sich aus Muskeln, Nerven, Knochen und Blut zusammensetzt?

Doch dieses Schöne, das die Nacht mir gegeben hatte, zerflatterte am Tag. Und ich fand keine Ruhe mehr. Ich wollte wissen, wissen, wissen! Bei meinem Gegrübel kam ich auf Wege, für die meine Augen noch zu jung, meine Kräfte noch zu schwächlich waren. Ich suchte Hilfe, wo ich sie zu finden glaubte. Mit Gier verschlang ich, was ich an philosophischen Schriften erwischen konnte. In kunterbuntem Wirrwarr fraß ich Bruchstücke von Hegel, Kant, Spinoza und Feuerbach in mich hinein. Davon wurde mir Gehirn und Blut nur immer wirbliger. Statt Rätsel zu lösen, häufte ich nur immer neue Rätsel zu unüberkletterbarem Berg vor mir auf – bis ich eines Tages in Wut und Tränen brüllte: „Herrgottsaxe, jetzt hab i’s aber gnueg!“ Ich warf die Hegelsche Schwarte in einen Winkel, surrte mit brennendem Köpfl in den sonnigen Wintertag hinaus, kaufte nach flinkem Entschluss ein paar holländische Schlittschuhe und rannte zum Eisplatz.

Die Kunst des Schlittschuhlaufens war mir noch eine fremde Sprache. In der ersten halben Stunde machte ich die üblichen Purzelbäume nach hintern. „Noi(n), so geaht’s it!“ Lange blieb ich auf dem gleichen Flecke stehen und beobachte aufmerksam die guten Läufer, die ich erkannte, dass bei der ganzen Kunst nur dieser eine Vorteil war: Sich mit dem Körper auf dem gleitenden Fuße fest nach vorwärts zu legen, wobei sich im Wechsel das Gleichgewicht von selbst ergab. Ich probierte die Sache – es ging – eine Stunde später lief ich schon zwischen meinen Kameraden wie ein Wilder in der langen Kette mit und machte nur dann noch einen Purzelbaum, wenn ich mit einem anderen im tollen Schuss zusammen rannte, dass uns beiden das Blut aus der Nase und das Feuer aus den Augen sprang.

Und jenes Nachträtsel? Von dieser dunkeln Angelegenheit ließ ich mich nimmer aus dem neu gefundenen Gleichgewicht bringen. Das verständige Wort meines Vaters wurde jetzt für mich zu einer Autorität mit ehernen Füßen und lebendigem Kopf. Eine Umdrehung der Zeitmomente in einem krankhaft überreizten Gehirn! Da muss sich eben das Gehirn, wenn es zur Ruhe kommt, wieder auf die gesunde Seite zurückdrehen! Fertig! Und niemals wieder in meinem ferneren Leben wurde ich von Ahnungen oder ähnlichen Dingen geplagt. Und mein Großvater war für mich nicht tot. Menschen, die man lieb hat, sterben nie! Man braucht sich auch gar nicht vorzustellen, dass sie begraben wurden. Sie sind nur eben im Augenblick nicht da, sind irgendwo in der Ferne. Und das wäre eine armselige Liebe, die nicht ins Weite sieht, sondern immer Hände braucht, um greifen zu können.

So hatte ich am Ende dieser grüblerischen Tage doch etwas Festes und Fruchtbares für mein Leben gewonnen. Und zu diesem Ruhe schenkenden Gewinn rechne ich auch dieses eine: Dass mir lebenslang ein vorsichtiges Misstrauen gegen alle spekulative Philosophie verblieb, die von innen aus sich heraus spinnt, statt von außen in sich aufzunehmen.

Aber in diesen Wochen des Gewinnens verlor ich auch. Der deutsche Sturm und Jubel jenes Winters war ein bisschen von mir abgerückt, ich sah mich losgelöst von allem freudigen Rausch dieser ‚gebärenden’ Zeit. Dass ich mich heiß und glücklich wieder mit ihr zusammenfand, das hab’ ich einem meiner Lehrer zu danken: Dem Rektor Hartmann. Er ist unter allen Professoren meiner Augsburger Gymnasialzeit fast der einzige, der mir heute noch klar und lebendig vor Augen steht. Ein schwerer, massiv gebauter Mann mit energischem Schritt; ein harter Eisenkopf mit scharf geschnittenem Gesicht, von dessen Wangen die schwarzen Bartkoteletten gegen die Schultern wehten; dunkle, strenge, ruhelos gleitende Augen, in denen nie ein Lachen war, nur immer der unveränderliche Ernst der Arbeit. Er lehrte Geschichte und Deutsch, nicht als Buchdrescher, sondern auf eine Art, die uns einen Vorgeschmack der Hochschule gab. Zehn Minuten lang rekapitulierte er durch Fragen das Pensum der letzten Stunde; dann legte er hinter dem Rücken die Hände unter dem langen schwarzen Rock übereinander, begann in seinem wuchtigen Schritt um das Viereck der Schulbänke zu wandern und heilt uns freien Vortrag, mit der Formvollendung eines klassischen Rhetors. Wehe dem Schüler, der da nicht Ohr war bis zu den Fußspitzen hinunter. Da konnte Rektor Hartmann zwei Augen machen, vor denn man zitterte. Zu den Schülern, mit denen er unzufrieden war, sagte er ‚Sie’. Die anderen duzte er. Auch mich. Er hatte mich lieb und zeigte mir das auf eine wunderlich herbe Art, die mich stolz und ehrgeizig machte. Als er mir eines Tages einen deutschen Aufsatz mit guter Note zurückgab, sah er mich lange prüfend an – und nickte. Von nun an rief er mich nur noch auf, wenn ihm andere die Antwort schuldig blieben. Dann hieß es: „Ganghofer! Sag’ es ihnen!“ Einmal, als er mich wieder mit diesen Worten aufgerufen hatte, blieb ich stumm. Wie sich da sein Gesicht veränderte – das hab’ ich nie vergessen. Er sagte: „Das ist zum Verzweifeln! Setzen Sie sich!“ Bis zum Schluss der Stunde saß ich gleich einem Gelähmten auf meines Nichts durchbohrendem Gefühl. Dann rannte ich dem Rektor wie ein Verrückter nach und vertrat ihm auf dem dunkeln Korridor den Weg. „Verzeihen Sie mir, Herr Rektor! Ich werde niemals wieder unvorbereitet in Ihre Stunde kommen.“ Er schwieg eine Weile. Dann ging er an mir vorüber: „Gut! Wir wollen sehen!“ Durch viele Wochen rief er mich nicht mehr auf. Endlich, endlich hörte ich das wieder, doch mit einer kleinen Spielart ins Misstrauische: „Ganghofer! Sagen Sie es ihnen!“ Da haute ich aber auch meine prügelfest memorierte Weisheit auf die Bank hin, dass es klatschte! Von diesem Tag an duzte er mich wieder.

Mit Ende des Schuljahres wurde er nach München versetzt. Und viele Jahre später – als mein Name schon ein bisschen genannt wurde – begegnete ich hm eines Morgens in der Ludwigstraße und stürmte in Freude auf ihn zu. Er nahm meine Hand. Und damals sah ich in seinen strengen Augen zum ersten Mal ein freundliches Lachen.

Dieser Lehrer – ich finde für ihn kein Wort, das mir wertvoller klänge – dieser Lehrer war es auch, der mich nach meiner kleinen Irrfahrt ins Abstrakte wieder zum Realen jener großen Zeit zurückführte, mir diesen brennenden Rausch der deutschen Freude wieder gab. Wenn er im Frühjahr 1871 das Klassenzimmer betrat und in seinem massigen Wuchs noch größer zu sein schien als sonst, dann wussten wir gleich, was kommen würde. Immer begann er ungefähr mit den nämlichen Worten: „Da ihr die Söhne deutscher Väter seid, so will ich euch eine Mitteilung machen, die ihr in Anbetracht der Würde und Bedeutung dieses vaterländischen Ereignisses stehend anzuhören habt.“ Und so sprach er zu uns das eine Mal von König Ludwigs Initiative zur Einigung des Deutschen Reiches und von dem glorreichen Tag, an welchem König Wilhelm in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde; ein andermal von den Friedensverhandlungen zwischen Bismarck und Thiers, vom Einzug unserer Truppen in Paris, von der Eröffnung des Deutschen Reichstages zu Berlin. Aus seinen Worten fiel mir Feuer ins Blut, und ich zitterte und brannte vor Aufregung, wenn er seine kleine Rede mit den Worten schloss: „Und nun wollen wir uns dem Pensum unserer heutigen Stunde zuwenden!“

Gern möchte’ ich euch zwei Bilder zeigen: Wie der gehasste Bismarck von Anno 66 in meiner Vorstellung aussah, und wie der erste Kanzler des Deutschen Reiches vor meinen Augen stand. Eine lange Schilderung ist da nicht nötig. Stellt das Widerwärtigste neben das Herrlichste, eine fratzenhafte Karikatur neben die Glanzgestalt eines Heros, so seht ihr diese beiden Bilder. Was ist Hass und Liebe in den Herzen der Menschen? Im Grunde nichts anderes als Missverständnis und Glaube.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches bekam die halb eingeschlummerte religiöse Bewegung wieder frischen Atem – jene Bewegung, die mein Vater als ein ‚Erlösungswerk des gesunden Menschenverstandes’ zu bezeichnen liebte, während der hochwürdige Herr zu Welden sie von der Kanzel herab als ‚freimaurerische Schweinerei’ bezeichnete, als ‚Döllingerschwindel und deutlich erkennbares Teufelswerk’.

Gegen Döllinger, der wenige Tage nach der Eröffnung des Deutschen Reichstages die erzbischöfliche Aufforderung zur Unterwerfung unter das neue Dogma der Unfehlbarkeit mit ruhigem Nein zurückgewiesen hatte, wurde die Exkommunikation ausgesprochen. Das blies in die schläfrig gewordenen Kohlen. Der Senat der Universität München antwortete in kriegerischer Stimmung mit Döllingers Wahl zum Rektor Magnifikus. Wie das im Lande wirkte, und wie man im liberalen Lager sich an der Hoffnung berauschte, dass die bayerische Regierung Farbe bekennen und ‚durchhalten’ würde – das habe ich hier nicht zu schildern. Ich habe von diesen vergangenen Dingen nur so weit zu reden, als sie mein eignes Leben berührten.

Berührten? Das ist ein unzureichender Ausdruck. Diese Dinge rüttelten mir Leib und Seele durcheinander. Was in den Überzeugungen meines Vaters eine ruhige Glut war, das wurde in meinem sechzehnjährigen Rappelkopf ein wühlendes Feuer. Und in der Religionsstunde des Realgymnasiums kam es eines Vormittags zwischen dem Religionslehrer und mir zu einer scharfen Kontroverse. Unser Katechet war kein Eiferer. Sein Gesicht vermag ich in meiner Erinnerung nicht mehr zu sehen. Aber ich meine noch zu wissen, dass er ein ruhiger, freundlicher Mann war, der nicht weniger und nicht mehr denn seine Pflicht tat, als er seinen Schülern in der Religionsstunde den Glauben an das neue Dogma einzureden versuchte. Er hatte keine Schuld an dem Wortgefecht, das ich heißblütig heraufbeschwor. Ich war ein bockbeiniger Bekenner und hatte vielleicht den Ehrgeiz, ein Märtyrer meiner Überzeugung zu werden. Und so musste ich plötzlich von der Schulbank aufspringen und sagen: „Ich halt’ es für meine Gewissenspflicht, die Erklärung abzugeben, dass ich and as neue Dogma de infallibili magisterio summi pontificis papae nit glaube ka(n)!“ Der Herr Religionslehrer machte ein namenlos verdutztes Gesicht. Und in der Klasse hörte man keinen Laut, keinen Atemzug. Der Katechet, in einiger Verwirrung, sagte: „So? Sooo? Das ist eine schöne Bescherung, die Sie mir da machen!“ Ina aller Ruhe begann er mit mir zu sprechen. Als er mir vorhielt, dass ich nicht das nötige theologische Rüstzeug besäße, um eine so komplizierte kirchliche Sache richtig beurteilen zu können, fuhr mir’s heraus: „So beruf’ ich mich halt auf den theologischen Gelehrten Döllinger. Der wird wohl das nötige Rüschtzeug hawe, um zu wisse, warum er Nein sage muess.“

Die Stirn des Herrn Katecheten begann sich zu röten. „Dieser Döllinger, auf den Sie sich da berufen, ist vor Jahren mein Lehrer gewesen. Und ich kann Ihnen sagen, dass er damals ganz anders gesprochen hat, als er heute redet. Damals war alles bessere Wissen bei ihm. Heut ist das bessere Wissen in mir!“

Es wurde mir heiß unter dem Haardach. „Wenn Professor Döllinger Ihr Lehrer gewesen ischt, so werd ich wohl annehme dürfe, dass der Lehrer sich besser auskennt als wie der Schüler.“

Da schlug die Stundenglocke.

„So?“ Der Herr Katechet griff nach seinem Hut. „Jetzt haben Sie die Sache selbst erledigt. Sie sind mein Schüler, ich bin Ihr Lehrer. Wer ist also jetzt nach Ihrer Logik der Gescheitere von uns beiden?“ Sprach’s und verließ die Klassenstube.

Meine Schulkameraden surrten auf mich zu. Das Gelindeste, was sie mir in Aussicht stellten, war die Dimission. Mir selber schwante so was Ähnliches. Aber der Nachmittag verging, ohne dass ich aufs Rektorat gerufen wurde. Auch am folgenden Tag ereignete sich nicht das geringste. Und in der nächsten Religionsstunde schien der Herr Katechet den Vorfall vollständig vergessen zu haben. In meinen Augen war das ein Sieg der Wahrheit. Ich trug den Kopf sehr hoch, war stolz und bildete mir auf den Erfolg meines Überzeugungskampfes ein Erkeckliches ein.

Heute, nach achtunddreißig Jahren, gefällt mir das Verhalten des Katecheten besser als das meine. Aber nur als Schuljungenfrechheit dürft ihr mir diese Sache doch nicht ankreiden. Ihr müsst bedenken, dass dieser Vorfall in der Zeit spielte, in der meine Eltern zu Welden eines denkwürdigen Sonntags die Kirche verlassen mussten, weil der Hochwürdige von der Kanzel herab auf das ‚Beamtenchörle’ deutete und von ‚liberalen Lumpen und roten Hunden’ predigte.

Ach, dieser unglückselige Prophet! Er machte meine Mutter weinen, verursachte meinem Vater schlaflose Nächte, Tage voll unendlicher Bitterkeit – und bereitete nun auch mir wieder unerquickliche Stunden. Ich erzähle nicht gerne, was ich jetzt erzählen muss. Immer wieder während der letzten zwanzig Jahre kam mir der Gedanke, in einem Roman ‚Pfarrhof und Försterhaus’ die politischen und religiösen Kämpfe der siebziger Jahre zu schildern und die Bilder dieses Buches aus den Wirklichkeiten herzunehmen, die wir in Welden erleben mussten. Doch immer schob ich diesen Gedanken von mir fort, weil seine Gesichte mich quälten und weil ich daran verzweifelte, für diese Dunkelheiten eine künstlerische Form zu finden, die sich dem Vorwurf übler Tendenzmacherei entwinden könnte. Der Roman blieb ungeschrieben. Doch aus dem Bericht meines Lebens kann und darf ich nicht hinausschieben, was unlösbar mit ihm verbunden ist, und was einen Schmerz, einen Schreck, einen martervollen Zweifel an der Menschheit in meine junge, vertrauensvolle Seele warf. Und nun will ich in der Schilderung dieses menschlichen Schauer- und Trauerspieles aus bestem Willen die Wahrheit suchen. Ob ich sie immer finden werde? Manches wirrt sich vor meinen Augen durcheinander. Und vieles, was ich nicht selbst gesehen, weiß ich nur vom Hörensagen. Klatsch, Phantasie und Wirklichkeit mögen in diesem mündlich Überlieferten bunt durcheinander fließen. In jener aufgeregten Zeit verschärften sich alle grellen Lichter und vertieften sich alle dunklen Schatten.1

Und voraus will ich noch dieses eine sagen: Was wir die tragische Schuld in diesem Trauerspiel nennen müssen, das seh’ ich heute nicht mehr im Leben und Handeln dieses unglückseligen Pfarrers, der mir vor siebenunddreißig Jahren ein Gegenstand des Grauens wurde. Unglückselig? Ja, das war er! Ein Belasteter, ein Gezeichneter, ein Verlorener um seines Blues willen, ein Gefesselter in seinem Leben. Und auf allen Wegen, über die er zitternd taumeln musste, presste ihm ein Dämon Weib die kleinen, aber eisernen Fäuste stoßend in den Nacken – und machte ihn mit Liebe kirr, wenn er widerspenstig werden wollte. Nach Christi Wort von jenen, die viel geliebt haben, muss diesem Pfarrer viel verziehen werden.

Er kam – und ihr wisst bereits: Die erste Sache, die von sich reden machte, war eine Last auf seinem Gepäckwagen, eine mit Luftlöchern versehene Kiste, wie man sie zum Transport großer Hunde benützt. Als der neue Pfarrer sich im Pfarrhof installiert hatte, war von einem großen Hund nichts zu sehen und zu hören. Erst ein Jahr später, als aufgeregte Neugier den Pfarrhof zu umwandern begann, war plötzlich ein wachsamer Hund da, der hinter den Staketen des Widums kläffte bei Tag und Nacht. Aber jene Kiste? Was war in jener Kiste? Man musste sich lange gedulden, bis man das erfuhr. Und dann nannte man dieses Schreckliche eine Bestialität. Nicht ganz mit Recht. Es war zugleich auch eine menschliche Zärtlichkeit.

Neben der Neugier um diese Kiste erwachte auch schon am ersten Tag ein Verwundern über den Pfarrer selbst. Ein schöner, stattlicher Mann, noch jung, nur erst ein Jährchen über vierzig. Und hatte schon dieses greisenhafte Zittern am ganzen Leib, an den Händen, in den Knien. Und musste, um seinen Kahlkopf zu verhüllen, diese steifbraune, glänzend frisierte Perücke tragen. Dazu ein rundes, harmlos und gutmütig wirkendes Gesicht, fast wie ein Knabengesicht, mit roten Bäckchen, mit hübschen, verträumten Augen, die immer in feuchter Begeisterung zu schwimmen schienen.

So kam er – und brachte drei Frauenzimmer mit, im Alter von vierzehn bis zu neunundzwanzig Jahren: Die kleine magere Theres mit den unordentlichen Haarzotten und den scheuen Wildkatzenaugen, das liebe, blasse, schwermütig stille Bertele, dem ich gut werden musste, und das Fräule Kreszenz, das so eitel und hochmütig war und so lärmend redete, dass der Volksmund gleich in den ersten Tagen für diese schneidige, modisch gefiederte Dame den Namen ‚Hofgockel’ erfand. Diese drei Weiblichkeiten wurden bei den Visiten der Honoratioren als Nichten vorgestellt.

Nichten? Nun, im Dorf schmunzelte man ein bisschen. Aber man nahm dem Pfarrer die zärtliche Fürsorge für seine ‚Blutsverwandtschaft’ weiterhin nicht übel.

Doch dieses duldsame Übersehen einer halb verschleierten Sache dauerte nicht lange. Und das verschuldete der immer mit erhobenem Näschen und in Seide einher rauschende Hofgockel. Dieses rassige Fräule Kreszenz war ein schlankes, zierliches, fast elegantes Dämchen, stets mit dem neuesten Hutmodell über der klugen Stirn, von quecksilberner Beweglichkeit, begabt mit einer sieghaften Redegewandtheit. Jeden Widerspruch verstand sie stumm zu machen. Und ein dunkles, hartes, eisernes Teufelchen guckte scharf aus ihren flinken Argusaugen, die alles im Dorf sahen, das Offene und das Verborgene. Sie war nicht schön. Vielleicht war sei es einmal gewesen. Aber grobe Blatternarben hatten das fein geschnittene Gesicht verändert und entstellt. Doch ihre Seele schien makellos zu sein. Ina allen Angelegenheiten der Moral und Sittlichkeit hatte sie wahrhaft puritanische Grundsätze, war strenger als ein biblischer Prophet, und wenn sie während des Hochamtes, das ihr stattlicher Pfarrherr zelebrierte, mit ihrer schwärmerischen Frömmigkeit im ‚Pfarrköcheskirchstuehl’ kniete, bot sie den Anblick einer allem profanen Staub entrückten Heiligen. Diese fromme, sittliche Seele wurde gleich in den ersten Wochen nach ihrem Einzug in Welden der Schrecken aller jungen Burschen und Mädchen, die das Leben fideler und süßer nahmen als das Fräule Kreszenz die irdische Wallfahrt genommen sehen wollte. Kein Kirchenschwänzer entging ihrem Späherblick; was Tanz und Lustbarkeit hieß, musste abgestellt werden; und wenn es für das scharfe Näschen des Hofgockels ruchbar wurde, dass ein junges verliebtes Paar die Freuden des künftigen Eheglückes auf Raten voraus bezog, dann musste das strenge Fräule Kreszenz ihren sonst sehr gutmütigen Pfarrherrn so scharf zu laden, dass er sich auf der Kanzel in schweren sittlichen Explosionen entlud.

Die Stimmung im Dorf wurde schwül und unbehaglich. Die alten frommen Bauern und Bäuerinnen, die sich nach aller Lebensplage die ewige Seligkeit unverkürzt erhofften, wurden gefügig und drehten sich nach dem scharf christlichen Wind, der aus der Pfarrhofküche heraus blies. Doch alle Leute, die in kraftvollem Leben standen, und alle Jungen, die ihr Bröselchen Daseinsfreude haben wollten, wurden bockbeinig und gereizt. In einer stockschwarzen Winternacht gab’s eine Katzenmusik vor dem Pfarrhaus. Die folge war eine wetternde Sonntagspredigt. Und die Pfarrköchin surrte wie ein Detektiv von Haus zu Haus, um die Schuldigen auszuforschen. Auch auf einen Forsteleven hatte sie Verdacht. Und kam in Zorn und Aufregung zu meiner Mutter ins Forsthaus. Mama glaubte ein bisschen zum Frieden mahnen zu müssen. Und meinte, dass man dem jungen Volk im Dorf nicht allen lustigen Ellbogenraum entziehen dürfte. Und dass uns der liebe Gott zwei Augen gegeben hätte, damit man im Notfall eines zudrücken und doch immer noch sehen kann. Aber mit diesen ‚laxen Prinzipien’ kam die Mutter übel an. Das Fräule Kreszenz erklärte: „Wir haben keine Veranlassung, Kompromisse zu machen. Wer sich selbst nicht das geringste vorzuwerfen hat, kann auch von anderen die strengste Lebensführung verlangen. Was christlich und sittlich ist, darüber haben doch wohl in erster Linie wir zu entscheiden. Bei aller Hochachtung, Frau Oberförster … aber in die pfarramtlichen Angelegenheiten lassen wir uns nicht dreinreden!“

Noch als alte Frau konnte man Mutter diese Szene so drollig kopieren, dass wir Tränen lachen mussten. Aber damals, als der Auftritt sich ereignete, war er weniger lustig und hatte ungemütliche Folgen. Die Pfarrhofleute brachen den Verkehrt mit dem Forsthaus ab. Und es dauerte nicht lange, so mussten meine Eltern bemerken, dass manche Leute im Dorf nicht mehr so freundlich zu ihnen waren wie früher.

Fräulein Kreszenz – bei dem Anspruch, die herrschende Königin des Dorfes zu sein – brüskierte der Reihe nach alle Honoratiorenfrauen. Dann gab es immer zwischen den Ehemännern und dem Pfarrer lange Korrespondenzen, die im Stil der Hochachtung begannen und mit scharfen Ausdrücken endeten. Am schwersten bekamen der gute, gemütliche Lehrer Gsell und seine Frau das eiserne Fäustchen zu fühlen, das im Pfarrhof obenauf war. Zur Frau des Lehrers sagte das schneidige Fräule Kreszenz eines Tages: „Im Verhältnis zu mir sind Sie eben nur die Mesnerin, die den Kirchtorschlüssel an den Nagel hängen darf! Mehr sind Sie nicht!“ Darauf kam die Antwort: „Was Sie sind … (noi(n), dess ka(n) me gar it sage!“ Nach diesem Wortwechsel gingen zwei Todfeindinnen auseinander. Auch mit der Frau des Aufschlägers hatte es was Ähnliches abgesetzt. Der Mann klagte seinen Zorn und Kummer einem Freund zu Obergünzburg, von wo der neue Pfarrer mit seinen ‚Nichten’ gekommen war und erhielt zur Antwort einen Brief, aus dem ich ein paar aufhellende Sätze zitieren muss:

„Herr Andra war hier bis zu den letzten Landtagswahlen eine sehr geschätzte Persönlichkeit. In Wirtshäusern hat man ihn wenig gefunden, und dort war er, wenn er einmal hinkam, auch sehr verträglich. Zu Hause wurde, nach den Weinlieferungen zu schließen, viel gekneipt. Mit seinen – man sagt ‚Bäschen’ – sah man ihn häufig auf Spaziergängen zur Tags- und Nachtzeit. Während seines Hierseins hat er zweimal vikariert, einmal in Ungerhausen und das zweite Mal in Ebersbach. Die Ebersbacher sind, wie du vielleicht weißt, meistens Rongianer und Freigeister. Herr Andra ist mit diesen Leuten so gut gefahren, dass dieselben heute noch bedauern, diesen Mann nicht als Pfarrer erhalten zu haben. Ja, diese Freigeister zu Ebersbach glauben gar nicht, dass Herr Andra seit den letzten Landtagswahlen gählings ein anderer geworden ist, als er bis dorthin war. Erst bei Vornahme der letzten Wahlen zur Abgeordnetenkammer ist dieser Schneck aus seinem stillen Häuschen getreten und ist als Politikus ein Wühler wie kein zweiter geworden.“

Dieser Brief enthält ein paar Sätze, die man sich merken muss, wenn man erkennen will, dass es sich hier nicht um die Tragödie eines einzelnen Menschen handelt, sondern um das Trauerspiel eines ganzen Standes.

Also, der Hochwürdige, der zu Welden gegen die ‚liberalen Lumpen’, gegen die ‚roten Hunde’ und ‚freimaurerischen Schweine’ zu predigen begann, war früher einmal ein Freund der Freigeister, ein aufgeklärter Priester, ein Rongianer, ein Anhänger des exkommunizierten Wanderpredigers Johannes Ronge, der gegen Aberglauben und Reliquienschwindel kämpfte und eine freie deutsch-katholische Kirche begründen wollte! Und dieser gesinnungsfeste Rongianer Andra wurde im Handumdrehen – vielleicht über Nacht? – ein Wühler und Hetzer übelster Sorte, ein ‚Patriot’, der auf der Kanzel den Sieg und die Einigung der Deutschen mit den Worten feierte: „So lange ich atme, werde ich mitarbeiten an der Zertrümmerung dieses neuen Deutschen Reiches, das der Teufel bauen half!“ Wie kam dieser jähe Gesinnungswechsel? Warum nur musste das so plötzlich geschehen, dass – (ein klassisches Wort!) – dieser ‚Schneck aus seinem stillen Häuschen’ trat? Warum? Die Antwort wird sich ergeben.

Das frohe, friedliche Dorf an der Laugna war über Wochen und Tag in zwei feindliche Lager gespalten. Auf der einen Seite ein paar Liberalen, die Honoratioren, die sich von den Glühweindünsten und der bedenklichen Zimt- und Pfefferatmosphäre des Pfarrhofes möglichst fern hielten – auf der anderen Seite die verlässlichen frommen Seelen, denen das Himmelreich versprochen wurde, weil sie den neuen Pfarrer als einen reinen Propheten Gottes nahmen und rings um den Pariser Federhut des Fräule Kreszenz einen Heiligenschein erblickten. Zwischen den beiden Parteien pendelten die Unentschlossenen, die nicht rot werden und nicht schwarz sein wollten. Diese ‚Lauen im Geiste’ lachten und schwatzten gerne, spielten ihre lustigen Streiche nach zwei Seiten hin, bemalen die Haustüre unseres Forsthauses mit Zinnoberfarbe und die des Pfarrhofes mit Wagenschmiere, schrieben drollige anonyme Briefe und kolportierten eine allzu menschliche Erklärung, als das blasse, schwermütige Bertele für längere Zeit aus dem Dorf verschwinden musste, und als sich bald darauf auch die zarten Formen des Fräule Kreszenz überraschend zu runden begannen.

Man tuschelte durch alle Gassen des Dorfes. Und im Pfarrhof gab es Feuer und Flammen, als das umlaufende Gerede bis zu den Ohren des Hochwürdigen drang. Er heilt eine donnernde Sonntagspredigt über das Otterngezücht der Verleumdung und über den kostbaren Wert der makellosen Jungfräulichkeit, die ein Wohlgefallen vor Gottes Augen ist. Das Dichterwort: „Es leibt die Welt das Strahlende zu schwärzen“ – wurde auf dem Kanzlgesims breit geklopft. Und woher kommt solche Niedertracht der Welt? Von der freimaurerischen Schweineherde, von den roten Lumpen, vom teuflischen Liberalismus, von den Gegnern der Infallibilität, von den Zuträgern gewissenloser Schmierblätter. „Aber was hat ein seiner Kirche treu ergebener Priester zu fürchten, der mit seinen politischen und religiösen Überzeugungen ganz auf dem Boden seines hochwürdigsten Herrn Bischofes und seiner geistlichen Behörde steht!“

Solchen Hintergrund hatte die Zeit in Welden, als die Propaganda für die Wahl zum ersten Deutschen Reichstag begann. Mein Vater tat da wieder, was er in früheren Jahren vor jeder Wahl für die Abgeordnetenkammer getan hatte: Er berief eine Volksversammlung, die in der Schulstube tagen sollte. Achtzig oder hundert Wähler – eine Volksversammlung! Bei früheren Wahlen war das immer ein liebenswürdiges und freundschaftliches Wortgefecht zwischen meinem Vater und dem Pfarrer Hartmann gewesen. Man wählte, wie man wollte, und dann ging man gemütlich auseinander – nein, man setzte sich erst recht zusammen. Wie sollte das jetzt werden? Während der Tage vor der Volksversammlung sauste Fräulein Kreszenz von Haus zu Haus, machte den Bäuerinnen die Hölle heiß und legte wohl auch ihrem Pfarrherrn ein wirksames Feuerchen unter. Bei der Volksversammlung gab es Blitz und Donner, und es fehlte nicht viel, so hätten die sonst so friedlichen Bürger von Welden einander geprügelt.

Nun hub im Dorf erst recht der richtige Unfried an. Der Pfarrer und seine Kreszenz kämpften mit der Devise: „Wer nicht für uns ist, ist wider uns! Und gegen Gott!“ Das Forsthaus wurde verfemt und verschrien. In den Wirtshäusern und auf der Straße war das Gezänk an der Tagesordnung, in Nachbarhäusern schimpfte man von Tür zu Tür, von Fenster zu Fenster; der politische und kirchliche Streit wurde in die Familien hineingetragen, der Mann verfeindete sich mit seiner Frau, der Vater mit dem Sohn, der Bruder mit seiner Schwester. Und kaum eine Nacht verging, ohne dass meinem Vater oder Mutter irgendein ekelhafter Possen gespielt wurde. Was ist für Christen nicht alles erlaubt gegen ein Haus, unter dessen Dach nach der Meinung einer Pfarrersköchin notorisch der Teufel haust? Man war beinah’ im Forsthaus seines Lebens nicht mehr sicher. Aber die Eltern fanden nach allem Verdruss und aller Kränkung bald wieder ihren unverwüstlichen Humor und benützten die Höllenfurcht der Zeit zur Sicherung ihres Hauses. Sie höhlten große Kürbisse aus, schnitten Augen, Mäuler und Nasen hinein, streckten ein brennendes Licht in die Höhlung und schoben diese rot glühenden Teufelsfratzen in den Nächten zu den Giebelfenstern hinaus oder ließen sie um Mitternacht an Drähten von einer Dachluke des Wohnhauses hinüber laufen zu einer Dachluke des Ökonomiegebäudes. Das wirkte! Von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen wagte sich kein politischer Gegner mehr in die Nähe unseres Zaunes.

Dann plötzlich gab es in der schwülen Frühlingsluft des Dorfes einen Wettersturz, der die Schar der Pfarrgetreuen von Woche zu Woche immer merklicher lichtete und auch die Ahnungslosesten stutzig machte. Zuerst erfuhren sie, was hinter dem schrecklichen, das Forsthaus umfliegenden Teufelswesen steckte – da mussten sie lachen. Und dann flatterten aus dem Pfarrhof allerlei Nachrichten heraus, bei denen die Leute ernst und nachdenklich wurden.

Die mutige Kämpferin für Keuschheit, Vaterland und Rom verschwand aus der Schlachtreihe des dörflichen Kampfes. Sie wurde nicht mehr gesehen. Hatte vielleicht auch sie eine Reise angetreten? Nein! Die arme Jungfer Kreszenz war nur erkrankt und lag in einem unzugänglichen Zimmerchen des Pfarrhofes, wo sie von der kleinen Wildkatz und vom Hochwürdigen mit Sorgfalt gepflegt wurde. Bald hieß es, sie hätte ein Magenleiden, bald wieder sagte man, sie läge an einem Rückfall der Pocken. Irgendetwas Ansteckendes musste es wohl sein. Denn niemand durfte den Pfarrhof betreten. Auch der Arzt blieb ungerufen. Diese Krankheit dauerte lange. Und als Rekonvaleszentin wanderte das Fräule Kreszenz bei Nacht und Nebel von Welden nach Dinkelscherben und reiste von da mit der Bahn nach einem dunklen Ziel. Nun blieb die Theres, jetzt ein fünfzehnjähriges Mädchen, als einzige Nichte im Pfarrhof zurück.

Eines Morgens sah der Gerber, als er an seiner Lohstampfe die Schleuse öffnete, etwas Merkwürdiges tief unten durch das Wasser schwimmen und in den strudelnden Gumpen hinuntertauchen, wieder heraufkommen und wieder verschwinden. Was war denn das nur gewesen? Gab es denn in der Laugna so große Fische?

Aus dem Wasser wurde die schon halb zerstörte Leiche eines neu geborenen Kindes herausgezogen.

Die Untersuchung wegen des Verbrechens, das da vor zwei, drei Wochen geschehen war, verlief ohne Resultat. Kein Mädel im ganzen Dorf war ‚so dran’ gewesen, dass man Verdacht hätte schöpfen können. Es hieß: Eine Fremde, eine, die in der Nacht durch Welden gewandert, von irgendwo gekommen und irgendwohin gegangen wäre!

Dann war’s in einer milchweißen Vollmondnacht. Mein Vater arbeitete noch in seiner Kanzlei. Es ging schon auf die zweite Morgenstunde. Da pochte jemand heftig ans Fenster. Und als der Vater öffnete, stand draußen im Hof der Nachtwächter mit seinem Spieß. Der Mann hießt Stanger, war ein Bürger von Welden und Versha in jener Nacht den Wächterdienst, der von Haus zu Haus immer wechselte. Und ein fleißiger und tüchtiger Mensch war er, dieser Stanger, wahrheitsliebend und nüchtern.

„Was ist denn?“

Eine erwürgte Stimme: „Herr Oberförschtner!“

„Was denn?“

„Lasset Se mi nei(n) ins Haus! Da herauße, da guckt der Himmel zue. Da trau i mer’s nit sage!“

Papa schloss das Fenster und öffnete die Haustür. Und als der Nachtwächter in der Kanzlei war, musste er sich erst auf einen Sessel setzen, bevor er reden konnte. Dann erzählte er meinem Vater: Dass er auf seiner Dienstrunde bei klarem Mondschein am Pfarrhof vorbei gegangen wäre. Und da hätte, im vollen Mondlicht, aus einem Dachfenster des Pfarrhofes ein Kind herausgeschaut.

„… Was?!“

„Ein Kind! Ganz deutlich: Ein Kind! Ein vier- oder fünfjähriges Kind!“

„Stanger! Sie sind ja betrunken!“

„Noi(n), Herr Oberförschtner! I ha(n) koi(n) Tröpfle nit im Mage! Und gnau han i’s gsehe! Es sich e Kindle gwese!“

„Aber das ist doch unmöglich! Sie haben sich im Mondschein getäuscht.“

„Noi(n), noi(n), noi(n), Herr Oberförschtner! Es sich e Kindle gwese! Auf Eahr und Seligkeit! Und e Büeble, mit gschnittene Härle! Und hat mit em Händler ausgriffe zum Fenschter.“

Papa schüttelte den Kopf. „Nein! Das ist unmöglich! Sie haben sich verschaut. Auf dem Speicher des Pfarrhofes, neben dem offenen Fenster, kann Wäsche hängen. Die hat sich in der Zugluft zum Fenster herausgebauscht. Und die Aufregung und das Gerde im Dorf! Das geht Ihnen durch den Kopf! Und da haben sie gesehen, was in Wirklichkeit nicht existieren kann! Erzählen Sie diesen Unsinn um Gottes willen keinem anderen Menschen! Sie können wegen Beleidigung und Verleumdung schwer gestraft werden!“

Der Mann versprach zu schweigen. Doch unter der Haustür sagte er noch: „Auf Eahr und Seligkeit! Und da lass i mer en Grind aaschneide, es sich e Kindle gwese!“

Ein Kind im Pfarrhof? Schon nach wenigen Wochen wurde das wahr. Wenn auch auf andere Weise. Im Juni kehrten Berta und Kreszenz zurück und brachten ein auf den Namen Aloysius getauftes Knäblein mit. Im Pfarrhof wurde die Erklärung gegeben: Die arme Mutter des Kindes wäre gestorben, und die wohltätigen Schwestern hätten sich des verwaisten Knäbleins aus Barmherzigkeit angenommen. Der Aufruhr im Dorf begann sich wie durch ein Wunder zu beschwichtigen. Gegen Wohltat und Barmherzigkeit ist nichts einzuwenden, am allerwenigsten, wenn sie in einem Pfarrhof geübt werden. Aus den Unschuldsaugen eines Kindes scheint etwas Sänftiges auszufließen – so etwas wie zaubersames Öl, das sie empörten Wogen beruhigt. Und das Aloysche – so erzählte das Fräule Kreszenz im Dorf – hätte noch ein älteres, zweijähriges Brüderchen mit Namen Ludwig; dieser kleine Ludwig hätte die Auszehrung und kränke sich sehr, weil seine Eltern gestorben wären; sooft ihm die Photographie seiner Mutter gezeigt würde, hebe das Kind die Händchen auf und weine.

Im Herbst verschwanden die beiden Schwestern Kreszenz und Berta aus Welden. In diesem gleichen Herbst, so um Jakobi herum – in der Zeit, in der die früh reifenden Jakobiäpfel süß werden – musste auch die kleine Wildkatz aus dem Dorf verschwinden, die fünfzehnjährige Theres. Und Pfarrer Andra erzählte: Seine jüngste Nichte hätte bei einer vornehmen Herrschaft einen guten Dienst gefunden; doch er besorge, dass sie an strengere Arbeit nicht gewöhnt wäre, und da könnte es wohl sein, dass sie bald wieder käme. Die Theres blieb aber sehr lange fort, mehr als ein halbes Jährchen. Das Fräule Kreszenz und das blasse Bertele kehrten schon nach wenigen Tagen wieder zu ihrem einsamen Onkel zurück und brachten jenen zweijährigen Ludwig mit. Sie wollten in Mildherzigkeit versuchen, ob das verwahrloste Kind durch die gleiche Sorgfalt, Liebe und Zärtlichkeit, wie sie das Aloysche genießen durfte, nicht wieder zu fester Gesundheit zu bringen wäre. Und der hochwürdige Herr ließ die beiden Kinder beim Gemeindeamt auf seinen eigenen Namen einschreiben. Schüchtern fragte der Bürgermeister, ob denn das auch der richtige Name der Kinde wäre?

„Nein!“

Aber dann ginge doch so was nicht!

„Wenn ich das so will, dann geht es schon! Ich liebe diese Kinder!“

Der Bürgermeister schrieb in die Matrikel: Ludwig Andra und Aloys Andra.

Leuchtete damals ein milder, warmer Herbst? Ich weiß noch vom Hörensagen, dass die ‚Pfarrhofkinder’ Tag für Tag, bis spät hinein in den November, durch das ganze Dorf spazieren getragen und spazieren gefahren wurden. Das stille blasse Bertele trug oder führte das Ludwigle, Fräulein Kreszenz mit einem Hut nach der neuesten Mode schob das Korbwägelchen, in dem das Aloysche lag, und der hochwürdige Herr ging nebenher, bekam einen roten Kopf, wenn seine Augen einem sich abwendenden Gesicht begegneten – grüßte aber freundlich und leutselig, wenn eine Bäuerin mit scheuer Herzlichkeit zu dem Korbwägelchen herantrat, um die netten, hübsch gekleideten Kinder zu bewundern.

Ich selbst habe dieses Familienbild mit eigenen Augen nie gesehen. Damals im Sommer war ich nicht in Welden, sondern zu Furth im bayerisch-böhmischen Wald als Feriengast bei meinem Onkel Wilhelm. Ich bestieg den Ossa, den Arber und den Hohen Bogen; sah den Urwald mit den vielhundertjährigen Bäumen und den tausend vom Sturm gestürzten Waldriesen; machte einen Ausflug nach Eger, um die Stätte zu sehen, auf welcher Wallenstein verbluten musste – unternahm eine Fahrt nach Pilsen, wo ich von dem Gott verfluchten Gebräu den ersten unter den drei großen Räuschen meines Lebens bekam; besuchte ein berühmtes Kloster, in dem es eingemachte Preiselbeeren von unerhörter Güte und die größten Karpfen gab, die ich je gesehen; besuchte die Glashütten, aus denen ich, ganz verrückt vor Freude, gar nimmer herauswollte; und trieb mich tagelang in den Spielgemacherwerkstätten herum, in denen die Männer, Frauen und Mädchen genau so blass waren und um den Mund herum so schmerzliche Linien hatten, wie das Pfarrhofbertele von Welden. Und da ist mir etwas im Gedächtnis geblieben. Man erzählte mir dort, dass von den Spiegelmachern, die das giftige Quecksilber auswalzen, keiner älter würde als fünfunddreißig, höchstens vierzig Jahre. Mit einem Gefühl der Beklemmung sah ich diese dem frühen Tod geweihten Menschen an. Und da fiel es mir auf, dass sie trotz dem kranken Schmerz, der ihren Gesichtern eingeschrieben war, doch ruhige, frohe Augen hatten. Ich glaubte das zu begreifen, als ich ihre Wohnungen sah. Diese blinkweißen Stübchen dufteten von Sauberkeit, jedes Kleinste verriet eine liebevolle Hand, alles Zierliche und Niedliche war da zusammengetragen, Vögel sangen, auf den Fenstergesimsen blühten Rosen und feuerfarbene Nelken, fleckenlose Leinwandläufer lagen auf den Dielen, die Mullvorhängelchen leuchteten wie reines Silbergespinst – und in jedem dieser Stübchen, in denen die Leute still mit nackten, reinlichen Füßen umhergingen, hatte man die Empfindung: Dass es Sonntag wäre. Einer von diesen bleiche, fünfunddreißigjährigen Greisen sagte zu mir: „So muss es sein! Weil unser Leben so kurz ist, müssen wir’s umso schöner machen.“

– Ihr Menschen, die ihr achtzig und neunzig Jahr’ alt werdet! Ist euer Leben denn ein langes? –

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1 Ich bringe hier in der Buchausgabe die Weldener Pfarrhofgeschichte in einer gekürzten Form, die sich auf das Notwendigste beschränkt. Wer sich für die ausführliche, altengemäße Darstellung des Falles interessiert, möge sie im Jahrgang 1910 der Süddeutschen Monatshefte nachlesen. ^

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