Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Die Martinsklause

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      Ludwig Ganghofer
         Die Martinsklause
            Buch 1
              Titel
              Kapitel 1
              Kapitel 2
              Kapitel 3
              Kapitel 4
              Kapitel 5
              Kapitel 6
              Kapitel 7
              Kapitel 8
              Kapitel 9
              Kapitel 10
              Kapitel 11
              Kapitel 12
              Kapitel 13
              Kapitel 14
              Kapitel 15
              Kapitel 16
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              Kapitel 17
              Kapitel 18
              Kapitel 19

Kapitel 9

"Vater, was ist denn?", fragte Ruedlieb, als der Schönauer zur Hausbank gesprungen kam.

"Schnell, Bub, schnell, nimm die Krax' und hinein mit ihr ins Haus!"

"Warum denn? Was ist denn auf einmal los?"

Der Schönauer konnte nicht mehr Antwort geben. Herr Waze kam schon in den Hof geritten. Die beiden Hunde sprangen auf und stürzten dem Reiter mit heiserem Gekläff entgegen. Das Pferd scheute, doch mit einem kräftigen Ruck des Zügels bändigte Herr Waze das Tier. "Die Hund' weg!", rief er. "Oder ich schick' ihnen einen Fraß, den sie schlecht verdauen!"

"Auf die Alben?"

"Wohl wohl!"

Herr Waze schaute den Schönaue ran, dann wieder die Kraxe. "Met und Honig, Fleisch und Wecken ... das stimmt. Seit wann aber tragen die Bauern den Käs' auf die Alben hinauf, statt herunter?"

Der Schönauer blickte an Herrn Waze vorbei, als er sagte: "Ein paar schlechte Laib', Herr. Ich schick' sie wieder hinauf ... für die Ableut' sind sie noch gut genug. Aber zum Zinsen brauch' ich bessere."

"Hast recht, Bauer!", lächelte Herr Waze. "Mach's nur am Käs' wieder gut, was Du am Met verfehlt hast."

"Ich, Herr? Am Met?", stotterte der Schönauer.

"Ja, Schlechten Met hast mir gesteuert an Sonnwend'."

"Nein, Herr, ich hab' den besten gegeben."

"Schon gut!" Herr Waze wandte sich ab und ging mit raschen Schritten auf Ruedlieb zu, der das ungeduldige Pferd im Hof hin und her führte. "Sag' mir, Bub, für wen gehört die Krax'?"

"Für die Gottesleut', die gestern gekommen sind," gab Ruedlieb zur Antwort, dann sah er erst, dass ihm der Vater hinter Wazes Rücken stumme Zeichen machte und hinauf deutete gegen die Alben.

"So? Für die Gottesleut'?" Herr Waze lachte und wandte sich zum Schönauer. "Also, Richtmann, komm, jetzt wollen wir reden miteinander!" Herr Waze ging auf die Eichen zu und setzte sich auf die Steinbank. "Wie ich gemerkt hab', weißt Du schon, dass sie gekommen sind." Dem Schönauer versagte die Stimme. Er nickte nur. "Und wie mir scheint, meinst Du, sie wären die Herren im Land, denen man zinsen und steuern muss?" Herrn Wazes Augen funkelten bei dieser Frage. Der Bauer starrte ihn an und rührte wortlos die Lippen. "Red'!" Das Wort klang wie ein Hammerschlag auf Stein. "Red'! Sind sie die Herren?"

"Ich weiß nicht, Herr Waze."

"So? Dann sag' ich Dir: Es kann schon sein, dass sie die Herren sind. Es könnt' sogar sein, dass sie es beweisen können mit Pergamenten. Und wenn sie die Herren sind, so muss ihnen der Freibauer zinsen und steuern, und jeder Hörige muss fronen beim Klausenbau. Gelt?"

"Wohl wohl, Herr Waze!", stammelte der Schönauer, seinen Gast mit scheuen Augen streifend.

"Gut! So wirst Du auch wissen, was geschehen muss. Und vergiss nur nicht, dass ich selber das gesagt hab'!" Herr Waze schob die Hände hinter das Schwertgehäng, streckte die Beine und lachte. "Aber die Gottesmänner haben ja gute Herzen. Wenn ich ihnen sag': Die Hörigen haben harte Zeit und viel zu schaffen ... ich mein', da drücken sie ein Aug' zu und lassen es gut sein mit der Fron'. Meinst nicht auch?"

"Wohl wohl, Herr Waze."

"DA müsst' sich also von den Hörigen keiner anbieten zur Fron', eh' ihn die Klosterleut' nicht rufen."

Der Schönauer blickte auf und fragte zögernd: "Soll ich das den Leuten bekannt geben?"

Herr Waze zog verwundert die Brauen in die Höhe. "Bin ich der Richtmann oder Du? Was weiß denn ich, was Du als Richtmann zu tun hast!" Der Bauer atmete tief und strich sich mit zitternder Hand das Haar in die Stirn. Herr Waze sah ihn mit seinen kleinen Augen an und lächelte. Ein raschelnder Windhauch strich durch die sonnigen Eichenwipfel, und flatternd fiel ein welkendes Blatt zur Erde. "Und was meinst, Richtmann ... wie sollen es denn die Freibauern halten mit dem Zinsen und Steuern?"

Der Schönauer besann sich, dann sagte er langsam: "ich mein' halt, so, wie's allweil gewesen ist. Wir tragen Zins und Steuer dem Spisar hin, und der seid Ihr, Herr Waze!"

"Und der bleib' ich auch! An Sonnwend' ist Zahltag gewesen für die erste Halbscheid' der Steuer ... die ander' Hälft' ist fällig auf Neujahr. Sechs Mond' lang braucht kein Freubauer ein Brösel Steuer geben ... das ist Gesetz und Recht. Und die Klosterleut' haben gute Herzen ... die verlangen nicht mehr, als was Recht und Brauch ist. Oder meinst nicht auch?

"Wohl wohl, Herr Waze! Zwischen heut und Neujahr soll kein Bauer zinsen, kein Brösel Käs', kein Körndl Traid und keinen Tropfen Met."

Herr Waze schüttelte bedenklich den Kopf. "Bauer! Bauer! Du hast aber ein hartes Herz!"

"Wieso, Herr?", fragte der Schönauer mit einer Stimme, als läge eine würgende Hand an seiner Kehle.

"Denk nur," lächelte Herr Waze, "was für gute Männer die Gottesleut' sind! Die werden umgehen im Tal, von Hag zu Hag, und werden die traurigen Leut' trösten, werden die Kinder hätscheln und werden Tag und Nacht sitzen bei den Siechen. Für solche Liebtat müsst' man wohl auch ein Übriges tun, mein' ich, und müsst' ihnen diemal, neben Zins und Steuer, eine Krax' voll Zeug schicken ... so eine, wie da drüben steht! Das wär' nur in der Ordnung! Meinst nicht auch?"

"Wohl wohl, Herr Watze!"

"Freilich, freilich! Das kann ich nur gut heißen! Liebtat muss wieder vergolten werden mit Liebtat!" Herr Waze kreuzte die Arme über der Brust und lachte. "Aber da fällt mir grad ein ... denk nur, Richtmann, was der Mensch diemal für Zeug träumen kann! Gestern nach Mittag hab' ich mich schlafen gelegt, und da ist mir im Traum gewesen, als hätt' ich den Köppelecker gesehen, wie er ein Körbl voll Zeug davon tragt und hinausgeht nach dem Lokistein ... und wie ich so steh' und schau' ihm nach, da schlagt auf einmal das Feuer aus seinem Haus. Und das ganze Wesen hab' ich niederbrennen sehen bis auf den Grund. Mir ist leid gewesen um den armen Teufel ... alles im Traum, Richtmann ... und denk Dir, derweil das Haus noch brennt, geht der Kaganhart an mir vorbei, mit einem Pack auf dem Buckel. 'Wohin?', frag' ich. 'Hinaus,' sagte er, 'zum Lok'stein!' Und ich sag' zu ihm: 'Recht so, geh nur zu!' Ich seh' noch, wie er hinübergeht über den Achensteg ... und da dreht sich auf einmal der Baum überm Wasser, und der Kaganhart ist weg. Ich hab' um Hilf' geschrieen, aber kein Mensch hat mich hören wollen. Ich schrei' allweil und schrei', und auf einmal kommst Du daher!"

"Ich, Herr?", stammelte der Bauer mit bleichen Lippen.

"Alles im Traum, Richtmann, natürlich nur im Traum!", lachte Herr Waze und streckte sich behanglich, als hätt' er seine rechte Freude an dem sonderbaren Traum. "Und schau, die Krax' dort, dieselbig', die auf der Hausbank steht ... ja, Richtmann, die hast Du auf dem Buckel getragen. Ich hab' natürlich gleich gemerkt, wo Du hin willst mit Deiner Krax', hab' Dich auf die Schulter geklopft und hab' Dein gutes Herz gelobt. So sind wir auseinander gegangen ... alles noch im Traum, Richtmann ... und wie ich heimzieh' durch den Untersteiner Wald, lauf' ich an eine Bärengrub' hin. Und was meinst, was ich drin gesehen hab'?" Der Schönauer schüttelte nur den Kopf. Er brachte kein Wort mehr über die Lippen. "Ein Bär ist drin gestanden in der Grub', die helle Roten ist ihm vom Maul und über die Tatzen geronnen, und unter ihm, denk, Bauer, unter ihm ist Dein Bub gelegen, der Ruedlieb. Mich hat das Grausen gepackt ... der arme, schmucke Bub! ... und im Erbarmen um ihn hab' ich an mich selber nimmer gedacht, bin hineingesprungen in die Grub' und hab' zugestoßen mit dem Fänger. Der Bär ist gelegen, aber Deinem Buben hat's nimmer geholfen. Bei dem war's aus! Ich hab' Dir noch zuschreien wollen: Du sollst umkehren ... aber da bin ich aufgewacht. Was sagst, Richtmann? Solche Sachen soll ein Mensch träumen können! Da muss man doch lachen, gelt?" Herr Waze klatschte auf dem Schwertknauf die Hände übereinander und schaute lachend den Bauer an.

Der Schönauer hatte keinen Tropfen Blut mehr im Gesicht. Schlaff hingen ihm die Arme nieder, und seine Lippen klafften.

"Was hast denn, Bauer? Du wirst doch nicht erschrocken sein über meinen Traum?" fragte Herr Waze und erhob sich. Freundlich klopfte er dem Schönaue rauf die Schulter. "Schau, es ist ja doch nur ein Traum gewesen. Dein Bub lebt ja und ist heil und frisch! Freilich," Herr Waze zögerte mit dem Wort und hob die Schultern, "das haben meine Träum' so an sich, sie pflegen einzutreffen. Aber mach' Dir keine Sorg'! Mein gestriger Traum, der kann ja nicht eintreffen, da müsstest Du zuerst die Krax' hinaustragen zum Lokistein ... und die Krax' dort, das hast Du ja selber gesagt, die geht doch zur Alben hinauf. Und ein Richtmann wird doch nicht lügen, gelt?" Herr Waze nickte dem Bauer zu und ging, um sein Ross zu besteigen. Als er im Sattel saß, blickte er auf Ruedlieb nieder. "Ein schmucker Bub, Richtmann!", rief er über die Schulter dem Bauer zu, der noch immer drüben bei den Eichen stand. "Ein schmucker Bub! Ich wünsch' ihm, dass er alt wird!" Und lachend ritt Herr Waze zum Tor hinaus.

Ruedlieb eilte auf den Vater zu und erschrak bei seinem Anblick. "Was hast, Vater?", stammelte er. "Hat er Dich gebüßt?" Der Schönauer atmete tief auf und schüttelte den Kopf. "Aber so red' doch, Vater! Hab' ich am End' 'was Schieches angerichtet, weil ich ihm gesagt hab', wohin die Krax' gehört?"

Wieder schüttelte der Bauer den Kopf. "Hast ja nur die Wahrheit gered!"

"Aber was ist denn gewesen?", fragte der Bub in wachsender Sorge. "Er hat ja doch so freundlich mit Dir gered!"

Der Schönauer lachte heiser. "Hast das noch nie gehört: Je schönere Farben die Natter spielt, so giftiger beißt sie?"

"Vater?"

"Frag' nicht weiter, Liebli! Geh hinein ins Haus und tu Dich richten zur Albenfahrt!"

"Aber ich muss ja doch die Krax' ..."

"Lass Du die Krax' in Ruh'!", fiel der Bauer hastig ein. "Die besorg' ich schon selber. Geh, Bub, geh!"

Ruedlieb fragte nicht mehr. Er schaute mit bekümmertem Blick seinem Vater ins Gesicht, dann wandte er sich zögernd ab und ging ins Haus. Als er drinnen in der Flurstube auf dem niederen Herdrand saß und die Riemen der Bergschuhe knüpfte, konnte er durch die offene Tür sehen, dass der Köppelecker den Hof betrat, mit einem Pack auf der Schulter. Der Schönauer redete mit dem Nachbar, dann ging der Köppelecker mit seinem Pack wieder davon. Der Reihe nach kamen auch die anderen: Der Kirngasser und Bärenlochner, einer der Winklerbuben, der Schwaiger und Waldhauser - der Schönauer redete mit ihnen, und da trug ein jeder wieder heim, was er gebracht hatte. Der Kaganhart blieb aus - er war wohl mit seinem Weib nicht auf gleiche Meinung gekommen. Einer aber erschien, den der Schönauer gar nicht erwartet hatte: Eigel, der Kohlmann.

"Hast gehört, Richtmann, hast das Glöckl gehört?", fragte der Alte mit erregten Worten und deutete mit seinem Stecken gegen den Untersberg.

Der Schönauer nickte. "Deine Kohlstatt liegt nicht weit vom Lok'stein ... Du bist wohl gleich drauf zugelaufen, gelt?"

"Das kannst Dir denken!"

"Und warum kommst zu mir?"

Der Kohlmann fasste den Schönauer am Arm und dämpfte die Stimme. "Sie haben schon einen Ring gezogen um den Stein."

"Wer?"

"Die Wazemannsbuben. Auf jedem Weg zum Lok'stein ist einer dagestanden vor mir, auf der Untersberger Seit' der Rimiger, hinter dem Kälberstein sein Bruder Sindel, und wie ich mich von der Talseit' hab' hinschleichen wollen, hab' ich den Hartwig reiten sehen im Gehölz. Sie liegen um den Lok'stein herum wie die Wölf' um den Geißstall."

"Hat Dich einer gesehen?"

"Der Sindel."

"Aber ich hoff' doch, Du hast leere Händ' gehabt?"

"Warum?"

"Sei froh! Sonst hätt' Herr Waze heut Nacht geträumt von Dir! Komm, Eigel ... ich erzähl' Dir 'was!"

Ruedlieb konnte sehen, dass sein Vater lange Zeit allein sprach, dann erwiderte der Kohlmann mit erregten Gebärden, als möchte er die Meinung bestreiten, die er hörte; aber der Schönauer schüttelte immer wieder den Kopf. Als nun der Bub, für die Bergfahrt gerüstet, zu den Eichen kam, erhob sich der Schönauer und sagte zum Kohlmann: "Lass gut sein, Eigel, das reden wir zwei nicht aus miteinander! Bring alles vor beim Thing, dann wirst ja hören, was die andern sagen!" Er wandte sich zu Ruedlieb. "Wart nur bei der Haustür, Liebli, ich komm' gleich."

Ruedlieb nickte dem Kohlmann einen Gruß zu und ging zur Hausbank. Da zog der Schönauer sein Messer aus dem Gürtel und gab es in Eigels Hand. Es hatte einen griff aus Horn mit eingeritzten Zeichen. "heut über drei Nächt', wenn Vollmond einsteht, Kommst aus mit der Zeit?"

"Wohl wohl!", sagte der Kohlmann und verwahrte das Messer. "Heut lad' ich über die Schönau hinaus in die Ramsau, über Schwarzeck und Winkel zurück ins Engedein. Morgen über Unterstein auf die Alben und über den Jennar und Göhl wieder Heim zu bis zum Vorderecker. Und am dritten Tag vom Greinwalder hinaus zum Gernroder und über die Metzenleit und Aschau herunter in die Strub."

"Lad' nur wortfeste Leut', die Unsicheren lass aus!"

"Wohl wohl!"

"Und in der Ramsau geh vorbei am Hiltischalk!"

Eigel schaute betroffen auf. "Richtmann! Ich mein' doch, der Hiltischalk müsst' dabei sein zu allererst!"

"Tu, was ich sag'!"

"Wohl wohl, Du bist der Richtmann, Du wirst ja wissen, warum. Heut über drei Nächt', wenn Vollmond einsteht." Sie reichten sich die Hände und gingen dem Haus zu. Da hörten sie plötzlich ein dumpfes Rollen, es klang wie ferner Donner. Sie blieben stehen und blickten zum Himmel auf. Aber kein Wölklein trübte das reine Blau, und alle Bergspitzen waren nebelfrei. Eine Magd kam aus der Stalltür gelaufen, schaute verwundert umher, schüttelte den Kopf und verschwand wieder.

"Vater," rief der Bub, "was war denn das?"

"Ich weiß nicht. Es hat gedonnert, und ich seh' doch kein Wettergewölk."

Da sagte der Kohlmann mit langsamen Worten: "Richtmann, ich mein', es wär' gar nicht in der Luft gewesen, sondern in der Erd'!"

"Was Dir nicht einfallt!" Der Schönauer schüttelte den Kopf. Nun standen sie alle schweigend und lauschten; doch in den sonnigen Lüften störte kein Laut mehr die Stille. "Es muss wohl hinter dem Eismann ein Wetter liegen ... und die Tauern haben aus der Fern' her den Donnerhall herein geworfen ins Tal."

"Meinst?", sagte Eigel. "Dann müsst' das Wetter kommen auf die Nacht. Wir haben Tauernwind. Der müsst' die Wolken hertreiben über den Eismann. Da darf ich schauen, dass ich den Weg hinter die Füß' krieg'."

"Zeit lassen!", grüßte der Schönauer.

"Zeit lassen auch!", nickte der Kohlmann und ging.

Zwischen Weisen und Feldern, auf denen der Sommerroggen, reif zum Schnitt, dünn und mit mageren Ähren stand, wanderte Eigel dem nächsten Hag entgegen. Vor dem Tor, inmitten einer Wiese, schwang der Köppelecker die Sense. Eigel ging auf den Bauer zu, zog das Richtmanns Messer aus der Kotze, drückte dem Köppelecker das Heft an die Brust und sagte: "Heut über drei Nächt', wenn Vollmond einsteht! Fehl nicht! Tu nach Deiner Mannspflicht! Lass Dich nicht halten von Wetter und Wind, von Weib und Kind, lass Dich nur halten von Wassersnot, von Feuer und Tod!"

Der Köppelecker legte die Hand an das Messer. "Heut über drei Nächt', wenn Vollmond einsteht. Ich hab's gehört und schweig'. Fahr weiter, Thingbot!" Eigel nickte und ging seiner Wege. Auf schmalem Pfad, zwischen dichten Hecken, kam ihm der älteste der Hanetzerbuben entgegen. Eigel blieb stehen und hob die Hand nach dem Messer; doch er ließ sie wieder sinken. "Zeit lassen, Hanetzer! Wohin so flink?"

"Nach meiner Alben hinauf. Und Du?"

"Meiner Arbeit nach!", sagte Eigel und ging vorüber.

"He, Du!", rief der andere ihm nach. "Hast vor einer Weil' das Brummen nicht gehört?"

"Wohl wohl!"
"Was war denn das?"

"Ein Wetter kommt!"

Der Hanetzer blickte zum blauen Himmel auf und lachte. "Möcht' wissen, woher!"

Der Kohlmann zuckte die Achseln und wanderte weiter. Beim Kaganhart fand er das Hagtor verschlossen. Er lud den Kirngasser und Bärenlochner, die Winklerbuben, den Schwaiger und Waldhauser. Beim Kinill und Grünsteiner ging er vorüber. Als er den Urstaller geladen hatte, stieg er über den Hang eines waldigen Hügels empor und kam zu einem halb zerfallenen Hag. Schief hing das Tor in den Weidenringen, und dichtes Unkraut wucherte im Hof. Ein verschobenes, von Lücken klaffendes Strohdach deckte die morsche Hütte, deren faulendes Gebälk schon in allen Fugen gelockert war. Wo einst der Stall gestanden, lag ein wüster Haufen von Asche und halbverbrannten Balken. Neben dem verwahrlosten Gärtlein ragten fünf Eichenstrünke aus der Erde. Die jungen Stämme waren mit der Axt gefällt und lagen dürr mit gebrochenen Ästen. Eine einzige Eiche, fast hundertjährig, stand noch zwischen den Strünken. Ihr Wipfel war verdorrt, und die von schmarotzendem Moos fast erstickten Äste trugen nur noch einzelne Büschel braungrünen Laubes. Der Baum krankte an den tiefen Kerben, die seinem Stamm eingehauen waren. Neben der Eiche, mit einem Hanfseil noch an den Stamm gebunden, lag eine tote, von einem Fliegenschwarm umsummte Ziege.

Inmitten des Hofes stand ein Baum in vollem Grün, ein Apfelbaum mit starkem Geäst. Doch hingen nur wenige Früchte noch an seinen Zweigen - der Sturm der vergangenen Nacht hatte Ernte gehalten und die unreifen Äpfel heruntergeschüttelt in das Unkraut. Im Schatten des Baumes saß der alte Gobl, mit dem Rücken and en Stamm gelehnt, das weißbärtige Kinn auf der Brust, die welken Hände im Schoß. Eigel trat auf ihn zu und berührte ihn mit dem Messer. "Heut über drei Nächt', wenn Vollmond einsteht! Fehl nicht! Tu nach Deiner Mannespflicht! Lass Dich nicht halten von Wetter und Wind..." Weiter kam Eigel nicht mit seinem Spruch. Der Greis hatte den Arm des Kohlmanns zurückgeschoben und sagte: "Ich hab's gehört und schweig'. Geh an mir vorbei, Thingbot! Ich komm' nicht. Heut hab' ich den letzten Weg gemacht, und der reut mich schon. Ich mach' keinen andern mehr. Wär' schad' um die Müh'!"

"Gobl, Gobl!", mahnte der Kohlmann mit einer Stimme, als schliefe der Greis, und er müsste ihn wecken. "Hörst denn nicht? Das Thing ruft!"

"Lass rufen!"

"Du bringst Unehr' über Dich!"

"Unehr'?" Ein Lächeln glitt über die dürren Lippen des Greises. "Dietrag' ich so!" Er pflückte mit seiner zitternden Hand einen Grashalm und legte ihn auf sein Haupt. Unwillig wnadte sich Eigel ab, aber schon nach wenigen Schritten kehrte er wieder zurück. "Gobl, es geht um unser Wohl und Weh'!"

Langsam hob der Greis die Augen. "Was redst vom Wohl? Sag': Weh'! Das eine Wörtl geht für alles. Und das kommt, wie's will! Wozu denn raten, wo keiner wenden kann?" Er hob einen wurmstichigen Apfel aus dem Unkraut und hielt ihn dem Kohlmann hin. "Da nimm! Den kannst Dir braten am Thingfeuer! So hat's doch einen Zweck!"

Eigel hatte den Apfel genommen. Er drehte ihn zwischen den Fingern, ließ ihn wieder fallen und wanderte schweigend davon.

Ruedlieb mit dem Grießbeil, und der Schönauer, die beladene Kraxe tragend, stiegen durch den Wald hinunter zur Ache. Der Bub blieb stehen. "Geh, Vater, so tu mir doch den Willen und als mich die Krax' tragen!" Der Schönauer schüttelte den Kopf, und sie gingen weiter. Als sie die Ache erreichten, teilte sich der Pfad. "Jetzt geh, Liebli! Und Zeit lassen!"

"So lass mich doch mit hinaus zum Lok'stein!"

"Ich geh' nicht hinaus."

Der Bub machte verwunderte Augen. "Wohin denn? Hast ja doch die Krax' für die Gottesleut'!"

"Frag' nicht! Du sollst nichts wissen!" Der Schönauer fasste die Hand seines Buben. "Und bleib auf der Alben, bis ich Dich wieder Heim ruf'! Und versprich mir's: Tu nichts gegen Wazemanns Will' und Wort. Lass keine schieche Red' hören gegen die da droben, steig in keinen Bannberg ein und lass Dir nicht in den Sinn kommen, dass Du mit einer Hand ans Gewild rührst!" Eine dunkle Röte flog über Ruedliebs Gesicht. Er dachte an die Bärengrube, die er in der Reginwand ausgeworfen. "Versprich mir's, Bub!" Ruedlieb nickte. "Halt' Dein Wort, und sie können Dir nichts anhaben. Wenn's aber doch so kommen sollt', dass Dich einer fassen möcht' ...", die Augen des Richtmanns funkelten, und seien flüsternde Stimme bebte, "dann greif nach dem Messer und stoß zu! Dann ist schon alles eins!"

"Vater?", stammelte der Bub.

Aber der Schönauer schob ihn gegen den Steg. "Jetzt geh, Liebli! Und Zeit lassen!"

Ruedlieb fand keinen Gegengruß. Wortlos starrte er in das bleiche Gesicht seines Vaters, wandte sich zögernd ab und überschritt den Achensteg. Der Schönauer blickte seinem Buben nach, und als er ihn am andern Ufer der Ache zwischen den Bäumen verschwinden sah, drückte er die Fäuste auf die Brust und atmete tief auf. Langsamen Schrittes folgte er dem Waldpfad und erreichte nach kurzer Weile den Reitweg, welcher hinauf führte zu Wazemanns Haus. Auf dem Falkenstein fand er die Zugbrücke niedergelassen und das Tor offen. Ein Knecht trat ihm entgegen, mit verwundertem Blick.

"Da bring' ich eine Krax' voll Zeug," sagte der Schönauer und stellte seine Last nieder. "Ist der Herr daheim?"

"Nein, Richtmann!"

Der Schönauer atmete auf. "Nimm die Krax' und lad' das Zeug ab! Und wenn Herr Waze heimkommt, so sag' ihm: Ich hätt' mich besser besonnen, und der Herr sollt' mit dem Zeug machen, was ihm lieb ist!"

Der Knecht trug die Kraxe ins Haus, und vor dem Tor setzte sich der Schönaue rauf einen Stein am Wegrain, um auf die Leere Kraxe zu warten. Im Zwinger schlugen die Hunde an, welche die Nähe eines Fremden witterten. Mit vielstimmigem Echo warfen die nahen Felswände das Geheul zurück.

Über die auf steilem Hang sich senkenden Baumwipfel blickte der Schönauer hinunter nach der Seelände. Dort unten leuchtete ein langer, weißer Streif im Sand. Es war ein frisch gewebtes Stück Hanftuch, das zum Bleichen in der Sonne lag.

Edelrot stand am Ufer, schöpfte mit einer hölzernen Kanne Wasser aus dem See und besprengte das Tuch. Da hörte sie einen knirschenden Tritt im Sand, und als sie sich umblickte, stand Ruedlieb vor ihr. Sei wollte lächeln, aber sie erschrak vor seinem blassen Gesicht. "Ruedlieb! Was hast denn?"

"Rötli!" Er vermochte kaum zu sprechen. "Kann's denn wahr sein, was ich gehört hab'?"

"Was?"

"Dass der See Dich schier verschlungen hätt'!"

Sie nickte wortlos. Langsam blickte sie über den stillen, sonnglänzenden See hinaus, und ein stockender Atemzug erschütterte ihre junge Brust. "Wer hat's Dir denn gesagt?"

Er hörte ihre Frage nicht. Seine feuchten Augen hingen an ihr, und seine Lippen zitterten. Sie musste die Frage wiederholen, und da stammelte er: "Jetzt, wie ich hergegangen bin hinter dem Hag, hat's Eure Magd, die Heilwig, mir zugerufen." Er fasste ihre Hände. "Weil Du nur lebst, Rötli! Weil Du nur lebst!"

Sie blickte lächelnd zu ihm auf. "Gelt, wenn's anders hätt' sein müssen, das wär' doch zu früh gewesen für mich? Ich leb' so gern! Aber viel hat nimmer gefehlt. Wär' mein Bruder nicht gekommen und hätt' zugegriffen, grad noch zur rechten Zeit, so wär's hinuntergegangen! Ich hab' schon das Wasser..." Mit leisem Schmerzenslaut unterbrach sie ihre Worte. "Geh, druck mir doch nicht die Händ' so fest, tust mir ja weh!"

Erschrocken ließ Ruedlieb ihre Hände fallen und stotterte: "Ich hab' gemeint, ich müsst' Dich halten." Eine Weile standen sie schweigend, dann fragte der Bub: "Aber wie hat denn nur so 'was geschehen können?"

"Komm! Ich erzähl' Dir's." Sie ging auf den Waldsaum zu und ließ sich im Schatten einer weitästigen Fichte nieder. Ruedlieb setzte sich an ihre Seite. Ein leises Rauschen webte in den Bäumen, über der Lände lag funkelnder Sonnenglanz, und wie Perlen schimmerten die Wassertropfen auf dem ausgebreiteten Hanftuch. Edelrot begann zu erzählen. Kaum hatte sie den Namen Reckas genannt, da ballte Ruedlieb die Fäuste. "Die also ist schuld!" Seine Augen blitzten hinauf zum Falkenstein. "Allweil und allweil die da droben! Einmal der Alt' und das andermal die Jungen! Wo ein Unheil wachst ... wer hat's ausgesät? Die da droben!"

Beschwichtigend legte ihm Rötli die Hand auf die Lippen. "Musst die Recka nicht schelten! Die hat mich lieb!" Und sie fuhr fort in ihrer Erzählung. Mit großen Augen hörte Ruedlieb zu und blickte hinaus über das stille Wasser. Da glitt zwischen dem Schilf der Insel Bidlieger, aus dem Weitsee kommend, der Einbaum hervor. Wicho führte das Ruder, und vor dem Knecht saß Recka auf der Bank, in lichtem Gewand, das Gesicht und das den Hals und die Schultern umrieselnde Gelock von einem breitkrempigen Hut überschattet. Ruedlieb sprang auf, seine Fäuste ballten sich, und finster blickten seine Augen. "Muss denn die schon wieder da sein!"

"Seit dem Morgen ist sie schon draußen auf dem Weitsee," flüsterte das Mädchen, "sie hat ihre Stößer gesucht. Hat sie die Vögel, siehst 'was?"

"Wenn sie nur hin wären!"

"Aber geh! Wie magst denn so reden! Was können denn die Vögel dafür..."

Da klang über das Wasser her die Stimme der Wazemannstochter. "Rötli!"

"Recka!", rief Edelrot und eilte auf das Ufer zu.

Ruedlieb stand mit finsterem Gesicht. "Allweil muss eins dazwischen kommen, wenn ich mit dem Rötli zu reden hab'!" Eine Weile noch blieb er wartend stehen; doch als er sah, wie Edelrot an den landenden Einbaum trat, um der Tochter Wazemanns beim Aussteigen behilflich zu sein, fasste er sein Grießbeil und verschwand im Wald.

Recka steig aus dem Nachen, von Rötli gestützt.

"Ich seh' die Stößer nicht. Hast sie denn nimmer finden können?"

"Nein. Alles Suchen und Rufen war umsonst." Recka nahm den Hut ab und schüttelte die Locken in den Nacken. "Sie haben sich nicht in den Wald verflogen, sonst hätten sie mich hören müssen. Der Elbiss ist wohl untergetaucht, hat die Stößer, die an seinem Hals verschlagen hingen, mit hinuntergezogen und hat sich festgebissen auf dem Seegrund.

Rötli schüttelte das Köpfchen und flüsterte: "Der ist Luft 'worden! Das kannst mir glauben!"

"Närrlein!", lächelte Recka und strich mit sanfter Hand über Rötlis Haar.

Edelrots Blicke suchten den Buben. "Ja wo ist er denn?", stammelte sie und spähte nach allen Seiten. Nirgends erblickte sie ihn. Doch einen andern sah sie, ihren Bruder. Auch Recka hatte ihn schon gewahrt. Eine heiße Röte flammte über ihre Wangen, und hastig wandte sie sich, um das Federspiel, das sie zum Locken der Stößer mitgenommen hatte, aus dem Einbaum zu holen. Sigenot kam von der Ache hergegangen, die schwankende Angelgerte über der Schulter, das Lägel auf dem Rücken. Sein Gesicht war bleich, und seine Augen hatten einen fremden Blick. Wicho, welcher vom Ufer kam, das lange Ruder schleifend, nickte ihm zu und kniff mit einer vergnügten Grimasse die Augen ein ... aus ihm lachte die Schadenfreude über Reckas Verlust. Sigenot verstand diese stumme Sprache nicht und verhielt den Schritt. Da lief ihm die Schwester entgegen. "Denk Dir, sie hat die Stößer nimmer gefunden!"

"Schad' um die Vögel!", sagte der Fischer, ohne einen Blick auf Recka zu werfen. "Sie waren gut abgetragen."

Vom herben Klang seiner Stimme befremdet, blickte Rötli auf. Da gewahrte sie auf ihres Bruders Kappe eine seltsame Zier: Neben der Schwanenfeder war ein dünnschäftiger Pfeil mit verbogener Spitze durch das Otterfell gestoßen, fast so, wie man eine langstielige Blume auf die Mütze steckt.

"Ja was hast denn da auf Deinem Kappel?"

Sigenot lehnte die Angelrute an die Schulter, nahm die Mütze ab und zog den Pfeil hervor.

Raschen Schrittes kam Recka herbei gegangen. "Was soll der Pfeil?"

Der Fischer hob langsam die ernsten Augen. "Warum fragst?"

"Weil es ein Pfeil ist aus Hennings Köcher?"

"Aus Hennings Köcher!", wiederholte Sigenot mit halblauter Stimme.

"Ich kenn' ihn am Gefieder. Wie kommst Du zu dem Pfeil?"

Sigenot wollte sprechen, da streiften seine Augen das Gesicht der Schwester, und er blickte gegen das Haus hinauf. "Hast nicht gehört, Rötli? Die Mutter hat gelacht."

"Die Mutter? Ich hab' nichts gehört."

"Wohl wohl! Geh nur!"

Edelrot schüttelte verwundert das Köpfchen, aber sie eilte in den Hag und über den Hügel empor.

Mit fragenden Augen blickte Recka den Fischer an. "Warum schickst Du die Schwester fort?"

"Weil sie nicht zu hören braucht, wie ich zu Deines Bruders Pfeil gekommen bin."

"Ich versteh' Dich nicht. Wo hast Du den Pfeil gefunden?"

"Gefunden?" Ein seltsames Lächeln zuckte um Sigenots Lippen. "Freilich ... man findet auch diemal, ohne dass man sucht. Da, nimm den Pfeil und bring ihn Deinem Bruder Henning wieder!" Die Augen mit heißem Blick auf Reckas Antlitz heftend, legte er das gefiederte Rohr in ihre Hand. "Unter dem Lok'stein bin ich an der Ache gestanden und hab' die Angel geworfen, da ist mir der Pfeil von hint' her am Hals vorbei geflogen, dass mich die Feder noch gestreift hat, und ist vor mir ins Wasser gesurrt und auf einen Stein gefahren. So hab' ich ihn gefunden."

Von Reckas Wangen war alle Farbe gewichen. "Ein böser Zufall," sagte sie mit schwankender Stimme und hastigen Worten. "Henning muss nach einem Haselhuhn geschossen haben ... oder nach einem Auerhahn, der durch die Wipfel strich ... und der Pfeil ging fehl und flog durch die Bäume weiter."

"Wohl wohl, kann schon sein!", sagte der Fischer, doch er wandte die Augen ab.

"Henning ist ein ungestümer Schütze, der wilde Eifer macht ihn blind ... wär' ein Unheil geschehen, es wär' das erste nicht, das er angerichtet."

"Da hast recht." Der Fischer nickte einen stummen Gruß, schulterte die Angelrute und wollte in das Hagtor treten.

Recka starrte mit verlorenem Blick auf den Pfeilschaft in ihrer Hand, dann hob sie die Augen und blickte dem Fischer nach. Wie quälende Unruhe schien es ihr Wesen zu befallen. Sie tat einen Schritt und mit gepresstem Laut, als geschäh' es wider ihren Willen, klang Sigenots Name von ihren Lippen.

Er wandte das Gesicht. "Was willst?"

Sie zögerte, dann plötzlich hob sie das schöne, stolze Haupt und trat auf den Fischer zu. "Sigenot! Ich werde meines Bruders Unverstand dem Vater klagen. Hätte dieser Zufall bös gespielt, es wär' ein übler Vergelt für die Hilfe gewesen, die Du mir gestern gebracht hast in der Not. Ich bin Dir Dank schuldig. Nimm ihn!" Sie streckte die Hand aus.

Eine dunkle Röte floss über Sigenots Gesicht. Seine Hand zuckte, und die Angelrute schwankte. Doch er schüttelte den Kopf, und langsam, mit herbem Klang, lösten sich die Worte von seinen Lippen: "Was ich an Dir getan hab', das hast Du vergolten an meiner Schwester. Da braucht's keinen Dank. Wir sind auf gleich, und die Sach' ist abgetan! Auch brauchst Du Deinen Bruder nicht verklagen. Wenn er merkt, wie der Pfeil geflogen ist, kränkt er sich schon von selber genug!" Sigenot lächelte wieder und nickte. "Zeit lassen!" Er wandte sich ab und trat ins Tor.

Reckas Brauen furchten sich, und ein zorniger Blick flammte aus ihren Augen. "Das war der erste Dank, den Du von mir gehört hast ... aber auch der letzte." Und während sie hastigen Ganges den Bäumen entgegen schritt, zerknickten ihre Hände den dünnen Pfeilschaft.

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