Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Die Martinsklause

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      Ludwig Ganghofer
         Die Martinsklause
            Buch 1
              Titel
              Kapitel 1
              Kapitel 2
              Kapitel 3
              Kapitel 4
              Kapitel 5
              Kapitel 6
              Kapitel 7
              Kapitel 8
              Kapitel 9
              Kapitel 10
              Kapitel 11
              Kapitel 12
              Kapitel 13
              Kapitel 14
              Kapitel 15
              Kapitel 16
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              Kapitel 17
              Kapitel 18
              Kapitel 19

Kapitel 6

An dem Pförtlein über dem Felsensteig hatte Sigenot den Hamnier gerührt. Ein Knecht öffnete: "Komm nur, der Herr wartet schon!"

Der Fischer zögerte. "Sind die Buben daheim?"

"Nein. Gestern vor Mittag sind sie nach dem Eismann hinauf ins Gemsgejaid. Ich weiß nicht, ob sie heut noch heimkommen."

Sie überschritten den wenig geräumigen Burghof. Der Steinwall um das Haus war eng gezogen, nach dem alten Sprichwort: Je kürzer die Mauer, so länger die Wehr'. An der Mauer entlang, unter den Pfeilscharten und Luglöchern, lief eine hölzerne Brustwehr mit Wächterhäuschen und kleinen Treppen. Aber das Holzwerk war morsch und zerfallen. Wazemanns Haus hatte nie einen Angriff erfahren und schien auch keinen mehr zu befürchten. In den Ecken der Mauer waren Schuppen und Scheuern eingebaut, und die Wächterhäuschen dienten als Trockenkammer für die Wilddecken. Ein paar alte Ulmen standen im Hof, von Holzbänken umzogen und an den Stämmen behängt mit verwitterten Hirschgeweihen und mit Steinbock- und Gemshörnern, welche zumeist noch auf den weiß gebleichten Schädeln saßen. Zwischen den Bäumen erhob sich ein aus dicken Fichtenstangen gefügter Käfig, in welchem ein brauner Bär, ein Wolf und eine Luchskatze einträchtig hausten, träg und schläfrig, mit abgeschundenem Fell. Nicht weit davon, in einer Ausbuchtung der Ringmauer, befand sich der hoch vergitterte Hundezwinger, in welchem die Bollbeißer und Saufinder bei Sigenots Eintritt einen tollen Lärm erhoben.

An die Mauer waren auch die Ställe angebaut, die Hühnersteigen und Entenhüttlein. Auf einem der Moosdächer saßen zwei Pfauen, Enten und Hühner stolzierten frei im Hof umher - und mit dem Kläffen und Heulen der Hunde vermischte sich das Muhen der Kühne, das Blöcken der Mastschafe, das Gackern der Hühner, das Geschnatter der Enten und das Geschrei der in den Ställen beschäftigten Knechte und Mägde.

Inmitten des Hofes stand, wie ein plumper riesiger Block, Herrn Wazes Wohnhaus. Der Unterbau war aus unbehauenen Felsbrocken gemauert und umschloss die Küche, die Pfisterei, die Falkenkammer, die Gesindestübchen, den Keller und die Bußlöcher, von deren zweifelhafter Wohnlichkeit so manch ein Bäuerlein im Gadem erzählen konnte. Der Oberbau, den ein steiles, gebrochen vorspringendes Schindeldach bedeckte, war aus Balken gefügt. Eine hölzerne Freitreppe führte in eine Vorhalle. Hier standen zwei lange Tische mit Holzbänken und dreibeinigen Stühlen. Jagdnetze, Schneereifen und eiserne Raubtierfallen hingen an der Wand, Saufedern und Grießbeile lehnten in den Ecken, und an den höheren Blaken reihte sich eine Trophäe neben die andere. Eberköpfe, Bärenhäupter, Hirschgeweihe und Luchsköpfe. Von dieser Halle führten zwei niedere Türen in das Haus, und aus der einen, welche offen stand, hörte man zwei Stimmen, rau und zornig die eine, die andere scheu und stammelnd.

"Der Herr ist drin, geh nur hinein!", sagte der Knecht zu Sigenot.

Der Fischer trat über die Schwelle. Der Raum vor ihm, das war die Herrenstube in Wazemanns Haus. Sie hatte vier Fenster, aber der Schliem1, mit dem die Fensterrahmen überzogen waren, ließ vom späten Licht des Abends nur noch eine trübe Helle ein. Gebräunte Balken bildeten die Decke, von welche ran Ketten ein eiserner Reif mit aufgesteckten Hirschtalgkerzen nieder hing, darunter ein Tisch mit Stühlen. In einer Ecke der massige Lehmofen. Die von Geweihen starrenden Balkenwände waren rau mit Mörtel beworfen und geweißt. Entlang der Mauer liefen Holzbänke, unterbrochen von Truhen und drei niederen Türen. Hier ein Sattelbock, dort ein Gestell mit Waffen und Jagdgerät, und dazwischen in der Wand ein alkovenartiger Ausbau mit dem Spanbett, in welchem Herr Waze die einsame Nachtruh' zu halten pflegte, seit Frau Friderun, sein Eheweib, das Zeitliche auf blutigem Weg gesegnet hatte.

Heute aber schien die Stunde, um welche sich Herr Waze nach Schlaf und Ruhe sehnte, noch lange nicht gekommen. Seine Stimme klang in dem Raum wie Bärengebrüll in der Grube. Mit beiden Fäusten hielt er den Bauer, welcher stotternd vor ihm stand, am Bart gefasst, rüttelte und schüttelte ihn und schrie ihm ins Gesicht: "Wart, Du, wart! Dir will ich zeigen, wer Dein Herr ist! Du sollst mir den Zinstag merken! Dir will ich's einbläuen!" Mit der Faust holte er zum Schlag aus.

Da fasste Sigenot seinen Arm. "Aber Herr, lasst doch den Bauer aus! Ihr redet ein lützel gar zu grob! Wenn Ihr ihm das Hirn in die Ohren beutelt ... wie soll er denn hören?"

Herr Waze ließ den Bauer fahren und schrie: "Wer untersteht sich denn...", da verstummte er wieder. Er hatte den Fischer erkannt und schien Ursache zu haben, seinen Zorn gewaltsam zu bezwingen. Er packte die Säume seines langen Hausrockes, schlug sie über den Leib zusammen und brummte: "Du? So? Du bist da?"

Sigenot wandte sich an den Bauer, in welchem er seinen Nachbar erkannte, den Marderecker. "Was hast denn angestellt?"

"Der Lump und Gauchdieb!", schrie Herr Waze. "An Sonnwend' hätt' er zinsen sollen ... und heut, im halben Augst2, kommt er und heult, ich soll noch warten bis nach der Albenzeit."

"Aber guter Herr, habt doch Einsicht!", stammelte der Bauer mit halb erstickter Stimme. "Wie hätt' ich denn käsen sollen? In sechs Wochen hat mir der Bär vier Geiß' gerissen, meine besten Milchgeiß'."

"Freilich! Steiner frisst halt der Bär nicht."

"Aber ich kann doch aus Steiner auch kein Schmalz machen!"

"Schau den an!", schrie Herr Waze. "Spitzwörteln will er auch noch!" Und wieder wollte er mit beiden Fäusten zugreifen.

Sigenot trat dazwischen. "Lasst ihn doch in Ruh', Herr, der arm' Hascher hat ja eh' keinen Tropfen Blut mehr im Gesicht. Und daheim bei ihm schaut's grausig aus. Eine Kuh ist ihm umgestanden, und sein Weib kann nimmer schaffen, die geht mit dem Kind."

"Natürlich, mit der Zwielichtarbeit wird der Kerl noch allweil fertig. Da ist ihm die kürzeste Nacht noch lang genug! Aber am Tag liegt er auf der Faulhaut, und ich kann warten auf Zins und Steuer!" Herr Waze spuckte aus und griff nach der Metbitsche auf dem Tisch. Als er sie leer fand, klapperte er mit dem Deckel und schrie: "Ulla! Ulla!" Eine greise Magd erschien, um den Krug zu holen.

Inzwischen fragte Sigenot den Bauer: "Wie viel macht Dein Zins?"

"Auf Sonnwend' zwanzig süße Geißkäs'."

"So komm halt morgen zu mir! Ich red' mit meiner Mutter ... die leiht Dir den Zins. Kannst ihn ja wieder Heim geben, aber Eil' hat's keine. Und wenn's halt gar nimmer sein kann, liegt auch nichts dran!"

Der Bauer fand kein Wort des Dankes, aber seine Augen redeten. Herr Waze lachte. "Di Käs', Fischer, die hast gesehen! Aber tu', was Du magst, es geht ja um Dein' Sach', nicht um das meinig'! Und Du...", das ging den Bauer an, "Du mach', dass Du weiter kommst!" Ein Tritt, und der Marderecker brauchte die Tür nicht mehr zu suchen.

Die Magd brachte den Krug. "Steck' die Kerzen an!", brummte Herr Waze und wandte sich wieder zum Fischer. "Was ich sagen will ... die Ferchen sind sauber gewesen. Was willst denn haben dafür?"

"Stahlstifte könnt' ich wieder brauchen auf Angelhaken."

"Die sollst haben. Und meine Dirn' hat einen Hirsch geworfen. Von dem schick' ich Dir eine Keul'."

Sigenot schüttelte den Kopf. "Nicht von dem! Ich hab' ihn sterben sehen!"

Herr Waze stieß einen schmerzvollen Laut aus, als hätte er einen Stoß auf den Leib bekommen. "Die Leut' sterben," schrie er, "die Hund' verrecken ... aber der edle Hirsch verendet! Ein Fischer! Sollt' ein halber Jäger sein und kann nicht einmal reden! Und grausen tut ihm vor Wildbret! Meintwegen!" Er schüttelte den Kopf, und um seine Fassung wieder zu finden, griff er nach der Bitsche.

Auf dem Eisenring brannten die Kerzen, und ihr rötlicher, zuckender Schein beleuchtete den Trinker. Der lange, aus Hirschleder genähte Hausrock umhüllte eine klobige, vom Alter schon etwas gebeugte Gestalt. Ein grauer, langsträhniger Bart umrahmte das von Zeit und wüstem Leben zerstörte Gesicht. Alles an diesen Zügen war welk und schlaff, nur die grauen Augen hatten noch Glanz und festen Blick. Dünnes Haar hing an den Schläfen und im Nacken. Das Oberhaupt war kahl, doch über der Stirne sträubte sich ein vereinsamte Haarbusch, als hätte die Zeit ihn eigens verschont, damit ihn ein zausendes Schicksal doch endlich noch zu fassen bekäme.

Herr Waze hatte einen tiefen Zug getan und stelle die Bitsche nieder. Mit einem Augenwink wies er die Magd aus der Stube. "So, Fischer, jetzt lass uns reden miteinander! Komm her, hock Dich nieder!" Sie setzten sich. "Und fürs erste ... da, trink!" Herr Waze schob seinem Gast die Bitsche hin.

"Ich hab' keinen Durst," sagte Sigenot und steckte seine Kappe hinter den Gürtel.

Herr Waze schielte den Fischer von der Seite an. "Meinetwegen!", brummte er, dann legte er die Arme über den Tisch, blickte schweigend eine Weile mit spähendem Blick in Sigenots Gesicht, als prüfe er seinen Mann, und sagte: "Also, jetzt red'! Was meinst denn Du dazu?"

"Wozu? Ich versteh' nicht!"

"Hast sie doch auch schon gesehen heut!"

"Wen, Herr?"

"Die Kuttenlupfer! Bist ja dazugekommen, wie meine Dirn' mit ihnen gehachelt hat."

Langsam hob Sigenot die Augen, aber keine Miene zuckte in seinem Gesicht. "Wohl wohl!"

"Also! Jetzt red'! Was sagst dazu?"

"Ich? Und sagen? Was gehen denn mich die fremden Leut' an?"

"Fremde Leut'?" Herr Waze blinzelte. "So? Du bist aber schnell fertig." Er lachte und legte die unruhigen Hände um die Bitsche. "Wenn aber der Öberste von ihnen morgen kommt und sagt zu Dir: 'Du, Fischer, jetzt pass auf, jetzt bin ich der Herr im Gadem, und ihr all' seid Kirchenknecht', da gibt's keinen Unterschied ... Frohn und Zins und Steuer, alles gehört mir, mein ist der Wildbann, und die Fischenz über Bach und See, die lass' ich auch nicht aus, her damit!' Was sagst denn nachher, Fischer?"

Sigenot lächelte. "Da könnt' ein jeder kommen und könnt' so reden. Es fragt sich nur, wie viel er ausricht' bei mir."

"Gelt, ja? Gelt?", lachte Herr Waze. Die Antwort schien ihm zu taugen. "Also? Was wirst denn sagen, wenn er kommt?"

"Da müsst' ich mich erst besinnen. Aber ich mein', ich find' schon die richtige Red'."

"Hast recht! Lass Dir nur nichts gefallen! Und wenn Dir die Wort' ausgehen, red' nur gleich mit der Faust! Bei Dir gibt's aus ... wo Du hinhaust, da wachst sieben Jahr' kein Gras nimmer. Und ich, Fischer, ich halt' zu Dir! Dich hab' ich gern, das weißt. Du bist der einzig' im Gadem, den ich stehen hab' lassen, wie Herr neben Herr. Das wirst mir zugeben ... nie hab' ich mit einem Finger an Dein Sach' und Recht gerührt."

"Das hat wohl einen guten Grund gehabt," sagte der Fischer trocken.

Herr Waze zog die Brauen hoch. "Wieso? Wie meinst Du das?"

"Ich mein', es wär schiech ausgegangen. Kann sein, für mich ... für Euch aber auch! Wenn ein Baum fallt, Herr, gibt's Trümmer."

Herr Waze machte zu dieser Rede einen schiefen Kopf, und dunkle Röte stieg ihm ins Gesicht. Aber er lachte und griff nach der Bitsche. Er tat einen tiefen Zug, klappte den Deckel zu und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Schau, Fischer, das gefallt mir, dass Du so redest! Wer was ist, den lass' ich gelten! Und drum wär's mir leid, wenn es Dir an den Leib ging'. Aber ich halt' zu Dir."

"Ich mein', ich brauch' keinen Helfer."

"So? Pass nur auf! Du, freilich, Du bist noch nie hinausgekommen aus dem Gadem. Aber ich, Fischer, ich weiß, wie sie's machen!" Mit hohler Hand strich Herr Waze über die Tischplatte, als lägen goldene Schätze vor ihm, die er einstreifen möchte in seinen Schoß. "Beim Kleinen fangen sie an, schön langsam, und allweil schneller geht's, und beim Großen hören sie auf. Mit Gotteslieb' und Himmelsgnad' aißen3 sie die Gruben an, und was darauf hereinfallt, das kommt in den Klostersack. Und der hat kein Loch. Was da einmal drin ist, das bleibt!"

Sigenot schüttelte den Kopf und lächelte vor sich hin.

"Warum lachst Du?", brummte Herr Waze, während draußen der erste brausende Windstoß um das Haus fuhr.

"Der Ramsauer Pfarrherr ist mir eingefallen, der alte Hiltischalk."

"Was willst mit dem?"

"Der hat mich als Bub getauft ... das ist der einzig', den ich kenn'. Und wenn die vier, die heut gekommen sind, dem Ramsauer nachgeraten, so könnt' man allweil hausen mit ihnen. Denn vom Ramsauer hab' ich noch nie gehört, dass er 'was eingestrichen hat in seinen Sack. Ich hör' nur allweil, dass er gibt ... das letzte Haftl und das letzte Hemd und Herz und Leib dazu!"

Herr Waze hatte regungslos gesessen, mit funkelnden Augen an dem Mund des Fischers hängend. Jetzt sprang er auf und warf den Stuhl beiseite. "Hol' ihn der Teufel, den er predigt!", schrie er mit zitternder Stimme. "Der grad', der ist von den Ärgsten einer! Der weiß, wie man's machen muss, dass die Ross nach dem Reiter schlagen! Die ganzen Leut' in der Ramsau hat er mir verdorben in Grund und Boden. Da steht ja einer neben dem andern wie Stein bei Stein in der Mauer!"

Sigenot erhob sich. "Ich mein', Herr Waze, das hat ein anderer fertig gebracht als der Ramsauer Pfarrherr!"

Herr Waze hörte diese Worte nicht. Der zweite Windstoß rauschte um das Haus, dass alles Gebälk erzitterte. An einem Fenster riss der dünne Schliem, ein zischender Luftstrom fuhr in die Stube und machte die Kerzen flackern. Mit zorniger Faust stieß Herr Waze den Laden vor. "Und jetzt," so schrie er, "jetzt will sich gleich ein ganzes Binkel festsetzen im Gadem. Und eine Klaus' wollen sie bauen, und aus der hölzernen Klaus' soll ein steinernes Kloster wachsen mit Maue rund Türm' ... und wie man der Sau das Blut ablasst, langsam, aber sicher, so soll ich Stückl um Stückl herlassen, was ich halt' in meiner Faust. Aber sie sollen den Waze kennen lernen! Wenn ich nur wüsst', wer hinter ihnen steht! Ob der Salzburger? Oder gar noch ein Stärkerer, der mir ans Fleisch kann! Wenn ich nur das wüsst' ... dann möcht' ich ihnen morgen ein Wörtl sagen, dass ihnen die Zung' in den Hals fallt! Aber so..." Herr Waze schluckte und griff sich mit den Fäusten an die eigene Brust.

Sigenot stand schweigend, mit ernstem Blick. Keuchend trat Herr Watze an den Tisch und hob den Krug. Als er ihn niedersetze, schnitt er ein Gesicht, als wär' ihm die Zunge bitter geworden. "Was nur das wieder für ein Gesüff ist! Den Met hat der Schönauer gesteuert ... und hat mir mit Fleiß den Honig verdorben!"

"Nein, Herr!", sagte der Fischer. "So 'was tut der Schönauer nicht. Aber wenn einer zu oft in den Immstock greifen muss und mehr vom Stock verlangt, als er geben kann, so sind die Immen bald nimmer heikel im Blumensuchen und heimsen auch auf schlechtem Kraut und auf Giftblumen. Das merkt man halt nachher im Met ... obenauf schmeckt er freilich süß, aber der Satz wird bitter auf die Letzt!"

"So? Meinst?", brummte Herr Waze und roch in die offene Bitsche. Er stieß den Krug von sich und schrie: "Was mich am meisten ärgert, was mir alles umdreht im Leib...", die beiden Fäuste schlug er an seine Stirn, "ich selber bin schuld, dass ich die Schermäus' jetzt im Land hab'!" Er trat vor den Fischer hin, und mit fuchtelnden Armen begann er zu erzählen. "Vor Jahr' einmal, da sind der Sulzbacher und seine Gräfin auf den Einfall gekommen, sie möchten Nachschau halten im Gadem. Ohne Tross und Knecht' sind sie draußen weg geritten von der Herrenburg; und unterm Lokistein, wo der Goldenbach in die Ache fließt, sind sie in die Irr' geraten. DA haben sie aus dem Sattel steigen müssen und zu Fuß weiter suchen. Und auf einmal, da bricht unter ihnen die Erd' ein, und halb verschüttet sind sie in der brunnentiefen Grub' gelegen, zwei Tag und eine Nacht. Und was sagst? Da muss mich mein Unstern dazuführen..." Herr Waze lachte zornig auf und streckte die Fäuste gegen die Decke.

"Unstern?" Sigenot furchte die Brauen. "Es sind doch Menschen in der Not gewesen, und Eure Herrenleut' dazu!"

"Pass nur auf, was weiter kommt!", schrie Herr Watze. "Auf der Sauhatz hab' ich die ledigen Ross' gefunden, hab' vom Sattelzeug richtig auf die Reiter geraten und hab' mich mit meinen Leuten ans Suchen gemacht. Und finden hab' ich sie müssen! Finden! Und hab' noch eine Freud' gehabt, weil ich gemeint hab': Jetzt, wo mir der Graf und die Gräfin ihr Leben danken müssen, hätt' ich einen rechten Stein im Brett. Und weißt, was geschehen ist?" Mit beiden Händen fasste Herr Waze den Fischer am Wams. "Wie der Graf und die Gräfin wieder daheim waren, hat der Burgpfaff angefangen, der Frau Adelheid ins Ohr zu reden: Ihr Unglück und die Rettung ... hörst, Fischer: die Rettung! ... das wär' ein Vermerk von Gott gewesen, dass Frau Adelheid das alte Gelübd' ihrer Mutter erfüllen müsst' und den Berchtersgadem hingeben and ei Kirch'!" Herr Waze schlug die Fäuste auf den Tisch und lachte mit bleichen Lippen. "Und wie schon allweil die höchste Nummer fällt, wenn die Schwarzkittel ihre Knöchel werfen ... so hat's nicht lang gedauert, da kommt das Siechtum über Frau Adelheid, und auf dem Totenschragen hat sie den Eid getan, und zwölf Edelleut' haben mitschwören müssen, dass der Berchtersgadem an das Kloster fallt!"

Sigenot hob den Kopf und zog die Kappe aus dem Gürtel. "So wär' das richtig und wahr? Die Schenkung ist beschworen und getan?"

"Ja, ja, ja!", schrie Herr Waze. "Und das ist der Dank, den ich hab'! Was sagst, Fischer? Was sagst?"

"So muss ich sagen, dass die Leut' ein Recht haben, wenn sie kommen ... dass sie die Herren im Gadem sind."

"Was Herr? Wer Herr?", klang die kreischende Antwort. "Ich bin der Spisar im Gadem, und ich bin nicht gefragt worden, ich hab' der Schenkung nicht zugestimmt ... und ich tu's auch nimmer!"

"Wer hätt' Euch denn fragen müssen? Wenn ich mein Wesen verschenken will, muss ich denn da mein Gesind' erst fragen?"

Herrn Waze blieb die Antwort in der Kehle stecken. Seine Augen erweiterten sich, und ein Zittern befiel seine Knie. Er lachte nur gepresst und heiser. Mit zuckenden Fäusten zog er die Rocksäume über der Brust zusammen und schritt in der Stube auf und nieder. Draußen kam der Sturm gezogen. Es pfiff und heulte um das Haus, dumpf rauschten die Wipfel der Bäume, man hörte das Krachen brechender Äste, das Geklapper fallender Schindeln, und in weiter Ferne rollte der erste Donner.

Herr Waze bleib vor Sigenot stehen, mit funkelnden Augen und fahlem Gesicht. "Fischer! Da steh' ich vor Dir ... und draußen beim Lokistein liegen die Klosterleut' ... zu wem willst halten?"

"Warum eine solche Frag', Herr? Ich bin doch nur einer ... kommt's denn auf einen an?"

"Du gehst für hundert. An Dir hängen die Leut' im Gadem, wie die Schaf' am Salz. Zu wem willst halten?"

"Fürs erste halt' ich zu mir selber. Und wenn mich noch ein anderer braucht, so muss das allweil einer sein, bei dem ich ein Recht seh'."

Langsam trat Herr Waze vor Sigenot zurück und maß ihn mit stechendem Blick vom Kopf bis zu den Füßen. "Fischer!" Und drohend hob er den Finger. "Fischer, besinn' Dich! Da steh' ich vor Dir, und da draußen sind die andern. Schau fest hin! Auf welcher Seit'..."

"Ich seh' nur Euch, Herr!", unterbrach ihn Sigenot mit ruhigem Wort. "Dass ich mir die andern anschau', dazu brauch' ich Zeit!"

Wazemanns Augen blitzten, und ein tückisches Lächeln verzerrte seine Lippen. "Gut, Fischer, so haben wir ausgeredet miteinander ... für heut!"

"Wohl wohl, Herr! Und somit gute Nacht!" Sigenot nickte und schritt der Türe zu.

Als er im Dunkel der Vorhalle verschwunden war, eilte Wazemann zu einer der beiden Türen, welche in das Innere des Hauses führten, riss sie auf und tat einen leisen Pfiff.

Ein Knecht kam gesprungen. "Herr?"

Wazemann besann sich, dann schüttelte er den Kopf und drückte die Türe wieder zu. Er ging zum Tisch zurück; aber da sah er betroffen auf. Sigenot stand auf der Schwelle.

"Hast Dich besonnen, Fischer?", kam es über Wazes Lippen gesprudelt.

Sigenot blickte zu Boden. "Herr ... draußen geht ein schieches Unwetter los, und mir ist eingefallen ... Eure Tochter ist außer Haus."

Herr Waze machte ein verblüfftes Gesicht. "Was geht meine Dirn' Dich an? Die wird wohl wissen, wo sie bleibt!" Damit drehte er dem Fischer den Rücken. Sigenot stand noch eine Weile; dann zuckte er die Achseln, warf einen zerstreuten Blick durch die Stube und ging.

Wazemann schielte ihm nach und lächelte. "Ich lass' Dir freien Weg aus meinem Haus ... geh, Fischer, geh nur! Aber ich mein' schier, Du gehst Deinem Vater nach."

Graues Dunkel lag schon über dem Hof, als Sigenot aus der Vorhalle niederstieg. Jagendes Gewölk bedeckte den Himmel. An dem Pförtlein über dem Felsensteig wartete der Knecht, der den Fischer ins Haus geführt hatte. "Willst heimzu nicht lieber den Reitweg nehmen?", fragte er.

Sigenot schüttelte den Kopf. "Ich geh' hinunter, wo ich herauf bin."

"Der Sturm blast aber bös hin an die Wand."

"Mich wirft er nicht! Mach' auf!"

Der Knecht öffnete das Pförtlein, und Sigenot betrat den steilen und dunklen Weg.

Von der Bergseite der Mauer her ließ sich wirrer Stimmenlärm vernehmen. Wazemann Söhne kehrten von der Jagd zurück. Das Gesinde lief zusammen, und zwei Knechte kamen mit Windfakeln, deren rußende, vom Sturm gepeitschte Flammen den Burghof mit rötlichem Schein erfüllten. Zwei Jägerknechte, welche mit heimkehrten, trugen ein schweres Stück Fahlwild4 an einer Stange. Henning, Sindel, Rimiger und Hartwig, die ältesten von Wazemanns Söhnen, warfen die Gemsböcke nieder, mit denen ihre Rücken beladen waren. Eilbert trug die Stahlbogen und Köcher der älteren Brüder. Gerold und Otloh, die beiden jüngsten führten in ihrer Mitte einen Buben, dem die Hände auf den Rücken gebunden waren. Sie alle trugen, mit geringem Unterschied, das gleiche Gewand: Die Marderkappe mit der Adlerfeder, das Lederwams, die kurze Berghose und am Gürtel den Wildfänger. Raue, verwegene Gestalten, denen das wilde zügellose Leben, das sie führten, aus Gesicht und Augen blickte.

Geschrei und Hundegeheul erfüllte den Hof und übertäubte das Schluchzen des gefesselten Buben, der sich kaum mehr aufrecht zu erhalten vermochte. Herr Waze kam von der Vorhalle herabgestiegen, und während ihm der Sturm den Bart zauste und den Hausrock um den Körper peitschte, musterte er beim Schein der Fackeln das erlegte Wild. Der erste Gemsbock schien ihm zu gefallen. "Der hat den Schuss auf dem rechten Fleck. Wer hat den Schuss getan?"

"Ich!", sagte Rimiger und stellte sich breit vor den Vater hin. "In voller Flucht ist mir der Bock gekommen und ist hergesaust durch die Latschen ... ich hab' schon geflucht und hab' gemeint, ich muss ihn durchlassen ohne Schuss ... aber gerad' noch hab' ich eine Gass' durch die Stauden gefunden, hab' die Senn' klingen lassen, und wie vom Blitz erschlagen hat's ihn hingehaut."

"Brav, Bub, Du hast 'was gelernt von mir!"

Beim zweiten und dritten Gemsbock nickte Herr Waze nur. Jetzt aber sah er das Fahlwild, und dunkle Zornröte schoss ihm ins Gesicht. "Höll' und Pest! Wer hat mir das getan! Das ist ja eine Geiß!"

"Ich kann nichts dafür, Vater!", stotterte Eilbert. "Der Nebel ist gefallen ... da hat mir das Stückl stärker geschienen, und ich hab' gemeint, es wär' ein Bock."

"Gemeint hast, so gemeint?", schrie Herr Waze. "Ein Jäger soll nicht meinen, ein Jäger muss wissen! Wo sollen denn die Böck' herkommen, wenn mir so ein Schinder, wie Du, die Geißen wirst! Da hast einen Merk!" Und ein klatschender Schlag fiel auf Eilberts Wange. Alle andern lachten. Eilbert aber erbleichte bis in die Lippen, schoss einen funkelnden Blick auf den Vater und ging wortlos ins Haus.

Da gewahrte Herr Waze den gefesselten Buben. "Was soll's mit dem?"

"Rühr Dich, Du!", schrie Otloh und versetzte dem Buben einen Stock ins Genick, dass er vor Wazemanns Füße taumelte.

Wieder lachten alle, während der Bub sich stöhnend aufrichtete. Er mochte kaum fünfzehn Jahre zählen. Sein ganzes Gewand war ein alter Sack, der mit einer Weidenrute um die Hüfte gebunden war und drei Löcher für den Kopf und die Arme hatte. Das Gesicht war leichenfahl, die Lippen bluteten, und die vor Angst und Erschöpfung schlaffen Wangen waren von Zähren überronnen.

"Was hat der Bub getan?", fragte Herr Waze. Und Gerold sagte: "Unter der Eismannwand, mitten im besten Wildbogen, ist er uns in die Händ' gelaufen."

Wazemanns Brauen zogen sich zusammen. "Was hast Du auf dem Eismann zu schaffen, Du Rabenaas?"

"Ach, Herre, Herre," schluchzte der Bub, an allen Gliedern zitternd vor Angst, "ich hab' ja nur meine Geißen gehütet, hinter dem Eismanndrüben, bei der Ödhütt', und zwei, Herre, zwei haben sich halt verstiegen ... die hab' ich doch suchen müssen!"

"Weißt Du nicht, dass der Eismann mein Bannberg ist, auf den mir keiner stiegen soll, bei Leib und Leben?" Der Bub rührte die Lippen, aber es wollte kein Wort mehr von seiner Zunge.

Herr Waze winkte einen Knecht herbei. "Pack' ihn, und hinunter mit ihm ins Bußloch! Und dass ihm für ein andermal die Lust vergeht, auf mein Bannberg herumzustreunen ... stich ihm über die Fersen die Flachsen5 ab!"

"Herre, Herre! Habt doch Barmherzigkeit, ich tu's ja nimmer, nimmer, nimmer!", schrie der Bub in herzzerreißendem Jammer. Aber der Knecht packte ihn, riss ihn mit sich fort, und hinter den dicken Mauern des Unterbaues erstickte das Geschrei des Knaben.

Herr Watze stieg zur Vorhalle hinauf. Er musste auf der Treppe das Geländer fassen, mit so ungestümer Macht fuhr der Sturmwind auf ihn ein. Aus der Halle rief er herunter: "Schaut, dass ihr bald hereinkommt in die Stub'! Ich hab' mit Euch zu reden."

Gerold und Otloh folgten ihm. "Was meinst denn, dass er hat?", fragte der erstere den Bruder. "Was er hat? Schiech Wetter unter dem Hirndach!", lachte Otloh.

Hinter den beiden stiegen Rimiger und Hartwig die Treppe hinauf. Sindel, welcher mit Henning noch bei den Gemsböcken stand, fragte den Bruder mit halblauter Stimme: "Meinst nicht, der Vater hat's mit dem Eilbert ein lützel zu grob gemacht? Was ein Vater darf, hat auch seine Grenz', und der Bub ist doch ein ausgewachsener Mensch."

"Die Maulschell' hat ihm gehört! Warum wirft er eine Geiß!"

"Er muss rein blind gewesen sein, oder er hat schon wieder eine Dirn' im Kopf. Das macht ihn wirblig, wie der Drehwurm die Gems. Ich mein' schier, er hat's auf die Fischerdirn' abgesehen."

Henning hob langsam das Gesicht. "Auf das Rötli? Da wird ihm wohl der Schnabel sauer bleiben."

"Warum?"

"Das hat seinen guten Grund!"

Sindel schaute dem Bruder ins Gesicht und lachte. "Deinen Grund, den kann ich mir denken."

Sie gingen der Treppe zu. Da fragte einer der Knechte, welche mit dem erlegten Wild beschäftigt waren, den an seiner Seite schaffenden: "Wer ist denn der Bub, der da drin gebüßt wird? Kennst ihn Du?"

"Wohl wohl. Huze heißt er und ist dem Schapbacher hörig, dem er die Geißen hütet. Seine Mutter ist die Heilka gewesen, die Sennin, die sich den Tod in der Windach geholt hat."

Sindel blieb auf der Treppe stehen und stieß den Bruder lachend mit dem Ellbogen an. "Hast gehört? Die Heilka ist seine Mutter gewesen."

"Lass mich in Ruh'!" brummte Henning.

"Da solltest den Buben doch laufen lassen!"

"Was geht der Bub mich an! Ich hab' seiner Mutter ..." Ein tobender Windstoß erstickte die folgenden Worte. Henning und Sindel traten in die Herrenstube, in welcher ihre Brüder schon um den Tisch saßen.

"Jetzt sind wir all' da, Vater!", sagte Hartwig. "Aber wo ist denn die Schwester?"

"Gut, dass sie fort ist. Sie braucht nicht zu hören, was ich mit Euch zu reden hab'." Herr Waze trat an den Tisch und stemmte die Fäuste auf. "Wisst ihr schon die neueste Botschaft?"

"Heraus damit!", lachte Rimiger.

"Wart nur, gleich wirst nimmer lachen! Wir haben Gäst' im Gadem. Die Schermäus' sind gekommen. Draußen beim Goldenbach, unterm Lokistein, haben sie die Zelt' geschlagen."

Um den Tisch war lautlose Stille, nur einen Augenblick, dann sprang Henning auf, und sein Faustschlag dröhnte auf der Tischplatte. "Mein Ross her! Das gibt noch eine lustige Hatz auf die Nacht! Die Kutten sollen mir laufen, dass der Wind, der draußen wettert, zurückbleibt hinter ihnen!"

Die Brüder sprangen auf, die Stühle kollerten, und wirres Geschrei erfüllte die Stube. Hennings Wort hatte die Meinung aller getroffen. Wie die Wespen aus einem Nest, in das der Fuchs gegriffen, so stoben sie auseinander.

"Ihr Narren! So bleibt doch!", überschrie Herr Waze den Lärm. Ringsum an den Türen bleiben sie stehen und schauten den Vater an.

"Her wieder an den Tisch!"

"Vater! Was soll denn das?", rief Rimiger. "Oder willst gar Du uns die Händ' binden, wo doch der Schlag am besten ausgibt, wenn er gleich fällt!"

"Her an den Tisch!", befahl Herr Waze, und seine Stirne wurde rot. Zögernd kamen sie und nahmen ihre Plätze wieder ein.

"Und jetzt haltet die Mäuler! Keiner soll mir dazwischen reden!" Herr Waze atmete tief und warf sich auf einen Stuhl. "Gekommen sind sie ... und fort müssen sie auch wieder. Aber wie? Mit Gewalt geht's nicht, das hab' ich mir lang gesagt. Sie haben die Kutten an, und wer hinrührt an den schwarzen Rock, der könnt' sich bös die Händ' verbrennen. Das Mittel, das Euch taugen möcht', wär' von allen das schlechteste. Schlagt die Viere nieder, und zehne wachsen nach ... schlagt die Zehne nieder, und zwanzig stehen auf. Nein, Buben, mit dem Schlagen und Jagen geht's nicht ... von selber müssen sie wieder gehen."

"Wenn sie nur mögen!", lachte Henning.

"Dass sie mögen, das lass Du meine Sorg' sein! Ich hab' zwei gute Helfer: Hunger und Winter. Euch aber brauch' ich auch dabei! Und so hat's von morgen an ein End' mit dem Gejaid einen Tag um den andern. Drei von Euch mögen hetzen und jagen wie allweil ... aber vier bleiben all' Tag daheim. Henning, Sindel, Rimiger und Hartwig, ihr macht für morgen den Anfang. Vor Tag wird gesattelt, und ihr reitet hinaus ..." Zwei Mägde traten ein, um den Tisch für das Nachtmahl zu bestellen. Herr Waze verstummte und gab seinen Söhnen einen Wink, zu schweigen. Er trat unter die offene Tür der Vorhalle und blickte hinaus in das Stürmen und Toben der sinkenden Nacht. "Henning!", rief er und ging langsam in die Vorhalle. Der Älteste folgte ihm. "Was willst, Vater?"

"Was meinst wohl, wer wird der erste sein, der's mit denen da draußen hält?"

"Gib nur acht, Vater ... ich leg' meine Hand dafür ins Feuer: der Fischer!"

Herr Waze nickte schweigend.

"Hast am End' schon einen Beweis dafür?"

"Ich hab' geredet mit ihm. Und wie ich ihn gefragt hab': 'Willst zu mir halten oder nicht', da ist er gestanden wie ein Stock."

Henning lachte. "Das ist der Dank dafür, dass Du allweil die Hand über ihn gehalten hast!"

"Damit hat's ein End'!, sagte Herr Waze und wollte die Vorhalle verlassen. Aber Henning fasste ihn am Arm. "Vater! Wie soll das gemeint sein?"

"Wenn Du's nicht verstanden hast, so horch ein andermal besser auf!" Herr Waze löste seinen Arm und trat in die Stube. Henning aber stand und blickte durch die rauschenden Bäume hinunter auf das vom Sturm umtobte Fischerhaus. Er lachte und hob die geballte Faust.

Ein greller Blitz zuckte über die Wolken hin, und dumpfer Donner füllte das weite Bergtal.

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1 Dünn gegerbte Netzhaut. ^
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3 ködern.
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4 Steingeiße.
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5 Sehnen.
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