Ludwig Ganghofer

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Jägerfrühling

   Über den weiten Bergen liegt noch der schwere Winter, und wirbelnde Schneestürme brausen um die ragenden Zinnen. In der Ebene aber ist schon seit Wochen keine „Neue“ mehr gefallen, und auf dem Schnee der Felder und Wiesen liegt’s wie ein feiner, grauer Schleier – Ruß und Staub, den der Wind aus Städten und Dörfern hinauswehte über die öden, winterlichen Fluren. Schon hat sich der schlimmste Frost gemildert, die Tage werden linder, und da bringt die letzte Februarwoche den ersten Regen. Dünn und langsam rieselt er nieder aus dem trägen, hohen Gewölk, noch gemischt mit einzelnen Flocken. Wie mit Nadelstichen durchbohrt er die glatte, gefrorene Schneekruste, ein Vorkämpfer der Sonnenstrahlen, die in den folgenden lauen Tagen die vom Regen ausgewaschenen Grübchen und Rinnen vertiefen und erweitern, bis durch die rund in den Schnee gesenkten Gucklöcher die wintersmüde Erde Ausschau halten kann nach dem nahenden Frühling. Ein unablässiges Triefen geht über die Gehänge aller Hügel nieder, mit Rieseln und Gurgeln schlängeln sich blitzende Wasserfäden durch Gräben und Ackerfurchen, die Bäche schwellen, ihr Rauschen wächst, und langsam weicht der Schnee von allen Feldern zurück in das Dunkel der Wälder. Och auch die Tannen, müde des langen Tragens und Duldens, schütteln die weiße Kappe von den schlanken Wipfeln, und in schweren Klumpen klatscht der Schnee von den niedergedrückten Ästen, die sich, von ihrer Last befreit, wie mit erleichterndem Atemzug in die Höhe richten.

   Laue Windstöße fegen über die Felder hin: Die flinken Vorreiter des Föhns, des heranziehenden Frühlingsboten. Erst noch ein völlig windstiller Tag mit seltsam bedrückender Schwüle, die alle welken Farben der Landschaft mit wässerigem Blau lasiert. Und dann, inmitten der folgenden Nacht, kommt’s einher gesaust, von Süden über die Berge, mit Heulen, Knirschen, Schütteln und Dröhnen, als wäre ein Dämon los, der die Welt im Schlaf knechten möchte. Und es ist doch der stürmische Held, der sie erlöst aus ihrem winterlichen Kerker.

   Diese Sturmtage des Vorführlings nennen sie in der Stadt eine ‚gräuliche Zeit’, bei der man sich nasse Füße und rote Nasen holt. Aber draußen auf dem Land, im Herdwinkel des Hegerhäuschens und in der Försterstube schmunzelt manch ein alter Graubart vergnügt und träumend vor sich hin, wenn er mit dampfendem Pfeiflein bei der trübe brennenden Lampe sitzt, während es draußen saust und klatscht um alle Mauern und an jedem Fenster die Läden rasseln. Und bevor sich der Alte, wenn der Krug geleert ist, zum schnarchenden Bärenschlaf nieder duckt aufs Ohr, tritt er wohl noch für einige Minuten vor den Gewehrrechen, holt die alte Schrotspritze vom Nagel, öffnet die Läufe und beginnt mit dem Wischer ein Fegen und Scheuern, dass ihm die Schweißtropfen von der Stirn über die buschigen Brauen kollern. Der langhaarige Vorstehhund, den der Winter dick und faul gemacht, ist hinter dem Ofen hervor gekrochen; er schüttelt das verstaubte Fell, zuckt in Neugier mit den Ohrlappen, und unter sachtem Schweifwedeln studiert er die Miene seines Herrn, der ihm lächelnd zublinzelt:

   „Ja, Mannderl, jetzt geht’s bald los!“

   Bald! Es stehen schon die ‚lateinischen Sonntage’ vor der im Frühlingssturm rasselnden Tür. Nur wenige Tage noch bis zum wichtigsten, der sich ‚Oculi’ nennt! Und dann kommen sie, die heiß Erwarteten, die lang geschnäbelten, die dem Weidmann die Erstlingsfreude des neuen Jägerjahres bescheren.

   In diesen Tagen sammeln sich trotz Sturm und Regengüssen allabendlich die Jäger von weiten Dörfern her in einer Wirtsstube zum ‚Schnepfen-Tratsch’. Und während die Krüge fleißig zwischen Tisch und Keller wandern, setzt es um den Langschnabel ein Reden ohne Ende, mit Geschichten, deutsch und lateinisch, mit heißen Debatten. Da wird immer von neuem die alte Streitfrage aufgeworfen: Über den großen ‚Eulenkopf’ und die kleine ‚Dornschnepfe’. Das wären zwei verschiedene Arten, behaupten die einen; und die anderen sagen: Nein, es gibt nur eine Art, denn die kleine Dornschnepfe ist nur ein Nestling vom letzten Jahr und wird erst mit dem zweiten Sommer zum ‚Eulenkopf’. Mit der Pfeifenspitze werden alle Gründe für diese Meinung an den Fingern hergezählt. Ist man des Streites müde geworden, so beginnt das unvermeidliche Lob der ‚guten, alten, schnepfenreichen Zeit’ und die trauernde Klage über die jährlich fühlbare Abnahme der Schnepfen. Die Pessimisten prophezeien mit trübseliger Miene, dass ‚die schnepfenlose, die schreckliche Zeit’ nicht mehr allzu fern wäre. Die Optimisten trösten sich mit der Erfahrung, dass jedes magere Schnepfenjahr noch immer ein gutes im Gefolge hatte. Und jene Mitglieder der Tafelrunde, die sich das Abonnement einer Jagdzeitung vergönnen, kramen breit die aus dem Blättchen gesammelte Weisheit aus: Die Verminderung des langschnäbeligen Wildes wäre statistisch festgestellt und durchaus kein Wunder; denn mit den veränderten Kulturverhältnissen, die der Schnepfe allmählich den Boden entziehen, den sie leibt, verbände sich feindlich die Ausbildung der Feuerwaffen; dazu käme noch der bequeme Weltverkehr, der es passionierten Sportsleuten ermögliche, die besten Strichgegenden in Kroatien und Slavonien, auf den Inseln des Quarnero und in Griechenland aufzusuchen, um den Massenmord der Schnepfe als amüsantes Schießtraining zu betreiben; so hätten einmal in der peloponnesischen Ebene drei englische Sportsmen während weniger Tage über tausend Schnepfen erlegt; aber das könnte man noch verschmerzen, denn schließlich waren das doch Jäger mit der Flinte in der Hand. Doch Ursache zu Jammer und Klage gäbe das alljährliche Massacre des armen Langschnabels in seinen Winterquartieren, in Sardinien und Sizilien, in Algier und Tunis, in Ägypten und Kleinasien. So wären eines Winters in der Umgebung von Smyrna in drei Tagen über zwanzigtausend Schnepfen gefangen und erschlagen worden.

   Bei solcher Hiobspost geht in der Tafelrunde ein verzeihliches Stöhnen und Seufzen von Herz zu Herz. Was bleibt da noch für den braven deutschen Jäger übrig?

   Aber dieser melancholischen Stimmung folgt gleich wieder das Erwachen fröhlicher Hoffnungen. Noch gibt es Schnepfen, Gott sei Dank! Nur ein paar Tage noch, und sie kommen! Lachend hebt man die frisch gefüllten Krüge und trinkt die Gesundheit des noch unbekannten Glücklichen, der von Hubertus’ Gnaden zum Schnepfenkönig dieses Frühlings erkoren ist. Und man witzelt auch schon über den Pechvogel, der sich den ‚Heringskopf’ verdienen wird – wer beim Schnepfenstriche leer ausgeht, hat zum Schaden noch den Spott zu leiden, denn in zierlicher Verpackung erhält er, ‚unbekannt von wem’, durch die Post einen Heringskopf mit leeren Gräten zugesandt. Und wer wohl der Beneidete sein wird, der die ‚Erste’ nach Hause bringt?

   Sie wird nicht leicht verdient, diese ‚Erste’, sondern muss in Mühsal und Strapazen errungen werden, und die Huld der grünen Göttin beschert sie immer nur dem eifrigsten Jäger. Beginnend mit den letzten Tagen des Februar, muss er an jedem Morgen und Abend seinen Auszug halten, muss der Kälte und der Unbill des Wetters trotzen, muss sich vom Regen baden und von Graupeln auf der Nase trommeln lassen, um mit unverwüstlicher Geduld den Augenblick zu erharren, in dem die Ersehnte endlich heranzieht mit ihrem Falzgesang, der, so unmusikalisch er sich anhört, für Jägerohren süß und verlockend tönt.

   Doch sie erscheint nicht unvermutet, diese Erste! Unser Langschnabel ist ein Wild von Geblüt und meldet sich durch geschwätzige Lakaien an, gleich einem vornehmen Herrn. Wenn die ersten Märztage milden Himmel brachten und aus dem Gestrüpp der schüchtern knospenden Hecken der Duft eines verfrühten Veilchens quillt, dann verkündet das Getriller der heimkehrenden Feldlerche über den kahlen Fluren, das Gurren der Hohltaube im Wald, der Schrei des Kiebitz und das heimliche Geplauder der Staren: „Sie kommt! Sie kommt!“ Und erklingt nun gar im Birkendickicht der schmelzende Schlag der Drossel, so ist das dem Jäger sichere Botschaft, dass die erste Schnepfe nicht lange mehr auf sich warten lässt.

   Warmer Südwind wehte bei leichtem Regen die letzte Nacht hindurch. In solchen Nächten kommen sie gerne. Und jetzt ein Morgen, frisch und ackerduftig, ein Tag, wie ihn der Frühling schöner dem Jäger nicht schenken kann! In brennender Ungeduld will sich der Abend kaum erleben lassen. Alles ist schon parat, der spiegelblanke Lancaster, die Patronentasche, sogar Mylord, der schwarze Setter, ist schon an die Leine gelegt, damit er nicht etwa ausreißt und zur Unzeit eine Feldpirsch auf eigene Faust unternimmt.

   Vier Uhr erst? Wie träge doch der Zeiger schleicht! Fünf Uhr … endlich! Zwei Stunden noch bis zum Einbruch der Dämmerung. Aber es duldet den Jäger nicht länger mehr unter Dach. Begleitet von Mylord, der unruhig und in Vorahnung eines großen Ereignisses neben seinem Herren einher trippelt, steuert er eilfertig einem gemischten Jungholz zu, das sich, von Schluchten und Wassergräben durchrissen, mit mannshohem Buschwerk über einen sanft geneigten Hügel emporzieht. Der Stand wird eingenommen, der sich seit Jahren beim Schnepfenstrich als der günstigste bewährte; dann brennt sich der Jäger sein Pfeiflein an, und von der schlimmsten Ungeduld erlöst, lässt er sich zur Ruhe auf einen halb vermoderten Baumstock nieder, um die Dämmerung abzuwarten.

   Noch ist der Himmel blau, und Tageshelle liegt über dem dunklen Grün der jungen Fichten und über dem wirren Netzwerk der kahlen Buchen- und Birkenzweige. Wie dunkle, blaugrüne Bänder ziehen sich die Nadelwälder ferner Hügelketten am Horizont entlang, leicht verschleiert von dem zarten Nebel, der aus unsichtbaren Wiesengründen aufdampft. Rings um den Jäger her ist der Jungwald einsam und still. Nur eine Ringeltaube kichert im nahen Hochwald, und in Zwischenräumen lockt und flötet eine Drossel, der die Einsamkeit nicht gefallen will.

   Tiefer mit jeder Minute sinkt die Sonne den fernen Hügeln zu, und ihr Glanz verändert sich. Ein breiter Glutstreif überfließt den westlichen Horizont, draußen in der Ebene leuchten ein Bachlauf und der Spiegel eines Weihers gleich feuerflüssigem Erz, goldiger Schimmer gießt sich in alle Lüfte aus und umflimmert jeden kahlen Zweig und Wipfel. Die silberweißen Rinden der Birken strahlen wie in metallischem Glanz, und auf der Höhe des Hügels glimmen die Stämme der Föhren, als wäre ihr Holz in rote Glut verwandelt. So glüht und leuchtet dieses Wunder des schönen Abends eine Weile. Dann schwindet es langsam, und an Erde und Himmel dämpfen sich alle Farben.

   Aufatmend erhebt sich der Jäger und winkt dem Hund noch einmal zu mit einem mahnenden Schweigezeichen. Dann spannt er die Flinte und steht bewegungslos. Drunten im Waldtal, auf einer nahen Straße, holpert ein Leiterwagen vorüber, und dazu pfeifen die Schleifbäume eines heimkehrenden Pfluges. Verschwommene Stimmen lassen sich hören, sie kommen näher und entfernen sich wieder. Noch ein leiser Drosselschlag, ein letztes Pispern der kleineren Vögel, dann lautlose Stille im weiten Wald. Nur eine Quelle murmelt, so leise, dass sie kaum noch zu hören ist.

   Jetzt muss sie kommen, die Erste! Oder es heißt wieder Geduld haben einen neuen, langen Tag. In gespannter Erwartung klopft dem Jäger das Herz so laut, dass er, von dem pochenden Hall in der eigenen Brust getäuscht, sich unwillig ein paar Mal umblickt, als fürchte er einen Störenfried durch das Dickicht einher tappen zu sehen. Aber der Wald ist still, wie ausgestorben. Die Täuschung erkennend und über die grundlose Sorge lächelnd, späht der Jäger zum Himmel auf, obwohl ‚sein Stern’ schon leuchtet? Lange sucht sein Blick in dem matt getönten Blau. Und endlich sieht er’s aufblitzen, gleich der funkelnden Spitze einer Goldnadel. Mit jeder Sekunde wächst dieser Glanz, und ehe die Helle des Himmels noch ganz geschwunden ist, erstrahlt der Sirius in voller Pracht, der ‚Schnepfenstern’, dessen Aufleuchten den Anbruch der ‚besten Zeit’ verkündet.

   Fester schließen sich die Hände des Jägers um die Waffe, und unter geschärftem Lauschen späht er über die vom ersten Schleier der Dämmerung umschlossenen Wipfel der Schonung hin gegen Osten und Süden. Dort beginnt schon der Himmel zu dunkeln. Ein zweites und drittes Sternlein funkelt auf. Rings um den weiten Wald her, von allen Dörfern, erklingt mit sanft verschwommenem Hall das Geläute der Abendglocken. Eine Weile währt dieses träumerische Klingen und Singen in den dunkelnden Lüften. Dann wieder lautlose Stille. Auf den spärlichen Blößen der Schonung verliert sich alle Zeichnung in trübes Grau, immer schwärzer färben sich die jungen Fichten, während die zarten Spitzen der kahlen Buchen- und Birkenzweige in der Dämmerung zerfließen. Im Westen schwindet der letzte Nachtglanz der gesunkenen Sonne, und die Nacht will kommen. Da tönt von fern her ein seltsam leises Gezwitscher durch die Stille – zwei schnarchende Laute folgen, „quohg, quohg“, als hätte sich eine windschiefe Tür in den losen Angeln sacht bewegt – nun wieder klingt dieses sonderbarste aller Frühlingslieder, es nähert sich, ein kleiner Schatten flattert im Grau, und gaukelnden Fluges, wie im Spiel auf dem lauen Wind sich wiegend, kommt die falzende Schnepfe heran geschwommen durch die Abendluft.

   Ein Blitz in der Dämmerung, und während der Widerhall des Schusses noch hinrollt über die dunklen Wälder, tänzelt Mylord schon eifrig und stolz aus dem Dickicht hervor und legt seinem Herrn die ‚Erste’ zu Füßen.

   Das geht nun freilich nicht immer so schön und glatt vonstatten. Denn für manch einen heißblütigen Schnepfenjäger scheint die ‚Erste’ gepanzert und unverwundbar zu sein. Und da gibt es dann unter Flüchen und Stolpern einen verdrießlichen Heimweg in der finsteren Nacht, besonders verdrießlich, wenn der unglücklichste Schütze noch zur Mehrung seiner Bitternis den Schuss und Juchzer seines glücklicheren Nachbars hören musste. Kein anderer Trost verbleibt ihm, als die Hoffnung auf den nächsten Abend. Aber auch diese Hoffnung erfüllt sich nicht immer. Wenn die Ersten kam, lässt oft die Zweite noch lange Tage auf sich warten. Häufig, wenn der Strich schon im besten Gange war, fallen kalte, nördliche Winde ein, welche klatschenden Regen oder gar einen neuen Schneefall bringen. Dann stockt der Wandertrieb der Schnepfen entweder völlig, oder die vereinzelt streichenden Langschnäbel treiben, vom Sturm getragen, hoch in den Lüften, unerreichbar für den Schuss. Fällt solch ein Umschlag des Wetters in die letzten Märzwochen, so ist der ganze Strich für dieses Frühjahr verdorben. Bringen aber die letzten Märztage klaren Himmel und feuchtwarme Föhnluft, so entwickelt sich der Strich so günstig, dass der Jäger oft an einem Abend ein halb dutzend Mal und darüber zu Schuss kommt, dass er auf allen umliegenden Waldhöhen der Nachbarreviere die Flinten lustig krachen hört und selbst zwischen Schuss und Schuss kaum die Zeit findet, um einer erlegten Schnepfe die kleinen lanzettförmigen Schmuckfederchen, die ‚Granen’, auszuziehen und als Trophäe hinter das Hutband zu stecken.

   An solch günstigen Abenden kommen die Schnepfen oft zu dreien und fünfen heran gestrichen – entweder spielende Männchen, die mit ihren langen Schnäbeln ein Turnier in den Lüften halten und leidenschaftlich aufeinander ‚stechen’, oder mehrere Männchen, die in Eifersucht einem Weibchen folgen und sich heiß bekämpfen. Da gelingt dem glücklichen Schützen häufig eine Doublette, und manch ein besonders Glücklicher hat schon mit einem Doppelschuss drei Schnepfen aus der Luft heruntergeholt.

   Die Liebessehnsucht und Kampflust der Langschnäbel wird von erfahrenen Jägern auch benutzt, um eine außer Schussbereich vorüber ziehende Schnepfe heranzulocken. Man wirft den Hut oder einen Handschuh in die Luft, und wenn der getäuschte Langschnabel in heißem Eifer herbeischwenkt, bekommt er statt süßer Minne eine Ladung Schrot zu kosten. Aber auch der Jäger selbst ist auf dem Schnepfenstrich vor Täuschungen nicht sicher. Er sieht im Feuer die ‚Schnepfe’ fallen, Mylord aber bringt ihm einen Sperber apportiert, oder hebt im Dickicht ein grässliches Gewinsel und Heulen an, und wenn der Jäger in Verblüffung hinzuspringt, findet er statt der Schnepfe eine große Fledermaus, die Mylord verzeihlicherweise nicht apportieren mag.

   Die beste Strichzeit dauert immer nur wenige Tage. Aber die Jagd auf einzelne Nachzügler hält den eifrigen Jäger noch bis Mitte April auf den Beinen. Überhauchen sich aber die Birkenwipfel mit lichtem Grün, singt in den knospenden Buchenbüschen das kleine Schwarzblättchen seine stille, zierliche Weise, blühen auf den smaragdenen Wiesen die goldgelben Butterblumen, und zwitschert die Nest bauende Schwalbe auf den Dächern des Dorfes, so hat’s ein Ende mit der Schnepfenfreude.

   Dann heißt es „Hahn in Ruh!“ und Schonung für die brütenden Langschnäbel! Und der Jäger, der sich nicht den gefürchteten ‚Heringskopf’ verdiente, mag ohne Kümmernis das alte Liedlein summen:

„Palmarum,
Tralarum!“

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