Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Schloss Hubertus

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      Ludwig Ganghofer
         Schloss Hubertus
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               Kapitel 1
               Kapitel 2
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               Kapitel 7
               Kapitel 8
               Kapitel 9
               Kapitel 10
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               Kapitel 20

Kapitel 2

Im Zimmer der Kleesberg waren die beiden Fenster geöffnet. Morgensonne lag auf den Gesimsen, und ein leuchtender Streif zog sich über den Teppich gegen den Frühstückstisch. Tante Gundi saß in einem Fauteuil, den verbundenen Arm in der Schlinge, den Schoß von einem flaumigen Guanakofell bedeckt, das Graf Egge vor Jahren mit anderen Trophäen von einer südamerikanischen Jagdreise mit nach Hubertus gebracht hatte. Still blickte sie vor sich hin und ließ sich von Kitty bedienen, die den Tee mit einem Ernst bereitete, als hinge von seinem Geschmack die Genesung der Patientin ab. Kittys Wangen waren von müder Blässe, ihre Augen von dunklen Ringen umzogen; aber sie schien vor Gundi Kleesberg alle Kunst ihrer Selbstbeherrschung zu üben, und brachte es sogar fertig, mit gleichmäßiger Ruhe zu plaudern:

"Das wird ein herrlicher Tag heute. Der Doktor wird dir sicher gestatten, einige Stunden im Freien zuzubringen. Das wird Dich zerstreuen." Kitty beugte sich über den Tisch, um die Spiritusflamme unter dem summenden Kessel zu mustern. "Vielleicht findet sich auch ein bisschen Gesellschaft für Dich. Herr Forbeck war gestern zwei Mal hier, um sich nach Deinem Befinden zu erkundigen. Wenn er heute wieder kommt, musst Du ihn wohl empfangen."

"Meinst Du?", fragte die Kleesberg mit der Scheu eines Kindes, das einen stillen Wunsch nicht offen zu gestehen wagt.

"Gewiss! Es ist doch begreiflich, wenn er sich sorgt um Dich!" Kitty verstummte, weil sie die Tür gehen hörte.

Fritz brachte eine Karte.

"Herr Forbeck?", fragte Kitty, die Wangen von einer feinen Röte überhaucht.

"Nein, Kontess, ein mir unbekannter Herr. Er bat, der gnädigen Kontess gemeldet zu werden, und entschuldigte sich wegen der frühen Stunde."

Verwundert nahm Kitty die Karte. Als sie gelesen hatte, sah sie betroffen auf. "Das ist aber sonderbar! Denk Dir, Tante Gundi - Professor Werner!"

Gundi Kleesberg machte eine so jähe Bewegung, dass die Guanakodecke von ihrem Schoß glitt.

"Aber Gundi, so rede doch!", stammelte Kitty in wachsender Erregung. "Was soll ich tun?" Sie wandte sich an den Diener. "Wo ist er?"

"Ich habe den Herrn ins Billardzimmer geführt."

Kitty warf die Visitenkarte in Tante Gundis Schoß. Wie im Flug ging's über die Treppe hinunter. Vor der Türe des Billardzimmers stand sie still und drückte die Hände auf ihre brennenden Wangen.

Als sie eintrat, erhob sich Werner. Seine Augen glitten über die zierliche Mädchengestalt und blieben an dem schmalen Antlitz haften, das in der breit durch die Fenster quellenden Morgensonne wie von zartem Goldton überhaucht erschien. Auf Werners Lippen erwachte jenes milde Lächeln, und es war etwas gewinnend Herzliches in der Art, wie er auf Kitty zuging. "Verzeihen Sie die Störung, Kontess, die ein Fremder Ihnen verursacht."

"Kein Fremder!", unterbrach sie, halb noch befangen. "Was Sie sind, weiß man, und wir haben in diesen Tagen so viel von Ihnen gesprochen, dass ich mich doppelt freue, Sie kennen zu lernen." Sie reichte ihm die Hand. "Aber darf ich bitten?" Ihre Hand befreiend, ging sie zum Erker und deutete auf einen Fauteuil. Als Werner sich niederließ, spähte sie verstohlen nach seinem Gesicht, und es kamen ihr jene Worte Tassilos in Erinnerung: "Denke Dir Forbeck um fünfundzwanzig Jahre älter. So sieht Werner aus!" Es war doch seltsam, diese Ähnlichkeit!

"Sie haben sich wohl schon gefragt, was mich zu Ihnen führt?"

"Ja, Herr Professor, ich habe mir ein bisschen den Kopf zerbrochen." Der heitere Ton, den sie anzuschlagen versuchte, gelang ihr nicht recht. "Aber welche Ursache Sie auch zu uns führte, ich bin ihr dankbar. Herr Forbeck hat immer mit so großer Liebe und Verehrung von Ihnen gesprochen -"

Es leuchtete in Werners Augen. "Da muss ich ihn widerlegen. Hans überschätzt mich. Aber da wir schon von ihm sprechen - ich komme in seinem Auftrag, um Ihnen für die geduldige Mühe zu danken, mit der Sie seine Arbeit unterstützten."

Kittys Augen öffneten sich weit, als würde für sie das Rätsel dieses Besuches immer dunkler.

"Auch soll ich Ihnen sagen, wie herzlich er bedauert, dass es ihm leider nicht mehr vergönnt ist, sich persönlich von Ihnen zu verabschieden."

"Verabschieden?", stammelte Kitty. "Herr Forbeck verreist? So plötzlich? Und das hat solche Eile, dass er nicht einmal eine Minute mehr findet, um -" Sie vermochte nicht weiter zu sprechen.

Auch Werner schwieg. Diesen erschreckten Mädchenaugen war ein Bekenntnis eingeschrieben, das er mit Sorge zu lesen schien.

"Aber ich bitte Sie, Herr Professor! Wie ist denn nur das gekommen? So unerwartet?"

"Er muss so rasch wie möglich nach München."

"Rasch? So rasch? Aber -" Kittys Stimmung begann sich in unverhehlten Ärger zu verwandeln. "Deswegen fährt der Zug nicht früher. Da wäre noch Zeit genug gewesen! Verzeihen Sie, Herr Professor, ich selbst komme dabei nicht in Frage, aber meine Tante, die sich doch wohl ein bisschen Rücksicht bei Herrn Forbeck verdiente -" Kitty verstummte, ein jähes Erblassen ging über ihre Wangen. "Er kann nicht kommen? Er ist krank? Verwundet? Das will er vor uns verheimlichen, um uns nicht besorgt zu machen?"

Jetzt war mit dem Rätsellösen die Reihe an Werner. "Hans? Verwundet? Wie kommen Sie auf eine solche Vermutung, Kontess?"

"Hat er Ihnen denn nicht erzählt, was geschehen ist? Die unglückselige Gesichte mit dem Adler, der aus dem Käfig entflog?" Kittys Worte sprudelten. "Wäre Herr Forbeck nicht gewesen, es wäre mir übel ergangen. Diesmal ebenso, wie damals beim Wetterbach! Denken Sie, mit beiden Händen fasste er den Adler! Ich war zu Boden gestürzt - aber Tantchen wollte Herrn Forbeck zu Hilfe kommen, und dabei hat sie die beiden Griffe in den Arm bekommen. Doch wir glaubten, dass wenigstens Herr Forbeck unverletzt wäre -"

"Das ist er auch! Beruhigen Sie sich!"

"Nein! Er verheimlicht es auch vor Ihnen. Deshalb will er so schnell nach München." Wieder stockte sie. "Aber nein! Er ist doch in Hubertus gewesen, gestern, sogar zweimal! Das stimmt nicht!" Verstört sah sie zu Werner auf. "Mir scheint, ich rede ein bisschen wirr durcheinander. Freilich, es wäre kein Wunder."

Werner meinte den Sinn dieser Worte zu verstehen. Neben allem, was die vergangene Minute ihn erkennen ließ, musste er auch der Dinge denken, die er von Forbeck über Tassilo gehört hatte. Der Abschied, zu dem es zwischen Bruder und Schwester gekommen, mochte in dem Herzen des Mädchens noch mit schmerzlicher Wirkung nachzittern.

"Ich bitte um Vergebung, Kontess - es war unrecht von mir, dass ich meinem jungen Freunde diesen letzten Besuch -" Es lag ihm auf der Zunge: Ersparen wollte. Er korrigierte sich: "Dass ich diesen Weg für ihn übernahm. Ich würde das unterlassen haben, wenn ich gewusst hätte, dass Hans der Dame, von der Sie sprachen, verpflichtet ist. Nun ist es geschehen, und es war gut gemeint. Ich bitte Sie, nehmen Sie Hans dem berechtigten Unmut Ihrer Tante gegenüber in Schutz und legen Sie alle Schuld auf mich! Und Sie selbst - Kontess -" Er hatte Mühe, seine Bewegung zu verbergen. "Zürnen Sie ihm nicht! Die Notwendigkeit dieser Reise hat sich so plötzlich ergeben, er hat noch mancherlei zu ordnen. Halten Sie ihm das zugute und nehmen Sie seinen Abschied aus meiner Hand entgegen."

Kitty hatte sich erhoben und reichte Werner die Hand. Ihren Augen war es anzumerken, dass sie mehr auf alles hörte, was in ihrem Innern redete, als auf die Worte, die an ihr Ohr schlugen.

"Und wenn es der Zufall bringen sollte, dass Ihre Wege und die seinen von nun an auseinander führen, so bewahren Sie ihm ein freundliches Gedenken! Dass er diese Tage nicht vergessen wird, dafür ist gesorgt. Die Begegnung mit Ihnen wurde für ihn zu einem Wendepunkt seines Lebens, weckte das Beste seiner jungen Künstlerseele und gab ihm die Kraft für ein Werk, das seinem Namen Ehre machen wird. Und wenn Sie in kommender Zeit erfahren werden: Hans Forbeck hat sich unter den Ersten seiner Kunst einen Platz erkämpft - so dürfen Sie sagen: Dabei hab ich mitgeholfen. Dieser Gedanke wird Ihnen Freude machen. Nicht wahr, Kontess?"

Kitty vermochte nicht zu sprechen. Sie nickte nur, während sie auf Werner nieder sah, der ihre zitternde Hand an seine Lippen zog. Als er ging, machte sie einen Schritt, wie um ihn zur Türe zu begleiten. Eine Stuhllehne geriet ihr unter die tastende Hand, und da blieb sie stehen, so bestürzt, als hätte sich etwas Unbegreifliches ereignet.

Werner verließ das Haus. Als er aus dem Schatten der Veranda in die Sonne trat, holte Fritz ihn ein: Das "gnädige Fräulein" ließ den Herrn Professor bitten. Werner stand in sichtlicher Unruhe. Was konnte Kitty ihm noch zu sagen haben? Zögernd folgte er dem Diener. Als er in das Billardzimmer treten wollte, wies ihn Fritz zur Treppe.

Sie stiegen hinauf und der Diener öffnete eine Türe. Werner trat ein und sah sich einer bejahrten Dame gegenüber, deren Gesicht er nur unklar unterscheiden vermochte, weil es im Schatten der durch die Fenster flutenden Sonne lag - ein Gesicht mit den welken Zügen des Alters und den blühenden Farben der Jugend.

"Verzeihen Sie, Gnädigste, aber hier scheint ein Irrtum -" Werner verstummte. Er hatte den verbundenen Arm bemerkt, den die Dame in einer seidenen Schlinge trug. In erwachender Teilnahme trat er näher und sah ihre Augen auf sich gerichtet wie in Kummer und Angst; ohne Bewegung saß sie im Lehnstuhl. Schon wollte er sprechen, da sagte sie zaghaft: "Sie erkennen mich nicht mehr?"

"Ich vermag mich nicht zu erinnern -"

"Es ist lange her! Und ich habe mich nicht zu meinem Vorteil verändert. Ich bin alt geworden. Und hässlich. Wer mich heute sieht, möchte in mir nicht mehr das lustige Mädel von damals vermuten - die närrische Gundi Kleesberg."

Dieser Name wirkte auf Werner, als wäre ein Blitzstrahl vor ihm niedergefahren. Er tastete nach einem Stuhl.

Nun saßen sie wortlos, Auge in Auge. Durch die offenen Fenster tönte das Rauschen der Fontäne. Werner hing an diesem gealterten Gesicht, als könnte er unter der Schminke und zwischen dem Vernichtungswerk der Jahre noch einen Zug aus vergangener Zeit entdecken. doch sie wollten einander nicht gleichen, diese bemalte Welkheit und das Bild seiner Erinnerung: Ein schmucker Lockenkopf mit munteren Augen, mit vorwitzigem Näschen und mit den kirschroten Lippen, nach deren Kuss er einst gedürstet hatte.

Tief atmend, sagte er leise: "Es wäre besser gewesen, wenn uns diese schmerzende Begegnung erspart geblieben wäre. Hätte ich ahnen können, wen ich in Schloss Hubertus finden würde, ich hätte dieses Haus nicht betreten."

So hilflos wie ein gescholtenes Kind, ließ Gundi Kleesberg das Kinn auf die Brust sinken. "Das war hart, Werner!"

"Ich wollte Sie nicht kränken. Aber ich habe so viele Jahre gebraucht, um ruhig zu werden, dass es mir nicht zu verdenken ist, wenn ich eine Störung dieser Ruhe gern vermieden hätte."

Eine Pause trat ein. Scheu blickte Gundi zu ihm auf: "Sie wussten nicht, dass ich in Hubertus bin?"

"Nein. Der Tod Ihres Vaters und Ihr Eintritt in das Stift war die letzte Nachricht, die mir vor fünfzehn Jahren ein Zufall von Ihnen brachte."

"Ein Zufall nur? Sie selbst haben nie den Wunsch empfunden, von der Gundi Kleesberg zu hören?"

Werner schwieg. Um seinen Mund huschte jenes Lächeln, das seine Freunde an ihm kannten, und von welchem Tassilo gesagt hatte: "Eine Kunst, die sich bitter lernt - es mag keine heitere Geschichte gewesen sein, hinter der ihm nichts anderes verbleib, als dieses Lächeln."

Gundi Kleesberg schien die stumme Sprache dieses Lächelns zu verstehen. Dunkle Röte glühte durch die Schminke ihrer Wangen. "Auch Sie, Werner? Auch Sie sind einsam geblieben?"

"Einsam? Nein! Ich hatte meine Kunst. Ich halte wenig von dem, was ich heute gelte in der Welt, habe die Arbeit immer nur geliebt um ihrer selbst willen. Dennoch sag ich es vor Ihnen mit einer verzeihlichen Regung von Stolz: Aus dem Werner ist was geworden. Er hat bewiesen, dass er das verächtliche Misstrauen nicht verdiente, mit dem Ihr Vater ihn von seiner Schwelle wies."

Zitternd bedeckte Gundi Kleesberg die Augen. "Ach, Werner, man hat uns ein schönes Glück zerstört!"

"Das taten nicht die anderen. Das haben wir selbst getan."

"Ich! Ich allein bin die Schuldige. Mit meiner Feigheit! Hätt ich Mut gehabt, alles wäre gut geworden! Nur Feigheit war es, als ich mich in Deine Arme warf, um in Heimlichkeit zu erzwingen, was ich offen von meinem Vater nicht zu fordern wagte. Feigheit war es, als ich schwieg, bis ich sprechen musste! Feigheit, als ich mich jedem Zwang meines Vaters fügte -" Ihre Stimme erlosch, während sie trostlos vor sich hinstarrte. "Alles wäre noch gut geworden, hätte nur mein Kind gelebt!"

"Meinst Du?", sagte Werner hart. "Dein Vater hätte auch in diesem Fall Mittel und Wege gefunden, die Sache auf seine Art zu erledigen und den Skandal, wie er sich auszudrücken liebte, aus der Welt zu schaffen. So genannte brave Leute, die sich für ein paar hundert Mark einen Kostgänger gefallen lassen, hätten sich ohne Mühe gefunden, irgendwo in einem Winkel, aus dem keine Stimme zu den Ohren der guten Gesellschaft reicht. Und alles wäre in schönster Ordnung gewesen. Freilich, das Kind! Aber was liegt an solch einem unbequemen Geschöpf! Wenn nur der Klatsch zur Ruhe kommt. Nicht wahr? Das Kind kann misshandelt werden und hungern, verderben an Leib und Seele!"

"Nein, nein!", stammelte Gundi Kleesberg. "Besser tot!"

"Und wär es gewachsen und hätte, von der Natur mit gutem Kern begabt, alles Elend einer solchen Kindheit überwunden? Und ein unglückseliger Zufall hätte ihm seine Herkunft verraten, ohne ihm den Vater oder den Namen der Mutter zu nennen, der bei dem Geschäft mit den braven Leuten klug verschwiegen wurde? Was dann? Es war doch wohl ein Knabe? Oder nicht, Gundi? Der Brief, in dem mir Dein Vater den Tod des Kindes 'zur Mitteilung brachte', war ein bisschen unklar. Aber was dann?" Schmerzvolle Bitterkeit wühlte in Werners Stimme. "Der arme Junge hätte an seinen Füßen eine Kette durchs Leben geschleppt und in seinem Herzen einer quälenden Stachel getragen. Jeder Gedanke an den Vater wäre ihm zu einer Verwünschung geworden, jeder Gedanke an die Mutter -"

Werner verstummte.

Und die Gundi Kleesberg versank zwischen den Lehnen des Fauteuils. Tränen rollten ihr über die Wangen. "Es war hart für mich, dass ich mein Kind verlieren musste. Ich hab es geliebt und hab es nie gesehen. Mit seinem kleinen Leben ist meine letzte Hoffnung erloschen. Aber besser so, wie es ist. Hätt es gelebt und alles wäre gekommen, wie Du sagst - ach das arme Kind!"

Alle Bitterkeit schwand aus Werners Zügen, und in seinen Augen erwachte ein warmer Glanz, als fände er in diesem welken, von Tränen und zerflossener Schminke bedeckten Gesicht jetzt, da auf ihm die Sprache des Schmerzes geschrieben stand, jene Erinnerung der entschwundenen Jugend wieder, die er vor wenigen Minuten umsonst gesucht hatte. "Gundi! Liebe Gundi!" Er zog ihr die Hand von den Augen.

Scheu blickte sie zu ihm auf. "Wie gut Du bist! Sei ohne Sorge! Ich will Dir nicht vorjammern von mir, von dem bösen, zwecklosen Leben, das meine Feigheit über mich brachte. Um deinetwillen hätten ich mir den Wunsch versagen sollen, Dich noch einmal zu sehen. Doch ich wollte als der Gundi Kleesberg. Sag mir das, Werner, und ich bin zufrieden!"

Er streichelte ihre Hand und sagte mit seinem milden Lächeln: "Leicht? Nein, Gundi! Aber die Arbeit war mir ein Trost."

"Nur die Arbeit?" Ihre Augen öffneten sich weit, ihre Stimme wurde leiser. "Nicht auch Dein Sohn?"

Ein kaum merklicher Schreck. Dann dieses ruhige Wort: "Deine Frage ist mir unverständlich."

Sie machte eine schüchterne Bewegung mit der Hand. "Ich begreife, Werner, er soll es nicht wissen. Und niemand. Sein Leben soll ohne Kette sein, sein Herz ohne Stachel. Ich habe jedes Deiner Worte behalten. Du versagst Deinem Herzen, was er Dir bieten könnte als Sohn - und gibst ihm als Freund alles, was ein Vater nur geben kann! Du bist ihm, was Du auch unserem Kind gewesen wärst, wenn es hätte leben dürfen. Ich kenne Dich, Werner! Vor mir brauchst Du es nicht zu verbergen. Aber sag mir zu meinem Trost, Werner: Dass Du eine Freude fandest, ein Glück, das Dich vergessen ließ, was früher war!"

"Das kann ich Dir nicht sagen. Denn ich habe nicht vergessen. Nie! Dass ich Betäubung suchte? Es wäre sinnlos und unehrlich, das zu leugnen. Kunst und Entsagung? Das verträgt sich nicht - auf die Dauer. Aber ich? Und Glück? Nein, Gundi! Da irrst Du Dich! Sollte Dir das nicht ein Trost sein, den Du lieber hörst?"

Heftig schüttelte sie den Kopf. "Sag es mir, Werner, ich bitte Dich!"

"Es ist die Wahrheit: Ich habe die Frau, die Forbeck seine Mutter nannte, nie im Leben gesehen. Ich war einsam und suchte nach einem Menschen, den ich lieben könnte. So fand ich diesen verwaisten Jungen. Ich erkannte seine überraschende Begabung und hab ihn erzogen zu einem Kind meines Geistes." Tiefer Ernst war in Werners Augen. "Ich hätte Freude an ihm erleben können. Und wie hab ich ihn jetzt gefunden! Warum hast du mich nicht gefragt, was mich heut in dieses Haus führte? Ich kam, ohne dass er es wusste - weil ich ihm den Abschied leichter machen wollte. Errätst Du nicht, weshalb? Ich habe mein Können und Denken in ihn gelegt. Zu meiner Freude gleicht er mir in vielen Dingen. Aber die Ähnlichkeit des Schicksals hätt ich ihm lieber erspart gewusst!"

Erschrocken stammelte Gundi Kleesberg: "Er? Und Kitty?"

Werner nickte. "Sein Leben wird werden wie das meine."

Eine Weile saß die Kleesberg wie versteinert. "Ach Du all gütiger Himmel! Auch dieses Unglück noch! Wie hat es denn nur geschehen können? Ich hab's nicht kommen sehen und hab es doch gefürchtet von der ersten Stunde an. "o hatte ich nur meinen Kopf? Ich war so ganz versunken in mich selbst! Was sein Anblick in mir weckte, das machte mich ganz verdreht. Sooft ich ihn ansah, war mir als stünde die vergangene Zeit wieder auf. Und während ich alte Närrin die Augen verdrehte, ist das Unglück über die Kinder gekommen? Und nun sollen sie elend werden wie wir? Nein, Werner! Jetzt will ich Mut haben. Den Anfang hab ich schon gemacht. Oder weißt Du nicht, was geschehen ist? Sieh her, Werner!" Mühsam versuchte sie den verbundenen Arm zu heben.

Nur Werners Augen redeten. Sein Mund bleib streng geschlossen, als wäre ihm bange vor jedem Wort, das ihm die Erregung des Augenblicks entreißen könnte.

"Feig bin ich gewesen, immer feig, solang es um mich gegangen ist, um mein eigenes Glück. Jetzt will ich Mut haben. Denn sage mir, was Du willst - Dein Wort in Ehren - aber er ist Dein Sohn! Solche Ähnlichkeit bringt kein Zufall und keine Seelenharmonie. schon das erste Mal, bei der verwünschten Klause, in der auch das Unglück ihrer Mutter anfing, war es mir, als stündest Du selbst vor mir, so, wie in Deinen jungen Jahren. Und als er kam, als ich ihn sprechen hörte und bei der Arbeit sah - ganz wie Du, Werner - da hatte ich keinen Zweifel mehr! Und in der Ulmenallee, bei dieser unglückseligen Menageriegeschichte, als der Adler nach ihm hackte, da sah ich nur Dich in ihm. Und da kam der Mut! Ich musste! Und wär es nicht nur ein Adler gewesen, ein Tiger, ich hätt ihn gepackt!" In ihrer Erregung griff sie mit beiden Händen in die Luft und stieß einen Wehruf aus - sie hatte des wunden Armes vergessen.

"Gundi?"

"Lass, Werner! Jetzt haben wir an Wichtigeres zu denken, als an mich! Sag mir -" Im Nebenzimmer ging eine Tür, und erschrocken verstummte Gundi Kleesberg. Dann beugte sie das heiße Gesicht gegen Werner und flüsterte: "Liebt sie ihn? Aber was frag ich noch! Sie muss ihn lieben. Er gleicht ja Dir! Und wenn es in ihr noch schlummern sollte -" Wieder verstummte sie.

Die Tür wurde geöffnet, und Kitty stand auf der Schwelle. Während Gundi Kleesberg ihre Sinne mühsam zu sammeln suchte, sah Werner betroffen zu Kitty auf, deren Gesicht keine Spur jener Erregung mehr gewahren ließ, in welcher Werner sie verlassen hatte. Die Wangen waren zart gerötet, ihre Augen leuchteten in stillem Glanz, und den Mund umspielte ein verträumtes Lächeln.

"Sie, Herr Professor?" Staunend zog sie die Brauen auf. "Ich dachte Sie schon auf der Fahrt zum Bahnhof? Aber ich hätt es mir denken können, dass die Gundi Kleesberg die schöne Gelegenheit, Ihre Bekanntschaft zu machen, beim Rockzipfel erwischen würde. Hat sie Ihnen eingestanden, wie sehr sie für Ihre Bilder schwärmt? Hat sie erzählt, dass sie vor Ihrem 'Spätherbst' in der Ausstellung vergoss?"

"Kitty!", stotterte Gundi Kleesberg.

"Wirkliche Tränen! Erbsengroß!"

"Das hat sie mir nicht erzählt!", sagte Werner. "Aber sie hat mir manches gesagt, was mir Freude machte. Einem Künstler widerfährt es selten, sich in seinen geheimsten Gedanken verstanden zu sehen. Diese Freude hab ich jetzt erleben dürfen. Bei meinem Schaffen ist viel Bitterkeit nebenher gelaufen. Aber eine Stunde wie diese macht alte Schatten vergessen und lässt mir die Erinnerung an alles Helle wertvoll erscheinen."

"Ja! Tante Gundi ist eine rasende Kunstkennerin! Aber im Hochgenuss, eine solche gefunden zu haben, scheinen sie nicht mehr an Ihre knappe Zeit zu denken. Verzeihen Sie, lieber Herr Professor, aber -" Kitty zog ihr goldenes Ührchen aus dem Gürtel, ließ den Deckel aufspringen und hielt das Zifferblatt vor Werners Augen. "Zwanzig Minuten über Neun! Um elf Uhr geht der Zug. Mein Bruder Tas ist gestern mit dem gleichen Zug gefahren. Wenn Sie den Anschluss nicht versäumen wollen, haben Sie Eile."

Werner schien ein bisschen aus der Fassung gebracht. Verwundert zu Kitty aufblickend, erhob er sich. "Ich danke Ihnen, Kontess!" Er griff nach seinem Hut und sagte zu Gundi Kleesberg: "Ich hab es gerne gehört, dass mein 'Spätherbst' Ihre besondere Teilnahme erweckte. Vielleicht ist Ihnen auch der Vorwurf des Bildes nicht unbekannt: Ein landschaftliches Motiv aus Ihrer Heimat, aus Franken. Ich habe dort in meiner Jugend schöne Tage verlebt, an die ich auch heute noch dankbar zurückdenke, obwohl sie ein trübes Ende mit Sturm und Regen nahmen. Ich habe diese Landschaft oft gemalt, sie wird immer wieder lebendig unter meiner Hand. Und dieser 'Spätherbst' ist kein Bild für die Welt, nur für mich selbst geschaffen und für das Auge des Kenners. So gut wie Sie, gnädiges Fräulein, dürfte noch niemand den tiefsten Sinn dieser träumenden Farben verstanden haben! Darf ich Ihnen das Bildchen schicken?"

Gundi Kleesberg war keines Wortes mächtig. Zitternd blickte sie zu Werner auf.

Kitty legte den Arm um ihre Schulter. "Aber Tante Gundi! So sag doch: ja!"

"Nein, nein, wie darf ich - das ist ein fürstliches Geschenk!"

"Um so besser!", erklärte Kitty. "Wenn Könige schenken, gibt es keinen Widerspruch, da nimmt man und bedankt sich aller untertänigst! Herr Professor, das Bild soll ins beste Licht kommen! Und Tante Gundi erhält von mir bei der nächsten unpassenden Gelegenheit einen Betstuhl beschert, als unentbehrliches Requisit für die voraussichtliche Abgötterei, die sie mit dem 'Spätherbst' treiben wird." Sie wartete nicht, bis Werner die zitternde Hand wieder freigab, die Gundi Kleesberg ihm gereicht hatte, sondern schob ihren Arm unter den seinen und zog ihn zur Türe. "Nun ist es aber höchste Zeit! Oder Sie versäumen noch wirklich den Zug! Und grüßen Sie Herrn Forbeck von mir! Sagen Sie ihm, dass er vollkommen entschuldigt ist. Jetzt weiß ich, weshalb er reisen muss."

Erschrocken sah er in ihr glühendes Gesicht. "Sie wissen -"

"Jawohl!" Sie nickte kurz und entschieden. "Und sagen Sie ihm, dass ich ihm danke dafür! Adieu, Herr Professor! Glückliche Reise!"

Wortlos verneigte sich Werner und trat in den Flur hinaus.

Kitty drückte hinter ihm die Türe zu und sah wieder auf die Uhr. "Zehn Minuten ins Dorf, eine Stunde zwanzig zur Station - er kommt noch zurecht!" Sie ging zur Kleesberg, die vor sich hinträumte, verstört und doch mit glücklichem Lächeln, wie ein Kind, das am Weihnachtsmorgen erwacht, im Herzen den Nachklang einer heiligen Freude und dabei die Furcht, es könnte alles nicht wahr gewesen sein. "Gundelchen? Kannst Du Dich noch immer nicht erholen? Sprich doch! Freude muss man aus sich herausreden. Verschluckt man sie, so kommt sie in dunkle Bedrängnis. Übrigens - Werners Großmut in allen Ehren - aber den wunderbaren 'Spätherbst' hast Du doch niemand anders zu verdanken, als Herrn Forbeck! Er wird seinem Lehrer erzählt haben, wie groß Du von ihm denkst und wie sehr Du ihn verehrst."

"Kind! Liebes Kind!" In Erregung fasste die Kleesberg Kittys Hand. "Komm! Setz Dich zu mir! Nimm Dir einen Sessel!" Trotz dieser Aufforderung gab sie Kittys Hand nicht frei, sondern zog sie zu sich nieder auf die Lehne des Fauteuils. "Sag mir aber offen und ehrlich -"

"Was?"

"Weißt Du, weshalb und Herr Forbeck so plötzlich verlässt?"

"Aber selbstverständlich! Im ersten Augenblick hat mich die Sache allerdings ein bisschen konfus gemacht. Die reine Gedankenlosigkeit! Dass ich mich nicht gleich auf das einzig Mögliche besann!" Kittys Stimme dämpfte sich. "Gestern hat ihm Tas geschrieben. Weißt Du, Tas und Forbeck sind Freunde. Und da hat ihn Tas um was gebeten, und deshalb muss er heute nach München. Und ich sage Dir, es ist von Herrn Forbeck sehr schön gehandelt, dass er alles im Stich lässt, um die Bitte meines Bruders zu erfüllen. Ich teile Dir das mit, um Dich über Forbecks Abreise zu beruhigen. Aber ich bitte Dich, frage mich nicht wegen Tas! Du wirst es noch früh genug erfahren."

Gundi Kleesberg schien keine Spur von Neugier zu empfinden. Sie fragte nur: "Glaubst Du, dass er wiederkommen wird?"

"Natürlich! Er muss doch sein Bild fertig malen. Dazu braucht er die Landschaft - und sonst noch allerlei."

"Ja, Kind, er muss wiederkommen! Und ich sage Dir, dieses Bild wird Aufsehen machen!"

"Ach, Du Kunstkennerin! So viel versteh ich auch!"

"Du hättest nur hören sollen, wie Werner von seinem Talent gesprochen! Und was seinen Charakter betrifft -" Gundi Kleesberg wurde in ihrer Erregung immer wunderlicher. "Ich will schon gar nicht von seiner äußeren Erscheinung sprechen, obwohl auch das - wie soll ich sagen - Beachtung verdient. Ich kenne Deinen Geschmack nicht - aber ich finde ihn schön!"

"Schön?" Kitty studierte. "Nein, Gundi! Das ist zu viel gesagt. Nur seine Augen - ja, da kannst Du recht haben, seine Augen sind schön!"

"Schön?" Kitty studierte. "Nein, Gundi! Das ist zu viel gesagt. Nur seine Augen - ja, da kannst Du recht haben, seine Augen sind schön!"

"Weil der ganze, gute, vornehme, tüchtige Mensch aus ihnen herausblickt!"

"Das ist merkwürdig!", staunte Kitty. "Du warst doch nie berühmt wegen Deiner Menschenkenntnis. Und nun plötzlich zeigt Du eine Beobachtungsgabe für Charaktere, so scharf und zutreffend - ich bin überrascht!"

Gundi Kleesberg schien über diese Anerkennung in eine Freude zu geraten, für die sie keine Worte fand. Mit glänzenden Augen zu Kitty aufblickend, streichelte sie ihre Hand, als hätte sie nicht ein unerwartetes Kompliment, sondern eine ersehnte Botschaft vernommen.

Dieses auffällige Missverhältnis zwischen Ursache und Wirkung machte Kitty stutzig. "Gundelchen? Was hast Du denn?"

"Ach, Kind! Das waren doch so schöne Tage! Ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich auf meine Rückkehr freue. Und weißt Du, wenn es wirklich der Fall sein könnte, dass er verhindert wäre -"

"Verhindert?" Es schien, als würde Kitty von Gundis seltsamer Erregung angesteckt. Dann schüttelte sie den Kopf und lächelte. "Ich hab eine Ahnung, als sollte ich Herrn Forbeck bald wieder sehen. Sehr bald! Mir schwant so was von einer Überraschung. Tas wird Augen machen!"

Jetzt war an Gundi Kleesberg die Reihe, stutzig zu werden. "Kitty?" Aber da wandte sie das Gesicht zum offnen Fenster und lauschte.

Von der Parkmauer war ein dumpf klirrender Ton durch die Ulmenallee bis zum Schloss gedrungen.

Werner hatte das eiserne Torgitter hinter sich zugeworfen und war auf die Straße getreten. Die Augen zu Boden geheftet, im Gesicht das erregte Spiel seiner wirbelnden Gedanken, schritt er dem Dorf entgegen. Als er das Brucknerhaus erreichte, sah er vor dem Zauntor den Einspänner stehen, den er für neun Uhr bestellt hatte. Und Forbeck schien erraten zu haben, welchem Zweck dieser Wagen dienen sollte - der Bock war schon mit den Reisetaschen und den zu einem Bündel geschnürten Malgeräten beladen.

Werner eilte in das Haus und über die Treppe hinauf. Die geräumte Giebelstube machte einen öden Eindruck. Auf dem Tisch lag eine große, mit grauem Packpapier umwickelte Rolle - das Bild. Bei Werners Eintritt erhob sich Forbeck mit blassem Gesicht. Er trug schon den Überrock und hatte Hut und Schirm in der Hand. "Guten Morgen, Werner!" Ein müdes Lächeln. "Du siehst, ich bin reisefertig. Als der Wagen kam, glaubte ich zu verstehen -" Seine Stimme bebte. "Du warst in Hubertus?"

"Ja, Hans. Das Schreiben wäre Dir eine Qual gewesen, der persönliche Abschied eine Gefahr - für Euch beide!"

"Ich danke Dir! Es ist besser so. Nur eines ist mir leid. Es wohnt in Hubertus noch eine Dame, der ich sehr zu Dank verpflichtet bin."

"Fräulein von Kleesberg?" Werners Stimme bekam einen seltsam befangenen Klang. "Ich habe mir ihr gesprochen. Du kannst ohne Sorge sein, es geht ihr besser. Und sie lässt Dich grüßen." Er legte seine Hand mit schwerem Druck auf Forbecks Schulter. "Das ist eine seelengute, prächtige Dame! Der musst du eine herzliche Erinnerung bewahren! Jetzt komm!"

Vor dem haus erwartete sie der Bauer. Auch Mali erschien, mit dem Netterl auf dem Arm. Als ihr Forbeck die Hand reichte, fand sie nur ein paar kurze Worte. Wie erleichtert atmete sie auf, als der Wagen davon rollte.

"Geh," sagte der Bauer, "hättst mit dem jungen Herrn doch a bissl freundlicher sein sollen! So viel gut is er gwesen mit uns! Und Du hast Dich gstellt, als ob d' froh wärst, dass er endlich draußen is zum Haus!"

"Froh?" Zwei Tränen rannen über Malis Mund. "Dös Wörtl kenn ich nimmer, Lenzi! Und was wir zwei miteinander tragen müssen, tragt sich leichter unter uns, als vor fremde Augen!" Sie trat ins Haus.

Von der Straße tönte noch das Geholper des Wagens.

Als der Einspänner am Zaunerhaus vorüber fuhr, klang aus einem von welkendem Weinlaub umsponnenen Fensterchen des oberen Stockes eine lustige Stimme. Das feine Lieserl hantierte mit ihren Parfümgläsern und sang dazu:

"Und ich lieb Dich so fest,
Wie der Baum seine Äst!
Wie der Himmel seine Stern,
Grad so hab ich Dich gern!"

Den Jodler summend, hielt sie eines der Gläser gegen die Sonne; dann griff sie nach einem anderen und sang:

"Und a bisserl a Lieb,
Und a bisserl a Treu,
Und a bisserl a Falschheit
Is allweil dabei!

Die beiden Strophen gehörten nicht zueinander, aber sie gingen beim Lieserl nach der gleichen Melodie.

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