Ludwig Ganghofer

www.wissen-im-Netz.info

Ludwig Ganghofer - Der Herrgottschnitzer von Ammergau

Homepage
   Literatur
      Ludwig Ganghofer
         Herrgottschnitzer
            Kapitel 1
            Kapitel 2
            Kapitel 3
            Kapitel 4
            Kapitel 5
            Kapitel 6
            Kapitel 7
            Kapitel 8
            Kapitel 9
            Kapitel 10

8.

Drei Wochen waren vergangen seit jener für Pauli und Loni so verhängnisvollen Hochzeitsfeier. So manches war inzwischen geschehen. Noch am Abend der Hochzeit hatten die mit Pauli befreundeten Burschen ein kleines Nachspiel aufgeführt im Verein mit Muckl, der allerdings dabei etwas wider seinen Willen beteiligt war. Die allgemeine Gemütlichkeit war gestört worden, und die Burschen, die sich in ihrer Lustbarkeit beeinträchtigt sahen, ergingen sich in Stichelreden gegen Muckl; ein Wort gab das andere; es setzte tüchtige Hiebe, und ehe der Wirt intervenieren konnte, hatte man den Muckl die Treppe hinunter und zur Türe hinausspediert.

Als man dann acht Tage später im Dorf vernahm, Muckl hätte sich mit einer reichen Bauerntochter aus einem benachbarten Dorf versprochen, die als eine böse Sieben bekannt war, erregte das recht wenig Aufsehen. Spitzige Worte für den neu gebackenen Bräutigam setzte es freilich in Hülle und Fülle.

Ebenso sehr, als Muckl seit jenem Hochzeitstag an Beliebtheit verloren hatte, ebensoviel hatte Pauli bei allen an Zuneigung gewonnen. Es schien auch, als wäre er längst mit sich zur Ruhe gekommen und hätte alles verschmerzt; Tag für Tag, von früh bis in die sinkende Nacht stand er an seiner Schnitzbank, und die Arbeit wuchs ihm unter den Händen hervor. Das Wirtshaus hatte er seit jenem Tag nie mehr betreten; des Mittags ließ er sich sein essen durch die Kellnerin herüberbringen, ebenso des Abends seinen Krug Bier; und während er ihn leer trank, saß er am Bette Lehnls, der langsam seiner Genesung entgegen schritt.

Der Unfall, der den Alten betroffen hatte – in der Lesart, als wäre er gestürzt und hätte sich dabei verwundet – war bald auch im Dorf bekannt geworden. Täglich kam der eine oder der andere, der den Kranken besuchte, und mehr als genug sprachen diese Besucher dem Alten von jenem Vorfall beim Hochzeitsfest. Sooft aber Lehnl mit Pauli darüber reden wollte, schnitt ihm dieser kurz das Wort ab, oder setzte allen fragen ein hartnäckiges Stillschweigen entgegen.

Am häufigsten kam der Maler Baumiller, freilich mehr zu Pauli als zu Lehnl. Jetzt, nachdem er der Meinung war, dass die Liebe zu Loni für den Burschen kein Grund zum Bleiben mehr sein könnte, verfolgte er seinen alten Lieblingsplan, Pauli mit in die Stadt zu nehmen und ihn dort ausbilden zu lassen, mit umso größerer Hartnäckigkeit. Als Baumiller aber bei Pauli selbst nichts ausrichtete, der dem eindringlichsten Zuspruch des Malers nur immer ein kurzes „Ich mag halt net!“ entgegenheilt, steckte er sich hinter den Bürgermeister von Ammergau, der da ein Machtwort sprechen sollte. Denn es wäre doch für die ganze Gemeinde eine stolze Ehre, wenn aus ihrer Mitte ein großer Künstler herauswüchse und auf den goldenen Staffeln des Ruhmes emporstiege, zum Glanze für den Namen Ammergau. Aber auch dieser Umweg war ohne Erfolg geblieben, obwohl sich auch Paulis Mutter mit dem Maler verbündet hatte. Außer Lehnl war sie die einzige, die sich durch die äußere Ruhe Paulis nicht täuschen ließ, ihm ins Herz sah und von dem, was sie darin gewahrte, nicht sehr erfreut war. So trug auch sie sich mit dem Gedanken, dass es wohl für Pauli das Beste wäre, wenn er fortginge.

Aber wenn auch Pauli nicht schon aus eigenem Antrieb jeder Überredung widerstanden hätte, wenn er wirklich einmal schwach und nachgiebig geworden wäre – die Einflüsterungen Lehnls, der in jeder nur möglichen Weise dem Plan des Malers entgegenarbeitete, hätten in dem Burschen immer wieder den schwankenden Willen befestigen müssen. Lehnl musste wohl gewichtige Gründe haben, dass er seinen jungen Freund immer wieder zum Bleiben mahnte; die Hoffnung, dass alles noch einmal gut werden könne, wollte den Alten nie verlassen.

Mit heißer Spannung erwartete Lehnl den Tag, an dem er zum ersten Mal das Haus verlassen könnte; und als dieser Tag gekommen war, führte der erste Ausgang den ungeduldigen Alten ins Wirtshaus hinüber.

Es war am Nachmittag eines für die schon ziemlich vorgerückte Jahreszeit selten schönen Tages. Als Lehnl in die Wirtsstube trat, fand er nur ein paar Holzknechte vor, welche mit Karten, die bis zur Unkenntlichkeit beschmutzt waren, ihren Bittern ausspielten. Die Kellnerin saß neben dem Schänkkasten und strickte. Nachdem Lehnl diesen Leuten zur Genüge versichert hatte, dass es ihm recht passabel ginge, schritt er auf die Türe des Nebenzimmers zu, in dem er Loni vermutete. Er hatte sich auch nicht getäuscht. Das Mädchen saß am Fenster und mühte sich damit ab, einen in die Brüche gegangenen Hausrock ihres Pflegevaters wieder zusammenzurichten. Als Loni die Türe gehen hörte, wandte sie langsam den Kopf, sprang aber dann in freudiger Überraschung auf. „Meiner Seel, der Lehnl!“ Und mit ausgestreckten Händen eilte sie dem Alten entgegen.

Lehnl sah dem Mädchen erstaunt, fast erschrocken ins Gesicht. Das frische, blühende Rot, das sonst auf diesen Wangen gelegen, war von ihnen gewichen, und die runden Backen waren recht schmal geworden.

„Ja wie geht’s dir denn, du armer Kerl?“, so plauderte Loni weiter. „Was macht denn dein Kopf?“

„So eim dicken Schädel schadet net leicht was. Wie geht’s denn aber dir? … Schaust net gar gut aus! … Hab allweil Zeitlang ghabt nach dir und hab glaubt, du bsuchst mich einmal.“

Loni wandte sich ab und machte sich am Tisch zu schaffen. „Ich wär schon kommen … wenn … aber …“

„Wenn … aber? Ja so! In das Haus, wo ich glegen bin, gehst halt net eini? Gelt?“

„Du hast wohl gehört …?“, gab Loni mit gepresster Stimme zur Antwort.

„Ghört und gsehen gnug!“ Lohnl zog einen Stuhl an den Tisch und ließ sich nieder. „Lonerl, Lonerl … das war net recht!“

„Sagst du auch so! Ich muss mir schon von die andern Leut gnug hören.“

„Meinst vielleicht, ich sollt dich loben auch noch? Das wär doch z’viel verlangt. Wer den Pauli gsehen hat, wie ich … ei er heimkommen is, kein Wort gredt, sein Feiertagsgwandl weggworfen hat und wieder naus is bei der Tür … Lonerl, der kann dir kein Fleißbillett geben. Erst am andern Tag in der Fruh is er wieder heimkommen … und wie ich ihn hab fragen wollen, was denn los is, hat’s gheißen: Red nix, wenn du haben willst, dass ich dir gut bin!“

„Du bist halt auch wie die andern!“, versetzte Loni mit ärgerlichen Ton. „Redest allweil bloß von ihm, aber net von mir. Hab mich schon so gfreut, dass ich mit dir über die dumme Gschicht diskrieren könnt … derweil is das auch nix!“ Sie trat vom Tisch weg an das Fenster und nahm ihr Nähzeug wieder zur Hand. „Jetzt is halt aus!“, seufzte sie tief auf und begann zu nähen.

„No …“, meinte Lehnl und blickte forschend nach dem Mädchen, „das möchte ich grad doch net so steif behaupten. Denn was einmal die richtige Lieb war, die bleibt’s auch, mag da geschehen, was will.“

Loni drückte den Kopf in den Nacken. „So?“, rief sie erregt. „Du hast ihn halt net gsehen, wie er dagstanden is und gredt hat … ’s richtige Mannsbild, wie man sich’s denkt … und wie er gsagt hat; jetzt wenn sagst, zwischen uns is nix und zwischen uns wird nix, nachher kannst recht haben! … Und das Bhüt Gott! … Ich dank!“

„Ja, ja“, meinte Lehnl, „das will ich schon glauben … aber … wenn auch bei ihm, wie ich mein’, ’s Eis noch zum Brechen wär … du kannst ihn ja doch nimmer mögen?“

„Na … nie!“, fuhr Loni auf. „Lieber sterben!“

Im gleichen Augenblick öffnete sich die Türe, und der Maler Baumiller trat ein. Die üblichen Begrüßungen wurden gewechselt, und wieder einmal musste Lehnl ein halbes Dutzend Fragen nach seinem Befinden beantworten. Dann verließ der Alte das Gemach, um auch dem Wirt ein Grußgott zu sagen.

Über alles mögliche plauderte der Maler inzwischen mit Loni; plötzlich, mitten im Gespräche über das schöne Wetter, neigte er sich über die Lehne des Stuhles, auf dem sie saß, und sprach ihr ins Ohr: „Sag einmal, Lohnerl, könnt man jetzt mit dir net auch einmal ein gscheits Wörtl reden?“

„Man müsst’s halt probieren!“

„Wegen meiner und wegen dem Pauli.“

„Jesses! Wenn ich nur den Namen nimmer hören müsst!“, gab Loni gallig zur Antwort. „Ihr wisst’s ja, dass ich ihn net ausstehen kann.“

„Ich red ja nur grad deswegen von ihm, dass du einmal zur Ruh kommst!“, tuschelte der Maler mit eindringlichem Eifer. „Und das gschieht net eher, vor der Pauli net geht.“

Hastig hob Loni die Augen und blickte dem Maler ins Gesicht. „Dass er aber net geht“, gab sie zögernd zur Antwort, „ich mein’, das habts oft gnug schon ghört.“

„Die Sach is halt net recht anpackt worden! Du, Loni, du selber musst die Gschicht in die Hand nehmen!“

Lonis Augen wurden immer größer. Und bedenklich schüttelte sie den Kopf. „Da geht mir der Verstand aus!“

„Wirst es gleich verstehen!“ Baumiller zog einen Stuhl zu Loni ans Fenster, ließ sich ihr gegenüber nieder und fasste ihre beiden Hände. „Sag, Loni, kannst du’s begreifen, dass ein Mensch mit ganzem Herzen und ganzer Seel was wünscht und hofft, so dass er gar kein andern Gedanken mehr hat? Begreifst du das?“

„O ja?“ Ein tiefer Seufzer schwellte die Brust des Mädchens.

„Siehst, Loni, so ein Gfühl hab ich ghabt, wie ich ein junger Mensch war. Wie ich zum malen angfangt hab, und wie ich die Bilder gsehen hab von unsere großen Meister, da is in mir der Wunsch aufgstiegen, was Gleiches zu schaffen und auch Bilder zu malen, vor denen die ganze Welt staunen müsst. Der Wunsch war ein recht schöner! Und was an meim guten Willen und an meim Fleiß glegen war, das is auch redlich geschehen. Aber weiter hab ich’s halt doch net bracht, als dass meine Bildln gern kauft worden sind, und dass ich mir ein bissl was erworben hab. Schau, Lonerl, damit du’s verstehst, möchte ich sagen: Mir is gangen, wie eim Schneider, der ein Rock für ein großmächtigen Mann machen will … und ’s Tuch reicht bloß für ein Buben. Das Tuch, das heißt man bei uns Talent. Die Stund, wo ich zur Einsicht kommen bin, dass bei mir ’s Tuch net reicht, das war die schwerste Stund in meim Leben! Und da find ich auf einmal ein Menschen, der das Talent, das mir gfehlt hat, im reichsten Maß besitzt, und dem, um das zu werden, was mir bei allem Fleiß net glungen is, nix fehlt als die richtige Schul und der rechte Lehrer.“

In immer steigender Aufmerksamkeit hatte Loni dem Maler zugehört. Und mit schüchterner Stimme fragte sie nun: „Is das der Pauli?“

„Ja, Herzl, das is der Pauli!“, fiel der Maler ein. Und seine Augen leuchteten, als er weiterfuhr: „Immer besser und besser hab ich ihn kennen lernen … und wie mein Glauben an sein Talent immer mehr und mehr bestärkt worden is, da hat in mir unter all der Aschen die alte Glut wieder aufgflammt! Da hab ich den Menschen wachsen und werden sehen zu dem, was er werden kann. Da hab ich im Geist voraus schon die Kunstwerke angstaunt, die unter seiner Hand einmal entstehen, und in Gedanken seh ich die Leut sich rumdrängen und hör, wie sie einander erzählen: ‚Sehts, dort, der alte Maler is’s, der den Menschen für die Kunst gwonnen hat!’ Und von dem Dank, den die Welt ihm zu Füßen glegt hätt, wär auch für mich ein Bröserl abgfallen, wenn auch nur ein kleinwinzigs, und ich wär zfrieden gwesen!“

Loni konnte ihre Bewegung nicht mehr unterdrücken; sie sprang auf, und in unverhehlter Rührung streckte sie dem Maler die beiden Hände hin. „Was kann ich tun, damit ’s so kommt, sagen Sie’s mir … und ich tu’s!“

„Du selber musst mit dem Pauli reden!“

„Na! Net um alles in der Welt!“, fuhr Loni auf, und dunkle Röte überfloss ihr Gesicht. „Alles tu ich … alles, aber das … das kann ich net!“

„Geh, red net so voreilig!“, mahnte der Maler. „Denn schau, Lonerl, was ich von dir verlang, das ist das einzige, was noch helfen kann.“

„Und warum soll’s grad helfen, wann ich mit ihm red?“, fragte Loni zweifelnd. „Da glaub ich eher, dass mein Reden alles noch schlechter machet.“

„Und wenn’s auch so wär, versuchen musst du’s, ob du ihn net bewegen kannst, dass er die Hand nach seim Glück ausstreckt.“ Der Maler trat an Lonis Seite, und indem er den Arm vertraulich um ihre Schulter legte, fuhr er fort: „Schau, Kindl, du hast schon eine Schuld abztragen an dem Menschen! Ich weiß auch, und lang schon hab ich dir’s angmerkt, dass du ’s selber in dir spürst, als ob’s so sein müsst.“

Schnaufend nickte Loni vor sich hin.

„Gelt? Gstehst es auch ein? Drum sei gschiet und lass dir auch was sagen! Schau, der Pauli hat dich so gern ghabt, dass mit demselbigen bösen Tag noch ent alles verraucht sein kann. So viel Lieb zu dir is bei ihm noch allweil daheim, dass er dir’s gwiss net abschlagt, wenn du zu ihm sagst: Pauli, ich bitt dich, geh fort, mich leidt’s nimmer im Dorf, solang du da bist! Und wann er erst einmal bei mir in der Stadt is, wann er all das Neue sieht, was ihm da entgegentritt, und wann er ’s Arbeiten anfangt und ’s Studieren, da müsst’s doch mit dem Teufel zugehen, wenn er mit der Zeit net die unglückliche Lieb aus dem Kopf brächt, die ihm ein Elend is und dir ein Ungmach, und wenn er net ein Mensch werden tät, der sein Glück verdient, und der sein Glück auch findet.“

Lautlos hatte Loni dem Maler zugehört, und als er schloss und sie fragend ansah, legte sie ihre Hand auf seinen Arm und spähte ihm mit forschendem Blick in die Augen. Und leichte Röte huschte über ihre Wangen, als sie fragte: „Glaubts Ihr auch gwiss, dass es dem Pauli sein Glück sein wird, wann er geht?“

„Es ist meine feste Überzeugung!“, gab der Maler flink zur Antwort.

Hastig streckte ihm Loni die Hand hin. „In Gottes Namen, ich tu’s!“ Das stieß sie mit zitternder Stimme hervor. „Weil Ihnen ein Gfallen damit gschieht … und weil …“, die Tränen schossen in Lonis Augen, und ein leises Schluchzen erschütterte ihre Lippen, „und weil … ja, weil ich so froh bin, wann ich … den Menschen nimmer sieh.“

„Geh, Lonerl“, tröstete der Maler, „geh, nimm’s net so schwer!“

„Schwer?“, fuhr Loni ganz entrüstet auf und wischte rasch mit der Faust über die Augen. „Fallt mir ja gar net ein!“

„So is recht!“, rief Baumiller freudig aus und drückte das Mädel an seine Brust. „Jetzt kann ich ruhig wieder auf meine Berg nauf steigen. Weißt, es muss ja net gleich sein! Ich geh heut fort auf ein paar Tag, und wann ich nachher heimkomm, können wir nochmal drüber reden. Und nachher wird sich schon einmal die rechte Zeit dazu finden. Jetzt bhüt dich Gott … und ich dank dir halt im voraus für dein guten Willen. Bhüt Gott!“

Lange, lange noch stand Loni regungslos und starrte vor sich hinauf das Fenstergesimse. Sie wusste gar nicht mehr, wie es gekommen war, dass sie dieses unselige Versprechen geben konnte – Sie – und reden? Mit jenem Menschen, der ihr so bitterböse Worte gesagt hatte, vor all ihren Freundinnen, vor dem ganzen Dorf? Aber freilich, hatte sie denn nicht selbst …

Loni schlug die Hände vor die Augen. Sie hatte nicht den Mut, einen Gedanken auszudenken, der sie selbst aller Schuld zeihen musste. Seufzend ließ sie sich nieder und nahm ihre Näharbeit wieder zur Hand. Aber die Nadel zwischen ihren Fingern war recht träge, und nur langsam suchte sie ihren Weg durch das widerspenstige Tuch, bis sie auf einmal wieder stillestand.

„Es muss ja net gleich sein!“, murmelte Loni vor sich hin, die Worte des Malers wiederholend. Dann sprang sie plötzlich auf. „Wohl muss es gleich sein, denn ein altes Sprichwort sagt: Man muss das Eisen schmieden, so lang’s heiß is.“ Sie eilte zur Tür und rief hinaus: „Resl!“

Die Kellnerin kam und fragte: „Was magst?“

„Geh ummi zum Pauli und sag ihm, er soll gleich auf der Stell da her kommen, der Herr Baumiller hätt was Wichtigs mit ihm z’reden!“

Resl hatte den Maler fortgehen sehen und blickte verdutzt auf Loni: „Ja … aber …“

„Schau net so dumm drein“, fuhr Loni sie zornig an, „sondern tu, was ich dir schaff.“

„Das is aber gspaßig!“, knurrte Resl, als sie kopfschüttelnd ging, um Louis Auftrag auszuführen.

Loni trat zum Tisch, der in der Mitte des Zimmers stand. Und weil ihr augenblicklich keine andere Beschäftigung einfiel, fing sie an, mit den Fingernägeln aus den Klumsen der Tischplatte den grauen Sand herauszubohren, der sich beim Reinfegen des Tisches fest in alle Ritzen gelegt hatte.

Ein paar Minuten mochten vergangen sein, da klang aus der Wirtsstube die Stimme der Kellnerin: „Geh nur da eini in d’ Stuben!“ Und schwere Tritte näherten sich der Türe.

„Heilige Muttergottes, steh mir bei“, flüsterte Loni, „da is er schon!“

<   >

© 1999-2007 Copyright by Jürgen Kühnle
Über Anregungen und Kommentare zu diesen Seiten würde ich mich freuen juergen@kuehnle-online.de.