Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Das große Jagen

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         Das große Jagen
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Kapitel 25

Um die Dächer von Berchtesgaden blaute die Morgenfrühe, die nach der Neumondnacht zu leuchten begann. Die höchsten, noch weißen Bergzinnen waren schon rosig angestrahlt, die Täler noch umsponnen von grauem Frühschatten. Auf drei Türmen läuteten die Glocken. Frauen und Mädchen wanderten schweigsam zur Messe. Sie trugen das Gebetbuch und den Rosenkranz zwischen vorgestreckten Händen. Neben den vielen Musketieren waren nur wenige Mannsleute und Burschen zu sehen, selten einer mit frohen Augen.

Nicht nur die müden Menschengesichter, auch die Häuser und ihre Mauern erzählten von den erbitterten Glaubenskämpfen der vergangenen Wochen. Viele Kaufgewölbe waren geschlossen. Zwischen Häusern mit grünen Fensterläden und Flurpfosten stand immer wieder eines, dessen Türen und Kreuzstöcke mit Mohnfarbe angestrichen waren. Dadurch hatte die Marktgasse unleugbar an malerischen Reiz gewonnen. Das prächtige, reichlich verschwendete Rot und das saftige Frühlingsgrün stimmte gut mit dem silbernen Weiß der Mauern zusammen, das freilich der früher üblichen Reinheit ein bisschen entbehrte. Mit Kohle oder schwarzer Wagenschmiere, sogar mit einer Farbe, die man sonst bei künstlerischer Betätigung nicht zu verwenden pflegt, waren auf den weißen Mauern phantasievolle Teufelsgestalten mit schweinsartig geringelten Schwänzchen angemalt. Diese Zeugnisse einer naiven Volkskunst waren textlich belebt durch Stoßseufzer der christlichen Nächstenliebe, gegen die man den Vorwurf einer gewissen Eintönigkeit erheben musste. Auf jeder Mauer wiederholten sich die gleichen Geistesblitzes: "Luthrischer Siach!", "Du Salzlecker!", "Verhöllter Saukerl!", "Schwarzweißer Preiß!", "Evangelischer Teufelsbraten!" Von dieser, seit dem Versöhnungsschießen epidemisch gewordenen Volkskunst waren auch die Mauern der Gutgläubigen nicht verschont geblieben. Es erwies sich wieder einmal das Sprichwort: "Schrei hinein in den Wald und so hallt's heraus." Man hatte die Wände der Treugebliebenen geziert durch Mönchsköpfe mit Ablasszetteln als ausgestreckte Zungen, durch Heilige mit Geldsäcken unter den Armen, durch Kapuziner mit Säbel, Muskete und Bratwurstkränzl. Diese Bilder waren aber nur noch fragmentarisch vorhanden, weil man sie wieder heruntergekratzt hatte. Das war polizeilich erlaubt: An ketzerischen Mauern war jedes Erlösungswerk verboten; hier hieß es: "Volksstimme, Gottesstimme."

Häufig waren Häuser zu sehen, deren Türen und Fensterstöcke nach ausgiebiger Terpentientaufe nur noch einen blassroten Schimmer hatten. Man durfte da nicht immer auf eine reumütige Heimkehr zum fürstpröpstlichen Glauben schließen. Gleich in den ersten Nächten nach dem Versöhnungsschießen hatten "evangelikanische Inkulpatanten", wie Muckenfüßl rapportierte, zu heimtückischem Ausgleich auch die Fensterstöcke und Haustüren gutgläubiger Nachbarn mit roter Farbe bestrichen. Viel Terpentin war nötig. Die Preise der erlösenden Flüssigkeit stiegen. Weil man schließlich - helfe, was helfen kann - die fälschlich verketzerten Haustüren mit Kirschwasser, mit Zwetschkengeist und doppelt gebranntem Enzian waschen musste, ergab es sich, dass alles, was unter die Bezeichnung Spiritus fiel, im Land Berchtesgaden eine schwer erschwingliche Sache wurde. Der Rausch war ein seltenes Ding, man sah auch an Sonn- und Feiertagen keinen Betrunkenen mehr, und Pfarrer Ludwig konnte heiter zu Lewitter sagen: "Er hat doch recht, der Amsterdamer! Keine Sach des Lebens ist so kotzmiserablig, dass sie nit irgendwie zur moralischen Besserung der Menschheit dienen könnt."

Wie fast alle Häuser der Marktgasse, so hatten auch die großen, altersdunklen Torflügel des Stiftes ein neuzeitliches Aussehen. An ihnen waren die vier großen, eng bedruckten Papierbogen mit den vielen Paragraphen des Exulationsediktes angeschlagen; der Mann mit den entbehrlichen Schriftzeichen hatte hier die zwecklose Buchstabenverschwendung zu einer Orgie ausgestaltet. Und wie ein Herrscher sich umgeben sieht von seinen Generälen und Soldaten, so war das große Papierquartett der Landsverweisung aller Evangelischen im Ring umnagelt mit allen Polizeiverboten, die aus dem Schoß der Bekehrungswochen herausgesprungen waren. An diesen weißen Zetteln ging der stille Strom der Kirchgänger vorüber. Und ging vorüber an einem wunderlich blickenden Menschen, der auf den Marmorstufen des Marktbrunnens hockte, zwischen den Armen ein schlummerndes Bübchen, auf dem Bauernhut drei von Sonne und Regen verblichene Trauerbänder. Jedes Mal, wenn zwischen den Weibsleuten ein Mannsbild an ihm vorüberging, rief er mit erwürgter Stimme die gleichen Worte: "Höi! Luset! Kauft nit einer meinen Hausrat, meine Küh und meine Geißen, mein Feld und mein Futter? Ich geb's um den halben Preis. Bloß der Gerstenacker muss mein bleiben für den gottsfreien Blumenwuchs. Da soll man nit misten und mähen. Das ander alles kann einer haben um den halben Preis." Ein sonderbares Lächeln. "Jeder kann's kaufen. Alles ist gutkatholische War." Die Leute sahen den Christl Haynacher in Erbarmen an oder schüttelten die Köpfe. Manche erkannten ihn nimmer. Er hatte sich verändert. Sehr.

Nach der Woche ohne Mond und Sonne, die ihm das Versöhnungsschießen eingetragen hatte, war Christl Haynacher ein geduldiger Mann geworden. Er versorgte seine Kühe und Geißen, kochte für sein Bübl das Mus, richtete unverdrossen auf dem Grabhügel seiner Martle ein neues Kreuz wieder auf, wenn das andere verschwunden war, schreinerte schließlich die nötigen Kreuze im Vorrat für eine ganze Woche, und verschwieg gehorsam die polizeilich verbotene Geschichte vom gottseligen Absterben seines Weibes. Nur von dem heiligen Mirakel erzählte er, das seine zwei "Preußenkinderlen" aus der Armeseelenkammer in den Glanz des Himmels hinauf gehoben hatte. So blieb er, bis der Kanzler von Grusdorf aus Gründen der Staatsräson in der geduldigen Ergebung des Christl Haynacher einen Wandel hervorrief. Unter Androhung vierzehntägiger Haftstrafe verbot man dem Christl, etwas "Kreuzähnliches" auf das Grab seiner Martle zu stecken, und zwei Dutzend Stockstreiche sollten ihm gewährleistet sein, wenn er nur einem einzigen Menschen noch die Himmelfahrtsgeschichte seines ungetauft-getauften Zwillingspärchens vorschwindle. "So so?", sagte Christl, als ihm Muckenfüßl diese Regierungsverlautbarung aus dem gefährlichen Notizbuch vorgelesen hatte. Das Grab seines Weibes blieb ohne Kreuz, und um das Schweigen leichter zu erlernen, vermied es Christl, mit Menschen beisammen zu sein, wurde erschreckend mager und bekam die Augen eines wilden Tieres.

Vor zwei Tagen hatte man ihn zum Landgericht befohlen. Der Mutter Jesunder war es aufgefallen, dass der Haynacher immer häufiger in der Kirche fehlte. Nun sollte er die schwarze Seele weißwaschen. Während seine verstörten Augen über den Tisch der Gerechtigkeit glitten, sagte er ruhig: "Mein Bübl muss sein Mus haben. Eine Magd kann ich nit bezahlen. Soll ich fleißig die Mess besuchen, so müssen mir die Herren eine Kindsmagd stellen." Trotz andauernden Kopfschüttelns wollte sich aus dem justiziarischen Sauermilchhirn keine verwertbare Butter absondern. Bezahlte man dem Haynacher eine Magd, so musste doch wieder das Mädel die Kirche versäumen. Das war also gehupft wie gesprungen. Und dem Stift kam es billiger zu stehen, wenn der Himmel nur um das Kirchengebet des Christl Haynacher verkürzt wurde. Man musste die Sache auf sich beruhen lassen. Damit aber das Verhör nicht völlig ohne Resultat bleibe, stellte der Landrichter in miraculi sororum geminarum causa an den Christl allerlei schwerbegreifliche Fragen. Der wortkarge Haynacher, als er merkte, dass ihm das Reden nicht nur gestattet, sogar befohlen war, wurde überaus gesprächig, bekam einen heilig entrückten Blick und schilderte das gottschöne Wunder seiner Martle so genau, als wäre er selbst dabei gewesen. "Und schaut, lieber Herr, da ist's in der Finsternis allweil heller worden. Wie die Sonn an einem Frühlingsmorgen, so ist der lichtscheinige Himmelsglanz hergefallen über das gottsliebe Pärl. Zwei treue Mutterhändlen haben herausgelangt aus der Höh -"

"Ssssssso?" Der Landrichter ließ den Puder seiner Wuckelperücke nebeln. "Feldwebel! Schmeiß er das besoffene Schwein aus meiner Kanzlei!" Das geschah. Und wie es geschah, in einem so gottsheiligen Augenblick, das richtete im Verstand des Christl Haynacher eine so verheerende Wirkung an, dass er wie ein Verrückter hinüber lief zur Exulationskommission und sich einschrieb in die Liste der evangelischen Emigranten, mit der ausdrücklichen Beifügung: "als gutkatholischer Christ". So ganz verstört war er, dass ihm bei der Eintragung sein Bübchen nicht einfiel. Und nun bot er schon den zweiten Tag seine Habe zum Verkauf: "Ich geb's um den halben Preis! Bloß der Gerstenacker soll bleiben für den gottsfreien Blumenwuchs. Da soll man nit misten und mähen." Immer dünner wurde der Zug der Kirchgänger. Jetzt öffnete sich die Tür eines nahen Hauses, und würdevoll erschienen die vier entbehrlichen Federstriche, mit großer Aktenmappe, mit tadellos überpudertem Gehirnpelz. Missmutig musterten die kleinen Mausaugen die frisch geweißte Hauswand. Sei es, dass man die tünchende Schicht zu dünn genommen, sei es, dass die Feuchtigkeit der Morgenluft den Kalk transparent machte, so oder so, das vierzeilige Lied, das ein unerforschbarer Missetäter mit roter Farbe auf diese Mauer geschrieben hatte, leuchtete deutlich durch:

"Du Christenschnufler, Du Gottsentdecker,
Tust du als fleißiger Seelenschmecker
Dem Inkulpaten durch's Nasenloch gucken?
Oder musst Du Dich tiefer bucken?"

In Anbetracht der Gedankenspiele, die das doppelhöckerige Justizgehirn des Landrichters durchkribbeln mussten, konnte man, als sein Scharfblick von der getünchten Mauer hinüber glitt zum Christl Haynacher, eine Besserung seiner Laune kaum erhoffen. Dennoch kam sie. Mit einem fast heiteren Lächeln blieb er vor dem Bauer stehen. "Nun? Er hat sich ja, wie ich höre, inskribieren lassen als Exulant?"

"Wohl, Herr!" Langsam hob der Christl die tief liegenden Augen. "Aber nit als Evangelischer. Ich und mein Bübl, wir bleiben gutkatholische Christen bis zur erlösenden Sterbstund."

Das Lächeln des Landrichters wurde noch fröhlicher. "Ich observiere mit Satisfaktion, dass er seinen Deszendenten ausdrücklich als katholisch nominiert und will es ad notam nehmen." Dieses Deutsch verstand der Christl nicht. Er guckte stumm. "Aber meint er nicht, mein guter Haynacher, dass es, wenn, auch außerdienstlich, ein hoher Gerichtsbeamter mit ihm spricht, generaliter empfehlenswürdig wäre, sich vom Sitzfleisch zu erheben?"

"Das geht nit, Herr, mein Bübl schlaft. Es hat nit schlafen können die ganze Nacht. Ein bissl Ruh, Herr, muss man einer Menschenseel vergönnen."

"Ja. Gut! Bleib er also sitzen! Aber hat diese Schlafsucht seines Kindes nicht eine andere Ursache? Man hat mir rapportiert, dass er viel mit seinem Bübchen redet, auf eine sonderbare Weise."

"So so?" Der Bauer legte den Hut mit den Trauerbändern auf die Marmorstufe und strich sich mit der Hand übers Haar, das hinter dem rechten Ohr einen weißlichen Fleck bekam, vom vielen Kratzen.

Im Blick des Landrichters glänzte die Freude eines inquisitorischen Fundes. "Da erzählt er wohl jetzt seinem Kind, was den Leuten zu erzählen ihm verboten ist?"

"Gott bewahr!" Christls Augen funkelten wie Wolfslichter. "Ich tu allweil gehorsamen, Herr!"

"Was schwatzt er dann immer mit seinem Kind?"

"Ich tu nit schwatzen, Herr! ich tu dem Bübl, wenn es nit schalfen kann, ein Liedl singen."

"Man rapportiert mir aber, das wäre geredet, nicht gesunden."

Ein hartes Lachen irrte um Christls aschgraue Lippen. "Jeder singt, wie er's kann. Und wie man ihn lasst." Der Haynacher erhob sich, schmiegte das wach gewordene Bübl an seine Brust und sagte fromm: "Gelobt sei Jesuchrist und die heilige Mutter Marie, drietausendmal in Ewigkeit Amen!" Ehe die vier überflüssigen Buchstaben denkfähig wurden, war der Haynacher schon davongegangen. Erst nach einer Weile vermochte Doktor Halbundhalb die Wahrheit zu ergründen: Es handle sich da um einen schwachsinnigen Menschen, der, als Inskribierter, nicht im klaren war über die politische Zuständigkeit seiner eingestandenermaßen katholischen Deszendenten. "Man kann das Kind einem solchen Narren nicht länger überlassen. Das wäre unmenschlich." In diesem Gedankengang wurde der Landrichter durch einen jungen, schon zu körperlicher Rundung neigenden Klosterbruder unterbrochen, der aus dem Stiftshof herauskam und auf ihn zutrat. Obwohl er glatt rasiert war, erinnerte er merklich an den Grenzmusketier mit dem zottigen Faschingsbart. Das gedunsene Gesicht sah ein bisschen ermüdet aus, ein bisschen abgehetzt. Die Hände in die Kuttenärmel geschoben, verneigte er sich demütig und sprach ein paar leise Worte - nicht: "Gelobt sei Jesus Christus!" - er sagte was anderes und flüsterte vom Leupolt Raurisser. Doktor Willibald stutzte. Rasch verschwanden die beiden in der Torhalle des Stiftes.

Eine Viertelstunde später trabten auf flinken Gäulen zwei Dragoner und ein berittener fürstpröpstlicher Jäger gegen die zum Hallturm führende Straße hinaus, vorüber am aufblühenden Freudengärtl der allergnädigsten Aurore de Neuenstein, die eben aus ihrem Schlafzimmer auf das zierlich verschnörkelte Altänchen heraustrat, um in der milden Sonne des schönen Lenzmorgens ihre Schokolade einzunehmen. Trotz der frühen Stunde trug das kindhafte Fräulein kein bequemes Deshabillé, sondern war schon geschnürt, wenn auch nicht völlig zur zarten Wespentaille wie sonst. Frisiert war sie noch nicht, aber schon geschminkt und schön bepflastert. Sehr reichlich. Sonst hatte sie nur immer zwei Schönheitspflästerchen neckisch verwendet. Jetzt trug sie ein halbes Dutzend. Das hatte unliebsame Ursachen. Ihr holdes Unschuldsgesichtchen war seit einiger Zeit ein bisschen verpustelt, als wäre sie eine Liebhaberin heftig gewürzter Speisen geworden. Auch schien sie von dem Familienübel derer von Grusdorf befallen zu sein: Von der Gicht. Täglich nahm sie ein gesalzenes Bad, so heiß, wie es eine zarte Menschenhaut nur mit Aufwand größter Tapferkeit zu ertragen vermag. Auch an seelischen Depressionen krankte sie und wurde häufig von Weinkrämpfen befallen, wie ein den weißen Mäuschen zuneigender Zechbruder sie im besoffenen Elend zu bekommen pflegt. Doch an jedem Abend, wenn der Landesherr sich mit seiner Freundin en titre zur gemeinsamen Mahlzeit setzte, wurde Aurore de Neuenstein überraschend liebenswürdig, sprühte von Heiterkeit und wusste ihren maître adoré in eine Stimmung zu versetzen, die ihn seiner vielen abtrünnigen Subjekte völlig vergessen ließ. In solch einer gutgelaunten, für köstlichen Nachtschlaf sorgenden Stunde äußerte er einmal die anerkennende Meinung: Einer reizvolleren Freundin könne sich auch der König von Polen nicht erfreuen, dem doch bekanntlich die größte Auswahl zur Verfügung stünde.

Dankbar für ein so ehrenvolles Kompliment, überbot sich Aurore de Neuenstein in entzückenden Munterkeiten, die ihr um so leichter gelangen, weil Graf Tige, an langwieriger Verkühlung leidend, sich chronisch von der intimen Tafel der Allergnädigsten exkusieren ließ. Das nannte Herr Anton Cajetan "so verwunderlich wie das unerforschbare Rätsel der Armeseelenkammer". Nicht ganz begreiflich war ihm auch der Zustand andauernder Feindseligkeit, der zwischen seiner niedlichen Freundin und ihrem morosen Onkel von Grusdorf zu bestehen schien. Bei einer Diskussion dieses erstaunlichen Familienzwistes vergaß Aurore de Neuenstein wieder einmal ihrer feinen Pariser Bildung und schwäbelte in bebendem Zorn: "E rechts Kameel isch'r. Wo was schief geht im Ländle, isch'r ratlos und weiß koi Mittel nit." Sie selbst erschrak über diesen heimatlichen Ausbruch ihrer dunkelsten Unruhe. Herr Anton Cajetan aber hatte nur eine politische Wahrheit herausgehört, die ihn nachdenklich klagen ließ: "Ein großer, in allen Relationen versierter Staatsmann ist so selten, wie ein reiner Engel auf Erden." Er küsste galant das Händchen seiner verblüfften Freundin, die erleichtert aufatmete. Über solch jähes Erschrecken, wie über das ruhelose Misstrauen, von dem sie stets erfülllt schien, konnte sie nie einen völlig hüllenden Schleier ziehen. Wenn die harmloseste Sache geschah, wenn der Klopfer an ihrem Gartentor gerührt wurde, wenn ein Lakai erschien, wurde sie immer zuerst von einer heftigen Konfusion befallen, bevor sie ihre Kontenanz und ihr unschuldsvolles Lächeln wieder fand. Und als sie auf ihrem Altänchen das Hufgeklapper hörte und die beiden Dragoner in Begleitung eines fürstpröpstlichen Jägers so hurtig traben sah, erschrak sie à tel point, das sie unter der rosigen Schminke erblasste. Allerdings, diesmal entbehrte ihr Schreck auch einer realen Beziehung nicht. Vor einigen Tagen hatte sie, für alle unvorhergesehenen Fälle, ihre kostbarsten Schmuckstücke, die Mehrzahl ihrer Pariser Toiletten, ihre feinste brabantische Spitzenwäsche und zwei schwere Kassetten mit klug ersparten Dukaten nach Reichenhall geschickt, über die berchtesgadnische Grenze. Just dieser Grenze trabten die zwei Dragoner und der fürstpröpstliche Jäger entgegen, mit einer Eile, als hätten sie auf amtlichen Befehl was flüchtig Gewordenes wieder einzufangen. In der ersten Bestürzung zeterte Aurore de Neuenstein: "Soldate! Soldate! Was isch denn? Halt! Ihr saudumme Kerle, höret ihr denn nit?"

Sie hörten nicht. Und die Allergnädigste verbrachte eine qualvolle Stunde, bis ihre Zofe aus der Pflegerkanzlei die beruhigende Nachricht brachte, dass die drei nur davon geritten wären, um den Leupolt Raurisser wegen Teilnahme an einer nächtlichen Fürsagung dem Aufenthalt ohne Mond und Sonne entgegenzuführen. Zur Beruhigung des überstandenen Nervensturmes nahm Aurore de Neuenstein ein dampfendes Salzbad, ungefähr um die gleiche Stunde, in der die drei Berittenen die Grenzwache beim Hallturm erreichten. Hier gabs einen Aufenthalt. Vornehme Gäste wurden feierlich empfangen, der Gesandte des Königs von Preußen mit seinem Geleitsoffizier, dem Obristen von Berg. Eine Eilstafette musste absausen, um dem fürstpröpstlichen Hof die Ankunft des Gesandten zu melden. Erst, als die beiden Herren im Schritt davon ritten, hinter einer Ehreneskorte von sechs Dragonern, fanden die drei, die zum Hiesel Schneck wollten, einen Führer.

Das kleine Jägerhaus lag schweigsam, mit verschlossener Tür. Im offenen Geißstall plätscherte was. Als die Soldaten durch den niederen Einschlupf guckten, erschrak das Schneckenweibl fürchterlich. Die drei sprangen auf die Stubentür zu und fanden den Hiesel schnarchend im Bett. "Kerl, was liegst Du am lichten Tag in den Federn? Das ist verdächtig." Mit einer an ihm seltenen Beweglichkeit des Geistes antwortete Schneck: "Heut in der Nacht bin ich beim Hahnverlusen gewesen. Verstehst?" Der fürstpröpstliche Jäger bestätigte: "Alweil schlaft man nach dem Hahnverlusen." Er wandte sich an Hiesel: "Deintwegen kommen wir nit. Wo ist der Raurisser?"

Schneck, dem das Blut in die Stirn fuhr, nahm seine Zuflucht zu einem gesunden Himmelhund: "Kreuzteufel und Höllementsnoterei, was weiß denn ich?" Damit der Schläfer auf dem Heuboden erwachen und durch eine Dachluke entspringen möchte, schrie er aus Leibeskräften: "Ich bin doch nit dem Leupi seine Kindsmagd! Wird halt draußen im Wald sein. Das hat er nit schmecken können, der Leupi, dass die Dragoner kommen." Das Wort war wie ein Trompetenstoß. Droben über der Stubendecke ein leichtes Gepolter. "Gott sei Dank," dachte Hiesel, "jetzt fahrt er davon!" Dabei tat er, um jedes Geräusch da droben zu übertonen, einen brüllenden Fluch um den andern und strampelte mit den Beinen gegen die Bettlade. Er war ein prächtiges Mannsbild, der Schneck, nur kein Menschenkenner. An der Decke wurde die Stiegenklappe gehoben, und man hörte eine ruhige Stimme sagen: "Ich bin daheim. Und komm schon. Gleich." Die Schneckin heulte in ihre Schürze, und Hiesel knirschte wütend gegen die Wand: "So ein Rindviech, so ein ehrenhafts!"

Leupolt kam über die Stiege herunter, in dem verwitterten Bergjägerkleid, das er in der Nacht getragen hatte. "Was soll's, ihr Leut?"

"Du musst mit uns. Befehl der Stiftskanzlei."

"Gut!" Seine Augen glänzten. Als ihn die Dragoner packten, ihm die Hände hinter den Rücken zogen und den Strick um die Gelenke schnürten, sagte er lächelnd: "Das wär nit nötig. Ich geh gutwillig. Jetzt ist kein Weg nimmer, der nit der Erlösung zulauft." Er drehte das Gesicht. "Vergelts Gott, Mutter Schneckin! Für alles. Und Vergelts Gott, Hies! Dir bleib ich gut." Er trat hinaus in die Sonne, die drei andern hinter ihm. Mit einem fürchterlich gestichelten Himmelsköter sprang Hiesel Schneck aus dem Bett heraus, im Hemd. Das war seit vierzig Jahren, trotz seltener Wäschen, ein bisschen eingegangen und kurz geworden. Man sah, was man nicht sehen wollte. Der Hiesel hatte mager geselchte Beine, fast so haarig wie Ziegenläufe. Gar nicht appetitlich sah er aus. Dennoch war etwas Schönes an ihm, als er die schüttelnden Arme hob und hinaufklagte zur schwarzen Stubendecke: "Herrgott, Herrgott, was für eine Welt ist das, verstehst! Wo der Redlichste nimmer sicher ist seiner Haut und Seel!" Eine knirschende Wut befiel ihn. "Her da, Schneckin! Her zu mir!" Er machte mit dem Zeigefinger eine Bewegung, wie schlechte Hundepädagogen sie zu machen pflegen, wenn sie einen widerspenstigen Teckel heranbefehlen. Als er das schluchzende Weibl umklammert hielt, brüllte er in seinem ehrlichen Menschenzorn: "Jetzt, Schneckin, verstehst, jetzt hat der christliche Hafen bei mir ein Loch. Heut in der Nacht, verstehst, da bin ich noch allweil kein richtiger Evangelikaner gewesen. Jetzt bin ich einer. Gottsherrgottsakerment, ich exulier, ich exulier und ich exulier, jetzt grad mit Fleiß! Verstehst, Alte?"

"Wohl, Schneck, versteh schon!", weinte sie. "Aber ehnder Du exulieren kannst, musst Du allweil ins Hösl schlupfen! Verstehst?" Der Hiesel verstand nicht. Er sprang unter einem Himmelhund, der so lang wurde wie eine Wagendeichsel, zum kleinen Fenster hin und legte sich, um hinauszugucken mit beiden Armen in die Nische. Dadurch wurde das kurze Hemd noch kürzer. Auch die Stimme des Schneck erinnerte an ein klagendes Kind: "Herr Jesus, Jesus, Schneckin, jetzt binden die Saubrüder, die Gott verfluchten, den Buben an die Rösser an!" So schrecklich, wie es für den Hiesel aussah, war es in Wirklichkeit nicht. Als die zwei Dragoner aufgestiegen waren, knüpfte jeder ein Ende des Strickes, mit dem sie Leupolt gefesselt hatten, an den Sattelknauf. Und fort. Der Jäger zwischen den beiden Gäulen. Die hatten keinen allzu langen Schritt. Da war schon mitzukommen. Aber sobald die Reiter auf der breiten Straße waren, fingen sie zu traben an, weniger aus Diensteifer als aus Neugier. Sie wollten den Einzug des preußischen Gesandten zu Berchtesgaden nicht versäumen. Leupolt musste springen, verlor den Hut und sagte: "Leut! Mein Hütl! Haltet ein bissl!"

Ein Dragoner lachte: "Wo Du hinkommst, brauchst Du kein Hütl nimmer. Sei froh, wenn Du den Kopf behaltst." Und weil er sah, wie flink der Leupolt Raurisser zu springen verstand, begann er den Gaul zu spornen, als wäre er neugierig, welcher von beiden der bessere Springer wäre, der Jäger oder das Ross. Die gefesselten Hände hinter dem Rücken, den Kopf in den Nacken zurückgelegt, das Gesicht umweht von den feuchten Strähnen des Blondhaares, die Brust nach vorne geschoben, mit ruhig pumpenden Atemzügen, so sprang der Jäger und war nicht langsamer als die Gäule. In seinen Augen schwamm ein heißer und froher Glanz, in seiner Seele der Gedanke: "Dort, wo ich hin spring, ist der Helfer und mein Glück." Die Dragoner, die für ihre Gäule ehrgeizig wurden, begannen zu galoppieren. Leupolt sprang, ein Lächeln um den halb offenen, durstig atmenden Mund. Der junge, schlanke, stahlsehnige Jäger, der das Beste seiner Kraft herausholte, aus den beschwingten Gliedern, bot einen Anblick, dass der Herrgott, hätte er auf ihn heruntergeschaut, in Stolz und Freude hätte sagen müssen: "Wie schön und kraftvoll ist der Mensch, den ich erschuf!"

Schon tauchten die Dächer und der Kirchturm von Bischofswiesen über die Hügel. Auf der harten Kalksteinstraße war der hämmernde Hufschlag weit zu hören. Nahe den ersten Häusern ritten im Schritt die sechs Dragoner, die man dem preußischen Gesandten als Ehreneskorte gegeben hatte. Der junge Oberst, mitten im französischen Geplauder, drehte das Gesicht nach Art eines wachsamen Soldaten, sah den springenden Menschen zwischen den beiden hetzenden Gäulen, erkannte den Jäger, riss unter einem kurzen Laut das Pferd herum und jagte den Dragonern entgegen. Ein Dutzend Schritte vor ihnen verhielt er den Fuchs und steckte die Reitpeitsche seitwärts, als wär es eine Schranke, über die es kein Hinüber gab. "Ne bougez pas! Gredins!" Seine Augen blitzten. In der Gewohnheit der Sprache, die ihm geläufiger war als die Sprache der Heimat, quirlten die jähzornigen Worte aus ihm heraus: "Hé! Vous! Êtes-vous des soldats allemands ou des bourreaux? Rendez la liberté à cet homme! Wollt ihr? Hein? Gebt den Mann da frei!" Danckelmann, mit Sorge in den Augen, kam herangetrabt und wisperte französische Worte. "Ach wat!" Ein unwilliges Kopfschütteln. "Det duld ick nich. Sei es uff preußischem Sand oder fremdem Boden." Der junge Oberst gab dem Fuchs einen Sporendruck und trieb ihn gegen die beiden Dragoner hin. "Wat hat der Mann da verbrochen?" Die Dragoner, ohne zu antworten, machten verdutzte Köpfe, und Leupolt, zwischen den schnaufenden Gäulen, stand aufrecht, mit glanzvollen Augen, so kraftvoll atmend, dass ihm die Schultern und der Brustkorb auf und nieder gingen. "Habt ihr Wolle in den Ohren? Ick frage, wat der da verbrochen hat."

Verdrossen murrte einer von den Dragonern: "So ein luthrischer Siach ist er."

"Wat?" Eine rasche Wendung gegen den Geheimrat: "Est-ce que vous avez compris? Moi pas."

Danckelmann verdolmetschte: "Il prétend que le ehasseur est un de ces infâmes luthériens."
"Oh?" Der junge Oberst lächelte. "Sonst hat er nischt verschuldet?"

"Nit um ein Härlhaar!", sagte der Fürstpröpstliche. "Ist allweil der Beste von unserer Jägerei gewesen."

Gegen den linken Dragoner hin reitend, befahl der junge Oberst: "Er! Vom Gaul herunter!" Weil der Dragoner zögerte, wurde die Stimme schärfer. "Kennt er keenen Offizier nich? Runter vom Gaul! Den Mann da vom Strick!" Jetzt stieg der Dragoner aus dem Sattel; während er den Strick vom Gaul und von Leupolts Händen nestelte, brummte er immer vor sich hin, nicht freundlich. Der junge Oberst lachte. "Na, Kerl, er kann sich seinem Herrgott rekompensieren, dass er keen Preuß nich is. Sonst säß er morgen im verdienten Loch."

Als Leupolt frei war, hob er die leuchtenden Augen. "Vergeltsgott, Herr! Man spürt, dass der Helfer kommen ist."

"Zeig er mich seine Hände!" Sich niederbeugend, betrachtete der Oberst neugierig die weißen Narbenbänder, die sich um Leupolts Handgelenke zogen. Man sah nur die eingewürgten Striemen, kein Blut. Wieder ein heiteres Lachen. "Det luthrische Leder is dauerhaft. Kann er reiten? So steig er uff den leeren Gaul! Und komm er an meine Seite." Der junge Offizier in der Mitte, Danckelmann zur Rechten, der hutlose Leupolt Raurisser zur Linken, so ritten die Drei davon. Immer schwatzte der Oberst mit dem Geheimrat. Plötzlich wandte er das fröhliche Gesicht dem Jäger zu: "Wie lange hat er so springen jemusst?"

"Vom Hallturm bis zu Euch, Herr!"

"Parbleu!" Ein drolliges Staunen war in den großen Stahlaugen. "Mir jeht die Puste aus, wenn ich hundert Sprünge mache. Wat muss er Luft in den Lungen haben und Schmalz in die Beene." Französisch zu Danckelmann: "Das wird ein Preuße, um den der Ritt sich gelohnt hat." Der Lachende verstummte, seine Augen glitten staunend ins Weite. Hinter dem Untersberg und seinen vor gelagerten Waldnasen hatte der hohe Göhl sich hervor geschoben, die ganze herrliche Silberkette bis zum Steinernen Meer. Und ihr zu Füßen der keimende Frühling. "Wie schön ist das!" In enthusiastischem Entzücken, mit einem Wirbelsturm von Worten, schüttete der Begeisterte alle Freude einer andächtigen Knabenseele aus sich heraus. Und griff hinüber zum Arm des Jägers, mit einem Ton, der etwas Beleidigendes hatte: "Kerl, sonne Heimat verlässt er?"

Leupolts Stirne wurde heiß. Dann tat er einen tiefen Atemzug und sagte ruhig: "Man tut's nur um Gottes wegen."

Der junge Oberst blieb stumm, war nachdenklich, saß gebeugt im Sattel und blickte immer vor sich hin. Jetzt ein Aufzucken, ein ernster Blick auf den Geheimrat. "Danckelmann!" Nach diesem deutschen Namen die französischen Worte: "Nun beginne ich die Menschen erst zu begreifen, die wir gesehen haben in dieser Nacht. Welch ein Gott verlorener Esel muss ein Fürst sein, der solche Untertanen über die Grenze jagt. Von diesen Christen soll Preußen noch Gewinn haben. Und ich will sorgen dafür, dass sie Gewinn haben von Preußen." Sie hatten die ersten Häuser von Bischofswiesen erreicht. Es kamen die Brandstätten, die geplünderten Ställe. Der schweigsam gewordene Offizier, mit vorgeschobenem Gesicht, ließ immer die Augen gleiten. Er schien nur das Bild der Verwüstung zu sehen, nicht die Musketiere, die neben der Straße salutierten, nicht die Männer und Burschen, die zu den Zäunen gesprungen kamen, ein hoffendes Erkennen im Blick. Mit einem Laut des Ekels wandte er sich von einer Wiese ab, die überstreut war mit zertrümmertem Hausgerät, und sagte französisch zu Danckelmann: "Trab! Dieser Lieblichkeit muss man entrinnen. Wir Deutsche mögen viel Gutes haben. Witz und Geist besitzen die Franzosen. Nur ihre Sprache konnte das aktuelle Wortspiel ersinnen: chrétien, crétinisme." Er ritt, mit gebeugtem Kopf, ritt immer schneller, hielt die Augen halb geschlossen und hatte was Greisenhaftes in dem jungen Gesicht. Schon lange war das verwüstete Dorf hinter grünenden Hügeln verschwunden, als Leupolt sagte: "Da kommen die berchtesgadnischen Herren."

Der Oberst straffte ruckartig den Körper, ließ den Geheimrat vorausreiten, war verwandelt in einen anderen Menschen, war jung, war liebenswürdig, aufmerksam auf jedes Wort, und machte, während Danckelmann den Obristen von Berg als seinen Begleitoffizier den zwei Kapitelherren vorstellte, so graziöse Komplimente, als hätte die erfahrenste Dame der großen Welt sie ihm einstudiert. Graf Tige begann über dieses zierliche Wesen zu schmunzeln und flüsterte dem Domizellaren von Stutzing in die Perücke: "Der? ein Soldat? Ach nein! Das ist ein maskierter Tanzmeister." Besser schien der junge preußische Offizier dem Grafen Saur zu gefallen. Der Kapitular fand während des Weiterrittes Vergnügen an dem eleganten Französisch, das gespickt war mit prickelnden Wortspielen, mit enthusiastischen Hymnen auf die Schönheit des berchtesgadnischen Landes. Mitten im heitersten Geplauder wurde der junge Oberst ernst: "Cher comte! eine Angelegenheit, die mir dringlich erscheint! Ein Mann wurde entgegen den Reichsgesetzen in brutaler Weise wie ein Verbrecher misshandelt, nur weil er Protestant ist. Ich habe den Schuldlosen unter meinen Schutz genommen und stelle die Bitte, dass mir dieser Landkundige für die Dauer meines Aufenthaltes zugeteilt werde zu meinem persönlichen Dienst."

"Ich glaube das zusagen zu können, auch ohne Rücksprache mit meinem Allergnädigsten. Wer ist der Mann?"

"Der da hinten auf dem Dragonergaul, der junge Mensch ohne Hut."

Graf Saur wandte die Augen und schien sehr unliebsam berührt zu sein; doch höflich sagte er: "Ihr Wunsch, Herr Oberst, ist bewilligt. Seine Liebden der Fürstpropst werden meiner Ansicht beistimmen."

Das Wohlgefallen, das Graf Saur an dem preußischen Offizier gefunden hatte, schien erloschen zu sein; er wandte sich im Gespräch fast nur an Danckelmann.

Lächelnd und schweigsam, mit ruhelos gleitenden Augen, ritt der junge Oberst neben den beiden her.

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