Ludwig Ganghofer

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Ludwig Ganghofer - Edelweißkönig

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Kapitel 10

Als Beverl aus ihrer Ohnmacht erwachte, waren die klatschenden Schläge des Regens auf ihrer Wange das erste, was sie empfand. Die kalte Nässe ermunterte sie rasch - und da fühlte sie plötzlich, dass ihr Haupt an einer Schulter ruhte, dass ein Mantel ihren Körper eng umschlang, und dass sie von zwei starken Armen durch Sturm und Nacht getragen wurde. Im gleichen Augenblicke erinnerte sie sich an alles und meinte zu verstehen, was mit ihr geschah. Ein seltsames Gefühl, halb Schreck halb wonniger Schauer, durchzuckte sie bei dem Gedanken, dass es nun wirklich so gekommen war, wie sie in ihrer Not geträumt und gehofft hatte: Der beschworene Alf war ihr erschienen, hatte sie auf seine Arme gehoben und trug sie wohl jetzt der Almenhütte zu.

Gerne hätte sie, als wieder einmal ein Blitz die Nacht erhellte, emporgeschaut in das bleiche Geistergesicht, aber sie fand nicht den Mut dazu. Und dennoch empfand sie keine Furcht. Was hätte sie auch von dem Alfen fürchten sollen, von dem ihr einst der Vater nicht genug des Guten zu erzählen gewusst hatte, und mit dem sie seit langen Jahren schon, in Gedanken und Träumen wenigstens, auf so vertraulichem Fuß stand. Was ihr geschah, das war ja ihrem Glauben nach ein seltenes Glück, wie es unter Tausenden kaum einem widerfährt. Sie sagte sich das im stillen vor, drückte fest die Augen zu und fühlte sich ordentlich wohl bei dem Wiegen und Schweben auf diesen starken und sicheren Armen. Es war ihr, als ging es wie im Flug durch die Nacht, während in Wahrheit doch ihr Reiter mit ängstlicher Vorsicht über das raue Geröll dahin schritt und sich in der sturmerfüllten Finsternis mit schwerer Mühe einen Weg durch die wirren, triefenden Latschen bahnte.

Inmitten des Gebüsches heilt er still, und Beverl sah beim rasch verflackernden Schein eines Blitzes, wie dicht vor ihr ein mächtiger Felsblock, als hätte ein Zauberwort ihn bewegt, langsam zur Seite rollte. Gleich darauf war es ihr, wie wenn sie mit jenem, auf dessen armen sie ruhte, in die Erde zu versinken begänne. Erschrocken fuhr sie zusammen, und während hinter ihr ein dumpfer Schlag sich hören ließ, als hätte sich eine schwere Pforte geschlossen, stammelte sie mit zitternden Lippen den Namen des Erlösers und der heiligen Jungfrau.

Da schlossen sich die beiden arme fester um ihren Leib, und an ihr Ohr schlug eine traulich klingende Stimme: "Musst Dich net fürchten, Beverl, es g'schieht Dir nix! Und is Dir schon wieder besser, sag? Ja? Gott sei Dank!"

Gott sei Dank! Dieses eine Wort gab ihr allen verlorenen Mut zurück. Was Übles konnte ihr von einem Geist widerfahren, der vor den heiligen Namen, die sie gesprochen, nicht in Rauch und Luft zerfloss, der selbst den lieben Herrgott auf den Lippen führte? Da konnte es ihr nun gleichgültig sein, ob er sie zur Almenhütte trug, oder in sein eigenes "Geisterg'höhl". Sie wusste, dass er sie vor dem Sturm schützte und ihren Fuß heilen würde - das Wie war seine Sache. Und wie gut er ihren Namen wusste! Aber freilich, so ein Berggeist, der in seinen freien Stunden unsichtbar umeinander spaziert, kennt ja alle Leute talauf und talab, die Alten und die Jungen, die Lebendigen und die Verstorbenen. Und wie freundlich er zu ihr geredet hatte, um ihre Angst zu vertreiben! Dass seien Stimme ihr so seltsam bekannt klang, als hätte sie dieselbe schon einmal gehört, das verwunderte sie gar nicht. Sie hatte ja von ihrem "Vaterl" oft genug vernommen, dass ein guter Geist, wenn er guten Menschen erscheint, mit einer ihnen wohlbekannten Stimme zu ihnen redet, damit sie vor ihm nicht erschrecken möchten, und dass er aus gleichem Grund manchmal sogar bei seinen Erscheinen die Gestalt und die Züge von jemand annimmt, der ihnen leib und teuer ist. "Leicht sieht er gar mei'm Vaterl gleich?", so dachte Beverl, denn wer in der weiten Gotteswelt hätte ihr lieber und teurer sein sollen als ihr Vaterl selig. In banger Spannung sah sie bei diesem Gedanken den kommenden Stunden entgegen, in denen sie das Gesicht des Edelweißkönigs "ganz g'nau" zu betrachten sich vornahm.

Wohl hob sie jetzt schon mit einem mutigen Blick die Augen, aber undurchdringliche Finsternis lag um sie gebreitet. Sie fühlte nur, dass es tiefer und tiefer ging, wie über steinerne Stufen, dann wieder geradeaus und wieder tiefer, bald zur Rechten, bald zur Linken. Es musste ein schmaler Felsengang sein, durch den sie getragen wurde, denn sachte streifte sie bald mit den Haaren, bald mit einer Fußspitze die Wände - und da staunte sie, wie jener, der sie trug, so rasch und sicher seinen Weg durch diese Nacht zu finden wusste. Aber freilich, Geister haben ja Augen, mit denen sie zur Nachtzeit besser sehen, als Menschenaugen am hellen Tag.

Mit jeder Sekunde steigerte sich ihre Spannung und das Gefühl des Wundersamen, von dem sie befangen war. Mit jedem Augenblick erwartete sie das Aufflammen eines zauberhaften Lichtes, jetzt und jetzt, meinte sie, müsste sich ihr das unterirdische Reich des Alfen in jener ganzen Pracht enthüllen, die sie in ihren Träumereien sich ausgemalt hatte, und die zu schauen immer und immer das Ziel ihrer stillen Wünsche gewesen war. In dieser Erwartung eines Ungewöhnlichen bestärkten sie die seltsamen, zischenden und pfeifenden Laute, die sie manchmal vernahm, das geisterhafte Flattern, das ab und zu an ihrem Haupt dicht vorüber zu suchen schien, das dumpfe Dröhnen und Knattern, welches sich von Zeit zu Zeit erhob, und das geheimnisvolle Murmeln und Rauschen, das von Sekunde zu Sekunde deutlicher hörbar wurde, das bald wie nahe, plaudernde Stimmen klang und bald wie fernes Gelächter.

Nun plötzlich verhielt ihr Retter die Schritte, lockerte den Mantel, der sie umhüllte, und während sie ihn sagen hörte: "So, Beverl, schau, da kann Dir kein Sturm nimmer an und kein Regen," ließ er sie nieder gleiten auf die Erde. Kaum aber, dass sie auf die Füße zu stehen kam, sank sie mit einem leisen Wehlaut in die Knie.

"Ja um Gottes willen! Was hast denn? Du kannst ja net stehn?", so hörte sie ihren Alfen ganz erschrocken fragen. "Bist am End gar recht ungut g'fallen und hast Dir was 'tan?"

"Ja ... am Fuß ... am linken ...", stammelte sie, und fühlte sich im gleichen Augenblick wieder emporgehoben, einige Schritte getragen und achtsam niedergelassen auf ein weiches Lager, während sie die Stimme dessen, der sich ihrer so hilfsbereit erwies, im Ton ängstlicher Besorgnis sagen hörte: "O mein Gott! Ja, jetzt versteh' ich's. Da muss ich ja gleich nachschauen! Aber sorg Dich net! Es wird ja so g'fährlich net sein! Das wird sich schon wieder machen lassen, ja, da weiß ich gar viel, was gut is für so was!"

Freilich, so dachte Beverl und nickte unwillkürlich mit dem Köpfchen, "was gut is für so was," wer in der Welt sollte das besser wissen, als er, der da mit hastigen Schritten sich von ihr entfernte. Sie hörte ein Rascheln und Knistern, sah ein rötliches Licht erglimmen und an einer goldig glitzernden Felswand die helle Flamme einer Fackel auflodern. Sie wandte keinen Blick zur Rechten oder Linken, mit gebannten Augen hing sie an der männlichen Gestalt, deren Umrisse sich scharf von der flackernden Helle abhoben - und da meinte sie gleich zu erkennen, dass diese Gestalt auf ein Haar der Gestalt ihres Vaters gleich, der ja auch eine Joppe getragen hatte, eine kurze Lederhose, graue Strümpfe und genagelte Schuhe. Sie meinte ihn wirklich vor sich zu sehen, wie er oft, wenn er an stürmischen Tagen vom Wald nach Hause gekommen war, am Herd stand und das Feuer anschürte, während das Wasser von ihm nieder troff, gerade so wie von jenem, der dort vor der lodernden Fackel stand.

Nun wandte er sich und kam, in der Hand ein Kerzenlicht, auf das Lager zugeschritten. Beverl saß, zitternd am ganzen Leib, und starrte mit weit offenen Augen in sein bleiches Gesicht, das mit dem gekräuselten Bart und zwischen den braunen, die Schultern berührenden Haaren sich ansah wie das Gesicht eines Jünglings, und dennoch wieder wie das von Kummer und Schmerzen erzählenden Antlitz eines gereiften Mannes.

Dicht vor Beverl blieb er stehen, hob das Licht empor, als wollte er sein Gesicht noch heller beleuchten, und fragte mit einer Stimme von tief ernstem Klang: "Beverl? Kennst mich denn auch? Weißt denn, wer ich bin?"

Sie vermochte kein Wort über die Lippen zu bringen. Während sie keinen Blick von seinem Gesicht wandte, nickte sie nur mit dem Köpfchen hastig vor sich hin. Wie hätte sie ihn nicht kennen sollen? Hatte sie ihn doch selbst gerufen!

"Gelt, gelt, das verschlagt Dir völlig die Red, und 'leicht willst es gar net glauben, dass ich's bin, g'wiss und wahrhaftig," sagte er. "Gelt, das hättst Dir nie net 'denkt, dass Du mich noch einmal zum sehen kriegst. Wie's zu'gangen is, das war aber auch ein Wunder, für das ich mei'm Herrgott nie g'nug net danken kann."

Da meinte Beverl falsch verstanden zu haben. Nicht er, sie selbst war es doch, die dem lieben Herrgott für das Wunder zu danken hatte, welches sie darin erblicken musste, das sie gerade im Augenblick der Not die zaubermächtige Blume gefunden.

"Aber jetzt is ja net Zeit zum reden," hörte sie ihn weiter sagen. "Komm, Beverl, komm, lass mich Dein Fußerl b'schaun."

Er ließ sich auf die Knie nieder, stellte den Leuchter neben sich auf den felsigen Boden und begann an Beverls verletztem Fuß die Schuhriemen zu lösen. So sachte und sorgsam er dabei auch verfuhr Beverl meinte vor Schmerz vergehen zu müssen; aber sie presste die Lippen zusammen und rührte sich nicht.

"O mein Gott, Beverl, o mein," so jammerte er, als er den entblößten, rot verschwollenen Fuß auf seinen Knien hielt, "das schaut sich ungut an." Dann bat er sie, zu versuchen, ob sie den Fuß noch zu bewegen vermochte. Mit aller Gewalt verbiss sie den Schmerz, drehte den Fuß ringsum im Knöchel und rührte die Zehen.

"No also," sagte er und blickte mit einem ermunternden Lächeln zu ihr empor. "Das schaut sich übler an, als wie's is. Da is nix 'brochen und nix g'rissen. Weißt, arg aufg'schürft hast Dich halt ... und natürlich ... das G'lenk ein bissl verprellt und 'leicht eine Flaxen überzogen. Aber sorg Dich net, ich richt Dir Dein Fußerl, Dein arms, schon wieder z'samm, dass gar nix nimmer merkst."

Da erschien auch auf Beverls Lippen ein mutiges Lächeln - alles kam ja, wie sie geträumt und erwartet hatte. Mit ehrfürchtig dankbaren Blicken schaute sie auf ihn nieder, und als er nun den Fuß noch einmal betrachtete und dabei die beiden Hände sanft um den verschwollenen Knöchel legte, fühlte sie durch die Kühle, die von diesen Händen in ihr heißes, hämmerndes Blut überströmte, den Schmerz schon zur Hälfte gelindert.

Jetzt rückte er einen nahe stehenden Holzstuhl herbei, legte den kranken Fuß darauf, damit das "g'sunkene Blut ein bissl verlaufen" könnte, wie er sagte; dann raffte er den Leuchter von der Erde, eilte davon, und als ihm Beverl nachschaute, war es ihr, als verschwände er mitten durch die Felswand ihren Blicken. Regungslos und mit verhaltenem Atem lauschend saß sie; aber sie hörte keinen Tritt, nur das Knistern der Fackel und jenes geheimnisvolle Murmeln und Rauschen. Sie kreuzte die Arme über dem pochenden Herzen und lugte mit scheuen Augen in dem länglich gerundeten Höhlenraum umher, in dessen äußerster Rundung die Mündung des Felsenganges, durch den sie gekommen sein musste, gleich einem schwarzen Trichter sich ausnahm. Staunend betrachtete sie die im Fackelscheine schimmernden und glitzernden Wände, die ihr wie von tausend Edelsteinen übersät erschien. Über diese Wände wölbte sich eine von funkelnden Tropfen und Zacken starrende Kuppel, die bei dem Spiel der zuckenden Lichter und Schatten sich ansah, als tröffe sie von flüssigem Erz - von hellem Gold und Silber, wie Beverl meinte. Der Glaube an die Übernatürlichkeit des Vorganges, der sie hieher geführt hatte und hier festhielt, wurzelte so unerschütterlich in ihr, dass sie unfähig war für jede natürliche Wahrnehmung. Was ihren, aus diesem Glauben geborenen Erwartung nur halbwegs entsprach, das hoben ihre erregten Sinne noch über diese hinaus, und was mit ihnen im Widerspruch zu stehen schien, das wusste sie durch naive Vermutungen und durch die Erinnerung an alles, was der Vater einst dem Kind vorgeplaudert hatte, gar hurtig mit ihrem Glauben in Einklang zu bringen. Wenn also die im Fackelschein flimmernden Tropfsteingebilde für Beverls Augen von Silber, Gold und Edelsteinen zu starren schienen, wenn die zahlreich in den Wandschrunden steckenden Edelweißsträuße ihre Meinung rechtfertigten, dass im "G'höhl" Des Edelweißkönigs das Edelweiß in dicken Buschen aus den Felsen sprießen müsste, so wusste sie auch die nichts weniger als feenhafte Einrichtung der Höhle ihrem Glauben anzupassen. Hatte sie doch von ihrem Vaterl erfahren, dass die guten Geister, als deren erster und bester ihr der Edelweißkönig galt, bei all ihren geisterhaften Eigenschaften "im übrigen akrat wie d'Menschen sind", dass sie hungern und dürsten, trinken und essen - und natürlich, wenn sie essen wollen, mussten sie doch auch kochen, denn ewig diese kalten wurzeln und Kräuter zu nagen, das kann auch dem besten Geistermagen auf die Dauer zuwider werden - und wenn sie kochen wollten und das Gekochte verspeisen, mussten sie doch auch einen Herd haben, oder einen kleinen eisernen Ofen, wie Beverl einen nahe vor sich in einer Felsenecke stehen sah, und mussten Pfannen, Krüge, Schüsseln und Teller haben, wie sie da und dort auf Vorsprüngen und in Spalten der Wände lagen und staken. Und dann - so ein Alf hat ja zur Blütezeit seiner Schützlinge alle Hände voll zu tun. Da mag er oft todmüde heimkehren in sein "G'höhl", und ein Schläfchen mag ihm wohl bekommen. Er wird sich dazu natürlich nicht auf den kalten, harten Felsboden legen - er sagt einen Zauberspruch, wie der Mensch ein Hui, und hat seine richtige Bettlade mit einer weichen Heumatratze, mit einem Polster und zwei schneeweißen Lammfellen darüber, und zum Überfluss noch eine dicke, wollene Decke wider die Kälte, die "so z'mittelst drin im Erdboden" aus allen Felsen haucht. Für Beverls gläubige Augen erschien diese Einrichtung sogar noch als das "größere Wunder", denn, "jedes ixbeliebige Wichtl kann Sachen von Gold und Silber haben", aber "Sachen machen, die doch g'wiss von Gold und Silber sind, und dengerst ausschauen wie von Holz und Eisen, damit ein Menschenkind, wenn's ein Wunder reinführt in so ein G'höhl, net gleich in Gichter fallt vor Schreck und G'staun", das, meinte Beverl, das wüsste doch nicht leicht ein anderer Alf dem guten Edelweißkönig gleichzutun. Wie "zaubermassig g'schickt" er sein musste, das verreiten ihr auch die herrlichen Schnitzereien, die sie überall gewahrte, und mit denen besonders reich eine nischenförmige Wandhöhlung ausgestattet war, darin sich auf einem altarförmigen Aufbau ein zierliches Kästchen ersehen ließ, über welches sich ein Kruzifix mit dem geschnitzten Bild des Heilands erhob. An diesem heiligen Bildnis blieben Beverls Blicke hängen, und je länger sie es betrachtete, desto ruhiger wurde ihr im Gemüt, desto mutiger atmete sie auf, denn unwillkürlich fühlte sie den Alfen, in dessen Reich sie zu weilen wähnte, sich menschlich näher gerückt, jetzt, da sie Einen in ihrer Nähe wusste, der über ihnen beiden stand.

So mutig war sie geworden - und dennoch schrak sie leicht zusammen, als sie jenen, an den sie unablässig dachte, plötzlich vor sich stehen sah, als wäre er aus der Erde hervor gewachsen. Er hielt ein gefaltetes, nasses Tuch in Händen, das sich freilich ansah wie ein grobleinenes "Handfahnl", das aber gewiss irgend ein feenhaftes Gewebe war, welches er beträuft hatte mit wundersamer Arznei. Unter freundlich zuredenden Worten wand er dieses Tuch um Beverls kranken Fuß. Dabei seufzte sie und drückte die Augen zu vor Schauer und Behangen. Ach - wie kalt das war! - Und wie wohl das tat! Nun fasste er sie um den Leib, als wollte er sie auf dem Bett in bequeme Lage bringen, fuhr aber hastig mit dem Armen zurück: "O mein Gott! Dass ich da net schon lang dran 'denkt hab! Bist ja über und über nass. So kannst aber net bleiben ... da tätst mir ja am End noch verkranken!"

Mit einem zögernden Blick streifte sie sein eigenes, bis auf den letzten Faden durchnässtes Gewand. Er gewahrte diesen Blick und sagte, als vermöchte er in ihren Gedanken zu lesen: "Mein, mir schadt's nix! Bei ei'm Leben wie's meinige, weißt, da wird man so was g'wöhnt. Aber Du ... Du därfst mir net so bleiben. Musst schon 's Tüchl weglegen und 's Mieder ... und 's oberste Röckerl wenn abstreifen tätst, das macht ja auch nix. Ich zünd ein Feuer an, das macht ein bissl warm herin, Deine Sachen werden wieder recht schön trocken ... und schau ... scheuen musst Dich sein g'wiss net vor mir. Gelt na? Ich bin ja doch schier gar wie ein Bruder zu Dir!"

Mit einem vertrauensvollen Blick nickte Beverl unter einem schüchternen Lächeln mit dem Köpfchen. Dann hob sie die zitternden Hände und löste das geblumte Tuch von ihren Schultern. Als sie das Mieder öffnen wollte, schrak sie plötzlich zusammen. "Jesus Maria," stammelte sie, "'s Bleaml ... mein Bleaml hab ich verloren!"

"Ein Bleaml hast verloren?"

"Ja, ja, 's Edelweiß ... mein Edelweiß."

"Geh, da brauchst Dich net z'kümmern," tröstete er. "Kannst ja wieder eins haben von mir ... ich hab's ja g'nug. Hundert für eins kannst haben."

Ein Seufzer der Erleichterung schwellte ihre Brust, und während er sich dem Ofen zuwandte und sich bei demselben zu schaffen machte, legte sie rasch das Mieder ab und streifte das durchnässte Röcklein nieder über das rote Unterkleid. Dann breitete sie die abgenommenen Gewandstücke über den Holzstuhl und ließ sich lautlos zurücksinken auf das Lager.

Als sie nun vom Ofen her Schritte sich nähern hörte, überkam sie trotz all der willenlosen Folgsamkeit doch ein Gefühl der scheu und Scham, und hastig zog sie die wollene Decke über sich her bis an den Hals.

Jetzt stand er vor ihr und schaute ihr mit leisem Lächeln in die schüchternen Augen. "Gelt, Beverl, so taugt's Dir schon besser! Ja, da kannst es jetzt ganz schön abwarten, bis Dein Fußerl wieder Verstand annimmt. Aber - -" Er unterbrach sich, eilte davon und kehrte mit einem weißen Tuch zurück. "Weißt, so kannst ja net liegen, mit die tropfnassen Haar. Geh, heb Dich ein bissl in d'Höh!"

Willig richtete sie sich auf und hielt das Köpfchen regungslos, während er die Nadeln aus ihren Zöpfen zog, die Flechten löste und mit dem Tuch sacht und achtsam die schweren Strähnen ihres braunen Haares trocknete. "So, schau, jetzt kannst Dich wieder legen," sagte er; dann stand er lange wortlos vor ihr und betrachtete sie mit glänzenden Augen. Er schien sich an dem Bild nicht satt sehen zu können, das sie seinen Blicken bot, wie sie so vor ihm lag unter der dunklen Decke, deren Falten die Formen ihres schlanken Körpers verreiten, in dem weißen, hoch bis zum Hals reichenden Hemd, das liebliche, von den offenen Haaren umflossene Gesicht sanft eingedrückt in das schneeige Lammfell, und übergossen vom falben, zitternden Schein der qualmenden Fackel.

Seufzend wandte er sich endlich ab. Beverl konnte ihm mit den Augen nicht folgen, denn sie wagte sich nicht zu rühren. Sie hörte nur, dass er im Ofen ein Feuer entzündete, ab und zu ging und mit allerlei Geschirr hantierte . Dann wieder trat er zu ihr ans Lager und reichte ihr auf beiden Händen eine dampfende Schale. "Da, Beverl, trink, dass doch für's erste ein bissl was Warms in Dich 'nein kriegst," sagte er, "weißt, nachher richt ich Dir schon noch was Bessers her."

Sie nahm und begann in kurzen, schüchternen Zügen zu trinken - und was sie trank, das schmeckte wohl wie heiße Gaismilch, war aber sicher irgend ein wunderkräftiger Zaubertrank. Das glaubte sie nicht nur, das fühlte sie bei jedem neuen Schluck mehr und mehr in ihrem Blut.

"So, jetzt kriegst nachher gleich noch was anders!", sagte er, als sie ihm mit einem leisen "Vergelt's Gott" die geleerte Schale reichte. Wieder ging er dem Ofen zu. Beverl hörte das Klappern einer Pfanne, und gleich darauf ein lustiges Brodeln und Schmoren. Sie hätte so viel darum gegeben, wenn sie bei seiner "geistermassigen Kocherei" nur ein ganz klein wenig hätte zuschauen können. Sie versuchte schon das Köpfchen zu heben und zu drehen, da trat er wieder zu ihr ans Lager, in der Hand ein Etwas, das nach Beverls Meinung sicher eine Art von Zauberstab war, wenngleich es sich ansah wie ein eiserner Scharrlöffel. Er setzte sich auf den Rand des Bettgestelles und betrachtete sie eine Weile mit stillem Lächeln. Dann plötzlich sagte er: "Ich hab Dich fein gleich erkannt ... auf der Stell, wie ich Dich in der Blitzlichten vor mir g'sehen hab. Ja, und z'erst schon, wie ich auf einmal Dein Rufen g'hört hab, da is mir's g'wesen, als ob Du's sein müsstest und niemand anders. Aber Du ... was hast denn Du Dir 'denkt, wie mich auf einmal g'sehen hast? Denn wenn ich mich b'sinn auf Deine Wort ..."

Er unterbrach sich und eilte mit einem unwilligen "Sapra, sapra!" dem Ofen zu, von welchem her ein recht verdächtiges Zischen sich hören ließ. Dort stand er lange, und Beverl hörte ihn "grad umarbeiten mit sei'm Zauberstab". Wirre Gedanken schossen ihr durch das Köpfchen; aber sie vermochte keinen mehr zu Ende zu denken, es lag über ihr wie eine Betäubung, wie ein seelischer Rausch. Eine prickelnde Wärme durchrann ihren ganzen Leib. Sie fühlte sich so leicht - und es war doch die beginnende Erschlaffung nach all der Aufregung und Übermüdung, was sie empfand. Sie spürte ihre Glieder nicht mehr, kaum noch den leise schmerzenden Fuß. Die Lider wurden ihr so schwer, seufzend schloss sie die Augen und lauschte gedankenlos der seltsamen Musik, zu der das Knistern der Fackel, das Prasseln des Feuers und jenes unablässige Murmeln und Rauschen in ihren Ohren sich verwob. Leiser und leiser klang ihr diese Musik, sie schien sich zu entfernen, endlich verstummte sie, und Beverl hörte nichts mehr, auch nicht die Worte, die jener dort am Ofen sprach, als er die Pfanne vom Feuer zog: "So, jetzt pass auf!" Gabel und Messer in der einen Hand, in der anderen einen Teller mit einem dampfenden Stück Fleisch, so näherte er sich dem Lager. "Da schau, Beverl," sagte er noch, dann verstummte er und blickte lächelnd auf das sanft gerötete Gesicht des schlummernden Mädchens nieder. "Jetzt da schau, jetzt hat s' der Schlaf an'packt," flüsterte er und nickte zufrieden vor sich hin. "Ja, Beverl, schlaf, schlaf nur zu! 's Schlafen taugt Dir noch besser jetzt als ein Lampelbraten."

Lautlos kehrte er zum Ofen zurück und stellte den Teller auf eine Ecke der eisernen Platte; dann holte er einen Bergstock herbei, steckte ihn über dem Ofen in eine Wandschrunde, hängte die nassen Kleidungsstücke des Mädchens darüber und dazu die eigene Joppe, nachdem er sie abgezogen und das Wasser aus den Ärmeln gerungen hatte.

Plötzlich hob er lauschend den Kopf. Er hatte durch die Felswand des Höhlenraumes ein Geräusch vernommen, das dem Rollen und dem Aufschlag eines fallenden Steines glich. Noch dreimal hörte er in gleichen Zwischenräumen dieses Geräusch sich wiederholen, und nun verschwand er mit eilenden Schritten in dem dunklen Trichter des Felsenganges. Als er nach geraumer Weile zurückkehrte, führte er einen Zweiten an der Hand, zog ihn vor das Lager und fragte mit leisen, hastigen Worten:

"Da schau, da schau her! Was sagst jetzt da dazu, was ich für ein' Gast 'kriegt hab?"

"Na, na, ja um Gottswillen," flüsterte der Andere, "sag mir nur grad, wie is denn jetzt so was möglich! Z' Mittag, wie ich fort bin von Haus, da war s' noch daheim ... und jetzt ... "

"Jetzt is s' bei mir! Und wann Du erst wissen tätst, wie ich's g'funden hab, das arme Hascherl! Aber komm! Daherin, da taugt mir 's Reden net! Leicht könnt s' erwachen, und der Schlaf, der tut ihr jetzt so gar viel wohl!"

Lautlos entfernten sich die beiden vom Lager und verließen durch eine die Steinwand schief durchbrechende Felsenspalte den Höhlenraum.

Stille Minuten verstrichen. Im Ofen verstummte das Prasseln und Fauchen der ziehenden Flamme; und als das Feuer erloschen war, da war auch die Fackel niedergebrannt bis auf einen müde flackernden Stumpf.

Sacht und ruhig gingen die Atemzüge der Schlummernden. Manchmal rührte sie leicht die Lippen, als spräche sie im Traum. Nun plötzlich schrak sie leise zusammen und schlug mit einem tiefen stockenden Seufzer die Augen auf. Das Erwachen erst verriet ihr, dass sie geschlafen hatte. War sie denn aber auch wirklich erwacht? Oder schlief sie noch und träumte nur, dass sie erwacht wäre? Ja, gewiss, so musste es sein, denn wenn sie wirklich und wahrhaftig wach gewesen wäre, hätte sie doch nie und nimmer hören können, was sie hörte: Diese halblaute Stimme, die aus den Felsen zu quellen schien, und die auf ein Haar der Stimme des Jörgenvetters glich. Der Jörgenvetter, der war ja meilenweit vom Ort - auf Geschäften in einem fernen Dorf. Und wie käme der auch zum Edelweißkönig! Da müsste er doch die Königsblume gebrochen haben, die sie selbst gebrochen hatte, die also kein anderer mehr brechen konnte. Fast hätte sie lachen mögen über ihren "unsinnigen" Traum - dann wieder kam es ihr so wunderlich vor, dass sie sich im Traum sagen konnte, dass sie träume. Und was sie in diesem Traum die Stimme des Jörgenvetters sagen hörte, das war "schon gar zu g'spassig". Sie hörte ihn vom Edelweißkönig erzählen, alles, was sie selbst von ihm gewusst, alles, was sie selbst den beiden Kindern einst von dem guten Alfen erzählt hatte - und das alles erzählte der Jörgenvetter eben dem, von dem er erzählte, dem Edelweißkönig. Denn auch die Stimme des Alfen hörte und erkannte sie in ihrem Traum. Und wie sich der verwunderte über alles, was er von sich zu hören bekam! "Ja was Du sagst! Ja jetzt versteh ich's, jetzt versteh ich alles! Na, so was! Aber da pass auf, da will ich noch mein' Freud dran haben! Habja so gar wenig g'nung!", so hörte Beverl in ihrem Traum den Edelweißkönig sagen, als dem Jörgenvetter die Weisheit auszugehen schien. Nein, wie man nur so "unsinnig" träumen kann! Und dazu noch im Traum zu glauben, dass man die Augen offen hätte, mit ihnen die trübe brennende Fackel sähe und alles rings umher! Und nun war es ihr im Traum gar, als könnte sie ganz nach Belieben die Augen auch zudrücken, so recht fest - und da war es so seltsam, dass die Helle der Fackel erlosch und alles schwarz wurde in der Runde, während doch die beiden Stimmen weiterplauderten, von der Mariann, von den Kindern und vom Finkenhof. Jetzt hörte sie den Jörgenvetter davon reden, dass er gehen müsste, dann meinte sie leise Schritte zu vernehmen, die näher kamen und vor ihrem Lager still hielten - und nun träumte sie gar, der Jörgenvetter flüstere dem Edelweißkönig zu: "Schau s' nur grad an: Wie lieb als s' daliegt! Sag, g'fallt s' Dir net auch?" Und weiter war es ihr im Traum, als schwiege der Edelweißkönig eine Weile, als hörte sie ihn dann mit einem tiefen, zitternden Seufzer sagen: "O mein Gott, Jörg ... wie müsst das schön sein: Leben können, und leben in Glück und Licht, mit ei'm, das ei'm ang'hört mit Leib und Seel, das sich mit ei'm freut in guter Zeit und ei'm in harbe Stunden die Haar wegstreicht aus der sorgenden Stirn. Aber ... Du lieber Himmel ... wie dürft denn ich mir so was noch erhoffen!" Nein, wie einem nur im Traum der geträumte Ton einer Stimme so ans Herz greifen und einem so weh tun kann, schier gar zum Weinen weh! Und so natürlich meinte Beverl dieses Weh zu träumen, dass sie völlig zu spüren glaubte, als schlichen ihr zwei heiße Tränen durch die geschlossenen Lider auf die Wangen. Immer und immer nur in ihrem Traum dachte sie an diesen herzergreifenden Ton und achtete kaum darauf, dass sie auch noch träumte, als vertröste der Jörgenvetter den Edelweißkönig auf eine kommende Zeit, als nähme er mit herzlichen Worten von ihm Abschied und verspräche ihm ein Wiedersehen in einer der nächsten Nächte. Dann plötzlich sah sie die beiden vor sich, so deutlich wie mit offenen, wachen Augen, sah den Jörgenvetter dem dunklen Trichter des Felsenganges zuschreiten und darin verschwinden, den Alfen aber regungslos vor ihrem Lager verharren und vor sich niederstarren mit gesenkten Augen. Und während sie seinen schweren Atemzügen lauschte, war es ihr, als würde es ihr selbst ganz schwer auf der Brust. Dann wieder sah sie in ihrem Traum, wie der Alf mit einem tiefen Seufzer die Hände zur Stirne hob, wie er sich niederkauerte auf den felsigen Grund, die Arme über den Bettrand legte und in ihnen das kummervolle Gesicht verbarg. So sah sie ihn lange, lange liegen und blickte mit regungslosen Augen nieder auf sein braun gelocktes, im Fackelschein goldig glänzendes Haupt. Endlich hob er wieder den Kopf und legte ihn seufzend in die aufgerichtete Hand. Und da schaute ihm Beverl unablässig in das blasse Gesicht - und es war ihr so leid, dass er die Lider geschlossen hielt, dass sie seine Augen nicht sehen konnte. Nein - ihrem Vater sah er gewiss nicht ähnlich! Und dennoch musste er jemanden gleichen, der ihrem Herzen lieb und teuer war. Da plötzlich meinte sie zu finden, dass er dem Jörgenvetter ähnlich sähe - oder mehr noch der seligen Hannibas. Die hatte das gleiche, gute Gesicht gehabt. Nur viel feiner war es gewesen, dazu so frisch und blühend, nicht so bleich wie das Gesicht des Alfen, das, so stumm auch die Lippen waren, von quälenden Schmerzen und nagendem Kummer zu erzählen schien. Je länger sie dieses Gesicht betrachtete, desto weher und mitleidiger wurde ihr ums Herz. Sie konnte die Augen gar nicht mehr abwenden von den tiefen, finsteren Furchen auf dieser sorgenvollen Stirn, welche die Schatten der überhängenden Haare noch mehr verdüsterten. O du lieber Himmel! Es ist doch ein recht armseliges Leben, so ein Geisterleben - "G'wiss net zum neiden!" Immer so allein und verlassen! Und "wann den einschichtigen Schlucker grad einmal der Wehdam anpackt im G'müt, was hilft ihm denn nachher sein Gold und Silber und sein' Zaubermacht? Da taugt's ihm schon lieber, er hätt ein' einzigen Menschen, der ... der - -" Beverl dachte diesen Gedanken nicht zu Ende. Sie wusste nicht wie es geschah - sie hob nur plötzlich die Hand, und sanft und sachte strich sie dem "so viel traurigen" Alfen die dunklen Haare von der furchigen Stirn. Da sah sie ihn auffahren, sah, wie er mit beiden Händen ihre Hand erfasste und das Gleich darauf niederdrückte, und fühlte, wie ihr seine heißen Tränen durch die Finger rannen. Und gar nicht erschrocken war sie! Weshalb auch hätte sie erschrecken sollen - es war ja nur ein Traum! Und so lag sie nun und rührte sich nicht. Mit feuchten Augen schaute sie über das Haupt des Alfen hinweg auf die langsam erlöschende Fackel, von deren glühendem Stumpf ab und zu ein glimmendes Kohlenstückchen gleich einem langsam fallenden Sternlein niedersank auf den Felsenboden. Und dabei war es ihr ein so wohliges Empfinden, ihre Hand so fest und eng umschlossen zu fühlen. Von den Händen des Alfen ging eine seltsame Wärme aus, die durch ihren Arm in ihren Körper überströmte. Sie atmete in langen Zügen, und dennoch so leicht. Langsam ließ sie die Lider sinken und atmete mit offen lächelnden Lippen. So tief, als tränke sie nach rauer Winterszeit die laue Luft des ersten Frühlingstages. Dann wieder war ihr zu Mut, als wäre sie endlose Stunden mühsam und frierend durch Nässe und Schnee gewandert und säße nun in einem bequemen Eckchen zur Seite des Herdes, darauf ein lustiges Feuer flackerte - und das war die kleine, saubere Küche, durch deren Fensterlein die Nacht mit ihren Sternen lugte und der stille, weiß beschneite Wald. Am Herd stand ihr Vaterl und schürte die Flamme. Und seltsam - wie jung ihr Vater geworden war! Und wie er aufs Haar dem Edelweißkönig glich! Da plötzlich klingen helle Schellen, man hört den Dori jauchzen und knallen, der Jörgenvetter erscheint unter der Türe, ihm folgt die Mariann mit den Kindern - und da mit einem Mal sieht sich die Waldhausküche an wie die trauliche Wohnstube im Finkenhof. Die Kinder spielen hinter dem Ofen, die Mariann trägt auf, dass der Tisch sich biegen will, an dem sich Beverl mit dem Edelweißkönig sitzen sieht, gegenüber dem Jörgenvetter, der den Mund nicht zubringen will vor Lachen und Schmunzeln.

Das war nun ganz gewiss ein wirklicher und wahrhaftiger Traum, denn der Jörgenvetter saß ja nicht zu Haus ein seiner Stube - der schlich im Frühlicht des ergrauenden Tages von der "hohen Platte" her durch die dichten Latschenfelder dem Bründlalmsteig zu. Als er den Pfad erreichte, bleib er eine Weile stehen, wie wenn er sich besänne, welchen Weg er einschlagen sollte. Dann nickte er vor sich hin und folgte dem Steig in der Richtung, die nach den Almen führte.

"Beverl! Beverl!", klang es plötzlich mit angstvoll gellendem Ruf durch die graue Morgenluft.

Jörg erkannte Doris Stimme. Nach einer Weile wiederholte sich der Ruf, näher und gellender. Der Bauer hörte über sich das Rasseln rollender Steine und sah in Büchsenschussweite oberhalb des Steiges den Burschen aus dem Wald auf die offene Lichtung stürzen.

"Dori!", rief er ihn an, und da schlug der Bursche die Hände über dem Kopf zusammen und kam über den Hang hernieder gerannt, dass Jörg ihn bei jedem neuen Sprung stürzen zu sehen fürchtete. Er wäre wohl auch in die Knie gebrochen, als er über den hohen Steinwall auf den Steig nieder sprang, wenn ihn Jörg nicht zu rechter Zeit noch aufgefangen hätte.

"Finkenbauer ... Finkenbauer ...", stammelte Dori unter Tränen, "dem Herrgott sei Dank, dass da seids! Ein Unglück muss g'schehen sein ... 's Beverl ... 's Beverl geht ab!"

"Abgehen? Was? Wieso geht 's Beverl ab?"

"Ja ... ja ... gestern am Abend hab ich's 'troffen, Edelweiß hat's broken wollen für der Bäuerin ihren Namenstag, und in der Almhütten hat's übernachten wollen ... ja ... vor der Almsteiglichten bin ich weg von ihr, weil's g'meint hat, sie findt den Weg allein. Aber wie ich in aller Fruh zur Hütten komm, is kein Beverl da ... kein Beverl ..." In hastig ausbrechenden Schluchzen erstickten Doris Worte.

"Aber Dori, geh, wie wird man denn bei so was gleich an ein Unglück denken! Ja, schau, da brauchst Dich jetzt gar net z'sorgen: Die Beverl is derzeit lang schon wieder daheim g'wesen! Weißt, wie s' schier gar schon ganz bei der Hütten war, ja, da is ihr eing'fallen, dass sie sich schon lang für den morgigen Tag auf eine Wallfahrt nach Mariaklausen verlobt g'habt hat, ja, und da kannst Dir doch denken vom Beverl, dass s' da gleich wieder am Weg um'kehrt is und g'schaut hat, dass sie heimkommt. Ja ... und jetzt wird s' schon lang auf der Wallfahrt sein."

Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen hörte Dori zu, und es währte eine geraume Weile, bis er sich zu fassen wusste und stammeln konnte: "No, no, nachher is recht! Na, wie ich das mei'm Herrgott dank! G'wiss wahr, um'bracht hätt's mich, wann der Beverl was passiert wär, und ich hätt mir sagen müssen, es is g'schehen, weil ich s' allein hab gehen lassen! Na! Na! Wie wir uns g'sorgt haben, ich und d' Enzi! Es is net zum sagen!" Mit beiden Fäusten fuhr er sich unter die schnüffelnde Nase und über die tränenden Augen.

"No schau, drum hat mir ja 's Beverl auch auf'tragen, dass ich Botschaft bring. Und 'rauf 'gangen wär ich so wie so, damit ich nachfrag, wie's mit'm Abtragen steht, weil ich 'leicht am End von der Woch kein' Zeit net haben könnt..."

"Wenig is da, Bauer, wenig, schier net der Müh wert," fuhr Dori hastig auf, dann senkte er mit scheuem Blick die Augen und sprach mit zögernden Worten weiter: "Und ... und da braucht sich der Bauer gar net sorgen ... abtragen könnt ja ich auch. Und ... und da wär's mir nachher lieb, wenn mir der Bauer verstatten tät, dass ich übern Sonntag drunten bleib ... weil ... weil ich halt ein B'sorgung hätt."

"So? Ja was hast denn z'schaffen drunten im Ort?"

"Beichten möcht ich wieder einmal," klang es leise über Doris bleiche, zitternde Lippen, "beichten und kummlizieren."

"Ja wie kommst denn auf einmal auf so was?"

"No mein ... für Leben und Sterben halt. Man kann ja net wissen, was ei'm zusteht mit jedem Tag."

Betroffen von dem Ton dieser Worte schaute Jörg den Burschen an und schüttelte den Kopf zu seinen hohlen Wangen und seinen überwachten Augen, die von breiten, blauen Rändern umzogen waren. "Dori? Was is Dir denn? Fehlt Dir 'leicht was? Oder hast was am G'wissen?"

"Aber was der Bauer denkt! Ah, Gott bewahr!", erwiderte Dori, während ein irres Lächeln um seine Lippen zuckte. "Das wird doch net zum verwundern sein, wann diemal ein Christenmensch dran denkt, was sein Herrgott von ihm verlangt."

Jörg schwieg eine Weile, dann sagte er: "No, da will ich Dich freilich net abhalten, wenn Deiner Christenpflicht g'nügen willst. Meinetwegen trag ab und bleib übern Sonntag. Und ... nachher hab ich ja auch nix mehr z'schaffen auf der Alm und kann wieder umkehren."

"Ja ... und ich will jetzt gleich nach der Enzi ausschaun ... die sucht nach der andern Seite nüber. Wird auch froh sein, wann ich's von ihrer Sorg erlös."

"Ja, geh, Dori, geh! und b'hüt Dich Gott."

Mit leisem Wort und müdem Kopfnicken erwiderte Dori den Gruß. Einige Schritte folgte er dem Pfad, bis er sich plötzlich wieder zu Jörg zurückwandte, der noch immer auf der gleichen Stelle stand, den Burschen mit forschenden Blicken verfolgend.

"Jesses mein, jetzt hätt ich in meiner Sorg schiergar vergessen ...", stotterte Dori, als er näher kam, und berichtete dem Bauer in zögernden Worten von dem neuerlichen Verlust eines Lammes. Er machte dabei nicht die geringsten Versuch, seine unermüdliche Aufsicht zu rühmen und seine Schuldlosigkeit zu beteuern. Er schien die Vorwürfe, die er erwartete, in Geduld über sich ergehen lassen zu wollen - zeigte sich aber auch nicht im geringsten verwundert, als er nicht ein einziges Wort des Vorwurfes zu hören bekam. Jörg äußerte wohl in lauten Worten seinen Unwillen über den Verlust, doch tröstete er sich schließlich selbst mit den Worten: "Da kann ich noch froh sein, dass 's nur ein Lampl war. Man hätt mir ja gleich eine ganze Kuh auch stehlen können!"

"Ja, ja! Und was is denn eigentlich ein Lampl?", philosophierte Dori. "Ein Lampl is halt ein Lampl. Ein Mensch, mein' ich, is dengerst mehrer! Und so ein' Menschen reisst's oft auch dahin ... keiner denkt's und keiner rührt sich drum!" Dabei verzog er die Lippen zuckte die Achseln, nickte dem Bauer einen stummen Gruß zu und stapfte davon.

Kopfschüttelnd schaute Jörg ihm nach, bis die Bäume ihn aufnahmen in ihren dunkeln Schatten. "Ich kenn ihn gar nimmer! Was is denn mit dem jetzt g'schehen? Was kann er denn haben?", fragte er sich mit leisen Worten, während er sich zögernden Schrittes zur Heimkehr wandte.

Als er drei Stunden später den Finkenhof erreichte, stand die Bäuerin unter der Haustür. Mit freundlichem Gruß kam sie ihm entgegen, und während er an ihrer Seite dem Haus zuschritt, fragte er sie: "Sag Mariann, weißt denn auch, wo 's Beverl is?"

Erst schaute sie ihn verwundert an, dann sagte sie lächelnd: "Ja droben auf der Alm. Ich hab ihr's ja selber verlaubt."

"Auf der Alm aber is 's net."

"Geh weiter, wo könnt s' den anders sein!"

Da schaute Jörg mit spähenden Augen um sich, und als er niemand in der Nähe sah, neigte er seine Lippen dem Ohr der Mariann entgegen und flüsterte ihr einige Worte zu.

"Ah geh!", fuhr Mariann auf und schlug die Hände zusammen. "Ja wie wär denn jetzt so was möglich?"

"G'nau kann ich Dir's selber net sagen. Aber wie's ung'fähr zu'gangen sein könnt ..."

Bei diesen Worten verschwanden die beiden in der Haustür.

Zu Mittag wussten alle Dienstboten des Finkenhofes ganz genau, wohin das Beverl gegangen wäre - nach Mariaklausen auf die Wallfahrt.

Auch Herr Simon Wimmer bekam von der Wallfahrt zu hören, als er gegen Abend auf ein Plauderstündchen im Finkenhof vorsprach und nach Beverl fragte.

"Didididi!", lachte er. "Was hat denn dem lieben Schätzle auf einmal 's Herzle so schwer g'macht? Sie wird sich doch net gar verliebt haben? Denn es heißt ja, dass die heilige Mutter von Mariaklausen gut ischt für so was."

Jörg schwieg und runzelte die Stirn, worauf Herr Simon Wimmer die Daumen zu drehen begann und mit einem nachdenklichen: "Tja, tja!", das schwere Haupt zwischen den Schultern wiegte. Dann plötzlich tat er einen Seufzer, so tief, als wäre er aus der großen Zehe heraufgeholt - und begann vom Wetter zu reden. Vom blauen Himmel kam er auf seine blauen Aussichten zu sprechen, auf seine demnächst erfolgende Gehaltsaufbesserung, auf sein "ang'sehne" Stellung und seine "Büldung", dann wurde er vertraulich, tätschelte die Hand des Bauern, sprach von "schönem Beisammensitzen" und von "ginschtiger G'legenheit" - und ehe sich's Jörg versah, war ein Heiratsantrag fertig. "No also," Schloss Herr Wimmer, zum zweiten Mal seufzend, "jetzt ischt's heraußen, was mir schon älleweil auf'm Züngle g'legen ischt. Ja ... und wenn der Finkebauer nix dagegen hat, nachher ischt alles richtig und ich heirat 's Bevele."

"Das schlagen S' Ihnen nur gleich aus'm Sinn, Herr Kommandant," fuhr Jörg fast zornig auf, "da kann nix draus werden! Jetzt schon gar nimmer!" Er verstummte, als wäre er selbst vor diesem Wort erschrocken.

Herr Simon Wimmer erblasste, soweit der Kupferanflug seines Gesichtes das Erblassen gestattete. "Aber hören S', Finkebauer, hören S'," stotterte er, "das ischt doch kein' Art und Weis net, wie man so ein' ehrenvollen Antrag aufnimmt. Vor der Finkebauer so kurzweg Na sagt, hätt man doch z'erscht noch drüber reden können, wie's der Brauch ischt unter richtige Mannerleut. Der Finkebauer kann ja net wissen, ob 's Bevele net selber schon lang auf mich denkt ... und wenn ich auch das net so steif und fest behaupten will ... wissen S', Finkebauer, in so eine ang'sehene Stellung z'kommen, ein' gedüldeten Menschen zum Mann z'kriegen und Frau Kommandantin z'heißen, das ischt wägerle auch ein bissele was!"

Jörg suchte einzulenken, sprach von Beverls Jugend, meinte, dass man in dieser Angelegenheit doch zuerst das Mädchen selbst befragen müsste, und versicherte unter begütigenden Umschweifen, dass er von seiner Person aus nicht das Geringste gegen eine solche Verbindung einzuwenden hätte, dass sie ihm sogar eine Ehre wäre.

"Na, na ... da braucht sich der Finkebauer jetzt gar nimmer anz'strengen," versetzte Herr Simon Wimmer tief beleidigt, während er sich erhob und mit dem Ärmel den Mützendeckel bürstete. "Dem Finkebauer sein' Sinn hab ich aus sei'm ersten Wort erkannt. Und es ischt für mich wägerle arg schmerzlich, dass ich sehen muss, wie mir der Finkebauer mein' Freundschaft vergilt. Er dürft schon ein bissele mehr drauf geben ... ja. Man kann ja net wissen, wofür's gut ischt, ein' Freund in meiner Stellung z'haben. Vielleicht denkt sich der Finkebauer gar net, was man da mit seine obrigkeitlichen Ohren oft z'hören kriegt, ja, und wenn ich net älleweil dem Finkebauer sein Freund g'wesen wär ..." Er verstummte und zuckte mit einer seltsam geheimtuenden Miene die Achsel.

"Was soll das heißen, Herr Kommandant," fuhr Jörg erschrocken auf. "Da muss ich schon bitten! Was kann man hören von mir und über mich!"

Wieder zuckte Herr Wimmer die Achseln. "Der Finkebauer kann doch net von mir verlangen, dass ich ihn in meine Amtsg'heimnisse 'neinschauen lass. Unter Freund und Freund, natürlich, da wär's was anders g'wesen! Aber so! Und ... wenn ich schon an das net denk, was man so hört und hört ... man hat ja selber auch seine Augen, und da wär's ja leicht möglich, dass man sehen z'können meint, als wär net alles Gold, was glänzt im Finkehof. Nix für ungut ... das ischt ja nur so eine Meinung. Und im übrigen ... wenn mir 'leicht der Finkebauer Bezug nehmend auf mein' ehrenvollen Antrag noch was z'sagen hätt, weiß er ja, wo er mich finden kann." Damit stülpte Herr Wimmer die Mütze schief über das obrigkeitliche Haupt, salutierte und stelzte in hochmütiger Haltung zur Stube hinaus.

"Herr Kommandant! Herr Kommandant!", rief Jörg ihm mit unsicherer Stimme nach, aber die Türe schloss sich, und Herrn Wimmer Schritte verhallten.

"Das is jetzt eine schöne G'schicht! Na! Na!", stieß Jörg mit heiserer Stimme hervor, während er die geballten Fäuste schüttelte. "Den Gidi wenn ich da hätt ... gleich zerreißen könnt ich ihn! Eine schöne Suppen hat er mir ein'brockt mit seine dalketen G'spaß!" Mit langen Schritten wanderte Jörg in der Stube auf und nieder; dann wieder blieb er stehen und schüttelte hastig den Kopf. "Ah was! Was kann er denn g'hört haben! Was kann er denn wissen und sehen! Nix! Nix! Gar nix, als dass ich diemal net daheim bin! Aber ... aber dahinter kann ja doch was sein! Und ... es nutzt nix ... es nutzt nix mehr! Jetzt muss er mir fort! ... Fort über die Grenz! So bald als möglich! Ein jeder Tag kann eine G'fahr für ihn bedeuten!"

Aufatmend fuhr sich Jörg mit beiden Händen über die Stirn und eilte aus der Stube, als würde ihm zu schwül zwischen den vier Wänden. Als er den Hof betrat, hörte er sich von der Straße her mit lautem Gruß anrufen. Er blickte auf und erwiderte zerstreut: "Grüß Gott auch, Brenner-Wastl, wo kommst denn her?" Der Bursche zögerte einen Augenblick, dann öffnete er das Gatter. Während er näher kam, rückte er den Hut und drehte dabei den selten schönen Spielhahnstoß nach vorne, damit ihn Jörg nur ja nicht übersehen möchte. "Drin im Stadtl bin ich g'wesen," begann er zu erzählen, "weißt, da hat's heut die Verhandlung 'geben vom Baltl seiner Klag gegen den Grafenjager, wegen derselbigen G'schicht bei'm Almtanz. Mich hat halt die Sach aus g'wisse Gründ ein bissl verintressiert. Und ich sag Dir's, eine größere Freud hätt ich schon nie net haben können, als wie ich den Spruch g'hört hab. Frei is er 'worden, der Gidi, ganz und gar frei, denn aus die Zeugenschaften hat 's G'richt die Einsicht 'kriegt, dass der Baltl der Hackler g'wesen is, der Ruhestörer, wo 's Messer 'zogen hat und dass der Gidi d'Ruh grad wieder herg'stellt hat. Natürlich, da hat jetzt der andere zu die Schläg auch noch 's G'spött und G'lachter, und die ganzen Kösten muss er zahlen. Der is Dir weiters net springgiftig! Verschnellen tut er schier vor lauter Wut. Ja, und wie er raus is aus'm G'richt ... ein paar von die Zeugen haben's g'hört ... da hat er g'schworen, dass er dem Gidi was antut. Aber das soll er sich nur net einfallen lassen, sonst hat er mich auch gegen ihm, denn ich bin dem Gidi sein Freund. Da schau her, den Spielhahnstoß, den hat mir der Gidi g'schenkt ... aus lauter Freundschaft. Gelt, das is ein Stoß?"

"Ja, ein sauberer Stoß!"

"Sauber? Was? Sauber heißt gar nix! Das is ein Prachtstoß, wie's kein' zweiten mehr gibt! Den hab ich vom Gidi! Und ich bin dem Gidi sein Freund! Und wann der Baltl dem Gidi was will, nachher wachst er mit mir z'samm ... nachher sag ich gleich grad raus, dass er ein Wildschütz is ... und ich kann's ihm beweisen! Ich schon, ich!"

Die Suada des Brennerwastls wurde durch einen Knecht unterbrochen, der den Bauer in die Schmiede rief. Jörg verabschiedete sich von dem Burschen, wobei er ihn ermahnte, zu anderen Leuten über Baltl nichts zu reden, was er nicht wirklich verantworten könnte. "Kannst ja net wissen, wie man's ihm wieder zutragt und ... der Baltl ist kein Guter net!"

"Ich fürcht ihn net! Na! Den net!", brüstete sich Wastl, schob den Hut in die Stirn und stelzte zum Hof hinaus, indem er das Liedlein anstimmte:

"Schöne Federn auf dem Hut
Stehn mir sakrisch gut!"

Der folgende Tag war ein Feiertag, Mariä Geburt, der Geburts- und Namenstag der Finkenbäuerin. Am frühen Morgen schon kamen die Dienstboten, um die Bäuerin "anzuwünschen". Die beiden Kinder sagten die Sprüchlein auf, die sie von Beverl gelernt hatten, und schalten dann der Mutter gegenüber tüchtig auf ihre Lehrmeisterin los, die, wie das Liesei sagte, "jetzt auf einmal hat wallfahrten müssen, statt dass s' die zwei Edelweißbuschen b'sorgt hätt, wo s' uns für'n heutigen Tag versprochen hat."

Als dann die Glocken zu läuten begannen, wanderte Jörg mit seinem Weib und seinen Kindern der Kirche zu, um dem Hochamt beizuwohnen. Als sie wieder heimkehrten, hatte Mariann in der Küche zu tun, und die Kinder trugen im Hof ihr Feiertagsgewand spazieren, während Jörg in der Stube saß und sich in das "Wochenblattl" vertiefte, das der Postbote gebracht hatte.

Eine Stimme, die vom Flur herein klang, ließ ihn die Lektüre unterbrechen. Die Türe öffnete sich, und Gidi trat in die Stube. Sein Gesicht war gerötet wie von tiefer Erregung. Mit hastigen Schritten näherte er sich dem Tisch und warf den Hut auf die Fensterbank.

"Grüß dich Gott, Finkenbauer!"

"Grüß dich Gott auch!", erwiderte Jörg mit zögernden Worten, wobei er sich langsam erhob. "Schier verwundern muss ich mich! Hast Dich ja gar seltsam g'macht unter mei'm Dach."

"Mein Gott, der Sommer halt ... und ... aber um so was ausz'reden, deswegen bin ich net da. Finkenbauer! Kannst Dir denken, wer heut noch kommt?"

"Was soll ich mir denn da denken! Leicht kommt der Abend nach'm Tag."

"Ehvor's aber Abend wird, Finkenbauer, ehvor kommt noch mein junger Graf!"

Jörg erblasste bis in die Lippen. Eine Weile stand er wortlos, dann brach es in heiseren Lauten aus ihm hervor: "Und mir ... mir denkst doch am End net eine Freud mit Deiner Botschaft z'machen!"

"Eine Freud? Ah na! Ehnder macht's Dir noch mehr Kümmernis, als schon g'litten hast ... wann Du erfahrst, dass ein Unglück, das g'schehen is, net g'schehen hätt müssen, wenn ... ja, wenn das traurige Wenn net g'wesen wär! Da, Finkebauer, da ..." und mit zitternden Händen brachte Gidi aus seiner Joppentasche ein engbeschriebenes Blatt zum Vorschein, "da, den Brief musst lesen, den der Eustach, der Kammerdiener, unserer Schlosshauserin g'schrieben hat."

Abwehrend streckte Jörg die Arme aus. "Lass mich in Ruh. Ich will nix lesen ... ich will nix wissen!"

"Willst ihn auch net lesen, wann ich Dir sag, dass Dei'm Ferdl selig sein guter Nam da drin steht ... und drin steht, dass er net schuld is an dem Blut, das g'flossen is!"

Mit gläsernen Augen starrte Jörg den Jäger an. "Gidi ... Gidi ..." stammelte er, "hören tu ich wohl, was Du sagst, und dengerst kann ich's net verstehn. Aber lesen will ich ... um Gottes willen, Gidi, gib mir den Brief, den Brief lass mich lesen!" Die beiden Arme streckt er nach dem Blatt, und als er es in Händen hielt, hob er es dicht vor die Augen und begann zu lesen, mit nickendem Kopf und raunenden Lippen. Als er zu Ende war, drehte er das Blatt zwischen den zitternden Fingern und starrte wieder den Jäger an. Dann ließ er sich auf die Holzbank niedersinken, legte das Blatt vor sich auf den Tisch, fuhr mit den Händen in sein graues Haar und begann aufs neue zu lesen.

Der Jäger stand vor ihm und sah mit teilnahmsvollen Blicken auf ihn nieder, und so hörte keiner von den beiden den Wagen rollen, der draußen auf der Straße vor dem Tor des Finkenhofes anzuhalten schien.

"Na! Na! Na! Und wenn's auch zehn Mal g'schrieben steht," fuhr der Bauer auf, die beiden Fäuste an seine Stirn pressend, "es kann nix nutzen, es kann ja nix nutzen!"

"Nutzen, Jörg, nutzen kann's freilich nix mehr," fiel Gidi mit bewegter Stimme ein. "Da schaut sich jetzt 's Unglück ehender noch größer an, als wie's z'erst schon war. Aber schau ... drin im Grafenhaus kannst es ja kei'm net verargen. Denn so, wie alles g'wesen is, hat ja ein jeder denken müssen: Der Ferdl hat's 'tan! Und dass er sich g'flücht' hat, das hat ja ein' jeden noch b'stärken müssen in dem fürchtigen Verdacht. Und so ... natürlich ... der einzige, der's hätt sagen können, wie's g'wesen is, der hat ja net reden können, der is dag'legen zwischen Leben und Sterben. Jetzt freilich ... jetzt kommt alles Reden z'spat!"

Gidi verstummte und ließ sich mit einem müden Seufzer an der Seite des Bauern nieder, der noch immer regungslos am Tisch saß, in grübelndes Sinnen versunken. Manchmal flog es über Jörgs Gesicht wie der lichte Ausdruck hoffnungsvoller Gedanken, aber immer wieder verfinsterten sich seine Züge, und immer wieder raunte er vor sich hin: "Es kann ja nix nutzen, es kann nix nutzen!"

"Wann der Ferdl nur grad das eine net 'tan hätt! Wann er nur 'blieben wär!", fuhr Gidi mit jammernden Worten wieder auf. "Aber freilich ... ich kann mir's ja denken, wie's ihm g'wesen is! 's Unglück von der Hanni muss ihn ja schon ganz auseinander 'bracht haben ... und 'leicht hat er sich da 'denkt: Der is schuld dran, und der hat mein' Schwester am G'wisen ... und so rennt er hin zu ihm ... und mein' jungen Grafen, wie er hört vom Unglück, kommt der Jammer an ... ich weiß ja, ich hab's ja lang schon g'merkt g'habt, was ihm die Hanni gilt ... und in der Schwächen, die ihn anpackt, tut er den unseligen Fall, mit der Stirn grad auf den scharfen, eisernen Türhaken ... und wie ihn der Ferdl auf einmal so daliegen sieht, übergossen von Blut, schier als ein toter, da muss ihn 's Grausen an'packt haben ... 'leicht hat er sich auch gleich 'denkt: Jetzt werden s' sagen, ich hab's 'tan ... und da hat ihn halt der Schreck noch ganz um sein bissl B'sinnung 'bracht! Und so wird's ihn davon 'trieben haben, dass er naus is zum Haus und fort und fort, grad heimzu allweil, allweil heimzu, ohne Denken und ohne Verstand. Und wer kann's wissen ... 'leicht hat er sich in seiner Verstörung noch eing'redt, als hätt er wahrhaftig eine Schuld verübt! Du, Jörg, Du musst ja wissen, was er Dir fürg'redt hat in derselbigen Nacht ... und schau ... da kannst nachher den Grafenleuten drin ihren Verdacht auch net so arg verübeln ... denn wenn Dich auf den Abend b'sinnst, wo bei mir droben g'wesen bist im G'schloss, da hast Du selber nix anders 'denkt, als dass der Ferdl wirklich ..."

"Nix hab ich 'denkt! Nix! Nix! Gar nix!", brauste der Bauer auf, wobei sich sein Gesicht verzerrte wie vor heller Angst. "Was damals g'redt is worden zwischen uns, das waren lauter Wenn und Aber! Und jetzt redst so zu mir! Na, na, den möcht ich sehen, der mir nachweisen kann ... das heißt ... ja ... eins hab ich für g'wiss g'sagt: Dass ihm recht g'schehen is, dei'm saubern Grafen ... so oder so! Und das sag ich heut noch, wo meiner Hanni ihr Grab schon grün verwachsen is, und sagt's ihm ins G'sicht, wann er da stünd vor mir ..."

Jörg verstummte und blickte nach der Türe, welche hastig aufgerissen wurde. Die beiden Kinder stürmten in die Stube. "Vater, Vater, draußen is einer, der fragt nach Dir," berichtete Pepperl, und das Liesei ergänzte: "Ja, Vater, ganz ein nobliger Herr!"

"Um Gottes willen," fuhr Gidi auf, "es wird doch net ..."

Die Worte erstarben ihm auf den Lippen, vor Schreck und Freude. Einen Augenblick starrte er wie versteinert auf die schlanke, dunkel gewandete Gestalt des jungen Mannes, der, den Hut in der Hand, die offene Schwelle betreten hatte - starrte in das feine, durchgeistigte Gesicht, das in Blick und Zügen von kaum überstandener, schwerer Krankheit und von tiefem Leid erzählte, und wollte die Augen von der breiten Narbe nicht los bringen, die sich in dunkler Röte von dieser weißen Stirn abhob und unter dem locker gescheitelten Haar sich verlor. Das helle Wasser sprang dem Jäger auf die sonngebräunten Wangen, er schlug die Hände in einander, und unter den stammelnden Worten: "Herr Graf! Herr Graf! Grüß Ihnen Gott, Herr Luitpold! Grüß Ihnen Gott bei uns daheim, mein lieber Herr Graf!", eilte er seinem jungen Herrn entgegen. Der reichte ihm zu langem und festen Druck die Hand, nickte ihm mit trübem Lächeln einen stummen Gruß zu und richtete dann die tiefen, ernsten Augen auf den Bauer, welcher hoch aufgerichtet stand und die beiden Kinder an sich drückte, als müsste er sie vor dem in Schutz nehmen, der da gekommen.

Mit scheuen Blicken schaute Gidi bald auf seinen Herrn und bald auf Jörg. Er suchte die Kinder zu sich heranzuwinken, und als ihm das nicht gelingen wollte, verließ er mit einem leisen Seufzer die Stube.

Raschen Schrittes näherte sich Luitpold dem Bauer. Es schien, als wollte er sprechen, aber wortlos schlossen sich seine zuckenden Lippen wieder. Doch wenn sein Mund auch schwieg, seine Augen sprachen deutlich, als er Jörg mit stummer, flehender Bitte die zitternde Hand entgegenbot.

Jörg übersah diese Hand. Ein unheimliches Feuer brannte in seinen Augen, und rau und heiser lösten sich die Worte von seinem Mund: "Was will der Herr von mir?"

"Seht Ihr es nicht? Meine Hand will ich Euch bieten, und die Eure, Jörg, die Eure möchte ich drücken."

"Dass ich net lach! Und zwegen so was hat der Herr den weiten Weg g'macht von der Münchnerstadt bis raus zu uns. Schad um den weiten Weg ... recht schad ... recht schad! Oder ... ah ja ... jetzt merk ich's erst! So ein sauberer Herr! Und hat ein Hütl ... kein Federl drauf und net ein einziges Bleaml! Ah ja, der Herr will 'leicht ein Bleaml haben aus'm Finkenhof! Da ... da droben im Herrgottswinkel steckt eine Rosen! Hab's erst am letzten Sonntag heim'bracht von meiner Hanni ihrem Grab."

Luitpold ließ die ausgestreckte Rechte sinken und sah mit einem Blick voll unsäglicher Wehmut in die von Gram und Leidenschaft verzerrten Züge des Bauern. "Ihr seid bitter, Jörg! Aber ich höre nicht Eure Worte, nicht den Ton Eurer Stimme, ich höre nur Euren Schmerz. Und der, Jörg, der redet eine Sprache zu meinem Herzen, die ich besser zu verstehen weiß, als Ihr glauben mögt! Wie sollten Schmerz und Schmerz sich nicht verstehen! Sie gleichen alles aus ..."

"Ah ja! No g'wiss! Da is ja gar nix z'reden! Da is ja alles gleich auf gleich!", fuhr Jörg mit wildem Lachen auf. "Ein' schönern Ausgleich kann's ja gar net geben! Auf meiner Seit ein 'brochens G'müt, Herzleid und Schand, ein Häuferl Aschen draußt im Freithof und mein Ferdl dazu, mein armer! Und auf der andern Seit ein Ritzerl in der noblen Haut," die Stimme zu heiserem Kreischen steigernd, schlug Jörg sich die beiden Fäuste vor die Stirn, "ja dummer Bauernkerl, verstehst es denn net, das is ja gleich auf gleich!"

"Vaterl! Vaterl!", schluchzte das kleine Liselei und streckte mit ängstlicher Gebärde die Ärmchen zu Jörg empor.

Für einen Augenblick drückte Jörg die Fäuste über seine brennenden Lider, dann riss er den Knaben an sich, der mit trutzigen Blicken die Gestalt des Gastes maß, und schlang den zitternden Arm um den Flachskopf des schluchzenden Dirnleins. "Sei stad, mein Deandl, mein liebs, sei stad und musst net weinen!", stammelte er. "Ein blinder Bruder bin ich g'wesen, aber Dir will ich ein Vater sein mit offene Augen!" Und zu Luitpold sich wendend, fuhr er mit harter Stimme fort: "Ah ja, eins hab ich vergessen. Und ich will net ung'recht sein. Der gnädige Herr Graf hat sich ja so viel Müh g'macht, mei'm Ferdl sein' guten Namen wieder z'geben. Im Augenblick erst hab ich's derfahren! Recht eine gute gnädige Lug! Freilich, lang g'nug hat's 'braucht! Und wissen kann man auch net, weswegen eigentlich der Herr Graf so gnädig war! D'Leut halt! Net wahr! D' Leut! Die wann sich denken müssten: Das hat der Ferdl 'tan, der Bruder von dem armen Deandl, das sich hat ins Wasser stürzen müssen ... da könnten sie sich 'leicht auch denken, es is was g'schehen, was dem Bruder ein Recht 'geben hat, dass er die Hand aufhebt gegen den, der ..." Die Stimme brach ihm. "Und freilich, so was wär gar ein arger 'Schmerz' für so ein' nobligen Herrn, wenn d' Leut sich so was denken müssten von ihm. Aber die Lug is g'sagt, und ich muss dem gnädigen Herrn Grafen auch noch danken dafür von ganzem Herzen. Leicht denkt sich keiner net, wozu man's brauchen kann, und ... schriftlich hab ich 's ja auch für alle Fäll!" Tief atmend schwieg er und sank erschöpft auf die Holzbank nieder.

Luitpold stand regungslos, mit totenblassem Gesicht und flammenden Augen. "Halb nur versteh ich, was Ihr sprecht," sagte er, und die Worte lösten sich schwer und stockend von seinen Lippen, "aber was ich verstehe, das ist eine Sprache, die ich nicht länger anhören darf, wenn ich nicht vor mir selbst erröten will. Meine plötzliche Ankunft, mein unerwarteter Anblick mag Euch so über alles Maß erregt haben. Ihr seid ungerecht! Aber ich zürne Euch nicht. Ich sehe nur, dass in dieser Stunde eine Verständigung zwischen uns unmöglich ist. Ihr würdet mir nicht glauben, wenn ich Euch auch sagen wollte, dass ich vor wenigen Tagen erst von dem entsetzlichen Ende vernommen habe, das der Bruder meiner Johanna gefunden. Ich bin gekommen, weil mein Herz mich zu Euch getrieben hat, um zu trösten und Trost zu empfangen. Was geschehen ist, Jörg, das ist geschehen und unabänderlich. Wen es härter getroffen, Euch oder mich, das mag nur Einer entscheiden, der in unsere Herzen sieht. Aber ich weiß, die Stunde wird nicht ausbleiben, die Euch sagen mag, dass ich mehr Euer Mitgefühl verdiene als Euren Groll." Luitpold schwieg, als vermöchte er nicht weiter zu sprechen. Mit feuchten Augen sah er die beiden Kinder an, dann wieder klang es mit leisen, zitternden Worten von seinen Lippen: "Ihr, Jörg, Ihr habt nur einen Teil von dem verloren, was Euer Herz besaß ... mit ist mit Johanna mein Alles gestorben!"

Es war ein Ton in diesen Worten, von dem sich Jörg in seiner innersten Seele getroffen fühlte. Das sah man seinem Gesicht an, auf welchem jählings alle Zeichen des Grolles und der Leidenschaft wie ausgelöscht erschienen. Banges Staunen sprach aus seinen Augen, ein Zucken und Zittern kam in seine Züge, dann sprang er auf und streckte, überwältigt von tiefer Bewegung, dem jungen Mann die beiden Hände entgegen.

Luitpold sah es nicht mehr. Hastig hatte er sich abgewandt, als hätte er die Tränen verbergen wollen, von denen seine Augen überflossen. Und ehe Jörg ein Wort über die Lippen zu bringen wusste, schloss sich hinter seinem Gast die Türe.

Gidi hatte seinen Herrn im Hof erwartet. Wortlos schritt er mit ihm die Straße dahin, Luitpold mit scheuen, besorgten Blicken von der Seite betrachtend. Dann fing er schüchtern zu reden an, von den Auerhähnen, die heur so ein "g'sundes Fruhjahr' gehabt hätten, von einem "Kapitalhirsch", der nahe bei der Jagdhütte seinen Stand hielte, und von drei "Fetzengamsböck", die droben auf der Höllenleite so "g'fangig" stünden, "ja grad zum abstechen." So redete er und wurde immer eifriger und lauter, als hätte er gar kein Auge dafür, dass sein Herr auf seine Worte kaum zu hören schien.

Sie hatten die Straßenkreuzung vor der Kirche erreicht, als Luitpold die Schritte verhielt. "Geh nur, Gidi, geh!", sagte er. "Zu Hause treffen wir uns wieder."

Gidi aber ging nicht. wie angewurzelt stand er und folgte mit traurigen Blicken seinem jungen Herrn. Er sah ihn den Friedhof betreten, die Reihen der Hügel und Kreuze wie suchend durchwandern und endlich vor einem Grab still stehen und das Gesicht in beide Hände bergen.

Als Luitpold die Straße wieder betrat, meinte Gidi, das hätte eine ganze Ewigkeit gedauert. "Müssen S' net harb sein, Herr Graf, dass ich g'wart't hab," stammelte er, "ich hab mir halt 'denkt ..." und da wusste er mit einem Male gar nicht, was er denn eigentlich gedacht hatte.

Luitpold reichte ihm die Hand. "Gidi! Wir wollen zu Berge steigen. Ich muss hinauf! Die Luft hier unten erdrückt mich!"

Da schnalzte Gidi mit den Fingern und hätte am liebsten einen Juhschrei getan. "Da haben S' recht, Herr Graf! Da haben S'recht! Am Berg droben schaut sich alles gleich anders an. Da liegt der Hamur hinter jedem Stein, grad bucken braucht man sich drum."

Zwei Stunden später brachen sie auf. Als sie über den Wiesenhang dem Wald zustiegen, sah Gidi über die Straße, die zur Bahnstation führte, eine offene Kutsche dahinrasen, dass der Staub in dicken Wolken hoch empor wirbelte.

"Wo mag denn der jetzt hinfahren?", fragte sich Gidi, als er den Finkenbauer in der Kutsche zu erkennen meinte.

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