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Wolfram von Eschenbach - Parzival

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XVI. Loherangrin

Anfortas hatte die Templeisen oft vergebens gebeten, ihn sterben zu lassen; auch war er zu schwach gewesen, die Augen lange genug vor dem Gral verschlossen zu halten. Die Wiederkehr der Planeten Jupiter oder Mars hatte seine Schmerzen so geschärft, dass er laut aufschreien musste: Köstliche Gerüche und heilkräftige Steine, die das Spannbette schmückten, brachten nur wenig Linderung. Als Parzival ankommt, bitter er auch diesen um den Tod, weil er ihm nicht andeuten darf, was er zu tun habe. Zur Dreifaltigkeit flehend wirft sich Parzival drei Mal vor dem Gral zur Erde und fragt dann den Oheim was ihm fehle? Augenblicklich wird Anfortas gesund und über alle Vergleichung schön. Da Parzival als König des Grals anerkannt ist, bringt ein Templer die Nachricht, dass Kondwiramur, von Kiot begleitet, unterwegs sei und schon den Parzival erreicht habe. Indem ihr Parzival entgegen reitet, spricht er erst bei Trevrezent vor, der jetzt seine frühere Aussage wegen der vertriebenen Geister, die bei dem Grale wären, zurück nimmt und erklärt, er habe ihn damit nur von dem vergeblichen Trachten nach demselben zurückbringen wollen. Er bittet den Einsiedler um seinen steten Rat, reitet weiter und erreicht am Morgen den Plimizöl, wo ihn Kiot zu der Gattin und den Kindern führt. Mit jener bleibt er allein bis zum vollen Morgen und sieht nun nach fünfjähriger Trennung seine frühere Sehnsucht an derselben Stelle erfüllt. Nach der Messe lässt er seinen Sohn Kardeiß zum Könige seiner Erblande krönen, worauf die von diesem belehnten Mannen mit ihm heimziehen. Indem er nun mit Loherangrin und den Templern gen Monsalväsche zieht, besucht er Sigunens Klause, findet sie über dem Sarge des Geliebten tot und lässt sie neben ihm bestatten. Nach dem festlichen Empfang Kondwiramurs wird der Gral herein getragen, und alles wiederholt sich wie bei Parzivals erster Anwesenheit, nur dass er diesmal der König ist und alles mit Freuden, ohne die Lanze, begangen wird. Feirefiß sieht als ein Heide den Gral nicht, aber seine Trägerin, Repanse de Schoie, nimmt sein Herz so gefangen, dass er Sekundillens vergisst und seine falschen Götter abzuschwören bereit ist. Parzival, der ihn jetzt duzt, weil er als König des Grals so reich ist als er, übernimmt die Vermittlung. Am Morgen wird er im Tempel getauft, empfängt Repansen zum Patengeschenk und sieht nun den Gral. Die Schrift an diesem verordnet hierauf, wer künftig aus seiner Schar fremden Ländern zum Herrn gesandt werde, solle Fragen über seine Herkunft verbieten. Vergebens bittet Feirefiß, dass ihm Anfortas oder Loherangrin nach dem Morgenlande folge. Als er mit seinem Weibe und Kondrien, die ihm als Botin voran reist, und im Geleite des Burggrafen von Karkobra den Hafen erreicht, war seinem Heere die Nachricht von Sekundillens Tode zugegangen. In Indien, wo er das Christentum verbreiten ließ, gebar ihm Repanse einen Sohn, welcher Priester Johannes hieß, ein Name, den nach ihm dort alle Könige führten. Loherangrin ward der jungen Herzogin von Brabant zum Gemahl gesandt: Von einem Schwan im Nachen gezogen, stieg er zu Antwerpen ans Land und verbot jene Frage. Als diese dennoch nicht unterblieb, schied er, obwohl ungern, von dannen und ließ Schwert, Horn und Ring zurück.


   Anfortas mit den Seinen trug (787, 1)
Leid und Jammer noch genug.
Ihre Treue ließ ihn in der Not:
Er bat sie oftmals um den Tod.
Dem Tod auch könnt er nicht entgehn, (787, 5)
Doch ließen sie den Gral ihn sehn:
Da fristet' ihn des Grales Kraft.
Er sprach zu seiner Ritterschaft:

   "Ich weiß wohl, wär euch Treue kund,
Mein Leid erbarmt' euch gleich zur Stund. (787, 10)
Wie lange soll die Qual mir währen!
Sicher, Rechenschaft gewähren
Müsst ihr dafür dereinst vor Gott.
Stets war ich gern euch zu Gebot,
Seit ich zuerst die Waffen trug. (787, 15)
Entgolten hätt ichs nun genug
Was treulos von mir geschah,
Wenn das eur Auge je ersah.
Wollt ihr der Untreu euch erwehren,
So erlöst mich, bei des Helmes Ehren (787, 20)
Und bei des Schildes Orden:
Inne seid ihr oft geworden,
Schiens euch wert darauf zu achten,
Dass die zwei mit mir vollbrachten
Manches ritterliche Werk. (787, 25)
Ich habe kühnlich Tal und Berg
In mancher Tjost überritten
Und mit dem Schwerte so gestritten,
Es mochte wohl den Feind verdrießen;
Des lasst ihr wenig mich genießen.
Ich aller Freuden weiser (788, 1)
Traun vor dem Himmelskaiser
Verklag ich einst euch alle.
Ihr kommt zu ewgem Falle,
Wenn ihr mich nicht bald befreit. (788, 5)
Mein Jammer wär euch billig leid.
Ihr habt gesehn und auch vernommen
Wie mir dies Unglück ist gekommen:
Wie taugt' ich euch zum Herren noch?
Viel zu früh erfahrt ihrs doch, (788, 10)
Wenn ihr das Heil verwirkt an mir.
O weh, wie übel handelt ihr!"

   Sie würden endlich ihn erlösen,
Wär eine Hoffnung nicht gewesen.
Euch machte Trevrezent bekannt (788, 15)
Was dort am Gral geschrieben stand.
Sie erharrten abermals den Mann,
Dem dort die Freude gar zerrann
Und der hilfreichen Stunde,
Da die Frage käm aus seinem Munde. (788, 20)

   Auf eine List sann Anfortas:
Dass er geschlossnen Auges saß:
Vier Tage senkt' er oft die Lieder.
Trug man ihn zum Grale wieder,
Es mocht ihm leib sein oder leid, (788, 25)
Da zwang ihn seine Schwachheit,
Dass er offen tat die Augen:
Da musst' er Leben saugen
Und konnt im Tode nicht erkalten:
So pflegten sie's mit ihm zu halten

   Bis an den Tag, da Parzival, (789, 1)
Der bunte Feirefiß zumal,
Froh gen Monsalväsche ritten.
Auch kam die Zeit mit schnellen Schritten,
Dass Mars oder Jupiter (789, 5)
Wie zornglühend zog daher
Und sich der Stelle wieder nahten
(Dann war der König schlimm beraten),
Wo sie zu Anfang stunden.
Das tat an seinen Wunden (789, 10)
Anfortas weh mit solcher Qual,
Die Fraun und Ritter allzumal
Hörten sein Geschrei ertönen.
Mit Jammerblicken und mit Stöhnen
Gab er seinen Jammer kund. (789, 15)
Er war ohn alle Hilfe wund,
Helfen konnten sie ihm nicht;
Jedoch die Aventüre spricht,
Nun sei die wahre Hilf ihm nah.
Beim Mitleid ließen sie es da. (789, 20)

   Wenn die scharfe bittre Not
Ihr strenges Ungemach ihm bot,
Zur Lindrung wurde dann die Luft
Erfüllt mit süßer Kräuter Duft.
Man legt' ihm auf den Teppich hin (789, 25)
Dann Pigment und Terpentin,
Moschus und Aromata.
Die Luft zu reingen lag auch da
Ambra und Theriak genug:
Das war ein süßer Wohlgeruch.
Sobald man auf den Teppich trat, (790, 1)
Ieroffel, Kardemom, Muskat
Lag, die Lüfte zu durchsüßen,
Gebrochen unter ihren Füßen.
Wie das mit Tritten ward zerdrückt, (790, 5)
So war die Nase gleich erquickt.
Von Lignum Aloe war sein Feuer;
Das sagt' euch schon ein Abenteuer.

   Als Stollen an dem Spannbett prangen
Sah man aus Horn gedrehte Schlangen. (790, 10)
Dass das Gift beruhigt sei
Waren Wurzeln mancherlei
Auf die Kissen ausgesät.
Nur gesteppt und nicht genäht
War das Pfellel, drauf er lehnte, (790, 15)
Ein Seidenstoff von Nauriente;
Das Polster drunter war Palmaten.
Das Spannbett war auch sonst beraten
Mit teuern Edelsteinen,
Und mit anders keinen. (790, 20)
Stränge haltens aneinander
Vom Geweb der Salamander:
Das sind die Borten drunter.
Ihn machte Freude nicht zu munter.
Reich wars nach allen Seiten: (790, 25)
Es möge niemand streiten
Als hab er Bessres je gesehn.
Es war kostbar und schön
Von edeln Steinen aller Art;
Ihre Namen sind uns aufbewahrt:

   Karfunkel und Selenit, (791, 1)
Belagius und Jerachit,
Onix und Chalcedon,
Korallis und Bestion,
Unio und Ophthallius, (791, 5)
Epistites Keraunius,
Gagatrom, Heliotropia,
Pantherus, Antrodragma,
Prasem und Sarda,
Hematites, Dionysia, (791, 10)
Achates und Chelidon,
Sardonix und Chalkophon,
Karneol und Jaspis,
Echites und Iris,
Gagates und Ligurius, (791, 15)
Abeston und Cegolithus,
Galaktida, Hyacinthus,
Orites und Anydrus,
Absinth und Alabanda,
Chrysolekter, Hiennia, (791, 20)
Smaragd und Magnes,
Saphir und Pyrites.
Daneben standen hier und da
Türkisen und Lipparea,
Chrysolten und Rubinen, (791, 25)
Paleisen und Sardinen,
Adamas und Chrysopras,
Diadoch und Topas,
Medus und Malachit,
Berillus und Peanit.

   Einige lehrten hohen Mut; (792, 1)
Zum Heil und zur Gesundheit gut
War der andern Eigenschaft.
Sie verliehen hohe Kraft,
Wer es zu erproben wusste. (792, 5)
So künstlich fristen musste
Man Anfortas: Der schuf dem Herzen
Seines Volkes große Schmerzen.
Doch blad wird Freude hier vernommen.
Schon ist gen Monsalväsch gekommen, (792, 10)
Von Ioflanz geritten heut,
Dem alle Sorge war zerstreut,
Parzival, sein Bruder und die Magd.
Man hat mir nicht genau gesagt,
Wie viel es Meilen waren. (792, 15)
Sie hätten Kampf erfahren;
Doch weil Kondrie ihr Geleit,
Bleiben sie davon befreit.

   Sie waren einer Vorhut nah:
Auf schnellen Rossen kamen da (792, 20)
Viel Templeisen angefahren,
Gewappnet, die so klug doch waren,
Dass sie im Geleite sahen,
Ihnen solle Freude nahen.
Wohl rief ihr Rottenmeister da, (792, 25)
Als er die Turteltauben sah
Glänzen von Kondriens Kleid:
"Ein Ende hat all unser Leid:
Mit des Grales Wappen eingetroffen
Ist, auf den wir täglich hoffen,
Seit uns Angst und Not umstricken. (793, 1)
Halt still: Nun will uns Freud erquicken."

   Feirefiß Anschewein
Mahnte Parzival, den Bruder sein,
Wider jene zu reiten (793, 5)
Und wollte selber streiten.
Kondrie erfasste seinen Zaum:
Da war zu seiner Tjost nicht Raum.
Die rauche Magd begann zumal
Zu ihrem Herren Parzival: (793, 10)
"Solche Schilde, dies Panier
Sollt ihr kennen lernen hier.
Sie zählen zu des Grales Schar
Und sind euch dienstbar immerdar."
Da sprach der werte Heide: (793, 15)
"Den Streit ich gern nun meide."

   Da schickte Parzival Kondrien
Voraus, zu den Templeisen hin.
Sie ritt und brachte ihnen Märe,
Welch Heil für sie gekommen wäre. (793, 20)
Da sprangen die Templeisen
Vom Pferd vor dem Waleisen.
Auch banden sie zu gleicher Zeit
Den Helm vom Haupt aus Höfischheit
Und empfingen Parzival zu Fuß. (793, 25)
Ein Segen däuchte sie sein Gruß.
Sie begrüßten auch mit Fleiß
Diesen Heiden schwarz und weiß,
Und ritten weinend, ob in Freuden,
Gen Monsalväsch dann mit den Beiden.

   Da fanden sie zahllose Scharen, (794, 1)
Manchen Ritter grau von Haaren,
Knappen und edle Kinde.
Das traurge Ingesinde
Schien ihre Ankunft doch zu freun. (794, 5)
Feirefiß Anschewein
Und sein Bruder Parzival,
An der Stiege vor dem Saal
Wurden sie wohl empfangen.
In den Saal ward gegangen. (794, 10)

   Da lagen nach des Hauses Sitten
Hundert Teppiche, rund geschnitten;
Ein Bett auf jedem, weich genug,
Mit gestepptem Sametüberzug.
Da mussten beide zum Empfang (794, 15)
Niedersitzen, nur so lang
Bis sie die Rüstung abgetan.
Dann kam ein Kämmerer heran,
Der ihnen Kleider brachte, reich,
Dem einen wie dem andern gleich. (794, 20)
Auch all die Schar der Ritter saß.
Man trug von Gold (es war nicht Glas)
Manchen Becher in den Saal.
Feirefiß und Parzival
Tranken und gingen dann (794, 25)
Zu Anfortas dem traurgen Mann.

   Ihr habt wohl schon vernommen, dass
Er lehnte und gar selten saß;
Auch wie das Bett geschmückt ihm war.
Die zwei empfing Anfortas, zwar
Fröhlich, doch mit Kummers Klage. (795, 1)
"Mit Schmerz erharrt' ichs lange Tage,
Werd ich künftig von euch froh.
Wohl war euer Abschied so,
Dass ihr es billig jetzt bereut, (795, 5)
Wenn euch mir zu helfen freut.
Ward jemals Preis von euch gesagt,
Hier ist mancher Ritter, manche Magd:
Bittet, dass man mir den Tod
Vergönnt, so endet meine Not. (795, 10)
Ist euer Name Parzival,
So entziehet meinem Blick den Gral
Sieben Nacht nur und acht Tage,
So hat ein Ende meine Plage.
Euch anders warnen darf ich nicht: (795, 15)
Heil euch, wenn Hilf euch nicht gebricht.
Eur Gesell ist hier ein fremder Mann,
Dessen Sehen ich nicht dulden kann.
Was sorgt ihr nicht für sein Gemach?"
Parzival mit Weinen sprach: (795, 20)

   "Sagt mir wo der Gral hier liege.
Wenn ich durch Gottes Gnade siege,
Des werdet ihr wohl inne werden."
Da warf er betend sich zur Erden
Dreimal zur Dreifaltigkeit, (795, 25)
Dass des traurgen Mannes Leid
Jetzt ein Ende möcht empfahn.
Der Held stand auf und sprach alsdann:
"Oheim, was fehlet dir?"
Der für St. Silvestern einen Stier
Vom Tode lebend wandeln hieß, (796, 1)
Der Lazarum erstehen ließ,
Derselbe half, dass Anfortas
Alsbald zu vollem Heil genas:
Was der Franzose nennt Florie, (796, 5)
Den Glanz er seiner Haut verlieh.
Nun war Parzivals Schönheit Wind,
Und Absalons, Davidens Kind,
So aller, die wie Vergulacht
Die Schönheit erblich hergebracht, (796, 10)
Auch Gahmuretens Schönheitspreis,
Als er dort zu Kanvoleis
Einzug hielt so wonniglich -
All ihre Schönheit dieser wich,
Die Anfortas aus Siechheit trug. (796, 15)
Gott kann der Künste noch genug.

   Da braucht' es weiter keine Wahl:
Durch die Schrift an dem Gral
War ihnen schon ein Herr benannt.
Parzival ward anerkannt (796, 20)
Als König und Gebieter dort.
Man fände wohl an andern Ort
So leicht nicht zwei so reiche Männer
(Von Reichtum bin ich zwar kein Kenner),
Als Feirefiß und Parzival. (796, 25)
Dem Wirt und seinem Gast zumal
War man zu dienen treu beflissen.
Ich kann der Meilen Zahl nicht wissen,
Die Konwiramur geritten kam
Gen Monsalväsch wohl ohne Gram.
Sie hatte alles schon vernommen: (797, 1)
Ihr war die Botschaft gekommen,
Ein Ende hätt all ihre Not.
Der Herzog Kiot
Und sonst noch mancher werte Degen (797, 5)
Hatten sie auf waldgen Wegen
Gen Monsalväsch geführt, bis dort
Wo Segramors, ihr kennt den Ort,
Aus dem Sattel war gewichen,
Und ihr der blutge Schnee geglichen. (797, 10)
Da sollte Parzival sie finden:
Des mocht er gern sich unterwinden.

   Ein Templer bracht ihm diese Märe:
Mit der Königin gekommen wäre
Höfscher Ritter große Zahl. (797, 15)
Nicht lang besinnt sich Parzival:
Mit eingen von des Grales Heer
Zu Trevrezenten reitet er.
Den Klausner freute herzlich, dass
Es also stund um Anfortas, (797, 20)
Dass er von jener Tjost nicht starb
Und ihm die Frage Heil erwarb.
"Gottes Kraft ist unermessen!
Wer hat in seinem Rat gesessen?
Wer weiß ein Ende seiner Macht? (797, 25)
Zu Ende wird es nie gedacht
Von allen Himmelschören dort.
Gott ist Mensch und seines Vaters Wort.
Gott ist Vater und Sohn zugleich,
Sein Geist ist aller Hilfe reich."

   Zu Parzival begann er da: (798, 1)
"Ein Wunder ists wie nie geschah,
Da Gott erzürnt hat eure Tat,
Dass sein dreieinig ewger Rat
Euch Wunsch und Trachten ließ gelingen. (798, 5)
Ich log, um nur euch abzubringen
Vom Gral, wie's um ihn stünde
(Gebt mir Buße für die Sünde;
Gehorsam will ich jetzt euch sein,
Schwestersohn und Herre mein): (798, 10)
Dass die vertriebenen Geister
Verwiesen von dem Weltenmeister
Harrend schwebten um den Gral,
Ob ihnen Gnade würd einmal.
Also sprach ich dort zu euch. (798, 15)
Doch Gott ist stets sich selber gleich,
Er streitet ewig wider sie
Und Gottes Huld wird ihnen nie.
Wer seinen Lohn davon will tragen,
Der muss den Bösen widersagen: (798, 20)
Ewiglich sind sie verloren,
Sie haben selbst den Fall erkoren.
Ihr mühtet euch, das war mir leid,
Umsonst in ganz vergebnem Streit.
Dass wer den Gral sich möcht erstreiten (798, 25)
War unerhört zu allen Zeiten;
Ich hätt euch gern der Müh entnommen.
Doch anders ist es nun gekommen,
Euch kam von oben der Gewinn;
Zur Demut wendet nun den Sinn."

   Zum Oheim sprach der Waleis da: (799, 1)
"Ich soll sie sehn, die ich nicht sah
Innerhalb fünf Jahren.
Da wir beisammen waren
War sie mir lieb; das ist sie noch. (799, 5)
Ich wünsche deinen Rat jedoch
So lang uns noch nicht schied der Tod:
Du rietst mir einst in großer Not.
Ich ziehe meinem Weib entgegen:
Die zog daher auf waldgen Wegen (799, 10)
Bis an des Plimizöls Gestad."
Der Held um seinen Urlaub bat.

   Da befahl ihn Gott der gute Mann;
Nacht war es, als er fuhr hindann.
Den Gesellen war der Wald wohl kund. (799, 15)
Am Morgen fand er lieben Fund,
Manch Gezelt aufgeschlagen:
Aus dem Lande Brobarz, hört ich sagen,
Aufgepflanzt war manch Panier,
Und mancher Schild gehängt dafür: (799, 20)
Seines Landes Fürsten lagen dort.
Der Waleis frug, an welchem Ort
Die Köngin selber läge
Und ob eigner Kreis sie hege?
Da zeigte man ihm wo ihr Zelt (799, 25)
Mit eignem Umkreis stand im Feld,
Von andern Zelten rings umfangen.
Herzog Kiot von Katelangen
War zeitig aufgestanden heute:
Da sah er reiten fremde Leute.

   Noch war des Tages Schimmer grau; (800, 1)
Kiot erkannte doch genau
Des Grales Wappen an der Schar:
Sie führten Turteltauben klar.
Der alte Mann erseufzt von Herzen, (800, 5)
Da er Schoisianens denkt mit Schmerzen:
Die er zu Monsalväsch erworben
War bei Siguns Geburt gestorben.
Entgegen ging ihm Parzival
Und empfing ihn mit den Seinen all. (800, 10)
Den Marschall der Königin,
Durch einen Junker bat er ihn,
Den Rittern gut gemach zu schaffen,
Die er da halten sah in Waffen.
Ihn selber führt' er an der Hand (800, 15)
Wo er der Königin Kammer fand,
Ein klein Gezelt von Buckeram,
Wo man die Rüstung von ihm nahm.

   Noch ahnte nichts die Königin.
Kardeiß und Loherangrin (800, 20)
Fand bei ihr liegen Parzival
(Wer zählt da seiner Freuden Zahl?)
In einem hohen weiten Zelt,
Und rings umher ihr zugesellt
Lagen klarer Fraun genug. (800, 25)
Kiot ihr auf die Decke schlug,
Er hieß die Königin erwachen,
Sie sollte fröhlich sein und lachen.
Sie blickt' empor und sah den Mann.
Sie hatte nur das Hemde an:
Die Decke hurtig um sich schwang, (801, 1)
Auf den Teppich vor dem Bette sprang
Kondwiramur, das schöne Weib;
Auch umfing sie ihres Mannes Leib.
Man sagte mir, sie küssten sich. (801, 5)
Sie sprach: "So hat das Glück mir dich
Gesendet, Herzensfreude mein!"
Sie hieß ihn willkommen sein.
"Nun sollt ich zürnen, kann nicht, ach!
Heil sei der Stunde, sie dem Tag, (801, 10)
Die mir brachten diesen Kuss,
Davon mein Trauern schwinden muss.
Nun hab ich was mein Herz begehrt,
Allen Sorgen ist der Sieg verwehrt."

   Nun erwachten auch die Kindelein, (801, 15)
Die lagen auf dem Bette bloß.
Wohl war des Vaters Freude groß,
Da er sie küsste minniglich.
Nicht lang bedachte Kiot sich,
Er befahl die Knaben fort zu tragen; (801, 20)
Man hört' ihn auch den Frauen sagen,
Dass sie aus dem Zelte gingen.
Das taten sie, doch erst empfingen
Sie ihren Herren nach langer Reise.
Kiot der höfische und weise (801, 25)
Befahl der Köngin ihren Mann;
Die Jungfraun führt' er all hindann.
Noch begann es kaum zu tagen;
Die Winden wurden zugeschlagen.

   Nahm ihm einst bewussten Sinn (802, 1)
Schnee und Blut gemischt dahin
(Die fand er liegen hier im Hain),
Für solchen Kummer steht nun ein
Kondwiramur, die beides hat. (802, 5)
Nie hatt er Hilf an andrer Statt
Empfangen für der Minne Not,
Ob manch edles Weib ihm Minne bot.
In süßer Kurzeweile lag
Er bis zu vollen Morgens Tag. (802, 10)

   Neugierig nahte Kots Schar:
Sie nahmen der Templeisen wahr.
Von Hieb und Stoß zerschlagen
Sah man sie Helme tragen;
Ihr Schild hat Lanzenstöß erlitten, (802, 15)
Von Schwertern war er auch zerschnitten.
Von Samt oder Seidentuch
War das Kleid, das jeder trug.
Keinen Harnisch trugen mehr die Stolzen,
Nur an den Füßen Eisenkolzen. (802, 20)

   Nicht mehr zum Schlafen stand ihr Sinn.
Der König und die Königin
Standen auf. Ein Priester Messe sang.
Da ward im Lager groß der Drang
Von dem tapfern Kriegesheer, (802, 25)
Das Klamiden einst stand zur Wehr.
Als die Messe war begangen
Wurde Parzival empfangen
Würdiglich von seinen Bann,
Manchem Ritter kühn und wohlgetan.

   Des Zeltes Winden nahm man ab. (803, 1)
Der König sprach: "Wo ist der Knab,
Der König sein soll euerm Land?"
Allen Fürsten macht' er da bekannt:
"Wals und Norgals, (803, 5)
Kanvoleiß und Kingrivals
Gehört zu vollem Recht ihm an,
Mit Anschau und Bealzenan.
Erwächst er einst zu Mannes Kraft,
So helft, dass ihr ihm die verschafft. (803, 10)
Gahmuret mein Vater hieß,
Der mirs als rechtes Erbe ließ.
Da mir das Glück verhalf zum Gral,
So empfanget ihr schon dieses Mal
Eure Lehn von meinem Kinde, (803, 15)
Wenn ich euch treu befinde."

   Das geschah von Herzen gern.
Viel Fahnen brachte man dem Herrn:
Da verliehn zwei kleine Hände
Weiter Lande manches Ende. (803, 20)
Gekrönet wurde da Kardeiß;
Er bezwang auch später Kanvoleiß
Und mehr von Gahmuretens Land.
An des Plimizöls grünem Rand
Ward ein weiter Kreis gemessen, (803, 25)
Wo sie zu Mittag sollten essen.
Sie nahmen eilends Trank und Speise
Und schickten sich zur Heimreise.
Die Zelte brach das Heer darnieder;
Mit dem junge König fuhr es wieder.

   Das Ingesind und viel Jungfrauen (804, 1)
Ließen großen Kummer schauen,
Da sie schieden von der Königin.
Die Templer nahmen Loherangrin
Und seine Mutter wohlgetan: (804, 5)
Also ritten sie hindann
Gen Monsalväsche balde.
"Eines Tags in diesem Walde
Sah ich eine Klause stehn,"
Sprach Parzival, "und drinne gehn (804, 10)
Einen schnellen Brunnen klar:
Wenn ihr sie wisst, so weist mich dar."
Sie wüssten sie, ward ihm gesagt
Von den Gefährten, "eine Magd
Wohnte klagend  auf des Freundes Sarg; (804, 15)
Ihr Herz die laurtre Güte barg.
Unser Weg geht nah vorbei;
Ihr Herz ist selten Jammers frei."
Der König sprach: "Ich will sie sehn."
Die andern ließens gern geschen. (804, 20)

   Sie ritten vorwärts lange fort
Und fanden spät am Abend dort
Sigunen auf den Knien tot:
Da sah die Köngin Jammers Not.
Durch den Felsen brach man zu ihr ein. (804, 25)
Seiner Base halber ließ den Stein
Parzival vom Sarge heben.
Schön gebalsamt wie im Leben
Lag Schionatulander da.
Man legte sie dem Helden nah,
Die ihm magdtumliche Minne gab (805, 1)
Im Leben, und verschloss das Grab.
Kondwiramur begann zu klagen
Ihres Oheims Tochter, hört' ich sagen,
Mit großen Schmerzen unerlogen: (805, 5)
Schoisiane hatte sie erzogen,
Die Mutter der gestorbnen Maid,
Als Kind, das schuf ihr bittres Leid,
Die Muhme nannte Parzival,
Wenn Wahrheit spricht der Provenzal. (805, 10)

   Noch wusste Herzog Kiot
Nicht um seiner Tochter Tod,
Der Kardeißen hatt erzogen.
Es ist nicht krumm wie der Bogen,
Die Wahrheit sag ich recht und schlecht. (805, 15)
Da taten sie der Reis ihr Recht
Gen Monsalväsch in tiefer Nacht.
Die Stunden harrend zugebracht
Hatte Feirefiß mit freudgem Herzen.
Man entzündete viel Kerzen (805, 20)
Als wär entbronnen rings der Wald.
Einen Templer von Patrigalt
Sah man bei der Köngin reiten.
Der Hof war räumig: An den Seiten
Stand harrend manch gesondert Heer: (805, 25)
Sie empfingen all die Köngin hehr,
Den Wirt und auch sein Söhnelein.
Da trug man Loherangrein
Zu seinem Oheim Feirefiß:
Da der sich schwarz und weiß erwies,
Wollt ihm das Kind den Mund nicht leihn; (806, 1)
Den Kleinen muss man Furcht verziehn.

   Das belustigte den Heiden.
Da begann man sich zu scheiden
Auf dem Hofe, wo die Königin (806, 5)
War abgestiegen; Hochgewinn
War allen ihre Kunst fürwahr.
Man führte sie, wo Frauen klar
Sie zu empfangen sich beflissen.
Anfortas und Feirefißen (806, 10)
Mochte man bei den Frauen
An der Stiege höfisch schauen.
Repanse de Schoie,
Von Grünland Garschiloie
Und Florie von Nonel (806, 15)
Trugen klare Haut und Augen hell,
Dazu magdtumlichen Preis.
Da stand auch, schwanker als ein Reis,
Der Güt' und Schönheit unverloren
War, zur Tochter ihm geboren, (806, 20)
Ril, dem Herrn von Iernise,
Die reine Magd Anflise.
Von ihr stand Klarischanz nicht weit,
Von Tenabrock die süße Maid,
An lichter Farbe unverkürzt, (806, 25)
Trotz Ameisen schlank geschürzt.

   Die Königin von Feirefiß
Zum Willkomm gern sich küssen ließ,
Von Anfortasen ebenso;
Auch war sie seiner Heilung froh.
Der Heide führte sie an der Hand, (807, 1)
Wo sie des Wirtes Muhme fand,
Repansen de Schoie, stehn.
Noch mussten Küsse viel geschehn.
Ihr Mund, schon zuvor so rot, (807, 5)
Litt nun von Küssen solche Not:
Dass ich für sie so manche Maid
Nicht küssen kann, das ist mir leid,
Statt der reisemüden Königin.
Da führten sie die Jungfraun hin. (807, 10)

   Die Ritter blieben in dem Saal:
Da sah man Kerzen ohne Zahl
Wonniglich entbronnen.
Da ward mit Zucht begonnen
Ein Festmahl mit dem Grale. (807, 15)
Nicht bei jedem Mahle
Pflegte man ihn vorzutragen,
Nur an festlichen Tagen.
Sie hatten damals Trost zu finden
Gehofft, da ihre Freude schwinden (807, 20)
Der blutge Speer ließ jenen Abend:
Weil er lindernd ist und labend,
Trug man da hervor den Gral;
Doch ließ in Not sie Parzival.
Heut trug man ihn zur Freude vor, (807, 25)
Da all ihr Kummer sich verlor.

   Da des Reisekleids entledigt war
Die Köngin, und gekränzt ihr Haar,
Da trat sie wiederum herfür;
Der Heid empfing sie an der Tür.
Nun, da war es ohne Streit, (808, 1)
Es hört' und sprach zu keiner Zeit
Niemand von schönerm Weibe.
Auch trug sie an dem Leibe
Seidenzeug von Meisterhand (808, 5)
Gewirkt, ein Stoff, den einst Sarant
Mit großer Kunst erfunden hat
Dort zu Thasme in der Stadt.
Feirefiß Anschewein
Führte sie, der lichter Schein (808, 10)
Entstrahlte, mitten durch den Saal.
An großer Feuer drei'n zumal
Gab Aloeholz Geruch und Hitze.
Vierzig Teppiche und Sitze
Sah man heute mehr, als da (808, 15)
Zuerst den Gral der Waleis sah.
Vor allen war ein Sitz geziert,
Wo mit Anfortas der Wirt
Sitzen sollt und Feirefißen.
Wohl war der Zucht beflissen (808, 20)
Wer da dienen wollte,
Wenn der Gral erscheinen sollte.

   Wie man vor Anfortas ihn trug,
Davon vernahmt ihr einst genug:
Sie halten es nach gleichem Brauch (808, 25)
Vor Gahmuretens Sohn nun auch
Und König Tampentärens Kind.
Die Tür geht auf; im Zuge sind
Da schon die Jungfraun allzumal,
Zweiundzwanzig and er Zahl.
Die erste schien dem Heiden klar (809, 1)
Und schön, mit langem Lockenhaar,
Die andern schöner, die er da
Auf die erste folgen sah,
Ihre Kleider kostbar all und reich; (809, 5)
Minniglich und schön zugleich
War all der Jungfraun Angesicht.
Die letzte war vor allen licht,
Repans de Schoie, eine Magd.
Tragen ließ, so wird gesagt, (809, 10)
Sich der Gral von ihr allein;
Keine andre durft es sein.
Demut wohnt' in ihrem Herzen;
Den Schnee schien ihre Haut zu schwärzen.

   Wollt ihr nochmals Kunde haben, (809, 15)
Wie viel Kämmerer das Wasser gaben,
Wie viel man Tafeln vor sie trug
(Heut wären hundert nicht genug),
Wie Unordnung floh den Saal,
Dann der Karossen große Zahl (809, 20)
Mit den teuern Goldgefäßen,
Beschrieb' ich wie die Ritter äßen,
So käm ich allzu spät ans Ziel,
Drum nehm ich Kürze mir zum Ziel.
Mit Zucht man von dem Grale nahm (809, 25)
Alle Speise, Wild und Zahm,
Hier den Met und dort den Wein,
Wie es jeden mocht erfreun,
Sinopel, Moraß und Klaret.
Le fils dü Roi Gahmuret
Fand Pelrapär nicht so bestellt (810, 1)
Als es zuerst ersah der Held.

   Der Heide frug verwundert,
Wie die Becher alle hundert
Vor der Tafel würden voll? (810, 5)
Ihm gefiel das Wunder wohl.
Da sprach der klare Anforats,
Der ihm an der Seite saß:
"Herr, seht ihr vor euch nicht den Gral?"
Der bunte Heide sprach zumal: (810, 10)
"Ich sehe nur ein Achmardi;
Eine Jungfrau bracht es, sie
Die gekrönt dort vor uns steht;
Ihre Schönheit mir zu Herzen geht.
Ich wähnte doch so stark zu sein, (810, 15)
Dass mir kein Weib noch Mägdelein
Den frohen Mut mehr rauben könnte.
Wenn je mir werte Minne gönnte
Ein Weib, mir widert all ihr Minnen.
Wohl ists unziemliches Beginnen, (810, 20)
Dass ich euch künde meine Not,
Der ich noch nie euch Dienste bot.
Was hilft nun all die reiche Habe
Und was ich um Fraun gestritten habe?
Was frommt mir, dass ich mild gegeben, (810, 25)
Wenn ich in solcher Qual soll leben?
Mein starker Gott Jupiter,
Schicktest du mich zur Marter her?"

   Man sah vor Schmerz die weißen Stellen
Seiner haut sich bleichend hellen:
Kondwiramur die schöne sah (811, 1)
Ihren Schein so licht beinah
Als der Jungfrau Weiße prangen.
In ihrer Minne Strick gefangen
War Feirefiß der werte Gast. (811, 5)
Andre Minne ward ihm so verhasst,
Dass er sie vergaß mit Willen.
Was half da Sekundillen
Ihre Minne, was Tribalibot?
Eine Magd schuf ihm so strenge Not: (811, 10)
Olympia und Klauditte,
Sekundille dann die dritte,
Und wo ihm Lohn in andern Landen
Ein Weib für Dienste zugestanden,
Aller dieser Frauen Minne (811, 15)
Schlug Gahmuretens Sohn sich aus dem Sinne.

   Da sah der klare Anfortas,
Dass sein Gesell gefoltert saß,
Wie seine blanke Farbe blich,
Ihm aller hohe Mut entwich. (811, 20)
Da sprach er: "Herr, die Schwester mein,
Leid wär mir, schüfe die euch Pein,
Die niemand noch von ihr erlitten.
Kein Ritter hat für sie gestritten,
Auch empfing noch niemand Lohn von ihr; (811, 25)
Sie teilte großes Leid mit mir.
Ihre Schönheit musst es auch entgelten,
Dass man sie fröhlich sah so selten.
Euer Bruder ist ihr Schwestersohn;
Der schafft vielleicht euch Hilf und Lohn."

   "Die Magd soll eure Schwester sein," (812, 1)
Sprach Feirefiß Anschewein,
"Die die Kron auf bloßem Haupte hat?
Gebt mir zu ihrer Minne Rat;
Nach ihr nur hat mein Herz Begehr. (812, 5)
Erwarb mir jemals Preis der Speer,
Wär das allein für sie geschehn,
Und ließ sie mich den Lohn ersehn!
Fünf Stiche zählt man zum Turnier:
Wie oft gelangen alle mir! (812, 10)
Der erste beim entgegen Reiten;
A Travers nennt man den zweiten;
Der dritte soll den Guten
In rechter Tjost entmuten;
Oft hab ich hurtiglich geritten, (812, 15)
Und auch zur Folge wohl gestritten:
Seit der Schild mir Deckung bot,
Empfand ich heut die größte Not.
Einen feurgen Ritter glühn
Sah ich vor Agremontin: (812, 20)
War nicht mein Salamanderkleid,
Von Asbest mein Schild zu jener Zeit,
Ich wär von der Tjost verbronnen.
Hab ich Preis je mit Gefahr gewonnen
In solchem Kampf, was sandte mich (812, 25)
Nicht eure Schwester minniglich?
Ihr Bot im Kampf noch wär ich gern.
Meinem Gotte, Jupitern,
Will ich ewig Hass im Herzen tragen,
Schafft er kein Ende meinen Klagen."

   Hieß Frimutel ihr Vater nicht, (813, 1)
Dass so gleiche Farb und Angesicht
Anfortas wie die Schwester trug?
Der Heide sah sie an genug,
Und sah dann wiederum auf ihn. (813, 5)
Wie viel man Speisen her und hin
Da trug, sein Mund davon nicht aß,
Obgleich er scheinbar essend saß.

   Anfortas sprach zu Parzival:
"Herr, euer Bruder hat den Gral, (813, 10)
Wie mich dünkt, noch nicht gesehn."
Da musst ihm Feirefiß gestehn,
Vom Grale würd er nichts gewahr;
Das schien den Rittern wunderbar.
Das vernahm auch Titurel der Greis, (813, 15)
Der gelähmt zu Bette lag schneeweiß.
Der sprach: "Ists ein ungläubiger Mann,
So gedenk er nicht daran,
Dass des Ungläubgen Augen
Zu solcher Gnade taugen, (813, 20)
Dass er je den Gral erschaut,
Da sind Schranken vorgebaut."

   In den Saal entbot er das.
Da sprach der Wirt und Anfortas:
Was die Ritter hier im Kreise (813, 25)
Labe mit Trank und Speise,
Bevor ein Heide sich bekehrt,
Währ ihm das anzuschaun verwehrt.
Sie rieten, dass er durch die Taufe
Sich ewigen Gewinn erkaufe.

   "Wenn ich die Taufe denn gewinne, (814, 1)
Die Taufe, hilft sie mir zur Minne?"
Sprach Gahmuretens Sohn, der Heide:
"Es tat mir sonst nicht viel zu Leide,
Ob Streit mich oder Minne zwang. (814, 5)
Die Zeit sei kurz oder lang,
Seit mich der erste Schild umfangen,
Nie ließ mich solche Not erbangen.
Es ziemte, Minne zu verhehlen;
Doch kann mein Herz sie nicht verstehlen." (814, 10)

   "Wen meinst du?", sprach Parzival.
"Die Maid mit lichter Schönheit Strahl,
Meines Nachbarn Schwester hier.
Verhilfst du, Bruder, mir zu ihr,
Viel Reichtum bringt ihr meine Hand, (814, 15)
Ihr dienstbar wird manch weites Land."

   Der Wirt sprach: Lässest du dich taufen,
So magst du ihre Minne kaufen.
Wohl duzen jetzo darf ich dich,
Denn unser Reichtum gleichet sich, (814, 20)
Da der Gral mir ward zu Teil."
"Hilf mir zu meinem Heil,"
Sprach Feirefiß Anschewein,
"Bruder, bei der Muhme dein.
Wenn man die Tauf im Streit gewinnt, (814, 25)
So schaffe mich dahin geschwind:
Gern leist ich Dienst um ihren Lohn.
Ich hörte gerne stets den Ton,
Wenn von der Tjost die Splitter sprangen,
Die Schwerter laut auf Helmen klangen."

   Der Wirt der Rede lachte sehr (815, 1)
Und Anfortas noch viel mehr.
"Hier richtest du nichts aus mit Streit,"
Sprach der Wirt; "doch kommt die Maid
Kraft rechter Tauf in dein Gebot. (815, 5)
Jupitern, deinem Gott,
Musst du ihrethalb entsagen
Und Sekundillens dich entschlagen.
Morgen früh geb ich dir Rat,
Der führt dich auf den rechten Pfad." (815, 10)

   Anfortas, eh ihn Siechtum band,
Hatte sich gar weit bekannt
Gemacht durch kühne Tat um Minne.
Stets in seines Herzens Sinne
Wohnte Güt und Mildigkeit; (815, 15)
Auch erwarb er oft den Preis im Streit.
Da saßen hier bei dem Gral
Der besten Ritter drei zumal
Die je des Schildesamts gepflogen;
Sie waren kühn und verwogen. (815, 20)

   Geliebts, so end ich hier das Mahl.
Die Tafeln trug man aus dem Saal
Und das Geräte wonniglich.
Mit holdem Gruße neigten sich
Vor ihnen all die Jungfräulein. (815, 25)
Feirefiß Anschewein
Sah sie aus dem Saale gehn:
Um seine Freude wars geschehn.
Seines Herzens Schloss trug hin den Gral;
Urlaub gab ihnen Parzival.

   Wie die Wirtin selber ging hindann (816, 1)
Und was man weiter noch begann,
Wie man sein wohl mit Betten pflag,
Der unsanft doch durch Minne lag,
Wie die Templeisen allzumal (816, 5)
Ausruhten von der Unruh Qual,
Auf den Bericht muss ich verzichten:
Ich will euch von dem Tag berichten.

   Bei des Morgens lichtem Schein
Kam Parzival überein (816, 10)
Mit Anfortas dem Helden,
Worin? Das werd ich melden.
Sie ließen den von Zaßamank
Kommen, den die Minne zwang,
In den Tempel vor den Gral. (816, 15)
Die weisen Templer allzumal
Lud man auch dazu. Schon war
Von Rittern, Knappen große Schar
Versammelt, als der Heid erschien.
Der Taufnapf war ein Rubin, (816, 20)
Eine runde Stufe sein Gestell
Von Jaspisstein: Titurel
Hatt ihn so köstlich hergestellt.
Da sprach zum Bruder unser Held:
"Minnest du die Muhme mein, (816, 25)
All den falschen Göttern dein
Musst du ihrethalb entsagen,
Und immer Hass dem Bösen tragen,
Der widersagt dem höchsten Gott,
Getreulich leisten des Gebot."

   "Wodurch ich sie erwerben kann," (817, 1)
Sprach der Heide, "das wird all getan,
Und getreulich bald vollendet."
Ein wenig ward gewendet
Der Taufnapf hin zu dem Gral: (817, 5)
Da ward er Wassers voll zumal,
Nicht zu warm noch zu kalt.
Da stand ein grauer Priester alt,
Der manch heidnisch Kindelein
Schon getaucht hatte drein. (817, 10)

   Der sprach: "Ihr sollt glauben,
Wollt ihr dem Feind die Seele rauben,
An den höchsten Gott alleine.
Dreifaltig ist der eine,
Doch eins und einig immerfort. (817, 15)
Gott ist Mensch und seines Vaters Wort.
Da er Vater ist und Kind,
Die beide gleich gewaltig sind,
Und an Macht dem Geiste gleich,
In der dreien Namen wehret euch (817, 20)
Dieses Wasser Heidenschaft
Durch der Dreieinigkeit Kraft.
Die Tauf im Wasser meid er nicht,
Der Adam lieh sein Angesicht.
Vom Wasser kommt der Bäume Saft, (817, 25)
Befruchtend gibt das Wasser Kraft
Aller Kreatur der Welt,
Vom Wasser wird das Aug erhellt,
Wasser gibt mancher Seele Schein,
Dass kein Engel lichter möchte sein."

   Feirefiß zum Priester sprach: (818, 1)
"Lindert es mein Ungemach,
So glaub ich, was ihr mir befehlt.
Wenn ihre Minne mir nicht fehlt,
So leist ich gerne seine Gebot. (818, 5)
Bruder, an der Muhme Gott
Will ich glauben und an sie
(So große Not empfand ich nie):
Meinen Göttern all sei abgeschworen,
Sekundille hat verloren (818, 10)
Jede Forderung an mich;
Dem Gott der Muhme taufet mich."

   Da sprach man mit Handauflegen
über ihn der Taufe Segen.
Als der Heide die bekam (818, 15)
Und dann die Patengabe nahm,
Was ihm nur gar zu lange währte,
Die Maid wars, die man ihm verehrte:
Man gab ihm Frimutellens Kind.
Den Gral zu schauen war er blind (818, 20)
Gewesen vor der Taufe Feier:
Gehoben jetzo war der Schleier,
Dass er den Gral mochte sehn.
Als die Taufe war geschehn,
Am Grale man geschrieben fand: (818, 25)
Welchem Templer Gottes Hand
Fremdem Volk zu helfen aufgetragen,
Verbieten soll' er dem, zu fragen
Nach seinem Namen und Geschlechte,
So lang er ihnen Hilfe brächte.
Wenn sie die Frage nicht vermieden, (819, 1)
So würden sie von ihm geschieden.
Seit der gute Anfortas
So lang in bittern Schmerzen saß,
Weil die Frage nicht geschah so lange, (819, 5)
Ist ihnen jetzt vor Fragen bange.
All des Grales Dienstgesellen
Darf man keine Frage stellen

   Der getaufte Feirefiß
Sich der Bitte sehr befliss, (819, 10)
Dass sein Schwager mit ihm fahre,
Und sein reiches Gut nicht spare
Daheim bei ihm in Zaßamank.
Doch abgelehnt mit großem Dank
Ward sein Gesuch von Anfortassen: (819, 15)
"Ich möchte nicht verderben lassen
Zu Gott dne dienstbereiten Mut.
Des Grales Krone war so gut,
Durch Hochfahrt ging sie mir verloren;
Nun hab ich Demut auserkoren: (819, 20)
Reichtum und der Frauen Minne
Bleiben fern von meinem Sinne.
Ihr führet heim ein edles Weib:
Den Dienst wird euch ihr keuscher Leib
Mit holder Weiblichkeit belohnen; (819, 25)
Derweil will ich mich hier nicht schonen,
In meinem Orden Tjoste reiten
Und für den Dienst des Grales streiten.
Um Frauen streit ich nimmermehr:
Meinem Herzen gab ein Weib Beschwer;
Jedoch will ich sie nicht verklagen (820, 1)
Und nimmer Hass den Frauen tragen:
Sie leihen Freud und hohen Sinn,
Erwarb ich selbst auch Ungewinn."

   Dass er die Mitfahrt ihm gewähre (820, 5)
Bat bei seiner Schwester Ehre
Feirefiß ihn flehentlich;
Doch mit Versagen wehrt' er sich.
Feirefiß Anschewein
Bat, dass Loherangrein (820, 10)
Mit ihm von dannen möchte fahren;
Die Mutter wollt ihm nicht willfahren;
Auch sprach da König Parzival:
"Gewidment ist mein Sohn dem Gral:
Dem muss er Herz und Dienste weihn, (820, 15)
Will Gott ihm rechten Sinn verleihn."

   Noch großer Freud und Kurzweil pflag
Feirefiß bis zum elften Tag;
Am zwölften schied er hindann.
Da wollte dieser reiche Mann (820, 20)
Sein Weib zu seinem Heere führen.
Seht, das musste schmerzlich rühren
Den getreuen Parzival.
Ihm schuf der Lieben Abschied Qual.
Er beriet sich mit den Seinen bald (820, 25)
Und sandte mit ihm durch den Wald
Seiner Ritter große Schar.
Anfortas der Degen klar
Gab seinem Schwager das Geleit.
Da sah man weinen manche Maid.

   Sie sollten sich auf öden Wegen (821, 1)
Gegen Karkobra bewegen.
Dem, der dort als Burggraf saß,
Entbot der werte Anfortas,
Er würde jetzt daran gemahnt, (821, 5)
Hab er je von seiner Hand
Empfangen reichliche Geschenke,
Dass er seiner Treue denke
Und seinen Schwager mit Geleit
Führe manche Meile weit, (821, 10)
Dazu sein Weib die Königin,
Durch den Wald Läprisin
Bis zu dem Hafen an dem Strand.
Des Urlaubs Stunde war zur Hand.
Nicht weiter fuhr mit ihm das Heer. (821, 15)
Erwählt ward Kondrie la Sorzier
Als Botin ihm voranzureisen.
Urlaub nahmen die Templeisen
Alle von dem reichen Mann.
So schied er Höfische hindann. (821, 20)

   Den Burggraf, der nicht unterließ
Zu tun, wie ihn Kondrie hieß,
Feirefiß den reichen Mann
Sah man ihn ritterlich empfahn
Und ihm gut Gemach erteilen. (821, 25)
Doch durft er dort unlange weilen,
Er fuhr am Morgen weiter,
Und viel Ritter als Geleiter.
Noch manches Land durchzog er da
Bis er das Feld vor Ioflanz sah.

   Sie fanden Leute noch genug (822, 1)
Wo einst das Lager stand: Da frug
Sie Feirefiß um Märe
Wo das Heer geblieben wäre?
Da hatten sie sich längst gewandt (822, 5)
Ein jeder heim zu seinem Land;
Artus gegen Schamilot.
Der von Tribalibot
Eitle sich nur desto mehr
Nach dem Hafen an dem Meer. (822, 10)
Da hielten trauernd seine Scharen,
Weil sie von ihm geschieden waren.
Doch brachte neuen hohen Mut
Seine Heimkehr manchem Ritter gut.
Der Burggraf von Karkobra (822, 15)
Und all die Seinen wurden da
Mit reichen Gaben heimgesandt.
Neue Märe ward Kondrien bekannt:
Boten meldeten dem Heere
Dass Sekundill gestorben wäre. (822, 20)

   Repans de Schoie wurde so
Erst ihrer Reise wahrhaft froh.
In Indien gebar sie dann
Einen Sohn, den man Johann,
Oder Priester Johannes hieß, (822, 25)
Und der den Namen hinterließ
Allen Köngen bis auf unsre Zeiten.
Da ließ das Christentum verbreiten
Feirefiß in allen Landen,
Die dort ihm zu Gebote standen:
Durch seine Pfleg erwuchs es da. (823, 1)
Hier nennen wir es India,
Doch heißt es dort Tribalibot.
Durch Kondrie la Sorzier entbot
Feirefiß dem Bruder Märe, (823, 5)
Wie es ihm ergangen wäre
Seit Sekundillens Todesstunde.
Gern hörte Anfortas die Kunde.
Dass seine Schwester ohne Zwist
So weiter Lande Herrin ist. (823, 10)

   Wahrheit habt ihr von fünf Kindern
Frimutels gehört, nicht mindern.
Davon sind zweie längst gestorben;
Drei haben hohes Heil erworben.
Schoisiane hieß die eine, (823, 15)
Die vor Gott der Falschheit reine;
Herzeleid die andre hieß,
Die Falschheit aus dem Herzen wies.
Schwert und ritterliches Leben
Hat Trevrezent dahin gegeben (823, 20)
An die süße Gottesminne
Und strebt nach ewigem Gewinne.
Der klare Anfortas verband
Das keusche Herz der kühnen Hand,
Indem er noch viel Tjoste ritt, (823, 25)
Für den Gral und nicht für Frauen stritt.
Zur Kraft erwuchs Loherangrin,
Verzagtheit sah man von ihm fliehn;
Als er sich kühner Tat befliss
War ihm Preis im Dienst des Grals gewiss.

   Hört weiter von dem jungen Helden. (824, 1)
Von einer Fürstin lasst euch melden:
Der Falschheit ledig war ihr Mut;
Erlaucht Geschlecht und reiches Gut
Mochte sie den Vätern danken; (824, 5)
Sie selber sah man nimmer wanken
In reinem Wandel vor dem Herrn;
Irdisch Verlangen bleib ihr fern.
Es warben Herrn um sie genug;
Davon die Krone mancher trug, (824, 10)
Und mancher war ihr Standsgenoss:
Doch ihre Demut blieb so groß,
Dass sie jeder Werbung widerstand.
Der Grafen viel aus ihrem Land
Schalten sie mit bitterm Grolle: (824, 15)
Worauf sie länger warten wolle,
Dass sie den gleichen Mann nicht wähle,
Dem sie Leut und Land befehle?

   Auf Gott allein war ihr Verlass,
Geduldig trug sie Zorn und Hass. (824, 20)
Sie hört' unschuldig sich verdammen:
Ihre Fürsten rief sie da zusammen;
Die zogen weit und breit heran:
Da verschwur sie jeden Mann,
Den ihr Gott nicht zugesendet; (824, 25)
Dessen Minne sei ihr Herz verpfändet.

   Fürstin war sie in Brabant;
Von Monsalväsche ward gesandt,
Vom Schwan im Nachen hergebracht,
Welchen Gott ihr zugedacht.
Vor Antwerpen ward er ans Land gezogen; (825, 1)
Sie war auch nicht an ihm betrogen:
Herrlich wusst er zu gebahren,
An Mannlichkeit und Schönheit waren
Nicht viele seines Gleichen (825, 5)
In allen Erdenreichen,
Wo man sein Kunde je gewann.
Er war ein züchtger, höfscher Mann,
Freigebig ohne Aderschlag,
Dem es an jedem Fehl gebrach. (825, 10)

   Da ihn die Fürstin wohl empfing,
Vernehmt wie seine Red erging:
Im Kreis versammelt hörte dort
Arm und Reich des Fremdlings Wort.
"Frau Herzogin," so hub er an, (825, 15)
"Soll ich des Landes Kron empfahn,
So verlier ich anderwärts ein Reich.
Diese Bitte stell ich euch:
Fraget nimmer wer ich bin,
So bleib ich bei euch immerhin: (825, 20)
Wer ich zu eurer Frag erkoren,
Meine Minne habt ihr bald verloren.
Wollt ihr der Warnung nicht willfahren,
So warnt mich Gott hinweg zu fahren."
Ihre Treue setzte sie zum Pfand (825, 25)
(Der sie sich doch aus Lieb entband),
Sie woll ihm zu Gebote stehn
Und es nimmer übersehn
Was er sie auch leisten hieße,
So lang sie Gott bei Sinnen ließe.

   Der nächten ihre Minn empfand (826, 1)
Hieß am Morgen Herzog von Brabant.
Bei der Hochzeit, die man reich beging,
Ein jeder Fürst von ihm empfing
Die Lehen, die er soll empfahn. (826, 5)
Ein gerechter Richter war ihr Mann,
Auch übt' er oftmals Ritterschaft
Und behielt den Preis durch Mut und Kraft.

   Sie gebar ihm manches schöne Kind.
Viel Leute noch in Brabant sind, (826, 10)
Die wohl wissen von den beiden,
Seinem Kommen, seinem Scheiden,
Und wie lang er dort verblieb
Bis ihre Frag ihn vertrieb.
Er schied auch ungern hindann. (826, 15)
Doch schwamm herbei sein Freund der Schwan
Und nahm ihn in den Kahn an Bord.
Zum Angedenken ließ er dort
Ein Schwert, ein Horn, ein Ringelein.
Von hinnen fuhr Loherangrein. (826, 20)
Diese Märe sagt' euch schon,
Er war Parzivalens Sohn;
Der fuhr auf unbekannten Wegen
Wieder heim, des Grals zu pflegen.

   Wie geschahs der edeln Herzogin? (826, 25)
Was trieb den Herzensfreund ihr hin?
Dass sie nicht früge, war sein Rat,
Als er vom See zu Lande trat.
Hier sollte nun Herr Ereck sprechen,
Der Bruch des Schweigens weiß zu rächen.

   Dass von Troyes Meister Christian (827, 1)
Dieser Märe Unrecht hat getan,
Wohl zürnen mag darum Kiot,
Der uns die wahre Mär entbot.
Erschöpfend sagt der Provenzal; (827, 5)
Wie Herzeleidens Sohn den Gral,
Der ihm geordnet war, erwarb
Als des Anfortas Heil verdarb.
Von Provenz ins deutsche Land
Ward uns die rechte Mär gesandt (827, 10)
Und der Aventüre letztes Ziel.
Nicht mehr davon hier sprechen will
Ich Wolfram von Eschenbach
Als dort davon der Meister sprach.
Des Helden Kinder, sein Geschlecht (827, 15)
Lehrt' ich euch erkennen recht;
Ihn selber bracht ich an den Ort,
Wo Heil ihm blühet immerfort.
Wes Leben so sich endet,
Dass Gott nicht wird gepfändet (827, 20)
Der Seele durch des Leibes Schuld,
Und er dennoch sich die Huld
Der Welt erhielt mit Würdigkeit,
Der blieb vom rechten Ziel nicht weit.
Mich sollten billig gute Frauen, (827, 25)
Verständge, desto lieber schauen,
Wenn noch ein Weib mir freundlich lacht,
Weil ich dies Werk zum Schluss gebracht.
Geschah das einer Frau zu Ehren,
Die soll mir süßen Dank gewähren.

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