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Wolfram von Eschenbach - Parzival

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XV. Feirefiss

   Parzival begegnet einem heidnischen Ritter, der mit fünfundzwanzig Heerscharen von verschiedenen Sprachen über Meer gekommen war und in der Nähe geankert hatte. Sie rennten sich an und der Heide erstaunt, als ihm Parzival den Sattel nicht räumt. Thasme und Thabronit sind seine Losungsworte, und der Gedanke an Sekundillen leiht ihm solche Kraft, dass Parzival im Schwertkampf vor ihm auf ein Knie sinkt. Doch jetzt gedenkt auch dieser, der seit der Begegnung mit Trevrezent Gott vertraute, an Kondwiramur, wählt Pelrapär zum Feldrufe und schlägt den Heiden, dass er auf die Knie stürzt, Ithers Schwert aber auf seinem Helm zerbricht, wodurch Parzival wehrlos ist. Der Heide benutzt aus Großmut diesen Vorteil nicht, sondern fragt den Gegner um seinen Namen, gibt sich zuerst als Feirefiß Anschewein zu erkennen und wirft sein Schwert hinweg. Nach Ekubas Beschreibung erkennt Parzival den Bruder an der Elsternfarbe seiner Haut, will ihn aber nicht duzen, weil jener älter und reicher ist. Feirefiß war nach dem Abendland gezogen, um seinen Vater Gahmuret aufzusuchen, dessen Tod er erst durch Parzival erfährt. Mit diesem reitet er zu Artus, der durch die Spiegelsäule schon von dem Zweikampf vernommen und auf Parzival geraten hat. Sie steigen in Gawans Gezelt ab, der sie entwappnen und das Mal bereiten lässt. Nach Tisch kommt Artus hinzu, den Gast zu begrüßen. Er lässt sich erst von Feirefiß, dann auch von Parzival die Namen der Grafen, Herzoge und Könige nennen, die sie bezwungen haben. Auf Gawans Befehl wird die prächtige Rüstung des Heiden herein getragen und allgemein bewundert. Artus beschließt auf den nächsten Tag ein Fest an der Tafelrunde, um Reirefiß in den Bund aufzunehmen. Über dem Mahl bringt Kondrie la Sorziere die Botschaft, dass Parzival zum König des Grals ernannt sei, sein Sohn Loherangrein ihm in dieser Würde folgen und Kardeiß seine weltlichen Kronen erben solle. Nur ein Mann dürfe ihn nach Monsalväsch begleiten, wozu Parzival seinen Bruder Feirefiß wählt. Ehe sie Kondrien dahin folgen, schickt der Heide nach den Schiffen, um Geschenke für alle versammelten Fürsten und Frauen herbeizuholen.


   Es hat der Leute viel verdrossen, (734, 1)
Denen diese Märe war verschlossen;
Die konnte mancher nie erfahren.
Nun will ich das nicht länger sparen,
Ich tu euch kund die rechte Sage, (734, 5)
Da ich ihn im Munde trage,
Den Schlussstein dieser Abenteuer,
Wie der süße Held geheuer,
Anforats wieder ward gesund.
Uns tut die Aventüre kund, (734, 10)
Wie von Pelrapär die Königin
Den keuschen weiblichen Sinn
Behielt bis ihr zum Lohne
Ward die höchste Erdenkrone.
Die soll ihr Parzival erwerben, (734, 15)
Mir müsste denn die Kunst verderben.

   Noch scharfen Kampfs erst muss er pflegen:
Was er bisher gekämpft, hiergegen
Hieß alles nur mit Kindern streiten.
Dürft ich diesen Kampf beseiten, (734, 20)
Meinen Helden wollt ich ungern wagen;
Ich würd ihn willig ledig sagen.
Seinem Herzen will ich denn befehlen
Sein Glück, so kann es ihm nicht fehlen!
Da ist Milde bei Verwogenheit. (734, 25)
Niemals zagt' es ihm im Streit:
Das mög ihm Stärke geben,
Dass er behält das Leben.
Denn nun kommt es an die Zeit,
Ihn besteht ein Fürst ob allem Streit
Auf seiner unverzagten Reise. (735, 1)
Dieser Höfische und Weise
War ein heidnischer Mann,
Der die Taufe nie gewann.

   Parzival ritt balde (735, 5)
Vor einem großen Walde
Auf wüst gelichteten Wegen
Einem reichen Gast entgegen.
Ein Wunder, wenn ich armer Mann
Den Reichtum euch vermelden kann, (735, 10)
Den der Heid an seiner Rüstung trug.
Sag ich davon mehr als genug,
Doch muss ich mehr davon erzählen,
Will ich das Meiste nicht verhehlen.
Wie großen Zins Artusens Hand (735, 15)
Bretagne zollt und Engelland,
Damit bezahlt' er nicht die Steine,
Die edeln, die mit lichtem Scheine
Der Held auf seinem Rüstkleid trug.
Köstlich war es sonder Trug. (735, 20)
Rubinen, Chalcedonen
Mochte der Blick gewohnen:
Der Wappenrock gab lichten Schein.
Im Berge zu Agremontein
Hatten Salamander (735, 25)
Ihn gewirkt miteinander
In des heißen Feuers Brand.
Edelsteine bis zum Rand
Lagen dunkel drauf und licht:
Ihre Art benennen kann ich nicht.

   Auf Minne stand des Helden Sinn (736, 1)
Und auf hohen Ruhms Gewinn.
Das Meiste hatt ihm auch ein Weib
Geschenkt, womit des Heiden Leib
Sich so köstlich hat geschmückt. (736, 5)
Dass ihn der Minne Gunst beglückt,
Das lieh ihm Kraft und hohen Mut,
Wie stets sie Liebenden tut.
Auch trug er als des Preises Lohn
Auf dem Helmschmuck ein Ecidemon. (736, 10)
Alle giftigen Schlangen
Sieht man vor dem Tierlein bangen.
Ihr Leben muss versiechen
Wenn sie's von weitem riechen.
Thopedissimonte (736, 15)
Und Assigarzionte,
Thasme und Arabia
Entbehren Pfellel, wie man sah
An seines Pferdes Decke.
Der ungetaufte Recke (736, 20)
Warb um den Lohn der Frauen,
Drum war er schmuck zu schauen.
Sein hoher Sinn wars, der ihn zwang,
Dass er nach edler Minne rang.

   Der kühne Knabe, den wir trafen, (736, 25)
Hatt in einem wilden Hafen
Bei dem Wald geankert auf dem Meere.
Er hatte fünfundzwanzig Heere,
Keins kann das andere verstehn:
Wie weit muss seine Herrschaft gehn!
So groß auch ist der Länder Zahl, (737, 1)
Die ihm dienen allzumal;
Mohren, Sarazenen meist,
Deren Haut in manchen Farben gleißt.
In seinem weit gesammelten Heer (737, 5)
Sah man viel wunderliche Wehr.

   Allein auf Abenteur hindann
Von seinem Heer ritt dieser Mann,
Im grünen Wald sich umzuschaun.
Da sie sich selber so vertraun, (737, 10)
Lass ich die Könge reiten,
Sich Preis allein erstreiten.
Zwar Parzival ritt nicht allein,
Denn mit ihm waren im Verein
Er selbst und auch sein hoher Mut, (737, 15)
Der seine Wehr so mannlich tut,
Dass es die Frauen müssen loben,
Sie wollten freveln denn und toben.

   Hier rennen aufeinander blind,
Die an Demut Lämmer sind (737, 20)
Und Löwen an Verwogenheit.
O weh, die Erd ist doch so breit,
Dass sie sich wohl vermeiden mochten,
Die hier ohne Feindschaft fochten.
Für meinen Helden muss ich bangen; (737, 25)
Doch ist ein Trost mir aufgegangen:
Ihm wird des Grales Kraft wohl nützen;
So sollt ihn auch die Minne schützen:
Den beiden war er dienstergeben
Ohne Wank mit dienstlichem Bestreben.

   Meine Kunst verleiht mir nicht den Sinn, (738, 1)
Dass ich diesen Kampf von Anbeginn
Recht zu beschreiben tauge.
Ein Schimmer fiel in beider Auge,
Dass es den andern kommen sah. (738, 5)
Wie lieb jedwedem dran geschah,
Nicht fern ist doch das Leid fürwahr
Den Lautern, aller Trübe bar:
Sie hatten Herz und Blut gemein;
Sie sind sich kund, wie fremd sie sei'n! (738, 10)

   Nun kann ich diesen Heiden
Von dem Getauften nicht mehr scheiden;
Die zwei erweisen sich nun Hass.
Ihnen Freude neigen sollte das,
Die zu guter Frauen Zahl gehören, (738, 15)
Denn ihren Fraun geschahs zu Ehren,
Dass die Brust dem Feind jedweder bot.
Schied' es das Glück nur ohne Tod!

   Tod wird der Leu zur Welt gebracht,
Bis er von des Vaters Ruf erwacht. (738, 20)
So leben die vom Schäftekrachen,
Die in der Tjost zum Preis erwachen.
Sie können wohl sich Tjost gewähren,
Einen Wald vertun von Speeren.
Den Zügel kürzend mit Bedacht (738, 25)
Rennen sie und haben Acht,
Indem sie tiostieren,
Das Ziel nicht zu verlieren.
Da ward genau gemessen,
Da wurde fest gesessen,
Alles wohl zur Tjost geschickt, (739, 1)
Die Rosse mit dem Sporn gezwickt.

   Diese Tjost ward so geritten,
Dass sie die Koller sich verschnitten
Mit starkem Speer, der sich nicht bog, (739, 5)
Und mancher Splitter aufwärts flog.
Den Heiden fasste Zorn und Hass,
Dass jener noch im Sattel saß:
Ihm war noch keiner fest gesessen,
Mit dem er sich im Kampf gemessen. (739, 10)
Ob sie nicht Schwerter führten,
Als sie sich so nah berührten?
Ja doch, mit Klingen scharf und breit.
Ihre Kunst und Mannheit
Mögen sie erweisen hier. (739, 15)
Ecidemon dem Tier
Wurden Wunden viel geschlagen;
Der Helm darunter musst es klagen.
Den Rossen ward vor Müde heiß:
Sie versuchten manchen neuen Kreis, (739, 20)
Bis sie vom Ross nun springen;
Da sausten erst die Klingen.

   Dem Getauften tät der Heide weh.
Sein Feldgeschrei war Thasme;
Und wenn er ausrief Thabronit, (739, 25)
So tat er vorwärts einen Schritt.
Hier zeigt auch wie er wehrhaft ist
Bei manchem Ausfall der Christ,
Den sie aufeinander taten.
Man sah den Zweikampf so geraten,
Ich kann mirs länger nicht versagen, (740, 1)
Schmerzlich muss ich es beklagen,
Dass ein Fleisch und ein Blut
Sich so viel zu Leide tut,
Die man als Geschwister kennt, (740, 5)
Lautrer Treue Fundament.

   Dem Heiden gab die Minne
Im Kampfe Kraft und Sinne.
Er rang nach Preis um ihretwillen,
Der Königin Sekundillen, (740, 10)
Die das Land Tribalibot
Ihm gab: Sie war sein Schild in Not.
Der Heide nahm an Kräften zu:
Was wollt ihr, dass der Christ nun tu?
Auf Minne richt er die Gedanken: (740, 15)
Die lässt im Kampf ihn nimmer wanken.
Sonst musst ein bittres Sterben
Ihm des Heiden Kampf erwerben.
Du hehrer Gral, das wende du,
Kondwiramur, das gib nicht zu: (740, 20)
Hier seht ihr euern Dienstmann
In der größten Not, die er je gewann.

   Hoch wirft der Heid empor das Schwert,
Seiner Schläge mancher niederfährt:
Schon sinkt ihm Parzival aufs Knie. (740, 25)
Man sagt mit Recht, so stritten sie,
Wenn man als zwei sie will betrachten,
Die doch fürs eins nur sind zu achten.
Ich und mein Bruder sind ein Leib
Wie guter Mann und gutes Weib.

   Dem Getauften tät der Heide weh. (741, 1)
Sein Schild bestand aus Aspinde,
Asbest, das weder fault noch brennt.
Dass sich keine Freundin nennt,
Die den ihm gab, das glaubt gewiss. (741, 5)
Chrysopras und Türkis,
Smaragd und Rubin,
Und noch von andern Farben schien
Manch edler köstlicher Stein
Um die Buckel rings in lichten Reihn. (741, 10)
Auf dem Buckelhause stund
Ein Stein, sein Nam ist mir wohl kund:
Antrax ward er dort genannt,
Als Karfunkel hier bekannt.
Ihm hatt als Minneschutz und Zier (741, 15)
Ecidemon das reine Tier
Zum Wappenbild ein Weib gegeben,
In deren Gnad er wollte leben,
Die Köngin Sekundille:
Dies Wappen war ihr Wille. (741, 20)

   Hier stritt der Treue Lauterkeit:
Große Treue focht mit Treue Streit.
Um Minne haben sie ihr Leben
An des Kampfs Entscheidung hingegeben,
Der ihnen Gottes Urteil ist. (741, 25)
Wohl vertraute Gott der Christ,
Seit er bei Trevrezent verweilt,
Der ihm so herzlich Rat erteilt,
Er soll' auf dessen Hilfe denken,
Der in Sorgen Freude möge schenken.

   Stark war der Heide, der hier stritt: (742, 1)
Wenn er ausrief Thabronit,
Wo die Köngin Sekundille saß
Vor dem Berge Kaukasas,
So ward sein hoher Mut erneut (742, 5)
Wider den, der nie bis heut
Erlegen war vor Feindeshieben;
Unsieg war ihm fremd geblieben.
Er hatt ihn nie empfangen,
Und ließ ihn manchen doch erlangen. (742, 10)

   Die Arme schwangen sich mit Kunst,
Aus den Helmen lohte Feuersbrunst,
Von ihren Schwertern fuhr der Wind.
Gott schütze Gahmuretens Kind!
Dieser Wunsch gilt ihnen beiden, (742, 15)
Dem Getauften und dem Heiden:
Denn ich rechne sie für einen.
So würden sie es selber meinen,
Wären sie sich recht bekannt:
Sie setzten nicht so viel zu Pfand, (742, 20)
Denn nicht minder galt ihr Streit
Als Ehre, Freude, Seligkeit.
Wer auch hier den Preis gewinnt,
Doch hat er, wenn er Treue minnt,
Die Freude dieser Welt verloren (742, 25)
Und dauernd Herzeleid erkoren.

   Warum säumst du, Parzival,
Dass du an dein schön Gemahl
Nicht denkst, die dir so treu ergeben,
So du behalten willst dein Leben?
Dem Heiden sind zwei Dinge nütze, (743, 1)
Die waren seine stärkste Stütze:
Erstlich, dass er Minne pflegt,
Die sein Herz mit Stete hegt;
Zum andern führt' er Steine (743, 5)
Edler Art mit lichtem Scheine,
Die seine Kraft mehrten,
Ihn Hochgemüte lehrten.
Mir ist leid, dass der Getaufte
Sich Müde schon im Streit erkaufte: (743, 10)
Seinen Schlägen ist die Kraft benommen.
Wenn ihm nun nicht zu Hilfe kommen
Konwiramur noch der Gral,
Wehrlicher Parzival,
So möge denn der Wunsch dich laben, (743, 15)
Dass die klaren süßen Knaben
Nicht so früh verwaiset sei'n,
Kardeiß und Loherangrein,
Die sein Gemahl empfangen hatte
In der Nacht, da von ihr schied der Gatte. (743, 20)
Kinder, keuscher Eh entblüht,
Wohl laben die des Manns Gemüt.

   Neue Kraft gewann der Christ.
Er dachte (noch zu rechter Frist)
An die Köngin sein Gemahl, (743, 25)
Wie er ihre Minne dazumal
Sich im Schwerterspiel errang,
Als von Schlägen Feur aus Helmen sprang
Vor Pelrapär mit Kalmide.
Thabronit und Thasme,
Denen war ein Gegenwurf ersonnen: (744, 1)
Nun hat es Parzival begonnen
Mit dem Feldruf Pelrapär.
Über vier Königreiche der
Kommt Kondwiramur, dem Degen (744, 5)
Der Minne Kräfte beizulegen.
Wohl sprangen da, ich wähne,
Von des Heiden Schilde Späne
Mehr als hundert Marken wert.
Von Gahevieß das starke Schwert (744, 10)
Brach auf des Heiden Helm ein Schlag,
Dass vor ihm auf den Knien lag
Der reiche kühne Gast ermattet.
Gott hatt es länger nicht gestattet,
Dass Parzival das Schwert noch führte, (744, 15)
Das ihm zu rauben nicht gebührte:
Itheren, der es vor ihm trug,
Nahm ers aus Einfalt, wider Fug.
Den nie zuvor ein Schwert gefällt,
Schnell auf die Füße sprang der Held. (744, 20)
Noch ist ihr Zweikampf unzergangen:
Ihr Urteil sollen sie empfangen
Noch von des Allerhöchsten Händen:
Möge der ihr Sterben wenden!

   Der kühne Fürst der Heiden (744, 25)
Sprach da bescheiden
Auf französisch, das er wohl verstund,
Aus seinem heidnischen Mund:
"Wohl seh ich, wehrlicher Mann,
Dein Streit würd ohne Schwert getan:
Wie erwürb ich dann wohl Preis an dir? (745, 1)
Stehe still und sage mir
Wer du seist, wehrlicher Held.
Fürwahr, du hättest mich gefällt
Und mir den alten Preis entrungen, (745, 5)
Wär dir nicht dein Schwert zersprungen.
Ein Friede gelt uns beiden nun,
Dass wir uns die Glieder ruhn."
Sie setzten nieder sich aufs Gras.
Jedweder Kraft und Zucht besaß, (745, 10)
Die auch zum Kampf nicht waren
Zu jung, zu alt an Jahren.

   Zum Getauften sprach der Heide da:
"Glaube, werter Held, ich sah
Nie im Leben, dass ein Mann (745, 15)
Würdger war, dem Preis zu nahn,
Den man im Streite soll erjagen.
Held, nun geruhe mir zu sagen
Deinen Namen, dein Geschlecht:
So freut mich meine Fahrt erst recht." (745, 20)
Herzeleidens Sohn versetzt:
"Nennt' ich die aus Furcht dir jetzt?
Das darfst du nicht von mir begehren:
Gezwungen werd ich nichts gewähren."
Doch von Thasme sprach der Heide: (745, 25)
"Ich will zuerst dir nennen beide;
Sei immerhin die Schande mein.
Ich bin Feirefiß Anschewein
Und wohl so reich, dass meiner Hand
Zinsbar dienet manches Land."

   Als diese Rede geschah, (746, 1)
Zu dem Heiden sprach der Waleis da:
"Woher seid ihr ein Anschewein?
Anschau heißt das Erbe mein,
Mein ists mit Burgen, Land und Städten. (746, 5)
Darum seid, Herr, von mir gebeten,
Andern Namen zu erküren.
Sollt ich mein Land verlieren
Und die werte Stadt Bealzenan,
Das hieße mir Gewalt getan. (746, 10)
Ist einer hier ein Anschewein,
Von Geburt soll ich es sein.
Doch ward mir für gewiss gesagt,
Es wohn ein Degen unverzagt
Fern dort in der Heidenschaft, (746, 15)
Der stets mit ritterlicher Kraft
Gewonnen habe Preis und Minne
Und allewege noch gewinne.
Der ist zum Bruder mir geboren
Und dort zum höchsten Preis erkoren." (746, 20)

   Parzival fährt fort und spricht:
"Herr, euer Angesicht
Ließt ihr mich das erschauen,
So wollt ich euch vertrauen
Wie mir seins beschrieben ist. (746, 25)
Wenn es, Herr, euch nicht verdrießt,
So entblößet euer Haupt.
Euch verschont derweil, das glaubt,
Meine Hand mit allem Streit,
Bis ihr aufs neu gehelmet seid."

   Da sprach der heidnische Mann: (747, 1)
"Wenig ficht dein Streit mich an.
Und wär ich nackt, ich hab ein Schwert:
Der Unsieg wär dir doch gewährt,
Da dein Schwert zerbrochen ist. (747, 5)
Weder Kühnheit, Kunst noch List
Kann dich vor dem Tod bewahren,
Will ich nicht selbst dein Leben sparen.
Wolltest du mit mir ringen,
Mein Schwert ließ' ich klingen (747, 10)
Dir durch Eisen, Bein und Mark."
Dieser Heide schnell und stark,
Edle Sitte zeigt' er hier:
"Dies Schwert sei weder dir noch mir."
Der kühne Degen warfs alsbald (747, 15)
Ferne von sich in den Wald.
Er sprach: "Nun ist auf beiden Seiten
Gleich die Gefahr, wenn wir noch streiten."

   Der reiche Feirefiß begann:
"Held, bei deiner Zucht, sag an, (747, 20)
Da dir ein Bruder leben soll,
Wie sieht der aus? Du weißt es wohl.
Beschreibe mir sein Angesicht;
Seine Farbe hehlte man dir nicht."
Da sprach den Herzeleid gebar: (747, 25)
"Wie beschrieben Pergament fürwahr,
Schwarz und weiß dort und hier;
Ekuba beschrieb ihn mir."

   "Der bin ich," versetzt der Heide.
Nicht lange säumten sie da beide,
Feirefiß und Parzival, (748, 1)
Von Helm und Härsenier zumal
Entblößten sie sich gleich zur Stund.
Parzival fand lieben Fund,
Den liebsten, den er jemals fand. (748, 5)
Den Heiden hatt er bald erkannt:
Sein Antlitz zeigte Elsternfarben.
Hass und Groll im Kuss erstarben
Dem Getauften und dem Heiden.
Freundschaft ziemt' auch besser beiden (748, 10)
Denn ihnen stünde Hass und Neid.
Treu und Liebe scheid den Streit.

   Mit Freuden sprach der Heide da:
"O wohl mir, dass ich dich ersah,
Sohn Gahmurets, des werten Degen! (748, 15)
Dank meinen Göttern allerwegen!
Meiner Göttin Juno
Preis und Dank, sie fügt' es so!
Mein starker Gott Jupiter,
Von ihm kommt dieses Heil mir her. (748, 20)
Götter all und Göttinnen,
Eure Stärke will ich immer minnen!
Hoch gepriesen sei der Stern,
Bei dessen Schein hieher so fern
Meine Reise ward getan (748, 25)
Zu dir, du schrecklich süßer Mann,
Die mich durch deine Kraft gereute.
Heil der Luft, dem Tau, der heute
Niederfiel und kühlte mich!
Minneschlüssel wonniglich!
Dem Weibe Wohl, die dich soll sehn: (749, 1)
Wie ist der schon ein Heil geschehn!"

   "Ihr sprechet wohl: Ohn allen Hass
Spräch ich gern besser, könnt ich das.
Doch bin ich leider nicht so weis, (749, 5)
Dass ich eurer Würde Preis
Mit Worten noch erhöhen könnte:
Gott weiß, wie gern ichs euch vergönnte!
Was Herz und Auge nur vermag,
Sie sprechen euerm Preise nach: (749, 10)
Eur Preis spricht vor, nach sprechen sie.
Von Rittershand geschah mir nie
So große Not, gar wohl ich weiß,
Als von euch," sprach der von Kanvoleiß.

   Der reiche Feirefiß sprach mehr: (749, 15)
"Fleiß und Kunst hat Jupiter
Werter Held, verwandt auf dich.
Nicht länger ihrzen sollt ihr mich:
Hatten wir doch einen Vater."
Mit brüderlicher Treue bat er, (749, 20)
Dass er Ihrzens ihn erließe,
Von nun an du ihn hieße.
Die Rede war dem Waleis leid:
"Bruder, eure Herrlichkeit
Vergliche der des Baruchs sich; (749, 25)
Älter seid ihr auch als ich.
Meine Jugend, meine Armut sei
Solcher Untugend frei,
Dass ich du zu euch spräche,
Und mich so der Zucht entbräche."

   Der von Tribalibot, (750, 1)
Jupiter seinem Gott
Gab er mit Worten manchen Preis;
Hoch pries er auch in mancher Weis
Seine Göttin Juno, (750, 5)
Dass sie das Wetter fügten so,
Dass er und sein gewaltig Heer
Sich zu Lande sanden von dem Meer
Und Grund am Ufer nahmen,
Wo sie zusammen kamen. (750, 10)

   Sie setzten nieder sich aufs Gras,
Wo jedweder nicht vergaß,
Er bot dem andern Ehre.
Der Heide sprach, der hehre:
"In meine Heimat komm mit mir: (750, 15)
Zwei reiche Länder geb ich dir,
Die unser Vater sich erwarb,
Als Eisenhart, der König, starb:
Zaßamank und Assagog.
Seine Mannheit niemand trog, (750, 20)
Als da er mich verwaisen ließ.
Unverzeihn von mir ist dies
Meinem Vater noch fürwahr.
Sein Gemahl, die mich gebar,
Ist vor Minneleid gestorben, (750, 25)
Da der Minne Glück ihr war verdorben.
Ich säh doch gerne diesen Mann:
Mir ist zu wissen getan,
Nie bessern Ritter sah der Osten;
Ihn zu finden spar ich keine Kosten."

   Parzival versetzte da: (751, 1)
"Ach, dass auch ich ihn niemals sah!
Doch viel Gutes immerfort
Hör ich von ihm an manchem Ort.
Er verstand es wohl, im Streit (751, 5)
Zu mehren seine Würdigkeit:
Seinen Preis erhöhte jeder Strauß;
Alle Schande wich ihm aus.
Er war den Frauen untertan,
Und alle guten, die ihn sahn, (751, 10)
Lohntens ohne falsche List.
Dass er der Stolz der Christen ist,
So getreulich lebt' er vor den Heiden.
Er wusst' auch andern zu verleiden
Alle unedle Tat: (751, 15)
Ihm gab sein stetes Herz den Rat.
So hört' ich es aus aller Mund,
Denen dieser Mann war kund,
Den ihr so gerne möchtet sehn.
Selbst müsstet ihr ihm zugestehn (751, 20)
Den Preis, wenn er noch lebte,
Der stets den Preis erstrebte.
So warb er um der Frauen Lohn,
Bis der König Ipomidon
Kam und Lanzen mit ihm brach: (751, 25)
Die Tjost geschah zu Baldag.
Da ward sein würdigliches Leben
Um Minne in den Tod gegeben.
In rechter Tjost ging uns verloren
Durch den wir beide sind geboren."

   "O weh der ungestillten Not," (752, 1)
Sprach der Heide: "Ist mein Vater tot?
So ist die Freude mir zerronnen,
Und hatte Freude kaum gewonnen!
Ich hab in wenig Stunden (752, 5)
Glück verloren, Glück gefunden.
Es ist die Wahrheit sicherlich,
Er, mein Vater, du und ich,
Wir sind nicht dreie, wir sind eins,
Und dreie nur kraft leeren Scheins. (752, 10)
Wohl sieht der weise Mann es ein,
Sippe findet er allein
Zwischen Vater nur und Kindern,
Will er der Wahrheit Recht nicht mindern.
Mit dir selber hast du hier gestritten, (752, 15)
In den Kampf mit mir kam ich geritten,
Mich selber hätt ich gern erschlagen.
Du aber schütztest ohne Zagen
Vor mir selber mich in dir.
Sieh Jupiter, dies Wunder hier! (752, 20)
Zu Hilfe kam uns deine Kraft
Und löst' uns aus des Todes Haft."

   Er lacht' und weinte still für sich.
Tränen überflüssiglich
Entträufelten dem Heiden; (752, 25)
Ein Getaufter möcht es neiden.
Denn die Taufe lehrt ns Treue,
Da unser Bund, der neue,
Nach Christi Namen wird genannt
Und man an Christo Treue fand.

   Der Heide sprach, ich sag euch wie: (753, 1)
"Lasst uns nicht länger sitzen hie.
Reite mit mir an den Strand,
So befehl ich, dass zu Land,
Dich zu schauen, von dem Meer (753, 5)
Sich begibt das reichste Heer,
Dem Juno Fahrwind mochte leihn.
Mit Wahrheit ohne falschen Schein
Zeig ich dir manchen werten Mann,
Der mir zu Dienst ist untertan. (753, 10)
Lieber Bruder folge mir."
Der Waleis sprach: "Und wäret ihr
Wohl so gewaltig eurer Leute,
Dass sie eurer harrten heute,
Und so lang ihr ferne seid?" (753, 15)
Da sprach der Heide: "Sonder Streit:
Und blieb ich aus ein halbes Jahr,
Mein harrte Reich und Arm fürwahr;
Keiner dürfte von dem Ort.
Speise haben sie an Bord (753, 20)
Genug, kein Mangel ficht sie an:
Von den Schiffen darf nicht Ross noch Mann,
Als sie mit Wasser zu versehn
Und sich am Strande zu ergehn."

   Parzival zum Bruder sprach: (753, 25)
"Wohlan, so folget mir denn nach
Zu großer Pracht, Fraun wonnesam
Und von euerm edeln Stamm
Manchem Ritter kurtois.
Artus der Bretanois
Liegt hier mit reichem Hofgelag (754, 1)
(Ich verließ es erst vor Tag),
Mit großer minniglicher Schar:
Da sehn wir Frauen schön und klar."

   Der Heid, als er von Fraun vernahm (754, 5)
(Den Frauen war sein Herz nicht gram),
Da sprach er: "Führ mich hin mit dir.
Lieber Bruder, sage mir
Wen wir finden an dem Ort?
Sehn wir unsrer Freunde dort, (754, 10)
Wenn wir zu Artus kommen?
Von seinem Hof hab ich vernommen,
Dass er prächtig sei und reich;
Nichts komme seinem Glanze gleich."

   Parzival hub wieder an: (754, 15)
"Wir sehn da Frauen wohlgetan.
Nicht umsonst ist unsre Fahrt,
Wir finden unsres Stammes Art,
Leute, die uns angeboren,
Und manches Haupt zur Kron erkoren." (754, 20)

   Sie sprangen beid empor zumal.
Nicht versäumt auch Parzival,
Er holte seines Bruders Schwert:
Das stieß er dem Degen wert
Wieder in die Scheide. (754, 25)
Da entsagten sie wohl beide
Allem Hass und allem Streit
Und ritten hin in Einigkeit.

   Eh sie bei Artus angekommen,
Hatt er von ihnen schon vernommen.
Dort wars an diesem Tage (755, 1)
Des Heers gemeine Klage,
Dass Parzival der Held verwogen
So von dannen war gezogen.
Artus beschloss da mit den Seinen, (755, 5)
Dass man auf Parzivals Erscheinen
Acht Tage harren solle
Und die Statt icht räumen wolle.
Als Gramoflanzens Heer gekommen,
Ward ihm manch weiter Kreis genommen, (755, 10)
Und mit Zelten wohl geziert:
Der König ward darin logiert
Und seine stolzen Leute.
Man mochte die vier Bräute
Nicht schöner ehren, als geschah. (755, 15)
Von Schatelmerveile reiten sah
Man einen Mann zur selben Zeit:
Der sprach, man hab einen Sterit
Auf dem Warthaus in der Säul ersehn:
Was je mit Schwerten wär geschehn, (755, 20)
Vergleiche diesem Streit sich nicht.
Gawanen bracht' er den Bericht
(Bei Artus saß der Degen hehr):
Die Ritter rieten hin und her,
Wer die Kämpfer wohl gewesen sei'n. (755, 25)
Artus der König sprach darein:
"Zur Hälfte wett ich, dass ichs treffe:
Hier hat von Kanvoleiß mein Neffe,
Der heute von uns schied, gestritten."

   Ihrem Kampf wohl bracht es Ehre, (756, 1)
Wie vom Schwert und von dem Speere
Helm und Schild die Spuren trug.
Geschickt war dessen Hand genug
(Da auch der Kämpfer Kunst bedarf), (756, 5)
Der diese Schilderei entwarf.
Sie wandten sich zu Artus Zelt.
Hin blickte staunend alle Welt,
Als er geritten kam, der Heide;
Viel Reichtum trug der Held am Kleide. (756, 10)

   Voll von Hütten stand das Feld.
Sie ritten vor das Hochgezelt
In Gawans Zeltberinge.
Ob sie das Volk nicht inne bringe
Dass man sie gerne kommen sah? (756, 15)
Ich wette doch, dass es geschah.
Gawanen sah man eilends kommen,
Da er bei Artus wahrgenommen,
Dass sie zu seinem Zelte ritten:
Er empfing sie mit der Freude Sitten. (756, 20)

   Sie hatten noch die Rüstung an:
Gawan der höfische Mann
Ließ sie alsbald entkleiden.
Wohl hatt im Kampf zu leiden
Ecidemon das Tier genug. (756, 25)
Dem Korsett, das der Heide trug,
Ward wohl auch von Schlägen weh.
Es war ein Saranthasme;
Darauf stand mancher teure Stein.
Darunter von schneeweißem Schein
Rau gebildet war das Kleid; (757, 1)
Teure Steine drauf verstreut
Beleuchteten einander.
Dies hatten Salamander
Gewoben in dem Feuer. (757, 5)
Sie wagt' auf Abenteuer
Minne, Land und Leben,
Die ihm solch Kleid gegeben
(Gern vollbracht er ihr Gebot
So in Freude wie in Not), (757, 10)
Die Königin Sekundille.
Wohl war es ihres Herzens Wille,
Dass sie ihm ihre Schätze lieh;
Durch hohen Preis verdient' er sie.

   Gawan bat der Knappen Schar: (757, 15)
"Habt Acht, dass an der Rüstung klar
Nichts verschoben und verrückt
Werde, oder gar zerstückt,
An Schild, Helm oder Überleib."
Zuviel wärs einem armen Weib (757, 20)
Zur Gabe, schon das Kleid alleine:
So köstlich waren die Steine
An den Stücken allen Vieren.
Hohe Minne kann wohl zieren,
Gesellt sich Reichtum nur zur Gunst (757, 25)
Oder eine edle Kunst.
Da der stolze reiche Feirefiß
Sich stets mit treuem Dienst befliss
Um Frauenhuld, so gab ihm willig
Eine Lohn dafür wie billig.

   Als sie die Rüstung abgetan, (758, 1)
Da schauten diesen bunten Mann
Alle mit Verwunderung,
Denn Wunders sahn sie da genung:
Der Heide trug manch seltsam Mal. (758, 5)
Gawan sprach zu Parzival:
"Freund, wer ist der Geselle dein?
Er trägt so wunderlichen Schein,
Dass ich nie dem Gleiches sah."
Zu dem Wirte sprach der Waleis da: (758, 10)
"Bin ich dein Freund, so ists auch er,
Des sei dir Gahmuret Gewähr:
Der König ists von Zaßamank.
Mein Vater dort mit Preis errang
Seine Mutter, Belakanen." (758, 15)
Da ward er sattsam von Gawanen
Geküsst. Viel schwarz und weiße Flecken
Sah man  Feirefißen decken
All die Haut, nur dass der Mund
Halber Röte machte kund. (758, 20)

   Beiden brachte man Gewand,
Das für kostbar ward erkannt;
Man trugs aus Gawans Kammer dar.
Da kamen Frauen schön und klar.
Orgeluse lässt ihn Kondriê (758, 25)
Und Sagniven küssen, eh
Mit Arniven sie den Mund ihm beut.
Feirefiß war hoch erfreut,
Als er so klare Frauen sah;
Viel Liebes ihm daran geschah.

   Gawan zu Parzivalen sprach: (759, 1)
"Freund, dein neues Ungemach
Verrät dein Helm und auch dein Schild.
Euch zwein ist übel mitgespielt,
Dir und auch dem Bruder dein: (759, 5)
Bei wem erwarbt ihr diese Pein?" -
"Nie ward mir härtrer Streit bekannt,"
Sprach der Waleis: "Meines Bruders Hand
Zwang mich zur Wehr in großer Not:
Wehr ist ein Mittel für den Tod. (759, 10)
Auf diesem Fremdling nahverwandt
Zerbrach das Schwert mir in der Hand.
Zeigt' er da Furcht, so war es kleine:
Fern aus der Hand warf er das seine.
Nicht wollt er sich an mir versünden (759, 15)
Und wusste nicht wie nah wir stünden.
Jetzt hab ich seiner Huld Geschenk,
Sie zu verdienen eingedenk."

   Da sprach Gawan: "Mir ward gesagt
Von einem Streit gar unverzagt: (759, 20)
Zu Schatelmerveil ersieht
Man was sechs Meilen weit geschieht:
Die Spiegelsäule zeigt es dort.
Gleich sprach mein Ohm Artus das Wort:
Der dort gekämpft des selben Mals, (759, 25)
Du wärst es, Held von Kingrivals.
Du hast Gewissheit erst gebracht;
Doch hatten wirs uns hier gedacht.
Nun glaube mir was ich dir sage:
Wir hätten dein geharrt acht Tage
Mit großer reicher Lustbarkeit. (760, 1)
Mir ist euer Zweikampf leid:
Ruht davon bei mir euch aus.
Da doch geschehen ist der Strauß,
So habt euch künftig um so gerner; (760, 5)
Den Hass vergüte Freundschaft ferner."

   Früh aß man heut in Gawans Zelt,
Da von Thasme der werte Held,
Feirefiß Anschewein,
Ungespeist war, gleich dem Bruder sein. (760, 10)
Da lagen Polster hoch und lang
Im Kreis umher auf mancher Bank.
Weiche Decken aller Art,
Von Palmat, wurden nicht gespart,
Dei Polster reich damit gedeckt; (760, 15)
Darauf war teures Tuch gesteppt,
Zu vollem Maße lang und breit.
Klinschors ganze Herrlichkeit
Ward da zur Schau hervor getragen.
Als Tapeten, hört ich sagen, (760, 20)
Wurden Decken aufgehangen;
Die sah man köstlich prangen
An vier Seiten des Raumes.
Darunter Polster sanften Flaumes
Mit weichern Kissen überdeckt, (760, 25)
Die Vorhänge drauf gesteckt.

   Der Kreis begriff ein weites Feld,
Sechs Zelte hätte man gestellt
Ohne Gedränge der Schnüre.
Doch weil ich unklug verführe,
Lass ichs hiebei bewenden. (761, 1)
Da ließ Herr Gawan senden
Zu Artus, der noch nicht vernommen
Was ihm für ein Gast gekommen:
Der reiche Heide wäre da, (761, 5)
Den die Heidin Ekuba
So gepriesen an dem Plimizöl.
Iofreit, Fils Idöl,
War es, ders Artusen sagte,
Dem solche Märe wohl behagte. (761, 10)

   Iofreit bat ihn, gleich zu essen
Und nach Tisch nicht zu vergessen,
Dass er mit Rittern und mit Fraun
Höfisch käm den Gast zu schaun,
Denn also würde Zucht begangen (761, 15)
Und würdiglich bei Hof empfangen
Gahmuretens stolzes Kind.
"So viel hier werte Leute sind,
Die bring ich," sprach der Bretanois.
Iofreit sprach: "Er ist so kurtois, (761, 20)
Ihr mögt ihn alle gerne sehn,
Und Wunder viel an ihm erspähn.
Er kommt aus großer Herrlichkeit:
Seine Rüstung und sein Kleid
Könnte man ihm nicht ersetzen; (761, 25)
Niemand wög es auf mit Schätzen.
Bretagne, Löver, Engelland,
Von Paris bis nach Witsand,
Dazwischen all die reiche Welt,
Gäb ihm keineswegs Entgelt."

   Iofreit war zurückgekommen (762, 1)
Als Artus von ihm vernommen
Wie er gebahren sollte,
Wenn er begrüßen wollte
Den reichen Heiden unverweilt. (762, 5)
Die Sitze wurden nun verteilt
An Gawans Tafelkreise
Gar in höfscher Weise:
Dass der Bann der Herzogin
Und die ihr Dienst um Minne liehn, (762, 10)
Gawan zur Rechten saßen,
Ihm zur Linken fröhlich aßen
Die Ritter all aus Klinschors Bann.
Gawan genüber gab man dann
An des Tisches andrer Spitze (762, 15)
Klinschors gefangnen Frauen Sitze:
Die waren schön und klar zumal.
Feirefiß und Parzival
Saßen mitten zwischen Frauen:
Da mochte man wohl Klarheit schauen. (762, 20)

   Der Türkowite Florand
Saß Sangiven zugewandt,
Wie der Herzog auch von Gowerzein
Und Kondriê, die Gattin sein,
Einander gegenüber saßen. (762, 25)
Auch diesmal, wett ich, nicht vergaßen
Gawan und Iofreit
Ihrer alten Geselligkeit;
Sie aßen stets beisammen.
Mit den Augen voller Flammen
Aß die edle Herzogin (763, 1)
Bei Arniven der Königin.
Zu freundlicher Geselligkeit
Waren sich die Zwei bereit.
Seine Ahne saß bei Gawan dort, (763, 5)
Orgeluse weiter von ihm fort.

   Wohl herrschte da die wahre Zucht
Und alle Unart nahm die Flucht.
Den Rittern und den Frauen ward
Speis und Trank mit guter Art (763, 10)
Gebracht und freundlich hingestellt.
Feirefiß der reiche Held
Hub zu seinem Bruder an:
"Jupiter hat wohl an mir getan,
Dass er mich in dieses Land (763, 15)
Hat geführt und hergesandt
In meiner werten Freunde Kreis.
Billig geb ich wohl den Preis
Meinem Vater, den ich längst verlor:
Der spross recht aus dem Preis hervor!" (763, 20)

   Der Waleis sprach: "Preiswerte Leute
Sollt ihr viel noch schauen heute
Bei Artus dem König hehr,
Mannlicher Ritter schier ein Heer:
Wenn das Mahl ist aufgehoben, (763, 25)
Unlange bleibt es dann verschoben,
Bis her die Werten kommen,
Deren Preis weit wird vernommen.
Hier sind drei Ritter nur vom Bunde
Der weit berühmten Tafelrunde:
Der Wirt und Iofreit; (764, 1)
Auch ich verdient' es einst im Streit,
Dass man mich dazu begehrte,
Was ich den Helden gern gewährte."

   Nun war es Zeit, dass man hindann (764, 5)
Das Tischtuch hob vor Weib und Mann.
Als die Mahlzeit war geschehn,
Da eilte Gawan aufzustehn:
Die Herzogin samt seiner Ahnen
Sah man ihn bitten und ermahnen, (764, 10)
Dass sie Frau Sangiven doch,
Und Kondriê die süße noch,
Zu sich nähmen und mit beiden
Gingen zu dem bunten Heiden:
Dem sollten sie recht freundlich sein. (764, 15)
Feirefiß Anschewein
Sah diese Frauen zu sich gehn:
Vor ihnen eilt' er aufzustehn;
So auch sein Bruder Parzival.
Die schöne Herzogin zumal (764, 20)
Nahm Feirefißen bei der Hand;
Fraun und Ritter, die sei stehen fand,
Bat sie, sich zu setzen all.
Sieh, da zog mit lautem Schall
Artus mit seinem Heer heran. (764, 25)
Posaun und Trommel hörte man,
Der Hörner und der Flöten Ton.
Der Königin Arnive Sohn
Zog mit großem Schall einher.
Des freute sich der Heide sehr,
Der solche Kunde gern empfing. (765, 1)
So ritt zu Gawans Zeltbering
Artus mit seinem Ehgemahl,
Und werter Leute großer Zahl,
Mit Rittern und mit Frauen. (765, 5)
Der Heide mochte schauen,
Dass da auch junge Leute waren,
Von deren blühenden Jahren
Sprach des Angesichtes Glanz.
Auch war der König Gramoflanz (765, 10)
Noch in Artusens Pflege;
Mit ihm auf gleichem Wege
Ritt Itonjê sein süßes Lieb,
Die aller Falschheit rein verblieb.

   Ab stieg der Tafelrunder Schar (765, 15)
Dazu viel Frauen schön und klar.
Ginover ließ Itonjê
Den reichen Heiden küssen, eh
Sie selber näher zu ihm ging
Und küssend Feirefiß empfing. (765, 20)
Gramoflanz und Artus,
Mit getreulicher Liebe Kuss
Empfingen sie den Heiden.
Da ward ihm von den beiden
Viel erboten Dienst und Ehr; (765, 25)
Auch fand er noch Verwandte mehr,
Die ihm gewogen wollten sein.
Feirefiß Anschewein
War zu guten Freunden nun gekommen,
Das hatt er hier gar bald vernommen.

   Nieder saßen Weib und Mann (766, 1)
Und viel Mägdlein wohlgetan.
Da mochte mancher Ritter finden,
Wollt er sich des unterwinden,
Süßes Wort von süßem Munde, (766, 5)
Taugt' er sonst zum Minnebunde.
Um solch Gesuch trug keinen Hass
Manch klares Fräulein, das da saß.
Ein gutes Weib sicht Zorn nicht an,
Fleht sie um Hilf ein werter Mann, (766, 10)
Sie mag gewähren, mag versagen.
Kann ein Ding als Zins uns Freude tragen
Solchen Zins muss wahre Minne geben:
So sah ich stets die Werten leben.
Nun saß der Dienst hier bei dem Lohn. (766, 15)
Es ist ein hilfreicher Ton,
Wird der Freundin Wort vernommen,
Das dem Freunde soll zu Statten kommen.

   Artus kam zu Feirefiß,
Wo jedweder denn sich fliss, (766, 20)
Freundlich wechselten beede
Frag und schlichte Gegenrede.
Artus sprach: "Gelobt sei Gott,
Dass er diese Ehr uns bot,
Dass wir dich hier bei uns sahn. (766, 25)
Aus der Heidenschaft fuhr nie ein Mann
Her in der Getauften Land,
Dem ich mit dienstbereiter Hand
So gerne Dienst gewährte
Wenn dein Wille das begehrte."

   Feirefiß zu Artus sprach: (767, 1)
"Vorbei ist all mein Ungemach,
Seit Juno meine Göttin
Mir den Segelwind verliehn
Her in dieses Westenreich. (767, 5)
Du siehst fürwahr dem Manne gleich,
Dessen Macht und Würdigkeit
Der Ruhm posaunte weit und breit.
Bist du Artus genannt,
So ist dein Name fern bekannt." (767, 10)

   Artus sprach: "Selber ehrt' er sich,
Der dir und andern über mich
Rühmliches berichtet hat.
Ihm gab die eigne Zucht den Rat
Mehr, als dass ichs würdig bin; (767, 15)
Er tats aus höfischem Sinn.
Ich bin es, den sie Artus nennen
Und möcht es gründlich wohl erkennen,
Wie du kamst in dieses Land.
Hat ein Weib dich ausgesandt, (767, 20)
Die ist gewiss geheuer,
Da du auf Abenteuer
Dich hast so weit versteigen.
Bleibt ihr Lohn dir unverschwiegen,
Den Dienst der Frauen empfiehlt uns das, (767, 25)
Denn jeder Frau wohl müsst in Hass
Ihr Diener wandeln seine Liebe,
Wenn dir ungelohnet bliebe."

   "Auch wird es anders wohl vernommen,"
Sprach der Heide: "Hört wie ich gekommen.
Ich führe solch ein mächtig Heer, (768, 1)
Der Trojaner Landwehr
Und die sie einst umsaßen,
Die müssten mir die Straßen
Räumen, wenn sie noch lebten (768, 5)
Und mit mir zu kämpfen strebten:
Sie könnten nimmer uns besiegen
Und müssten schimpflich unterliegen,
Meiner Obmacht allzu schwach.
Ich hab in manchem Ungemach (768, 10)
Verdient mit ritterlicher Tat,
Dass nun Erbarmen mit mir hat
Die Köngin Sekundille;
Ihr Wunsch ist mein Wille.
Die Richtschnur gab sie meinem Leben, (768, 15)
Sie hieß mich mildiglich zu geben
Und guter Ritter viel zu halten;
So sollt ich ihr zu Liebe schalten.
Da tat ich wie sie mir befahl:
Unterm Schild von hartem Stahl (768, 20)
Nennt sich dienstbar meiner Hand
Manch werter Ritter auserkannt.
Ihre Minne gibt sie mir zum Lohn;
Auch führ ich ein Ecidemon
Im Schilde, wie sie mir gebot. (768, 25)
Seitdem erfuhr ich in der Not,
Sobald ich nur an sie gedachte,
Dass ihre Minne Hilfe brachte:
So dank ich ihr des Trostes mehr
Als meinem Gotte Jupiter."

   Artus sprach: "Von dem Vater dein, (769, 1)
Gahmuret, dem Neffen mein,
Ists die dir angestammte Art,
Im Dienst der Frauen weite Fahrt.
Du magst von Dienst auch Kund empfahn (769, 5)
Bei uns, denn größrer ward getan
Auf Erden selten einem Weib
Um ihren wonniglichen Leib.
Ich meine hier die Herzogin:
Um ihrer Minne Gewinn (769, 10)
Ward des Waldes viel verschwendet.
Ihre Minne hat gepfändet
An Freuden mancher Ritter gut
Und ihm geraubt den hohen Mut."

   Da sagt' er ihm was Gawan (769, 15)
Und was die Ritter all getan,
Die er sah zu allen Seiten;
Und von den beiden Streiten,
Die sein Bruder um den Kranz
Auf dem Feld gestritten bei Ioflanz. (769, 20)
"Und wie er sonst die Welt durchfahren,
Wie er sich nirgend wollte sparen,
Das macht er dir wohl selber kund.
Er suchet einen hohen Fund,
Nach dem Grale ringet er. (769, 25)
Von euch Zwein ist mein Begehr,
Dass ihr mir nennet Land und Leute,
Die ihr im Kampf erprobt bis heute."
Der Heide sprach: Ich nenne dir,
Die ich gefangen führe hier:

   "König Papiris von Trogodjente (770, 1)
Und Graf Behantins von Kalomidente,
Herzog Farjelastis von Africke
Und König Liddamus von Agrippe,
König Tridanz von Tinodonte (770, 5)
Und König Amaspartins von Schipelpjonte,
Der Herzog Lippidins von Agremontin
Und König Milon von Nomadjentesin,
Von Aßagarzionte Graf Gabarins
Und von Rivigitas der König Translapins, (770, 10)
Von Hiberbortikon Graf Filones
Und von Centrion König Killikrates,
Der Graf Lysander von Ipopotitikon
Und der Herzog Tiridê von Elixondjon,
Von Orastegentesin der König Thoaris (770, 15)
Und von Satarchjonte der Herzog Alamis,
Der König Aminkas von Sotofeitition
Und der Herzog von Duskontemedon,
Von Arabien König Zoroaster
Und Graf Possizonjus von Thiler, (770, 20)
Der Herzog Sennes von Narjoklin
Und der Graf Edisson von Lanzesardin,
Von Janfuse der Graf Fristines
Und von Atropfagente der Herzog Meiones,
Von Neurjente der Herzog Archeinor (770, 25)
Und von Panfatis der Graf Astor,
Die von Assagog und Zaßamank
Und von Gampfassasche der König Jetakrank,
Der Graf Jurans von Blemunzin
Und er Herzog Affinamus von Amentesin.

   "Eins zählt' ich mir zur Schande: (771, 1)
Man sprach in meinem Lande,
Kein bessrer Ritter möchte sein
Als Gahmuret Anschewein,
So viele je beritten waren. (771, 5)
Da beschloss ich auszufahren
Und zu suchen, bis ich ihn fände:
Da lernt' ich Kampf an manchem Ende.
Von zweien Landen auf das Meer
Führt' ich ein kraftvolles Heer. (771, 10)
Mir stand nach Ritterschaft der Mut:
Wie stark ein Land, wie schön und gut,
Ich unterwarf sie meiner Hand
Bis fern zu unbetretnem Strand.
Da gelobten mich zu minnen (771, 15)
Zwei reiche Königinnen,
Olympia und Klauditte;
Sekundill ist nun die dritte,
Um Frauen hab ich viel getan;
Nun hab ich heut erst Kund empfahn, (771, 20)
Mein Vater Gahmuret sei tot.
Mein Bruder meld auch seine Not."

   Da sprach der werte Parzival:
"Seit ich geschieden bin vom Gral
Hat meine Hand mit Streite (771, 25)
In der Näh und in der Weite
Sich oftmals ritterlich erzeigt
Und manchem auch den Preis geneigt,
Der nicht gewohnt war an den Fall.
Die will ich euch benennen all:

   "Von Lirivoin König  Schirniel (772, 1)
Und von Avendroin sein Bruder Mirabel,
Der König Serabil von Roßokarz
Und König Pibleson von Lorneparz,
Von Sirnegonz den König Senilgorz (772, 5)
Und von Villegaronz Strangedorz,
Von Mirnetalle den Grafen Rogedal
Und von Pleyedonze Laudunal,
Den König Onipriß von Itolak
Und den König Zyrolan von Semblidak, (772, 10)
Von Ieroplis den Herzogen Ierneganz
Und von Zambron den Grafen Plineschanz,
Von Tutelêonz den Grafen Longefieß
Und von Privegarz denHerzogen Marangließ.
Und von Privegarz den Herzogen Srennolas (772, 15)
Und von Lampregon den Grafen Parfoyas,
Von Askalon den König Vergulacht,
Und von Pranzile den Grafen Bogudacht,
Postefar von Laudondrechte
Und den Herzogen Leidebron von Redonzechte, (772, 20)
Von Literbe Koleval
Und Iovedast von Arl den Provenzal,
Von Tripparon den Grafen Kardofyas.
In rechter Tjost begab sich das
Als ich nach dem Grale ritt. (772, 25)
Nennt' ich sie all, die ich bestritt,
So käm ich nimmer an das Ziel,
Drum muss ich euch verschweigen viel.
Die mir mit Namen sind bekannt,
Die hab ich euch wohl meist genannt."

   Von Herzen freute sonder Neiden (773, 1)
Seines Bruders Preis den Heiden:
Dass ihm seine Hand im Streit
Erwarb so hohe Würdigkeit,
Wohl dankt' er ihm dafür gar sehr; (773, 5)
Ihn selber ehrt' es noch viel mehr.

   Da ließ Gawan des Heiden Wehr,
Als geschähs von Ohngefähr,
In des Kreises Mitte bringen.
Man legt' hm Wert bei, nicht geringen. (773, 10)
Die Ritter und die Frauen,
Die kamen all zu schauen
Schild, Korsett und Wappenkleid;
Nicht zu eng der Helm und nicht zu weit.
Alle staunten ob dem Scheine (773, 15)
Der teuern edeln Steine,
Die darin verlötet lagen.
Man darf mich nach der Art nicht fragen,
Der sie angehören,
So die leichten als die schweren. (773, 20)
Besser wohl beschied' euch des
Eraklius oder Herkules
Und der Grieche Alexander;
Oder noch ein andrer,
Der weise Pythagoras, (773, 25)
Der die Schrift der Sterne las:
Der war so weise sonder Streit,
Dass niemand seit Adams Zeit
Noch so weisen Sinn getragen;
Der konnte wohl von Steinen sagen.

   Die Frauen raunten: "Hab ein Weib (774, 1)
Ihm damit geziert den Leib,
Wenn er sich der nicht treu erweise,
Das schade seinem Preise.
So hold war manche hier dem Heiden, (774, 5)
Sie würde seinen Dienst wohl leiden,
Just weil ihn ziert manch fremdes Mal.
Gramoflanz, Artus, Parzival
Und der Wirt Herr Gawan,
Die gehen nun allein hindann; (774, 10)
Den reichen Heiden vertrauen
Sie unterdessen den Frauen.

   Artus beriet ein Festgelag,
Das man schon am andern Tag
Auf dem Feld begehen sollte, (774, 15)
Weil er damit empfangen wollte
Seinen Neffen, Feirefißen:
"Das zu bestellen seid beflissen
Mit euerm besten Witze,
Dass er mit uns sitze (774, 20)
An der edeln Tafelrunde."
Sie versprachens all aus einem Munde
Zu tun, wofern es ihm nicht leid.
Da verhieß Geselligkeit
Ihnen Feirefiß der Degen reich. (774, 25)
Nach dem Nachttrunk fuhr sogleich
Zu seiner Ruhe jedermann.
Die Freude brach für manchen an
Am Morgen, darf ich also sagen,
Da der süße Tag begann zu tagen.

   Da hielt es so Artus, der Sohn (775, 1)
Des Königs Utepandragon:
Bereiten ließ er, reich genug,
Der Tafelrund ein Tafeltuch
Aus einem Triantthasme fein (775, 5)
Wie an des Plimizöls Gestad
Man Tafelrund gehalten hat:
Nach jenem Tuche maß man dies,
Rund geschnitten, jeder pries
Wie es reich und köstlich wär. (775, 10)
Abgesteckt ward rings umher
Ein Kreis auf tauig grünem Gras,
Der wohl sieben Morgen maß
Vom Schausitz bis zur Tafelrunde.
War es die rechte nicht im Grunde, (775, 15)
Den Namen ließ sie sich nicht nehmen.
Wohl möcht ein feiger Mann sich schämen,
Wenn er hier bei den Werten saß
Und sein Mund die Kost mit Sünden aß.

   Der Kreis ward bei der schönen Nacht (775, 20)
Abgesteckt, und wohl mit Pracht
Geziert von dem zu jenem Ziel.
Einem armen König wärs zu viel,
Wie man die Runde fand geschmückt
Als der Morgen war herangerückt. (775, 25)
Gawan und Gramoflanz allein
Standen für die Kosten ein.
Artus war hier zu Lande Gast;
Doch trug er mancher Kosten Last.

   Und wurde noch so schwarz die Nacht, (776, 1)
Doch ists von Alters hergebracht,
Die Sonne bringt den Tag zurück.
Auch heute widerfuhr dies Glück:
Schon schien er lauter, süß und klar. (776, 5)
Mancher Ritter strich da wohl sein Haar,
Und schmückt' es schön mit Blumenkränzen.
Da sah man Frauen lieblich glänzen
Ungeschminkt mit rotem Mund,
Tut Kiot anders Wahrheit kund. (776, 10)
Man sah an Herrn und Fraun Gewand,
Nicht nach dem Schnitt in einem Land;
Hohen, niedern Kopfputz auch,
Wie es in jedem Land Gebrauch.
Sie kamen her aus manchen Reichen, (776, 15)
Die sich in Sitt und Schnitt nicht gleichen.
Den Fraun, die keinen Ritter hatten,
Wollte man es nicht verstatten
In der Tafelrunde Kreis zu kommen.
Hat sie wen in Dienst genommen, (776, 20)
Dem sie Lohn verhieß mit Hand und Munde,
So kam sie an die Tafelrunde.
Meiden mussten sie die andern
Und nach den Herbergen wandern.

   Nun Artus Messe hat vernommen, (776, 25)
Sieht man mit Gramoflanzen kommen
Den Herzogen von Gowerzein
Und Florand den Gesellen sein.
Die wären gern erhoben worden
In der Tafelrunde Orden:
Da ward nach ihrem Wunsch getan. (777, 1)
Fragt euch Weib nun oder Mann,
Wer der reichste wär der Recken,
Die je aus allen Länderstrecken
Saßen and er Tafelrunde, (777, 5)
Dem gebet nur getrost die Kunde,
Es war Feirefiß Anschewein:
Lasst es dabei bewendet sein.

   Mit festlichem Gepränge
Ritt man zu des Kreises Enge. (777, 10)
Manche Frau kam in Gefahr,
Wenn ihr Ross nicht wohl gegürtet war,
Sie wär gewiss gefallen.
Mit reicher Banner Wallen
Kamen sie von allen Seiten. (777, 15)
Da sah man sie den Buhurd reiten
Rings um den abgesteckten Kreis.
Es war höfisch und weis,
Dass keiner in den Schranken ritt:
Der weite Raum da draußen litt, (777, 20)
Dass sie die Rosse wohl ersprengten,
Die Haufen sich im Anlauf mengten;
Auch mochten sie so künstlich reiten,
Dass sichs die Fraun zu schauen freuten.

   Als die Zeit des Mahls gekommen, (777, 25)
Ward an der Tafel Platz genommen.
Truchsess, Kämmerer und Schenken
Hatten manches zu bedenken,
Dass mans mit Zucht zur Stelle trug.
Wohl gab man jeglichem genug.
Die Frauen ehrt' es, die man da (778, 1)
An des Freundes Seite sah;
Für manche hatt auch kühne Tat
Vollbracht verliebten Herzens Rat.
Feirefiß und Parzival (778, 5)
Musterten mit süßer Qual
Bald eine bald die andre Frau.
Auf Acker oder Wiesenau
Sah man noch zu keiner Stunde
So lichte Haut bei röterm Munde (778, 10)
Als an dieser Tafel Ringe:
Da ward der Heide guter Dinge.

   Heil der nahenden Stunde!
Willkommen sei die süße Kunde,
Die von der Jungfrau wird vernommen! (778, 15)
Denn eine Jungfrau sah man kommen
In teuern Kleidern, wohl geschnitten,
Kostbar nach Franzosensitten;
Ein reicher Samt ihr Oberkleid,
Schwärzer noch als ein Geneit. (778, 20)
Manch Turteltäubchen schien da hold,
Gewoben aus Arabiens Gold,
Das Wappenbild des Grals.
Sie ward desselben Males
Bestaunt von allen Leuten. (778, 25)
Lasst sie zur Stelle reiten.
Die Kopfzier trug sie hoch und blank;
Mit manchem dichten Überhang
War ihr Angesicht bedeckt,
Und vor jedem Blick versteckt.

   Sacht und doch in Zelterschritten (779, 1)
Kam sie über Feld geritten.
Ihr Zaum, ihr Sattel und ihr Pferd
Unstreitig hatten hohen Wert.
In den Kreis ließ man sie gern (779, 5)
Zu den Frauen und den Herrn.
Nicht die Thörichte, die Weise
Ritt da rings umher im Kreise.
Man zeigt ihr an wo Artus saß,
Den sie zu grüßen nicht vergaß. (779, 10)
Französisch hub sie an zu sprechen
Und flehte, nicht an ihr zu rächen,
Wie sie gescholten einst den Helden,
Dem sie nun Frohes wolle melden.
Den König und die Königin (779, 15)
Bat sie, dass die ihr Beistand liehn.

   Von diesen wandte sie sich da
Zu Parzivalen, den sie nah
Bei Artusen sitzen fand.
Sie schwang sich eilends, unverwandt, (779, 20)
Von dem Pferd auf das Gras.
Mit aller Zucht, die sie besaß,
Fiel sie Parzival zu Füßen
Und bat ihn weinend um sein Grüßen,
Dass er ihr die Schuld verzeihe (779, 25)
Und seine Huld ihr wieder leihe.
Fr sie zu bitten befliss
Da Artus sich und Feirefiß.
Noch hegte Parzival ihr Hass,
Den er getreulich doch vergaß
Und ihr der Freunde halb verzieh. (780, 1)
Die Werte, schön wohl war sie nie,
Schnell wieder auf die Füße sprang,
Und sagte beiden großen Dank,
Die ihr wiederum zu Huld (780, 5)
Verholfen nach so großer Schuld.

   Herab nun riss sie so geschwinde
Ihres Hauptes Schmuck und Binde,
Dass die Haube wie die Schnur
Vor ihr auf die Erde fuhr. (780, 10)
Kondrie la Sorziere
Ward da erkannt im Heere,
Und des Grales Wappen, das sie trug,
Besah, bestaunte man genug.
Sie war auch noch so wohlgetan (780, 15)
Wie ehmals, da sie Weib und Mann
An den Plimizöl sah kommen;
Wie schön sie war, ihr habts vernommen.
Ihre Augen hatten noch dieselbe
Topasengleiche Gelbe; (780, 20)
Die Zähne lang, der Mundes Schein
Glich einem blauen Veigelein.
Sie trug ihn wohl aus eitelm Mut:
Was sollt ihr sonst der teure Hut (780, 25)
An des Plimizöls Gestaden?
Die Sonne würd ihr doch nicht schaden:
Ihre Strahlen konnten nimmerdar
Die Haut ihr schwärzen durch das Haar.

   Nun stand sie höfisch da und sprach:
Für hohe Märe galts hernach,
Was sie zur selben Stunde (781, 1)
Kund tat aus fahlem Munde:
"O wohl dir, Sohn von Gahmuret,
An dem Gott Gnade nun begeht,
Du der von Herzeleiden erbte; (781, 5)
Feirefiß der bunt gefärbte
Soll mir auch willkommen sein.
Sekundille war die Herrin mein;
Auch erwarb sich hohe Würdigkeit
Von Jugend auf dein Preis im Streit." (781, 10)

   Zu Parzivalen sprach sie so:
"Nun sei demütigen Sinnes froh
Des dir beschiedenen Teiles,
Der Krone menschlichen Heiles!
Die Inschrift wurde gelesen: (781, 15)
Du bist zum Herrn des Grales erlesen.
Kondwiramur, die Gattin dein,
Und dein Sohn Loherangrein
Sind mit dir dazu benannt.
Seit du Brobarz geräumt, das Land, (781, 20)
Gebar zwei Söhne dir ihr Schoß;
Das Reich, das Kardeiß bleibt, ist groß.
Und wär kein ander Heil dir kund,
Als dass dein wahrhafter Mund
Den unseligen, den süßen (781, 25)
Mit froher Botschaft soll begrüßen!
Den König Anfortas erlöst
Die Frage deines Mundes und flößt
Ihm Freud ins Herz, dem Jammerreichen:
Wer mag an Seligkeit dir gleichen!"

   Sieben Sterne jetzt benannte (782, 1)
Sie auf arabisch. Ihre Namen kannte
Feirefiß der Heide reich;
Der saß da schwarz und weiß zugleich.
Sie sprach: "Ermiss nun, Parzival, (782, 5)
Der höchste Planete Zwal
Und der schnelle Almustri,
Almaret und der lichte Samfi,
Erweisen Heilskraft nun an dir.
Der fünfte heißt Alligafir (782, 10)
Und der sechste Alkiter
Und uns der nächste Alkamer.
Ich sag es nicht aus einem Traum:
Sie sind des Firmamentes Zaum,
Die seine Schnelligkeit zu hemmen (782, 15)
Kämpfend sich entgegenstemmen.
An dir hat Sorge nicht mehr Teil.
Was des Planetenlaufes Eil
Umkreist, ihr Schimmer überdeckt,
So weit ist dir das Ziel gesteckt, (782, 20)
Darüber sollst du Macht erwerben.
All dein Kummer muss verderben.
Unenthaltsamkeit allein
Soll dir nicht gestattet sein;
So wehrt dir auch des Grales Kraft (782, 25)
Der Sündigen Genossenschaft
Du hattest junge Sorg erzogen:
Nun dir Freude naht, ist sie betrogen.
Du hast der Seele Ruh erworben,
Dir Freud erharrt im Drang der Sorgen."

   Die Mär verdross den Degen nicht; (783, 1)
Vor Freud aus seinen Augen bricht
Wasser aus des Herzens Bronnen.
Da sprach er: "Herrin, hohe Wonnen
Hat mir euer Mund genannt. (783, 5)
Bin ich so vor Gott erkannt,
Dass mein sündhafter Leib,
Und hab ich Kinder, auch mein Weib,
Sie alle mit mir Gnad empfahn,
So hat Gott wohl an mir getan. (783, 10)
Dass ihr mich gern entschädgen mögt,
Das zeigt mir, dass ihr Treue hegt.
Doch hatt ich sicherlich gefehlt,
Sonst blieb mir euer Zorn verhehlt;
Ich wandelte noch nicht im Heil. (783, 15)
Des gebt ihr jetzt mir solchen Teil,
Dass sich endet all mein Leid.
Für die Wahrheit bürgt mir euer Kleid:
Da ich zu Monsalväsche saß
Bei dem traurgen Anfortas, (783, 20)
Alle Schilde, die ich hangen fand,
Waren gemalt wie eur Gewand:
Viel Turteltauben tragt ihr hie.
Nun sagt mir, Herrin, wo und wie
Ich soll zu meinen Freuden fahren, (783, 25)
Und lasst mich das nicht lange sparen."
Da sprach sie: "Lieber Herre mein,
Ein Mann soll dein Geselle sein,
Den wähle. Ich geleite dich;
Dass du ihm helfest, spute dich."

   Da wards im ganzen Kreis vernommen: (784, 1)
"Kondrie la Sorzier ist kommen."
Und was ihre Botschaft meinte,
Vor Freuden Orgeluse weinte,
Dass des Anfortas lange Qual, (784, 5)
Wenn ihn früge Parzival,
Bald ein Ende sollt empfahn.
Artus, der weit berühmte Mann,
Zu Kondrien höfisch sprach:
"Frau, denket nun auf eur Gemach: (784, 10)
Lasst euch pflegen, lehrt uns wie."
Da sprach sie: "Ist Arnive hie?
Welch Gemach mir die verleiht,
Damit genügt mir diese Zeit,
Bis mein Herr von hinnen fährt. (784, 15)
Ist sie ihrer Haft erwehrt,
So erlaubt mir sie zu schauen,
Und all die andern Frauen,
Die manches Jahr in strenger Haft
Klinschor hielt durch Zauberkraft." (784, 20)
Zwei Ritter hoben sie zu Pferd:
Zu Arniven ritt die Jungfrau wert.

   Schier zu Ende ging das Mahl.
Bei dem Bruder saß Herr Parzival:
Da bat er den um sein Geleit. (784, 25)
Feirefiß war gern bereit
Mit ihm gen Monsalväsch zu fahren.
Da sie all gesättigt waren,
Sie standen auf vom Tafelringe.
Der Heide dachte hoher Dinge:
Er bat den König Gramoflanz, (785, 1)
Wenn noch die Liebe voll und ganz
Sei zwischen ihm und seiner Nichten,
"So lasst es mir die Tat berichten.
Ihr und Freund Gawan helfet mir, (785, 5)
Dass alle Könige und Fürsten hier,
Barone, Ritter und sofort,
Ihrer keiner lasse diesen Ort,
Eh sie mein Geschenk ersehn.
Mir wäre hier en Schimpf geschehn, (785, 10)
Blieb' einer meiner Gabe frei.
So viel des fahrenden Volks hier sei,
Die müssen meine Gab empfangen.
Herr Artus, such es zu erlangen
Dass es die Hohen nicht verschmähen. (785, 15)
Wenn sie meine Schätze sehen,
Für den Reichsten gelt ich sicherlich;
Du aber nimm den Schimpf auf dich
Und gib mir Boten an das Meer:
Die holen die Geschenke her." (785, 20)

   Da gelobten sie dem Heiden,
Sie wollten sich nicht scheiden
Von dem Feld vor vier Tagen:
Da ward er froh, so hört' ich sagen.
Artus gab kluge Boten her, (785, 25)
Die er sollte senden an das Meer.
Feirefiß, Gahmuretens Kind
Nahm Tint und Pergament geschwind.
Sie ließen seine Schrift wohl gelten:
So viel erwarb ein Brief noch selten.

   Die Boten fuhren bald hindann. (786, 1)
Parzival derweil begann:
Französisch sagt' er allen laut
Was einst ihm Trevrezent vertraut,
Dass den Gral zu keiner Zeit (786, 5)
Jemand erwerben möcht im Streit,
Den nicht Gott dazu benannt.
Da ward es kund in allem Land,
Im Kampf erring ihn nie ein Held.
Die sonst dem Grale nachgestellt, (786, 10)
Ließen es von dieser Frist,
Daher er noch verborgen ist.

   Von Feirefiß und Parzival
Kam da den Frauen neue Qual.
Den Urlaub wollten sie nicht lassen: (786, 15)
Sie ritten durch des Lagers Gassen
Und grüßten scheidend jedermann.
Mit Freuden schieden sie hindann
In Stahl gewappnet wohl zur Wehr.
Am dritten Tag kam von dem Heer (786, 20)
Des Heiden solche reiche Habe,
Man hörte nie von größrer Gabe.
Auf ewig halfs des Königs Land,
Der Gab empfing aus seiner Hand.
Nach Sandsgebühr ward jedem da, (786, 25)
Dass er nie reichre Gabe sah,
Den Frauen all ein reich Präsent
Von Triand und Naurient.
Weiß nicht wie sich das Heer geschieden;
Kondrie, die zwei, ziehn hin in Frieden.

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