www.wissen-im-Netz.infoWolfram von Eschenbach - Biografie |
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Homepage Literatur Eschenbach Biografie 1. Wolframs Heimat 2. Stand 3. Vermögen 4. Wolfram u. Walther 5. W. Nachbarschaft 6. Eheliches Leben 7. Wolframs Werke 8. W. und Gottfried 9. Kiot 10. Flegetanis 11. Mythos vom Gral 12. Deutung 13. Anklänge Mythen 14. Chronik Anjou 15. Parzivals Abent. 16. Parzival Peridur 17. Kritik Mabinogi 18. Ursprung Fortb. 19. Templerorden 20. Loherangrin 21. Klinschor 22. Priester Johannes 23. Verchristlichung 24. Jüngere Titurel 25. Albrecht und Kiot Anmerkungen |
7. Wolframs WerkeEs sind folgende: 1) Sieben Lieder, meistens Tageweisen oder Wächterlieder, eine nach Wolfram, der für ihren Erfinder gilt, lange in Gebrauch gebliebene Gattung, die den provenzalischen Albas nahe verwandt, doch das Eigentümliche hat, dass die Liebenden, welche verstohlener Minne pflegen, nicht unmittelbar durch das Morgenrot (alba, aube), sondern durch den Wächter auf der Zinne, in dessen Hut sie sich befohlen haben, geweckt und zum Scheiden ermahnt werden. Der Dichter scheint aber das Unsittliche solcher Schilderungen empfunden und sich fernerhin derselben enthalten zu haben. Eins dieser Lieder, das als ein abschied von der Gattung gelten kann, schließt mit den Worten:
Ähnlich warnt Gurnemans (172, 15) vor unedler Minne:
2) Der Parzival, sein größtes und allein vollendetes Werk, und zugleich das bedeutendste deutsche Kunstepos, denn die Niebelungen, die Gudrun usw. gehören als Volksepen in eine ganz andere Klasse. Zwar ist der Parzival so wenig als Hartmanns Iwein, oder Gottfrieds Tristan für den Gesang bestimmt, wie denn alle diese Gedichte nicht einmal in einem strophischen Maß, sondern in jenen beliebten kurzen Reimpaaren gedichtet sind, aus welchen sich späterhin der Knittelvers entwickelt hat; nur der Titurel macht davon eine Ausnahme. Wollte man sie aber darum nicht für epische Gedichte, sondern nur für den Gesang gereimte Romane erklären, so träfe das Urteil mit gleichem Recht jedes andere Kunstepos, denn auch Dante, Ariost und Tasso haben nicht für den Gesang gedichtet, und wenn in Italien einzelne Strophen ihrer Gedichte noch wirklich gesungen werden, so hat auch der Parzival lyrische Stellen, die sich für den Gesang eignen würden, wenn die Weise erhalten wäre, nach welcher ursprünglich auch die kurzen Reimpaare, z.B. das Ludwigslied, gesungen wurden. Hat aber der Parzival dies Maß mit den meisten erzählenden Gedichten seines Zeitalters gemein, so ragt er doch durch seinen Inhalt schon darum weit über sie alle hervor, weil er sich nicht, wie die bedeutenderen der übrigen, auf die bretonische Sage und den Kreis der Tafelrunde beschränkt, sondern von dem Mythos des Grals ausgehend, den König Artus und den vornehmsten Helden der Tafelrunde zwar nur episodisch einflicht, aber doch anschaulicher schildert, als irgend ein anderer Roman. Indem er das weltliche wie das geistliche Rittertum umfasst, die eben damals in ihre höchste Blüte traten, stellt er das gesamte, nur im Ritterstand atmende, Leben seiner Zeit, das äußere wie das innere, mit solcher Treue und Gewissenhaftigkeit dar, als wenn er es darauf angelegt hätte, die Trachten, Sitten und Gebräuche nicht minder als den Glauben, die Gesinnung und die höchsten Ideen einer schnell vorüber rauschenden Glanzperiode der Nachwelt in einem dauernden Spiegelbilde zu fesseln. Doch all dieser Reichtum der Begebenheit und Schilderung, alle Herrlichkeit des Grals, alle Pracht der Tafelrunde wären verschwendet, wenn sie der Gedanke des Dichters nicht beherrschte und durchdränge. Was den Parzival zum unvergänglichen Kunstwerk stempelt, wodurch Wolfram seine welschen Vorgänger, die ihm den Stoff überliefert haben, weit hinter sich lässt, ist eben das dichterische Bewusstsein, womit er alle diese Äußerlichkeiten auf das innere Leben seines Helden bezieht, dessen geistige Entwicklung er in allen ihren Phasen offen vor uns darlegt, den er aus der kindischen Einfalt in die Entzweiung, ja zur Verzweiflung führt, um ihn aus dieser durch harte Prüfungen geläutert, zur Versöhnung und Heiligung gelangen zu lassen. Bei Meister Chrestiens von Troyes, der vor Wolfram die Gralssage behandelt hatte, tritt uns dieser Grundgedanke noch nicht entgegen, und soweit wir die französischen und provenzalischen Dichter kennen, ist er keinem derselben zuzutrauen. Vgl. was unten über Wolframs vorgeblichen Gewährsmann, den Kiot, gesagt werden wird. 3) Die beiden Bruchstücke des sog. Titurel, die gleichsam zum Parzival gehören und ein Ganzes mit ihm bilden, indem sie die Liebesgeschichte Schionatulanders und Sigunens, die wir schon im Parzival kennen lernten, zum Gegenstand haben. Den Namen Titurels führen sie nur zufällig, da der Dichter ausdrücklich sagt, dass Schionatulander der Herr der Aventüre sei. Läge uns das Gedicht vollendet und ganz erhalten vor, so würde es einen seltsamen Gegensatz zum Parzival bilden, dessen Held der höchsten Aventüre nachjagt, während Schionatulander sein Leben um den Besitz eines Brackenseils hinopfert. Es scheint indes nicht, dass Wolfram mehr als diese Bruchstücke gedichtet habe, und wenn die letzten Zeilen nicht ausdrücklich auf das Folgende hinwiesen, so dürfte man glauben, es sei nie seine Absicht gewesen, die Geschichte noch weiter zu führen, umso mehr, als der tragische Ausgang derselben den Lesern aus dem Parzival bekannt war. Jedenfalls müsste es auffallen, wenn der Dichter zwei unvollendete Werke hinterlassen haben sollte, da der Willehalm doch wohl unzweifelhaft Bruchstück geblieben ist. Wie es sich auch damit verhalte, so möchte uns eher der Titurel, als der Willehalm Wolframs letztes Werk scheinen, da wir in diesen wenigen Strophen das Schönste und Feinste besitzen, das unserm Dichter und der mittelhochdeutschen Kunstpoesie überhaupt gelungen ist. Man pflegt unsere Bruchstücke den ältern Titurel zu nennen, weil ein jüngerer vorhanden ist, der lange Zeit gleichfalls für Wolframs Werk gegolten hat, obgleich dies ebenso langweilige als lange Gedicht seiner völlig unwürdig ist. 4) Der Willehalm, welcher die Taten des heiligen Wilhelm von Orange, eines Zeitgenossen Karl des Großen, in dessen Sagenkreis er gehört, zum Gegenstand hat. Da aber der Dichter den ersten Teil dieser heroischen Legende als bekannt voraussetzt, und ihren Inhalt nur kurz andeutet, sein Werk aber unvollendet geblieben ist, so dass es nur die Schlacht auf Alischanz und die Belagerung von Orange umfasst, so haben zwei andere Dichter, Ulrich von dem Türlin und Ulrich von Türheim, die man ihrer ähnlich lautenden Namen wegen nicht für eine Person halte, Anfang und Ende hinzugefügt, und zwar scheint Ulrichs von dem Türlin erster Teil zwischen 1252 und 1278 gedichtet. Der Parzival ist das älteste von Wolframs Gedichten, da sowohl im Willehalm als im Titurel darauf Bezug genommen ist. Er scheint vor der Mitte des ersten Jahrzehntes des dreizehnten Jahrhunderts begonnen, und vor der Mitte des zweiten beendigt. In die folgenden fünf Jahre mögen der Titurel und der Willehalm fallen. |
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